AirrerchaLtNngsblatt jum Giehenev Anzeigen (GenevQl-2lnzsrger)l 1894. WMW . £l' WMMMT Donnerstag, den 13. December. Rechte Liebe. Novelle von H. Limpurg. (Fortsetzung.) Ale Major Sendrach daheim in seinem Zimmer auf Schloß Bärseld anlangte, war der strahlende Ausdruck seiner Augen erloschen, zwischen den dichten Brauen lag eine Falte und er ballte die Faust beim Auf- und Niederschreiten durch'» Gemach. „Ich darf ja nicht," murmelte er stöhnend, „es ist ein Verbrechen, dies junge, liebliche Geschöpf an meine Jahre zu ketten. Ich bin wohl dreißig Jahre älter als sie, dazu ein Wittwer. — Nein, ich will kein Thor sein, morgen rücken wir ab und der schönste Traum meines Lebens zerrinnt. — O, mein Gott, und ich wäre doch so gern noch glücklich geworden, denn ich meine — daß Ada mich liebt." Bei Tisch erschien die Tochter des Hauses nicht; sie sei von dem Frühritt angegriffen und wolle de? Balles wegen ruhen, so erklärte die Baronin auf die Fragen der Herren. Nach Tisch fand der Major Sendrach Gelegenheit, zu der Dame zu treten, er kämpfte einen Augenblick, dann aber begann er tiefernst: „Sie werden heute Abend auch beim Balle sein, Frau Baronin, und vorher hätte ich den Wunsch, mit Ihnen eine Unterredung zu führen. Darf ich bitten —" Sie sah einigermaßen verwundert den augenscheinlich tieferregten Mann an, dann aber schritt sie, das Haupt gewährend neigend, den Parkweg entlang, indeß die Uebrigen auf der Veranda blieben. „Was hätten Sie mir zu sagen, Major Sendrach?" frug sie gütig. „Sie haben sich in den Tagen Ihres Aufenthalts schon wie ein guter Bekannter bei uns eingelebt, daß ich mich herzlich freue, Ihr Vertrauen zu erlangen." „Wer weiß, gnädigste Frau, ob Sie noch weiter so für mich gefinnt sein werden, wenn ich Ihnen sage, daß ich — Ihre Fräulein Tochter liebe —" Er hatte gemeint, die Dame ganz überrascht zusammenfahren zu sehen, aber sie schritt weiter, ein milder Ausdruck lag auf den noch immer schönen Zügen. „Ich habe es seit zwei Tagen kommen sehen, Herr Major, sie sagen mir nichts Neues!" «Frau Baronin," rief halberstickt vor Freude der stalt- liche Offizier, „und Sie zürnen mir nicht, dem älteren Manne, f der es wagt, sein Auge auf dies liebliche Mädchen zu er- - heben?" „Ich zürne Ihnen nicht, mein Herr, über ich muß vor Uebereilung warnen." „Wie meinen Sie bas, Frau Baronin? Ein Mann in meinen Jahren vertritt jedes Wort, was er sagt." „Gewiß, und Ihre Meinung ist gewiß eine klare, reine, kein Truggold, Herr Major, doch mein Kind hat erst hineingeblickt in's Leben, sie kennt sich und Ihr Herz noch nicht." „So wellen Sie meine Hoffnungen und Wünsche ab, gnädige Frau?" „Nein, mein Herr, aber — Sie sollen sich Beide erst prüfen. Legen Sie die Trennung zwischen sich und Ada, damit Sie erkennen, ob es Siebe oder nur Leidenschaft ist, was heute Ihr Gemüth bewegt- Ich habe mein Kind heute in Thränen gefunden, sie wollte nicht sagen, weshalb sie weine, und ich weiß, daß auch sie einen Eindruck empfangen hat, aber das genügt noch nicht —" „Darf ich wenigstens das Fräulein fragen, ob ich wiederkommen soll?" Mit warmem Blick reickte Frau von Bärfeld dem Tief- ergriffenen die Hand. „Ja, das dürfen Sie, Herr Major, und — ich will aus vollster Seele zum Allmächtigen beten, daß er Ihr und Adas Schicksal vereint. Ich meine, lieber und beruhigter würde ich das Kind nie einem Manne über* lassen, als Ihnen — “ „Ich danke Ihnen, Frau Baronin," entgegnete Sendrach feuchten Auges und küßte die schlanken Finger, „und das gelobe ich Ihnen schon heute, ich will Ada auf den Händen tragen, wenn ich das Glück haben sollte, sie zu gewinnen." „Nun denn, so prüfen Sie sich Beide." „Nun — wollen Sie mir noch eine Bitte erlauben. Wenn Sie sehen, daß Ihre Fräulein Tochter mich wirklich liebt und unter der Trennung leidet, werden Sie mir dann ein Zeichen geben —" „Ja, das werde ich von Herzen gern," nickte die Dame, — „im Uebrigen — freue ich mich stets, ab und zu Briefe von lieben Bekannten zu erhalten." „Frau Baronin, Sie machen mich sehr glücklich, ich danke Ihnen aus bewegtem Herzen." „Still, Herr Major, laffen Sie uns zurückkehren, es wird Zeit, daß wir Damen uns zum Balle zurechtmachen. Wir fahren um sieben Uhr." * Voll strahlendem Vergnügen und unter stetem Geplauder begann Marie die Toilette und auch Ada hatte sich ebenfalls wieder gefaßt, um mit etnstimmen zu können in das Lachen der Freundin. 582 Armen über das Parquet, welcher, ganz geblendet und verwirrt über diese Huld der Cousine, sogleich beschloß, heute ein entscheidendes Wort zu sprechen. Aber o wehl Wo sollte er die Gelegenheit dazu finden? Immer ein Tänzet nach dem anderen stellte sich zu Extratouren ein, der Walzer verrann und Egon mußte sich auf de« Cotillon vertrösten. Mit Herzklopfen vernabm Ada die intonirenden Klänge der Quadrille, und schon stand ihr stattlicher Tänzer vor ihr, um ihr den Arm zu bieten. „Dort drüben ist unser Carröe, Fräulein Ada." Zum * ersten Male nannte er ihren Namen, ein Gefühl süßer Sicherheit überkam sie, als sie so an seinem Arm dahinschritt. Und dann begann der Tanz. Gerade die Quadrille, obwohl einer der graciösesten Tänze, bietet nur wenig Gelegenheit zur Conversatlon und dennoch meinte das junge Mädchen, noch nie so glücklich gewesen zu sein als jetzt, wenn seine Hand fest und innig die ihre umschloß oder sein Blick beim chasse leuchtend den ihren traf. „Das wäre nun auch vorbei," bemerkte der Major nach Schluß der Quadrille, seine Partnerin in ein Nebenzimmer geleitend, „all' die Freuden, welche dem Menschen bevorstehen, verrauschen nur zu bald — und dann kommt der Abschied." Ada wußte nicht mehr, woher sie die Kühnheit genommen, aber sie blickte ernst und bittend zu dem schönen Manne an ihrer Seite auf und sagte leise, mit tiesbebenden Tönen: „Aber es gibt ein Wort, welches auch über den Abschied hinweg hilft. Wenn Menschen auseinandergeh'n . . ." Da brach ein erstickter Jubelruf aus dieser Mannesbrust, dä preßte Sendrach fester den Arm des jungen Mädchens an sich und murmelte, sich zu ihr niederbeugend, halb unbewußt: „Dann sagen sie: Auf Wiederseh'n! O, mein Liebling, darf ÖU$ Me^Ada^zu antworten vermochte, fluthete die Gesellschaft lachend um sie her; ihr Arm löste sich aus dem Sendrachs und mit tiefer Verbeugung war er verschwunden. „Unser guter Major ist sicherlich ein recht langweiliger Partner gewesen," lachte einer der jüngeren Osfiziere, welcher Ada zum Rheinländer abholte, „ich habe kaum einige Male gesehen, daß er mit Ihnen, meine Gnädigste, converstrte." „D, das war auch nicht nöthig," schnitt Ada die Bemerkung kühl ab, „man muß bet der Quadrille so aufpaffen, daß man zum leeren Wortaustausch gar nicht kommt." Und dann erschien der Tanz aller Tänze, der heiß herbeigewünschte CotillonI Marie rauschte, ganz selig vor Wonne,, an die Freundin heran und flüsterte ihr hastig zu: „Ada, mein Herz, nun habe ich meine Ansicht doch geändert I Rittmeister Werder ist der charmanteste der ganzen hiesigen Herrn Offiziere und gar nicht zu vergleichen mit dem einsilbigen, langweiligen Major Sendrach, der kaum die nöthigsten Höflichkeiten für eine Dame hat. Rittmeister Werder geht zufällig ebenfalls nach Wiesbaden —" Baron Egon erschien mit strahlendem Gesicht, um seine Partnerin an den von ihm reservirten Platz zu führen, doch auch hier verfolgte ihn heute ein tückisches Mißgeschick, denn keine fünf Minuten blieb Ada an seiner Seite. Endlich kam die Ordenstour und zögernd wählte Fräulein von Bärfeld unter den flimmernden Ehrenzeichen, welche für die Tänzer bereit lagen, aber — die Mama hatte es ja gewünscht und so schritt sie, wie mit Blut übergossen, aber ruhig und sicher, aus den hohen ernsten Mann zu, der dort hinten im Saale an einer Säule lehnte. Jetzt stand sie vor ihm und heftete mit bebender Hand ihren Orden dicht neben das eiserne Kreuz, welches seine Brust zierte. Und dann flog sie an seinem Arm dahin wie im Traum, sie meinte, es könne gar nicht aushören — es war zu schön- „Fräulein Ada," sagte er leise während des Tanzes, daß nur sie es zu verstehen vermochte, „also darf ich sagen: Auf Wiedersehen?" „Ja," kam's wie ein Hauch zurück und Sendrach hielt still an dem Platz, den Ada einnahm. „Wie lange soll ich fern bleiben, Ada?" „Höre, Ada," flüsterte letztere geheimntßvoll, „heute Mittag habe ich neben Major Sendrach gesessen, ach und er war so reizend! Er erzählte nur immerfort von seiner Kleinen und seinem einsamen Leben, frug mich, ob ich gern tanze und — nun, ich sage Dir, Herzchen, ich bin fest entschlossen, wenn er um mich anhält, Ja zu sagen." L i „Aber Marie, Du weißt ja noch gar nicht, ob er das thun wird?" „O, man hat so seine Ahnungen! Beim Dessert ließ er mich einen Bonbon knallen und — und da war ein Vers darin!" „Nun, das ist gewöhnlich großer Unsinn! Wie hieß es denn darin?" „Laßt uns vereint im Denken und Handeln Im Polkaschritt durch dieses Dasein wandeln!" citirte erröthend und besangen das Fräulein. „Ach, und er lachte dabei so herzlich —" „Hm, Major Sendrach sieht gar nicht aus, als ob ihm am Polkaschritt etwas läge," meinte Ada etwas ironisch, „das müßtest Du an dem von ihm zurückgewiesenen Walzer doch wohl wissen." „Hm, wir wollen sehen. Er ist zu reizend und wenn ich ihn nicht bekomme, weine ich mir die Augen aus dem Kopfe. Apropos, ich muß schon übermorgen abreiien, meine Cousine hat mich sür einige Wochen nach Wiesbaden eingeladen." Endlich war das große Werk der Toilette beendet. Beide Mädchen trugen weiße, duftige Gewänder; an Marie flimmerte und glitzerte weiche Silbergaze, hier und da von träumerischen Wasserrosen gehalten, auch im dunklen Haar steckte eine gleiche Ranke, deren Enden an der Schulter besestigt waren. Sie sah sehr schön aus und doch kam Adas lieblich mädchenhafte Schönheit auch neben ihr voll und ganz zur Geltung, trotzdem sie nur schlichte Apfelblüthen im Haar und am Silbergürtel trug. Träumerisch blickte sie ihr Bild im Spiegel an, eine helle Röthe särbte die zarten Wangen, als Sendrachs leuchtendes Auge vor ihrer Seele austauchte. „Seid Ihr fertig?" frug die Baronin an der Thür und betrachtete beifällig die beiden graciösen Erscheinungen. „Nun, dann hüllt Euch gut ein, der Wagen ist vorgesahren." ' Sie nickte Ada nochmals liebevoll zu und wandte sich dann hinaus. „Ach, ich vergaß meinen Fächer," ries sie plötzlich stehen bleibend, „Kind, hole ihn doch bitte aus meinem Zimmer." „ x Marie schritt indessen voran, denn st« hörte unten schon die Stimmen der Herren und Frau von Bärfeld hatte ihren Zweck schon erreicht! Als Ada mit dem Fächer wi der kam, küßte sie sie zärtlich auf die Wange und sagte: „Mein Liebling, Gott, sei mit Dir und mache Dich glücklich! Deine Augen leuchten heute so besonders hell!" „Ich freue mich auch so sehr, Mama," antwortete das junge Mädchen, „ach — ich hätte Dir so viel zu sagen — wenn wir wieder allein sind." Bei den Worten wandte sie sich ab, denn wieder stürzten verrätherische Thcänen aus den blauen Augen und nur mit Mühe gelang es ihr, die Fassung wieder zu erlangen. „Mein Liebling," nickte zärtlich die Mutter, „sage mir immer Alles, was Du auf dem Herzen hast! Und roch Eins, ehe ich es vergesse: Du mußt beim Cotillon eine Tour mit Major Sendrach tanzen, das erfordert die Höflichkeit." Sie sah noch die glühende Röthe, welche Adas Gesichtchen über floß, dann schritt sie hinaus, dem Wagen zu. Strahlender Lichterglanz fluthete den Ankommenden entgegen aus dem bereit» übervollen Ballsaal und im Nu waren die jungen Mädchen von Tänzern umringt, welche ihre Namen in die zierlichen Elfenbeinkarten eintrugen. Nur dis Quadrille behütete Ada sorgsam und als plötzlich Sendrach, wortlos, mit tiefer Verbeugung, zu ihr trat und nach der Tanzkarte griff, reichte sie sie ihm ebenso schweigend. „Ich danke unterthänigst!" Mit dem für die Umstehenden bestimmten Wort und einem einzigen warmen Bücke trat er zurück und Ada flog gleich darauf selig lächelnd in Egons 583 Am nächsten Morgen ritten die Husaren ab. Er war «rst sechs Uhr früh und die Damen vom Hause noch nicht erschienen- Major Sendrach, der sehr ernst aussah, schüttelte herzlich dankend die Hände des Hausherrn und bat, Grüße an die Damen bestellen zu wollen; dann stieg er sporenklirrend . in den Sattel — just int selben Moment, als oben ein Fenster klirrte und eine halbwelke Wasierrose zu seinen Füßen fiel. Verächtlich schleuderte er sie bei Seite - das Zweiglein Apfelblüthe lag auf seiner Brust und flüsterte ihm zu: „Auf Wiedersehen I" , , „Was blasen die Trompeten Husaren heraus," verhallte die Trompetenfanfare in der Ferne und Ada barg völlig faflungslos da« thränenüberströmte Gesichtchen in den Kiffen ihres Lagers, während Marie ganz verwundert vor ihr stand und immerfort frug: „Ja aber, Ada, weshalb weinst Du denn so sehr? Ist Dir Vetter Egons Abschied wirklich so nahe gegangen?" „Rufe mir die Mama," bat das junge Mädchen mit erstickter Stimme, „ste soll zu mir kommen, ich — ich will mit ihr sprechen I" Und dann, als die gütigste der Mütter auf dem Bett» rand saß und das blonde Köpfchen ihres Lieblings zärtlich an sich preßte, da fand Ada die Worte, all' das zu sagen, was ihr dar Herz bedrückte. „Mama, ach, Mama, er hat mir gesagt, daß er mich wiedersehen möchte — und ich habe ihn — so lieb gewonnen, ach, so sehr lieb, wie ich'» gar nicht sagen kann! Wird er denn wiederkommen oder war das Alles nur ein leerer Traum?" „Nein, meine Ada, kein Traum," entgegnete sanft die • Baronin; „er hat Dich auch sehr lieb und Ihr sollt nur Eure Liebe erst prüfen, ob sie die Trennung überdauert. Aber ich meine — Sendrach kommt wieder." „Nicht — zu lange — auf Wiedersehen —" Eie wußte kaum, daß sie wieder neben Egon saß, daß die Bouquets sich um sie her aufhäuften und die Musik end- lich mit einem schmetternden Tusch den Ball schloß Nochmals stand Major Sendrach vor ihr, Egon verwünschte den ernsten Herrn Vorgesetzten, der ihm abermals die wohlgesetzte Rede vom Munde abschnitt. „Mein gnädigstes Fräulein," sagte Sendrach laut ver» nehmlich für die Umsitzenden, „ich wollte mich so gern revan» chiren für den glänzenden Orden, den Ihre Hand mir gebracht, aber nun hat die Musik aufgehört und ich muß bitten, dies Bouquet noch nachträglich von mir anzunehmen." Mit süßem Lächeln nahm Ada die Blumen, ihre Hände streiften sich leicht und Sendrach trat ohne noch ein Wort zu sagen, zurück, gerade als die Baronin ihr Töchterchen abholte. „Komm', mein Kind, der Papa wartet, es ist schon so spät geworden." „Aber Deine Bouqets, Cousine, Du vergißt sie," rief Egon, doch Ada wehrte mit der Hand ab. „Laß nur, eins nehme ich zum Andenken mit, aber all das übrige Heu kann ich nicht mitschleppen." Eben dies eine Bouquet war das von Major Sendrach erhaltene. Unten am Wagen stand er und hob wie selbstverständlich die Damen hinein; als er mit innigem Drucke Adas Hand gehalten und ste neben der Mutter saß, fiel der Schlag zu und der einsam Zurückgebliebene beugte sich zur Erde, um etwas aufzuheben. Es war eine rosige Apfelblüthe, die nun unter'm Attilla auf einem tief erregten Mannesherzen ruhte. „Ja, mein Liebling, ich komme bald — auf Wiedersehen! Bleibe mir treu in Liebe — wie ich Dir." Eine Sternschnuppe fiel leuchtend zur Erde und Sendrach athmete schwer. „Ein Wink vom Himmel, daß auch einem einsamen, alternden Manne noch Glück, reiches, köstliches Glück beschieden sein kannl Und ich will sie auf Händen tragen, mein Lieb' und mein Stern! Schlafe wohl, Ada, auf Wiedersehen!" Schon nach wenigen Tagen kam ein Brief des Majors und als Mutter und Tochter beisammen saßen, Fräulein von Pohl war wieder abgereist, schob Erstere Ada den Brief freundlich hin: „Lies, mein Kind, was uns Major Sendrach schreibt." Diese Briefe, von kräftiger, eleganter Männerschrift, wurden von nun an die schönste Freude in Adas stillem Leben; sie wußte, daß die Mutter sie jederzeit gewissenhaft beantwortete und die Hoffnung, ihn bald wiederzusehen, blühte immer schöner und heller in ihrer Seele auf, je kälter und einsamer es draußen in Feld und Flur wurde. Weihnachten kam näher, es gab sehr Vielerlei zu thun und die Baronin lächelte gar geheimnißvoll, wenn sie ihr Töchterchen eifrig Alles besorgen und anordnen sah, was zur Bescheerung der Armen im Dorfe diente. „Nun, Kleine, was wünschest Du Dir denn?" frug sie einstmals gütig und Ada kniete vor ihr nieder, die Hände über der Brust faltend und mit schimmerndem Blick zu ihr emporsehend: „Viel, Mama, sehr viel — ein ganzes Herz! Und allein sür mich," flüsterte sie ernstbewegt. Aus dem heiteren, übermüthigen Mädchen war eine Jungfrau geworden, deren Herz sehnsüchtig dem fernen geliebten Manne entgegenschlug. „Sei still und stark, mein Kind," tröstete die Mutter, „und frage die Sterne am Himmel, vielleicht schimmert dar goldene Weihnachtsfest unter denselben auch für Dich." Jenen einen Brief des Majors, der in diesen Tagen angekommen, hatte Ada nicht bemerkt; er enthielt die Frage und Bitte, an Weihnachten kommen zu dürfen. „Sie ahnen nicht, gnädige Baronin," schrieb er, „wie ganz besonders einsam und öde mein Leben dahinfließt, seit Adas süßes Bild vor meinem Geiste immer wieder auftaucht. Wenn ich sie hier haben dürfte als mein angebetetes Weib, welch' ein glückliche» Dasein sollte es mir werden- Haben Sie Erbarmen, taffen Sie mich zu ihr eilen und in ihren blauen Augen mein Schicksal lesen!" Und bald kam eine Antwort auf diesen Brief. „Ich danke Ihnen herzlich, sehr verehrter Herr Major, für Ihren Brief, der mir viel zu denken gab, und ich meine wohl das Richtige getroffen zu haben, wenn ich Ihnen nun endlich sage: Kommen Sie zu meinem Kinde, damit seine Augen wieder lernen, zu lächeln!" Wie jener ernste Mann im einsamen Zimmer aufzauchzte beim Lesen dieser Zeilen, wie er emporsprang und im Auf- und Niederschreiten seine Gefühle zu bezwingen suchte. „Nicht mehr allein," murmelte er leuchtenden Blickes, „ein Stern fällt nieder vom Himmel an mein Herz! Und ich will ihn hegen und hüten bis an mein Ende, bis der letzte Athemzug beim Nennen ihres Namens entflieht. O, Ada, mein theurer Liebling!" Leise schritt er hinüber in das Kinberzimmer, wo hinter grünseidenen Vorhängen ein süßes, rosiges Gesichtchen schlummerte; zärtlich neigte er sich über sein kleines Töchterchen. „Schlafe süß, mein Liebling," flüsterte er bewegt, „Du sollst eine neue Mutter bekommen, die Dich zärtlich in ihre Arme schließt. Ja, Gott helfe mir dazu, daß ich sie erringe. Auf Schloß Bärfeld wurden all' die Festvorbereitungen getroffen, Kuchen gebacken, Marzipan gerührt, das Haus ze» putzt und endlich stellte man auch den grünen, duftenden Tannenbaum in den großen Saal, wo die Bescheerung aufgebaut werden sollte. , „ , . „Onkel Eduard hat sich angesagt," bemerkte die Baronin eines Morgens lächelnd, „er will am Tage vor dem heiligen ^^"^Dein^Bruder Traunstein?" frug Bärfeld hinter der Kreuzzeitung hervor- „O, das ist schön, der wird Leben und Heiterkeit in das Fest bringen. Ich hole ihn natürlich I !‘dbfi „Ada kann Dich begleiten," meinte die Mama, „ich habe i noch etwas zu thun, wobei ich sie nicht brauchen kann und da ! ist mir's lieb, wenn sie fort ist." (Schluß folgt.) 584 — Gemeinnütziges» Hitze. fpielig. Springerlen. Zucker 1 Pfund gerieben, 4 ganze Eier (fein Schnee) lange gerüknt, dazu die Schale einer Citrone sehr fein gewiegt, eine Messerspitze voll Hirschhornsalz und zuletzt 1 Pfund MM. Der Teig wird mit einem Tischtuch zugedeckt und V2 Stunde ruben gelaffen. Das Blech wird mit Anis gut bestreut, vorher mit Wachs bestrichen, die Formen werden in Mehl getunkt. ♦ Choeolade-Mufcheln. Es werden ein Pfund Mandeln samwt der Schule aus dem Ersen gerieben, ebenio 12 Loth Eho- colade, 6 Eiweiß zu Schnee geschlagen, mit 1 Pfund Zucker eine halbe Stunde gerührt, dann kommen Mandeln. Eaoco- lade, 1 Loth Zimmt darunter. Man kann auch E krönen- schalen Hinzuthun. Die Mafle bleibt über Nacht stehen. Es werden dann Wärgeln so groß wie eine Wälschrmß gemacht, in Zucker getaucht, in die Form gedrückt und in kühlem [Öfen gebacken. * Palmiers. 500 Gramm gesiebtes Mehl, 375 Gramm gestoßene und etwas gehackte Crtrone werden gut gemengt. Hierauf treibt man die Mafle aus und sticht kleine runde Plätzchen daraus, welche man mit Ei bestreicht, in der Mitte mit Häuschen feingehackler, gesüßter Mandeln belegt und bei gelindem Feuer hellgelb bäckt. • Haselnutz-Macrone«. 500 Gramm geriebene Nüfle, 500 Gramm geriebenen Zacker, 8 Eiweiß Man schlägt das Eiweiß zu steifem Schnee, mischt Alles gut, bestreicht ein Blech mit Wachs, setzt mit einem Theelöffel kleine Häufchen auf das Blech und bäckt die Maeronen bei sehr mäßiger Mandelbäckerei. 28 Deka feingestobene Mandeln, 28 Deka Staubzucker, Citronensaft und Schale, drei ganze Eier, 28 Deka Mehl, genügend Rosenwafler, Alles am Brett abarbeiten, auf Oblaten kleine Häuschen aussetzen und backen. * * Kleine Chocoladebäckerei. Man mischt 14 Deka feiNgestebten Zucker, 2 Tafeln auf dem Brette, vermengt damit den steifen Schnee von zwei Eiklar; auf weiße Oblaten werden beliebige Formen dieser Mafle aufdressirt. Langsam in der Röhre backen. * , Einfacher Pfefferkuchen. 2J/2 Pfund Mehl, 1 Pfund Honig, 1 Piund besten Syrup, V2 Pfund Zucker, 7 Gramm Nelken, 7 Gramm Zimmt, Citronenschale, 10Psg Suc- cade, 5 Pfg. Pomeranzen chale, 1 Löffel Schmalz. Zu jedem Pfund Mehl ein gestr>chener Theelöffel doppelkohlensaures Natron in 1 Eßlöffel Arac aufgelöst. Man kocht Honig, Syrup und Zucker und gießt es übers Mehl, welches zuvor mit den feingestobenen Gewürzen gut vermischt ist. Den Teig läßt man dann ein paar Tage an einem warmen Orte stehen, rollt ihn ziemlich dünn aus und sticht Figuren davon aus. Dieser Pfefferkuchen ist wohlschmeckend und nicht kost- $ H * Braune Pfeffernüsse. V2 Kilogramm guter Syrup, 200 Gramm Zucker und 200 Gramm Butter werden unter fortwährendem Umrühren eine Weile zusammen gekocht, gehörig abgeschäumt und einige Zeit zum Abkühlen bei Seite gestellt; inzwischen mengt man 1 Kilogramm Mehl mit 30 Gramm Milch oder Rum, aufgelöster Pottasche, 2 bis 3 Eiern, 3 Gramm gestoßenen Nelken und ebensoviel Kardamom, gießt den Symp dazu, arbeitet die Maffe gut durcheinander, formt sie zu einem Brod und läßt dasselbe, mit Mehl bestreut und zugedeckt, ungesähr 14 Tage stehen, rollt es zu einer 1 Gen» timeter dicken Platte aus, sticht kleine runde Häufchen ober Bällchen davon ab, setzt sie auf einem butter bestrichenen Blech entweder einzeln in bestimmten Entfernungen hin oder drückt sie dicht aneinander zu einer großen Tafel zusammen und bäckt sie bei guter Mittelhitze eine reichliche Viertelstunde. * ♦ Citronenarrflauf. 6 Eidotter werden mit feingestoßenem Zucker, der zuvor an 2 Citronen abgerieben ist, schaumig gerührt, dann gibt man den Saft von einer Gitrone dazu, schlägt die 6 Eiweiß zu dickem Schnee und zieht denselben leicht durch die Mafle. Eine nicht zu Hobe Porzellan - schüflel wird gut mit Butter gestrichen, die Maffe eingefüllt, und diese bei ziemlich starker Hitze, im Rohre gebacken. ^Römische Torte. V2 Pfund Mehl,' V4 Pfund Butter, 5 Loth Zucker, der an einer Gitrone abgerieben und gestoßen wird, werden mit 1 Ei auf dem Nudelbrette zu einem Teig verarbeitet, mefferrückendrck ausgewalkt, 2 runde Blätter gemacht und diese auf einem Blech hellgelb gebacken. Nun belegt man ein Blatt mit Eingisottenem, legt das andere Blatt darauf, (übt autgezuckerten Rahmschnee dick darüber und verziert es mit Eonfect. Vermischtes. Goldne Regel für alle Tage. 1. Zeit tstGeld. Da stutzt das liebe Hausmütlerchen und lacht. Aber es ist sehr wahr geredet. Die rechte Anwendung der Zeit ist der Weg zum Wohlstand. Wer sich aut die Drenbant legt, wenn andere arbeiten, verdient nichts; wer am Morgen bis um 8 Uhr schläft, hat schon mehrere frische Stunden verloren, die er nirgends wieder finden kann. — 2. Kauf, wenn du es brauchst. Wer sich ohne Noth Vorrath anschafft, ist ein Thor; denn das ist todtes Kapital, welches keine Zinsen trägt. Vieles wird schlecht im Liegen. Eine junge Hausfrau dachte auch, es ist befler, wenn du gleich einen ganzen Sack Salz kaufst, aber sah es zu spät ein, daß sie dabei Verlust hatte, weil die Luft das Salz verzehrt- — 3 Scheue mehr die kleinen Ausgaben, welche alle Tage kommen, als die großen, seltenen. Die kleinen Alltagausgaben find wie eine langsame Abzehrung. Wer täglich 10 Pfennige mehr ausgiebt, als nölhtg ist, macht im Jahre eine Ausgabe von 36.50 Mark ohne Noth. Solche Dmge werden leicht zur Gewohnheit und führen zum Leichtsinn. Wer den Pfennig wenig ehrt, ist auch keinen Thaler werth. — 4 Selb st g et Han ist w 0 h lg e t h a n. Das Zusehen, wenn andere für dich eine Arbeit thun, ist freilich eine leichte Sache, und schmeckt vielleicht besser, als müde werden; aber ich glaube doch, was man selbst macht, macht man sich nach seinem Sinn und kostet kein Geld. Mußt du aber andere haben, die für dich arbeiten, so stelle dich mitten unter sie und arbeite mit oder beaufsichtige dieselben; denn da ist Selbstgethan auch wohlgethan. — 5. Das Haben ist besser als Kriegen. Wünschen ist des Menschen Unglück. Wer sich aufs Wünschen legt, kriegt nie Frieden mit sich. Ja, er wird nie zufrieden, denn der Wünschende hat nie genug. Wer sich aber mit dem begnügt, was er hat, lernt Gott danken und wird seines Lebens sroh. („Hausmütterchen.") Meyer. Ein Hamburger Kaufmann stellte gegen mehrere seiner Freunde die Behauptung auf: er wolle hundert verschiedene Personen mit denselben Worten anreoen, und alle sollten darauf genau dieselben Worte entgegnen. Dies schien Jenen unglaublich und die Wette wurde gemacht. Alsbald redete nun der Kaufmann alle Bekannte mit den Worten an: „Haben Sie schon gehört, H-rr Meyer hat sich ein Haus gekauft?" und die Angeredeten erwiderten sämmtlich: „Welcher Meyer?" — Er hatte gewonnen. Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.