Unterchaltrrngsblatt znin Gietzenev Anzeigev (Gsneval-Anz-rg-p) H 1894. L! ______JT MMMÄLKL KKML8 rau Samstag, den 13. Januar. Bekehrt. Novelle von F. Stockerl. (Fortsetzung.) Einige Wochen banger Sorge waren vergangen, bis die Aerzte endlich an Borns Krankenlager rückhaltlos die Jubelworte ausrufen konnten, daß er gerettet sei. Born aber war noch sehr schwach und lernte erst allmälig wieder klarer denken und Traum und Wirklichkeit unterscheiden. Der alte Herr Schmidt brachte seinen Damen an einem sonnigen Octobertag die erfreuliche Nachricht aus der Stadt mit, daß der Affessor Born nun gänzlich außer Gefahr sei. „Nun wird ja wohl mein armes, blaffes Nichkchen auch einmal wieder etwas fröhlicher ausschauen," wandte er sich gutmüthig an Dora, die kein Wott über die Lippen gebracht und nur wie im stummen Gebet die Hände gefaltet hatte; heiße Thränen rollten dabei über ihre Wangen. Ihr Onkel blickte seine Frau kopfschüttelnd an. „Sie ist wie verwandelt, gar nicht wieder zu erkennen," murmelte er, als Dora jetzt das Zimmer verließ und nach dem kleinen Garten ging. Der Octoberhimmel wölbte sich fast tiefblau über der bunten, herbstlichen Erde. Astern und Reseda blühten noch in reicher Fülle in dem Garten und die zierlichen Ranken des wilden Weins hingen in leuchtend rother Pracht draußen an dem Stacket herunter. Ein Hauch von Melancholie aber lag doch über all' dieser, bunten Farbenpracht, die Luft war so mild und wie träumerisch, zitternd fielen die bunten welken Blätter von den Bäumen und Sträuchern zur Erde. Die Natur lag eben im Sterben und es war nur ein trügerisches Aufleuchten, welches ihr der sonnige Octobertag schenkte. Ein einziger Nachtfrost vermochte Alles zu zerstören, womit Mutter Ecde sich, einer verblühten alternden Schöaen gleich, heute noch so kokett geschmückt. Dora hatte sich in die weinumsponnene Laube gesetzt, auch in ihren Augen hatte der sonnige Herbsttag eine sehr melancholische Bedeutung. Trotz der guten Nachrichten, welche der Onkel über Bo ns Befinden gebracht, war es ihr unendlich bange um's Herz. . Die nächste Zeit mußte ein Wiedersehen mit ihrem Lebensretter bringen; es würde ihr dann endlich vergönnt sein, ihm zu danken. Sie hat sich diesen Moment schon sehr oft ausgemalt. Aber wie sollte sie ihm danken! Jedes Wort dünkte ihr armselig und verbraucht ihm gegenüber. Sollte sie ihm sagen, daß ihr ganzes Leben, ihr ganzes Sein fortan ihm gehörte, daß sie mit der hingehendsten Liebe ihm Alles lohnen wollte. Aber wie, wenn er ihre Liebe, ihre Hingebung nur als ein Opfer ansah, das er nicht annehmen wolle, weil er ein siecher, verkrüppelter Mann geworden war, dem auf seinen Lebenswegen Frauenliebe nicht mehr erblühen konnte?! Was sollte Dora dann beginnen? Sollte sie sich so ttef vor ihm d.milchigen, daß sie um seine Liebe bettelte? Mit solchen Gedanken zermarterte Dora stundenlang ihr Gehirn, bis es sie hinaustrieb aus dem Garten in's freie Feld, wo sie herumlief, bis es Abend wurde und wallende Herbstnebel überall geisterhaft emporstiegen. Die Nacht aber brachte ihr keinen Schlaf, trotzdem sie todtmüde von ihrem Spaziergang nach Hause gekommen war. Nur zeitweise schlossen sich ihre müden Augen zu einem unruhigen Schlummer, in welchem sie die aufregendsten Träume quälten, die ihr all' die Schreckensbilder des Brandes wieder vor Augen führten. Sie sah dann im Traume Born leblos hingestreckt auf der Bahre liegen, sie sah wieder sein blasses, blutüberströmtes Antlitz. Das Erwachen aus diesen Träumen erschien ihr eine Wohlthat. Er lebte ja, er war gerettet! Ja, das Leben war ihm wiedergeschenkt! Und wie Alle, die nach langer Krankheit genesen, empfand es Born wie eine Himmelsgabe, als er heute zum ersten Mal in dem Garten des Arztes hin und her ging und die milde, warme Herbstlust ihn schmeichelnd umfächelte. Ec freute sich der Blumen und des Sonnenscheins- Hatte er doch alles dies lange Tage entbehrt und nichts gesehen, als die Wände seines Krankenzimmers und das gleichgiltige Gesicht seiner Wärterin und die Aerzte, die um ihn beschäftigt waren. Mit vollen Zügen athmete Born die milde Luft und wie neue Lebenskraft und Lebenslust überkam es ihn. Er dachte dann auch an Dora; der Doctor hatte ihm heute gesagt, daß Dora»ihren Beistand bei der Pflege Borns angeboten, daß er sie aber zurückgewiesen habe, da gerade Dora zu nichts weniger tauge, als zur Krankenpflege. Born hatte nichts weiter darauf erwidert, aber als er jetzt allein auf den schmalen Gartenwegen hin und her ging, malte er es sich aus, wie süß es hätte sein müssen, wenn das geliebte Mädchen nur dann und wann an seinem Schmerzenslager erschienen wäre- Eine namenlose Sehnsucht erfaßte ihn nach einem Wiedersehen mit ihr. Nun mußten ja alle Zweifel weichen und es klar zwischen ihnen werden. Aus den Schrecknissen jener Brandnacht mußte die Liebe geläutert und hell für Beide empor» lodern- Nicht nur bei ihm, auch bei Dora konnte es nicht anders sein Sie mußte ihn ja lieben trotz seiner Verunstaltung. Ein trüber Blick irrte bei dem letzten Gedanken an Borns linker Seite herunter. Es war ja sür sie geschehen. - 18 star Geo Die im leite zur Umj daß trüb bare riefe albe Sich sie > Bitt Aug Sch> diese soll wer! in 1 Set: Hen Bor der' sollte Stä Herz seine des Zug Bliö fläch dem krüp Abe: Schi Rab Dan begli Wie des und Dor heit, chor war Dor lauf Sefl Fede flieg hatt gefd auf tigä Bor hina feine Doras. Wie mit irren Blicken sahen dieselben zu ihm auf. Ein verzweifelter Schrei drängte steh dann plötzlich von den Lippen ■ Doras und tönte fast schaurig durch die stille Haide. Ach, so verwandelt, so bis zur Unkenntlichkeit entstellt hatte sie sich sein Bild, das ihr Tag und Nacht vorgeschwebt, nie vorgestellt, itrotzdem sie es gewußt, daß Born durch das Unglück verwundet und verstümmelt worden war! Rothe Brandnarben leuchteten in Borns blassem Gesicht, über dem einen Auge lag eine schwarze Binde und der lenke Rockärmel hing schlaff herunter, Borns linker Arm fehlte. „Entsetzlich!" stöhnte D»ra und ein Thranenstrom brach aus ihren Augen. „O Gott und das Alles, Alles um meinetwillen! Wie kann ich Ihnen je danken!" Ueber Borns Züge zuckte es seltsam. - Das also war das ersehnte Wiedersehen! Nur Schrecken und Entsetzen schien sein Anblick bei Dora hervorzurufen und nichts von alledem, was er erhofft und ersehnt, leuchtete in den erschrockenen Augen Doras. Es waren wohl Fieberphantasien gewesen, die solche thörich- Für sie, die da einst voll Uebermuth erklärte: sie glaube an i l keinen Heroismus der Männer mehr und die Liebe begeistere , keinen zu großen Thaten- Nun, vielleicht hatte er sie jetzt doch i 1 eines Besseren belehrt und sie ließ wenigstens Ausnahmen | : gelten und stellte ihn wohl schwerlich jetzt noch in eine Rubrik i : mit jener Sorte von Männern, die nur des Goldes und Wohllebens halber Liebe heucheln und dementsprechend herrathen. siu solchen Männern rechnete Born auch den schönen Leonhard. - Nein, diesen Rivalen fürchtete er jetzt nicht mehr! Ueber. Haupt keinen, denn es dünkte ihm eine unumstößlrche Gewißheit, daß Dora nun zu ihm gehörte für alle Zeiten. Nach einigen Tagen gestattete der Arzt seinem Patienten weitere Spaziergänge. Der Himmel war zwar grau und! wolkenschwer, die Natur hatte ihre trügerische Maske abgelegt und zeigte jetzt ihre düstere, herbstliche Physiognomie unverhullt. | Herbststürme wehten und fegten erbarmungslos d e letzten welken Blätter von Baum und Strauch. Der Fluß schlug förm.iche Wellen und in dem kleinen Stadtwalde rauschte es in den ent» blätterten Zweigen, wie Sterbelieder der Natur. Sogar tue | alten hundertjährigen Eichen wurden vom Sturm ersaßt und gerüttelt, als wollte er sie entwurzeln, doch sie standen fest und unerschütterlich und nur einzelne dürre Zweige vermochte er ihnen zu entreißen. Draußen aus der Haide aber war es I todeseinsam, ihr rothes Kleid war grau und farblos geworden I und ein Hauch düsterer Melancholie lag über der öden Fläche, die sich in's Unendliche zu erstrecken schien. Für Born jedoch schien diese trübe Landschaft emen eigenen 1 Zauber zu haben, fast täglich lenkte er seine Schritte nach dem einsamen Haidewege und sein Gang hatte dabei etwas Elasti- I scher, als trüge ihn ein heißes Sehnen nach jener öden Fläche. Er hoffte Dora hier zu finden und hier, unbeobachtet von fremden Menschenaugen, das ersehnte Wiedersehen und - Wiederfinden zu feiern. Auch heute, an einem trüben Novembertag, hatte er wieder diesen Weg eingeschlagen. Grau und farblos lag die ein» j tönige Landschaft vor ihm. Born schritt langsam nach der I Stelle, wo er vor langen, schweren Wochen Dora in der Harde gesehen. Die alte Föhre zitterte leise im Winde und auf dem Stein unter ihr, in einen grauen Regenmantel gehüllt, saß wirklich Dora Schmidt. Um den Kopf hatte sie ein schwarzes Spitzentuch geschlungen und das kleine, blaffe Gesicht blickte unendlich wehmüthig aus dieser dunklen Umhüllung- Born athmete tief auf, als er Dora erkannte. Nun war er da, der ersehnte Augenblick, der ihn reich entschädigen sollte für Alles, was er gelitten. „Dora!" rief er mit leidenschaftlich bewegter Stimme. Das junge Mädchen sprang auf, ein jäher Roth flog über ihr Antlitz und ein Freudenstrahl brach aus ihren Augen. „Er ist es, er kommt, er sucht mich," jubelte es in ihrem Innern, „nun muß ja alles Leid ein Ende haben." Born war langsam näher gekommen. Jetzt stand er vor ihr und blickte fragend und bangend in die braunen Augen ten Träume in seinem Kopfe gezeitigt und in diesem kleinen, faffnngslosen Mädchen, dar da weinend vor ihm stand, so etwas wie eine große Frauenseele gesucht hatten, eine heroische Seele, wie sie die reiche Phantasie großer Dichter wohl zu ersinnen vermag, aber die Welt und besonders die Welt einer kleinen Stadt nicht aufzuweifen vermag. „Sie muffen mein Unglück nicht so tragisch nehmen, Frau, lein Dora," sagte Born jetzt mit einem erzwungenen Lächeln. Es hätte schlimmer kommen können, der Himmel ist mir noch gnädig gewesen. Die Aerzte haben mir ja Hoffnung gemacht, daß das verletzte Auge erhalten bleibt, nun, und dieser Armstummel läßt sich am Ende ja noch ertragen, mir bleibt ja der gesunde rechte Arm." ,, „ . Dora versuchte ihrer Faffungslostgkeit Herr zu werden; sie trocknete ihre Thränen, während ste Beide langsam den Haideweg heraufgingen. Jahre ihres Lebens hätte sie in diesem Augenblick darum gegeben, hätte sie Worte gesunden für Alles das, was da mächtig in ihrem Innern stürmte - aber Ms Wort, was ihr einfiel, däuchte ihr nichtig und inhaltlos- Wie ein Held aus grauer Vorzeit erschien ihr Born, als er an dem trüben Herbstabend so neben ihr herschritt und noch nie war sie sich so armselig, klein und erbärmlich vorgekommen ihm gegenüber als heute. Auf welche feine Weise hatte er sie zu i trösten versucht und als sich jetzt ein schwerer Seufzer über ihre Lippen stahl, blickte er wie verwundert auf sie herab. - „Glauben Sie mir, Fräulein Dora," sagte er dann, „das Be- wußisein, einmal wirklich etwas Gutes, Großes gethan zu haben, wiegt Vieles im Leben auf" . . „ Aber ich, ich?" erwiderte Dora. „Ich werde das B^ ! wußtsein zeitlebens mit mir Herumtragen, daß Sie sich für mich I geopfert haben!" ., „ . re, „Nennen Sie es kein Opfer!" rief Born erregt. „Es wäre feige, erbärmlich gewesen, Sie auf diese entsetzliche Wei e I enden zu lasten, ohne Alles zu Ihrer Rettung zu versuchen! „Die Andern aber sahen es doch ruhig mit an. Nun, bann stellen Sie mich meinetwegen eine Stufe höher wie diese Andern. Vielleicht war es auch noch ein anderer Impuls, der mich trieb. In solchen Augenblicken, da fließt das Blut eben nicht so träge wie gewöhnlich in untern Adem. Ein Narr aber ist der, welcher diesem hocherregten Lebensstrom nicht bei Zeiten Stillstand gebietet und in seine Alltagsbahnen zurücktreibt. Er bleibt unverstanden sür seine Umgebung, ! 'Si/hattenijetzt das Landhaus, wo Dora bei dem Onkel Schmidt wohnte, erreicht, Heller Lichtschein flel von den erleuchteten Fenstern desselben in den Vorgarten und warf zitternde, I röthliche Lichter auf die Blumen, die noch blühten und auf die wilden Weinranken am Startet _ Doras kleine Finger zerrten an btefen Ranken und streif- | ten Blatt auf Blatt herunter- Sie fühlte, sie mußte etwas ' sagen, er erwartete es auch wohl. Aber was sollte sie erroibern auf feine Worte? Dunkel ahnte sie es, daß solch ein Augen blick wie der jetzige nie wiederkehren würde und wenn jetzt nicht das rechte Wort gesprochen, ihre Wege dann weit auseinander- gehen würden. — Es blieb ungesprochen, sie fand es nicht „Wollen Sie nicht näher treten?" stammelte Dora endlich und ihre braunen Augen sahen voll rührender Hilslostgkeit zu $ „Ich danke, bitte, empfehlen Sie mich den Ihrigen, er widerte Born höflich- „Der Arzt hat mir ein längeres Ver weilen in der Abendluft noch nicht gestattet. Leben Sie wohl I Dora zuckte zusammen, seine Stimme klang so eigen hü lich gepreßt. Dann ging er; sie sah die hohe Gestalt mit dem breitkrämpigen Hut auf dem lockigen Haar langsam in de Abenddämmerung verschwinden Und nun, als er ihren Bli gänzlich entschwunden, da fielen ihr alle d e Worte aufju Zunge, die sie hätte sprechen müffen und die Born erwartet, ja, die er ein Recht hatte zu erwarten. „Warum war es mir nicht möglich, meinem Er chrerten, meiner Scheu und Schüchternheit Herr zr. werden I rief D°ra traurig. „Warum sagte ich ihm Nicht, daß ich ihn "eve, mein Herz ihm gehört für alle Zeiten! 19 Sie setzte sich auf die Gartenbank vor der Hausthür und starrte trüben Blickes auf die halb verwelkten Astern und Georginen, auf welche der trauliche Schein der Lampe fiel. Die dürren Ranken des wilden Weins zitterten gefpensterhaft im Abendwinde und der alte Nußbaum vor dem Haufe fchüt« leite wie zornig feine Aeste, daß die welken Blätter raschelnd zur Erde fielen. Es lag etwas tief Trostloses in der ganzen Umgebung für Dora. Jetzt wurden von Innen die Fensterläden geschloffen, so daß auch der Lampenschein verschwand und nun Alles in die trübe Dämmerung des Herbstabends getaucht war. Regentropfen fielen jetzt hernieder. Dora achtete nicht darauf, unbekümmert ließ sie die kühlen Tropfen an sich herunter riefeln, während heiße Thränen aus ihren Augen strömten. „Ich bin feiner unwürdig," stöhnte sie. „Ich bin ein albernes, feiges Mädchen, er muß mich verachten I" Born hatte unterdeß feine Wohnung erreicht; er hatte ein Licht angezündet und stand jetzt vor dem Spiegel. „Ist denn wirklich mein Anblick ein so erschütternder, daß sie nur Thränen für mich hatte?" fragte er sich mit einiger Bitterkeit. „Allerdings, erhebend schön ist mein Aeußeres nicht — ich bin ein recht häßlicher Kerl geworden, aber in ihren Augen, meine ich, müßte doch etwas wie ein verklärender Schimmer über diese traurige Ruine fallen! Nun, ich mag diesen erschrockenen Blicken nicht wieder begegnen, mein Anblick soll ihr nicht länger ein Vorwurf fein. Ich werde gehen, ich werde diese Stadt bald verlaffen! Die Offerten, die man mir in der Residenz gemacht hat, sind ja ohnedies sehr verlockend. Getrennt von ihr werde ich ja wohl dieser thörichten Liebe Herr werden!" Einige Wochen nach dem oben geschilderten Abend wurde Born von dem Doctor Braun, der ihn behandelt hatte, nach der Bahn geleitet. Der Zug, der ihn nach der Residenz bringen sollte, brauste soeben heran. „Nun, reifen Sie mit Gott und vergeffen Sie unser Städtchen nicht gänzlich," sagte der alte Arzt, indem er Born herzlich die Hand schüttelte. Dann sprach Born noch einmal feinen Dank aus für die aufopfernde Pflege, die er im Hause des Doctors genoffen, und wenige Secunden darauf rollte der Zug mit ihm davon. Die Stadt entschwand rasch Borns Blicken und vor ihm lag nichts als eine weite, endlose Schneefläche — es war die Haide. — Born beugte sich heraus aus dem Coups und strengte sein Auge an, um die kleine, verkrüppelte Haidesöhre zu erkennen, unter welcher Dora an jenem Abend gesessen. Trübselig ragte das Bäumchen aus dem Schneegefilde empor; wie eine Ironie des Schicksals saß ein Rabe darauf und krächzte melancholisch in die stille Welt hinaus. Dann verschwand auch dieses Bild und nur der blaue Strom begleitete den Reisenden noch einige Meilen weiter in's Land. Wie mahnend tauchte das glitzernde Gewässer im Sonnenglanz des Hellen Wintermorgens immer wieder vor feinen Blicken auf und rief Erinnerungen an viele fröhliche Stunden wach. Auf dem zu Eis erstarrten Fluß war es gewesen, wo er Dora Schmidt zum ersten Mal gesehen. Deutlich trat das heitere, lebensfrische Bild vor seine Seele- Das Stadtmusikchor hatte zum Eisfeste gespielt und junge, fröhliche Menschen waren auf der glatten Eisfläche dahingeeilt. So graziös wie Dora aber hatte keine der jungen Damen das Schlittschuhlaufen verstanden; Born sah ihm Geiste die schlanke, leichte Gestalt in dem schwarzen Sammetcostüm, der wallenden weißen Feder an dem breitkrempigen Winterhut, pfeilschnell dahinfliegen. Und dann waren sie Hand in Hand gelaufen und er hatte zum ersten Mal in die glücklichen braunen Augen Dora» geschaut, die ihm dann so verhängnisvoll geworden. Ach und alle die Kahnfahrten in den Sommerabenden auf dem blauen Strom, wenn der Mond schien und die Nachtigall sang — in Doras Gesellschaft, an die erinnerte sich Born auch. Ihm war unendlich weh um's Herz, je weiter er hinausfuhr in die Winterlandfchaft und als der Fluß nun auch feinen Blicken entschwand, zerdrückte er verstohlen eine Thräne in seinen Augen. Ein Stück Poesie und Romantik ließ et doch hinter sich! Wenn es auch Groll und Zorn war, was ihn Hinwegtrieb aus der kleinen Stadt, aber die Erinnerungen an Dora, an all' die vergangenen Stunden, würden sie sich je verwischen lassen? Würden sie nicht immer wieder emporsteigen aus dem Grunde seiner Seele? Wenn auch nur zu seiner Qual! — Dora hatte längere Zeit da» Zimmer hüten müssen, da sie sich an dem Herbstabend, an welchem sie im strömenden Regen draußen im Garten gesessen, eine heftige Erkältung zugezogen. Sehr matt und sehr resignirt saß sie im eleganten blauen Schlafrock in einem bequemen Lehnstuhl am Fenster. Die Tante hatte unzählige alte, bewährte Hausmittel für sie in Bereitschaft, Senfpflaster, verschiedene entsetzlich fchmeckende Thees und dergleichen mehr. Sonst hatte sie sich stets sehr energisch gegen diese Kuren verwehrt, jetzt jedoch ließ sie Alles theilnahmslos über sich ergehen. Es schien, als hätte sie überhaupt alles Interesse für ihre Umgebung und am Leben verloren. Sie warf kaum einen Blick auf die neuen modernen Toiletten, die aus der Residenz verschrieben waren und welche die Tante immer wieder geschäftig vor ihr ausbreitete. Auch die Tagesneuigkeiten, die der Onkel täglich aus der Stadt mitbrachte, erregten nur geringe Theilnahme bei ihr. Nur als er eines Tages mit der Nachricht zu Haufe kam, daß der Assessor Born nach der Residenz versetzt sei und in den nächsten Tagen dahin abreisen werde, sprang sie erregt empor und da» matte, refignirte Gesichtchen bekam plötzlich wieder Leben und Ausdruck. „Er geht fort!" rief sie erschrocken. „Dar ist ja nicht möglich! Ich muß ihn wenigstens noch einmal sehen, noch einmal sprechen! Ich habe ihm ja noch gar nicht gedankt!" „Nun, das habe ich in Deinem Namen schon längst ge» than, Kind," erwiderte der Onkel. „Jedenfalls aber wird er vor seiner Abreise noch einmal zu uns herauskommen." Dora hatte nur geringe Hoffnung, daß das geschehen würde, trotzdem aber lauschte sie gespannt auf jedes Thür- klingeln, auf jeden Schritt, der auf der Straße draußen erschallte. Etwas von ihrer alten Energie war wieder über sie geko nmen. Zunächst wurden die Medicamente der Tante rücksichtslos verworfen, auch der schleppende bequeme Schlafrock wurde abgelegt und aus den eleganten neuen Toiletten ein Promenadenanzug von goldbraunem Tuch ausgesucht. Dora unternahm nun wieder tägliche Spaziergänge und lenkte ihre Schritte auch öfters nach der Stadt, welche sie seit dem Brande fast ängstlich vermieden hatte. Aber das Schicksal war erbarmungslos, es führte sie mit Born nicht wieder zusammen. Nur einmal noch war es Dora vergönnt, den Affessor Born aus der Ferne zu sehen, dann wurde eines Tages Borns Visitenkarte bei ihnen mit flüchtig darauf geschriebenen Abschiedsworten abgegeben. Der Herr Assessor mache keine Abschiedsbesuche, er fühle sich dazu zu angegriffen," sagte da» flinke Dienstmädchen de» Doctors Braun, welches die Karte brachte. Wortlos nahm Dora dieselbe in die zitternden Finger und starrte trübselig auf die nüchternen Abschiedsworte Borns, dis für sie eine so vernichtende Sprache redeten. Nach diesem Tag, der mit bitteren Thränen endete, verfiel Dora wieder in die alte Gleichgiltigkeit gegen ihre Umgebung. Als dann nach Neujahr von der Familie Schmidt eine Wohnung in der Stadt bezogen wurde und der Onkel sie liebevoll fragte, wie sie ihr Zimmer eingerichtet haben wollte, bat sie, nur Alles so einfach und dunkel wie irgend möglich einzurichten. „Keine bunten Farben wünsche ich, Onkel," sagte sie traurig, „denn dar würde mit meinem Gemüthszustand nicht har- moniren. Einige gute Kupferstiche und einen Flügel möchte ich mir dann später in Berlin selbst kaufen, wenn die Tante mich dahin begleiten will." Natürlich war die Tante sofort dazu bereit, denn diese sowohl wie ihr Mann sahen in diesem Vorhaben ein Zeichen 2Ö Vepnrischtes mal« eine Löcherreihe. eine gehäkelte Rosette an. Die Strickarbeit muß lose sein, um dehnbar zu bleiben. Stimmung wirken, meinten die Tante und der Onkel. (Fortsetzung folgt.) ’ioae dazwischen!" ,, -bnchm«, UN» ----- I inhrribsn folaett. Man näht bett Streifen ’ - Angler: „Ja frei«, s Zuschauen ersten Löcherreihe der unucic» ^tm-, —V« x—H' .. Löcherreihe und 16 Rrndreihen folgen. Man näht den Streifen - -- --------------------- Redactton: ,A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Reinigen der Blnmen. Alle schlechten Blätter Unerklärlich. Erster Student: „Also Du spielst werden durch Schütteln (Azalca, Myrtus) ober Abschneiden meber @cat „och Billard?" - Zweiter Student: „Nein ich entfernt, die Töpfe gewaschen, die Blattgewächse durch Waschen fm roeber dar Eine noch das Andere. - Erster Student^ mit einem weichen Schwamm von Ungeziefer gereinigt, die » m ii hast Du denn in den drei Semestern eigentlich Untersätze ebenfalls von stehendem Master entleert. Nehnen "lernt?!" wir tat diese gründliche Reinigung vor, um mit unseren » • . * Blumen so recht schör auch im neuen Jahre fortzukommen. Auch wahr. Vater: „Ich begreife nicht, wie man so • * * faul sein kann, für mich ist die Arbeit das einzige Vergnügen. Zughunden binde man eine wärmere Decke auf und Sohn: „Ja, aber Papa, wir sind doch nicht zum Verlege ihnen, wenn sie ruhen, eine Decke unter, welche nach dem I gnügen auf der Welt!" Gebrauche vom Schee befreit und getrocknet werden muß. I « Diese Gehilfen der Menschen müssen im Winter reichlichere Ländliche Diagnose. Bauer: „I woaß net, was Nahrung bekommen und es darf ihnen die nüthige Ruhe und Mg K Bader, an Katarrh hab i, an Husten und überall Erholung nicht versagt werden. reißt's mi!" - Bader: „Dös macht nix Woaßt, wer bet * ♦ * dem Sauwetter net krank is, der is überhaupt net g sund. Gemüse im Keller. Jeder frostfreie Tag ist zum • . * Lüften zu benutzen; jede welkwerdende Wurzel tst mit Sand Probatum est! „Ich denke, Du bringst Deinen anzufeuchten, jedes faulende Blatt auszuputzen. Nur durch Vorstand zu Tische mit," sagte die Frau Worin, bie öfteres Lüften und Reinigen kann Fäulnih und Schtmmelbtldung $ o-t mar ^,-em Herrn Gemahl stets ein sehr einfacher verhindert werden- „ Essen vorzusetzen. — „Er ist leider verhindert," entgegnete ber • „ Herr Gemahl unb läßt sich mit großem Behagen zu der guten Schuh zum Ueberzieheu. Zum Schutz gegen kalte ^g cit nieder, die er sich auf diese schlaue Weise verschafft- Füße bet sitzender Lebensweise im Zimmer oder Reisen im * , * Coups empfiehlt sich dieser leicht herzustellende Ueberziehschuh. Malheur- „Siehst Du, mein lieber Junge, heute warst Man strickt einen langen Streifen, den man zusammennäht und aanren Tag artig! Wie schön wäre es, wenn Du Dich aus d!m man ein Säckchen bildet, welches ?°vk emer Dehn- Du^den^ganzen Tagart barkeit sich dem Fuß anpaßt. Der Schuh tst mit verhältniß 1 stets vor - aber es kommt mir immer wieder mäßig starken Nadeln und schwarzer «-tr ckwolle M arbeiten- nur Man legt 72 Maschen auf und strickt stets zwei rechts zwe links 1« Reihen und bildet dann einen Zugsaum sü» Gummi- | band mit eine umlegen, abnehmen, strickt acht Reihen und aber- ---— Recept, um Butter lange auszubewahren. Vier Loth Kochsalz, vier Loth Zucker und v er Loth Salpe er werden gestoßen zusammengemischt. Auf ein Pfund Butter m9Q„ zwei Loth dieser Mischung, knetet die gut aus- . | gewaschene Butter mit derselben durch, schlägt sie in Steintöpfe Kaüaniensupve. Halb gar gebratene Kastanien g - fef-t ehL bafe keine Lücken bleiben, bmdet sie dann fest schält man sorgfältig und bringt sie mit Fleischbrühe oder auf- „nb peflt sie in den Keller. Auf diese Art behandelt, wird gelöstem Liebigs Fleischexiract in eine Kasserole, in der man bie Butter nicht ranzig, sie erhält vielmehr eine kernhafie sie völlig weich kocht. Dann zerdrückt man sie, treibt sie durch Dichtigkeit und ein schönes Ansehen, ein Sieb, fügt nochmals Fleischbrühe oder aufgelösten Liebigs , • Fleischexiract, sowie das nöthige Gewürz hinzu, laßt die Suppe bewahrt man Fleischbrühe mehrere Tage auf einer Ecke des Herdes eine Zett lang ganz st-ll kochen, I mehrere Tage die erforderliche Menge schäumt sie ab und gießt sie über gerüstete Brodschnrtte- Bouillon fülle6 sie in Weinflaschen und verschließe sie oben zu- • I «xmit einer fingerdick-n Schicht von Rinderfett oder Butter, - Lampenglocken zu reinigen. Um ^Lampen- um^ie Bouillon luftdicht abzuschließen. Wenn die Fettschicht glocken von Oelflecken zu reinigen und ihnen das schöne, matte verkorkt man die Flaschen. Aussehen des polirten Glases wiederzugeben, gieße man zwei . Löffel einer leicht erwärmten Auflösung von Pottasche in d e In eine Auflausform legt Mecken mitÄem ftinen, leinene? Läppchen, spüle hieraus die man allerhand Reste vonBackweri (Semmel, Zwieback Bis- Glocke mit reinem Wasser nach und trockne sie sorgfältig mit As rc.) und gießt folgende Mass^ darauf. A f ' einem feinen, weichen Tuche ab. . Msich ÄÄ» Zimmervslanzen vor Zug! Wenn Zim- then, Rosinen, Mandeln und Früchte. Auch Mehlspeifenreste merre^igMg^ist^n^alle^Fenste^offenstcheE^fo darf maLdie | können hierbei Verwendung finden. Blumen nicht dem Zuge der kalten Luft ausfetzen, sondern muß sie aus den Boden in der Nähe des Ofens stellen und zwar fo lange, als die Putzerei dauert und es wieder warm im Zimmer ist.