Unt-phaltrmgsblatt znnr Gietzenev Anzeigev (GeNsval-Anzeigev) 1884. •h—®^r TsS—M- W Donnerstag, den 12. April. Die Wallfahrt nach Czenstochau. Roman von Johanna Berger. (Schluß.) Der Tag der Abreise war bestimmt. Roman besuchte noch einmal die letzte Ruhestätte seiner Frau, um Abschied zu nehmen. Ec stand lange regungslos davor und begrub sein Gestcht in beide Hände. Run war Alles vorbei, die trübe Vergangenheit lag hinter ihm. Er litt wohl noch unter dem heißen Weh, das in den ersten Tagen jeden Trost von sich gewiesen hatte, ja, er bedauerte Spiridia aufrichtig, die sich wie ein Engel sanft, schmerzlos und mit dem Kusse der Versöhnung auf den Lippen in den Himmel geschwungen hatte, aber er war jetzt frei, frei, erlöst von tausendfacher Qual. Ach, wie oft hatte er sich früher nach Freiheit gesehnt, und seltsam, nun, wo sie ihm zu Theil geworden war, fühlte er sich vereinsamt. Eine Lücke war in seinem Leben entstanden und die große, weite Welt wehte ihn kalt und öde an. Das Alles fuhr ihm durch den Sinn, als er so still und in sich gekehrt vor dem Grabe seiner Gattin stand. Doch all- mälig wurden alte uud liebe, nur eine Weile vergessene Bilder in seiner Seele wach und lebendig. Er dachte an die Heimath, an das trauliche Herrenhaus von Lygotta, das jetzt ebenso verlassen und vereinsamt war wie er. Das paßte gerade sür ihn, dort würde er den Frieden wieder finden. Und noch andere Traumgebilde tauchten vor ihm auf — eine hehre, blonde Mädchengestalt kehrte immer und immer wieder. Er kniete in Gedanken vor ihr nieder und küßte den Saum ihrer Gewandes; er sprach die Worte zu ihr: „Jad- wiga, ich habe vier Jahre mein Martyrium getragen, aber Du wirst nicht wollen, daß ich ewig leiden soll. Ich habe auf Erden Niemand so heiß und innig geliebt wie Dich — wenn ich Dich auch vergessen wollte, so habe ich Dich doch immer, immer geliebt. Oft fluchte ich dem Schicksal, das mich grausam von Dir trennte, ich bin der Verzweiflung, dem Verbrechen nahe gewesen — aber immer war es das Gedenken an Dich, was mir Kraft gab, mein freudenarmes Loos zu tragen. Doch nun will ich die vertrauerten Jahre aus meinem Gedächtniß streichen. Werde mein Weib, Jadwiza, mache mich glücklich, vertraue mir Dein Leben an Ja, Geliebte, werde endlich mein!" Roman stand wie ein Steinbild da, nur die Gedanken lebten in ihm und flogen im raschen Fluge über Land und Meer in eine lockende und lachende Zukunft hinein. Und überall sah er die Geliebte, ihr schönes Gestcht mit den blauen Märchenaugen: es winkte aus nebliger Ferne, es schwebte aus wallenden Wolken zu ihm, es grüßte aus grünen Gefilden, es rief ihn, es zog ihn, es lächelte ihn an. „Ich werde sie endlich erringen, sie wird die Meine sein!" so setzte er laut seinen Gedankengang fort. Das laut gesprochene Wort weckte ihn aus dem Traum, er blickte verwirrt um sich her. War es denn möglich, daß er am Grabe seiner Frau solche Gedanken hegen konnte? Wie kam das nur? Die Schamröthe trat ihm auf die Stirn und ein tiefer Seufzer hob seine Brust. Dann sagte er langsam: „Spiridia, verzeihe mir, ich wußte nicht, was ich that!" Und niedergeschlagen und gebeugt machte er sich auf den Heimweg. Er traf Gräfin Antonia im Salon. Sie erhob sich von ihrem Sitz und kam ihm ein paar Schritte entgegen. Sie sah blaß und verweint aus, ihre langen, schwarzen Trauergewänder schleppten hinter ihr her. „Roman," sagte sie, „mir wäre es lieb, wenn wir noch heute abreisten, ich kann es hier nicht länger aushaltsn und sehne mich nach Hause. Wenn es Dir recht ist, so begleitest Du mich nach Jutroschin. Du wirst in Lygotta ganz verlassen sein, denn Deine Mutter gedenkt noch einige Zeit in Rom zu bleiben. Es ist das Beste, Du verbringst die erste Trauerzeit bei uns!" Roman stand unbeweglich vor ihr, Röthe und Bläffe wechselten auf seinem Gesicht. Er antwortete nrcht. Sie blickte ihn verwundert an. „Gefällt Dir mein Vorschlag nicht?" fragte sie. Er schüttelte den Kopf. „Rein!" „Aber warum nicht, es ist doch so natürlich, daß wir jetzt eine Zett lang zusammen bleiben — ein paar Wochen, ein paar Tage, wenn Du willst." „Ich danke, ich gehe nach Lyzotta zurück." In der Gräfin Gesicht machte sich eine leichte Spannung bemerkbar. „Roman, willst Du mir eine Frage aufrichtig beantworten?" sagte sie leise. Er sah sie erstaunt an, was meinte sie nur? „Hast Du in den vier Jahren niemals bereut, Spiridia zu Deiner Gattin gemacht zu haben?" Er stand wie ein ertappter Schulbube da, mit gesenktem Blick, die heißen, trockenen Augen wurden ihm feucht, er bedeckte sie mit der Hand. Sie trat dicht zu ihm heran und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Bist Du glücklich gewesen, lieber Sohn?" Er wandte sein Gesicht ab, „Was ist Glück?" preßte er hervor. „Alles, was die Welt so nennt, Habs ich besessen und besitze es noch." Gräfin Antonia bemeisterte mühsam eine schmerzliche Bewegung. Mit scharfen Augen musterte sie Roman, sein ernstes, schwermüthiges Gesicht, dessen jugendliche Frische vollständig verschwunden war, und das fast düster aus der Umrahmung der dunklen, lockigen Haare hervorsah. Diese bleichen, gramdurchwühlten Züge, diese traurigen, braunumränderten Augen sprachen von Schmerzen und reichlichem Herzeleid. „Ich verstehe Dich, mein Sohn," sagte sie weich. „Ich will nichts weiter fragen. — Nur Eines noch. War Dein Herz vollkommen frei, als Du Dich mit Spiridia vermähltest?" „Neinl" erwiderte er rasch und entschieden. „Aber das Schicksal trennte mich von dem Mädchen meiner Wahl, ich mußte, ich wollte heilige Pflichten erfüllen. Ich hatte den besten Willen, Gutes zu stiften, doch mein Herz sagte nicht Amen dazu. Mir fehlte jene willenlose, geduldige Ergebung, welche auch das Schwerste erträglich macht." „Ja, Roman, es gehört ein fester, starker Geist dazu, das Unvermeidliche mit Resignation zu tragen. Deine Natur freilich ist nicht danach geartet. — Aber noch eine Frage: Wird Dir auch jetzt noch begehrenswerth sein, was Du einstmals geliebt?" Seine Wangen färbten sich mit flammender Gluth, er schlug voll und freudig die dunklen Augen zu der Gräfin auf. Dann schöpfte er tief Athem, um die leidenschaftliche Aufwallung seines Herzens nicht zu verrathen. Sie wandte sich bewegt von ihm ab und trat auf den Altan des Landhauses hinaus. Mit nassen Augen blickte sie über die Landschaft hinweg, doch ohne Sehnen und Schauen. Mit bitterer Anklage schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit zurück. Ihr kluger Sinn hatte Alles errathen, ihre Ahnung sie nicht getäuscht. Ach, sie hatte das Beste gewollt und bezweckt, aber ihr Ziel verfehlt. Sie wollte ihr einziges Kind und Roman glücklich machen, denn das gemeinsame Wohl Beider lag ihr am Herzen — es war ihr nicht gelungen, Gott hatte es anders gewollt. Nun war Spiridia todt, der Kampf war zu Ende, aber sie war in Frieden gestorben. Gott hatte ihre Seele in sein himmlisches Reich ausgenommen. Gräfin Antonia schluchzte laut. Der Vorwurf, ihre Lebensaufgabe nicht genügend erfüllt zu haben, zerriß ihr das Herz. Kummer, Trauer, Schmerz und Reue zogen in wechselndem Ausdruck über ihr thränenfeuchtes Antlitz. Was blieb ihr nun noch zu thun übrig, was konnte sie noch gut machen? Sie kreuzte die Arme über der Brust und senkte den Kopf tief herab. Sie sann und grübelte, allerhand krause Gedanken durchkreuzten ihr Hirn. Doch plötzlich strahlten ihre Augen auf — nun wußte sie es. Dann ging sie langsam in den Salon zurück, zu Roman. Er hatte sich in einen Sessel geworfen und starrte träumerisch vor sich hin. Sie blickte ihm liebreich in die Augen und strich ihm das Haar von der Stirn. „Roman," sagte sie, „laß uns abreisen, hier in der Fremde ist Alles dunkel und leer für uns Beide. Bis zur polnischen Grenze bleiben wir beieinander, dann trennen sich unsere Wege. Aber nicht für lange, mein Sohn, nachher erwarten wir Dich auf Schloß Jutroschin — wenn auch nicht bald, so doch später." Roman ergriff beglückt die feine weiße Frauenhand und preßte sie heiß an seine Lippen. „Mama," sagte er — es war das erste Mal, daß er die Gräfin so nannte, — „Mama, ich werde bestimmt kommen, wenn die schwarzen Wolken vorüber find. Ueber's Jahr, wenn die Veilchen blühen, werde ich bei Euch seinl" — • ♦ ♦ Abermals war ein Jahr der Vergangenheit anheimgefallen und der Frühling zog wieder einmal in das polnische Land, und zwar ein Frühling, so schön, so wonnig und sonnig, wie ihn auch das begehrlichste Menschenherz nicht besser verlangen konnte. Um Schloß Jutroschin herum hatte dieser Lenz ohne Gleichen eine wahre Zauberpracht entwickelt. Alles war traumhaft schön und überall pulfirte warmes, köstliches Leben. Der Park prangte im frischesten, saftigsten Grün, herrliche Blumen blühten und streuten süßen Wohlgeruch aus, und in den schattigen Boskets sangen und bauten die Vögel. Ein breiter Streifen von Vergißmeinnicht säumte den Rand des großen Sees, auf dessen heller, klarer Spiegelfläche sich bereits die breiten Blätter der Wasserrosen entfalteten. Weiche linde Lüste wehten, der Himmel war blau und wolkenlos und die goldene Sonne hüllte dis ganze Natur in ein Meer von Licht und märchenhaften Glanz. An einem dieser schönen Frühlingstage herrschte in Schloß Jutroschin eine rege Geschäftigkeit. Es war der Namenstag des Grafen Stanislaw und man erwartete eine große Gesellschaft seiner vielen Freunde, welche dem ältesten und vornehmsten polnischen Adel angehörten. Für einige Tage mußte das stille, einförmige Leben auf dem Schlosse unterbrochen werden, — fast eine so große Veränderung für das gräfliche Paar, als ob die alten tobten Magnaten und Starosten ihrer Famtliengallerie plötzlich wieder lebendig geworden wären. Denn die Kwileckis hatten dar verflossene Jahr in stiller Trauer um Spiridia verlebt und waren fast ganz ohne Verkehr mit der großen Welt geblieben. Doch allmälig hatte sich ihr Schmerz und Leid in sanfte Weh- muth und Resignation verwandelt. Graf Stanislaw war schon wieder ganz gefaßt und zufrieden und besonders heute an seinem Namenstage in fröhlichster Stimmung. Er freute sich auf seine Gäste, auf den lange entbehrten Verkehr und die Unterhaltung mit ihnen, aber am meisten auf Roman, welchen man heute gleichfalls auf dem Schlosse erwartete. Seine Gemahlin hatte heimlich ihre Pläne für die Zukunft gemacht, — sie wollte auf den Trümmern eines zerstörten Lebensglücks ein neues errichten, sie wollte Roman und Jadwiga, die beiden Menschen, die ihr so theuer waren, glücklich machen. Und in hellleuchtenden Farben stieg manch' freundliches Bild vor ihre Seele. Gräfin Antonia schien heute die leidvolle Vergangenheit vergessen zu haben- Sie hatte den schwarzen Schleier und dar düstere Trauerkleid abgelegt und ein sonniges Lächeln flog zuweilen über ihr ernste» Gesicht. Musternd und prüfend und der Dienerschaft Befehle ertheilend, wandelte sie am Arm der Grafen von einem Prunkzimmer des Schlosses zum anderen. Das Gespräch der beiden Gatten war sehr eifrig und lebendig, sie hatten lange nicht so viel zu reden und zu besprechen gehabt. Nur ein einziges Mal im verflossenen Jahre waren diese prachtvollen Säle geöffnet worden. Darum war es auch heute sehr kühl hier innen, sehr unheimlich, fast gruftartig, und sie machten mit ihrer Todtenstille den Eindruck, als ob darin jede Nacht gespenstische feierliche Versammlungen abgehalten wurden, und dieser Eindruck erhöhte sich noch, wenn man die schwarzen Flordraperien betrachtete, die fast die ganze Wand einnahmen, an der Spiridia» Porträt aufgehängt war, und wenn der Blick auf das düstere Trauerwappen fiel, welches man darunter angebracht hatte, als die junge Frau gestorben war. Die hochlehnigen Sophas mit ihren gegeneinander, geneigten Ecken sahen gerade so aus, als ob schattenhafte Gäste darin saßen und sich herüberbeugten, um einander etwas in’« Ohr zu flüstern. Dort am Kamin stand dicht neben einem großen steifen Brocatsessel eine niedrige Causeuse mit kostbarem gestickten Ueberzug, als ob dieselbe von einem jungen Mädchen an den Stuhl einer freundlichen Matrone gerückt wäre, um mit derselben am traulichen Feuer ein Dämmerstündchen zu verplaudern oder sich Rath von ihr zu erbitten. Hier war ein schwerer, mit dunklem Sammet überzogener Lehnstuhl vor da» Bildniß einer wunderbar schönen Frau geschoben. Mit unwillkürlichem Schauer mußte man daran denken, daß einstmals vielleicht in diesem weichen Polster zurückgelehnt ein Wesen von Fleisch und Blut, das jetzt lange der Kirchhofsrasen deckte, die 16f — Mm an der Wand abgebildete, schöne Kwilecka voll glühender I Dann fiel fie auf ihre Kniee und verrichtete ein stilles R-munderuna betrachtet hatte. Gebet. Romans Brief hielt fie fest an das hochklopfende Herz Die Schritte des gräflichen Paares hallten in den hohen, gedrückt, zwischen den gefalteten zitternden Händen. Nachdem leeren Prunkgemächern unheimlich wieder, während die Diener« I sie ihre Fassung wiedererlangt hatte, ging sie still, mit nassen, ickait, auf den Fußspitzen gehend, nachfolgte und ehrerbietig I aber von Seligkeit leuchtenden Augen zu den Eckern. Ein di? Befehle der gnädigen Herrschaft entgegennahm. I unaussprechlich glückseliger Ausdruck lag auf ihren schönen Darauf betraten Beide ein kleineres Gemach, welches nach I Zügen, als sie der Gräfin Antonia Romans Schreiben hin- der schauerlichen Oede der großen Gesellschaftssäle einen un« reichte. , r . gemein wohnlichen und heiteren Eindruck machte. Die Wände I Dar Antlitz derselben verklärte ein Heller Strahl der waren mit seidenen Tapeten bekleidet und mit glänzend polir- I Freude, als sie den Brief gelesen hatte, sie zog Jadwiga an tem Eichenholz getäfelt. Einige moderne Oelgemälde, Still« I sich und küßte sie zärtlich. leben und Landschaften in breiten, vergoldeten Rahmen, brachten I »Was hast Du, Antonia? fragte ungeduldig derGraf, pijßt jn die dunkel gehaltene Färbung der Wände. Ein großer I »Der Brief ist von Roman, wie ich sehe! Warum weint Jad« Bücherschrank mit S*öeTwt, ein Spinett mit ge« Liga, ist ihm etwas zugestoßen? Ist in Lygotta etwas Beson- brechlichen Beinen und Verzierungen von Gold und Elfenbein, derer passirt?" , ... mehrere Tische und Truhen von geschnitztem Holz, sowie sammt« »Rein, nichts, Stanislaw, aber Roman wirbt um die ”‘3” bet tief« SanbnWffl der h°hm Sogmfenfet, man» W-rbung an »»b machst ,»-i Mensch«, bst sich ich« welcke über See und Park in die freundliche grüne Gegend I lange lieben, glücklich? üinniiÄfAnnt?« und in denen breite weiche, gleichfalls mit I Dem Grasen wurden die Augen feucht, er blickte eine dilvklem^Samme^ bewaene ^Sitze angebracht waren, saß Jad« Welle in tiefer Bewegung vor sich nieder, dann faßte er nach miaa halb verborgen von den schweren Brocatvorhängen, an I dem Briefe und las. Einen Moment später flatterte das Blatt ihrem Stickrahmen. Reben ihr stand ein runder Arbeitskorb I zu Boden. Er ergriff Jadwigas ^eide Hände und schaute ihr an einem ganzen Dutzend Deckchen für die steifen, hochlehnigen willst Du ihn he'rathen? mßerte Stühle in Gräfin Antonias Staatszimmern. I Sie sah zu ihm auf mit strahlenden Augen unv Msterie teich mst'echl« SpL ’b-i'Ä9 we»n S tag«, in chtemSlnbli- «tfuto, b«„ strich an ihrer herrlichen Gestalt herab und ein rubinrothes, seidenes I er zärtlich über ihr blondes Haar. „Es wird uns schmerzen, Ueberkleid war mit einem juwelenbesetzten Gürtel um die ! Dich zu verlieren, sagte er, „doch Deme erste Pfl cht ist es, Taille befestigt. Es war ein wahrer Prachtanzug; Gräfin I dem Manne zu folgen, den Dem Herz sich auserwählt, und S-U b'-m'L.r-ff-° b--B-stft. waten zwei Monate wenn Gäste auf dem Schlosse waren. an drei Uhr Nachmittags, als eine eie« y« Srlltoh mit' >°-i I-Migm «ihn---» «chmm an Laar des Mädchens, das in üppigen Locken, nur von einem I den Schloßhof rollte. Noch ehe das Gefährt vor dem Portal Nerlenreifen gehalten, über den weißen Nacken wogte. Sie I anhielt, sprang der junge Herr v Bielmski heraus und flog saß regungslos da, und während ihre Finger sich geräuschlos die Stufen zum Vestibül hinauf Von dort waren nur ein bewegten und die Nadel Stich für Stich durch die Arbeit fuhr, paar Schritte bis zum Familienzimmer der Kwileckis. erblühten in ihrem Gemüth die schönsten Träume Ihr leise I Roman's Herz Hopfte ungestüm, als er vor der Thür »3.bw.g°8emiessebt.%« äää JsÄSS Ä $ag «uf 5 lief «hem. Dann trat et hastig übet ble Stelle SDk et nnb Stunde auf Stunde waren ihr so lieblich entschwunden, I hier zu sehen erwartet hatte, war nicht da, dafür stand Graf daß sie kaum merkte, wie die Zeit verging. Unter dem ver« Stanislaw plötzlich vor ihm der eben wieder eine Wanderung ?hp[nben Einfluß ihrer Eltern hatte fie auch gelernt, die Ge« I durch alle Räume gemacht hatte. . walt ihrer Empfindungen zu beherrschen, und in der licht« und I „Väterchen, liebes Väterchen I rief Roman aus und liebevollen Atmosphäre, in der fie lebte, schien allmälig ihre I eilte ihm, vor Ausregung zitternd, mit ausgestrecklen Armen Nehmen SlSe ^nb l?« guter Roman, da bist Du endlich," erwiderte der wältigte sie. Dann beschlich sie eine seltsame Bangigkeit, es Gras und küßte ihn herzlich- »Du bler!”u” fehlen ihr als wäre die beständige Ruhe und Heiterkeit ihrer I bei uns, nicht wahr, mein Sohn? Laß Dich doch einmal Seele etwas Unnatürliches, und nun erblickte sie schaudernd ordentlich ansehen, Dusiehst angegriffen aus, wir müssen Dich einen langen, langen Zug kommender einsamer Jahre vor sich, I tüchtig pflegen in Jutrofchin! in denen sie allein und verlassen war, ohne ein Ende erschauen „Wo ist Jadwiga? sragte Roman. Bräutchen zu können ein endliches beglückendes und erlösendes Ende. -^tolga? - Versteht M -.w» Putchen KWS-3SHK® ms S'r'füt ft sWjMUüb’ebtm Sseti! Ä In S» 6iW«, gemüWenSggotta mfebetfeh« 1“ beSÄe“WM f-l7 bi« mein Stage dtichlf I ®raf StanUlaw schien get*t, et eilte f° fchnest et 168 konnte zur Thür, indem er rief: „Ich will rasch nach Oben I gehen und Jadwiga holen!" „Nein Väterchen, ich gehe selbst, ich danke Dir," versetzte Roman hastig. „Ja wohl, ja — das ist auch bester. — Geh nur zu ihr, Du kennst doch das hübsche, große Thurmzimmer noch? — links! Du kannst den Weg gar nicht verfehlen, wenn Du die schmale Seitentreppe hinaufgehst. — Roman, höre doch — links die Treppe — links!" Graf Stanislaw war in großer Aufregung, er wußte kaum, was er sprach. Er wollte auch noch allerhand hinzu- fügen, doch Roman war schon aus dem Zimmer geeilt und konnte nichts mehr davon hören. Nun blickte er ihm mit umflorten Augen nach und wurde allmälig etwas ruhiger. „Gottes Gnade ist unerschöpflich und seine Wege sind wunderbar," murmelte er vor sich hin. „Und was bin ich nur, daß mir so viele Gnade vergönnt ist- Ach Gott, lieber Gott, ich kann mich nicht gleich auf ein Gebet besinnen, nur auf das Eine: Set auch ferner gnädig, segne Roman und mein geliebtes Kind!"-- Jadwiga saß noch immer in ihrer Fensternische. Sie hatte die Stickerei bei Seite gelegt und blickte unverwandt nach Osten, von woher Roman kommen mußte. Ihr reizendes, von Liebe und freudiger Hoffnung verklärtes Gesicht besaß noch die ganze Frische der Jugenv und die blauen Augen den alten Zauberglanz. Man würde es schwerlich errathen, daß die schöne schlanke Mädgengestalt bereits vor fünfundzwanzig Jahren das Licht der Welt erblickte. Das dachte auch Roman, als er leise und unhörbar durch ihr Zimmer schritt, denn der dicke Teppich dämpfte das Geräusch seiner Schritte. Doch jetzt trat er näher und blieb einen Augenblick sprachlos vor Entzücken. Wonnebebend schaute er sie an, dann rief er leise, fast zaghaft ihren Namen. „Jadwiga!" Sie wurde leichenblaß und preßte unwillkürlich beide Hände auf die heftig wogende Brust, um den Krampf ihres Herzens zu beschwichtigen. „Jadwiga, ich bin's!" Nun wandte sie sich zitternd um, ihre Augen standen voll Thränen. Einen Moment trat sie scheu und schamhaft von ihm fort und senkte erglühend das Haupt. „Aber Geliebte, kennst Du Deinen Roman nicht mehr? — Deinen Roman, der jetzt zu Dir kommt, um Dich endlich, endlich als Braut in die Arme zu schließen. Denn Niemand steht mehr im Wege zwischen uns Beiden. Wenn Dein Herz sich nicht verändert hat, wenn es noch mein eigen ist, dann hindert uns nicht» auf der Welt, glücklich zu fein!" Er stand hochaufgerichtet vor ihr, mit flammenden Augen, während die ihren still beglückt sich zu den seinen erhoben. Und dann streckte sie ihm ihre Hände entgegen, zagend, schüchtern, doch mit vollem Vertrauen. Aber sprechen konnte sie nicht, nur mit erstickter Stimme stammeln: „Ach Roman, Roman, nun darf ich's Dir endlich sagen, daß auch ich Dich niemals vergeffen konnte und daß mein Herz immer getrauert hat um Dich!" Und nun weinte sie, weinte, als wenn ihr das Herz brechen wollte — aber es waren Thränen des wonnigsten Glückes, die sie vergoß. Roman warf sich vor ihr nieder und umfaßte ihre Knie, er küßte den Saum ihres Gewandes — wie er es vor einem Jahre wachend geträumt- „Jadwiga!" rief er mit vor Leidenschaft bebender Stimme, „Du meine holde, meine schöne Braut, habe ich Dich endlich errungen! Ach, ich konnte nicht leben, nicht sterben ohne Dich, Du bist mein Licht, meine Sonne! Wo Du nicht bist, ist Alles dunkel für mich! Was ist mir überhaupt die gan,e Welt ohne Dich! Und nun, mein — mein für immer!" Sie fielen stch in die Arme, sie blickten sich zärtlich in die Augen, sie küßten sich wieder. Ein erhabenes Gefühl durchschauerte sie, denn sie hatten das Köstlichste erreicht, was ein Menschendasein bieten kann. Und sie wußten, daß Eine» im Andern die Kraft finden würde, auch die Widerwärtig, ketten und Sorgen des Lebens mit Gleichmuth zu ertragen. Und nun ließen sie sich von der Fluth ihrer hochgehenden und seligen Empfindung fortreißen, die Alles auslöschte, was der leidvollen Vergangenheit angehörte. Sie waren endlich im gelobten Lande, im Himmelreich. Da öffnete sich unhörbar die Thür und Graf Stanislaw und seine Gemahlin traten in das Gemach. Roman und Jadwiga gingen ihnen Arm in Arm entgegen. Dann sanken Beide vor den Eltern in die Knie. „Gott segne Euern Bund, Kinder, und mache Euch glücklich!" sagte gerührt der Graf. „Aber, ach, Jadwiga, nun wirst Du uns verlassen?" „Es ist nicht meine Schuld," erwiderte ste mit glänzenden Augen, „ich kann es nicht ändern." „Doch, doch, Mädchen," scherzte er. „Du hättest Roman wie allen andern Freiern einen Korb geben sollen, dann könnten wir Dich unser ganzes Leben lang in Jutroschin behalten I" „Aber das hätte ihm und mir das Herz gebrochen," flüsterte sie mit über und über erglühenden Wangen. „Ach, Jadwiga!" Graf Stanislaw zog seinen Liebling fest an die Brust und legte eine Secunde seine Stirn an die ihre. Dann blickte er sie traurig an. Sie stand ruhig vor ihm, mit niedergeschlagenen Augen, eine glückliche Braut. „Aber Mann, Stanislaw, wie kannst Du es nur in diesem Augenblick über's Herz bringen, dem Kinde Vorwürfe zu machen," rief Gräfin Antonia, indem sie Jadwiga's brennende Wangen streichelte. „Du kannst Deine Tochter ost genug Wiedersehen — während Roman, wenn er den Korb bekommen hätte--doch wozu die vielen Worte: Es ist Alles abgemacht und nichts mehr daran zu ändern und unten in unserm Staatszimmer wartet die ganze Gesellschaft voller Ungeduld auf das verlobte Paar!" „Meine Mutter schickt Dir dies," sagte Roman schnell, indem er einen kostbaren mit Diamanten besetzten Ring an Jadwiga's Finger steckte. „Sie läßt Dich herzlich grüßen und bitten, Du möchtest ihn heute zu ihrem Gedächtniß tragen. Ja, mein süßes Lieb, sie freut sich schon so sehr darauf und mit ihr das ganze Herrenhaus, Dich bald als junge Edelfrau von Lygotta begrüßen zu können." „Ja, Alles hat sie lieb, und ich könnte fast wünschen, meine Frau und ich hätten sie etwas weniger gern," seufzte der Graf, seine gewöhnliche Würde vergessend. „Still doch, still doch, Stanislaw," mahnte die Gräfin. „Kommt, wir müssen gehen, Alles wartet auf uns!" Und nun legte ste selbst den Arm des zitternden Mädchens in den ihres Bräutigams und führte Beide in den Gesellschaftssaal, um den dort versammelten Gästen das Brautpaar vorzustellen. — Und nach wenigen Wochen war auch die Brautzeit vorüber. Jadwiga ging mit Roman an den Kirchenaltar — der Priester sprach den Segen, und sie war verheirathet. — Ja, sie waren endlich vereinigt und unaussprechlich glücklich. Und sie verstand es, ihr Glück zu bewahren. Roman war ein vorzüglicher Ehemann — eine glänzende Ausnahme von der allgemeinen Regel in Polen, und seine Frau war vollkommen zufrieden mit ihm. Graf Stanislaw und Gräfin Antonia hingen noch bis zu ihren letzten ruhigen Lebensstunden mit der innigsten Zuneigung an ihrem schönen Lieblinge. Sie übertrugen dieselbe auch auf die Kinder von Roman und Jadwiga. Kein anderes Band konnte diese Liebe verdrängen oder ihre Herzen erkälten und als die Eltern heimgegangen waren, da machte sich ihre liebende Fürsorge noch in ihren Vermächtnissen geltend, denn Alles, was sie auf Erden an Retchthümern besessen hatten, hinterließen ste der jungen Herrin von Lygotta und deren Angehörigen. Redaction: A. Scheyda. .— Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei Er. Chr. Pietsch) in Gießen.