AnterchaLtttngsblatt 311m Gietzenev Anzeigen (Gensval-Zlnzeigev) !S Donnerstag, den 11. Octover. Im Strome des Lebens. Roman von Jenny Piorkowska. (Fortsetzung.) Unsere Abreise war für den folgenden Tag festgesetzt und Josephine sowohl wie Martha hatten ihre Koffer auf den Corridor gestellt, um bequemer packen zu können. So mußte ich mich wieder zu Tische setzen, ohne ihn vorher gesehen zu haben. „Wie schade, daß es morgen schon fortgeht!" meinte Martha. „Mir ist gar nicht, als wären wir fast vierzehn Tage hier gewesen." „Vierzehn Tage? Mir kommt es wie ein Jahr vor," rief ich unwillkürlich aus. „Das spricht wenig für Dein Amüsement," bemerkte Josephine, „da wird Herr Rodegg Dich wohl sobald nicht wieder einladen, nicht wahr?" setzte sie, zu diesem gewendet, hinzu. „Leider werde ich auf das Vergnügen, so werthe Gäste wieder bei mir begrüßen zu dürfen, auf lange verzichten müffen. Ich gedenke, in den nächsten Wochen wieder einmal nach Amerika zu reisen." Allgemeine Verwunderung, während Josephine sichtlich die Farbe wechselte. „Gedenken Sie länger wegzubleiben?" fragte Tante Aurelie anscheinend ruhig; ich aber wußte, daß es in ihrem Innern ganz anders aussah. „Das ist noch ganz unbestimmt. Jedenfalls werde ich meine Angelegenheiten so ordnen, daß ich zwei Jahre weg» bleiben kann." Ich sah, wie Josephine die Lippen öffnete, um etwas zu sagen, aber offenbar hatte sie ihre Stimme nicht genug in der Gewalt, und sich bückend, strich sie mit zitternder Hand lieb» kosend über Tigers dickes Fell. Ich horchte inzwischen angstvoll auf ein leises Geräusch, das, direct über unseren Köpfen, zweifelsohne aus dem geheimen Zimmer kam. ö „Still! Was ist das?" rief da Martha plötzlich, eben» falls lauschend. „Ich hab' diesen Ton schon heute früh gehört und Sie sagten doch, da» Zimmer hier über uns sei stets unbenutzt und verschloffen." . . Alle hörten auf zu reden und horchten. „Es spukt hier im Hause," sprach Josephine. „Schon während der letzten zwei Nächte habe ich ganz dicht an meinem Zimmer so eigenthümliche Laute vernommen." „Ein sonderbarer Ton — was kann das wohl sein, Herr Rodegg?" „Einer der Dienstleute wird oben sein," erwiderte der Gefragte leichthin. „Beunruhigen Sie sich nicht, ich werde gehen und sehen, was es ist." „Ich werde gehen!" rief ich, indem ich aufsprang und ihm zuvorzukommen suchte. So verließen wir Beide das Zimmer. Tiger, eifrig schnüffelnd, lief uns voraus die Treppe hinauf; vor der Thürs zu Victors Zimmer blieb er bellend und scharrend stehen. „Tiger, hier! Hierher kommst Du!" rief ich erregt. „Was mag der Hund nur haben?" sprach Rodegg, in» dem sein Auge von Tiger zu der geheimnißvollen Thür und von der Thüre zu mir schweifte. „Nichts hat er; er ist nur unartig! Tiger, hierher kommst Du — hierher zu mir!" befahl ich, heftig mit dem Fuße stampfend. „Das hilft Ihnen nichts," sagte Rodegg, „der Hund folgt der Spur, die er wittert." „Wenn ich ihn nur packen könnte! Tiger, hierher kommst Du — augenblicklich. — So, mein Tiger — komm', hier!" Ich benutzte den Augenblick, !wo er in seinem Vorhaben schwankend ward, packte ihn mit kräftiger Faust beim Fell und warf ihn förmlich in mein Zimmer. Schweigend, mit finster zusammengezogenen Brauen, sah Rodegg meinem Beginnen zu. Inzwischen hat man unten im Salon geplant, zum Abschied noch recht munter zu sein, und da das trübe, regnerische Wetter jedwedes Vergnügen im Freien für diesen Tag verbot, war beschloffen worden, nach Tisch Verstecken zu spielen. Ich wollte mich auf dem Corridor hinter dem großen Schrank verbergen; wenn ich mich recht beeilte, konnte ich vorher schnell bis Victors Thür schlüpfen und ihm wenigstens einen kurzen Gruß zuflüstern. Leise klopfte ich an die Thüre — keine Antwort. „Victor," flüsterte ich durch das Schlüffelloch, „komme doch nur eine Secunde an die Thür." In dem Augenblick hörte ich Jemand die Treppe heraufkommen, und um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, öffnete ich rasch entschloffen die Thüre, trat ein und zog das Schloß leise hinter mir zu. Doch in der nächsten Minute schon erkannte ich, was für eine Thorheit ich begangen hatte. Ringsum herrschte eine fast grabesähnliche Stille und Finsterniß. Wieder hauchte ich Victors Namen — keine Antwort. War er geflohen und ich allein in diesem unheimlichen Zimmer — um vielleicht stundenlang hier eingeschlossen zu sein? — Da plötzlich beschlich mich eine so wahnsinnige Furcht, - 474 — daß ich nur einen Gedanken hatte: nur wieder hinaus — und wenn sie Alle mich sehen sollten. — All' die Spuk- und Geistergeschichten, die Lisette mir von diesem Zimmer erzählt hatte, kamen mir wieder in den Sinn und in nervöser Angst tastete ich umher nach der Thüre, aber ich mußte eine falsche Richtung genommen haben; plötzlich streifte meine ausgestreckte Hand einen kalten Gegenstand; mit einem Aufschrei prallte ich zurück, dabei glitt ich aus und schlug mit der Stirn so heftig gegen einen Tisch, daß mir das Bewußtsein schwand. Als ich endlich wieder zur Besinnung kam, drangen die Stimmen der Anderen wie durch ■ dicke Gefängnißmauern zu mir. Ich hörte meinen Namen rufen und versuchte zu antworten, aber ein schwerer Alp erstickte meine Stimme. Nach einiger Zeit hörte das Rufen nach mir auf, verschiedene Thüren gingen auf und zu, dann war Alles still. So schnell hatten sie es aufgegeben, mich zu suchen — sie hatten mich vergesien! Aber sie sollten, sie mußten mich hören; und gewaltsam richtete ich mich auf; in demselben Augenblicks wurde auf die Thürklinke gedrückt und ein Lichtschein fiel in das Zimmer. Rodegg trat ein, aber sein bleiches, angstvolles Gesicht erstickte den Freudensausruf, mit dem ich ihm entgegeneilte. Ich schaute mich um und athmete freier, als ich sah, daß wir Zwei allein waren. „Ich wußte, ich würde Sie hier finden," Hub Rodegg mit vor Aufregung bebender Stimme an, „was führte Sie hierher? Sind Sie allein?" „Ja," stammelte ich, „ach, bringen Sie mich fort von hierl Ich habe mich halb tobt geängstigt — Victor ist nicht hier — ich hatte ihn . . ." Plötzlich erstarb mir das Wort auf den Lippen — ich hatte mein Geheimniß verrathen! „Besier, er ist fort," entgegnete Rodegg ohne irgend ein Zeichen der Ueberraschung, „er hätte hier nicht länger verborgen bleiben können. Um Ihretwillen will ich wünschen, daß er in Sicherheit ist. Besier, er wäre früher geflohen, ich hätte Ihnen behilflich sein können, aber Sie wollten mir ja nicht vertrauen. Glauben Sie wirklich," fuhr er mit halb bitterem, halb innigem, halb melancholischem Ausdruck fort, „glauben Sie wirklich, ich hätte nicht gewußt, daß Sie ihn in meinem Hause bergen und inmitten sorgloser, lustiger Menschen mehr als Todesqualen litten? — O, Kind," sprach er weiter, indem er seine Hand auf meine Schulter legte und mir in die Augen sah, „ich kenne den Ausdruck dieses Gesichtes besier als mein eigenes. Hätte ich nicht von der ersten Stunde von Doctor Feudlers Ermordung an auf Blanchard Verdacht gehabt, — Ihre Züge hätten es mir verrathen. Und Tag und Nacht habe ich feitdem gearbeitet, um jedwede Spur von ihm abzulenken. — Beruhigen Sie sich — fürchten Sie nichts für ihn; jetzt wird er bereits die Grenze, wo ihm noch Gefahr drohen könnte, hinter sich haben." Ich brach in bittere Thränen aus; als ob ich, nun Victor gerettet war, keinen Kummer mehr hätte; war es doch erst der Anfang eines Lebens voll tausend solcher Stunden wie diese! „Armes Kind, es ist ein hartes Loos! Wie gern hätte ich Sie davor bewahrt, wenn ich vermocht hätte." „Ach, ein mehr als hartes Loos!" schluchzte ich. „Ach, wenn Sie nur wüßten . . -" „Ich weiß, ich weiß, daß Sie sich in dem Mann, den Sie lieben, getäuscht haben; ich weiß aber auch, daß Sie eben deshalb Ihr Ideal, nun es herabgesunken ist von seinem Piedestal, wenn möglich noch inniger lieben als zuvor- Glauben Sie mir, ich fühle mit Ihnen; solchen Kummer heilt die Zeit, weit mehr ist der Mensch zu beklagen, der ungeliebt und unbeglückt dahinleben und zusehen muß, wie eine unwürdige Hand nach dem Juwel greift, das Jenem den Himmel auf Erden bereiten würde." „Vielleicht weiß ich das ebenso gut wie Sie," schwebte mir als Antwort auf den Lippen, aber schweigend verbarg ich mein Gesicht in den Händen und wandte mich ab. Er verstand mich nicht- — „Warum wollen Sie es so schwer nehmen?" fuhr Rodegg fort. „Ein, zwei Jahre der Trennung sind schnell verflogen, — oder waren Sie nicht aus seine Flucht vorbereitet? Hat er Ihnen nicht Lebewohl gesagt?" „Nein," sagte ich, froh, für meine Thränen eine Entschuldigung zu haben, „ich ahnte ja nichts von seiner Flucht." „Aber vielleicht hat er Ihnen einen Brief, einen schriftlichen Gruß zurückgelassen. Sehen Sie, was liegt da — dort auf dem Tisch?" Hastig, mit bebender Hand, griff ich nach dem kleinen Packet, es trug meine Adresse — ich öffnete es- Ein Brief fiel heraus. Hastig glitten meine Augen über die Zeilen; ich suchte weiter und wickelte aus einem zweiten Papiere etwas, bei deffen Anblick ich den Brief zur Erde fallen ließ und nach dem nächststehenden Stuhle greifen mußte, um mich zu stützen. „Lesen Sie — ich — ich verstehe nicht," stieß ich abgebrochen hervor. Zögernd sah er mich einen Moment an, dann las er laut: „Ich versprach Dir Freiheit! — Ja, ich war ein Elender, daß ich Dir dieselbe nicht schon früher gegeben habe. Doch Geduld, wenn Du diese Zeilen liest, ist eine solche Kluft zwischen uns, daß Du sür den Armen, der den Tod nur fürchtete, weil er ihn von Dir trennte, der nur am Leben hing, weil Deine Liebe ihn beglückte, wohl ein wenig Mitleid haben darfst. ~ Soll ich von meiner Liebe zu Dir reden? Soll ich Dir sagen, wie ich nichts mehr wünsche, als Dein Glück? Daß ich Dir die Kälte, die Du mir vergebens zu verbergen suchtest, verzeihe und Dich um Verzeihung bitte für den Kummer, den ich Dir bereitet habe? — Du weißt das Alles bester, viel bester, als ich es Dir in dieser furchtbaren Stunde zu sagen vermag. Vergiß den ganzen schweren Traum und werde wieder glücklich. Aber noch Eins: Soll ich Dir sagen, wem Du Deine Liebe schenktest, westen Namen zu tragen Du versprachst? — Ein guter, alter, edler Name! Frage nur Deinen Wirth, ob es nicht der beste Namen hier in dieser Gegend ist, auf bett jebe Frau stolz sein sollte. Der Name Robegg ist es I Der einzige Name, auf ben ich Anspruch habe. — Bei allem Stolz, ben unser Wirth in seiner Brust trägt, könnte er ihr, bie er einst Schwester genannt, ben alten stolzen Namen, unter beut sie geboren warb, nicht nehmen, als sie zu Schimpf unb Schande herabsank. Ich kann nicht stolz sein auf ben Namen, ben sie mir zum Erbtheil machte- — Wenn unser Wirth bezweifelt, baß ich bie Wahrheit rede, baß bas* selbe Blut in unseren Abern fließt, so zeige ihm nur das einzige Andenken, das ich Dir zurücklasten kann: ein Bildniß meines Vaters. Frage ihn, ob er sich des Geliebten seiner Schwester Marianne erinnert — er wird keine weiteren Be* weise fordern- Sage ihm, daß ein Mörder es der erkaltenden Hand seines Opfers entrang, daß es fein schuldbeladenes Gewissen mit einer seltsamen Scheu erfüllte, daß es ihn schnell seinem Ende zutrieb I Doch wünscht er noch mehr Beweise, so zeige ihm diese zwei Briefe — ben einen habe ich seit Jahren auf bent Herzen getragen, ben anderen fand ich hier in diesem Zimmer in einem vergeffenen Buche. Gott schütze Dich, und wenn Du kannst, vergib mir. Victor." „Ich — ich verstehe nicht — was meint er ? Wohin ist er?" fragte ich erregt, die Hand vor die heiße Stirn prestend; „ich bin so verwirrt, daß ich keinen Gedanken zu fassen vermag. O, schauen Sie nicht so furchtbar drein — es muß ein Jrrthum sein — es muß . . . Sie glauben doch nicht, daß ... daß .. - barmherziger Gott, stehe mir bei!" Rodegg regte sich nicht, vergebens suchte ich nach Trost in seinen geisterbleichen Zügen. Von einem plötzlichen Jnstinct ersaßt, griff ich nach dem Licht, warf einen hastigen Blick ringsum, trat an das Bett und schob die Gardine zurück- Kein Laut drang über meine Lippen, wie zu Stein verwandelt stand ich da und starrte mit gläsernen Augen mw erstarrtem Blute auf die Gestalt vor mir. Da lag er nm der unverkennbaren Blässe des Todes auf dem Gesicht; em schmale rieselte, diesem R hörte i entranj Lippen T etwas über il Glied Kette Herzbl 2 wie le 2 ihn, w Thrän beschw 2 C schöpft ließ N 9 Erbar selbst wohl wieder konnte Boden unb n gekam macht« zu me c t einen gesche, Rodeg im S Gehet Leben ich sie mir ji Ihrig bleibt Schri wenig bin ei bald haben mer z Möge geben kein ' Zimv die 3 aufallein und strau dem Fursi des ' - 475 schmaler Wulstreifen, der von seiner Brust aus langsam herab - rieselte, gab den traurigen Beweis, daß er für immer aus diesem Leben geschieden war. Rodegg war neben dem Bett auf die Knie gesunken; ich hörte die abgebrochenen Worte, die sich ihm wie im Traume entrangen; mir aber kam kein Schmerzenslaut über die Lippen; keine Thräne trübte meinen starren Blick. Da, bei einem leichten Aufflackern des Lichtes, sah ich etwas am Halse des Unglücklichen glänzen. Ich beugte mich über ihn und erkannte einen kleinen Ring von mir und ein Glied des. zerbrochenen Armbands, das er an einer kleinen Kette auf dem Herzen getragen hatte und das jetzt mit seinem Herzblut befleckt war- Da endlich kamen mir die Thränen zu Hilfe, wie heiß, wie leidenschaftlich mußte er mich geliebt haben! Von Schmerz und Reue ergriffen über meine Kälte gegen ihn, warf ich mich über ihn und bedeckte feine starre Hand mit Thränen und Küssen; ich schmiegte mich an sein Gesicht und beschwor ihn, mir zu vergeben. — Wie lange Zeit verging — ich weiß es nicht. Endlich ließ ich mich, von Aufregung und Weinen erschöpft, widerstandslos abführen in mein eigenes Zimmer. Dort ließ Rodegg mich auf meine Bitten allein. Auf die Knies sinkend, flehte ich Gott leidenschaftlich um Erbarmen für den armen Victor, um Barmherzigkeit für mich selbst an. Ich betete lange so innig und leidenschaftlich, wie wohl noch nie zuvor in meinem Leben; und als ich mich wieder aufrtchtete, war mein Entschluß gefaßt. So bald ich konnte, — ich vermochte die Anderen nicht wiederzusehen, der Boden brannte mir unter den Füßen, — wollte ich fliehen und mich für immer vor all' Denen verbergen, die mich je gekannt hatten. Ich wartete, bis es im Haufe ganz still war, dann machte ich mich leise und hastig an die geringen Vorbereitungen zu meiner Flucht. Ich packte die nothwendigsten Sachen zusammen, ließ einen Gruß mit einem kleinen Andenken und einem Geldgeschenk an meine treue Lisette zurück und schrieb dann an Rodegg: „Meine Flucht wird Sie nicht überraschen. Nicht im Stande, meine Gefühle so zu beherrschen, daß ich mein Geheimniß nicht verrtethe, ist es wohl am besten so- Mein Leben bet Tante Aurelie ist schon lange so unerträglich, daß ich sie früher oder später doch verlassen hätte. Wenn Sie mir jemals freundlich gesinnt waren, so bitte, ihun Sie das Ihrige, daß meinen Verwandten mein Zufluchtsort verborgen bleibt. Ich verspreche Ihnen, nichts unüberlegt, keinen hastigen Schritt zu thun, den Sie nicht billigen würden. Sie haben wenig Grund, mir zu vertrauen, aber glauben Sie mir,^ich bin eine Andere geworden, ich täusche Sie nicht wieder. Sobald ich weiß, daß Sie den hetmathlichen Boden verlassen haben, schreibe ich Ihnen, wo ich mich besinde. Auch Sie sind nicht glücklich, Sie haben aber nur Kam« mer zu tragen, während mich Reue und Gewissensbisse quälen. Möge Gott Ihnen den goldenen Frieden, die innere Ruhe geben, auf die ich keine Anrechte habe." — Wo aber — dachte ich — den Brief Hinthun, daß ihn kein Anderer findet, als er? Leise schlich ich mich über den dunklen Corridor an sein Zimmer. Ich lauschte, ein feiner Lichtstrahl schimmerte durch die Thürspalte, und mit ruhelosen Schritten hörte ich Rodegg auf- und niedergehen. Leise schob ich den Brief unter der Thürspalte hinein. Eine halbe Stunde später befand ich mich einsam und allein in dunkler, sternenloser Nacht. Mit fieberheißem Kopfe und wildklopsendem Herzen eilte ich vorwärts. Mein Fuß strauchelte in dem hohen Grase, oftmals blieb mein Kleid an dem dichten Dorngestrüpp hängen, aber wie von tausend Furien gejagt, lief ich weiter und weiter, bis das tiefe Dunkel des Waldes mich deckte- (Schluß folgt.) Die Schlangen in Südafrika. Das südliche Afrika ist besonders reich an Schlangen, sowohl hinsichtlich der Art, als auch der Zahl nach, und kommen hierbei sowohl giftige, als auch giftlose Reptilien vor, letztere allerdings in der Minderzahl. Die größte der südafrikanischen Schlangen ist zweifellos die Natalschlange (Python natalensis), von den Eingeborenen Ondara genannt, die eine durchschnittliche Länge bis 20 Fuß erreicht Vielfach hat man in der wissenschaftlichen Welt früher sogar das Dasein dieses Schlangeungethüms bezweifelt, aber feine Existenz ist durch neuere Reisende unbestreitbar nachgewiesen worden, nur kommt die Ondara verhältnißmäßig selten vor. Das Gift dieser Schlange soll von ungemein heftiger Wirkung sein, unter Umständen vermag der Biß einer Ondaraschlauge selbst bei kräftigen Männern den Tod binnen wenigen Minuten herbeizuführen, wie wenigstens behauptet wird. Eine ungemein giftige Schlangenart Südafrikas ist auch die Puffnatter oder Puffadder (Vipera inflata), die besonders im Tamara- und Namaqualand ziemlich häufig vorkommt. Ihre Gefährlichkeit wird indessen dadurch einigermaßen ab- geschwächt, daß sie außerordentlich träge und langsam ist; sie pflegt aus ihrer Trägheit gewöhnlich nur dann emporzu« fahren und zuzubeißen, wenn sie getreten wird. Da indessen die Puffnatter in ihrer Färbung stark dem Erdboden gleicht, fo läßt es sich nicht immer vermeiden, daß man auf sie tritt, beim Emporschnellen äußert die Puffnatter die Eigen- thümlichkeit, daß sie sich niemals nach vorn zu, sondern stets nach rückwärts auf ihren Feind oder auf ihre Beute stürzt. Sehr gefürchtet wird von den Bewohnern Südafrikas auch die sogenannte Speichelschlange, aber weniger wegen ihres Bisses. Wohl ist die Speichelschlange ebenfalls giftig, ihr Gift wirkt jedoch nur bei kleineren Thieren tödtlich, bei größeren Thieren und beim Menschen verursacht es nur bald wieder vorübergehende Lähmungserscheinungen. Die Ursache, wegen welcher die Speichelschlange von Europäern wie Eingeborenen geflohen wird, liegt in ihrer eigenthümlichen Gewohnheit, einen Giftstrahl auf die Entfernung von einigen Fuß gegen die Augen der in ihre Nähe kommenden Personen zu spritzen, daher auch der Namen dieser Schlange. Dieses auf die Augen gebrachte Gift der Speichelschlange ruft zunächst sehr schmerzhafte Entzündungen in den Sehorganen der be« treffenden Personen hervor, welche Erscheinungen schließlich sogar Blindheit verursachen, wenn die Entzündungen nicht rasch durch geeignete Gegenmittel beseitigt 'werden. Eine andere seltsame Schlangenart Südafrikas ist die gefährliche sogenannte Fuhrmannspeitsche, eine bis 3 Fuß lange schwärzliche Scblange, welche ihren sehr bezeichnenden Beinamen von den ursprünglichen holländischen Ansiedlern Südamerikas erhalten hat. Die „Fuhrmannspeitsche" stellt sich in der Gereiztheit förmlich auf den Kopf und schlägt mit ihrem dünnen schlanken Leib gleich einer Peitsche um sich, nachher fährt sie aber mit rapider Schnelligkeit auf den Gegenstand ihrer Wuth los und wehe dem unglücklichen Opfer dieses Reptils! Denn der Biß der „Fuhrmannspeitfche" ist bei Mensch wie Thier fast unbedingt tödtlich, dasGift äußert wie das der Natalschlange in unglaublich kurzer Zeit seine verderblichen Wirkungen, und nur selten kommt es vor, daß ein von der „Fuhrmannspeitsche" gebissener Mensch sich wieder erholt. , Noch ein e ganze Reihe Schlangenarten, die nur in Südafrika vorkommen, und sich ebenfalls durch gewisse Eigenthüm- lichkeiten auszeichnen, wären zu erwähnen. Doch sollen von ihnen an dieser Stelle nur die folgenden genannt sein: Die Baumschlange, in der Boernsprache boom-slang genannt; sie wird etwa fünf Fuß lang, und lebt ausschließlich auf Bäumen, von denen sie nur heruntergeht, wenn sie der Hunger antreibt, Beute zu suchen. Ferner die „schwarze Schlange" oder zwat slang der Colonisten, welche ungefähr drei Fuß lang wird und ungemein leicht reizbar ist; sie verbirgt sich mit Vorliebe in Erdlöchern, aus denen sie beim geringsten Geräusch in ihrer Nähe mit zornigem Pfauchen hervorschießt. — 476 — M.12 Uni c ■ GsNTHinnütziges. Kedactron: A. Scheyda. — Druck und Berlag der Vrühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen, fahren besteht darin, daß man die Trauben, Aepfel, Birnen in einer Kiste schichtenweise zwischen zerkleinerter Torfstreu verpackt. Trotzdem in einem Falle so verpackte Trauben in einem unbewohnten und vor Kälte nicht geschützten Raum während des Winters aufbewahrt wurden, so hielten sich dieselben doch vorzüglich. Auch die auf diese Weise aufbewahrten Birnen waren ohne jedwede Verletzung und von unveränderter Größe; die Trauben schmeckten vortrefflich. Auch der sogenannte Schafstecher (Trimerorhinus rhom- beatus) wäre zu nennen; dieses gefleckte, kaum drei Fuß lange und sich durch einen merkwürdig breit gedrücktenKopf auszeichnenve Reptil kommt besonders in Gegenden vor, wo Schafherden längere Zeit zu weiden pflegen, vielleicht, daß es durch den Schafgeruch so angezogen wird. Der Biß des „Schafstechers" ist im hohen Grade gefährlich, und zwar ist das Thier um so mehr zu fürchten, als es die Gewohnheit besitzt, sich mit einer wunderbaren Elasticität in die Höhe zu schnellen, und den Menschen Biffe an den Händen, ja, selbst im Gesicht beizubringen. Schließlich verdient noch die Hornviper Erwähnung, die sich an ihrer lebhaften gelblich-grünen Färbung und einer kleinen hornartigen Erhöhung am Kopfe leicht erkennen läßt. Das Gift der Hornviper wirkt ebenfalls sehr rasch und fast immer tödtltch, glücklicher Weise bekundet sie große Scheu vor dem Menschen und weicht ihm aus, wo sie nur kann. Außer diesen genannten characteristischen Arten kommen im südlichen Afrika noch eine ganze Menge anderer Schlangen vor, theils giftiger, theils harmloser Natur; von ihrer Aufzählung kann hier indessen wohl Abstand genommen werden. Jedenfalls steht aber durch die Erfahrung fest, daß in diesem Theile der Erde trotz des zahlreichen Vorkommens von Giftschlangen, von denen manche Arten in ihrer Furchtbarkeit der Brillenschlange Ostindiens oder der Klapperschlange Nordamerikas nicht das mindeste nachgeben, verhältnißmäßig selten Todesfälle von Menschen infolge Schlangenbisses vorkommen. Es mag dieser Umstand allerdings wohl mit darauf zurückzuführen fein, daß Südafrika im Allgemeinen noch recht dünn bevölkert ist, im Uebrigen muß hierbei jedoch hervorgehoben werden, daß man auch in Südafrika die Beobachtung machen kann, wie gerade die gefährlichsten Schlangen den Menschen zu fliehen pflegen und ihre entsetzliche Vernichtungskraft gegen ihn gewöhnlich nur dann in Anwendung bringen, wenn sie genöthigt sind, sich zu vertheidigen. In den Kreisen der Colonisten wie der Eingeborenen Südafrikas hat man eine Menge Mittel gegen die Folgen von Schlangenbissen. Besonders die Kaffern, die Hottentoten und die Namaqua sind im Besitze einiger sehr wirksamer pflanzlicher Mittel gegen Schlangengift, leider scheinen aber die Colonisten noch in Unkenntniß der betreffenden Pflanzen zu sein, denn bei ihnen spielen gewöhnlich andere Sachen ihre Rolle bei Bekämpfung der Wirkungen des Schlangenbisses. Hierher gehört namentlich eine Eau de Luce genannte Mixtur, mit welcher die durch Schlangenbiß verursachte Wunde ausgewaschen wird, während der Gebissene zugleich fünf Tropfen der Mixtur in einem Glase Wasser alle zehn Minuten zu sich nimmt; ferner behandelt man derartige Wunden auch mit süßer Milch, Oel, Hirschhorngeist, durch Ausätzen glühenden Eisens u. s. w. In den Ansiedelungen im äußersten Norden der Kapcolonie soll mit Vorliebe eine bestimmte weiße Bohnenart als Gegenmittel bei Schlangenbissen Anwendung finden. Man schneidet die Bohne durch und legt ste mit der angeschnittenen Seite auf die Wunde, an der stch die Bohne sofort festsaugt; sie soll erst dann wieder abfallen, wenn ste auch die letzte Spur des Giftes aus der Wunde herausgesogen hat. Welches Obst eignet stch zum Dörren und welches nicht? Rein süße oder saure Früchte, welche sehr viel Herbes und kein Aroma besitzen, taugen nicht zum Dörren; ebensowenig unreifes, wurmiges, angefaultes, allzu kleines Obst, welches besser zur Mostbereitung verwendbar ist. — Alles zum Dörren bestimmte Obst soll reich an Fleich sein. Aepfel seien süß-säuerlich (zu 5 pCt. Säure etwa 10 pCt. Zucker) und gewürzhaft, von Gestalt regelmäßig, möglichst eben, kugelig, mittelgroß bis groß. Birnen seien herbsüß, schmelzend. Am besten sind: Rouffelet, Schmelz- und Gewürzbirnen, Liegels Winter-Butterbirne, Marie-Louiss. Von Steinobst eignen sich zum Trocknen: Zwetschen, Reineclauden, Mirabellen, Pflaumen. Dk weit. 1 nähme, freien § meinen Al! ort au» den Wo Briefe s von mit Na ihren Ti jungen ; Vetter . Rodegg niederzü Utt Ali ein wen daß ich ten sie 1 thun; f sollten u ich nie i hätte id können, scheu zu vermocht Gö! ihm, sol ich bei hätte. Na. licher B zwischen fühl bei von mit Pontinu! Gruß fü Zum Düngen der Palmen. Eines der besten Düngemittel für Palmen ist reiner Kuhdung. Man bestreicht mit selbigen die inneren Seiten oder Wände der Töpfe, oder man löst ihn im Wasser auf und gießt dann mit letzterem. Die erstgenannte Verwendungsweise läßt sich nur beim Umpflanzen der Palmen ausführen, während dieMssige Düngungs- weife zu jeder Zeit ausführbar ist. Mu einfaches Mittel für die Trauben- und Obsteonserviruug. Für Landwirthe, Gärtner, Obsthändler und Haushaltungen ist folgende Mittheilung über das Conferviren des Obstes wichtig. Eingehende Versuche zeigten, nach einer Mittheilung des italienischen Fachblattes „Bollettino Chimico Farm.“, daß stch Trauben und Obst längere Zeit hindurch durch ein einfaches und überall leicht ausführbares Verfahren in frischem Zustand conserviren lassen. Das Ver• * • Rasch wachsenden Topfpflanzen, wie Geranien resp. Pelargonien, Fuchsien u. s. w., die nicht in guter Erde stehen, gibt man von Zeit zu Zeit einige Lössel voll fein zerstoßener Holzkohle, die auf dis Oberfläche des Topfes gestreut wird. Es trägt dies zum kräftigen Wachsthum der Pflanzen bei und verleiht den Blättern ein saftige», lebhaft dunkelgrünes Aussehen. Es muß aber tüchtig gegossen werden. Aus Vogelbeeren kann man außer Gelee einen Branntwein Herstellen. Man stampft die zerkleinerten Beeren in hölzerne Gefäße ein und läßt sie in denselben fünfzehn bis zwanzig Tage gähren. Vortheilhaft ist es, wenn ein Theil der Steine zerstoßen und der Kern mit der gährenden Masse vermischt wird, da er dieser den beliebten Geschmack nach bitteren Mandeln mittheilt. Die ausgegohrene Masse besitzt eine fast unbegrenzte Haltbarkeit, so daß die Destillation zu ganz beliebiger Zeit vorgenommen werden kann. — Uebrigens wird auch ein tanninhaltiger Wein aus Vogelbeeren bereitet. * ♦ Sobald es im Herbste anfängt, Morgens und Abends kalt zn werden, muß das Geflügel als Frühstück ein warmes Mahl erhalten. Auf den Küchenofen wird ein Napf gesetzt, in welchem übrig gebliebene Grieben gesammelt werden, diese kocht man mit etwas Leinsamen, Reis oder Hafermehl im Wechsel. Nach dem Kochen wird der Napf in einen Eimer entleert, welcher Kleie, Mais oder Gerstenmehl enthält, und diese Mischung so lange umgerührt, bis sie eine krümelige Masse bildet. Noch warm, wird dieses Morgenmahl den Hühnern vorgesetzt und übt einen guten Einfluß auf deren Legethätigkeit aus. In den Tanbenschlag gehört immer auch Sand, Kalk ober Salz. Den Untersatz eines großen Blumengeschirrs füllt man mit reinem, feinem Flußsand, vermengt mit Salz, und begießt die Mischung mit Wasser. Dieses löst das Salz auf, welches dann mit dem Sand beim Trocknen eine mäßig harte Kruste bildet, die von den Tauben begierig weggepickt wird.