Anterchaltnnssblatt zrrin Gietzenep Anzeigen sGensval-Anzerger») W ZWMM MUMK Dienstag, dm 10. Juli. Das Geheimnis; der Droschke. Von F. H u >n e. ------- ^Nachdruck uerboten.] I. Fräulein Margarethe Weber hielt sich die Ohren zu und schmollte. Sie war jung und schön, und das Schmollen stand ihrem rosigen Kindergesicht ausnehmend gut. Aber es schien ihr wirklich ernst damit und sie war weit entfernt davon, ihren Bräutigam durch irgend eine Laune zu quälen. Uebrigens achtete er jetzt ihrer nicht. Er befand sich mit den anderen Herren der Gesellschaft in einem ziemlich erregten Gespräche und besaß weder ein Wort noch einen Blick der Zärtlichkeit für die junge Dame, welche die lärmende Debatte sehr langweilig fand. Es war auch zu häßlich, das, worüber die Männer verhandelten, häßlich und ungewohnt zumal in dem prächtigen Raume, in welchem sie saßen. Durch die geöffneten Thüren des Salons, welche auf eine weite, mit exotischen Pflanzen besetzte Terrasse führten, strömte mit dem linden Hauch des Maiabends der seltsame Duft tropischer Blüthen herein. Die kostbaren Geräthe auf der gedeckten Tafel gleißten im Scheine der electrischen Lampen, welche ein durch rosafarbige Gläser gedämpftes Licht verbreiteten, das geeignet war, eine sanfte, träumerische Stimmung zu erzeugen. Dieser hätte Margarethe sich gern hingegeben, trotzdem sie wußte, daß ihr Vater, Herr Anton Weber, derartige europäische Sentimentalitäten für lächerlich hielt. Aber Margarethe führte nicht umsonst ihren durch die deutsche Dichtung verherrlichten Namen, und wenn sie auch in Australien das Licht dieser Welt erblickt hatte und nach Grundsätzen erzogen worden war, die den Wienerinnen höchst merkwürdig erschienen wären, so war ihr doch, gleichsam als mütterliches Erbtheil, eine gewisse Kindlichkeit eigen, die das Fremdartige ihres Wesens in angenehmer Weise milderte und ausglich. Sie hätte sich, wie gesagt, der weichen Stimmung, die sie ergriffen, hingegeben, würden sie die streitenden Stimmen nicht daran gehindert haben. Was interessirte sie denn dieser Mord mit den seltsamen Umständen, unter denen er begangen worden war? Was das Geheimnißvolle an dieser ganzen Sache? Der Fiaker, in dem die Unthat geschehen war, und alle Nebenumstände, die Felix Roller in feiner geschwätzigen Weise auskramte? Sie wußte nur so viel, daß es nicht recht sei, ihren Verlobungsabend durch eine solche Unterhaltung zu stören, die ihren Bräutigam De- sider Jvanyi von ihr abziehen mußte. Wie müde lehnte sie sich zurück, und während sich der schmollende Zug in ihren Mundwinkeln festsetzte, dachte sie über Alles nach, was sie in den letzten Tagen bewegt hatte. Die Werbung Destders war nicht so glatt abgelaufen. Dem Wunsche ihres Vaters entsprach sie keineswegs, vielmehr hatte dieser einen polnischen Edelmann, Namens Ottokar Wolski, bevorzugt, welchen sehr gewichtige Empfehlungen zum Freunde des gastlichen Hauses gemacht. Zwischen den beiden Bewerbern war es ost zu unerquicklichen Seenen gekommen, die den Frieden und die Ruhe der schönen Margarethe störten, bis sie sich entschloß, ihrem Vater die Erklärung abzugeben, daß sie ohne Jvanyi nicht leben könne und sich ein Leid anthun werde, wenn sie ihm nicht angehören dürfe. Weber, dem kurz vorher die Frau gestorben war, und der die Entschlossenheit seiner Tochter nur zu gut kannte, sah sich gezwungen, nachzugeben. Seit dieser Zeit war Wolski nicht nach Döbling gekommen, wo Weber eine prächtige Villa bewohnte. Letzterer hatte dieselbe, nachdem er als reicher Mann aus Australien zurückgekehrt war, mit dem Aufwande eines großen Kapitals erbauen lassen und bald zum Mittelpunkte einer Gesellschaft gemacht, die sich aus einigen Wiener Advocaten, Journalisten und einer Anzahl Fremder zusammensetzte, welche die österreichische Kaiserstadt aufgesucht hatten, um hier ihr Glück zu machen, verarmte Edelleute, welche, von der Gunst und Protection des Millionärs getragen, an gewagten Geschäften sich betheiligten, die ihnen Gewinn brachten, Streber, die vorwärts kommen wollten und den Einfluß Webers hoch genug schätzten, um ihm dienen und schmeicheln zu dürfen. In dieser etwas gemischten Gesellschaft bewegte sich Margarethe Weber mit der Anmuth ihrer achtzehn Jahre, nicht nur begehrt wegen ihres Reichthums, sondern auch ihrer Schönheit halber. Und Jvanyi wurde von Allen beneidet, dieses herrliche Mädchen errungen zu haben. Heute aber schenkte man ihr weniger Aufmerksamkeit als sonst. Daran war eine Nachricht schuld, welche die Abendblätter der Zeitungen gebracht hatten, eine Nachricht, welche die Gemüther der ganzen Stadt in die höchste Aufregung versetzte. Der Bericht lautete: „Heute, den 28. Mai, gegen 2 Uhr Morgens, machte der Fiaker Nr. 6301 bei der Polizeidirection die Anzeige, daß sich in seinem Wagen, den er zwei Sicherheitsmännern zur Bewachung übergeben, der Leichnam eines elegant gekleideten Mannes befinde, der allem Anscheine nach einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Vom Polizeicommissär verhört, gab er folgende Darstellung zu Protocoll: Als ich gegen ein Uhr Nachts die Währingerstraße entlang fuhr, rief mich in der Nähe der Votivkirche ein Herr an. Derselbe stützte einen zweiten Mann, denselben, welcher in meinem Wagen liegt; es schien mir, als sei dieser Letztere unwohl oder berauscht, trotzdem er wie ein Cavalier gekleidet war. Der Herr, welcher mich angerufen, trug einen lichtbraunen offenen Oberrock. Ich fragte, ob er den Kranken kenne, worauf er erwiderte, daß er ihn aus Mitleid vom Pflaster aufgelesen habe, daun aber, als er ihm in's Gesicht sah, sagte er leichthin: „Ah, der ist's!" und entfernte sich wieder. Der Stütze beraubt, war der Zurückbleibende zu Boden gefallen und stammelte jetzt: „Ich will nach Hause — Ltechtensteinstraße." Ich stieg rasch vom Bocke und es gelang mir nach einiger Mühe, den Kranken in den Wagen zu bringen, wo er auf den Sitz zurückfiel. Als ich im Begriffe war, davonzufahren, bemerkte ich wiederum den Herrn mit dem lichten Ueberzieher in meiner Nähe. Er meinte auf meine verwunderte Frage, daß er doch zurückgekehrt sei: er hätte sich entschloffen, seinen Bekannten selbst nach Hause zu schaffen, und gab mir als Ziel den oberen Theil der Liechtensteinstraße an. Bei der Alsbachstraße erhielt ich das Zeichen zum Halten. Der Herr stieg wieder aus und sagte: „Er will nicht, daß ich ihn begleite, fahren Sie weiter — ich glaube Liechtenstein- straße Nr. 121 oder 123, ich weiß es nicht ganz genau, er wird das Haus schon erkennen/ Darauf bezahlte er mich, trat noch einmal an das Wagenfenster und rief: „Gute Nacht!" Dann zuckte er die Achseln, murmelte etwas von „ganz berauscht", zündete eine Cigarette an und entfernte sich gegen die innere Stadt zu. Ich fuhr in die angegebene Richtung, machte bei Nr. 121 Halt und öffnete den Wagenschlag. Der Herr saß zurückgelehnt und hatte das Gesicht zum Theil mit einem Tuche bedeckt. Als ich ihn wecken wollte, fiel er nach vorwärts und ich sah zu meinem Entsetzen, daß der Mann tobt sei. — Soweit die Erzählung des Kutschers. Der Polizei- arzt, welcher den eingetretenen Tod des Unbekannten constatirte, erklärt, daß hier offenbar ein Verbrechen vorliege, da das Tuch, mit welchem das Gesicht des Leichnams theilweise bedeckt gewesen ist, mit Chloroform getränkt sei. Der Unbekannte ist von mittlerer Größe und dunkler Hautfarbe. Die Wäsche ist nicht gezeichnet. Legitimationspapiere oder sonstige Anhaltspunkte zur Feststellung der Identität wurden nicht vorgefunden. Das Taschentuch zeigt die Initialen 0. W., aber man weiß nicht, ob es dem Mörder oder seinem Opfer gehört. Außerdem nahm die Polizei in Verwahrung: 22 fl. in Papier und Scheidemünze, eine Cigarettentasche aus Leder mit mehreren Cigaretten und einen taubengrauen Glacehandschuh, ziemlich beschmutzt, mit schwarzer Tambourirung, für die linke Hand. Die Untersuchung wird seitens der Polizei mit größtem Eifer geleitet und es wird hoffentlich bald gelingen, dieses ge- heimnißvolle Ereigniß aufzuklären." Am nächsten Tage erschien ein weiterer Bericht folgenden Inhalts: „Gestern meldete sich der Fiakerkutscher Nr. 783 bei der Polizeidirection und gab an, daß er ungefähr um halb 2 Uhr Nachts in der Währingerstraße einen Fahrgast in lichtem Ueberzieher ausgenommen habe. Derselbe stieg, trotzdem er die Alleegasse auf der Wieden als Ziel angegeben, bereits an der Ecke der Theresianumgasse aus. Er hatte einen blonden Schnurrbart, war ziemlich groß und trug unter dem Oberrock einen Salonanzug, sein Hut war tief in die Stirne gedrückt. Er hatte einen großen Brillantring am Zeigefinger der rechten Hand (diese Bemerkungen hat auch nachträglich der Fiaker Nr. 6301 zu Protokoll gegeben) und rauchte eine Cigarette. Man hofft, die Identität des Ermordeten bald feststellen zu können, da in Wien nicht leicht Jemand verschwinden kann, ohne vermißt zu werden. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit erwarten wir, daß es unserer bewährten Polizei gelingen werde, dem Urheber dieses Verbrechens auf die Spur zu kommen." III. Zu allen Verhören, welche in dieser unheimlichen Sache veranstaltet wurden, hatte die Polizeidirection einen ihrer geschicktesten Detektivs beigezogen, einen älteren, gewissenhaften Beamten, der sich unaufhörlich Notizen machte. Er hieß Wendelin Adamek. Herr Adamek saß nun eines Morgens vor seinem Spiegel, im Begriff, sich zu rasiren. Er überließ dieses wichtige Geschäft niemals einer zweiten Person — dazu war er zu miß- trauisch gegen die Menschen, welche er insgesammt mit Aus- nähme seiner Vorgesetzten für Leute ansah, die jedes Verbrechen- fähig seien und die vielleicht ein geheimes Interesse daran haben konnten, einen Mann von seiner Bedeutung in aller Stille aus der Welt zu schaffen. Denn er hielt etwas von sich, der Herr Wendelin Adamek, und war nicht wenig eitel auf feinen Scharfsinn und seine Erfolge. Ueberdies benützte er die Zeit, die er seiner sorgfältigen Morgentoilette widmete, um seine Gesichtszüge zu studireu — dies wahrhaftig nicht aus stutzerhafter Gefallsucht, sondern um jede Miene festzustellen, welche er im Laufe des Tages zur Schau tragen wollte: meist jene eines harmlosen Kleinbürgers oder die eines neugierigen Fremden — und er bildete sich auf seine mimischen Künste nicht wenig ein. Zudem hatte er die Gewohnheit, hier, seinem Spiegelbilde gegenüber, sich auszusprechen, freilich nicht ohne vorher genau nachgesehen zu haben, ob sich Niemand eingeschlichen hätte, der ihn belauschen könnte. Das nannte er in seinen Gedanken: sich mit einem vernünftigen Menschen unterhalten. Heute zeigten die beiden Gesichter — das des Herrn Wendelin Adamek und seines Bildes — durchaus nicht jene Selbstzufriedenheit wie sonst. Der Grund hiervon lag in dem angestrengten Nachdenken über die geheimnißvolle Angelegenheit, welche der Detektiv ausforschen sollte. Wie er sich auch in die Aussagen der beiden Fiaker vertiefte, er vermochte kein Licht in die dunkle Sache zu dringen, da er keinen Anhalts- punkt über die Person des Ermordeten besaß. Wer war der Todte? Diese Frage schien ihm die wichtigste; denn erst durch die Lösung derselben war es möglich, in Erfahrung zu bringen, wer ein Interesse daran haben konnte, den Unbekannten aus der Welt zu schaffen — da man doch, ohne daß ein Grund vorläge, keinen Menschen umbringt. „Und diesen Grund muß ich herausbringen," murmelte Adamek, indem er, zufrieden mit seinen richtigen Folgerungen, seinem Gegenüber einen wohlwollenden Blick zuwarf und Lust fühlte, aufzustehen und dem klugen Burschen im Spiegel die glattrasirten Wangen zu tätscheln. „Diesen Grund wollen wir uns also näher anschauen," fuhr er fort. „Hm, Liebe? — Schwerlich. Wir leben ja nicht in Spanien. — Raub? Hm — Man fand Geld in der Tasche des Tobten. — Also Rache?" — In Adameks Augen blitzte es auf, und seine ein wenig emporstrebende Nase schnupperte in der Luft, wie die eines Jagdhundes, der auf die Spur des gesuchten Wildes gekommen. — „Unbedingt Rache," bekräftigte er sich. „Die That ist, wie es scheint, an einem Wehrlosen begangen worden, an einem Kranken oder Einem, der aus lustiger Gesellschaft kam und des Guten zu viel gethan hatte —" Plötzlich sprang Adamek auf und schlug sich vor den Kopf. Es fiel ihm ein, daß er in der ersten Aufregung darüber, daß man ihm, gerade ihm die Angelegenheit übertragen, versäumt habe, die Kleidungsstücke des Opfers einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Das mußte sogleich nachgeholt werden. Er setzte rasch den Hut auf und eilte in's Amt. Hier begann er, die Kleider genau von allen Seiten zu besehen und zu betasten- Nachdem er den sehr elegant gearbeiteten Salonrock unmuthig zur Seite geworfen, unterzog er die Weste einer eingehenden Prüfung und machte hierbei eine Entdeckung, die ihm von höchster Wichtigkeit zu sein schien. Diese Weste hatte eine ziemlich tiefe Tasche auf der Innenseite, eine Tasche, so ungeschickt in's Futter gerissen und genäht, daß selbst ein weniger geübtes Auge hätte erkennen müssen, daß sie nicht das Werk eines Schneiders sein könne, sondern eines Mannes, der wahrscheinlich genöthigt gewesen, einen werthvollen Gegenstand in aller Heimlichkeit zu verbergen, um ihn unausgesetzt bei sich zu trogen. „Ah, da ist auch ein Riß im Futter," dachte Herr Adamek befriedigt. „Es ist dem Manne irgend etwas mit Anwendung * IV. Frau Auguste Scheringer war eine merkwürdige Frau. Trotz ihrer äußerst zarten Gestalt und ihres ungemein sanften, ia melancholischen Gesichtes war etwas Hartes und Unfreundliches in ihrem Wesen. Sie befand sich stets in einem Zustande der Erbitterung gegen alle Welt — hauptsächlich aber gegen die Vertreter jenes Geschlechts, dem sie ihr ganzes Unglück zuschrieb: gegen die Männer. Nach ihr eigenen Meinung — und sie unterließ niemals, dieses in seufzendem Tone zum Ausdruck zu bringen, — kannte sie dieselben sehr gut; sie hatte sie an einem Exemplar der Gattung gründlich studirt, an ihrem leligen Eheherrn — und da sie immer mit den Augen eines um ihre schönsten poetischen Hoffnungen und Träume betrogenen, etwas sentimentalen Weibes dem Treiben des nunmehr leligen Herrn Scheringer zugesehen, hatte sie seine kleinen Wen- )iegel, : Gewiß- Aus- rchenr daran aller i von ; eitel snützte )meie, nicht fest- iragen eines rischen , hier, nicht d ein- nte er nschen Herrn it jene n dem siegen« j auch e kein ihalts« rr der durch singen, n aus Grund rmelte mgen, d Lust el die wollen Liebe? liaub? Also re ein >ie die es ge- „Die i wor« Gesell« lötzltch 55 fiel ; man habe, rchung t. Er nn er, zu be« onrock >r ein« e ihm e eine o un- »eniger Werk wahr- and in >ei sich ldamek mdung „Herr Ottokar W. I Ein Lächeln der Befriedigung glitt über das Antlitz des wird aufgefordert, ein Lebenszeichen von sich zu geben, da I Detectivs. Wolski hieß er also! seine Zimmer sonst weiter vermiethet werden. I »Nein, das nicht," sagte er langsam. „Ich möchte mich Auguste Scheringer, Liechtensteinstraße 121." I nur erkundigen, ob er noch nicht zurückgekommen ist. Wie nttnFrtr sm " 6 ra k i lange ist Wolski eigentlich fort?" r«t' ON°k« « S L“'J^ÄÄb,eo“w W* * T-g-n ni» g-sch.» - und w-nn neietonet"-- fAri» „r ?'W" I er nicht bis zum Ersten kommt, dann gebe ich die Zimmer prfnfr?™ ' JsPr ~ uttt wahrhaftig neugierig, zu | weiter. Sagen Sie ihm das gefälligst, wenn Sie ihn seüen. schichte weiß toB[ * ßIanben' daß ich mich so behandeln lasse. Mich hm - wollen Zn" besuch könnte nicht schaden - wundert zwar nichts mehr, denn ich kenne nur zu gut die 9 litis Ex t . f ™ , .1 Schlechtigkeit der Männer — und Herr Wolski ist nicht besser i»«« Ä« Ö”Äu Sam“ 1 M‘. Ver™’ “*ra “ m,t Me9V °-'M unter die Leute ging. I Adamek ließ die Frau geduldig aussprechen, dann nahm er eine ernste Miene an und ersuchte um eine Unterredung in so geheimnißvollem Tone, daß Frau Scheringer ihn sofort in's Haus führte. In einem Zimmer, wo im ersten Augenblicke die vielen gehäkelten Schutzdeckchen und eine Menge altväterischen Krams auffiel, ließ sich Adamek auf einen Sessel nieder. Ihm gegenüber nahm Frau Scheringer umständlich Platz, indem sie den Unbekannten scharf fixirte. „Was wünschen Sie also — und wer sind Sie?“ fragte sie ungeduldig. „Ich bin Detectiv und suche Herrn Ottokar Wolski," antwortete er gelassen, den Hut, den er abgenommen hatte, neben sich auf den Tisch legend. (Fortsetzung folgt.) - 315 — S Stet TnfÄähe ihn I Schwächen gleichsam mit dem Mikroskop beobachtet und war ®“J“' rei”,??T 61,6 l>° durch dm schlechleu 0ef®4ft«gma und durch ft bte Eflfie Für eine Juwelenschatulle die immer mehr anwachsende Neigung ihres Mannes, seinen ß eng^r . also ein Papier, ein Document." I Gram durch den edelsten Grinzinger Heurigen theils zu bewährend er die ffieft^h^nn^fiPr^Ei^6 6 rU ^lbst, I täuben, theils zu verklären, zu guterletzt um ihre Wohlhaben- fipmbJn Se .un .ber ^?ndelin hat eigentlich wieder einmal I kleine Vermögen aufzubrauchen, das sich in besseren Jahren an« , L ',kb*l^ " geriebener Junge ist, aber was nützt mir | gesammelt hatte, und daß ihre mürrische ränkckcke 9irt hpn ^ 5 Nicht weiß, wer der Mann ist, eifrig ein L g MM S m r , öfter üom Hause fortgetrieben, als eigentlich nöthig gewesen. In der That hatte seit Verlautbarung der Unthat Nie« I Als sie Wittwe aeworden batte fie die 'n; - "es mr ße,meIbet' daß irgendwer vermißt werde I gen Wohlhabenheit zu Geld gemach? unfein kleines Putzgeschäft eine Slnjeiae^innZlfL6 nem ,”on retinem Privaten I eröffnet, das sich aber nicht lange halten konnte. Zuletzt war mit Cb or s. ^LL- «v» Adamek nahm also an, daß der I sie auf den Gedanken gekommen, möblirte Zimmer zu ter» iti1 einem Snnnf»n äein Fremder sein müsse, der miethen, und da sie es wirklich verstand, ihre Wohnung trau« n einem sogenannten Abfreigeguartier gewohnt habe, bei I lich einzurichten, fanden sich immer Junaaeiellen die in den frT^gen7angran%tb1e6eT[affee“,^tlt Es iftV* Kether mit verschossener Eleganz ausgestatteten Zimmern ihr Quartier Le nf8,L "^ch„ sehen lasse . . . „Es ist auch möglich, j aufschlugen und, was die Hauptsache war, so aut bezahlten JJ? r^',, ^mv.^u^eben 8U vermeiden, durch die Zeitungen I daß Frau Scheringer von dem Ertrage ihrer Wohnung ganz Kcht hat," dachte er, und von diesen neuen Gedanken erfreut, gemächlich leben konnte. 9 9 3 3 3 Ü'1* ,“9M ei” 6,06 $“aeeMUet '» f“" Stam« D« Sa«, rn-lche« M, s-ch-ttd. Bitt»,. 6ewoH«. tag Nach einigen Minuten war er nom vertieft «„ w. | ^bmlich weit draußen in der Vorstadt und hatte einen kleinen türe der Annoncen. Dabei hatte er eine höchst wichtige Amts« SlSnte wel$em bie ^rou eben ttufW a[8 Adamek miene aufgesetzt. „®ie Unikat ifr ge^e^en am greitog M^n b°rl M m u , ein und zwei Uhr Nachts," calculirte er; „die Quartierfrau t ®r öffnete die Gartenthur und warf einen Blick auf die mag bis Montag gewartet haben, ohne daß ihr das Ausbleiben I toen‘ßen wohlgepflegten Blumenbeete und die paar Rosenstöcke, ihres Miethers ausgefallen wäre- Gut. Dienstag hat sie 5" denen sich die ersten Knospen zeigten- Dann ging er auf vielleicht die Annonce einrücken lassen. Bon." Er suchte im S?" Scheringer zu, die ihn mit mißtrauischer Miene maß, Dienstagblatte, fand aber nichts als eine Illustration auf der luftete ben Hut und fragte: „Wohnt hier Frau Scheringer?" ersten Seite, welche den Fiaker darstellte, in welchem der Mord u bin "widerte sie scharf, ein wenig zurück« geschehen war. Es war ein Wagen wie hundert andere, nur EÄet?' wollen Sie? Wenn Sie vielleicht bei einer daß man darauf ganz deutlich die Nummer 6301 sehen konnte I Nutzlosen Wlttwe einfallen wollen . . ." sowie das wohlgetroffene Porträt des Kutschers; darunter »Aber fte unterbrach sich, da sie das Lächeln Adameks stand: „Nach den uns vom Fiaker 6301 gemachten Mitthei« I gewahrte und die dicke goldene Uhrkette, bte er zwischen seinen lange«.'' Aergerlich warf Adamek das Blatt zur Erde und Fmgern klirren lkß. Zudem regte sich in ihr die Neugierde, murmelte etwas wie: „Dummes Volk" oder dergleichen, um „Was wünschen Sie? wiederholte sie minder schroff, dann eifrig weiterzublättern. Endlich, im Freitagsblatte, acht "S1?. ^ben annoncirt," begann er vorsichtig Tage nach der Verübung des Verbrechens, fand er folgendes I ScheMge/kbhast U°n ®errn 200 ? unterbrach »» 316 ”**• GsmeinnÄtzLses. Das Sonne« der Betten. Vielfach ist die Ansicht verbreitet, es sei gut, die Betten in greller Sonne auszubreiten, um die Federn zu loSern. Die der Sonnengluth ausgesetzten Federn werden aber spröde und verlieren ihre Elasticstat. Man thut gut, die Bettstücks bei warmer Luft, aber bedecktem Himmel auszulegen und zu, klopfen- Das geeignetste Futter für Truthühner ist Mais und Gerstenschrot gemengt und etwas Topfen, frischer Käse und Zwiebelkraut (das Grüne von Zwiebeln fein gehackt). Wenn es an Topfen mangelt, kann dieser wegbleiben. An vielen Orten wird den jungen Truthühnern das Wasser Anfangs ganz entzogen. Das ist eine nutzlose Thierquälerei. Es soll jedoch der Trinknapf so beschaffen sein, daß sie sich dann nicht baden können. Auch sollen sie bei Thau oder während eines Regens nicht auf die Weide, und während der Mrttagshltze an eine schattige Stelle getrieben werden. Nässe, Kälte und große Hitze sind ihnen schädlich. Getrost kann man Truthühner auf jede Wiese treiben, sie werden eher Nutzen als Schaden anstiften, da sie dort nur Jnsecten vertilgen. Nur nicht zu viel künsteln, denn das ist zwecklos, kostspielig, beeinträchtigt also die Rentabilität! * * Zur Beachtung für den Angler! Wenn man angelt und findet, daß man einen Anbiß hat, die Angel deß« halb aufzieht und dennoch nichts als den abgefressenen Wurm daran findet, so kann man, wenn sich der Fall noch einige Mal wiederholt, nichts Besseres thun, als den Platz verlassen und sich einen anderen suchen, denn es sind Krebse statt Fffche, die den Köder abnagen. Als ich, so schreibt ein Angler, das Ding noch nicht kannte, habe ich einmal meine ganze Wurm» dose ausgefüttert, ohne eine Gräte zu bekommen; ich meinte, den schlauen Fisch immer noch zu ertappen und hielt es bis zum letzten Wurm aus, bis ich endlich den Räuber meiner schönen Thauwürmer, einen Krebs, zu Gesicht bekam. * Zur Angelfischerer. Auf Dickköpfe wird jetzt am besten mit Kirschen gefischt, auf Forellen mit Fliegen, Jnsecten und Heuschrecken; die kleinen Fische gehen auf Fleischwürmer, das Rothauge und die Ellritze wird mit Blut gefangen. Mit Käse bekommt man kleine Barben, mit Regenwürmern Aale, Schleien und Flußbärsche und die Hechte mit kleinen Fischchen. Räudige Hunde werden am besten an den befallenen Stellen mit grüner Seife eingerieben; 6 bis 24 Stunden darauf wäscht man die Stellen mit warmem Wasser, bürstet bis zur Entfernung der Hautborken und trägt ein Gemisch von ein Theil Creosot in 25 Theilen Oel oder Spiritus auf. * ♦ Insektenstiche können lebensgefährlich werden, wenn sie im Haise und Schlunde während des Schluckens von Getränken und Früchten beigebracht werden. Es gibt nur ein Mittel, das, sofort angewandt, plötzliche Erleichterung bringt: Sobald man fpüit, daß man im Munde oder Halse gestochen ist, nehme man einen Theelöffel voll Kochsalz, mit etwas Wasser angefeuchtet, und verschlucke es langsam. Geschwulst und Schmerzen verschwinden in kürzester Zeit. Dies einsache Mittel hat schon Manchen vom Tode errettet. Ursache der madigen Kirschen ist die Made der Kirfchfliege. Diese Fliege legt im Mai ihr Eier an die Kirschen. Die nach wenigen Tagen auskriechende Made frißt sich in die Kirsche; völlig ausgewachsen, verläßt sie die Kirsche auf demselben Wege, um sich im Erdboden in einer Tiefe von 3 bis 5 Ctm. zu verpuppen. Im nächsten FciUahr schlüpft die vollständig entwickelte Fliege aus. Vertilgung: 1. Frühes Pflücken der Kirschen. 2. Sammeln der abgefallenen Früchte. 3. Umgraben des Bodens unter den Kirsch, bäumen, und zwar jetzt, wodurch die Puppen vernichtet werden, weil diese dadurch zu tief in den Boden gelangen. ♦ • ♦ Erde für Blumentöpfe. Die meisten der in Töpfen zu ziehenden Gewächse lieben oder beanspruchen eine leichte, aber doch kräftige Erde. Solche wird nun erzielt, wenn man Laub auf Haufen schichtet und dessen Verwesen durch Gießen fördert, ferner, wenn man Rasen abschält und diesen auf Haufen bringt, Laub und Rasen später vermischt und dann noch gute Gartenerde, verwesten Dünger, Ruß und etwas Asche dazu thut. Das Ganze wird öfter umgestochen, von Unkraut stets rein gehalten und ist dann gewöhnlich im dritten Jahre zum Gebrauch fertig. Etwas feiner Sand und, wenn man es haben kann, auch Haide-Erde, vervollständigen hierauf das Gemisch, welches vor der Verwendung noch gerollt oder gesiebt und von etwaigen Würmern befreit werden muß. ♦ ♦ * Das Rutschen von Leitern, welches oft Ursache von Unfällen ist, wird dadurch wirksam verhindert, daß unter die glatten Leiterbäume kleine Platten von Kautschuk angeheftet werden. Das so nahe liegende einfache Mittel bewährt sich vortrefflich bei den verschiedenartigsten Dielungen auf Stein, Asphalt, Cement, Glas oder Eisen. Bei Holz wird dadurch auch das lästige Zerstechen durch die Eisenspitzen an den Leitern vollständig vermieden. ♦ Um Papier auf Metall zu befestigen, bedient man sich am besten des Zwiebelsaftes. Wenn ein Zinkgegenstand mit einer Marke, Zettel rc. aus Papier versehen werden soll, so wäscht man zuerst den Gegenstand mit einer Lösung von Waschsoda ab und streicht dann den Zwiebelsast darauf. Das Papier wird dann aufgedrückt, und nach dem Trocknen ist es unmöglich, dieses von dem Metallgegenstande loszumachen. Verinischtes. Menagerie. A.: „Mensch, Du siehst ja erbärmlich aus, was fehlt Dir denn?" - B.: „Ach, - mir ist noch ganz Menagerie von gestern Abend: Schafkopf gespielt — Schwein gehabt — Bock getrunken — Spitz erwischt — Affen gekriegt — nun scheußlichen Kater I" * Gemüthlich. Richter: „Also, Angeklagter, wie lange sind Sie ohne Beschäftigung?" — Strolch: „Ja, Herr Richter, das wird so um Michaeli 20 Jahre werden!" Ein guter Kerl. Chef: „Was stöhnen Sie denn fortwährend so, Meyer?" — Commis: „O, diese Zahm schmerzen heute ..." — Chef: „Aber weshalb haben Sie das nicht längst gesagt, daß Sie Zahnschmerzen haben Sie können ja auf dem Lager arbeiten, wo Sie Niemanden stören 1" , * ♦ Er kennt sich aus. Herr (ruft vom Fenster au«): „Komm mal 'rauf, Du Esel!" — Kutscher (zum Diener): „Hörst Du? Du sollst kommen!" — Diener: „Nee, ich »ich! Mir nennt er immer Schafskopf I" ♦ ♦ ♦ Genau unterrichtet. Mutter: „Sie find also das einzige Kind Ihrer Eltern?! Da haben Sie es freilich gut; meine vier Töchter müssen sich eben in meine Liebe theilen- — Herr: „Weiß es, meine Gnädige! Doch das macht pro Kopf immer noch 25,000 Mark!" Rcdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brüh loschen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.