Untevhaltrrngsblatt junt Gieszenev Anzeigen sGsnsval-2lnzeigev) L 1894. Al •H«—@/s- MMUMUM WsMW DKEWMi-dM-LWk- ^^^L'S-L«L^LLL«LLLE^ '— ■— Samstag, den 10. März Die Wallfahrt nach Czenstochau. Roman von Johanna Berger. (Fortsetzung.) Während dieser Zeit stand Jadwiga stumm an ihrem Platze Ihre ernsten Augen hingen mit seltsamem Ausdruck an Spiridias Antlitz, das sich wie mattes Elfenbein von den blauschwarzen Haaren abhob. Und war es eine magnetisch zwingende Kraft, die in ihren Blicken lag — genug, der Com- teste herabgesenkte Lider hoben sich und ihre Augen glitten zu« erst apathisch über die fremde Mädchengestalt, bis sie sich voll und tief in Jadwigas blaue Sterne senkten, so tief, als wolle sie in die Seele derselben hinabtauchen. Doch nur einen Moment, dann sanken ihre Wimpern wieder herab und verschleierten den Blick. t Da tönte plötzlich die schrille Stimme der Edelfrau dicht an Jadwigas Ohr. „Jesus, was stehst Du noch immer hier? Ist es Dir vielleicht gefällig, Dich um unser Souper zu kümmern I Er gibt noch Endivien zu verlesen I — Oder ist das gnädige Fräulein zu vornehm dazu?" Michalina hatte ihren Rapport gemacht, das war klar. Tief beschämt verließ das Mädchen das Zimmer. Im Vestibül traf sie mit Roman zusammen. Er blickte ihr forschend in das lebhaft geröthete Gesicht, denn ein paar große Thränen hingen ihr an den Wimpern. Aber sie wandte sich schnell ab, damit er sie nicht sehen sollte, und verschwand in der nächsten Thür. Der junge Edelmann sah ihr kopsschüttelnd nach, dann schritt er langsam vorwärts, um den Gästen den Willkommengruß zu bieten. Und er that es mit der Höflichkeit eines echten polnischen Cavaliers, welchem Gastfreundschaft auszuüben ein Gebot der Ehre ist. Er neigte sich so tief und so ehrfurchtsvoll über die Hand der Grästn Antonia, als berührten feine Lippen die Hand der Zarewna. Darauf machte er auch der Comteffe seine Verbeugung, umarmte den Grafen und küßte ihn dreimal auf Mund und Schultern. Gräfin Antonia blickte Roman freundlich in das frische, braune Gesicht. „Wie blühend Sie aussehen!" sagte sie in elegantem Französisch. „Die Landluft ist Ihnen sehr zuträg- lich gewesen, denn in Wilna war Ihre Gesundheit nicht die stärkste. Wir haben Sie recht vermißt, lieber Roman, mein Mann und ich gedachten Ihrer unzählige Male, denn wir besitzen ein treues Herz und vergessen unsere Freunde nicht! — Darum ist es uns auch eine ganz außerordentliche Freude, Sie endlich einmal wiederzusehen! - Unsere Spiridia werden Sie kaum noch kennen. Drei Jahre sind eine lange Zeit und die Kleine ist seitdem herangewachsen I Komm' doch her und gib Roman die Hand, Liebchen. Thue doch nicht so entsetzlich schüchtern- Er muß sonst denken, Du bist ein kleines dummes Ding vom Dorfe und nicht in Paris erzogen!" Das junge Mädchen erhob sich und kam langsam näher - Die müden schwarzen Augen streiften einen Augenblick Romans Gesicht, dann streckte sie ihm halb zögernd ihr schmaus Händchen entgegen, das er flüchtig an feine Lippen zog- Ein paar verbindliche Worte, welche er an sie richtete, beantwortete sie nur mit einem leisen Ja oder Rein- Die kleine Gesellschaft ließ sich nun an dem reich besetzten Theetisch nieder. Pavel besorgte den Samovar. Er verrichtete sein Amt aber mit großem Ungeschick. Er stieß alle Augenblicke etwas um, goß die Gläser zu voll und warf eine Crystall- schale mit Backwerk auf den Teppich. Die Edelfrau sah es mit Entsetzen. „Was machst Du denn, was fällt Dir ein, bist Du blind?" rief sie ärgerlich aus. Dann entschuldigte sie sich bei der Gräfin. „Ich bin untröstlich über diese schlechte Bedienung, aber Jadwiga, welche sonst den Thee servirt, hat heute keine Lust dazu. Sie capricirt sich nämlich darauf, zuweilen die Dame zu spielen und das ist geradezu lächerlich! Findest Du es nicht auch, Roman?" „Ich — nein!" war seine rasche Antwort. „Richt? - Freilich, Du bist immer die reine Geduld und Nachsicht ihr gegenüber, aber an mich denkst Du dabei nicht! Du müßtest jetzt zu ihr gehen, ihr den Kopf zurechtsetzen und sie zu ihrer Pflicht zurücksühren! Du weißt doch, daß ich immer nervös werde, wenn Pavel lange im Zimmer ist! Er isi so schrecklich unbeholfen und riecht beständig nach Zwiebeln. Aber Dir ist Alles egal!" Roman wollte auffahren, denn die kindischen Anklagen seiner Mutter empörten ihn. Doch er beherrschte sich und versuchte die heftige Erwiderung, die schon auf seinen Lippen schwebte, zu unterdrücken. Dabei kam ihm die Gräfin zur Hülfe, welche die Frage auswarf, ob Jadwiga das junge Mädchen sei, von dem sie bei ihrer Ankunft empfangen worden wären. Gewiß war sie dar und es ist wirklich unbegreiflich, daß sie jetzt nicht kommen will! Aber sie thut immer, was ihr gefällt, denn Roman hat sie zu sehr verwöhnt!" „Die Kleine ist ein entzückendes Geschöpf," sagte der Graf. , Sie erinnert mich auf das Lebhafteste an eine junge deutsche Dame, die einstmals meinem Herzen sehr theuer war- Es ist wunderbar, wie ähnlich sie ihr ist! Dasselbe Haar, dieselben Augen, der Gang, die Gestalt, die Schönheit, der Liebreiz, 114 — Da vernahm er plötzlich einen leichten, elastischen Schritt auf dem Kies der Gartenwege, und aus dem Dunkel eines Laubganges kam eilig eine Helle Gestalt hervor. Es war Jod- wiaa. Sie hatte einen weißen Bafchlik um Kopf und Hals geschlungen und trug einen kleinen Weidenkorb am Arm. Sie atna rasch, ohne Roman zu bemerken, vorüber, öffnete mit einem Schlüsiel eine kleine, halb vom Gebüsch verborgene Gitterthür und schlüpfte hinaus. Der junge Mann sprang auf und starrte dem Mädchen mit weit geöffneten Augen nach, als hätte er plötzlich einen Geist erblickt. Dann eilte er ohne lange Ueberlegung hinter ihr her und rief ihren Namen. Sie blieb sofort stehen und sah ihn ruhig näher kommen. Doch machte sich eine leichte Verlegenheit bei ihr! bemerkbar. „Wo willst Du denn noch hin, — so spät, so allein? fragte er. „Er ist Mitternacht vorbei und zu dieser Zeit darfst Du den Edelhof nicht mehr verlassen. Der morgigen । Fester wegen treibt sich allerhand fremder Volk auf der Land» straße umher-« tmm mid) wehren, wenn mir Jemand zu nahe kommt, und ein paar flinke Füße habe ichauch, um davon zu laufen, wenn es schlimm wird- Ich muß heute noch in die Stadt, um nach dem Vater zu sehen und bleibe die Nach |geg nach Czenstochau ist unsicher und die Nacht dunkel, ich werde Dich begleiten, Jabwiga," entgegnete schnell Dar werden Sie hübsch bleiben laffen, Pan Roman," fiel ihm ebenso rasch dar Mädchen in'r Wort- „Als ob ich mich fürchtete! Ich bin den Weg so ost gegangen, daß ich ihn mit geschloffenen Augen finden kann. Und dar fremde Volk? Pah, nach dem frage ich nicht viel!" Sträube Dich, so viel Du willst, ich gehe dennoch mit! Ich will doch einmal sehen, ob Du er mir wehren kannst, rief Roman aus. Die Röthe des Unwillens schoß »hm M »n Zorizo nur ü kelnde Blick host Willen und ö Erde, absche und 5 »rocht daß 5 mit g fest legte Arm schlai er tu ihr i währ ganz als Beg gesi Dill rechr „Hu Pai heil sche Eve so < plös Str z°g sich noi W Di ich spr wi! Ge wa Di riti mi un ich sp> zu Fe ab ist © M «e P K ^^^Comtch^Spiridia, welche bei Tische kaum ein Wort ge- I ; svrochen hatte, begab sich an ein offener Fenster, ließ sich dort I auf einen Sessel sinken und blickte eine Zeit lang träumerisch in'r Riete Dann schloß sie die Augen, sie schien zu schlafen- I “ San * an «’nem anbeten gengr W- ®= bleit sich ganz still und horchte auf dar Rauschen der alten I Lindenbäume, in deren Blättern der Nachtwind sein loser Spiel begann. Sein Blick schweifte über den Garten hinaus in die I mondbeglänzte Ferne und dann wieder zum blauen, mit Sternen | bedeckten Himmel. Er war eine wundervolle Nacht, in der I Fliederhecke schmetterte die Nachtigall ihr Lied, süßer Blumen- | duft erfüllte die Luft, welche so rein und klar war, daß man deutlich die wie silbernes Gewölk emporragenden Berghohen der Karpathen erkennen konnte. Die ganze Natur war heute 1 von Schönheit, Harmonie und Frieden erfüllt. Drüben vom Dorfe her tönten jetzt Bruchstucke eines von I klangvoller Mädchenstimme gesungenen Volksliedes zu Roman hin. Er lauschte mit angehaltenem Athen». Es war eine I traurige Melodie, denn der Pole kennt keine frohen Lieder. I cfo seinen Gesängen liegt eine tiefe, leidenschaftliche Klage, | eine unendliche Melancholie, welche am bereitesten den Schmerz verräth, welcher seit langen Jahren bte Herzen dieses Volkes erfMt Der schöne Vers von Mickiewicz: „Vaterland dernen Werth nur erkennt, wer dich verloren!" ist hier zur erschüttern« I ben nmrd/später,^ der Gesang war leise verhallt, die Mondsichel verschwand allmälig und säumte nur noch nut silbernen Streifen ein paar Federwolken, die (angfam am I vorüberschwammen. Die Edelfrau und ihre Gäste faßen noch immer beim Whist, sie wendeten keinen Blick von den Karten ab zählten ihre Stiche und lachten, ereiferten und zankten sich. Die Comteffe gab keinen Laut von sich, sie war ermüdet von der Reise und nun hielt tiefer Schlaf sie umfangen- 1 Roman verließ leise das Zimmer, Niemand bemerkte es- Er eilte in den Garten und ließ sich dort auf einer Ruhebank nieder- Tausend Gedanken durchkreuzten seinen Kops und ein Wirbel der widerstreitendsten Empfindungen erfaßte feine Seele. Ein liebreizendes, blondes Weib mit blauen Veilchenaugen ivielte die vorherrschende Rolle darin. Und er liebte dieses Weib mit verzehrender Gluth, mit mühsami beherrschter Leidenschaft. Aber sie war unerreichbar für ihn — er durste sie niemals die Seine nennen, denn Rang und Stand, Verhalt niffe und Vorurtheile schieben sie ewig von »hm. Und trotz alledem verlangte auch das Herz sem Recht. Der Mge Edel- mann preßte beide Hände gegen bie Schläfen, denn bas Blut klopfte ihm stürmisch dagegen- Wie er auch grübelte und f am», er fand keinen beglückenden Ausgangspunkt, und Vernunft und Gewissen begannen sich zu verwirren. Alles wie bei Jener! Das ist wirklich etn seltenes Spiel der Natur! - Wo stammt bas Mädchen eigentlich her? Du lieber Gott, wer das wüßte!" versetzte Frau von Bielinski. „Sie hat Niemand auf der Welt als mich und einen halb verkommenen Trunkenbold von Pflegevater, den sie jedoch für ben eigenen hält. Sie ist nämlich em Ffsidelünd, | stammt wahrscheinlich von Zigeunern her obgleich sie blond ist- Ich habe mich trotzdem des armen, verlassenen Wurmes an genommen, ließ sie in die Schule gehen und von den .frommen Schwestern, den Urfulinern, in allen feinen Handarbeiten aus« bfiden- Ja, Ich that sehr viel für bie Jabwiga, sorgte wie eine Mutter unb brachte ihr viele Opfer!" Die Pan» hielt gttührt M Sprechen inne unb blickte feuchten Auges ttngs im Kreise herum. Magd, welche die Meldung brachte, daß das Souper angerichtet sei, gab der Unterhaltung eine andere Wendung. Die Herrschaften begaben sich tu den Speise« nnd letzten sich zur Tafel- Man aß, trank und plauderte in zwangloser Weise- Nach dem Dessert rauchten die Herren eine feine Havannah, die Damen paifümirte P'^^are ten. Darauf wurde der Spieltisch bereit gestellt und der Graf, ferne Gemahlin und Frau von Bielinski setzten sich zum Whist. Sie waren bald so eifrig damit befchäftigt, daß sie alles Andere Jadwigas blaue Augen hefteten sich voller Unruhe auf sein Gesicht. „Ach, Pan Roman," sagte sie hastig und lei e, als würde es ihr schwer, die Worte zu sprechen, „bleiben sie, bitte, bei Ihren Gäsien, bie Sie ungern vermissen werden! Meinetwegen machen Sie sich keine Sorgen!" Sie hatte ihren Gang beschleunigt und war immer einige Schritte vor ihm voraus. Sie bemühte sich sichtlich, aus feiner Nähe zu ommen. Dabei wandte sie ihr Köpfchen von,hm ab, damit er ihr An litz nicht sehen konnte. Das empörte »hn, er war fest ent schloffen, nun erst recht seinen Willen geltend zu machen. sag- Dir, Jadwlga," rief er mit Ungestüm, „ich welche ckcht von Deiner Seite, ob Du es willst oder nicht, un» ich kehre nicht eher nach Lygotta zurück, bis ich Dich sicher zu Deinem Vater geleitet habe. Ich werde Dich zwingen, I meinen Schutz anzunehmen, denn es ist reine Laune von Dir, Jadwiga wendete langsam ihren Kopf herum und Romans Blicke hingen mit geheimem Entzücken an den blauen Augen (lernen die jetzt groß unb voll zu ihm au’gefdjlagen, mit feit Samern Ausdruck in bie seinen schauten- „Wenn Sied E bestehen," erwiberte sie schüchtern, „so muß ich Ihre Begleitung schon annehmen, beim Laune habe ich nicht! Aber wenn ich I bitten bars, Pan Roman, so gehen wir rasch, es ist spät uno I „Wie es Dir beliebt! Ich werde Dich so oder so - doch I aus jeden Fall sicher nach Hause bringen! Mache es ober mj zu eilig, Du mühst Dich ja förmlich ab, um weiter zukommn I Laß mich auch Deinen Korb tragen, er scheint zu schwer I« I „Nein, nein, danke," erwiderte sie- „Ich bin an noch I größere Lasten gewöhnt!" . }fir. Aber Roman nahm ihr ohne em weiteres Wort ihre I Bürde ab unb sie fügte sich, wenn auch mit offenbarem W I ft Sie gingen eine Zelt lang still unb schweigsam neben einander her. Das Dunkel der Nacht hatte bte ganze Lm ! schäft mit grauen, gespenstischen Armen umfangen uno 115 hritt sines Jad« hals Sie mit cgene »rang nach, ohne Sie Doch ein?" Zeit Wen Land« smand ), um s noch be die Nacht schnell matt," ob ich ch ihn Volk? h mit! umst," jäh in he aus d leise, en Sie, oerdenl e ihren or ihm ommen. hr Ant< est ent- n. n, „ich cht, und h sicher zwingen, on Dir, Romans Singen* nit feit* : daraus 'gleitung Denn ich pät und - doch der nicht kommen! -wer für an noch iort ihre n Wider* m neben ije Land* und am hatte. (Fortsetzung folgt.) @ttm@ine Blutwelle ergoß sich jäh über Roman» Gesicht, er roa da» Mädchen noch fester an sich heran. Wie Du nur so sprechen kannst," versetzte er leidenschast- lich bewegt, „und doch weißt Du es genau, daß ich Dich letzt noch lieber habe, al» früher! Oder weißtDu S etwa nicht? - Aber reiß' doch nickt fo an meinem Sim halte Dich fest, bi» Du mich angehört hast, wenn Du Dich auch sträubst - Ja, obgleich ich kaum ein Recht dazu habe, von Liebe mit Dir zu reden - einmal muß ich Dir » sagen, sonst vergehe ich! — Ick werde wahnsinnig, wenn ich» nicht endlich au»« sprechen darf, was mir schon mondenlang die Brust zersprengen will! Jadwiga, e» zieht mich zu Dir hm mit unwiderstehlicher Gewalt, bei Tage ersüllst Du meine Gedanken und bei Nacht wache ich, um an Dich zu denken — ich fehe "vr Dich, nu Dich und immer wieder nur Dich! — Ich möchte ” ringen und Dich besitzen und dennoch Er erhob Mötzlich mit einem ernsten, tieftraurigen Blick das Auge zu ihr empor, und alle Farbe schwand ihm vom Gesicht „Und dennoch kann ich Dir mit meinem Herzen nicht zugleich meme Hand versprechen! Wir sind durch eine Kluft geschieden, die niemals zu überbrücken ist! Jadwiga, ich liebe Dich glühend, mit allem Feuer der Leidenschaft, Du bist mir das höchste aller Güter, aber zu meinem Weibe darf ich Dich nicht machen, nein, e» „Sie sind von Sinnen, Pan Roman — ja, ich will zu Ihrer eigenen Ehre glauben, daß Alle», war Sie sprechen und thun, nur die Folgen de» heute beim Souper zu reichlich genoffenen Weine» sind, mit Absicht haben Sie mich nicht beleidigen und erniedrigen wollen! Trotzdem ist es schlecht von Ihnen und ich bin empört!" Sie brach ab, sie konnte nicht weiter sprechen. „Ich bin nicht trunken, Jadwiga," suhr er heftig auf, ich müßte es der» au» Liebe fein!" Er faßte stürmisch ihre kleine, kalte Hand und preßte seine Lippen daraus. „Ich sprach die Wahrheit und es wäre reine Heuchelei, wenn ich meine Leidenschaft vor Dir verbergen wollte I — Mein Leben gäbe ich hin, dürfte ich um Dich werden, wie es mein Herz ersehnt, vor nicht» würde ich zurückschrecken, um Dich für immer an mich zu fefleln — und die glühende, unendliche Liebe eines Manne» erzwingt sich ja immer Gegenliebe — ich würde auch Dein sprödes Herz bezwingen, Jadwiga! Aber ach —, schwer, fast krampfhaft rangen sich ihm die Worte au» der Brust, „verdamme mich nicht, Mädchen, ich darf mein Leben mit dem Deinen nicht vereinen!" Und nun beugte er sich fo tief zu ihr herab, daß sein Mund fast ihre Wange berührte, und während ein kurze», scharfe» Lachen peinvoll ihr Ohr berührte, sprach er hastig weiter, schneller, lebhaster noch al» bisher: „Weißt Du zu was eine Verbindung zwischen uns führen würde? - Rein, Du weißt und ahnst es nicht, armes Kind, aber ich muß es Dir sagen - zu Armuth, Elend, Verzweiflung und Schande! Und ich will Dich und mich vor solchen Sch-chalen bewahren, ich will meiner Mutter ehrwürdiges Haupt nicht mit Kummer überhäufen, ich will mich nicht verspotten laffen 1 von meinen Standesgenossen!" Roman» Worte verscheuchten jede Spur von Röthe au» Jadwigas Gesicht, sie sah geisterhaft bleich au», hören Sie auf, wozu foltern Sie mich so!" rief sie leidenschaftlich au». „Da» sind abscheuliche, schreckliche Worte, die Sie zu mir reden! Mit keinem Laut, mit keinem Blick habe ich Ihnen I Grund gegeben, aus'» Kreuz kann ich'» schwören, daß ich» nicht that!" Und nun riß sie ungestüm ihre Hand aus der seinen, sprang in wilder hast von ihm weg und lief dann wie gejagt querfeldein. Doch Roman stürzte ihr nach, er war vertraut mit der Umgegend und wußte, daß unweit davon der tiefe Strom dahinfloß. Wenn auch in der Dunkelheit die Wafferfläche desselben verborgen blieb, so war doch das Rau« I scheu der Wellen vernehmbar. Nach wenigen Augenblicken war er wieder an ihrer Seite. Er ergriff ihren Arm mit fast schmerzhaftem Druck. Dann führte er sie, ohne ein Wort zu I sagen, auf den rechten Weg zurück. I Da» Mädchen zitterte an allen Gliedern, ein leises Schluch« I zeit kam aus ihrer angstvoll wogenden Brust, aber sie folgte ihm widerstandslos, mit heftig klopfendem Herzen. Auch Roman war furchtbar erregt, jeder Zug sprach von ' Leidenschaft und Schmerz. „Ich habe Dich erschreck^ bei Gott, : da» wollte ich nicht," sagte er. „Wie könnte ich Drrabsich. ) I sich etwas zu Leide thun! Glaubst Du es aber — bann bitte, ftorhont war auch der schimmernde Mondesglanz verschwunden, I mir über dem schwarzen Föhrenwalde blitzten ein paar fun» I Mnbe Sternenlichtchen auf. Tiefe Schatten verkürzten leben auf bie unebene, vernachlässigte Chauffee, die vom Evel» I fiofe nach Czenstochau führte. Dar Mäbchen mußte wider Willen ihre eiligen Schritte hemmen, um nicht über Steine I unb Geröll zu fallen. Die ganze Umgebung, Himmel und ®rbe dehnte sich wie eine neblige, farblose Fläche aus- ' Der Weg ist in dieser rabenschwarzen Finstermß ganz I abscheulich," sagte Roman. „Nimm meinen Arm, Jadwiga, und Du wirst sicherer gehen." ,n I Ich gehe sicher genug, mein Auge ist scharf und ich | möchte Sie nicht noch mehr belästigen, Pan Roman! ' Mache nicht immer Gegenreden, horst Du! Ich will nicht, I haft Da zu Fall körn oft. Du nimmst meinen Arm und damit gut-" Ohne Umstände ergriff er ihre Hand und hielt sie ick Die seine zitterte vor innerer Erregung. Sie blieb erschrocken stehen und schöpfte tief Athem- Dann leate sie scheu und ängstlich, aber ohne weiteren Protest ihren Arm in den seinen und Roman fühlte da» Beben ihrer Manien Gestalt. Ein paar Mal versuchte sie, ihre Hand, die er noch immer umschlossen hielt, zu befreien, aber e» gelang ihr nicht- Jadwiga wünschte, daß diese Stunde vorüber wäre, | mährend Roman, wie überwältigt von Glück und Wonne, die aatue Welt zu vergessen schien. ,Wir sind früher diesen Weg so oft zusammen gegangen, als Du noch ein Kind warst. Damals machte Dich meine Begleitung stolz. Jetzt muß ich Gewalt brauchen, ehe Du mir gestattest, Dich zu beschützen. Ich merke es Dir an, wie Du Dich innerlich sträubst, an meiner Seite zu bleiben. Ist da» recht, Jadwiga^ mat ^ae» anbets," erwiderte sie lebhaft- „Unb rate könnte ich da» jemals vergessen. Nein, gewiß-nicht, Pan Roman, denn Sie waren ja der Schutzengel meiner Kindheit Sie lehrten mich den Katechismus und die schönen polni« scheu Legenden. - Aber jetzt schickt es sich nicht mehr, daß der Edelmann von Lygotta sich die geringste Mühe wacht um em so arme«, geringe» Geschöpf, wie ich es bin.' Und nun brach plötzlich ein leises Schluchzen aus ihrer Brust und erstickte ihre Er Mzte vor ihr nieder und umklammerte ihre Kniee. Sie wich bestürzt, erschrocken von ihm zurück, sie war keines Wortes mächtig, wie hülfesuchend irrte Blick umher. n°ch°Ä"«chft- io m »Oft, um mit belenber Stimme He Botte h-t°0t>»ft-ien: 6 .Rein, nein — Sie hoben mich ,u Ichw-t «elilM, da« vergesse ich niemalsI" erwiderte sie heftig. .Em verächtlicher Blick streifte sein Gesicht, dann richtete sich derselbe starr, mit qualvollem Ausdruck in die neblige Ferne. »FrAch, fuhr sie bitter fort, „ich bin kein vornehmes Fräulein, Sie glauben vielleicht ein Recht zu haben, mir das bieten zu können, aber Sie wiffen doch daß ich ein rechtschaffenes Mädchen bm, daß « tS Ä unb Sam« WW MUt Sie muff« ha« wiffen Van Roman. Trotzdem achten Sie mich so gering, ba. E-n. mU6 Binel„, ge^n Sie, um Sötte«. «Xn entfernen Sie sich, es bringt Ihnen sonst Schande ein, ±"'m*Tb»m« ft-ht - f«, Sitajf unbSianbe, nor der Sie Furcht haben, vor der Sie zittern! SBieber klang ein kurzes, hartes Lachen durch die Lust, doch diesmal war es Jadwiga, die es krampfhaft hervorgestoßen - 116 - GeM-rnnÄtziges Kindermund. Mama, ich sehe eben ein graue» Haar wird, keimt erst im folgenden Frühjahr. Die Varietäten copulirt oder oculirt man auf den gewöhnlichen Weißdorn. Man vermehrt die Weißdornarten noch schneller durch Wurzel- , schnittlänge von 2-3 Centimeter Länge, die flach in die Erde °e» wwi • gelegt und wie Samen behandelt werden. Eine Unschuld vom Lande trat in ein Berliner Kaffeehaus. Ein Glas Waffer zu dem Kaffee!? War bedeutet denn das? Nachdenklich trinkt sie den Mokka - und jetzt wird ihr die Sache klar: sie gießt das Waffer in die geleerte Taffe und spült ste damit aus. Der beste Standort für Aprikosen an Gebäuden ist die Westseite. An den Südseiten stehende Aprikosen treiben zu früh Blüthen und diefe erfrieren zu leicht und im Sommer leiden sie zu sehr von der Hitze. * ♦ * Vagabund: „Gnädiger Herr, erbarmen Sie sich meinet Meine vier Kinder sterben Hungers." — Herr: „Hier hast Du einen Gulden, jetzt aber führe mich zu Deinen Kindern." — Vagabund (stolz): „Glauben Sie etwa, daß ich meine Kinder für Geld zeige?" * O ♦ Manchmal hilft'» doch. Man erzählt äu» dem Lande Mecklenburg: Der Herr ertappt sein Dienstmädchen bei einer Lüge. „Fieken," so redet er nachdrücklich auf sie ein, „wo kannst Du dat dhaun? Dat harr sik nich von Di dacht. Dat mößt Du nich wedder dhaun. Dor kümmt nix 6i tut." — „Je, Herr," entgegnete Sophie vom Lande, dat laten's man good sinn; männigmal kümmt äwer 'n ganz Deel bi tut!" Zähler: „Sie haben wohl vergeffen, den bet ihnen als Garoon wohnenden Offizier in der Liste mitaufzuführen?" - Miethsherr: „Ja, sehen Sie, das darf ich nicht, es ist ein überzähliger Hauptmann." Wittwe: „Ich sage Dir,' nimm' den Menschen nicht; er gefällt mir nicht!" — Tochter: „Mein Gott, was soll ich * * Bei milder warmer Witterung wird mit der Pflanzung derjenigen Obfibäume, die im Herbst 'nicht mehr gepflanzt werden konnten oder wollten, fortgefahren. Die Obstbaumpfähle* sollten oben nach dem Baum hin abgeschrägt oder gerundet werden, damit dieser beim Sturme nicht an den scharfen Kanten beschädigt wird. * * * Bester Dünger für Obstbänme und Beerenobst: gut verrotteter Stallmist, Kompost, Holzasche, flüssige Dünger wie Jauche und Abtritt, sowie Knochenmehl. * * * Schiefe Bäume gerade richten. Alle schiefgewachsenen Bäume lassen sich jetzt bei offenem Wetter gerade richten. Wir graben an der einen Seite den Wurzelballen etwa» los, stellen mittelst Winden re. den Stamm gerade und füllen nach gehöriger Festigung die Löcher wieder zu. i, । Sonderbarer Stolz. Vagabund: „HerrGendarm, I Sie brauchen gar nicht so wichtig zu thun und sich so viel # | einzubilden, unsereins muß sich ja doch schämen, wenn er mit Lebersuppe. Ein halbes Pfund Leber wird in Stück- I Ihnen gehen muß! * , chen geschnitten und in Butter mit Zwiebel, Lauch, gelben * . Rüben und Petersilie gedämpft. Dann gibt man drei Koch- Kindermund. „Aber, Onkel Fritz, Du hast ja Deine löffel voll Mehl daran, röstet es gelb, füllt mit Fleischbrühe Augen noch alle beide!" — „Warum sollt uh denn nicht, nach und gibt beim Anrichten sauren Rahm und geröstete» Du Närrchen?" — „Ei die Mama hat doch gestern gesagt, Brod dazu ' Du hättest ein» auf Schwester Helene geworfen." „Das kommt davon, liebe Else, weil Du mich so ärgerst!" — „Mama, mußt Du aber die Großmutter ge- ärgert haben, die hat ja lauter graue Haare!" Keller oder in ein Zimmer von höchstens 5 Grad Wärme, so nahe - wie setzt Ihnen, meine Herren! überspritze sie mit kaltem Waffer und lasse sie langsam auf» * ., . . , ,, thdiien Bürgschaft. „Hab' ich Ihnen nicht gesagt, daß ich v • ' * ohne Geld nichts mehr gebe?" — „Ich will ja nichts, sondern Aufbewahrung von Kartoffeln. In warmen der Herr da, der mit^mrr istL" - ia 0ftr Kellerräumen aufbewahrte Kartoffeln machen schon während nrcht. — „Das macht nix, für den steh ich gut. der Winters oft fußlange Triebe (Keime). Die Ansicht, solche ZX1 r * , . im Frühjahr auszupflanzen, ist unrichtig. Durch die vor- I Auch nicht übel. Doctor: „Aber wie können Sie zeitigen Triebe wird der Kartoffel viel Nahrung entzogen; sie mich mitten in der Nacht bei diesem, Sturm wegen fo einer ist an Pflanzennährstoff arm geworden und deshalb für die Kleinigkeit rufen lassen!' — Bäuerin: „Ja, Herr Doctor, Fortpflanzung weniger tauglich. Ganze kalte Ueberwinterungs- eck häffe gemeint, so Hären hübet fü u» arme Lut bl Dage räume lassen die Knollen im tobten Zustande und man wird doch kene Tid." da länger auf die Ernte warten müssen. Das beste Saatgut soll V2 bis höchstens 1 Centimeter lange Augentriebe zeigen, das dann mit Sorgfalt eingelegt wird. Reparaturen. Wenn Spalierwände der Ausbesserung bedürfen, so führe man solche im Winter aus, denn wenn die Bäume in Trieb kommen, ist da» nicht möglich. Für das Obst ist es vorthetlhaft, wenn Spalierlatte und Wand schwarz , ö.,— ... - ,, sind, indem diese Farbe die Sonnenstrahlen mehr anzieht. Bei denn machen! Gefüllt Dir einer nicht, dann soll ich ihn nicht Eintritt großer Kälte bedecke man die Baumscheibe der frisch I nehmen, und gefällt er Dir, dann,nimmst Du ihn selber! gesetzten und der Formbäume mit Schutzmitteln. | • • ♦ Maßstab. Richter: „Wie groß war da» Loch, dar WMdorn-Samen, der gleich nach der Reife gesäet Ihnen trft im sollenden Klübiab^ Die Varietäten 8 war halt so a gewöhnlich s Kirmeßlücherl. Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. _6£ Nr. ^<5 Mn Di nach bring sehe । sprech die S welch Liebe zu w fchwe mich tobe, ist el fam wild ihm blieb Nach au» Late Geri frag! sie i thun dem wah wied Er Blu bliel um ihm eine hinl