NnterchaltnngsblatA aum Gietzenev Anzeigen (Gen-pal-Anzeig-v) 6 » Wä" 8Ä-- tr '^'- *. v ■ *< ;g® . 5f DWMRW^ MU^W MTEEH Dienstags bett 9. October. Im Strome des Lebens. Romnn von Jenny Piorkowska. (Fortsetzung.) Der Tanz war vorüber, die Gesellschaft verstreute sich. „Wollen wir nicht ein wenig frische Luft schöpfen?" Ich nahm seinen Arm und trat mit ihm hinaus auf die Terrasse. „Nein, nicht hier; lasten Sie uns einen einsamen Platz aufsuchen, wo wir wenige Minuten ungestört sind." „Wer sind Sie?" fragte ich verwundert. Da neigte er sich zu mir herab und flüsterte mir einen Namen in's Ohr, bei dem mein ganzer Körper erzitterte und alles Blut mir zum Herzen drang. „Willst Du mit mir kommen?" Schweigend nickte ich mit dem Kopfe und folgte ihm die Terrasse hinab, durch die dunklen, gewundenen Fußwege, bis wir fast am Ende des Parks an einen halb verfallenen Gartenpavillon gelangten. Unheimlich stöhnte der Nachtwind, der bald hinter Wolken verborgene Mond warf lange, geisterhafte Schatten; jeder Ton der vom Winde bewegten Bäume machte mich erzittern. Wie gebrochen war er auf eine Bank niebergesunken; nach einer Minute tiefen Schweigens schob er Kapuze und Maske vom Gesicht zurück und sah zu mir auf; doch mit einem bangen Schrei wankte ich mehrere Schritte zurück; kaum vermochte ich in dem verhärmten, erdfahlen Gesicht, in den angstvoll, unstät blickenden Augen auch nur einen Zug von Victors schönem Gesicht wiederzuerkennen. „Wozu dieses Entsetzen vor mir?" sagte er mit einem Lachen, bei dessen Ton mir das Blut in den Adern gerann. „Wozu die bleichen Lippen so aufeinanderpressen, um den Schreckensruf zu ersticken? Ich habe mein Leben gewagt oder vielmehr verkauft für diese Unterredung, und doch werde ich meine schuldbefleckten Finger nicht auf diese Hand legen, die mir versprochen ward, nicht werde ich auch nur den Saum dieses weißen Gewandes berühren. Aber steh' mich nicht mit solchem Blicke an! — Du möchtest mir sagen, daß Du mich noch liebst? — Warte damit, bis Du Alles weißt, bis ich Dir Alles gebeichtet habe." „Du brauchst mir nichts zu sagen, Victor," stammelte ich, „ich fürchtete es von Anfang an." „Du fürchtetest es? — Und doch wagtest Du, hierher zu kommen — allein mit mir — um Mitternacht? O nein, unmöglich kannst Du Alles wissen! Darf ich reden — willst Du mich anhören?" Ich nickte und er Hub zu erzählen an. „In einem der nahegelegenen Orte der Provence verbrachte ich mit meiner melancholischen Mutter eine traurige, freudlose Jugend. Oft verstrichen Monate, ohne daß ein Fremder seinen Fuß über unsere Schwelle gesetzt hätte. Die Leute sahen uns mißtrauisch von der Seite an, wenn sie der blassen Frau mit dem Knaben begegneten; den Dorfkindern wär verboten, mit dem kleinen Deutschen zu spielen, sie höhnten und verspotteten mich und ich haßte und verabscheute sie dagegen. Als der Tod mir die Mutter raubte, da erfuhr ich das traurige Geheimniß meiner Geburt; und der Gedanke, daß dieser Makel mir sür's ganze Leben anhaftete, daß ich in den Augen der Welt ein Ausgestoßener war, erfüllte mich mit Haß und Bitterkeit gegen meine Mitmenschen. Und fort trieb es mich in die . fremde Welt, zu fremden Menschen, die nichts von meiner Schande ahnten. Aber das Schicksal hatte kein Erbarmen mit mir. Kaum der verhaßten Heimath und mit ihr, wie ich hoffte, allen schlimmen Erinnerungen entflohen, warf ein heftiges Fieber mich wochenlang darnieder, und als ich das Schlimmste überwunden hatte und wieder ich selbst war, da mußte ich erfahren, daß ich im Delirium mein Geheimniß verrathen hatte und zwar verrathen an einen Menschen, dem weder Ehre noch Mitleid die Lippen versiegelten, der vielmehr in seiner boshaften, gewiffenlosen Weise sich diese Entdeckung zu Nutze zu machen suchte. Was blieb da mir Armem übrig, als den Mitwisser meines traurigen Geheimnisses zum Schweigen zu bringen? Das schien anfangs ein Leichtes zu sein; forderte Jener für sein Schweigen doch nichts als Vertrauen und Freundschaft. Aber wehe! Bald ließ die Schlange ihren Stachel fühlen, und fester und fester wußte sie die Netze um ihr Opfer zu ziehen. Der Elende verfolgte mich auf Schritt und Tritt, er spürte mir nach, er folgte mir in die Gesellschaft, wo man sich über meine Freundschaft mit ihm wundern mußte und eigene Schlüffe daraus zog. „Ich errang mir eine Stellung in der Gesellschaft, ich erwarb mir edle Freunde; das Schicksal begünstigte mich und ich wäre glücklich gewesen, wenn Doctor Feudlers verrätherisches Auge mich nicht immer auf der Hut hätte sein lassen. — Endlich kamen wir uns aus den Augen, aber nur, um uns in Rodegg wiederzusehen, als gerade neue Hoffnungen der Liebe mich erfüllten; und bald lag feine heimtückische Hand auf der nie vernarbenden Wunde, und mit neuem Eifer suchte er sein Opfer in die Verzweiflung zu treiben, als er entdeckte, daß ich nicht umsonst um ein Mädchen warb, daß sich von ihm mit Abscheu abgewendet hatte. Hier fand er Gelegenheit, die 470 kannte." zu muyitt.i, uuD w- verlassen müffe. „Alles fragt nach Ihnen, Fräulern," sprach sie lein Martha war schon in Ihrem Zimmer, Sie zu suchen, und als sie sagte, Sie seien nirgends M finden, da wurd Rodegg so bleich und so besorgt um Sie, daß Alle HM da erkannte ich, was ich gethan hatte. 3^ brü^,e ? befleckten Hände vor die Augen, aber was half«? Nichts, Mts! Weder Zeit, noch Vergessenheit, noch Schlaf können je bas Bild aus meinem Gedächtniß wischen, das mich bis an das Ende meines Lebens verfolgen wird. „Ich beugte mich zu dem Todten nieder und suchte mit hastigen, zitternden Händen nach jenem Beweis, mit dem er mir gedroht hatte. Dann jagte ich, wie von tausmd Furien verfolgt, davon. Wohin? Ich weiß es nicht! — Endlich am dritten Tage eines ziel- und hoffnungslosen, verzweiflungsvollen Umherirrens sah ich mich in der Nähe der Rodegg schen Besitzung: und da in, dem Fichtenwald ward rch zufälliger Belauscher einer Unterhaltung, der allein ich es zu danken habe, Dich noch einmal sprechen zu können. — Zwei Tage nadi jenem grauenvollen Mord hatte jener in der ganzen Gegend als böse und gewissenlos bekannte Mensch fernem Leben ein Ende gemacht; und da die Leute ihn Tags vor des Doctors Ende mit diesem in einem heftigen Wortstreit bemerkt hatten, nahm man allgemein an, daß er und kein Anderer der Mörder war. Das gab mir eine verhältnißmäßige Sicherheit. Ich verschaffte mir eine geheime UnterrMng^mit Lisette, die Dir so treu ergeben ist, daß sie, das wußte ich, Dir zu Liebe Alles thun würde, obwohl sie, als ich sie sprach, wohl etwas von der furchtbaren Wahrheit ahnen mochte. Sie war es, die mir den schwarzen Domino verschafft^ ich habe es ihr zu verdanken, daß ich Dich an der blauen schleife er- fprangen. $reppe hinter; an der Thüre unten blieb ich einen Moment stehen, um, gegen einen PAler gewendet, noch etwas Muth zu schöpfen; in demsebenMomentwM Jemand eilends das Haus verlassen, m. einem Ausruf der Ueberraschung erkannte er mich — ich blickte auf R 98 | Nnb „Wo waren Sie?" fragte er, erleichtert aufathmend. Bei dieser Frage verließ mich alle meine Selbstbeherr schung; ich rang nach Worten zu einer Erwiderung, abervr gebens ; und das Gesicht mit den Händen bedeckend, brach ich in bittere Thränen aus. , , . „Sie sind nicht wohl," sprach er gutig. indem er me ne Hand erfaßte und mich nach einem Stuhle führte- „Sw s - I« -MN Sie nicht mir nicht sagen, was Ihnen ist, daß lch Ihnen vreueuy Unrni mir nicht Hf««, s-r- Radrgg,- e«W» „Das^glauben Sie, aber Sie wtffen nicht, wat ich opsem , würde, um Sie wieder heiter und glücklich zu sehen- L Nein — nein, es kann mir Niemand helfen! ,ÄAflAM4t den e Wir waren Beide zu vertieft in die traurige Erzählung, zu demüthigen, die ihm mit Verachtung begegnet war un j . , bie ßeit noch überhaupt an das, was um Stolz des Mannes zu brechen, der nur widerwillig seins Gs- als sag wrr an o - plötzlich kam Lffette in sellschaft ertrug. Ick.sollte 'ein ferneres Schweigen schwer gestürzt r „ erkaufen und auf Dich verzichten. | q Herr Blanchard, fliehen, fliehen Sie, so schnell Sie „Am Abend vor meiner Abreise, fuhrVictor fort, ,,var - wenige Minuten, und Sie sind verloren. Es Doctor geübter mich noch um eine Unterredung - MCriminalbeamte da, die das Haus durchsuchen, es habe nicht, ihn abschlägig zu bescheiden und gab ihm ein Rendez sino eine verdächtige Person gezeigt." vous für den nächsten Tag in B, der ersten Siat on von sich ß $ flohen?" ries Victor hier. 1 Laß mich I«. sei«. * Linde«. Geist mußte ihm bte kalten, n tn I v schaute Lisette hilfeflehend an. Mund gelegt haben, womit er mich schon begrüßte. Seme I iw ^nen Zufluchtsort, Lisette?" weitere Unterhaltung trieb mich so zur Verzweiflung, daß ich | w^ettie„ _ sie durchsuchen Scheunen und Ställe, sie I taffen" fein Stedden unberührt; im Hause haben sie schon wenn er denn nicht anders könne, so solle er memerwege» i " « ^acht gehen und der Welt verkünden, wer ich^ fei. I So finden wir da am ersten Schutz! O, wenn wir ihn " Ä ->ft Ä’ffÄi "-»--»' i« dem «ine» Zimmer « SVs6«e«L»“®. fOTa*!iffMaSwfirt'wSetbm I ÄSina“*' entgegnete Sifette, ,,»«»« «« «”*« - tärSSSl ÄÄÄj indem ich meine Land in die«« l--ie. .--eben ^.Beweise? O, hier hier in meiner Handi - ich schwüre e« sch M ftuf ben schwarzen Domino, unser cwrnen — habe ich Beweise, mit welchen ich den Leuten uver | _ bQt ejn scharfes Auge auf rhn — wenn Me Geschichte Ihrer Geburt mehr die Augen E««« kann, als ^rr Blanchard mir nun seinen Domino gäbe - ich gehe mit Sie selbst auch nur imEntferntestenahnen,ichkann Ihnen « Fräulein, die Vordertreppe hinauf in's Haus - werde etwas zeigen, von deffen Existenz Sie selbst nichts Zahnen, 1 Jy » g ba8 ^jcht schlimm — sobald ich im etwas, das keinen Zweifel über Ihre Abkunft zuläßt. Em b(g @atberobe und bringe Herrn Man. MNSÄ i S G?flw»^7L»1au"«ngang,ch mein« > ij »««« 8*1« A°A7g" würbe befolgt - -« folgte eine N ? leim begütigende stimme für mich, die Qn-lenI der W-ihrmd m« m --» « btm geheimen, ietem $Me tonnten nicht Wimmer fein, ate, Me Mj Me 4 ””'be7°“r „.oetfÄnen Zimmer. Abe- w e ei» litt und oon bene« ich mich mit einem ®4tage &»(•«'«« • Schauder durchlief e« meinen Körper, olä feine litten, Met», ein schmier, gewnchtiger, »A« °«rt«r Schl«?, «« Si„be die meine« erfechten. Ich fuchte d-rm »« deute», würde mich retten, mich befreien, er würde mir meme.i Fr | bae bjejer Mann es war, der mich liebte — daß er, den, meine Liebe wiedergeben. r f | aus Liebe zu mir, fein Leben auf's Spiel gesetzt hatte; aber Der Erzähler schwieg, eine kurze, fast athemlose stille | Erbrechen und Gewissensbisse hatten ihn seltsam verändert. 1,61 Sd diel-r Schlag - ich .hat Wl- I«hr er mit llaug. f* loser Stimmefort. .Etft-l.de. -«--$»" »<« *« -« «Kette, mich l?.,± ÄS bU ,« Lahm», M iL ih« oertaffen müsse. 471 ich zu erzählen." „Mein Geschmack hat sich nicht geändert." „So sollen Sie auch heute von mir hören — etwas aus meiner Vergangenheit, eine traurige Episode, die mir mein ganzes Leben getrübt hat — etwas, das ich noch Niemand erzählt habe." , „ Und er erzählte mir von seiner schönen Schwester, wie dieselbe sich hatte verführen lassen und Schmach und Schande über ihre ganze Familie gebracht hatte. Und er erzählte Alles in so rührender, einfacher, zu Herzen gehender Weise, reden, Sie zu amüsiren?" „Es fiel Ihnen doch sonst nicht so schwer, mit mir plaudern." „Sonst sagten Sie immer, ich sollte Ihnen von mir „Ist es nur der Trennungsschmerz von dem Geliebten," fuhr er hastig fort, „dann freilich bin ich hilflos; ist es aber, was ich fürchte, dann kann ich Ihnen vielleicht mit Rath und That beistehen. Wollen Sie mir nicht vertrauen? Ich verspreche Ihnen, Alles, Alles daran zu setzen, um Sie wieder glücklich zu machen." „Sie sind sehr gütig," hauchte ich, „aber es ist nicht möglich." „Dann will ich Sie nicht länger quälen- — Wollen Sie sich in Ihr Zimmer zurückziehen, so gehen Sie, ich werde Sie bei der Gesellschast entschuldigen." Ein stummer Dankesblick war die Antwort; dann eilte ich die Treppe hinaus. — Victor war in dem geheimen Zimmer verborgen, Lrsette sorgte dafür, daß es ihm an nichts fehlte und ich stahl mich vor Zeit zu Zeit zu ihm, aber immer nur auf wenigs Minuten, um keinen gefährlichen Verdacht zu erregen. XI. So schwer es mir ward, konnte ich doch nicht zurück- bleiben, als wir Tags darauf eine Einladung zu Herrn und Fräulein Pontinus erhielten. Mit welcher Last auf dem Herzen betrat ich das Haus der mir sonst so lieben Menschen! Er war mir eine wahre Qual, da im Kreise heiterer Menschen zu sitzen, -an ihrem Lachen und Geplauder scheinbar theilnehmen zu müflen, während meine Gedanken, mein Sehnen doch bei dem waren, von dem ich vor einer Stunde bis zum Abend Abschied genommen hatte. Als die Gesellschast sich nach dem Essen zerstreute, während diese sich am Clavier amüsirten, jene plauderten, ein Dritter und Vierter Albums durchblätterten, zog ich mich in ein kleines Boudoir zurück. Nach einiger Zeit steckte Fräulein Pontinus den Kopf zur Thüre herein. „So allein?" sprach sie; doch eben im Begriff, sich zu mir zu setzen, wurde nach ihr verlangt- „Ich werde Ihnen Jemand schicken, der Sie besser zu unterhalten versteht, als ich," setzte sie darauf lächelnd hinzu- „Ich danke, aber ich habe etwas Kopfweh und blerbe lieber allein," entgegnete ich. „O, ich schicke Ihnen Jemand, der Sie nicht quält, der Sie ebenso gern hat, wie Sie ihn —" Darnit eilte sie mit einem muthwilligen Lächeln wieder davon- Müde lehnte ich mich in den Stuhl zurück- Es war schon spät und noch dachte Niemand daran, aufzubrechen. Wie würde es inzwischen meinem armen Gefangenen gehen? — „Wenn Sie es wünschen, will ich mein Möglichstes thun," hörte ich da Rodeggs Stimme, „aber noch weiß ich nicht, wem ich mich widmen soll." „Gehen Sie nur da hinein und seien Sie versichert, daß Sie sich sehr gut unterhalten werden — die junge Dame ist daß meine Augen sich mit Thränen füllten und ich trotz allem Weh, das ich selbst in meiner Brust verborgen trug, tiefes Mitleid mit dem Manne empfand, dessen Leben durch den Fehltritt seiner Schwester sich so trübe, so ernst, so vertrauens» los gestaltet hatte. „Ich habe Ihre Aufmerksamkeit lange genug in Ampruch genommen," sagte er mit plötzlich veränderter Stimme, „und danke Ihnen, daß Sie der Erzählung eines fast Fremden -- wie Sie kürzlich meinten — mit so viel Interesse gefolgt sind/ „O, das sagte ich neulich nur in der Aufwallung des Augenblicks und 'bereute es schon in der nächsten Minute, wie so Manches, so Vieles, was ohne meinen falschen Stolz, ohne meine Heftigkeit .nie über meine Lippen gekommen wäre. Ader nicht wahr, Sie verzeihen mir, wenn ich Ihnen versichere, daß es mir leid thut, Sie gekränkt zu haben?" Er lehnte sich über den Tisch, beschattete das Gesicht mit der Hand und schaute mich eine Minute lang mit traurigem Ausdruck an. „Ihnen verzeihen?" sprach ersinnend. „Nein, verlangen Sie das jetzt nicht I Wenn ich meinen Stolz, meine Leidenschaft besiegt haben werde, dann bin ich vielleicht im Stande, Ihnen zu verzeihen, aber nicht jetzt — nicht jetzt I" „Es ist wohl Zett, aufzubrechen," erklang da Tante Aurelies Stimme, — sie hatte nur im Auge, unser tetc-ä-tete zu unterbrechen, ohne zu wissen, wie sie meinem Wunsche damit entgegenkam. XII. „Wie steht's — wie geht es ihm?" fragte ich Lisette, sobald wir heimgekehrt waren und diese mir in mein Zimmer folgte. „Gut," erwiderte sie, „wenigsten« ist nichts Außergewöhn- liches vorgefallen. Der arme Herr Blanchard steht aber so blaß und angegriffen aus; ein Wunder ist es freilich nicht, so tagelang allein eingeschlossen zu sein in dem melancholischen Zimmer mit all' den halbverwttterten Sachen, Büchern und Bildern, die noch von Fräulein Marianne da sind." „Davon aber weiß Herr Blanchard doch nichts," sprach ich; „Sie haben ihm doch nichts von dem traurigen Geheim» niß erzählt, das über diesem Hause schwebt?" setzte ich schnell hinzu, als ich den halb verlegenen Blick auf Lffettes Gesicht bemerkte. „Es war nicht meine Absicht," versetzte sie, „aber er ließ mir nicht Ruhe, bis ich ihm Alles erzählte, was ich von der ganzen Sache wußte. — Ich weiß nicht recht, wie er überhaupt darauf gekommen fein mußte — ich glaube, durch einen Zettel, den er in einem Buche fand, in dem er wohl gelesen hatte. — Als ich gestern mit dem Essen bei ihm eintrat, starrte er mit so todtenbletchem Gesicht und so seltsamem Ausdruck auf den Zettel, daß ich fast vor ihm erschrak. Dann bestürmte er mich mit einer Menge Fragen und dabei sah er mich mit feinen schwarzen Augen so durchdringend an, daß ich nicht wagte, ihm etwas zu verschweigen. Dann fragte er mich, ob Rodegg seine Schwester wirklich lieb gehabt, ob er sich um sie gehärmt und ob er nicht versucht hätte, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Und als ich ihm sagte, ihr Name hätte niemals wieder genannt werden dürfen, Alles, was ihr einst gehört habe, sei in ihrem einstigen Zimmer verschlossen worden, er thue Alles, sie zu vergessen, da wich die letzte Spur von Farbe au« seinem Gesicht, und die Hände ballend, stieß er die Worte hervor: Aber er soll sie nicht vergessen!" , So sehr es mich darnach verlangte, Victor zu sehen, war es mir an dem Abende doch unmöglich, unbemerkt zu ihm zu gelangen. Gleichsam, als hätte sie eine Ahnung von dem, was im Hause vorging, machte Frau Altener sich so permanent etwas auf dem oberen Corridor zu schaffen, daß ich meine Ungeduld zügeln und bis zum nächsten Morgen warten mußte. Aber auch da schien mir jede Möglichkeit, ihn zu sehen, verschlossen zu werden. (Fortsetzung folgt.) meine specielle Favoritin." Rodegg machte ein ziemlich überraschtes und wenig er» freute« Gesicht, als er mich erkannte. „Fräulein Pontinus schickt mich zu Ihnen, Sie zu unter» halten," fing er, sich mir gegenüber an den Tisch setzend, in halb heiterem, halb tiefernstem Tone an. „Wovon soll f, 472 GsMeinniWses. Melonen in Rum einzumachen. Man schält und halbirt die Melone, schabt Kerne und Mark heraus, zerschneidet die noch feste Melone in längliche Stücke, kocht auf je V2 Kilo davon 375 Gramm Zucker mit */4 Liter Wasser, schäumt gut ab, gießt eine Obertasse feinen Rum zu, legt die Melonenstücke in den siedenden Saft, schwenkt die Sasse- rolle hin und her, bis die Stücke durchsichtig sind, schüttet sie mit dem Schaumlöffel auf ein Sieb, zum Abtropfen, kocht den Zuckersaft syrupartig ein, legt die Stücke in eine Terrine, übergießt den Saft und kocht ihn drei Tage hintereinander, wie oben beschrieben, noch einmal. ♦ * * Backobst. Man schäle die Aepfel, schneide sie in Viertel oder Achtel, nehme das Kernhaus heraus, werfe sie 5 Mmüen lang in starkkochendes Waffer, fülle sie mit einem Schaumlöffel in eins Schüffel, von dort aus lege man sie erkaltet nebeneinander auf Horden oder Kuchenbleche, die dick mit glattem Stroh belegt sind, über welches Concept- papier gebreitet ist. Diese Horden schiebe man 1 bis 2 Stunden, nachdem das Brod aus dem Ofen genommen ist, in den Backofen. Nach 3 Stunden ziehe man sie heraus, wende jedes Obststückchen und schiebe sie wieder in den Ofen zurück. Am Abend des zweiten Tages ist das Obst ohne Nachheizen trocken. Birnen werden ebenso behandelt, nur theile man sie nicht und brühe sie recht schnell, längeres Brühen macht die Birnen gelb. Das Brühen schließt die Poren, wodurch der Saft im Obst bleibt. Auf diese Weise behandelt, bleiben die Birnen und Aepfel weiß und schmecken vorzüglich. ♦ Gebackene Schwarzwurzeln. Die Wurzeln werden etwa 2 Stunden in Bouillon weichgekocht und in fingerlange Stücke geschnitten. Sodann werden sie in eine inzwischen gemachte Sauce getaucht, hierauf panirt und in Fett gebacken. Weiße Buttersauce wird beim Esten dazugegeben. ♦ * Kartoffelsuppe. Man schält 10 bis 12 größere Kartoffeln, wie zu Salzkartoffeln, schneidet sie aber in kleinere Stücke, wäscht diese und setzt sie mit 2 Liter Waffer an. Wenn sie weich sind, zerrührt man sie ganz klar, thut dann einen Kaffeelöffel Salz, einen Eßlöffel Fett, 2 Prisen Pfeffer und etwas gewiegte Petersilie hinzu, nach Belieben auch ein paar kleine Speckwürfelchen, die man zuvor im Tiegel geröstet hat und dann sammt dem herausgebratenen Fett in die Suppe schüttet.. Letztere läßt man nochmals kurz aufkochen. War sie bereits zu dick eingekocht, so gießt man vor dem letzten Auskochen noch heißes Waffer zu. ♦ Ein Verfahren zur Herstellung eines unvergänglichen Firnisses, der auch als Ueberzug für Bilder aller Art dient, bildet den Gegenstand eines Patentes von Robert de Pauw in Grand. Wie das Internationale Patentbureau von HeimannL Co. in Oppeln schreibt, werden durch diesen neuen Ueberzug die damit überzogenen Gegenstände gegen Waffer, Dampf, Feuchtigkeit, Sonnenlicht und Hitze geschützt. Um qu. Firniß zu bereiten, kocht man 70 Theile abgeklärtes Wachs, 15 Theile Mastixgummi und 15 Theile Bernstein so lange, bis das Ganze geschmolzen ist, worauf man eine genügende Menge Terpentin zusetzt. Es können nicht nur Gemälde, sondern auch Gegenstände, die gegen äußere Witterungseinflüffe geschützt werden sollen, mit diesem Firniß bestrichen werden. ♦ Glas reinigen. Wenn man Glasgegenstände besonders blank haben will, so reibt man sie,. nachdem sie von Schmutz gereinigt sind, mit einem in Benzin eingetauchten weichen Läppchen trocken nach. Zur Behandlung der Petroleumlampe. 1. Kaufe nur gut raffinirtes, weniger explosibles Petroleum. 2. Gieße den Petroleumbehälter nie bis zum äußersten Rande voll. 3. Fülle gänzlich leer gebrannte Lampen nicht bei noch brennendem Dochte und bei Lichte nach, da beim Aufschrauben die im Oelbehälter entstandenen Gase entweichen und sich entzünden können. 4. Verwende nie einen schmalen Docht; bei Verwendung eines zu schmalen kann bei absichtlichem oder unabsichtlichem Ausblasen, (durch Wind, Luftzug) leicht eine Explosion entstehen, da die Flamme in den Oelbehälter zurückschlagen und die dort bei längerem Brennen angesammelten brennbaren Gase entzünden kann. 5. Sorge stets für vollständige Reinlichkeit sämmtlicher Lampentheile, namentlich sei das Innere des Brenners ganz rein und die Zuglöcher nicht verstopft. 6. Alle Lampentheile muffen fest und gut paffen, der Cylinder muß fest auf der Lamps sitzen, d. h. genau ein- gepaßt sein, ist dies nicht der Fall, so erwärmen sich die Metalltheile und weiter das Petroleum durch den dadurch möglichen vermehrten Luftzutritt zu stark und große Explosionsgefahr tritt ein. 7. Stelle die Petroleumlampe weder auf den geheizten Küchenherd, noch auf den geheizten Ofen. * ♦ Um Oelfarbe eine Zett streichfrisch zu erhalten, gießt man etwas Waffer darauf. Wird die Farbe gebraucht, gießt man das Waffer ab. Vermischtes. GenialeDiagnose. Profeffor der Poliklinik: „Meine Herren, seh'n Sie sich diesen Menschen genau an, aber wenn ich bitten darf, ohne ihn zu examiniren. Abgesehen von dem acuten Leiden, das ihn heute zu uns führt: was fehlt ihm? Beobachten Sie das Mienenspiel um Mund und Augen — schematisch feststellen laffen sich die Kennzeichen eben nicht, man muß dazu etwas von dem ärztlichen Blick haben, den z. B. der alte Heim besaß. — Sie bringen nichts heraus? — Keiner von Ihnen? — Nun, meine Herren, ich kenne ihn nicht weiter, als Sie, aber dieser Mann ist taubstumm!" — Der Mann: „I nee, Herr Profeffor, bet is mein Bruder, der steht noch draußen, soll ick'n nu rinrufen?" ♦ Ausgiebige Prima-Referenzen. Gnädige (zu der neuen Köchin): „Sie gefallen mir so weit ganz gut, - die Hauptsache aber bleibt für mich, daß Sie ganz ausgezeichnet kochen könnenI" — Köchin (mit Pathos): „Oh, Gnädige, — darnach können Sie sich bei unferm ganzen Dragoner- Regiment erkundigen I" * * • Die bösen Fremdwörter. Töchterchen eines Pro- feffors: „Mama, in der Zeitung steht, Papa wäre eine Koryphäe der Wissenschaft, was ist das?" Mutter: „Eine Koryphäe ist ein großer Mann." — Töchterchen (nach einiger Zeit): „Mama, auf dem Hofe steht eine Koryphäe und dreht den Leierkasten." * ♦ * Doppelt g'näht hält guet. Bäuerin (zur Magd): „Rickal hoscht scho Waffer an d' Milch g'schüttat?" — Magd: „Des könnt i net amol für g'wiß sage, Frau." — Bäuerin: „No schüttscht lieber no amol na'." ♦ * Zeitmaß. Aelteres Fräulein: „Ach, mein Herr, wie lange habe ich Sie nicht gesehen?" — Herr: „Ja, es ist lange her. Damals waren Sie noch — älter als ich." » » Im Theegeschäft. Commis: „Wünschen Sie, Fräulein, grünen oder schwarzen Thee?" — Magd: „Is mir schnuppe, ist ja für eine Blinde." Redaktion: A. Scheyda. — Druck rmd Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in (Sieben.