Dienstag, den 9. Januar. 1804. Unteichaltrrirgsblatt $um Gietzenev Anzeigen (Genepal-Anzeig-v^ ÄE fir sS$$i o 'S ML »'S ^AMssS MMEEx 4»M-rnÄMN Bekehrt. Novelle von F. Gtöckert. (Fortsetzung.) „Er ist Alles aus," wiederholte Dora sich am andern Morgen, und die Welt dünkte ihr wie verwandelt. Ihre Stube mit der alterthümlichen, werthvollen Einrichtung, in der sie sonst so viel Freude gehabt, erschien ihr heute in dem fahlen Licht eines regnerischen Tages finster und ungemüthlich. Ja, sogar auf dem Bilde ihrer Großmutter, der Tänzerin mit dem strahlenden Antlitz und den dunklen Rosen in dem lockigen Haar, schienen heute trübe Schatten zu liegen. Dora blieb sinnend vor dem Bilde stehen. „Man sagt, ich gleiche Dir, meine liebliche, graziöse Großmama," sagte sie, „den leichten heitern Sinn aber, der Dir eigen gewesen, hast Du mir nicht vererbt — sonst....." es zuckte schmerzlich um ibre Lippen, — „sonst hätte ich diese Nacht nicht mein Kopfkissen naß geweint um — ihn. Ich Thörin — o, ich Thörinl" Sie stampfte unwillig mit dem Fuße auf den weichen Teppich und trat an das Fenster. Die Welt hatte sich nicht verwandelt seit gestern, es war dasselbe Bild, worauf ihre Augen schon seit Jahren geruht. Der alterthümliche Marktplatz mit den hohen Giebelhäuiern und dem steinernen Roland in der Mitte. Und das Leben in dem Städtchen und in diesen alten Häusern wurde heute ebenso gleichmäßig fortgesetzt, wie man es gestern beendet. — Nur dasjenige Doras war etwas aus dem Gleichgewicht gerathen, aber als ein echtes Kind der kleinen Stadt, als eine simple Kaufmannstochter mit einer Krämerseele, wie sie sich gestern Abend selbst bezeichnet, würde sie sich ja bald wieder in das gewohnte Leben schicken und ver- geffen, daß etwas wie eine große Leidenschaft in ihrem Herzen hatte Wurzel faffen wollen, der Schmerz ihres Herzens würde sich verlieren in dem Sumpfe der Alltäglichkeit. „Und es ist gut fo — es taugt nichts, sich auf seinen Lebensbahnen in Gefühlsschwärmerei und Leidenschaften zu verirren," so dachte schließlich Dora sehr vernünftig, aber sie verscheuchte damit keineswegs ihre trüben Gedanken und auch nicht das Bild eines blaffen, ernsten Männerantlitzes, auf welches das Licht des Mondes fiel, und traurige Liederweisen tönten an ihr Ohr: von dem Mühlenrad im kühlen Grunde und dem Liebchen, das verschwunden. — Es war erstaunlich, wie sie, die doch eine echte Krämerseele sein sollte, zu all' diesen Gedanken kam! * * « Seit der Wafferpartie hatte sich der Unterhaltungsstoff in den verschiedenen Damenkaffees der Honorationen der Stadt wieder um einige interessante Themata vermehrt. So wußte man seit jenem Abend ganz genau, daß Dora Herrn Leonhards Heirathsantrag zurückgewiesen, trotzdem es auf einsamer Haide geschehen, und besagter Herr sich durchaus nicht wie ein verschmähter Freier benahm. Der Scharfsinn gewisser Damen in solchen Dingen geht eben oft weiter, als die meisten der kurzsichtigen, gewöhnlichen Sterblichen vermuthen. Diese scharfsinnigen Damen hatten natürlich auch bemerkt, daß der Afsissor Born von Dora vor anderen Bewerbern sehr bevorzugt wurde, und mit großer Genugthuung beobachtete man jetzt, daß sich dieser ganz von ihr zurückzog. Diese Niederlage fand man aber für die junge Dame sehr gerecht und heilsam. Sie konnte daraus ersehen, daß es denn doch auch noch Männer gäbe, die nicht allein dem Gelde huldigten und ihre Persönlichkeit eben nicht so bezaubernd sei, um einen Mann wie den Assessor länger zu fesseln. Da gäbe es denn doch noch andere, zehnmal hübschere junge Mädchen in der Stadt. Allerdings kümmerte sich der Assessor Born um diese auch nicht, die ganze Damenwelt der Stadt schien ihm auf einmal sehr gleichgiltig geworden zu sein. Trotzdem aber erschien er den Damen immer noch sehr interessant, und heute in einer großen Kaffeegesellschaft, wo auch Dora zugegen war, drehte sich die Unterhaltung stundenlang um diesen interessanten Mann, nur war man nicht gerade seines Lobes voll. Ec verführe die jungen Herren der Stadt zu allen möglichen Tollheiten, hieß es ganz allgemein, und ganze Nächte säße er mit seinen Cumpanen in der Weinstube bei Ungar. „Haben Sie denn die letzte Geschichte von dem Assessor und den Kirschen schon gehört, meine Damen?" nahm jetzt die Frau Apotheker das Wort. „Von den Kirschen? Nein, nicht ein Sterbenswörtchen!" rief es im Chor. „Bitte, erzählen Siel' Aller Augen richteten sich jetzt gespannt auf dis Frau Apotheker. Nur Dora spielte die Gleichgültige und ließ ihre Blicke zum Fenster hinaus schweifen, wobei ihr aber nicht ein Wort de» interessanten Vortrags der redseligen Dame entging. „Es war am letzten Wochenmarkt," begann diese jetzt, „und der feine Herr Assessor, der lange Referendar Stumpf und der Hauslehrer von Ooeramtmanns hatten die ganze Nacht durch gekneipt. Als sie nun in der Morgenfrühe das Local verließen, erschienen gerade die Marktweiber mit ihren Obstkörben auf dem Marktplatz und nun denken Sie sich, meine Damen, jeder von den drei Herren kaufte sich einige Liter Kirschen und damit postirten sie sich auf dem Sockel der Rolandssäule, wo sie die Kirschen feierlich verspeisten. Sie können io — 1 und des interessanten Hauslehrers! Wenn man feinen Zwea lagt ja rooyi v*« »» » M noch damit erreichte und vergessen lernte! Aber da« graziöse Einem heutzutage sehr leicht gemacht. Finden Sie es n«. ntad selbe Sei! einti DOlIi Da: dur wer dan die aud dan wer Leb Ha dar ged mei ui zc gl di st u n b 8 d n ti lich spt ter au ist üb au tis J< ge he da Luch 1 solche gebla scheu dann fügte läche hold sein über schm aus die einsame Haide, wo die Grillen ihre eintönigen Weisen zirpten, wo die blauen Schmetterlinge um die Haideblumen flatterten — und durch die tiefe Stille dort tönte eine bewegte Männerstimme: „Ich würde ihr sagen, meiner einsamen Haide« blume, daß ihr Bild sich unauslöschlich in meinem Herzen em« gegraben!" — Ach, hätte sich nur nicht diese Haideblume zu einem so boshaften, rachsüchtigen Menschenkinde entpuppt, dann wäre wohl Alles anders gekommen, und das alberne Kirschen« eflen am Sockel des Rolands wäre ganz gewiß unterblieben. Der Sonnenschein eines Spätherbsttages lag auf dem Straßenpflaster der winkligen Gaffe, in welcher der Assessor Born in dem Hause eines ehrsamen Bäckermeisters sein Domicil aufgeschlagen hatte. Es war sehr still auf der Gaffe, nur drei schmutzige Kinder, die sich um das Eigenthumsrecht einer Wein« traube balgten, belebten das Einerlei etwas. Born stand an seinem Fenster und schien mit dem größten Interesse diesen Kampf um das Mein und Dein zu beobachten, während feine Gedanken sich jedoch um ganz andere Dinge drehten. Eine ziemlich unruhige Zeit lag hinter ihm, Trinkgelage, durchschwärmte Nächte, allerhand tolle Streiche zogen an feinem Geist vorüber. „Es fcheint halt, als trete die Reaction schon ein, murmelte er: „aus die Dauer wird solch' ein tolles Leben auch ermüdend und lähmt die Geisteskräfte! Vollends hier in der kleinen Stadt, in der Gesellschaft des geistreichen Referendars und des intereffanten Hauslehrers! Wenn man seinen Zweck dichein gehabt, ja m „Liebe schweift auf allen Wegen! sagt ja wohl schon Göthe. Die Eroberungen werden unser •ge m S K e awerni" riet dös alle sviauiem I einzigen Schritt der Annäherung versuchte, ich wäre derselbe dachte auch Dora undschaut« yw-'-md hiuau- Narr wtederwfe ÄÄ’T’iÄ'afc Ito s Ä 3 SSSS3S SÄÄ ma(^enßintt wie albern!» rief das alte Fräulein Lenz entrüstet, einzigen Schritt der Annäherung versuchte, ich wäre derselbe ZZZZWUkW NZWMWh MWWMZßWMZWE S.11 StSe» Gott bewahre !°»d-?u der -rob-rt-a Traube »°» dämm, »hreud bl« K’eÄ” &Ä. > Sch°u,»le, au, WZWWW-WDZ5MM UZWWM WZMMZW sSBSHSsäSe und Hohn auf. die gaffende Menge blickte sei, nur müsse mM ven Äiicr un ^rbenpracht leuchten, WASZWG- «ESS zitterte, schlug so eigene Töne an in ihrem 3"nern,undtrug I V | • Himmel, in ein Flammenmeer getaucht, ihre Gedanken weit,hinaus | ro"%fXge»""«fünfen in diesem feffelnden An- blick. Da tönten plötzlich durch die klare Luft menschlich Stimmen an fein Ohr. Erstaunt ließ der Affeffor seine Blicke umherschweifen und entdeckte bald hinter einer verkrüppelten Haidesöhre eine Männergestalt. Als er schärfer hinsah, erkannte er in derselben Herrn Leonhard. Zu Borns noch größerem Erstaunen faß auf dem Stein unter der Riefer eine Dame, deren braunseidenes Kleid ihm fehr bekannt erschien. Jetzt warf die Dame den Kopf ein wenig zurück, welche Bewegung den spähenden Affeffor lebhaft an Dora erinnerte. Ja, sie war es, jetzt sah er es ganz deutlich. Doras Hut mst der wallenden weißen Feder hing an ihrem Arm und auf ihrem braunlockigen Haare zitterten die Sonnenstrahlen und ließen es fast goldig erscheinen. Er war sehr blaß geworden bei dieser Entdeckung. Das Gerücht, daß Dora Herrn Leonhard einen Korb gegeben, konnte unter diesen Umständen unmöglich wahr fein, sie mußte imGegentheil auf einem sehr vertrauten Fuß mit jenem Herrn stehen, wenn sie hier auf einsamer Haide ihm ein Stelldichein gab. Jetzt trennte sich Leonhard mit einem verbindlichen Gruße von Dora und ging stolz erhobenen Hauptes geraden Weges auf den Affeffor zu. Eine strahlende Rölhe lag auf Leonhards schönen Zügen, jedenfalls ein Zeichen des Herzensglücks nach der Begegnung mit Dora. „Köstlicher Tag heute!" rief Leonhard fast ubermuthig und indem er Born begrüßte. „Habe soeben ein kleines Stell ** 11 auch nicht!" (Fortsetzung folgt.) Sebe*gie trat jetzt zurück von dem Spiegel und nahm einige I Haideblumen vom Tische, die sie an ihrem Gürtel befestrgte. 1 So, wenn er die Blumensprache versteht, dann mag er | daraus ersehen, daß ich auf der Haide war und seiner Worte gedachte - bis mich der alberne Herr Leonhard rauh aus meinen Träumen rüttelte." Sie lachte hell auf bei dieser Erinnerung. „Die Eitelkeit schöner Männer grenzt doch ans Lächer- liche!" spöttelte sie. „Zu glauben, ich harre dort seiner und spähe von diesem Platze aus nach ihm und seinen wohlbestell. ten Feldern, das ist doch etwas sehr stark von Herrn Leonhard, I auch wenn er ein schöner Mann und reicher Rittergutsbesitzer ist! — Und dann sein verblüfftes Gesicht, als ich über diese I überspannte Vermuthung seinerseits in ein schallende» Gelächter ausbrach und wie er dann mit rochrothem Antlitz so gravitätisch von dannen schritt, es war wirklich zum Todtlachen! I Ich fürchte, trotz meiner deutlichen Rede und meines Hohngelächters habe ich ihn doch noch nicht von seinem Wahne ge- heilt und er wird trotz alledem wieder mit mir tanzen und sich dabei geberden, als thue er mir die größte ®jre an. Unter diesem Selbstgespräch hatte sich Dora zum Fort- . gehen gerüstet und ging hinunter nach der Tante ihrem Zimmer, wo schon die Frau Apotheker ihrer harrte, unter deren Schutz Dora den Ball besuchen wollte, da die Tante wegen Kränklichkeit dem Ballfeste nicht beiwohnen konnte. Die Saison sollte mit diesem Vergnügen eröffnet werden und die Gesellschaft in dem hellerleuchteten Casinosaal war sehr zahlreich vertreten. Allem Anschein nach schien es ein flotter, glänzender Ball zu werden, die Herren zeigten, was nicht immer der Fall, eine riesige Tanzlust und Dora hätte sich gewiß, da sie eine gesuchte Tänzerin war, sehr gut amüsirt, wenn sie sich unbefangen dem Vergnügen hätte hingeben können, aber das war ihr nicht möglich; eine fieberhafte Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt, seit ihr Blick beim Eintritt in den Gaal auf des Affeffor Borns blasses und ernstes Antlitz gefallen war. Und diese Unruhe steigerte sich merklich, als Born bei einem Contre neben Dora stand. So nahe hatten sie seit jener Wasserpartie nicht nebeneinander gestanden. Born hatte seitdem jede Begegnung mit Dora vernsieden und heute vollends zeigte er ihr eine fast verächtliche Kälte. Für ihre zarte Blumensprache schien er durchaus kein Ver- ständniß zu haben, und Dora erröthete jetzt fast über diese kindische Idee ihrerseits. Als der Contre vorüber war und die Paare auseinandergingen, wollte es der Zufall, daß sich Born mit einem Fuße in die lange, spitzenvesetzte Schleppe Doras verwickelte und einige Spitzen dabei abtrat. Dora bückte sich bei diesem fatalen Zwischenfall einen Moment, und dabei entfiel ihr der Blumenstrauß aus dem Gürtel. Born, der jetzt einige förmliche Worte der Entschuldigung zu Dora sagte, hob den Strauß auf. „Jedenfalls ein theures Andenken," sagte er spöttisch lächelnd, indem er ihr die Blumen überreichte. „Ich sah die Haide heute zum ersten Mal in der malerischen Beleuchtung des Abendroths und in diesem flammenden Licht bemerkte ich ein glückliches Paar unter einer alten Kiefer." Dora wurde dunkelroth. , r „Ein glückliches Paar fchwerlich," stotterte sie mit beben- den Lippen. , , ,,, L r,„ „Run, ein unglückliches schien es mir auch nicht, der schöne Freier kreuzte wenigstens mit glückstrahlendem Antlitz nachher meinen einsamen Pfad und freute sich, daß uns Männern heutzutage die Eroberungen so leicht gemacht würden, er sprach sogar von girrenden Täubchen, denen gegenüber man kein Un- auch so, Herr Assessor? Nun, wir sind ja auch keine Unmenschen solchen liebegirrenden Täubchen gegenüber." Voll innerem Ingrimm hörte Born diese Reden des aufgeblasenen und tactlos über ein Stelldichein schwatzenden Menschen mit an. „ „Warum verlassen Sie aber Ihre Dame?" fragte Born dann plötzlich mit einer vor Erregung bebenden Stimme und fügte nun auch feinerseits spöttisch hinzu: „Sehen Sre, dort lächelt der Mond, jetzt erst naht die Stunde, die Liebenden so $°lb Leonhard schien über diese Anspielung etwas verlegen zu ! sein und suchte nach einer passenden Antwort, Born jedoch überhob ihn derselben, indem er sich kurz empfahl und den schmalen Heimweg nach dem Flusse zu einschlug. * * Dora hatte zu dem Ball am heutigen Abend Toilette gemacht und stand vor dem Spiegel, mit prüfenden Bucken dieselbe musternd. Das cremefarbene, reich mit Spitzen garnirie Seidenkleid fchmiegte sich prächtig um die zurliche Gestalt, einige dunkle Rosen leuchteten in dem Haar und ein Pracht« voller Brillantschmuck funkelte an Hals und Armen. Die junge Dame blickte spöttisch auf all' diese Eleganz. Ein wenig wird ja meine unscheinbare Erscheinung dadurch gehoben," murmelte sie, „allerdings wäre es lohnender, wenn dieser kostbare Diamantenschmuck einer Schönheit biente, dann wäre es mir vielleicht möglich, ein verlorenes Herz durch die Allgewalt der Schönheit wieder zu gewinnen, da man aber auch mit allem Selbe sich kein liebendes Herz erkaufen und bamit ben Glauben gewinnen kann an Liebe und Treue, so werde ich an der Macht des Goldes zweifeln bis an mein menfch ist." „Schändlich!" rief Dora. „Und Sie glaubten wirklich, Sie glaubten, ich — ich —" „Ich glaubte, was ich sah und das war em Stelldichein auf einsamer Haide, und nun sehe ich zarte, rosafarbene Haide- blumen an Ihrer Brust!" , Dora schleuderte die Blumen wert von sich. „Die Blumen hatten einen anderen Zweck, „einen ganz anderen, als Sie vermuthen, ich pflückte sie selbst." „Ach, vielleicht zur Erinnerung an eine unvergeßlich schöne @tUttb©ie wollen mich beleidigen und vielleicht sind Sie auch berechtigt dazu, denn ich — ich war — ich habe —" In Borns Augen flammte es auf, als sie in solcher Verwirrung vor ihm stand. Bereute sie ihre einst so beleidigenden Worte ihm gegenüber? Es schien eine schüchterne Entschuldigung auf ihren Lippen zu schweben, aber jetzt preßte sie dieselben fest zusammen, nein, so zu demüthigen vermochte sie sich doch nicht vor ihm und ihm eingestehen, wie sehr ihre beleidigenden Worte jenes Abends sie gereuten. Nur etn schüchterner, fast hilfloser Blick der kindlichen braunen Augen verrieth ihm theil- weise ihren Herzenszustand; und als sie sich jetzt umwandte I unb weiter ging, ba schaute er ihr sinnend nach, dann hob er verstohlen den Haideblumenstrauß auf Welche Bestimmung mochten bte Blumen gehabt haben? War es die, daß sie in seiner Hand ruhen sollten? Nun haf- leien seine Blicke wie verloren darauf, als gelte es, ein süßes Räthsel zu lösen. • . „ Dora war nach der Garderobe gegangen, um ihre m Un- I ordnuug gerathene Toilette wieder in Ordnung zu bringen unb I Born Halle bie Augen unverwandt nach der Saallhür gerichtet, um ihr Eintreten zu erwarten, denn er wollte trotz des fatalen Zwischenfalles sich einen Tanz von ihr erbitten und dann vielleicht das Räthsel lösen. Aber die junge Dame erschien nicht wieder. Sie halte sich in die dunkelste Ecke der nur sehr mangelhaft beleuchteten Garderobe gesetzt und hmg dort trau- merifch ihren Gedanken nach. Die Last zum Danken war ihr vollständig vergangen, unter all' den Tänzern, die auf ihrer Tanzkarte standen, war nicht Emer, der Gnade vor ihren Augen gefunden hätte, sie waren ihr Alle gleichgllUg. Wenn er mich engagirt hätte, seufzte fU „dann wurde ich noch hier bleiben, aber nun habe ich keinen Tanz mehr frei, wenn er auch wirklich mir die Ehre noch anthun wollte. Es ist vielleicht das Beste, ich gehe zu Hause, tobtmübe bin ich ohnedies von meinem weilen Spaziergang heute, und den ganzen Abend mit anzusehen, wenn er mit Anderen tanzt, das mag ich — 12 Gemeinnütziges. Ein Ofen für zwei Zimmer. Die Hausfrauen kommen oft in die Lage, daß ste zwei Zimmer durch einen Ofen heizen müssen. Wenn der Ofen nicht gerade in die Wand eingemauert ist, daß er die Wärme in beide Zimmer ausstrahlt, dann ist der Erfolg zumeist ein sehr unzulänglicher; die Thüre zwischen den beiden Zimmern steht immer offen, aber das ofenlose Zimmer bleibt immer kalt, während das, in welchem der Ofen steht, überheizt ist. Es ist aber sehr leicht, diesem Nebel« stände abzuhelfen und eine bessere Vertheilung der Wärme in beiden Zimmern herbeizuführen. Es sind nur in der Wand, welche die beiden Räume verbindet, zwei Oeffnungen anzubringen, eine unmittelbar an der Decke und eine zweite unmittelbar am Fußboden. Dann dringt die warme Luft durch die obere Oeffnung in das ofenlose Zimmer ein, während die kalte durch die untere Oeffnung dem Ofen in dem anderen Zimmer zuströmt. Durch Anbringen einfacher Klappen an den Ochnungen kann man den Wärme-Austausch zwischen den beiden RMmen nach Belieben regeln. * ♦ ♦ Eier im Spätwinter. Man gebe dem Geflügel Körner, welche gekalkt sind. Dies ist durchaus unschädlich, wenn es nicht zu lange fortgesetzt wird. Gewöhnlich verwendet man Weizen zu diesem Zwecke. Indessen kann auch alles andere Getreide, wie Gerste, Hafer und Mais auf diese Weise behandelt werden. Man nimmt ungelöschten Kalk und löscht denselben in einer entsprechenden Menge warmes Wasser. Nun häufelt man das zu kalkende Getreide in eine Kegelform und gießt auf die Mitte desselben das Kalkwaffer, nachdem es mittelst eines Stabes umgerührt und gehörig gemischt worden ist. Dann nimmt man eine hölzerne Schaufel und rührt den Haufen um, bis alle Körner hinreichend eingeweicht sind. Vor der Fütterung müssen die Körner ausgebreitet werden und trocknen. In Fällen, wo die Thiers in großer Menge sterben ohne sichtbare Ursache, wird der Versuch empfohlen, sie mit gekalkten Körnern zu füttern. Auch der Kalk in Austernschalen wird von den Hühnern leicht genommen und beeinflußt die Bildung der Schalen. * ♦ * Fremde Körper in der Nase. Kleine Kinder stopfen sich zuweilen eine Bohne, Erbse oder ein Welschkorn in die Nase und in der Angst bringen die Mütter gewöhnlich, anstatt das Hinderniß zu entfernen, es nur tiefer hinein. In solchen Fällen ist folgendermaßen zu' verfahren: Man halte dem Mund fest zu und lasse es durch die Nase ein- und aus- achmen, oder man lege seinen Mund auf den Mund des Kindes und blase ihm mit aller Kraft Luft ein. Der Luftdruck treibt den Gegenstand aus der Nase, wenn er noch nicht zu tief eingedrungen ist. Das freie Nasenloch halte man zu. — Durch Nießpulver oder eine kleine Prise Schnupftabak, welche das Kind zum Niesen bringen, erreicht man oft auch den Zweck. — Gelingen diese kleinen Kunstgriffe nicht, so versuche man, den fremden Körper mit einem passenden Instrumente, z. B. mit einer Haarnadel, herauszuziehen. Es versteht sich von selbst, daß hierbei mit allergrößter Vorsicht zu Werke gegangen werden muß, damit keine Verletzung hervorgerufen wird, die bei der Nase immer gefährlich sein kann. Nachdem der fremde Körper entfernt ist, wird in den meisten Fällen die Nase geschwollen und schmerzhaft sein- Ist dieses der Fall, so wende man Arnikaöl oder Glycerin mit Arnika an. ♦ ♦ ♦ Ziegenmilch ist gehaltvoller und fettreicher als Kuhmilch. Sie bietet sogar vollen Ersatz für Muttermilch, und für Kmder und Kranke giebt es nach der Aussage englischer Aerzte kein besseres Nahrungsmittel. Wegen ihres hohen Fettgehaltes wird sie von den Landwirthen häufig zur Kälber- und Schweinemast verwendet und genügen 10 Kilo Ziegenmilch' zur Erzeugung eines Kilo lebenden Gewichtes. Pflege der Fingernägel. Da das Abwaschen der Hände nicht immer im Stande ist, die Fingernägel recht hell und glänzend zu erhalten, so reibe man letzere mit einem Pulver ab, das aus drei Theilen feinstem Bimssteinpulver und einem Theil Schlemmkreide besteht. Fügt man dem Pulver noch einige Tropfen eines Parfüms und einer Eostnlöfung hinzu, so bekommt es einen angenehmen Geruch und eine schwachrothe Farbe. Vermischtes. Vom Kasernenhof. Lieutenant (zu einem Sold.um dem ein Haar an dem Rock hängt): „Kreuzdonnerwetter, der Kerl bringt wieder seine ganze weibliche Verwandtschaft mit!" * * Vorahnung. Erster Student: „Wie ost bist Du eigentlich schon durchgefallen, Spund?" — Zweiter Student: „Mit übermorgen drei Mal!" * Beim Picknick. „Fräulein Lieschen ist heut' aber lustig!" — „Jawohl — eine zartbeseidelte Seele!" Boshaft. Dame: „Man sagt, daß Fräulein Laura 200,000 Mark Mitgift in die Ehe bringt!" - Herr: „Sagen Sie doch lieber Entschädigung!" Vor dem Fahneneid* Feldwebel (zu den Rekruten): „Heute müßt Ihr schwören! . . . Aber das sag' ich Euch: im Dienste ist die ewige Treue anders zu verstehen, als wie bei den Mädeln!" ♦ * ♦ Frauen-Logik. Frau (zum Manne, der wiederholt von der Jagd mit einem winzigen Hasen heimkehrt): „Ich begreife Dich nicht, Mann, daß Du Dir stets den Schund zutreiben läßt!" * • In der Sommerfrische. Mutter (zur Tochter): „Der blonde Herr, der uns bei Tische immer vis-a-vis sitzt, ißt jeden Tag Wiener Schnitzel- . . - Wie genügsam! Den solltest Du zu bekommen suchen- . - . Wiener Schnitzel sind leicht zu machen!" ♦ Ein Professor wollte einst einen Jüngling anreden: „Du freundlicher Jüngling!" versprach sich aber und sagte: „Du gründlicher Freundling!", wollte sich verbessern: „Du freundlicher Gründling!" und nochmals: „Du greulicher Fünd» ling!" » Mann: „Du thust, was ich befehle, das Weib ist dem Manne Gehorsam schuldig, das mußt Du Dir vor Allem merken." — Frau: „Das weiß ich, daß ich Dir Gehorsam schuldig bin) aber ich bleibe ihn Dir auch schuldig." ♦ Er apellirt. Richter: „Sie haben, um in's Gesäng- niß zu kommen, eine Fensterscheibe eingeworfen. Da Sie aber bisher noch unbestraft sind, so wollen wir Sie mit einem einfachen Verweis entlassen." — Strolch: „Dagegen lege ich Berufung ein!" ♦ * Paßt ihm. Mann (nach lebhaftem Zank): „Meinetwegen kannst Du Dir die Robe kaufen, ich bezahle sie nicht!" — Frau: „So wird man Dich verklagen!" — Mann: „Desto besser, ich lasse dann unser C'.avier pfänden!" ♦ ♦ Dann. „Ich werde wohl niemals heirathen, Emilie." — „Sage das nicht, Toni, Du kannst doch noch mal etwas erben und dann hast Du die Auswahl." Redaction: A. Schepda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.