AnLerchalimngsblatt 3x1m Metzener Anzeigen (Genepal-Änzergev) Nr. 131 |ä Ättfö teÄI Donnerstag, dk« 8. November. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Srich Friese«. lFortsetzung.) Der Kammerdiener spricht stockend und in kleinen Absätzen. Seinem verfeinerten Geschmack widerstrebt es, seinem Herrn an seinem Hochzeitstag derartig widerwärtige Begebenheiten zu erzählen. „Weiter!" schreit der Fürst. „Das interessirt mich nicht." „Was sollte die Dienerschaft mit ihm anfangen? Sein Kammerdiener ist ein Freund von mir und dieser theilte mir im Vertrauen mit, daß er nahe daran war, sich aus Verzweiflung über seinen Herrn das Leben zu nehmen. Er fürchtete den Zorn der Verwandten des jungen Lord und das entsetzte Gesicht der Braut." „Gut, gut!" schreit der Fürst wieder. „Und dann?" „Ich komme schon zum Ende, Sire. Ich weiß jetzt, was Sie wünschen. Also — die Dienerschaft war in Verzweiflung. Selbst drei kalte Bäder mit Douchen auf den Kopf halfen nichts. Da schickten sie zu einem berühmten Arzt und vertrauten ihm den bösen Fall an —" „Und — und- —" „ — und der gab dem jungen Lord Morphiumeinspritzungen — so viele und so starke, daß er die ganze Ceremonie hindurch anscheinend gesund und munter war." Damit springt Adolf geschickt zum Schluß über und fügt rasch hinzu: „Wünschen Sie eine solche Einspritzung, Sire?" „Ich möchte wohl," entgegnet der Fürst langsam, während seine dunkelumschatteten Augen sich in den Boden zu bohren schienen. „Natürlich darfst Du nicht sagen, für wen sie ist — kein Mensch darf wissen, daß ich, der Fürst Or- lowsky, an meinem Hochzeitstage Morphiumeinspritzungen nehme. Eile, eile — und hilf mir über die nächsten Stunden hinweg!" Der Kammerdiener kann sich das Benehmen seines Herrn nicht erklären. Sicherlich ist er nicht betrunken. Was hat er nur? „Ich werde mein Bestes thun, Sire!" „Nimm einen Wagen! Scheue keine Kosten! Nur mach' ^asch — rasch! Ich weiß nicht, was heute mit mir los ist. Der Cognac schmeckt mir wie Wasser; er übt keinen Einfluß wehr auf meine Nerven und beseitigt nicht dies schreckliche Zittern der Glieder. Fort — fort, Adolf I Schnell!" Der Kammerdiener verläßt eilends das Zimmer und der Fürst wirft sich ermattet in einen Sessel. Das Zittern der : Glieder nimmt zu; kaum ist er im Stande, einen Schritt zu thun. Er bemerkt nicht, daß die Sonne nicht scheint, daß dunkle Wolken sich drohend am Himmel ballen. Sein einziger Gedanke ist der: „Wird Adolf mir das Morphium bringen? Und wird es mir etwas nützen?" XXI. Die im vornehmen Viertel Londons gelegene Sanct Georgen-Kirche füllt sich schnell. Eine große Anzahl Sitze sind für die geladenen Gäste reservirt; die übrigen Plätze sind bereits besetzt und immer noch strömen Menschenwogen herzu. Küster, Kirchendiener, Polizeileute sind vollauf beschäftigt, die Ruhe aufrecht zu erhalten. Das Gedränge steigert sich. Faule Witze werden, wie gewöhnlich bei solcher Gelegenheit, laut. „Na, vorwärts! 's ist schon spät!" — „Die Aristokratie soll sich schämen, Einen so lange warten zu lassen!" — „Siehst die Gesellschaft noch früh genug; wirst doch nicht satt davon!" So und ähnlich ruft und schreit es durcheinander. Das drängt, schiebt und stößt, daß man meint, es hänge die Selig-, feit eines Jeden davon ab, auch nur einen Blick auf die Braut zu werfen. Die Ruhigeren unter den Schaulustigen vertreiben sich die Zeit, indem sie einander fabelhafte Geschichten über den Fürsten, seine Reichthümer, seine Schlösser und seine Diamanten erzählen. „Er ist der reine Märchenprinz!" ruft ein junges, blondlockiges Mädchen. „O, könnt' ich auch einen solchen russischen Fürsten heirathen!" „Heirathe lieber einen englischen Bauer!" entgegnet ernst eine fanstblickende Matrone. „Das ist mehr werth." Plötzlich lautes Hurrahgeschrei. Man drängt und schiebt noch mehr und reckt die Hälse. Nichts ist's. ... Ein Spaßvogel hat sich einen Scherz erlaubt. Nun wieder lautlose Stille. Die dunklen Wolken sehen aus, als ob sie den Menschen auf die Köpfe fallen wollten. Die Schwarzseher blicken mißtrauisch empor und bemerken, daß solchem Hochzeitstage kein Glück entsprießen könne. Jetzt ein gedämpftes Gemurmel, dann ein tausendstimmiges Hurrah, untermischt mit dem Rollen von Wagenrädern. Die Erregung der Wartenden steigert sich. Man stellt sich auf die Fußspitzen. Eltern nehmen ihre Kinder auf den Arm, damit diese besser sehen können. . . . Der Brautzug naht. Equipage auf Equipage rollt heran. Jede der aussteigen- «■ 522 “• den Damen erscheint der entzückten Menge schöner, eleganter als die vorige. Man flüstert, jene stolze Brünette in rubin- farbenem, edelsteinbesetztem Sammtgewand sei die junge Herzogin von Edenfield, die gleich einer Königin daher schreitende Gestalt in mattblauem, silbergesticktem Atlas die Gräfin Col- vyn, diese ganz weiß gekleidete, schlanke, liebreizende Blondine mit den schwarzen Feueraugen die Baronin Manfred. Der Brautwagen wird sichtbar. Das Interesse an allem Andern schwindet. Vorwärts, vorwärts — einen Blick auf die Braut geworfen I Da ist sie, die vielgefeierte Baronin Medfort, die in wenioen Minuten Fürstin Orlowsky heißen wird — da ist sie in all' ihrem Liebreiz, ihrem Glanz, ihrer Schönheit. Kein Hochrufen, kein Schreien, kein Johlen — die fast überirdische Erscheinung bannt jedes Wort auf den Lippen fest. Neben ihr sitzt der alte General Leigh, ein martialischer, weißbärtiger Kriegsmann, dessen breite Brust unzählige Orden und Medaillen bedecken. Der General ist ein Jugendfreund des verstorbenen Baron Medfort und Lola betrachtet es als einen Act der Pietät gegen ihren ersten Gatten, daß sie ihn dazu ausersehen hat, ihre Hand in die des zweiten Gatten zu legen. „Wie schade, daß die Sonne nicht scheint," meint der alte Herr bedauernd. „Ich trage den Sonnenschein in mir, General," entgegnet Lola mit einem heiteren Lächeln. Dann treten sie in die Kirche ein- Lola kniet inmitten der Schaar der lieblichen Brautjungfern nieder, um den Bräutigam zu erwarten. Das blumenzarte Antlitz mit den großen, lenchtenden Augen ist halb verdeckt von den Falten des lang herabwallenden Schleiers. Die. Orangenblüthen und weißen Hyacinthe« strömen einen berauschenden Duft aus. Frau March ist fast verschüchtert durch so viel Glanz und Pracht. Ihre einfache Seele kann e» kaum fassen, daß diese königliche Frau dort, der zu huldigen die Höchsten des Landes erschienen sind, daß diese Frau ihre Tochter ist — ihre kleine Lola, die im Pfarrhof die Hühner gefüttert hatte und mit der alten, tauben Pfarrmagd spazieren gegangen war. „O, möge Gott sie segnen! Möge er ihr Glück in ihrer Ehe schenken bis an das Ende ihres Lebens!" Und die Pastorrwittwe faltet nassen Auges die Hände und betet gläubig und inbrünstig. . . . Die Gedanken der schönen Braut selbst weilen nicht bei Gott und dem Segen des Himmels. Allerdings überschleicht sie eine gewisse religiöse Feierlichkeit; das bringt schon die Kirche mit sich. Aber sie versteht dieses Gefühl kaum. Sie betet nicht; all' ihr Denken concentrirt sich auf den einen Punkt: In wenig Minuten bin ich eine Fürstin! Verstohlen blickt sie über die glänzende Versammlung. Sie schwelgt in Stolz und Genugthuung an diesem erhabensten Moment ihres Lebens. Dort in der vordersten Reiße sitzt die Herzogin von Edenfield. Lola hat ihr eigenhändig eine dringende Einladung geschickt. Sie muß vor Allen Zeuge ihres Triumphes sein. Eine Secunde lang begegnen sich die Blicks der beiden Frauen. In den dunklen Augen der Herzogin zuckt es auf wie ein Blitz. Ist es Haß? Triumph? Angst? Oder Alles zusammen? . . . Lola durchrieselt es eisig; unwillkürlich senken sich ihre blauen Augensterne vor diesem flammenden Blick. — Alles ist bereit. Der Erzbischof wartet. Nur der Bräutigam fehlt noch- . . . Die Augen der Herzogin irren von dem Haupteingang zu Lola und wieder zum Haupteingang. Warum kommt der Fürst nicht? Was ist passirt? Auf ihren stolzen Zügen prägt sich unruhige, fast ängstliche Erwartung au». Ist sie so sehr besorgt um das Glück der schönen Braut? Da — endlich — endlich — taucht die vornehme Erscheinung des Fürsten am Ende der Kirche auf. Mit festem, stolzem Schritt durchmißt er den langen Hauptgang bis zum Altar- Er sieht weder links noch rechts. Seine Blicke hängen wie gebannt an der knieenden weißen Gestalt dort vorn. — Ihm zur Seite schreitet ein fremder Herr von südländischem Typus — nicht Lord Rawdon, wie man allgemein vermuthet hatte. Und jetzt betreten Braut und Bräutigam den Altar- Die heilige Handlung beginnt. . . . Gleich einer Vision taucht vor Lola ein offenes, blondbärtiges Antlitz auf; es blickt sie mit traurigen, blauen Augen vorwurfsvoll an. Sie erzittert leicht, doch nur einen Augenblick. Dann wendet sie das Antlitz nach ihrem fürstlichen Bräutigam, der bald ihr Gatte heißen soll. Sie sieht, was Niemand sonst bemerkt, das eonvulsivische Zucken der kräftigen Gestalt. Nun ergreift er ihre Hand; die seine ist eiskalt und feucht. Wenige Secunden später — und der Erzbischof hat Beide durch schmale, goldene Fingerreife verbunden. Jetzt gehören sie einander an, in guten wie in bösen Zeiten, — bis daß der Tod sie scheidet. Lola Medfort ist Fürstin Orlowsky. ... Musik ertönt. Die Menge drängt vorwärts. Das Licht unzähliger Kerzen beleuchtet grell die schimmernden Farben der Costüme, das Glitzern der Diamanten. In diesem Augenblick erzwingt sich ein großer, blondhaariger Mann den Weg zur Kirche. Er ist todtenbleich und athemlos. „Ist es vorbei?" fragt er den Kirchendiener, der die Thür bewacht, in höchster Erregung. „Schnell, um Himmelswillen! Ist es vorbei?" „Ja, die Trauung ist beendet." Der junge Mann schöpft tief Athem; ihm ist, als müsse er ersticken. „Vorbei!" murmelt er heiser. „Ich komme zu spät!" Ein Schwindel überfällt ihn. Matt lehnt er sich an eine der Säulen. „Zu spät!" wiederholt er schluchzend. „Der Himmel erbarme sich ihrer!" XXII. Die Trauungsfeierlichkeiten sind vorüber. Das junge Paar durchschreitet Arm in Arm den Hauptgang. Die Glocken läuten; von der Orgel herab ertönt ein fröhlicher Brautchor. Fürst und Fürstin Orlowsky — zwei der Vollendetsten ihrer Geschlechter — bewegen sich langsam dem Ausgang zu, gefolgt von einem Strom farbenprächtiger Gestalten. Auf seiner Brust funkelt der große Diamantstern; an ihrem Hals, an ihren Armen glitzern Diamanten in allen Größen. Kaum, daß die Kirchendiener im Stande sind, die aufgeregte Menge zurückzuhalten. Jeder möchte am liebsten noch einen Blick von der glänzenden Braut erhaschen, ihr glückstrahlendes Lächeln sehen, ihre Toilette in nächster Nähe bewundern. Da bemerkt Lola Baron Geralds bleiches Antlitz. Seine Augen scheinen sich in die ihren zu bohren. Wie beschwörend hebt er die Hände. Die Fürstin Orlowsky erbebt- In diesem Blick lag nichts von verletzter Eitelkeit, nichts von Vorwurf, nichts von Haß — nur grenzenlose Angst und eine stumme Bitte. Jetzt hat er sich Bahn gebrochen bis zu dem vorüberschreitenden Paar. „Ich muß Sie sprechen," flüstert er in verhaltener Erregung. „Es gilt Ihr Leben." „Wen betrifft es — ihn oder mich?" entgegnet sie ebenso leise. „Beide." „Kein Wort weiter hier! Folgen Sie uns nach meinem Hause!" Baron Gerald tritt mit einem leichten Neigen des Kopses zurück. „Wer ist der Herr?" fragt der Fürst mißtrauisch. Dar Geflüster zwischen seiner Gattin und dem Fremden scheint ihn zu beunruhigen. „Ein alter Freund von mir," entgegnet Lola kurz. - 823 - Als die Thür sich hinter Frau March schließt, geht Lola rasch auf Gerald zu, der unbeweglich, mit geisterblaffem Antlitz, dasteht. „Denk' gar nichts, Mama, und erfülle meine Bitte sogleich! Es muß sein. Hörst Du — es muß!" Ihr Ton ist so bestimmt, daß die Mutter dem Wunsche Folge leistet. Kopfschüttelnd verläßt sie das Zimmer. Schon nach wenig Minuten kehrt sie zurück und mit ihr Baron Gerald. Frau March preßt die schlanke Gestalt an sich und sagt „Mein geliebtes Kind, was soll ich davon denken? Der Fürst —" „Bitte, liebe Mama, laß uns kurze Zeit allein und sorge dafür, daß wir ungestört sind," flüstert Lola hastig. „Ich habe mit Baron Hastings zu sprechen." ÄftÄZ I KÄ* * -'.M M» bi. Safet ä ä L L sä L Se Ä”SuÄ 9iW ™” 6er Sein feu« Himm-md" ttauriger Blick Ä ‘SS.W M in den weißen «i» NL-Ln. ihr Gatte blickt schweigend zum Fenster hinaus über I „Er muß sie sehr aeliebt haben hnfi »r n, »r» m rk6 n verläuft sich die Menschenmenge. Nur I zu und ist zartfühlend genug, ibn ft<6 selbst ru Gerald steh noch an demselben Pfeiler, wie geistesabwesend DieHerzogin^von Edenfield glän^^^ dem Hochzeitszuge nachstarrend. Der Küster gibt ihm zu ver- Geist und Witz.^ Sie ist entschieden in beüer Ä»7- hindurchzukommen. Er verliert die Geduld. Nachdem er I Der Kürst hat frfintt Mt Mnnorsr o»u j ,, seinem Kutscher das Dreifache der Taxe bezahlt hat, bahnt er über die Tafel chweifen lassensä? 6eM?WetU"2£S s-inenWeg durch das Gewühl auf dem Trottoir. Diener, sich nach -M-NipKMWL r X. das Palais Medfort. Wenige Minuten I Nachricht, daß derselbe überhaupt nicht anwesend sei, erschreckt iP^ter befindet er sich mitten in der glänzenden Hochzeits- I und erregt ihn dermaßen, daß er nur noch mit Mühe die gesellschaft. I Rolle des unterhaltenden Gesellschafters beimbebalten vermaa Er hört die Lobpreisungen der schönen jungen Frau, der I Endlich ist das Mahl beendet. Die Gäste erheben sich, erhebenden kirchlichen Handlung, des fürstlichen Gatten. — I Einige davon verlassen bereits die Festlichkeit, da die Saison Jemand redet ihn an — dann wieder Einer und noch Einer. I sich ihrem Ende zuneigt und es noch manche Bervflichtuna ru Man freut sich, den allbeliebten Cavalier nach längerer Zeit I erfüllen gibt- Die Meisten jedoch bleiben um das iunae wiederzusehen. I Paar abreisen zu sehen. Er weiß kaum, was er antwortet. Er zermartert sein I Frau March hat schon lange bemerkt, daß ihre Tochter Gehirn, wie er es anfangen soll, Lola sobald wie möglich zu I ungewöhnlich bleich und still ist. Jetzt benutzt sie eine gün- sprechen. I stige Gelegenheit, um dieselbe aufzufordern, sich ein wenig k „ ihm ein Diener mit einem Billet. Auf zurückzuziehen, — „um von den Aufregungen des Tags» vor . den ersten Blick erkennt er die feinen, eleganten Schriftzüge. I der Abreise ein wenig zu.ruhen," wie sie den Gästen ent» „Ich kann Sie jetzt nicht sprechen, ohne allgemeines I schuldigend erklärt. Aufsehen zu erregen. Ich werde Sie nach dem Frühstück I „ , Als Lola das blumengeschmückte Vorzimmer durchschreitet, rufen lassen." I sieht sie von ferne Geralds flehende Augen auf sich gerichtet. So muß er also warten - warten. Er muß seine tN verständlichen Kopfbewegung geht *•*■*- * LZ--" W -vr-tt-i, fast st- sanft di- Sand 6-Mat » L' t S hier. Silber und Crystalle funkeln; eine wahre Fülle von liebst-' belle^ama ' exotischen Blumen und Pflanzen schmückt den Speisesaal. Die dann 'sLicke Äff “ Ä ÄÄÄÄ SH-SSSX -I f.„b.n? °'H"'sÄLLV D-. Sff iVaF*"*’ -5!ei” -E Er spricht viel und witzig und animirt Alles um sich her. £ füre&ett muß ick ibn Rn e ibn^k in ß- stch h-ittr »u”*iU*@5 L-mS-spS «A b"»-° >6» dann hierher - leise, damit -- Niemand sie Geralds geisterhaftes, entsetztes Gesicht. Sie hat volles Ein paar weiche Arme leaen sich um den Ms der,m» BÄ*"’ **“**w***1 "■ Dabei vermeidet der Fürst augenscheinlich ihren Blick. I £«.«** M ------ Er spricht zu ihr, er stößt mit ihr an; aber niemals sieht I vorwurfsvoll: eF ihr dabei voll und offen in die Augen. Auch ist er von einer merkwürdigen Zurückhaltung. Was hätte sie darum gegeben, wenn er, die Etiquette über Bord werfend, sie in die Arme genommen und ihr zärtlich zugeflüstert hätte: „Mein geliebtes Weib!" Einmal freilich hatte er sie geküßt — zum ersten Mal —, vorhin in der Kirche, als ihre Freundinnen sich um sie gedrängt, um ihr Glück zu wünschen. Es war eine flüchtige Berührung der Lippen gewesen; aber seine Wangen waren jählings erblichen und ein flammender Blitz aus seinen Augen schien ihre Gestalt fast versengend zu streifen. Bann war er, zitternd vor Erregung, zurückgetreten und hatte jede nähere Berührung mit ihr vermieden. Ein unbestimmtes Angstgefühl preßt ihr das Herz zu- - 524 - „Was haben Sie mir zu sagen?" ruft sie hastig- „Schnell, schnell, sprechen Siel ... - Warum sind Sie sü traurig? . . . O, reden Sie doch! Reden Sie!" Ihre Worte überstürzen sich. Sie läßt ihm in ihrer Erregung gar keine Zeit zur Antwort. „Ich weiß, Sie werden gut zu mir sein, mich nicht quälen. Was ist es? Betrifft es den Fürsten, meinen Gatten?" „Ja," bringt er mit Anstrengung hervor. „Was ist es? Schnell doch! Ist er schon einmal ver- „Nein. Sie sind seine rechtmäßige Gattin — ach, leider! . . . O, theuerste Baronin — ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll!" Aengstlich umklammert sie seinen Arm. „Ach, Gerald, was kann es sein?" ______ (Fortsetzung folgt ) und MurkatblÜthe nach Geschmack, 625 Gramm Mehl, 10 Gramm Cremortartiari, 5 Gramm Natron. Der Teig wird tüchtig geklopft. Man formt kleine, runde Zwiebacke und legt diese auf ein Blech. Nach dem Backen werden sie, ehe sie ganz erkaltet sind, durchgeschnitten und dann geröstet. * Kleine Theekuchen, die sich lange halten (englisches Recept). 12 Loth Butter wird gerührt, bis sie ganz weich ist, 3 Eidotter und das zu Schaum geschlagene Weiße derselben und V2 Pfund gewaschene und wieder getrocknete Chorintben hinzugefügt. Schließlich 1 Pfund Mehl und 12 Loth Zucker. Das Ganze wird gut durcheinander gearbeitet und aus dem Teige Kugeln von der Größe einer Wallnuß geformt, die man auf ein mit Mehl bestreutes Blech setzt und sie in einem gut geheizten Ofen rasch bäckt. * <$ Einfaches Bisquit- 1 Pfund durchgesiebter Zucker, 9 Eidotter, Saft und Schale einer Citrone wird zusammen V2 Stunde gerührt, dann abwechselnd Schaum und V2 Pfund Aus leeren Nähmaschinengarnrollen kann man hübsche Spielzeuge für Kinder machen, indem man, der oberen Abschrägung folgend, die Holzpflöckchen spitz zuschneidet, wodurch man zwei spitze Hütchen auf kreisrunder Basis erhält. In die runde Oeffnung treibt man einen runden Keil, den man gleichfalls am anderen Ende zuspitzt, während das Ende sauber, rund geschabt, als Griff stehen bleibt. So hat man zwei hübsche Tischkreisel, die, wenn man in ihre Spitze ze eine Stecknadel fest eintreibt, ganz vorzüglich auf Tischen, Fensterbrettern rc. tanzen und den Kindern viel Freude machen werden, durch ihr lang anhaltendes Spinnen. Je größer die Zahl der arbeitenden Kreisel ist, desto größer der Spaß, den man den Kleinen ohne jeden Kostenaufwand bereiten kann. Nach Belieben kann man die Kreisel auch bunt färben, was dann, weün sie alle in Bewegung sind, den Effect noch erhöht. Mehl dazugegeben. * Schellfisch aux fines herbes. Einen in Scheiben geschnittenen Schellfisch marinirt man einige Stunden mit einem Glase Weißwein, Citronensaft, Pfeffer und Salz, schwitzt hierauf gehackte Champignons, sowie gehackte feine Kräuter in Butter, dämpft in derselben die Fischstucke unter fleißigem Wenden 10 Minuten, fügt die Hälfte der Marinade und 10 Gramm aufgelösten Liebigs Fleischextract hinzu und dämpft den Fisch völlig gar. Dann gießt man die Sauce durch ein Sieb, macht sie mit Kartoffelmehl sämig, würzt sie mit Pfeffer, zieht sie mit zwei Eigelb ab und gießt sie über die Fischstücke. Vemnisehtes. Auch der Taubenboden mutz warm gehalten werden, weshalb die meisten derselben in V ehhäusern angebracht werden. Steht derselbe frei, so muß eine Isolier- schicht aus Torfmull oder dergleichen schlechten Wärmeleitern um ihn herumgelegt werden, damit die Kälte nicht so intensiv eindringen kann. Am rentabelsten ist es, den Tauben in den Schäsställen Nester anzubringen, die sie mit großer Vorliebe beziehen, doch ist dabei das Unangenehme, daß jeder Mensch leichter zu den Jungen gelangen und sie sich selbst zu Gemüthe führen kann. Auch Marder und andere Feinde haben befferen Zutritt. Die Tischmefier sollen stets so geputzt werden, daß sie keine Längsschrammen und Streifen zeigen- Um das zu vermeiden, ist es am Besten, sie in einer rotirenden Putzmaschine zu reinigen. Wer aber eine solche nicht besitzt, kann dasselbe durch Putzen mit einem Korken erreichen, indem er mit demselben stets quer über die Mefler reibt. Nebenbei kann man bei dieser Art des Putzens einzelne Rost- und Säureflecken weit besser entfernen^ Gute Lederschwärze* In ein Liter Wasser werden 500 Gram schwefelsaures Eisen ober 15 Gramm Weinsäure aufgelöst. In einem andern Topf kocht man in 8 Liter Wasser 750 Gramm Blauholz unv fetzt 100 Gramm Traubenzucker hinzu. Beide Lösungen werden hierauf gemischt. Löst man in der Blauholzabkochung noch 12 Gramm Anilinblauschwarz auf, so wird die Schwärze intensiver. Das Leder wird mittelst verdünntem Ammoniak (1 + 25) entfettet und mit der Schwärze überfahren. Theezwieback. 125 Gramm Butter zu Sahne gerührt, 3 ganze Eier, 1 Taffe Milch, 1 Taffe Zucker, Zimmt Abwechselung. „Warum machen Sie denn von den Klößen einen immer groß und den andern klein, Frau Nach- barin?" — „Weil mein Mann sich immer beklagt, daß er zu wenig Abwechselung im Essen hat!" e » s Druckfehler. . . . Der Student kam ganz ermüdet im Bauernhöfe an und klagte über Durst, worauf er von der Bäuerin mit Wasser gekränkt wurde. ♦ * « Schnell gefaßt. Förster: „Hab' ich Dich einmal erwischt — was thust Du mit dem Gewehre hier im Walde?" — Wilderer: ,,J' wollt's nur a biff'l in d' Luft tragen, das Ding wär' in der dumpfen Stubenluft total verkümmert." * * e Guter Rath. Vater: „Da schreibt mir der Junge er will schon wieder auf Besuch kommen; so häufig, das paßt mir nicht." — Mutter: „Schick ihm das Reisegeld, dann bleibt er gewiß dort!" • • s Nach der Jagd. Sie: „Aber Männchen, Deine Jagd lasche ist ja leer!" — Ec: „Na, denkst Du denn, daß man von dem Herumlaufen da draußen keinen Appetit bekommt?" ♦ * ♦ Praetischer Aberglaube. A.: „Glauben Sie, daß es Glück bedeutet, wenn man ein Hufeisen findet?" — B-: „Eins nicht, aber ein Dutzend — vas kann man dann als altes Eisen verkaufen!" * * ♦ Darum. „Man sagt, Leute mit entgegengesetzten Eigenschaften geben die glücklichsten Ehen ab." — „Darum suche ich auch ein Mädchen mit Geld." SZcbaction: A. Scheyda. — Druck und Berlag brr Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießm.