Nnt-phaltrrngsblatt zum Gietzenev Anzeigen (Genevcrl-2lnzergev) Nr. 16. M 1894. Donnerstag, den 8. Februar. Nach drei Tagen war der kranke Bauer fieberfrei und wieder völlig bei Sinnen. Josef saß gerade am Gestndetisch und aß, als er zu dem Bauer gerufen wurde. Das Gesinde sah den Vertreter des Bauern gern, denn er war milver als der Bauer und gerechter. Das gewann ihm die Herzen der Dienstboten und Alle redeten nur Gutes von ihm. r Als Josef in das Krankenzimmer trat, reichte ihm der Der Rosenhof Novelle von C. Western. Bauer die unversehrte rechte Hand und sagte: „Hab nochmals Dank, Josef, für alles Gute, was Du mir gethan. Verkünde mir nun aber auch, was Du die drei letzten Tage geschafft 211 „Die zwei Breiten am Flurwanger Weg hab' ich lassen düngen und pflügen unb, mit Winterkorn bestellen, die lange Matte hab' ich hauen lassen und die Weinernt' kann in drei bis vier Tagen auch angehen. Es ist viel Gewächs am Stock, aber manches noch hart," berichtete Josef. „Du hast Dein' Sach' gut gemacht, ich bin stolz auf Dich!" „O, Vater," fiel hier Loni, die am Bett saß und Josef mit einem zärtlichen Blick begrüßt hatte, zärtlich ein, „Du hast Recht!" Der Bauer fah Loni verwundert, ja, wie versteinert an- Kam ihm eine Ahnung? - Er sagte nichts, aber sein Gesicht blieb ernst und streng. Loni schwieg verlegen still und der Vorfall wurde vergessen- . Ein paar Tage darauf stand Josef tm Kuhstall und schaute nach etwa nöthigen Reparaturen. Der Stall war teer, denn das Vieh war noch auf der Alm, nur ein krankes Kalb war im Stall, dem Loni eben das Futter bringen wollte. Die Liebenden nahmen die Gelegenheit zum Austausch einiger Worte wahr, da sie, der dringenden Arbeiten wegen, sonst sehr selten und nur für einige Augenblicke zusammenkamen. „Sieh' da!" rief plötzlich die Stimme der Bäuerin da- zwischen. „Ich hab' es immer gedacht und auch nicht ungern gesehen, Josef, daß Du die Loni lieb hast; ich lege Euch nichts in den Weg; sieh' nur zu, daß Du den Bauern herumbrmgst, Josef. Er hält auf Dich, aber sei vorsichtig!" Voll Entzücken fiel Loni der Mutter um den Hals und Josef drückte ihr dankbar die Hand. * * ♦ Inzwischen waren die Tage herangekommen, in denen Weinernte gehalten wurde und lustig schallte der bekannte Schnadelhüpfel in den Bergen: „Wir heimsen den Segen Der Trauben nun ein, Bald wird allerwegen Der Wein fertig fein. Holdrioho, holdrioho, Holdrioduaduaduado! Dann greif' ich zum Glase Und schenk' tapfer ein, Bis jedwede Rase Mag tupferroti) fein. Holdrioho, holdrioho, Holdrioduaduaduado! (Fortsetzung.) Josef hing nun wieder feinen Gedanken nach. Ja, er wollte gern den Bauern nur spielen; speculirte er doch nicht auf Haus und Hof, Geld und Gut, das dem jetzigen Herrn und dessen Sohn Tont bleiben follte, fondern Josef wollte nur den schönsten Schatz des Rosenhofes, die Loni- Sie würde sich schon in seine einfachen Verhältnisse schicken, dachte Josef, wenn nur der Bauer einwilligte. Ueber solchen Gedanken kam denn auch die Bäuerin und löste Josef bei der Krankenwache ab. „Nimm'« Frühmahl erst ein, Josef," sagte die Haussrau freundlich, „das Gestnd' wartet schon auf den neuen Herrn." „Es hat noch Zeit, Bäuerin; halt' den Arm nur recht kühl; müßt auch wohl wieder etwas Arnika aufgießen. So!" „Du kennst die Krankenpflege, Josef!" „Hab' Erfahrung leider g'nug in der Krankenpflege. Ein Jahr und sechs Monat im Lazareth, das ist halt kein Spaß!" „Gott sei nur Dank, daß Du gerad' den Weg kamst! Bist Du noch geschwächt von der langen Krankheit?" „Ein wenig, Bäuerin!" „Wie leicht hätten Dich dann aber die wilden Gäule mit fortreißen können und es hätt' zwei Leichen gegeben!" „Daran dacht' ich nicht, Bäuerin, ich meint', ich mußte so handeln und nicht anders!" „Hab'Dank, Josef, tausend Dank, Du hast nur den Mann und meinen Kindern den Vater erhalten. Jeder hätt es nicht gethan und auch nicht gekonnt." Und sie blickte mit Dankbarkeit im Herzen auf den stattlichen Burschen. Er aber meinte: „Dankt Gott, Bäuerin, der mir Kraft gab, die wilden Pferde zu halten!" Er ging davon- Sie sah ihm freundlich nach und meinte: „Es ist schade! Er wär' ein Mann für die Loni, wenn er nicht ein armer Knecht wäre!" fiel daß sind iinb sollt' ich einst sterben, l der Zunge: „Gebt mir die Loni, ich lieb' sie mehr als mein In ein Faß thut mich ’nem, I Leben!" — da fiel es ihm aber ein, daß es unedel wäre, jetzt mit dieser Bitte dem Bauer zu nahen. Josef schwieg daher H°ldr?oho, holdrioho, ‘ und ging. Aber das wußte er auch, eine solche Gelegenheit Holdrioduaduaduado I" kam wohl Nicht wieder. . . , , Ä . r , I Josef behielt eine bevorzugte Stellung im Hause des Dann ward da« letzte Heu angebracht, es wurde geackert Bauern, aber weiter kam's nicht. und gesät und als es anfing, zu reifen, kehrten auch die Rm* Mit nächstem Frühjahr zogen die Rinder wieder auf die der mit ihrem Glockengeläute zurück von der Alm auf den unb ble Feldarbeit mehrte sich. Josef war nun am Tage Rosenhof, um den warmen Stall aufzusuchen. selten im Rosenhof und nur sein gutes Mütterchen konnte ihn Josef hatte während de« Herbste« für zwei gearbeitet und noch trösten. der Bauer hatte Alle« gesehen. Ging er doch schon wieder I ni. mit dem Arm in der Binde umher und controllirte die Leute. I . . Er liebte Josef, lobte ihn vpr allen Leuten und schenkte ihm ZU wt- zum heiligen Christfeste eine schone Uhr mit goldener Kette und I schlagen, eine hübsche Pfeife. Dennoch hatte Josef noch nicht den Muth, I Schmilzt das Glück, und Jeder muß entsagen, um Loni« Hand anzuhalten. Da« Mädel warnte ihn selbst I Diäten, davor, selbst die Bäuerin meinte, e« sei noch nicht Zeit dafür, Die milden Mailüste wehten lind durch die Berge, und denn der Bauer habe einen gar harten Kopf. Ganz derselben I ganz Schwengau war bi« auf wenige Kranke und Greise hinaus« Meinung war Josefs Mutter. So verging der Winter, der I gezogen in das Schwengauer Gehege, wo das Maifest gefeiert lange, freudenlose; man hatte viel freie Zeit, und Joses und I ward, dessen Glanzpunkt im Scheibenschießen bestand. Da Loni sahen sich öfter, ihre Liebe wuchs und Josef beschloß I waren unter den mächtigen Buchen und Eichen Zelte errichtet, schließlich, sobald es paffe, bei dem Bauern um Loni abzuhalten. I in denen man schäumendes Bier und Wein genug verschenkte Wenn aber sonst keine Gelegenheit war, so sprachen sich die I und die Lieblingsspeisen der Gebirgsbewohner verabreichte. Liebenden bei Josefs Mutter im kleinen Tagelöhnerhäuschen, In einer Lichtung war die Schießbahn angelegt, an deren wo es stets sauber und freundlich aussah. Auch wußte die I Ende die schwarze Scheibe mit dem weißen Pappdeckel, auf den alte Frau die jungen Leute durch ihren Rath in klugen Schran« I heute Alle rechnen, stand Heute hatte Bauer und Bursche keu zu halten und au« dem engen Häuschen eine Stätte des I den Federstutz vom Spielhahn oder Adler am Hut, dm nie Glück» zu machen, worin die Zufriedenheit wohnte- I fehlenden Stutzen auf dem Rücken und die Frohlust in Herz Ganz Schwengau lag am Berge, der Rosenhof aber war I und Augen. stattlich recht tief in einen Bergwinkel hineingebaut. Da stand Auch der Rosenbauer war mit seiner Frau, der Loni, vorn das geräumige, im Schweizerstyl gebaute Wohnhaus mit I dem Toni und in Josefs Begleitung auf dem Maifeste erfchie« Gallerie und Giebelstube, beschützt von einer riesigen Hainbuche, nett. Sie traten in ein Zelt, setzten sich und thaten sich am dahinter die Scheune, neben dieser die Kelter und dahinter der I Weine gütlich; dann machte der Rosenbauer einen Rundgang, lange, saubere Kuhstall. Sämmtliche Gebäude standen in einem I „Wie sie den Josef immer mit sich schleppen, Herr und länglichen Viereck, das den geräumigen, sauberen Wirthschaftr« Knecht zusammen; er soll gewiß die Loni heirathen. Hof einschloß. So zischelten einige böse Zungen, denen nur wohl war, Loni faß eines Tages an einem Fenster der Hinterstube I wenn sie ihren lieben Nächsten ordentlich durchhecheln konnten. bei einer Näharbeit, Josef aber stand auf dem Hofe und schaute I Gegenüber aber saß der Stadelbauer mit seiner Familie. zu ihr in'» Fenster hinein. | „Na, Martin," rief dieser, der sich in letzterer Zeit viel. Auf einmal entstand Lärm. Ein Knecht hatte den Kuh« I ja auffallend viel im Rosenhof zu schaffen gemacht hatte, „hast stall offen gelassen und der wilde Stier die Gelegenheit benutzt, I Dir wohl den Schwiegersohn gleich mitgebracht?" au» seinem Behältniß auszubrechen. Es war ein böses Thier, I „Was meinst Du mit Deinen Sticheleien?" antwortete weit und breit bekannt, denn schon einmal hatte es auf der I der Rosenbauer ärgerlich. Alm einen sorglosen Wanderer, der ein rothes Tuch getragen, „Ich? — Ich rede nur, was der ganze Ort sagt, fast zu Tode gestoßen. Hier auf dem Hofe hätte der Stier I Josef Dein Schwiegersohn wird." keinen großen Schaden thun können, wenn nicht der kleine Toni I „Hoho!" meinte darauf der Rosenbauer. „Dabei um die Ecke und gerade auf Josef zugekommen wäre, damit I wir doch auch erst noch zu fragen!" ihm dieser seine Windmühle reparire- Zum Unglück trug der I „Also nicht? Desto besser für Dich." Knabe gerade ein rothes Halstuch, eine Farbe, die den jäh« I „Um meine Tochter braucht sich Keiner zu sorgen, zornigen Stier rasend machte. Wüthend ging er auf das Kind I hierauf der Nosenbauer stolz ein, „die bekommt mit ihrem lo«, das die Gefahr kaum ahnte. I Batzen schon einen Mann ganz ohne Euer Geplatsch." Kaum sah aber Josef, welche Gefahr drohte und daß das I Er drehte sich um und ging. Dabei sah er gerade aus Thier gesenkten Kopfes nur noch drei Schritte von Toni ent* I Loni und Josef, wie sie vergnügt und vertraulich miteinander feint war, so sprang er hinzu, packte den wüthenden Stier bei I sprachen, und brummte einen Fluch in den Bart- den Hörnern und fing mit ihm zu ringen an. Loni schrie I „Er hat zwar Dir und Deinem Sohne das Leben ge* laut auf, worauf der Bauer erschien, Toni durch die nächste I rettet," dachte er, „und meine Handlung scheint wohl Undank* Thür in’» Hau» schob und dann Josef, der bereits aus meh« I har, aber er muß doch fort vom Hofe." reren Wunden blutete, zu Hilfe sprang. Fast hatte Josef da» I Und des Rosenbauers finstere» Gesicht erhellte sich an wüthende Thier allein gebändigt, mit de» Bauern Hilfe geschah I diesem Tage nicht mehr. . e» ganz und dann wurde er an die schwere eiserne Kette I Auch die Forstbeamten der ganzen Umgegend waren aus gelegt. I dem Feste zahlreich vertreten, denn sie glaubten nach ihrer Art „Golt sei Dank, daß wir den Stier noch rechtzeitig ge* I immer noch an der Scheibe den Bauern gegenüber da» Privi* bändigt haben," keuchte der Bauer. „Bist Du stark verwun* I legium zu haben- Jakob Pfilzer, der Oberjäger, kannte Martin bet, Josef?" I Straffer, den Rosenbauer, sehr wohl. Jetzt näherte er sich „6in paar Schrammen, sonst nicht», Bauer!" j diesem und meinte leise: „Letzthin hatte ich Euch doch gesteul, „Wie soll ich Dir’» vergelten, Josef! Fast scheint'«, als Rosenbauer. Gebt Acht, da» nächste Mal gebt Ihr den Stutzen sollten wir Dir Alle da« Leben danken. Meinen herzigen I ab oder Ihr habt ein halb Loth Blei aus meinem Rohr tm Toni, meinen Hoferben, hast Du heut' vor'm sicheren Tode I Leib!" , bewahrt. Da«, Joses, werde ich Dir nie vergeffen! Fordere Martin Straffer lachte und erwiderte: „Die Nürnberger Alle» von mir, ich geb' Dir'»!" hängen nicht eher Einen, als bis - sie ihn haben! Da brannte es Josef im Herzen; schon hatte er es auf I „Seid nicht zu sicher!" entgegnete der Jäger drohend. 63 „Was wollt Ihr denn, Ihr Grünrock?" fuhr nun der Bauer grob auf, indem er feine breite Figur vor den schwäch- tigen Jäger schob. „O, verstellt Euch nicht, Rosenbauer, Euch kenn' ich und den Schall Eures Stutzens auf meilenweite Entfernung. Hütet EuchI" „Hütet Euch selbst, Ihr Narr!" Damit trennten sie sich, der Bauer aber grollte und dachte: „Der Stutzen muß fort! Er will den Knall kennen, der Narr! Und doch! — Ich würde ihn ja auch kennen! Also morgen in die Stadt und einen andern Stutzen geholt." Er ging wieder zu den ©einigen und meinte zu Josef: „Schießt Du mit? — Ich gehe jetzt halt." Der Rosenbauer galt für den besten Schützen weit und breit, und man zischelte sich leise, ganz leise in's Ohr, daß er ein passionirter Wilderer sei, unbezähmbar und kühn wie der Satan. Die Jäger wüßten das wohl, aber sie gingen ihm aus dem Wege, denn- der Rosenbauer sei desperat und unberechenbar. Als der Rosenbauer und Josef an den Schießstand traten, machten Alle ehrerbietig Platz, denn den reichen Bauern mochte Niemand zum Feind haben. Der Protokollführer aber meinte: „Es sind noch fünfzehn Schützen vor Dir eingeschrieben, hast noch eine halbe Stund' Zeit, Rosenbauer!" „Gut, da schreib' mich ein und hinterdrein den Josef! Was kost's?" Er legte das Geld auf den Tisch und meinte: „Komm, Josef, laß uns ein Bissel gehen, das ist gut und beruhigt das Blut." Auf dem Platze trieb auch eine Zigeunerbande ihre Gaukelkünste, Seiltanzen, Reifspringen, allerlei natürliche Zauberkünste urd dergleichen. Eine alte gelbe Zigeunerin aber lief im Publikum umher und lud mit gellender Stimme ein, den Künsten zuzusehen; dabei wahrsagte sie aus der Hand. Als sie des reichen Rosenbauern ansichtig ward, faßte sie seine Hand, sah hinein und meinte lachend: „Bei Dir kommt's Glück Erst dann in's Haus, hihi, Holst Du zurück, Was Du jagt'st hinaus! hihi!" „Dummes Zeug!" sagte der Rosenbauer ärgerlich, warf aber der Zigeunerin doch einen halben Gulden zu. Nun wandte sie sich an Josef, lange besah sie die Linien in dessen Hand, dann sagte sie: „Wer Rosen bricht, Der merk' sich fein, Manch' Röselein Oft blutig sticht!" Josef wurde roth wie ein gekochter Krebs, er lachte gezwungen und gab dem Weibe ein Geldstück. Der Bauer schritt finster weiter und Josef folgte ihm. So kamen sie wieder in den Schießstand, woselbst die Stutzen vorschriftsmäßig geladen wurden. „Nummer hundertachtunddreißig I" rief der Protokollführer und der Rosenbauer trat vor. Der Schuß knallte und großer Jubel erklang an der Scheibe. Martin Strasser, der Rosenbauer, hatte den besten Treffer abgeschoffen; er mußte, schoß Niemand besser, wie so oft schon Schützenkönig werden. Drei Mal noch knallte der Stutzen und jedes Mal lachte Jakob Pfilzer, der Oberjäger, bei dem Knall laut auf. Er hatte viel Wein getrunken und kümmerte sich wenig um des Bauern drohende Blicke, obwohl Martin Strasser immer aufgeregter ward. „Nummer hundertneununddreißig!" rief der Protokollführer und jetzt trat Josef in den Schiebstand. In der Garnison und während des Krieges hatte er die Kunst des Schießens gründlich erlernt, war überhaupt schon vorher ein guter Schütze gewesen und stand nun da wie aus Marmor gemeißelt, so kalt und ruhig, daß ihn Jeder beneidete. Der Schuß knallte. Alles stürzte nach der Scheibe. Die Äugel saß gerade in dem kleinen schwarzen Punkte, welcher sich mitten in dem weißen Centrum der Scheibe befand und Josef hatte den ehrgeizigen Rosenbauer abgeschoffen. Josef war vor Schreck bleich wie der Tod, denn es war gegen seinen Willen geschehen, den Rosenbauer in der.Kunst des Schießens zu über- treffen. Der Bauer hatte sich bei diesem Vorfall auch sofort herumgedreht, war zu den ©einigen gegangen und hatte gefaßt: „Kommt, wir gehen jetzt nach Haus." „Warum denn, Martin?" meinte feine Frau sanft- „Will mich heute nicht noch verhöhnen lassen; der Josef hat mich abgeschoffen." Loni ward roth vor Freude und Angst zugleich. Der Rosenbauer aber sah sie scharf an und sagte: „Er guckt nach Dir, Loni; die Leute zischeln davon und höhnen mich damit; aber ich sage Dir: eher versiegt der Quell vor dem Rosenhof, ehe Du sein Weib wirst. Bei Gottes Blut!" Das war des Rosenbauern höchster Schwur. Er hob drohend die Hand, schritt voraus und seine Familie folgte ihm nach dem Rosenhof, Loni und die Mutter mit unterdrückten Thränen- Das Scheibenschießen war bald darauf zu Ende. Josef ward zum Scheibenkönig ausgerufen, mit der silbernen Kette geziert und bekam den höchsten Preis von fünfzig funkelnagelneuen Silbergulden, von denen er aber nach altem Brauche den größten Theil gleich in Wein für die Theilnehmer beim Schießen zum Besten gab. Man trank, man fang und ließ den hübschen Scheibenkönig leben. Da erinnerte sich Joses des Rosenbauers und der Loni und sein Glücksranfch entfloh. „Ich muß fort," rief er, „muß zu den Meinigen!" „Darüber mach' Dir keine Sorgen mehr," meinte Einer aus dem Haufen. „Dein Bauer ist fluchend fort, zürnt wohl gar, daß Du ihn abgeschoffen. Er ist lang genug Scheibenkönig gewesen. Prosit Josef!" Und Josef trank und trank, bald aus Freude über seinen Meisterschuß, bald aus Aerger über den fortgelaufenen Rosen- bauer und — zum ersten Mal in seinem Leben war der sonst so nüchterne junge Mann betrunken. ♦ ♦ ♦ Josef kam erst am anderen Morgen auf den Rosenhof. Loni und Frau Elisabeth waren nicht sichtbar, Toni aber kam zu Josef, als er eben den noch schweren Kopf auf die Haferkiste stützend über den gestrigen schrecklichen Tag nachdachte. „Joseph, nimm Dich in Acht vor dem Vater," sagte der Knabe treuherzig, „er ist die halbe Nacht nicht zu Bett gekommen und hat immer auf Dich gescholten. Geh' ihm aus dem Wege, Joseph!" „Das mag ich nicht, Toni I" sagte Joseph und schüttelte das Haupt. Der Knabe sah ihn traurig an und flüsterte dann: „Da kommt der Vater schon." Der Bauer stand in der Thür und sagte rauh: „Geh' weg Toni." Und an den jungen Mann sich wendend, sprach er ernst: „Ich hab' mit Dir zu sprechen, Joseph." „Hab's erwartet!" meinte dieser gleichmüthig. Der Bauer sammelte sich, dann begann er: „Joseph, es wird mir schwer, Du hast mir's Leben gerettet und meinem Kinde; hier, — nimm’« ohne Bedenken, mach Dich damit selbstständig, denn aus meinem Hof mußt Du fort, das geht nicht anders, um der Leute willen." Mit diesen Worten hatte er dem Joseph zehn Zwauzig- thalerscheine auf die Futterkiste gelegt. „Du blet'st mir Geld für meine Thal?" antwortete Joseph stolz und mit erhobenem Haupte. — „Schämst Du Dich nicht Bauer? — Ich that nur, was ich mußt', was ich Jedem gethan hätt', gleichviel, wer es gewesen wäre; dafür nehm' ich keine Bezahlung. Hält' ich Geld dafür gewollt, so hätte ich es schon damals verlangt, da legtest Du mir's ja in den Mund. Du sagtest: Ford're, was Du willst, Joseph, ich geb es Dir. Wär' ich unehrlich g’roefen, so hätt' ich schon dazumal sagen können: „Bauer, ich will kein Geld und kein Gut vom Rosenhos, das bleibe Deinem Toni. Gieb mir was Besseres, gieb mir die Loni, denn wir sind uns schon lange, lange herzlich gut." (Fortsetzung folgt.) 64 Gemeinnütziges. Die Kinder gurgeln lasten. Morgens und Abends [affe man die Kinder mit klarem kalten Wasser gurgeln und sie im Winter vor dem Hinausgehen einige Schlucke kaltes Wasser trinken, nie heißen Kaffee oder dergleichen Erwärmungsmittel, die, vor dem Hinausgehen genossen, sehr schädlich wirken. ♦ * * Eine der anspruchslosesten Zimmerpflanzen, deren Pflege auch der Unerfahrenste übernehmen kann, ist die sogenannte Plegtogyne (Aspidistra datier) und ihre noch schönere buntblätterige Abart. Mit jedem Plätzchen im Zimmer nimmt sie vorlieb und Ataub, Dunkelheit, Trockenheit oder Nässe schaden ihr wenig, um so dankbarer aber ist sie für aufmerksame Pflege. Es empfiehlt sich, sie alle 2—3 Jahre umzupflanzen und zwar in sandiger, mit etwa« Lehm vermischter Heideerde. Ungeziefer bei Vögeln zu verhüten. Verschiedene meiner Vögel (Kanarien und Finken) hatten Ungeziefer. Ich habe die Käfige, welche letzteres an und in sich bargen, mit kochendem Wasser überbrüht und die Käfige — im Winter — sodann in Schnee gesteckt, demnächst aber die Vögel in die Käfige gesetzt. Das Ungeziefer war jedoch nicht ganz beseitigt. Ich nahm nun die Vögel aus den Käfigen wieder heraus, nabm einen kleinen Pinsel, tauchte diesen in Petroleum und bestrich damit tüchtig die Käfige. Das Petroleum an den Käfigen verflüchtigte sich, die Vögel litten dadurch nicht im mindesten Schaden und es zeigte sich fortan weder an den Käfigen noch an den Vögeln wieder Ungeziefer. • .. Eine zweckmäßige Art, geräucherten Schinken «rufzubewahren. Man schneidet reines trockenes Heu in fingerlange Theile, polstert neue baumwollene Säcke damit aus und packt die Schinken recht fest in der Weife ein, daß sie auf allen Seiten gleichmäßig von dem Heu umgeben sind. Die Säcke hängt man dann an trockenen Orten auf. Die Schinken halten sich auf diese Weise mehrere Jahre lang, ohne an Güte oder Schmackhaftigkeit einzubüßen. » ♦ • Gebackener Fisch nach brafilianischer Methode. In einem Stiche Butter röstet man einen Theelöffel fein geschnittene Zwiebeln, brät darin den sauber geputzten Fisch auf beiden Seiten schön braun, fügt zu der Butter 4 Eßlöffel Rahm, etwa 10 Gramm Liebigs Fleischextrakt sowie eine Messerspitze Paprika, läßt Alles auskochen und gießt beim Anrichten die Sauce über den Fisch. In Brasilien verwendet man hierbei stets so viel Paprtkapfeffer, daß der Geschmack desselben scharf hervortritt. • Saure Eier mit Kartoffelmus. Zehn Eier werden in kaltem Wasser aufgesetzt und hart gekocht. Um 15 Pfg. fetter Speck wird in kleine Würfel geschnitten und in einem Tiegel gelbbraun gebraten, 3-4 Eßlöffel voll Weizenmehl und Psd. gelber Farinzucker zum gebratenen Speck gethan und mit diesem durchgebraten. Hierauf thut man XU Liter kochendes Wasser mit 4—5 Eßlöffel voll schwachen Essig, ein Lorbeerblatt, 3—4 Gewürznelken, ein wenig ganzen Pfeffer, englisch Gewürz und Salz dazu und läßt es zusammen durch» kochen. In diese Sauce bringt man die aus der Schale ge» lösten Eier und giebt sie mit dem in süßer Milch zubereiteten Kartoffelmus auf. Kartoffelbrei. Weiße Kartoffeln werden geschält, in Würfel geschnitten und noch durch einige Wasser gewaschen, dann werden sie in wenig Salzwaffer gekocht, zum Ablaufen auf ein Sieb geschüttet und dann durchgetrieben. In einer irdenen Schüssel stellt man dann den Brei auf einen Topf heißes Wasser, verrührt ihn mit einem Stück Butter, gießt so viel als nöthig heiße Milch daran und schlägt ihn mit dem Schneebesen bis er heiß und schaumig ist. Eingesetzte Milchwecken mit Zwetschenmus. 12 Stück altes mürbes (Milch)-Brot werden mit dem Messer eingeschnitten, (nicht durchgeschnitten), mit Milch begossen und leicht weichen gelassen, in jeden Schnitt ein messerrückendicker Scheibchen Butter gelegt, schön nebeneinander in eine Bratform gereiht, mit 4 Eiern, die in Ve Liter Milch gequirlt sind, übergossen, mit Zucker bestreut und schön goldgelb gebacken. Ein Pfund trockene Zwetschen mit Wasser weich gekocht, etwas Zucker und Zimmt dazu, die Kerne werden ausgelöst, und das Zwetschenmus mit Citronenschale Jein gewiegt und verrührt. Erbsen schnell weich* zu kochen Man weicht die Erbsen am Abend vorher ein, setzt sie in kaltem Wasser ans Feuer, und sucht sie möglichst schnell zum Kochen zu bringen. Unter gelindem Feuer bleiben sie hart. Vermischtes. Vom Kasernenhof. Feldwebel: „Kerl, Du machst ja ein Maul hin, wie ein Naturforscher, der an einem Mammuths- knochen nagt!"--Unteroffizier zum Einjährigen vr. Müller: „Gar nichts verstehen Sie, ein Dickschädel sind Sie vor lauter Gelehrsamkeit. Ist das wahr, daß Sie schon zwei Bücher geschrieben haben, wie?" — Einjähriger: „Nein, nur eins." — Unteroffizier: „Das wollte ich Ihnen aber auch gerathen haben!" Erkennungszeichen. *„Na, kleine Hedwig, ist denn Dein Brüderchen schon wieder gesund?" — „Ja, ich glaube, denn heut' hat er schon Prügel bekommen!" Fatale Einrichtung* Hausfrau (zu dem neuen Zimmerherrn): „. . . Hier haben Sie also die Schlüssel: dieser große ist für die Haustbür, der mittlere für den Corridor, und der kleine ist der Zimmerschlüssel!" - Zimmerherr (ent- setzt): „Drei Schlüssel 11 Da brauch' ich ja immer, wenn ich von der Kneipe Heimkehr', eine Stunde, bis ich in mein Zimmer komm'!" • * Summarisch. „ Während der Versammlung der Actionäre ging mein Pferd, meine Frau, mein Kassirer und mein Antrag durch." * Aus der Schule geplaudert. Lehrer (beim Unterricht in der Naturgeschichte): „Wer von Euch kann mir ein Beispiel von der Falschheit der Katze sagen?" — Der Heine Thomas (Söhnchen eines Wirthes): „Sie giebt sich gerne jur — Hasenbraten aus!" * , Schlagfertig. Principal: „Müller, wie können Sie sich untersteh'n zu pfeifen hier im Comptoir?" — Commis: „Nu, was wollen Sie mir geben deßhalb einen Verweis? I . • • Sind Sie froh, daß ich bin so vergnügt — bei der miserablen Bezahlung!" ♦ * ♦ Die Hauptsache. „Was lassen Sie Ihren Sohn werden?" - „Violinvirtuose!" - „Welchen Lehrer haben Sie denn?" — „So weit sind wir noch nicht — wir lassen ihm erst das Haar lang wachsen!" * * Populäre Botanik. Dorfschullehrer: „Was für Schwammerln giebt es bei uns?" — Sepp: „Schwammerln mit und ohne Knödel!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Nr Ui brau, Rofei im 2 häuf« den j duld! ungb daß Jose Ehe, ehe diese sam, Thr Koff Plötz weil treu das ich 1 Got