NnLerchaLtrrirgsblatL aum GLetzenev Anzeigen (Genspal-Anzeigev) Donnerstag, den 6. September. ^^MKÄ^WDWW^ÄWW^W! WSUDKWM«MMN M-K- - :' ? ;- '--. In den Fesseln der Schuld. Criminal-Novelle von C. Sturm. (Fortsetzung.) Leichenblaß und am ganzen Körper zitternd, hielt Pohl« mann den Brief der unglücklichen Rustan in den Händen und sank taumelnd auf einen Stuhl. Der bis vor einer Stunde noch so stolze und hoffnungsfreubige erste Director der Central» Commerzbank war von dieser entsetzlichen Nachricht ganz niedergeschmettert. Es dauerte einige Minuten, ehe er den auf die Brust gesenkten Kopf wieder erhob und in der furchtbaren Lage neue Pläne zu fasten suchte. Mühsam, keuchend richtete sich dann Pohlmann von dem Stuhle auf und schritt nach dem Ofen im Zimmer. Mit zitternden Händen öffnete er die Ofenthür und schob den Brief Rustans in den Ofen. Dann brannte er den Brief an und überzeugte sich durch wiederholtes Nachsehen, daß auch der Brief durch die Flammen vollständig vernichtet war. „Die erste und leichteste Arbeit ist gethan," murmelte er dann mit bebenden Lippen, „nun aber kommen die schweren, die Vertuschung der großen Defizits in der Kasse und den Wertheffecten der Central-Commerzbank und dann das Engagement eines neuen Directors. O, wie mir dieser Hillessen, dieser freche Emporkömmling, zuwider ist. Aber Rustan hat vielleicht doch Recht, Hillessen ist ein ehrgeiziger Streber, ein erzschlauer Fuchs und ein tollkühner Speculant, der oft großes Glück hatte. Er ist vielleicht doch der allein richtige Mann, den ich in dieser Situation zum Mitdirector brauchen kann. Dazu besitzt Hillessen ziemlich viel Vermögen und ein weites Gewissen. Und ich? — Ich muß weiter gegen Sturm und Wogen kämpfen wie ein verzweifelter Capitän auf zerbrochenem Schiffe. Es bleibt mir gar keine andere Wahl oder ich muß mit Schimpf und Schande und dem Fluche ungezählter Betrogenen beladen zu Grunde gehen." Pohlmann ging jetzt hastig daran, in verschiedene Bücher, welche er sich von einem Comptoiristen aus einem feuerfesten Schranke reichen ließ, falsche, den schlechten Finanzstand der Central-Commerzbank noch besser vertuschende Eintragungen zu machen, und dann wartete er mit wachsender Ungeduld auf den Comptoirdiener, den er vor einer Stunde in die allerdings ziemlich entfernt gelegene Wohnung Rustans geschickt hatte. Endlich kam der Comptoirdiener Berner keuchend vor Hast und Aufregung zurück- „Es muß ein großes Unglück pasfirt sein, Herr Director," meldete er mit fliegendem Athem. „Frau Director Rustan sagte mir unter Thränen, daß ihr Mann heute früh vor sieben Uhr schon weggeritten sei, aber bis jetzt noch nicht zurückgekom» men ist. Und da ich aus ihre Frage sagen mußte, daß auch in der Bank Niemand etwas von dem Verbleib des Herrn Directors Rustan wisse, so fiel sie mit einem Schreckensschrei in Ohnmacht." „Ich befürchte auch, daß Herr Rustan verunglückt ist," erwiderte Pohlmann, mit Mühe feine Unruhe niederkämpfend. „Ich werde sofort eine Meldung an die Polizei schreiben, wir wollen uns aber auch gleich selbst auf die Suche machen, um nach dem Verunglückten zu forschen. Ich kenne die Wege, welche der Director Rustan auf seinen Spazierritten einzu- schlagen pflegte, und vielleicht finden wir ihn eher, als die Polizei. Sie begleiten mich, Berner I Bestellen Sie meinen Wagen und bringen Sie gleich dieses Billet meiner Frau." Mit fieberhafter Eile schrieb Pohlmann einige Zeilen auf ein Billet, worin er seiner Frau mittheilte, daß vermuthlich dem Director Rustan auf seinem Spazierritte ein Unglück zugestoßen sei und daß er, Pohlmann, deshalb zu seinem großen Bedauern heute Mittag zum Empfange des Professors Galen nicht anwesend sein könne. Frau Pohlmann solle aber ganz im verabredeten Sinne den Professor empfangen und dessen Werbung um Carola auch im Namen des Vaters annehmen. Dann übergab er das Billet dem Comptoirdiener, welcher rasch davon eilte, und Pohlmann schrieb inzwischen noch eine Anzeige über den wahrscheinlich dem Director Rustan zugestoßenen Unfall an die Polizei. Diese Anzeige sandte er aber nicht direct, sondern durch die Post, denn er hatte ein gewisses Interesse daran, daß die Polizei möglichst später als Pohlmann selbst den verunglückten Rustan fände, resp. recognoscire, denn man konnte ja nicht wissen, in welchem Zustande Rustan aufgefunden wurde. * Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis Berner mit der Pohlmann'fchen Equipage zurückkam und der erregte und doch auch tief niedergeschlagene Bankdirector hatte es inzwischen für nöthig befunden, seine gesunkenen Lebensgeister durch einige Glas kräftigen Rothwetn, den er immer in einem kleinen Schranke seines Arbeitszimmers vorräthig hatte, wieder aufzufrischen. Auch dem Comptoirdiener Berner schenkte heute der Director großmüthig ein Glas Wein und bemerkte dabei: „Stärken Sie sich, Berner, denn es kann sein, daß wir eine traurige Arbeit bekommen, einen Verwundeten oder gar Tobten nach Hause zu geleiten." - 414 - Dann nahm Pohlmann Hut und Stock, verließ die Bank Und stieg in seine Equipage. Berner mußte auf dem Bocke neben dem Kutscher Platz nehmen und fort ging es im scharfen Trabe. Pohlmann kannte, wie schon erwähnt wurde, den Weg, den Rustan gewöhnlich auf seinem Spazierritte einzuschlagen pflegte, und als der Wagen die Stadt passirt hatte, fuhr man langsamer der Chaussee nach dem Waldbache entlang. Die Landschaft bestand hier meistens aus Wiesen nebst einigem Laubholz, durch das einige Promenadenwege führten. Da und dort sah man auch vereinzelt stehendes Gebüsch und einige auf den Wiesen an« gelegte Gräben. Pohlmann ließ den Wagen mehrmals halten und blickte, scharf ausspürend, nebst Berner in der Umgebung umher, um vielleicht eine Spur von dem verunglückten Rustan oder dessen herrenlosem Pferde zu entdecken. Aber man beobachtete nichts Verdächtiges und weiter ging es nun den Waldbach entlang. Derselbe war, wie gewöhnlich im Frühjahre und weil auch in der letzten Woche viel Regen gefallen war, ziemlich stark angeschwollen und veißend flössen an vielen Stellen seine Wellen. Das Ufer zeigte sich an dieser Seite auch steil und hoch, und Pohlmann, schaudernd hinab in das brausende Wasser blickend, dachte bei sich, daß Rustan bei einem jähen Sturze in den Bach auch ohne Gift den Tod gefunden haben würde. Fast alle dreißig oder vierzig Schritte ließ er den Wagen jetzt halten und spähte mit Berner und dem Kätscher in den Bach und auf die steilen Ufer desselben, aber immer war es vergeblich und keine Spur von dem unglückseligen Bankdireetor Rustan konnte wahrgenommen werden. Da, als der Wagen wieder hielt und Berner sich beobachtend auf dem Kutschersitze nach links gebeugt hatte, rief er plötzlich: „Dort schwimmt ein feiner Cylinderhut, der könnte von Herrn Rustan verloren worden sein." „Sie können Recht haben, Berner," bemerkte Pohlmann, mit starren Blicken den in den Wellen tanzenden Hut beobachtend, „aber wenn dieser Hut von Direetor Rustan herrührt, dann ist das Unglück viel weiter oben passirt, denn der Hut schwimmt doch jedenfalls schon längere Zeit im Wasser herum- Friedrich, fahren Sie im Schritt weiter und halten Sie nun nicht eher, als bis wir etwas Verdächtiges wahrnshmen." Rach einer Weile kam dem Wagen ein Feldarbeiter entgegen, welcher ein über und über mit Schaum, Schweiß und Staub bedecktes Reitpferd am Zügel führte. „Großer Gott, das ist ja Herrn Rustans. braunes Pferd," rief Berner erregt, „ganz sicher ist ihm ein schweres Unglück zugestoßen I" „Halt, Mann!" erklang es auch schon laut aus Pohl- manns Munds- „Wo haben Sie das Pferd gefunden?" „Es lief drüben im Walde herum und scheint seinen Reiter in den Bach geworfen zu haben," antwortete der Feldarbeiter, „denn es war ganz naß an den Beinen. Ich habe es eingefangen und will es in die Stadt zur Polizei führen, die wird den Eigenthümer schon ausfindig machen." „Das ist recht von Ihnen und Sie sollen dafür belohnt werden," bemerkte Pohlmann. „Wir kennen aber das Pferd, es gehört dem Bankdirector Rustan, führen Sie es also in dessen Haus, Prinzenstraße 11. Hier haben Sie einen Thaler, ich bin ein Freund des verunglückten Reiters." Dankend nahm der Feldarbeiter das Geldgeschenk in Empfang und versprach, das Pferd gewissenhaft in dem Hause des Directors Rustan abzuliefern. Wieder fuhr der Wagen eine Strecke weiter und Berner stieg dann auf das Geheiß des Bankdirectors vom Bocke, um langsam an dem Ufer des Waldbaches entlang zu gehen und nach etwaigen Spuren des Unfalles zu suchen. Rach einigen Minuten rief Berner: „Hier muß das Pferd über das Ufer gesprungen sein, denn man sieht hier die frischen Eindrücke von Pferdehufen." Pohlmann stieg jetzt aus dem Wagen und eilte an die Stelle, wo Berner die tiefen Spuren eines galoppirenden Pferdes am Uferrande gefunden hatte- Die Richtung der Hufe zeigte auch ganz deutlich, daß das Pferd in den reißen- denIBach gesprungen und ungefähr fünfzig Schritte weiter oben an einer flachen Uferstelle wieder aus dem Wasser herausgegangen war. Prüfend blickten Pohlmann und Berner umher, um eine Spur von dem offenbar verunglückten Direetor Rustan zu entdecken, aber sie fanden keine. „Der schwere Körper des Unglücklichen wird im Wasser liegen," meinte dann Pohlmann, „es wird uns weiter nichts übrig bleiben, als mit Hilfe eines gewandten Fischers und vielleicht auch unter Mitwirkung der Polizei diese Stelle des Waldbaches absuchen zu lassen." „Mir scheint es," sagte jetzt Berner, der besonders scharfe Augen besaß, „als ob schräg dort drüben am anderen Ufer ein menschlicher Körper im Wasser liege." „Dann müssen wir hinüber," erklärte Pohlmann sofort. „Weiter oben ist doch eine Brücke, wohin wir fahren können." Sofort stieg der Bankdirector wieder in den Wagen und Berner kletterte wieder auf den Bock, worauf man im schnellen Trabe weiter hinauf nach der Brücke und über dieselbe auf das andere User des Waldbaches fuhr. Nach der Stelle des Ufers, wo Berner einen menschlichen Körper gesehen zu haben glaubte, führte kein Fahrweg, sondern nur ein schmaler, wenig begangener, schlechter Fußweg, der Bankdirector und Berner stiegen daher vom Wagen und gingen nach der erwähnten Uferfielle, die sich Berner ganz genau gemerkt hatte. Dieser lief ^überhaupt einige Schritte voraus, da der ziemlich beleibte Director nicht so rasch gehen konnte. Dann blieb auf einmal Berner am Ufer des Baches stehen und starrte entsetzt einige Augenblicke vor sich hin. Muthig sprang er darauf in den an dieser Seite des Ufers ziemlich seichten Bach und zog den leblosen Körper des Bank- directors Rustan aus dem Wasser. Die Hände ringend und jammernd kam nun auch Herr Pohlmann heran und sagte traurig: „Er ist wohl tobt und jede Hoffnung, ihn in's Leben zurückzurufen, vergeblich?" „@inen Versuch wollen wir noch machen," meinte Berner und hob den Körper Rustans so, daß das Wasser aus dessen Munde laufen konnte und dann legten die beiden Männer den Körper auf den Rücken, und versuchten ihm durch Drücken auf die Brust künstlich Athem einzufiößen, aber diese Versuche waren ganz vergebens, der Bankdireeto^ Rustan blieb tobt. „Hier ist jede Hilfe umsonst," bemerkte Berner, „denn Herr Rustan hat nach dem Sturze vom Pferbe wahrscheinlich zwei Stunben in dem Wasser gelegen. Auch fand ich ihn mit dem Gesicht nach unten liegend, da muß er doch ertrunken sein." „Es ist eben nicht die geringste Aussicht vorhanden, Herrn Rustan in's Leben zurückzurufen," entgegnete Pohlmann. „Wir werden wohl am besten thun, wenn wir den Leichnam jetzt hier lassen." „Wir werden ihn auch schwer hier fortbringen können," bemerkte Berner. „Dann ist es aber auch besser, wenn die Polizei, um allen üblen Gerüchten vorzubeugen, selbst den Leichnam an Ort und Stelle des Unglücks aufhebt," erklärte der Director Pohlmann. „Bleiben Sie also hier, Berner, und halten Sie bei der Leiche Wache. Ich werde sehr rasch in die Stadt zurückfahren und die nöthige Meldung machen." Pohlmann wandte sich zum Gehen, dann aber plötzlich umkehrend, sagte er noch: „Sehen Sie doch einmal nach, Berner, ob an der Leiche vielleicht eine Blutspur oder sonstige Verletzung wahrzunehmen ist. Es wäre doch nicht unmöglich, daß ein Verbrechen begangen wurde. Auch wollen Sie nachforschen, ob Uhr und Geldbörse noch bei dem Verunglückten vorhanden ist. Ich habe in der ersten Aufregung gar nicht daran gedacht, danach zu sehen." „Uhr und Börse ist hier," entgegnete Berner, die Leiche untersuchend, „also scheint ein Verbrechen ausgeschlossen zu sein. Und an dem Körper sehe ich auch keine Verwundung, nur scheint bei dem Sturz vom Pferde Herr Rustan einen starken Stoß vor den Kopf erlitten zu haben, denn hier an der linken Seite desselben ist eine starke Abschürfung der Haut noch unter den Haaren zu erkennen." Pohlm Tobten A Verdaö lieb, bi Vergift zunehm Ui gegangi konnte baß Ri Ei Leiche i Gericht verstän! Sturz kommen nach eii Ai Absicht, Villa ei mit Au Glückes zum He Ernst ss ehrten i großen Carola S< wie ein der sein jungen Liebesgl Senken verrath« auf's 9i Pohlma er die l sr seinem । empfang tor Pol Eii bei dies« gleiten, des Glü Werbung Di, fort den Galens bitte, ke fessor. und nur direetor bei eine» zu unser Sie jetzt mich ga» er wird Herzen g und noch «Ui dige Fra Ihrer F mir Ihr« frug jetzt voll und Antlitz d „M "Nun, wir wollen hoffen, daß der Unfall nicht schlimm S'u Einte Ernst Pohlmann, „Herr Rustan gilt als guter Reiter. Freilich kann man trotzdem von einem scheuen P erde abgeworfen werden und Schaden nehmen. Aber hoffen wir ! das Beste! Eine trübe Stimmung paßt nicht für unseren heutigen Freudentag. Wir wollen jetzt ein wenig in den Garten gehen, den Sie ohnedies noch nicht kennen, lieber Professor. Auch habe ich bereits unserem Diener gesagt, nach dem Pavillon einige Erfrischungen und eine Flasche Sekt zu bringen. Bitte, Carola, das verlobte Paar hat heute die Ehre des Vortritts. Dein Bräutigam weiß auch noch nicht den Weg nach unserem Garten über die Hintere Freitreppe. Die Mutter und ich folgen." Bald wandelten in den sauberen Wegen des in der Pracht des Lenzes so entzückenden Gartens vier glückliche Menschen, Carola am Arme ihres Verlobten und Frau Director Pohl- mann am Arme des Sohnes, auf und ab und freuten sich nicht minder über die blühenden Blumen und Bäume, als über das eigene Herzensglück. „Noch einmal dürfen wir aber nun doch nicht an diesem einladenden Pavillon vorbeigehen," meinte dann scherzhaft Frau fDirector Pohlmann und vertrat den Verlobten den Weg, welche in ihrem Glücke die ganze Welt um sich herum sammt den wiederholten Einladungen zum zweiten Frühstück im Pavillon vergessen zu haben schienen. Nun traten sie ein, und Ernst Pohlmann trank als Ver- treter des Vaters das erste Glas Sekt auf das Wohl der Verlobten, worauf Professor Galen mit einem herzlichen Trink- fpruche auf die Eltern seiner Braut und seinen lieben Freund und Schwager, den Referendar, antwortete. Dann schritt Galen an Ernst heran, gab ihm den Bruderkuß und sagte: „Dir, mein lieber Ernst, haben wir, wenn ich es mir so recht überlege, doch unser ganzes Glück zu danken, denn wenn Du nicht mein Freund wärest, so wäre ich auch nicht in Euer Haus gekommen und hätte noch keine Braut." 3m«‘Äa” 9*"” bKKSchmM-i und wantte Wtat'jitfgen UmMndm, m ROm- Pf-rb dm«. ötaÄÄ* *“ *“ -MWE - verständlich an, daß Rustan durch einen verhängnißvollen ersten Kusse in seine Arme. 6 U£ f b Sturz von seinem scheu gewordenen Pferde um's Leben ge- | Einige Augenblicke blieb das neu verlobt- atm« f°m!«en war, daß Niemand auch im Entferntesten daran dachte, I um sich in seinem wonnigen Glücke zu finden und das er»- nach einer anderen Todesursache an der Leiche zu forschen. vertrauliche „Du" auszLschen 8 h Unb bftä erfie * * * | Dann traten die Frau Director Pohlmann und auch Ernst ®arolas werben, ttt die Pohlmann'sche I Gast, Herr Schwiegersohn," bemerkte dann Rrau Boblmann sn6t^ 6r stiwmtliche Bewohner derselben, I „Ich hoffe auch, daß nun mein Mann bald zurückkehren und Ausnahme des abwesenden Hausherrn, die Sonne des I an unserer großen Freuds theilnehmen wird" $ Glückes glänzend auf. Mit dem rhm eigenen und doch so sehr I „Ich würbe mich allerdings fefir freuen' amb «nm Ä sr dringenden milden Lächeln empfing der Referendar I Director bald die Bestätigung unseres Glückes zu hören" saate Ernst Pohlmann beretts an der Thüre des Hauses den vsr- Professor Galen, „denn bei"unserem Verlobunasfeste darf ehrten und geliebten Freund und geleitete denselben in den Carolas Vater nicht fehlen." 3 r bctrf lr°pefn Gßsalon, wo der Professor von Frau Pohlmann und i „Ich sandte einen Boten in Director Rustans Laus um Kv,beC: ^b"^E^igsten Weise empfangen wurde. I nähere Erkundigungen über den Unglücksfall einzuWen' und . Schdn wie eine Mairoft und doch so bescheiden und keusch I meinem Mann sagen zu lassen, daß er bald nach Hause kommt wie em stilles Veilchen stand Carola vor dem stattlichen Freier, I denn er wird wohl bei Rustans sein oder doch dahin kommen' der ferne dunklen Augen tief in die blauen Augensterne des I um die Familie zu trösten, falls Herrn Rustan ein ernstlicher jungen Mädchens senkte, als wollte er sich nochmals seines I Unfall betroffen hat. Es ist recht bedauerlich daß gernde verrathenden Aufblick derselben überzeugte den Professor Galen auf's Neue, daß er geliebt wurde, innig geliebt von Carola Pohlmann, und sein eigenes Herz verkündete ihm jubelnd, daß er die Rechte gefunden hatte. „Mein Mann läßt sich bestens entschuldigen, daß er zu seinem großen Bedauern verhindert ist, Sie jetzt nicht selbst empfangen zu können," sagte nach der Begrüßung Frau Director Pohlmann in der verbindlichsten Form zu dem Professor. Ein Schatten des Unmuthes, ja, der Enttäuschung schien bei dleser Mrttheilung allerdings über das Antlitz Galens zu gleiten, denn sein Herz begehrte jetzt stürmisch nach Vollendung des Glückes, welches nur das Jawort des Vaters zu Galens Werbung geben konnte. Die wettkluge Frau Director Pohlmann merkte aber sofort den kritischen Augenblick für die bevorstehende Werbung Galens und sagte alsbald mit herzlichster Freundlichkeit: „Ich bitte, kein Mißverständniß aufkommen zu lassen, Herr Pro- sesjor. Sie sind meinem Manne und mir sehr willkommen und nur ein unerwarteter Unglücksfall, welcher Herrn Bank- oirector Rustan, den Collegen meines Mannes, heute Morgen bei einem Spazierritte wahrscheinlich betroffen hat, verhindert zu unserem und meines Mannes großen Bedauern, daß er Sie jetzt so gern empfängt, wie ich es thue. Betrachten Sie mich ganz und gar als die Stellvertreterin meines Mannes, er wird auch sicherlich bald eintreffen und Ihnen dann von 911168 das bestätigen, was ich Ihnen gesagt habe und noch sagen werde." .Und so darf ich mir erlauben, darf ich es wagen, gnä- M Frau, bei Ihnen und Ihrem Herrn Gemahl um die Hand Fräulein Tochter zu werben, darf Sie herzlich bitten, nur Ihre Fräulein Tochter anzuvertrauen für's ganze Leben ?" «rüg letzt der Professor in seiner liebenswürdigen Weise und E und fest ruhten seine schönen, treuherzigen Augen auf dem Antlitz der Mutter der Geliebten. »Mein Mann und ich willigen von Herzen gern in die I 416 Lächelnd wehrte der junge Referendar ab und meinte, daß der Liebesgott Amor schon Gelegenheit gefunden haben würde, diese zu einander gehörenden Herzen zu vereinigen." (Fortsetzung solgt.) Gemeinnütziges. Conservlrung frischer Erbsen. Um junge Erbsen den Winter hindurch frisch zu erhalten, empfehlen wir folgendes Verfahren: Die frisch gepflückten, ausgehülsten Erbsen bringt man in ein weithalsiges Einmachglas, verkorkt dieses gut und verschließt den Korkpfropfen mittels Bindfadens. Die mit Erbsen gefüllten Gläser umwickelt man mit Heu und stellt sie aufrecht in einen eisernen oder kupfernen Kessel, dessen Boden entweder etwa- mit Heu oder mit einem Tuche zu bedecken ist. Den Kessel füllt man bis zur Höhe des Halsrandes der Ein- machgläser mit kaltem Wasser an und erwärmt letzteres langsam bis zum Sieden. Hat das Wasser den Siedepunkt erreicht, so ist sofort der Kessel vom Feuer zu entfernen. Nach dem Erkalten des Kesselwassers nimmt man die Einmachsgläfer aus demselben, versiegelt oder verlockt die letzteren gut und bewahrt sie bis zum Gebrauche ihres Inhaltes in dem Keller. Zu bemerken ist noch, daß die Einmachgläser nicht ganz, sondern nur bis an den Halsrand mit frischen Erbsen angefüllt werden dürfen. * * Gurken bis in den Winter hinein frisch zu erhalten. Man suche dort, wo die sinkende Temperatur im September der Gurkenzeit im Freien schon ein jähes Ende bereitet, die schönsten und vollkommendst n aus und sehe darauf, daß dieselben dicht an der Ranke abgeschnitten werden, so daß der Stiel an der Gurke bleibt, um sie später daran aushängen zu können. Die Gurken werden sodann, wie die „Landw. Pr." mittheilt, in reinem Wasser mit einer weichen Bürste vorsichtig und sorgfältig von jedem Schmutz gereinigt und gut abgetrocknet. Darauf bestreicht man dieselben mit Eiweiß und zwar so, daß keine Stelle der Oberfläche unbestrichen bleibt. Da das getrocknete Eiweiß eine undurchdringliche, den Lustzutritt hindernde Schicht bilden soll, so ist auch eine sorgsältige, allseitige Einpinselung von größter Wichtigkeit. Die so hergerichteten Gurken werden mit den Stielen an einer Schnur in einem trockenen Raume aufgehängt, fo daß sich die einzelnen Stücke nicht berühren. Auf diese Weise halten sich die Gurken bis über Weihnachten hinaus in bestem frischem Zustand. * * Keine von Rost befallene Pflanzen auf den Komposthaufen! So sehr im Garten alle, selbst geringste Absälle von Pflanzen rc., abgestochene Rasenstücke rc. zur Kom- postbereitung geschätzt werden sollten, so fehlerhaft ist es, was leider fast stets geschieht, pilzkranke Theile, wie berostetes Bohnen- und Erbsenstroh, Spargel-, Zwiebel- oder Kartoffelkraut, pilzgeschwärztes oder vermilbtes Birnlaub rc. dazu zu verwenden. Ebenso fehlerhast ist es, „kiöpfige" Kohlstrinke, madendurchsetzte Retttge oder Mohrrüben, refp. deren Absälle, auf das Kompostmagazin wandern zu lassen; es wird dadurch ein förmlicher unversiegbarer Brutherd für kommende pflanzliche und thierische Schädlinge geschaffen! Alles das sollte am besten aufgebeugt und gleich verbrannt werden; die Asche davon, selbst der durchhitzt gewesene unverbrannte Rest bleibt immer werthvoll. Zimmergarten. Eine hübsche Ueberraschung können sich Pflanzenfreunde leicht bereiten, wenn sie im September oder October einen flachen Kasten mit Walderde füllen und während des Winters im geheizten Zimmer stehen lassen. Es dauert gar nicht lange, so grünt es, und zu Weihnachten kann man die schönsten Waldpflanzen aller Art haben. Champagner aus Apfelwein. In eine Flasche fertig vergohrenen Apfelwein thut man zuerst 50 Gramm weißen Zucker, wenn derselbe geschmolzen, Vie Liter Weingeist (Spiritus) und läßt sie eine halbe Stunde stehen, dann 8 Gr. Weinsteinsäure, und zuletzt 12 bis 15 Gramm kohlensaures Natron. Beim letzten Zusatz muß aber der Stopfen rasch darauf gethan und festgebunden werden. ♦ * * Champagne »-Bier. Dieses angenehme, leichte und erfrischende Getränk läßt sich ohne große Schwierigkeiten Herstellen. In einem großen, sehr sauberen irdenen Topf kocht man 20 Liter Wasser mit 1‘A Pfund Zucker, bis letzterer völlig ausgelöst ist. Ist das Wasser vollständig erkaltet, so thut man 60 Gramm Hefe hinein, rührt gut ein, deckt das Gefäß zu und läßt es über Nacht so stehen. Am folgenden Tage schöpft man die Hefe oben ab, stellt die Flüssigkeit an einen Ort und gießt sie in ein anderes Gefäß vorsichtig ab, um die auf dem Boden angesetzte Hefe nicht damit zu vermischen, wirft hierauf eine in Stücke zerbrochene Stange feinen Zimmt und 30 Gramm Zucker, auf den man 12 Tropfen Citronenöl gegossen, hinein, läßt das Getränk einige Stunden damit durchziehen und zieht es auf Flaschen, die man sehr fest verkorkt und in den Keller legt, worauf man nach 4 bis 5 Tagen das Champagnerbier trinken kann. ♦ ♦ ♦ Kürbis-Auflauf bereitet man auf folgende Weise: Man kocht einen steifen Milchreis und läßt ihn erkalten, setzt dann einen zubereiteten Kürbis mit ein wenig Wasser aufs Feuer und kocht davon ein recht weiches Mus, welches man, sobald es fertig ist, zum Abkühlen auf die Seite stellt. Man vermischt den Reis mit 2 bis 3 Eigelb, etwas gehackten Mandeln, Zucker, dem Schnee der Eier und zuletzt dem Kürbismus, füllt die Masse in eine mit Zwieback bestreute Auflaufschüffel, bestreut auch die Speise nach oben damit und läßt den Auflauf im Ofen zu schöner gelbbrauner Farbe backen. Vermischtes. Im Geschäftseifer. Perrückenmacher: „Ich kann Sie nochmals versichern, gnädige Frau, daß kein Mensch von mir jemals erfahren soll, daß Sie falsches Haar tragen. Ueberhaupt gehört strengste Discretion zu meinem Geschäftsprinzip. Sehen Sie z B. die Frau Geheimrath Müller trägt auch falsche Haare, aber ich sage es keinem Menschen." • • • Alte Gewohnheit. „Sie haben eine Klingel statt der Gerte mitgenommen?" — „Ja wissen Sie, mein Gaul war früher bei der Pferdebahn, und da muß ich ihm immer zweimal klingeln, wenn er stehen bleiben, und einmal, wenn er laufen soll." * , * Im Bade. Korpulenter: „Weshalb ich hier bin? Nun, der Arzt hat mir dies Bad verordnet, damit ich etwas ab- nehme?" — „Magerer: „Und mein Arzt hat mir dasselbe Bad verordnet, damit ich fetter werde." — Korpulenter: „Natürlich, was von dem einen abfällt, bekommt der andere." ♦ ♦ ♦ Vorübung. Unteroffizier (der einen Gefreiten gotteslästerlich fluchen hört): „Warum fluchst Du, verdammter Kerl?" — Gefreiter: „Ich bereite mich auf das Unteroffizier- Examen vor." ♦ # * Die Redselige. Erster Herr: „Mein armer Papagei." — Zweiter: „Wie so arm?" — Erster: „Seit ich eine Frau habe, kommt der gar nicht mehr zu Wort!" Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.