AnterchaLtungsblatt zürn Gretzenev Anzeiger» (Genevnl-Anzeigev^ Nr. 77 KM MMWW-F^ Donnerstag, den 5. Juli. M^UU-ÄS?^ 1 .. Die Hexe von Bingenheim. Von Gg. Schäfer. (Fortsetzung.) Im Sommer kam die landgräfliche Familie wieder nach Bingenheim zurück. Der Fürst halte sich völlig erholt und freute sich auf die Jagden, welche bevorstanden. Besonders waren in den Forsten zwischen den Orten Blofeld, Bingenheim, Echzell, Bisses und Nidda starke Hirsche vorhanden. Im September sollten einige erlegt werden. Commissarius Caspari war sonst ein Freund von Jagdparthien. Dieses Jahr reizte ihn das edle Waidwerk nicht, er blieb zu Hause. Mitte September kam der Schultheiß von Geiß-Nidda und zeigte an, daß einem dortigen Bürger grausame Thaten durch Hexen und Zauberer zugefügt würden. „Drei Stück Rindvieh sind dem Mann kurz hintereinander und jedesmal urplötzlich gefallen," berichtete der Schultheiß. „Am Herz der Thiere hat ein weiser Mann aus Echzell erkannt, daß das Vieh von Zauberern heftig angegriffen ist. Das Herz des letzten Stückes wurde in eine Schweinsblase gethan und in den Schornstein gehenkt. Von Zeit zu Zeit wurde es herabgenommen und mit Ruthen gepeitscht. Die Schläge haben die Hexe getroffen, denn diese ist bald darauf zwischen zwölf und ein Uhr Mittags in's Haus gekommen und wollte durchaus in das Wohnzimmer, wurde aber nicht Hineingelaffen. Das Herz hing so lange im Schornstein, bis der Bindfaden brach; an dem- selbigen Tage starb die Hexe. Wäre dies nicht geschehen, hätte sie die Menschen angegriffen und umgebracht, wie sie es zuerst mit dem Vieh lhat. Darum schafft Abhülfe, Herr; es gibt noch viele Hexen in der Welt." „Wollen sehen, was gethan werden kann," antwortete Caspari und entließ den Schultheißen. Durch diese Anzeige fiel dem Commiffarius ein, daß die Angelegenheit mit der alten Beilstein noch nicht ganz geordnet ‘nmr und daß die Papiere der Sibille König noch in der Schublade verschnürt und uneröffnet lagen. „Hier bietet sich wahrscheinlich ein Mittel, die rückständigen Kosten beizubringen," dachte der Richter; „ich werde das Packet öffnen und den Inhalt vrüfen." Schon wollte der Commiffarius das Päckchen herbeiholen, als er zum Landgrafen berufen wurde. Zwei Tage später war große Jagd, Caspari nahm nicht Theil daran. Am Nachmittage, als die Kanzlei ganz leer war und eine Störung nicht in Aussicht stand, holte der Richter das Päckchen hervor; es fühlte sich an, als ob auch ein metallener Gegenstand darin eingewickelt fein könnte. „Vielleicht steckt ein Schmuck- oder Schaustück in den Papieren, wir werden dann um so eher zu unseren Auslagen kommen," sprach der Hexenmeister mit zufriedener Miene. Er nahm eine große Papierscheere, schnitt die Bindkordel durch, löste die Siegel und öffnete das Päckchen. Obenauf lag ein Blatt Papier, darauf stand geschrieben: Geburtsprotokollum. Sibille Margarethe, Michail Casparis und seiner Gattin Elfriede Sophie, einer geborenen von Lichtenfels filia, ist den löten Apriüs Vormittags zwischen 10 und 11 Uhr zur Welt geboren und den 21. Aprilis christlich getauft worden. Sind Gevatterinnen gewest: Sibille, Fried ericke von Lichtenfels, der Mutter Schwester, und Wilhelmine Margarethe Caspari, des Vaters Schwerer. Gott friste dem Kindlein sein Leben, daß es fromb und zur Gottesfurcht erzogen werden möge. Homburg, den 21. Apr. 1640. Georg Heinrich Schneider, (Siegel.) Kirchenrath. Der Commissarius las das Geburtsprotocoll noch einmal laut vor, weil er beim erstmaligen Lesen seinen Augen nicht traute. „Das ist der Taufschein meines ältesten, früh gestorbenen Töchterleins!" sprach er. „Wie kommt dieses Schriftstück in die Hände der Beilstein! Sollte hier ein Diebstahl oder Raub vorgekommen sein? Dann wehe der ganzen Sippschaft! Sehen wir weiter, vielleicht geben die übrigen Papiere Ausschluß!" Vorsichtig schlug Caspari das zweite Blatt auseinander; gierig verschlangen seine Augen die Zeilen und blieben, wie bei dem eisten Protocolle, auf der Unterschrift des Kirchen- rathcs Schneider und dem großen Siegel haften. Auf dem Blatte stand geschrieben: Copulsationsprotokollum- Michail Caspari, Landgröflifch Hessen-Homburgifcher Secretorius allhier und Fräulein Elfriede Sophie, Herrn Rvprechten von Lichtenfels älteste Tochter, sind heute von mir ehelich eingesegnet worden und haben ihren christlichen Kirchgang gehalten. Homburg, den 5. Mai 1639. Georg Heinrich Schneider, (Siegel.) Kirchenrath. „Hier habe ich meinen Originaltrauschein in der Hand!" rief Caspari erregt. „Tas ist ja Zauberei und Teufels- bleudwerk. Sollte die alte Beilstein noch nach ihrem Hinthun 306 - die Fähigkeit besitzen, Hexenstücke und Zaubereien zu verüben? Ich muß weiter forschen." Er schlug den folgenden Bogen auseinander und las sogleich laut vor: Actum: Ober-Eschbach den 24. Octbris 1640. Erschien vor mir Anna Maria, Ehefrau des Forsthüters König, flehentlich bittende, als möchte ich staute pede mit in ihr Haus kommen, da eine fürnehme Frau dringend meiner begehre. Begab mich also dahin und fand wie berichtet, verlangete die todkranke Frau alles zur Nachricht nieder zu schreiben, da ihr End bevorstehe. Sagete also: Ich bin die Ehefrau des land- gräfl. Herrn Secretarii M. Caspari —" „Gott sei mir gnädig!" stieß Caspari hervor, ließ das Blatt fallen und sprang auf. „Das war mein heißgeliebtes erstes Weib, wie kam es nach Ober-Eschbach?" Er setzte sich nieder, ergriff das Blatt von Neuem und versuchte zu lesen. Allein die Hände zitterten heftig und vor dem Angesichte schien ihm ein schwarzer Schleier zu hängen, daß er keinen Buchstaben zu unterscheiden vermochte. Endlich hatte er die gewaltige Erregung etwas niedergekämpft; er ergriff das Blatt wieder und begann laut zu lesen: „Ich bin die Ehefrau des landgräflichen Herrn Secretarii M. Caspari. Hetnt Nacht seyndt die Schweden in Homburg eingebrochen, haben alles niedergemacht, Männer, Weiber, Greise und Kinder umgebrungen, auch mir Gewalt angethan. Habe mich, als der Morgen graute, mit meinem Kindletn durchgeschlichen, vorher die Familienpapiere zu mir genommen und bis hierher gelanget. Mein Mann ist seit sechs Wochen in Nürnberg und dort an einem hitzigen Fieber gestorben —" „Gerechter Gott!" rief Caspari; „das war mein Vetter Martin Carpari, in Diensten des Churfürsten von der Pfalz; er starb in Nürnberg, nicht ich. Mein Brief muß verloren gegangen fein. O, mein armes Weib, welche Höllenqualen mußt Du erduldet haben. Und mein zartes Kindchen, wo mag es hingekommen sein!" — Nach einem tiefen Seufzer las der (SpYPHTiAfpr tnpifpr * unser Haus ist in Homburg niedergebrannt, der Inhalt geraubt oder zerstört worden, konnte nur das nackte Leben, das Kindlein und die Familienpapiere davonbringen." „Mein Kind, mein Kind!" jammerte Caspari. „Wo mag es geblieben sein, was wird es erduldet haben?" Nun fühle ich, daß mein Ende nahet. Diese gute Frau Anna Maria König hat mich ausgenommen, auch vorgestern selbst ihr Kindlein von ungefähr gleichem Alter durch den Tod verloren. Will mein Kindlein auf- und annehmen, bis Hülfe kommt; hat mein Kindlein auch getränket und schläft nun in dem Bettlein des Verstorbenen. Vertraue ich also in meiner Todesstunde diesem gottesfürchtigen Weibe mein Liebstes an; übergebe ihm unsere Familienpapiere und ein Familienschmuckstück, so meine Urahntn vor mehr denn hundert Jahren von dem Durchleuchtigen Landgrafen Herrn Philippen dem Großmüthigen empfangen; soll die Papiere und das güldene Stück fein aufheben und dem Kinde geben, so es einundzwanzig Jahr, oder vor deffen Heirath, so es vor diesem Alter hei- rathen möchte. Verspricht auch genannte Anna Maria König, alles getreulich zu halten, nach den Verwandten des Kmdes fleißig zu forschen und Kind, Papiere und Familienstück zurückzugeben, so sich die Verwandten finden würden. Wohl weiß ich, daß ich ein Großes von dem frommen, gottesfürchtigen Weibe fordere, jedennoch thue ich es, diewecken mein Kmdlein sonst elendiglich verschmachten müßte. Obgleich ich durch den Raub und Brand der Schweden ganz arm worden und der frommen Anna Maria nichts hinterlassen kann, will sie sich des Kindleins doch erbarmen. Mein Gebet und der Segen einer Sterbenden begleite sie durch's Leben. Darauf wurde die fürnehme Frau schwach und lag bei einer Viertelstunde ganz stille, regele sich aus einmal das kleine Mägdlein in der Wiegen, maßen die Anna Maria König das Kindlein in die Arme nahm und tränkte. Da that die fürnehme Frau noch einmal die Augen auf und lächelte, winkte auch das Weib mit dem säugenden Kindlein herzu, legte jedem eine Hand auf das Haupt und verschied mit gottergebener, heiterer Miene. Zwei Tage hernach ist die Frau in Ehren auf dem hiesigen Friedhofs bestattet worden, hat auch einen feinen Ruheplatz neben dem alten Pfarrherrn erhalten. Solches zur Nachricht hierher gesetzet, unterschrieben und mit dem Schultheißensigillum versehen worden. Joh. Pet. Himmelreich, Schlthß." Der Commiffarius sprang wieder auf und ging hin und her. „Nun weiß ich," sprach er, „daß mein liebes Weib ttt' Ober-Eschbach starb und dort ehrlich beigesetzt wurde. Einen schrecklichen Tod in den Flammen — wie die Nachbarn berichteten — erduldete sie nicht. Nun muß ich mein Kind finden oder ausklären, ob es noch lebt oder nicht, muß wissen, wie diese Hexe Beilstein zu den Papieren und zu dem Familien- schmuckstücke kam." Er sah die Blätter von Neuem durch und fand auf der vierten Seite des Ober-Eschbacher Protokolls einen weiteren Eintrag, welcher also lautete: „Erschien Anna Maria König bei mir und deponirete: Mein Mann ist mit den schwedischen Kriegsvölkern davon gegangen und hat mich im Elend gelassen. Bleibet mir nichts anderes übrig, als mit dem Kindlein in meine Heimath nach Bingenheim, einem Dorfs in der Wetterau bet Echzell, zu ziehen, allwo meine Eltern noch leben. So Jemand nach mir oder dem Kindlein fraget, bitte ich, es dorthin zu verweisen. Mein Vater heißet Johannes Beilstein —" Mit einem furchtbaren Schrei sprang Caspari auf, ohne das Schriftstück zu Ende zu lesen. „Gerechter Gott!" rief der Hexenrichter. „Diese Sibille Margarethe König ist mein eigenes Töchterchen!" Ohnmächtig brach er zusammen und stürzte der Länge nach auf den Boden. Todtenstille herrschte in dem Gemache, man hörte das Bohren und Knistern der Holzwürmer in den alten Möbeln. Nach einer Weile kam dem Manne das Bewußtsein wieder; er erhob sich mühsam und ließ sich auf den Sitz nieder. „Ich muß Alles zu Ende bringen!" sprach er heiser; „was steht noch hier?" „Mein Vater heißet Johannes Beilstein, meine Mutter Anna. Siegelt alles ein, Papiere und Schmuckstück, und schreibet auf das Päcklein den Namen Sibille Margrethe König, damit kein Unberufener hineinschaut. Es hat sich Niemand um das Kindlein gemeldet, will es darum als mein erb und eigen annehmen und ihm auch meinen Namen geben. Ist also geschehen und bestätiget worden, soll aber noch constatiret werden, daß das Kindlein am linken Oberarm ein kleines Pläck- lein trägt, gleich seiner verstorbenen Mutter. Solches zur Nachricht wiederumb hergesetzet, unterschrieben und besiegelt P^. Himmelreich, Schlthß." Caspari schaute auf; sein Gesicht war kreidebleich, sein sonst noch dunkles Haar war grau geworden. „Was habe ich gethan!" stöhnte der Richter. „Ich bin ein zweiter Kain, der die alte Frau tödten ließ, welche mein eigen Fleisch und Blut aufzog, es wie einen Augapfel hütete und es abgöttisch liebte. Mein väterliches Herz regte sich, als ich das schöne Kind vor zehn Jahren zum ersten Male beim Blumenstreuen sah, aber ich drängte diese Regung au- greulichem Hochmuths und unsäglichem Dünkel zurück, weil ich glaubte, es sei aus niederem Stande. Wieder und wieder schlug mir mächtig das Herz, wenn ich die liebliche Erscheinung sah und jedesmal hat die teufelische Aufgeblasenheit die lieber* Hand behalten- Ich werde wahnsinnig, wenn ich daran denke, daß der Henker dem Kinde die Kleider vom Leibe riß und daß ich das Pläcklein auf dem Oberarm nicht sogleich als ein Muttererbstück erkannte. Ich bin ein Teufel, ein Kain, ein Satan, ein Scheusal, wie das Kind selbst und seine treue zieherin, die alte Beckstein, sagten! Au meinem eigenen Flefich und Blut sollen mit meine Missethaten heirnzezahlt werden, sprach das Kmd vor der Folter!" 307 Ein schauerliches, heiseres Lachen entrang sich der Brust des Richters; starr sah er vor sich hin. „Wie oft," begann er wieder, „sagte der Fürst zu mir: «S gibt weder Hexen noch Teufel, wir werden uns später daran erinnern. Ob mir mein eigen Kind nicht gefiele? fragte er mich. Wer ein solch schauerlich Werk anstnge, würde davon verschlungen, sprach er. Mit kaltem Blute habe ich sechzig unschuldige Menschen zur Schlachtbank geführt. Es gibt keine Hexen, aber Teufel, Satans und Unholde, die sitzen im Menschenherzen und sind schrecklicher, al» die gräßlichsten Un- geheuer. Tiger, Hyäne, Rabe und Geier sind zahme Geschöpfe mir gegenüber. Das herrliche Mädchen muß irgend ein deutlicher verwandtschaftliches Gefühl in der Brust gehabt haben, denn vor der Folter sagte es: Haß und Feindschaft fühle ich nicht gegen Euch, wohl aber Ascheu, Widerwille und Verachtung. Mein Kind! Mein Kind! Mein herrliches Kind! Könnte ich Dir nur einmal in's Auge sehen, ehe ich sterbe. Dieser Bardenstein fand die Perle heraus, mit seinem ganzen Menschen hat er sie erkämpft, er muß glücklich werden, er ist ein ganzer Mann, darum habe ich ihn ja so angefeindet. Mein ganzes System ist jämmerlich zusammengebrochen! Nichts, gar nichts ist geblieben. Ich wage nicht, mein Weib, meine Kinder, meine Schwester noch einmal zu sehen. Bei der regten sich auch die Banden des Blutes, denn sie trat immer warm für das schöne, brave Mädchen ein. Fort hinaus aus diesem Leben, hier habe ich nichts mehr zu suchen!" Caspari faltete die Papiere mit dem Schmuckstück sorgfältig zusammen, barg sie in der Brusttasche seines Rockes, steckte die Rsiterpistole dazu und eilte scheu aus dem Schlöffe, am Friedhöfe vorbei, hinterm Löwenbusch her nach dem Walde. Der Brandpfahl, an welchem der alte Seltgmann sein Ende gefunden, ragte schauerlich in die Luft. Zwei Waldarbeiter sahen den Hexenrichter nach dem Walde streben und fanden ein unstätes, aufgeregtes Verhalten an ihm; leise und ungesehen schlichen sie nach. — (Schluß folgt.) Gemeinnütziges. Zur Unterhaltung für unsere Kleinen- 1. Windmühle. Auf ein Cigarrenkistchen leimt man die abgeschnittenen Enden einer Garnrolle auf. In die Löcher steckt man runde Stäbchen, die oben einen kleinen Schlitz haben. In eine Garnrolle bohrt man vier Löcher, die zur Aufnahme von vier Streichhölzern dienen, die zwei und zwei möglichst senkrecht gegen einander stehen. In die zur Hälfte gespaltenen Streichhölzer steckt man Spielkarten und schiebt dann die Rolle auf einen in die Gabeln der senkrechten Stäbchen zu legenden Querstab. 2. Haltbare Seifenblasen. Die Seifenblasen, welche unseren Kleinen so viel Freude machen, haben den einen Fehler, daß sie schnell platzen. Nachfolgendes Mittel, um sie haltbar zu machen, wird daher willkommen sein: Ein Theil weiße Waschseife wird mit zwei Theilen Glycerin in Waffer gelöst und gemischt und dann längere Zeit stehen gelaffen. Aus Eisendraht formt man einen Ring mit drei Füßchen. Wenn man 'nun diesen Ring mit etwas Glycerin befeuchtet, so kann man eine aus obiger Mischung mittelst einer Thonpfeife oder eines Röhrchens hergestellte Seifenblase, welche man vorsichtig behandelt, aufsetzen; sie wird dort längere Zeit stehen bleiben. Ferner bildet man aus angerostetem Eisendraht einen Würfel, der oben eine kleine Handhabe erhält. Taucht man nun diesen Würfel in die Flüssigkeit, hebt ihn vorsichtig wieder heraus und bringt die Seifenblase in seinen Hohlraum, so wird man in dem Würfel einen zweiten erscheinen sehen. ♦ * * Das Riechen des Fleisches ist namentlich im Sommer oft nicht zu verhüten und kommt bei Wildbret bekanntlich «auch mitten im Winter vor. Ein einfaches Mittel, den unangenehmen Geruch zu entfernen, besitzen wir im gewöhnlichen Kamillenthee. Bei auch stark angegangenem Wild wirkt Ab- irühen mit heißem Kamillenthee ganz vorzüglich und macht >as Fleisch geruchlos. Eine Färbung des Fleisches kann nicht kattfinden, ebensowenig eine Geschmacksverändsrung, da man >en Kamillenthee mit ein wenig Waffer abspült. Man findet dieses Mittel in vielen Hof- und feineren Küchen, es scheint aber von Seiten der Herren Mundköche mehr als Geheimniß gehütet zu werden, denn öffentlich bekannt ist e» nicht, oder roch nur in gewiffsn Kreisen. Unsere Hausfrauen mögen also dieses einfache Mittel einmal probiren. ♦ ♦ • Zur Vertilgung der Erdflöhe soll das dichte Bestreuen der Beete mit Kaminruß von unfehlbarer Wirkung sein. Auch das Bestreuen mit Naphtalinkalk-Palver bewirkt, daß die Erdflöhe von diesen Pflanzen fern bleiben. Dieser Naphtalinkalk-Pulver kann sich Jeder selbst Herstellen, indem er 10 bis 15 pCt. rohes Naphtalin mit 85 bis 90 pCt. gelöschtem Kalkpulver mischt. Cigarrenstummel, die stets unbeachtet weggeworfen werden, und welche man in jeder Wirth- schäft von dem mit der Reinigung der Zimmer beauftragten Personale gerne gesammelt und aufbewahrt erhält, liefern, gehörig getrocknet, gedörrt und zerrieben oder zermahlen, einen werthvollen Tabakstaub zur Vertreibung der Erdflöhe und sonstiger Pflanzenschädlinge. Das Aufbringen des Staubes findet am besten statt, wenn, wie schon einmal bemerkt, die Pflanzen bethaut find, weil er dann beffsr hängen bleibt. Der Grund, warum diese Mittel die Erdflöhe fern halten, liegt in der Eigenschaft dieser Jnsecten, starkriechende Substanzen zu meiden. Vertilgung von Wanzen. Von allen gegen die Wanzen angepriesenen Mitteln ist keines so wohlfeil und wirksam wie der Alaun. Die Wanzen verschwinden sofort, wenn man die Wände, Bettstellen rc. worin sie nisten, mit einer kochenden Alaunlösung bestreicht, und sie kehren nie zurück. Wenn man die Zimmerwände und die Zimmerdecken mit Kalk weißt und dem Kalk vor dem Gebrauch etwas Alaun zusetzt, so halten sich die Fliegen ebenfalls nicht in den Zimmern auf. Dabei kann die Anwendung des Alauns in diesen Fällen der Gesundheit der Menschen nicht den mindesten Schaden zusügen. * H * Holzkitt wird aus einem Theil arabischem Gummi, zwei Theilen Waffer und drei bis fünf Theilen Kartoffelstärke hergestellt. Ein sehr guter Kitt wird auch erzielt, wenn man ganz feine Sägespähne durch Befeuchten mit Letnölfirniß und andauerndes Kneten der Maffe in Teigform bringt, wodurch die Maffe sehr bindsam wird. P * Wasserflaschen zu reinigen. Das einfachste Mittel ist folgendes: Eine kleine, rohe Kartoffel wird in feine Stückchen geschnitten, diese mit nur wenig Wasser in die Flasche gethan und tüchtig umgeschüttelt. Schon nach wenigen Augenblicken wird man den guten Erfolg sehen und nach gehörigem Nachspülen vollständig klares Glas haben. ♦ Gardinen reinigen. Man nimmt sie ab, schüttelt sie im Freien tüchtig aus und steckt sie in ein Gefäß mit kaltem Wasser. Hier bleiben sie mindestens 24 Stunden. In einen Kessel kochenden Wassers gibt man ziemlich viel Seife, dann werden die Gardinen, ohne sie zu ringen, leicht ausgedrückt und in einen reinen Beutel (Kopfkiffenüberzug) in das kochende Seifenwasser gebracht, worin sie 25 Minuten tüchtig kochen müssen. Dann nimmt man sie heraus und spült sie so lange in reinem Wasser, bis sich keine Spur von Seifen- schäum mehr zeigt, bläut und stärkt sie dann und hängt sie noch naß wieder auf. ♦ Resterschüflel. In einem Hausbalt kommt es sehr darauf an, jeven Rest zu verwenden- Wo in einer kleinen Familie ein großer Braten zur Anwendung kommt, ist nichts ermüdender, als denselben Braten immer wieder auf der Tafel erscheinen zu sehen. Da muß eine gute Hausfrau stets bedacht sein, Variationen aus demselben Capitel zu componiren. Man verwendet solche Bratenreste auf folgende Weise; Man bestreicht eine Speiseform mit Butter und geriebener Semmel oder Parmesankäse, schichtet Bratenjus, dünne Bratenscheiben, gehackte Kräuter und Sardellenbutter, in der Schale gekochte, abgeschälte, fein geschnittene Kartoffeln auf, dazwischen legt man Stückchen von frischer Butter und wiederholt dies, alles gut mit Salz und Pfeffer, auch, wenn man es liebt, mit etwas Zwiebeln gewürzt, bis die Form gefüllt ist, dann übergießt man sie mit Bratenjus und.läßt fieJ/2 Stunde im Ofen kochen. Die Fütterung mit* Ei an junge Kanarien darf nicht übertrieben werden, da sonst leicht statt der erhofften segensreichen Wirkung recht verderbenbringende Folgen verzeichnet werden müßten. Am besten verfährt man in folgender Weise: Man mischt das hart gekochte und auf einem Reibeisen zerkleinerte Et mit zwei Eßlöffel voll gestoßenem Zwieback; diese Bestandtheile werden dann gut gemischt, und in der Regel besitzt das Ei gerade genug Feuchtigkeit, um den Zwieback an das Ei zu binden. Eine Hauptsache dabei ist die innige Verbindung der Stoffe, damit die Vögel nicht bloß das Et nehmen können und den Zwieback liegen lassen; eines muß an dem anderen haften bleiben. ♦ Gras auf gepflasterten Höfen, Trottoirs re- zu entfernen. Man nehme 2/s Wasser, Vs ungelöschten Kalk und menge dieses mit Vio Schwefel. Die Mischung siede man alsdann in einem Kessel und rühre dabei tüchtig um. Mit dieser Flüssigkeit begieße man die betreffenden Stellen. Als ferneres Mittel wird das Begießen mit nicht zu stark verdünnter Carbolsäure empfohlen. Auch hierdurch wird jedes organische Leben vernichtet. Fürchtet man den üblen Geruch, so kann man statt der angesührten Mittel die in den Handel kommende Schwefelsäure mit 50» bis 80 facher Verdünnung zur Zerstörung der Grasnarbe nehmen. Vermischtes. , Ein neuer Krankheitspilz ist, wie amerikanische Blätter humorvoll berichten, von einem Arzt in Chicago entdeckt worden und unter dem Namen „Liebesbacillus" ins Buch der Wissenschaften eingetragen worden. Der glückliche Entdecker hat ihn bereits auf mehrere Personen durch Impfung übertragen, wobei die verblüffenden Wirkungen dieses Bacillus sich in geradezu fabelhafter Weise zeigten. Ein fünfzigjähriger Junggeselle ließ sich noch an demselben Tage ein neues Gebiß machen, bestellte sich einen hellen Anzug aus englischem Stoff und lauste eine Guitarre. Eine ältliche junge Dame öffnete ihre Sparbüchse mittelst Stemmeisens, nahm hundert Dollars heraus und legte sie in „Eau de Lys", einer nagelneuen Garnitur goldblonder Stirnhaare und in einem jungen Gesanglehrer an, den sie auf ein Jahr verpflichtete. Ein junger Photograph küßte nach der Aufnahme eines jungen Mädchens das unter dem ersten Aufguß seiner Chemikalien eben hervortretende Bild desselben, wobei er sich nahezu vergiftet hätte. Ein in ihrem ersten Dienst befindliches Kindermädchen legte die Hauskatze in die Wiege des Säuglings und war eben im Begriff, letzteren zum Fenster hinauszuwerfen, als glücklicher- weise noch die Hausfrau hinzukam und das Kind in die Wiege legte, die Katze aber zum Fenster und das Kindermädchen zum Hause hinauswarf. Natürlich wurden die Behörden Chicagos auf die Sache aufmerksam und hätten sicherlich in dem ihnen eigentümlichen Mangel an wissenschaftlichem Sinn dem Doctor alle weiteren Versuche mit dem Liebesbacillus untersagt, wenn er nicht bereits am Abend vorher infolge einer an seiner ver- wittweten Haushälterin und deren jungen Tochter vollzogenen Impfung in Gesellschaft der letzteren den Ort bei Nacht und Nebel verlassen hätte. Da sind die „Liebestränke", von welchen das Mittelalter fabelte, ja eine Kinderei dagegen! Zimm ervermietherin (zum neu eingezogenen Studenten): „Ich mache Sie noch darauf aufmerksam, daß mein Haus um zehn Uhr Abends geschlossen wird." — Student: „Das macht nichts, wenn es nur zeitig aufgesperrt wird!" Moderner Schwindel. „Wie sind denn aber die zwei Brüder so reich geworden?" — „Ganz einfach — sie haben immerfort zum Selbstkostenpreis verkauft." * Er kennt sie. Mann (zu seiner Frau, die in das Bad reist): „Adieu, liebe Emilie! Schreibe nur recht bald, damit ich weiß, was Du vergessen hast und ich es Dir nachschicken kann." * * ♦ Ihre Ehe. Dis kleine Else: „Mamachen, dürfen wir Mann und Frau spielen?" — Mama: „Ja, aber beim Essen dürft Ihr Euch die Teller nicht an den Kopf werfen!" ♦ * ♦ Naturbetrachtung. Ein schlechtes Wirthshaus verdirbt die schönste Landschaft. Zeugniß und Empfehlung. „Seit zwei Monaten litt meine Frau an großer Heiserkeit und Beschwerden beim Sprechen. Seitdem sie Ihr Mittel genommen hat, kann sie fast gar nicht mehr sprechen. Bitte, senden Sie umgehend noch zwei Flaschen. Ihr dankbarer Alois Hinterhuber." Ein unzufriedener Staatsbürger. HerrSasser, betrunken im Straßengraben liegend: „Ich bin nur neugierig, wie lange mich heute die löbliche Polizei wieder hier liegen läßt!" ♦ Polizeiverordnung. „Mit anbrechender Dunkelheit hat fortan jedes Fuhrwerk eine Laterne zu brennen. Die Dunkelheit tritt ein, wenn die Straßenlaternen angezündet werden." ♦ ♦ Im Dilettantenverein. Dirigent: „Sie spielen ja nicht, was da steht, Herr Müller." — Müller: „Entschuldigen Sie, Herr Dirigent, ich kann auf meinem Cello spielen, was ich will!" * ♦ ♦ Doppeltes Versprechen. Vater: Siehst Du, Max, hier dieses hübsche Stöckchen. Wenn Du brav bist, werde ich es Dir einmal schenken, wenn Du aber ungezogen bist, wirst Du es öfter bekommen. ♦ ♦ A »s dem Gerichtssaal. Präsident (zum Verthei- diger): „Ich muß Sie bitten, Herr Doctor, nunmehr bald damit aufzuhören, die Vorzüge der Angeklagten als Köchin zu schildern! Sehen Sie denn nicht, daß den Herren Geschworenen schon das Wasser im Munde zusammenläuft!" Auch ein Associe. Student: „Ich bin Theilhaber an dem Geschäft meines Vaters!" — Professor: „Wieso? Sie studiren doch Medicin und Ihr Vater ist Kaufmann!" — Student: „Ja, ja! Er besorgt eben die Einnahmen und ich die Ausgaben!" * * Nie verlegen. „Sie, Kellner, jetzt' hab' ich eine halbe Stunde warten müssen, bis Sie mir das Bier gebracht, und nun ist auch noch schlecht eingeschenkt! Das Glas ist ja nur halb voll!" — „Entschuldigen Sie, wenn's ganz voll wäre, hätt's ja noch länger gedauert!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Unter E Die Am fei Städtlein N und gingen hinan nach i Septemberso öffneten sich, hielten und 1 Jahren geda „Wiri chen," sprar Frau blickte, beite. „Ad Hochgefühl hintreten zu vorwerfen, bekehrt weri Sibille ist die Stell auf deren M der seligste ! Arme nahm Barden Weib an sei Ein S< im Forste. „Sollt« stein; „laß kommen." Zwei 5 des größten t »Herr! durcheinande richter Car? „Gott „der Unglü« „Das stein, „daß sehen, was Barder lag; die Ar! Der Schuß