NnterchaltunHsblaLL zunr Gretzenev Anzeigen (G-nev--- „Ja, für Zeit und Ewigkeit," sprach sie schluchzend. I Hause werde ich gehen können, der Fuß schmerzt nicht mehr." „Was daraus werden soll, wird Gott wiffen-" I Behutsam setzte Bardenstein die Geliebte nieder; einige „Wie bist Du hierher gekommen?" I Schritte riesen den Schmerz, der durch Sibillens Glücksgefühl Sibille erzählte mit kurzen Worten, was sie in wenigen I vergessen worden war, heftiger hervor. Stunden körperlich und seelisch gelitten- „Es geht nicht," sprach sie stöhnend. „Ich will hier tz j „Das ist Glück im Unglück!" rief Bardenstein, indem er harren; bitte, Herr, klopft an das nächste Fenster, daß man die holde Gestalt noch einmal in die Arme nahm und glühend Hülfe bringe, durch das Dorf dürft Ihr mich nicht tragen." küßte. Sibille umschlang den Hals des Geliebten, preßte ihr „Du gehörst zu mir und bist mein geworden - und ich Gesicht in beffen Locken und fing heftig an zu weinen. soll Dich in Noch und Schmerzen verlassen! Durch Wasser „Wir müssen den Schuh von dem Fuße schneiden," sprach und Wüste, durch Schnee und Eis, durch Sturm und Wetter Bardenstein nach einigen Minuten. „Willst Du mir den Fuß werde ich Dich tragen und führen, wenn Du Hülfe bedarfst, anvertrauen?" | Komm' auf meinen Arm, ich schäme mich Deiner nicht. „Ihr seid mein Herr und Gebieter, war Ihr thut, ist Er umfaßte die schlanke Gestalt und hob sie empor, recht gethan." - I Sibille ließ es geschehen. Bald war der Platz vor dem Rath- Vorsichtig trennte Bardenstein mit scharfem Messer den Hause erreicht. Eine große Menschenmenge war versammelt. Schuh weg; der heftige Druck verschwand, als das pressende Keuchend kam der Büttel gelaufen, fast hätte er den Rent- Leder beseitigt war, die Schmerzen milderten sich. meister umgerannt. „Nun gib Dein Tüchlein her, mein Lieb, daß ich den „Herr! Herr von Bardenstein, was ist geschehen, wen Fuß einhülle. Der Nachtwind weht kühl. Zu Hause mußt traget Ihr hier?" fragte der Büttel und zwanzig neugierige Du kühlende Umschläge machen, gebrochen ist nichts," sprach Menschen reckten die Köpfe höher empor, um besser sehen zu der Verständige. können. , „ „ Als Alles geordnet war, sprach Bardenstein weiter: I „Es ist Sibille König, der Beilstein Wittwe Enkelin, „Gehen kannst Du nicht, Billi; ich nehme Dich auf den Arm war die Antwort. „Sie hat den Fuß gebrochen, gebt Acht, und trage Dich nach Hause. So bringt uns die erste Stunde Leute, daß Ihr die Verletzte nicht schädiget. Aber sagt mir, unserer Liebe alsbald ein gemeinsames Tragen, Denken, Fühlen I warum ist der Auflauf hier?'' und Wandern durch das Erdenihal. Ich deute es als ein I „Ihr wisset vielleicht noch nicht, antwortete der Buttel, gutes Zeichen, daß ich Dir Hülfe, Trost und Stütze sein kann." indem er neben dem weiterschreitenden Rentmeister herging, „Ihr sprecht so zuversichtlich, Herr!" antwortete Sibille, I „daß heute Nachmittag Eli, ein jüdischer Handelsmann, wegen indem sie die Arme um den Hals des Geliebten schlang und I Hexereilasters in's Gefängniß geworfen und mit Ketten geben Mund nahe an befielt Ohr brachte. „Mir pocht bas Herz, I fesselt worben ist. Hat sich aber doch befreit, benn der Teufel wenn ich daran denke, was das werden soll. Ich bin ein I hat ihm die Ketten zerbrechen helfen, also daß er mit einem armes, geringes Weib, Ihr seid aus angesehenem Hause. Mit Stück Ketten am Arm, dem Schlosse am Fuß und den Hand- heißem Flehen bat ich Gott, meinen Sinn von Euch weg- schellen auszureißen vermochte. Die Häscher wurden tym zulenken und er hat es so gewendet, wie ich es unmöglich I nachgeschickt; jetzt sind Alle zurückgekommen, keiner konnte ihn ahnen konnte. Das ist Gottes Finger. Mit gläubigem Ver-I greifen." , r . trauen nehme ich hin, was geschah. Mag es kommen, wie im | „Es ist gut, Büttel, geht wieder zurück und haltet ein Buche des Lebens geschrieben steht; ich nehme das Schwerste I andermal besser Wacht," bemerkte Bardenstein. hin für diese eine Stunde voll unaussprechlicher Seligkeit." Vor dem Häuschen am Ende der Beundegafie stand die „Fürchte Dich nicht," antwortete Bardenstein, indem er alte Beilstein und schaute ängstlich nach allen Richtungen, ob mit der süßen Last auf dem Arme vorwärts fchritt. „Ich liebe die Enkelin nicht bald heimkäme. * Dich mehr, als es Worte auszudrücken vermögen. Mein Herz I „Um Gott, Herr! Wer seid Ihr und was bringt Ihr drängte sich Dir entgegen, obgleich Du mich zurückwiesest. Ich I mir?" fragte die Alte ängstlich. fühlte Schmerz darüber, empfand aber hohe Achtung vor Dei- | „Nur Gutes," war Bardensteins Antwort. „Lasset uns item Pflichtgefühl und Deinem edlen Stolze. Nun ist das eintreten, Ihr sollt Alles erfahren." anders geworden. Uns hat Gott und die heilige Liebe zu- I So schnell es die alten Glieder erlaubten, eilte die Groß sammengesührt, menschliche Gewalt wird uns niemals scheiden." mutter zur Thüre, öffnete und ließ den Lastträger eintreten. Sie kamen aus dem Walde heraus an den Ort, wo einige | „Hier habt Ihr sie," sprach Bardenstein, indem er seine Monate vorher der Ueberfall durch die rohen Burschen statt- | schöne Last auf einen Stuhl gleiten ließ. „Zwar der Fuss ü fand. etwas verstaucht und schmerzt nicht wenig, doch sonst ist Alles „Hier ruhete ich einen Augenblick an Eurem Herzen!" j heil und gesund, nicht wahr, mein Liebstes?" sprach Sibille und deutete nach der Stelle. Bei diesen Worten strich er Sibillen die Stirnlocken zurück, „Kaum eine Stunde ist verstrichen, seit ich mir jenen I küßte ihr bett rothen Mund, reichte ber Alten die Hand und herrlichen Augenblick in's Gedächtniß gerufen," erwiderte fuhr fort: „Wohl möchte ich hier bleiben und den beschäbigten Barbenstein. „Wenn ich braußen allein für mich hinwanberte, j Fuß heilen helfen, aber es geht nicht. Sibille wirb Euch schloß ich die Augen und stellte mir im Geiste vor, wie es I sagen, wie sich unsere Herzen gesunden. Gute gewesen, als ich damals Deine holde Gestalt umfangen hielt." versteht mit Kräutern Schmerzen zu lindern und Wunden zu Der Weg führte dicht am Löwenbuschhügel vorbei. Sibille heilen, das wird Euch bald gelingen, ich weiß es. zitterte heftig und deutete nach den Brandpfählen, an welche | Noch einmal strich er der Geliebten über das lockige die unglücklichen Hexen angekettet und um welche die Scheiter- Haupt, dann verschwand er durch die Thure. Haufen geschichtet wurden. Scharf hoben sich die Conturen Die Alte stand sprachlos, Sibille lachte und weinte- der Pfähle, die wie ausgestreckte Finger nach dem Himmel Schnell entfernte die Erstere das Tuch und dm Strumpf von deuteten, in der klaren Nachtlust ab. Einer dieser Pfähle dem zierlichen Fuße und untersuchte den letzterem iss hatte während des Sommers ausgetrieben und kleine Zweig- eine heftige Verstauchung, aber kein Bruch. Einige Tage W lein gebildet. und Kräuteraufschläge, welche die Geschwulst dämpfen, werden „Es ist entsetzlich!" flüsterte sie und preßte sich, wie Dich wieder Herstellen," sprach die kundige Alte. „Doch nun Schutz suchend, inniger an den Geliebten. * erzähle, liebes Kind." - 255 Lange nach Mitternacht suchten Beide das Lager. „Der liebe Gott gebe seinen Segen, daß Alles zum guten Ende gelange," sprach die Alte, indem sie sich die feuchten Augen trocknete. Neuntes Kapitel. Mit eiligen Schritten stapfte Malwinchen, das Dicke, zur Wohnung des Commisiarius Caspari, um dessen Schwester Helmine die überraschende Neuigkeit zu bringen, welche sich am vorhergehenden Abend über Bardenstein und Sibille König wie ein Lauffeuer verbreitet hatte. Alwine, die Große, war ihr bereits zuvor gekommen; mit zornig funkelnden Augen stand die gewichtige, breite Frauengestalt in Helminens Zimmer und sprach heftig auf die Freundin ein- „Wie kann der Mann nur einen so unverzeihlichen Mißgriff machen I" wandte sie sich, ohne erst zu grüßen, an die eintretende Malwine. „Hatte er nichts Besseres zu thun, als sich einer solchen Bauerndirne an den Hals zu werfen?" „Ja, Du hast recht, es ist abscheulich," versetzte Malwine übereinstimmend, „doch einen Gruß möchte ich Euch erst bieten und schönen guten Morgen sagen. Seit fünfundzwanzig Jahren hoffte man darauf, daß sich einige junge Männer zeigen möchten in diesem kleinen Orte oder in unserer Nähe. Stets raffte der Krieg sie weg; nun haben wir zehn Jahre Frieden, ein einziger Mann erscheint —" „— der unserer würdig und ebenbürtig wäre," fiel Alwine aufgeregt dazwischen, „um schon nach einem halben Jahre, ehe man ordentlich bekannt geworden, von dieser unseligen Dirne hinweggeschnappt zu werden." „Kränkt das Mädchen nicht durch solche haßerfüllte Ausdrücke," mahnte Helmine; „ich habe es in Hofpredigers gesehen und gesprochen und sage Euch: es ist schön und sympathisch, wie ich selten Jemand fand, es ist keine gewöhnliche Bauerndirne, wie Ihr meint-" „Wenn ich sie nur einmal unter die Hände bekäme und an sie dürfte," knirschte die kleine, dicke Malwine; „ich wollte ihr die hübsche Fratze mit Nadeln zerreißen, daß sie aussehen sollte wie eine Vogelscheuche!" „Und ich möchte Dir dabei helfen!" rief Alwine. „Nun sagt mir doch, Ihr Guten, warum seid Ihr denn so entsetzlich erbost?" fragte Helmine sanft. „Wolltet Ihr denn Beide den Rentmeister hetrathen?" „Nein, gar nicht!" antwortete Alwine. „Aber ja doch — oder ich weiß er eigentlich nicht," versetzte Malwine. „Du hast ihn meiner Treu am eifrigsten verehrt." „Mir scheint, für unser Alter ist der Mann zu jung," stroibcttc $elmitte* „Dar ist ja gerade das Mißgeschick," rief die heißblütige Alwine. „Fünfundzwanzig Jahre der besten Zeit opfert man und wenn man glaubt, nun winkt die Hoffnung, ist Alles eitel. Ich sage Euch, jetzt, da ich weiß, was der Mann für einen Geschmack hat, hätte ich ihn abgewiesen, wenn er zu mir gekommen wäre." „D'rum ist es am besten, wenn wir Drei uns zusammen trösten, liebe Alwine," beschwichtigte Helmine. „Ich will aber nicht getröstet sein," fuhr Alwine auf. „Führe nicht solche Reden, ich kann das süße Gethue nicht hören. Ich hasse diese Person bis auf's Blut, ich könnte sie hier tobt vor mir am Boden liegen sehen." „Das ist Gotteslästerung," entgegnete Helmine; „das Mäd- chen hat Dir nie etwas zu leide gethan, es ist brav, gut und fein, wozu der Haß!" „Schweig' mir mit Deinen zarten Reden, ich kann sie nicht ausstehen." „Sonst sagst Du doch oft: ich spräche wie ein Buch und meine Worte hörten sich an wie ein Gedicht." „Doch diesmal klingen sie mir wie holperige Knittelverse," rief Alwine und sprang auf. „Ich hasse das Weib und Alle, die für sie sprechen." „Ich hasse sie auch!" rief Malwine. „Noch nicht lange ist es her, da erklärte Johann Kurz, der dort drüben wohnt: sein Sohn habe die Dirne heirathen wollen, sei aber abgewiesen worden." „Der junge Kurz ist ein roher Mensch und der Alte steht in üblem Rufe." „Für diese eingebildete Fratze wäre der Bauerntölpel gut genug gewesen." „Das Mädchen ist aber gar nicht eingebildet, sondern bescheiden und gut." „Wir hassen es Beide!" „Und Dich Haffe ich jetzt auch!" rief Alwine, von heftigstem Zorne erfaßt. „Von der Beilstein sollen die Hexereien seit Jahren ausgehen, sie hat es nur schlau zu verbergen gewußt-" „Die Junge heißt nicht umsonst die Hexe von Bingenheim, nicht bloß, weil sie ein glattes Fratzengesicht besitzt- Ich hasse Beide!" rief nun auch Malwine und erhob sich. Ohne Gruß eilte sie zur Thüre hinaus, Alwine folgte auf dem Fuße. „Wie tief beklage ich das unschuldige Mädchen," sprach Helmine, nachdem die beiden zornigen alten Jungfern verschwunden waren. (Fortsetzung folgt.) Der Bienen-Vetter. Eine Heide-Novelle von C. Crom e - S ch iv ienin g. (Fortsetzung.) Der Referendar hatte die jungen Puten nach Gebühr bewundert und dabei ein klein wenig geheuchelt. Die gefiederte Gesellschaft des Hühnerhafes war ihm sehr gleichgüttig, aber es sah reizend aus, als die gackernde und krähende Schaar Marie nmringte und sich an das junge Mädchen herandrängte. Tauben flatterten vom nahen Scheunendach herzu, und eine davon flatterte auf ihre Schulter. Als sie nun mit zärtlichem Wort nach der Zutraulichen sich umwandte, schien es Fritz Gerding, als habe er nie ein schöneres Menschenbild gesehen, als seine Cousine, und ein heißes Gefühl flammte in ihm auf. Unwillkürlich trat er einen Schritt näher heran — es war ihm, als dürfe er die unschuldige Liebkosung der Taube nicht dulden. Aber das gefiederte Volk verstand sein Nähertreten falsch. Schreiend und flügelflatternd stoben sie auseinander, so daß der junge Mann fast betreten zurücktrat. „Sie kennen Dich nicht!" sagte Mariechen ruhig, indem sie die Taube sanft von ihrer Schulter entfernte. „Wir haben uns wohl auch lange genug hier aufgehalten. Wollen wir in den Garten gehen?" „Wohin Du willst!" sagte Fritz lebhafter als sonst. Vor dem Gartenpförtchen stand ein etwa achtjähriges flachshaariges Mädchen, barfuß, in dem runden rothen Gesichtchen und an den Händen deutliche Spuren ihrer Spiel- thätigkeit an der abseits gelegenen kleinen Lache tragend, in die soeben einige Enten, vor den Daherkommenden fliehend, schnatternd hineinwatschelten. Als die kleine Marie sie erblickte, kam sie mit dem freudigen Rufe: „Fröken Marie! Fröken Marie!" herangestürzt und hielt sich an den Kleidern des jungen Mädchens fest. „Guten Tag, Lenchen!" sagte diese und strich über des Kindes Blondhaar. „Pfui, wie schmutzig Du bist!" rief Fritz Gerding. — „Wie kannst Du mit solchen unsauberen Händen das Fräulein anfassen. Marsch fort!" Das Kind lief verschüchtert einige Schritte zur Seite und richtete die müden wafferblauen Augen, in denen es naß sich zu regen begann, auf Marie. „Der Herr hat Recht," sagte diese. — „Geh und wasch' Dich, Lenchen. Und grüße Deine Mutter von mir, hörst Du?'< Von den gütigen Worten schnell getröstet, nickte die Kleine und fuhr mit der Rückenfläche der rechten Hand über Augen und Nase. Dann starrte sie mit offenem Munde dem Paare nach, das jetzt im Garten verschwand. „Wie kannst Du Dich nur mit solchen Kindern abgeben 1 brach Fritz Gerding das eingetretene Schweigen. „Es ist das jüngste Kind eines Taglöhners von uns, der im vorigen Jahre starb; die Malerne, seine Frau, verrichtet jetzt Botendienste. Die Eltern unterstützen sie, und besonders das Kleinste, das Lenchen, hat Heimathsrecht hier bei uns." Das kam alles so ruhig und gleichmäßig von den Lippen des schönen Mädchens, als gäbe es nichts, das selbstverständlicher wäre. „Und Du gefällst Dir in der Rolle einer Protektorin schmutziger Bauernkinder, Marie — Du, die — —" Er vollendete nicht, denn seine Cousine hatte sich ihm mit einem Ausdrucke in den Augen zugewandt, der ihn schweigen machte. „Das war nicht hübsch, Fritz!" „Verzeih!" bat er reuig. „Aber mir widerstrebte es, als ich das Ding da sich an Dich schmiegen sah." Sie erwiderte nichts, aber ihre Schritte nahmen ein schnelleres Tempo an, bis sie die Mitte des parkähnlichen Gartens erreichten. Eine weite Rasenfläche, grün umbuscht, dehnte sich vor ihren Augen, in der Mitte spiegelte sich die Sonne in dem krystallklaren Wasier eines kleinen Weihers. „Wie schön ist es hier!" rief der Referendar, und auf eine offene grottenähnliche Laube deutend, bat er: „Laß uns hier niedersetzen!" Sie folgte ihm schweigend und nahm Platz. Er lehnte sich an die aus Baumästen geformte Bank und sah sie an. Seine Brust weitete sich — die Sonne schien ihm goldener als je, und sich halb zu dem Mädchen niederbeugend, sagte er stockend: „Weißt Du, Mariechen — weißt Du, daß Du schön bist!" Es ging wie ein jäher Ruck durch die schlanke Gestalt neben ihm; der Kopf mit dem weichen braunen Haar fenkte sich tiefer herab, aber in den Schläfen stieg es empor. Er wollte seine Hand auf ihren Arm legen, dessen runde Formen durch den dünnen Mousselin des Kleides sichtbar wurden, aber eine schnelle Bewegung Mariens hinderte ihn daran. „Laß das —" sagte sie kurz, ohne daß der Ton den freundlichen Klang verloren hätte — „und sag das nicht wieder. Ich mag das nicht hören!" „Wie so anders Du bist als andere Mädchen!" sagte er warm. „Und doch ist mir, als müßtest Du so sein in dieser ganzen Umgebung. Aber imposanter noch denke ich Dich mir in der Gesellschaft, in hauptstädtisq>er Umgebung, als Herrin eines Kreises--" „Jcb weiß nicht," sagte das Mädchen träumerisch, „mir ist, als könne ich an keinem anderen Orte leben. Jeder Baum hier, jeder Stranch kennt mich, und ich kenne ihn; ich sah die jungen Bäume wachsen, wie die alten mich. Jeder Fleck Erde hier ist mir vertraut, und die Haide dort drüben hat's mir angethan. —" „Dort in der Haide wohnt ja wohl Vetter Hinrik!" warf Fritz unmuthig ein. Sie sah ihn erstaunt an. Fremder noch berührt von dem rauhe« Tone, in dem er diese Worte sprach, als von den Worten selbst. „Vetter Hinrik? Wie kommst Du auf den?" „Ich — nun —", er suchte nach Worten — „mir scheint, Du hegst Interesse für ihn!" „Für Vetter Hinrik!" fragte sie, sich ihm voll zuwendend. „Ich glaube, der würde das nicht einmal merken!" Der Aerger darüber, das Gespräch hierzu geführt zu haben, reizte den Referendar nur noch mehr. „Und wenn er nun käme und Dich heirathen wollte!" rief er eifersüchtig. Sie fuhr wie erschreckt empor: „Das ist ein schlechter Scherzi" Aber dann lachte sie fröhlich auf: Vetter Hinrik, unser menschenscheuer Bienen-Vetter, mich heirathen — ha, ha, ha — ja, wenn ich eine Biene wäre-- aber--" sie unterbrach sich selbst, ein wunderlicher Gedanke kam ihr--- 236 ~ „Halloh!" schrie er zur Linken hinter den Büschen und auf den Weg hinaus traten der Oberamtmann und seine Gattin. „Wo steckt Ihr denn, junges Volk!" rief er, mit dem Stocke winkend. „Zum Kaffee! Zum Kaffee!" secundirte ihn die Frau Oberamtmännin. „Papa, Mama!" rief Marie fröhlich; jeder Gedanke an das voraufgegangene Gespräch war im Nu aus ihrem Kopfe entschwunden. Sie klatschte in die Hände. „Wer zuerst bet den Eltern ankommt, Du oder ich!" rief sie und flog auch schon behend' wie eine Gazelle den feinbekiesten Weg hinab! (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Zur Harrswirthschaft. In den an Ungeziefer reichen Jahren kann man in der Küche nicht vorsichtig genug sein, wenn man in dem Gemüse und Salat nicht zugleich einen un. willkommenen Braten mit angerichtet haben will. Um Schnecken, Würmer u. s. w. aus Gemüse und Salat zu entfernen, werden die Blätter, statt in gewöhnliches Wasser, einen Augenblick in Salzwaffer gelegt und darin wie beim Waschen tüchtig durchgeschüttelt. Alles Ungeziefer wird dadurch sofort getödtet oder betäubt und fällt ab, was bei Anwendung von bloßem Wasser nicht der Fall ist. • ♦ ♦ Milben vom Mehl abzuhatten. Nachdem man zuvor das Mehl einen Tag lang an freier Luft abgetrocknet, thut man es in einen Sack und steckt einige völlig entblätterte Reiserchen vom Ahornbaum, die ebenfalls zwölf Stunden an der Luft gelegen haben müssen, darein. Die Milben können den Ahorngeruch durchaus nicht vertragen und meiden das auf diese Weise zugerichtete Mehl, das dadurch auch nicht im Mindesten von seiner Güte etwas verliert. ♦ * ♦ Rothe Sonnenschirme sind gesundheitsschädlich. Unsere Leserinnen seien gewarnt vor den rothen Sonnenschirmen. Die rothe Farbe ist für die Augen sehr schädlich und dies umsomehr, wenn die Sonne darauf und hindurch scheint, wie dies bei Sonnenschirmen ja unvermeidlich ist. Ist die rothe Farbe den Erwachsenen schon so nachtheilig, so ist dies noch in erhöhtem Grade bei den Kindern der Fall. Man schaffe darum den Kindern keine rothen Sonnenschirme an, so sehr dieselben auch den Kleinen gefallen mögen, und dulde auch nicht, daß die Mädchen, welche die Kinder auf dem Arme tragen- solche haben. Vermischtes. Dem französischen Lustspieldichter Scribe wurde von einem schöngeistigen Bankier eine bedeutende Summe geboten, wenn er dessen Namen als Mitschöpfer auf einem seiner neuen Lustspiele nennen wolle. Scribe lehnte diese ungereimte Zumuthung kurzweg ab und bemerkte in seiner Antwort: Man könne unmöglich ein Pferd und einen Esel zusammen spannen. Der Bankier erwiderte: „Ihren Absagebrief habe ich erhalten, wie kommen Sie aber dazu, mich für ein Pferd zu halten?" * $ ♦ Aufenthalt. Herr (zurZofe seiner Gattin): „Es ist schon Zeit, in's Theater zu gehen und ich habe meiner Frau versprochen, sie mitzunehmen. Wissen Sie nicht, wo sie seit zwei Stunden ist?" — Zofe: „Ja, in Verlegenheit, welches Kleid sie anziehen soll." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. N g i, CD fr, CD e- «CP SO « ro er /c) SS «■ CD « .Ck ercp