«HL'MASsr SSrMW^W »MM^LWöi MMHMMWMKW ' - >'4'^ r /VÜW ■ '.^5-'5>.-'"■ ■• .<•£• • .--.> f’- ‘ ' ,:',::<7*’f-'-'■>“ “«er 1894. Nr. 90 Samstag, den 4, August. ichler. herrliche herrliche Gegend, Maier, e kleben m, Herr die Kost Louverts iwotben, lge lang Ammo, 1 Pfund tfl. In , wenn chs Hy« »d un= man es Schellack lg kann wohl in t, Herr >e, ist ja Sie nicht Räumen itn, em» »nn die :i denen ganzen (Fortsetzung.) XXVI. Destder Jvanyi befand sich schon seit vierzehn Tagen in Wien, konnte sich aber nicht entschließen, seinem Vertheidiger den angekündigten Besuch abzustatten. Er war, wie Weber in Gmunden gesagt hatte, in der That noch sehr der Erholung bedürftig; die nervöse Unruhs, welche ihn seit Wolskis Tode befallen, wollte nicht von ihm weichen — er las in den Blicken der ihm begegnenden Freunde und Bekannten immer wieder die Erinnerung an die schrecklichste Zeit seines Lebens und wurde ein wenig menschenscheu. Selten verließ er seine Wohnung in der Heugasse und wenn dies geschah, wählte er die einsamsten Orte für seine Spaziergänge.! Und doch hatte man die Affaire Wolski fast vergessen- Man sprach längst nicht mehr von der Sache — sie war anderen sensationellen Ereignissen gewichen, welche den Ge- müthern die nöthigen Aufregungen boten. Nur zwei Männer gab es in Wien, welche die Nachforschung nach dem geheimniß» vollen Thater nicht aufgegeben hatten: Doctor Philipp Mark und der Detectiv Kilian, besonders der letztere. Mit der ganzen Zähigkeit seiner Natur hielt er an dem Gedanken fest, daß sein Verdacht gegen Morland gerechtfertigt fei, er klammerte sich förmlich an diese Idee und ließ trotz aller Einwendungen und Bedenken Marks nicht von ihr ab. Er schien es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, über feinen Collegen Adamek in allen Punkten zu triumphiren: er mußte den Thäter entdecken. Der Advocat hingegen hoffte durch Joanyis Geständnisse, die ihm zugesagt waren, der Sache auf den Grund zu kommen. Unterdeß war Weber mit Margarethe nach Wien zurückgekehrt und hatte seine Villa bezogen. Ein Telegramm benach- richtigie Desider hiervon. Es enthielt Margarethens Bitte, sie zu besuchen. Desselben Abends stand sie auf der Veranda und sah der Ankunft ihres Bräutigams entgegen. Aber ihre Ungeduld veranlaßte sie bald, in den Garten hinabzugehen. Es war Heller Mondschein. Margarethe dachte mit frohem Lächeln daran, daß Desider sie werde zu finden wissen. Wie oft hatte er sie hier getroffen, in der Nähe des Springbrunnens, dessen Wasser im Mondschein silberhell glitzerte. Während sich in den Salons die Gesellschaft des Millionärs ziemlich lärmend unterhielt, hatten sie hier gestanden, die Arme Das Geheimniß der Droschke Von F. Hume. verschlungen, und sich unter dem melodischen Plätschern der fallenden Wassertropfen zärtliche Worte in's Ohr geflüstert. Während Margarethe an die unschuldigen Seligkeiten ihrer Liebe dachte, hörte sie die Gartenthür gehen und dann einen festen Männerschritt. „Endlich!" rief sie dem Näherkommenden schmollend entgegen, „mein lieber Destder, wie lange läßt Du mich warten 1" „Da ich nicht Destder bin, so weiß ich's nicht," antwortete ihres Vaters Stimme. „Ah," meinte Margarethe überrascht. „Du bist es ? Ich hielt Dich wahrhaftig für Desider." „Wirklich?" „Ja — in diesem Hut siehst Du fast so aus wie er." „Unsinn!" stieß Weber mit heiserer Stimme hervor. — „Was Du für närrische Ideen hast!" Mit diesen Worten wandte er sich dem Hause zu, seine Tochter fast bestürzt zurücklassend. Niemals hatte sie ihr Vater bisher so rauh angefahren. Fast hätte sie ihre frohe Laune verloren, wenn nicht wieder Schritte vernehmbar geworden wären, die sie dieses Mal nicht mehr verkannte. „Desider, grüß' Dich Gott! Jetzt bist Du es doch?" Sie flog an seine Brust. „Weißt Du," sagte sie zutraulich, „vor einer Weile habe ich Papa für Dich gehalten." Destder sah sie erschreckt an. „Sonderbar!" murmelte er. „Nicht wahr ? Er trug einen Hut wie Du. Und da Ihr gleich groß seid, habe ich Euch miteinander verwechselt." Desider ergriff ein Schauder. Ein Gedanke, der ihm bereits einmal aufgestiegen war, durchzuckte ihn. In wortlosem Brüten ging er neben seiner fröhlich plaudernden Braut dahin. „Unsinn," sagte er endlich, wie um sich selbst zu beruhigen. „O nein/' entgegnete Margarethe, welche glaubte, dies Wort wäre die Antwort auf ihre Bemerkung. „Ich glaube, Du bist ungerecht." Sie schmollte. „Verzeih'," rief Jvanyi. „Ich habe Dir nicht zugehört. Du meintest ..." , , c . . , ,, „Ich meine," sprach sie lachend, „ich meine, daß ich meine Beredtsamkeit ganz umsonst an Dich verschwendet habe." Hätte sie gewußt, was in der Seele ihres Bräutigams vorging, so würde sie ihm wahrscheinlich nicht in so lustiger Weise feine Unaufmerksamkeit vorgeworfen haben, wie sie es jcht that. Aber auch dies erheiterte Jvanyi nicht. Als sie den Salon erreicht hatten, faßte er ihre Hand und sagte leicht- । hin: „Was meinte Papa zu dieser Verwechslung?" i „Er wurde böse. Ich habe ihn noch nie so gesehen. - --H— G'-t --r £. Anterchaltrrngsblatt znin Giehenev Anzeigen tGeneval-AnzsigerH — 388 Er fuhr mich an und ich kann mir doch^gar nicht erklären, warum." Eben kam ein Diener mit einer brennenden Lampe in den Salon. Auf Befragen Margarethens, was ihr Vater mache, erzählte er, daß er mit einem fremden Herrn spreche, der vor einigen Minuten angelangt sei. „Ich hörte doch," sagte Margarethe verwundert, „daß Papa heute nicht mehr empfange." „Ja — aber diesen Herrn hatte er bestellt," gab der Diener zur Antwort. „Wer ist es denn?" fragte Jvanyi, der Alles mit seinem Verdachte in Verbindung setzte. „Ich weiß es nicht. Aber ich wußte, daß Herr Weber ihn erwarte." Kaum war das Brautpaar wieder allein, als ein dumpfer Schrei hörbar wurde, der aus dem Zimmer des Millionärs zu kommen schien- Im höchsten Grade erschreckt, sprang Margarethe auf. Die Warnung des Arztes war ihr in den Sinn gekommen. Sie lief, so rasch sie konnte, zum Zimmer ihres Vaters, fand jedoch die Thüre verfchloffen- Auf ihr Klopfen wurde nicht geöffnet. Sie hörte nur die ungeduldige Stimme Webers. „Was gibt's denn? Wer ist da?" „Nur ich, Papa, ich dachte. . ." „Nein, nichts — nichts. Ich komme gleich. Geh' nur." Nicht ganz beruhigt begab sich da» Mädchen zu Jvanyi zurück. „Was war es?" fragte dieser. „Papa sagt, es wäre nichts gewesen, aber ich glaube es nicht. Sonst hätte er doch nicht so äufgeschrieen." Unter Thränen erzählte sie nun ihrem Bräutigam, was sie von Doetor Friedrich über den Zustand ihres Vaters erfahren. Diese Mittheilung schien Jvanyi zu erschüttern, aber er bemühte sich doch, Margarethe soweit zu beruhigen, daß sie wieder heiterer wurde und ihm vorschlug, mit ihr aus die Veranda zu gehen. Kaum waren sie dort, als sie den Schritt eines Mannes hörten, der vom Hause der Gartenthür zuschritt. Jetzt blieb er stehen, wandte sich ein wenig zurück und lüftete grüßend den Hut. „Großer Gott," rief Jvanyi zurücktretend, „Robert Morland I" Margarethe erschrak, als ihr die entsetzten Gesichtszüge ihres Bräutigams auffielen. „Wer ist das?" fragte sie. „Ja, ich erinnere mich," setzte sie zitternd fort, „Wolskis Freund I" „Ja," entgegnete Jvanyi mit heiserer Stimme, „und einer der Zeugen." XXVII. Ruhelos wanderte Jvanyi in seinem Zimmer auf und ab. Er hatte sich wie sonst zu Bette begeben, war aber bald wieder aufgestanden. Der Gedanke an Morland ließ ihn nicht schlafen. Was hatte dieser Mensch bei Anton Weber zu thun? Der Millionär kannte ihn nicht; wie kam er dazu, ihn zu empfangen unter dem Vorwande, er hätte ihn bestellt? Vielleicht hatte er nur um eine Unterstützung angesucht? Aber um diese Zeit ein Bittsteller? Unmöglich ... Und dann der Schrei, dieses dumpfe Stöhnen, das aus Webers Zimmer gekommen war? Der Millionär hatte sich mit Morland eingeschlossen ... mit einem Bittsteller ... Er hatte also etwas zu fürchten, wenn man ihn mit diesem Mann antraf. Destder Jvanyi hatte die Ueberzeugung, daß Alles dies mit dem an Wolski verübten Verbrechen zusammenhänge — und das war es, was ihn im höchsten Grade marterte und aufregte. Erst gegen Morgen verfiel er in einen tiefen Schlaf, aus dem er gegen Mittag erwachte, wieder mit dem quälenden Gedanken: „Was wollte Morland von Anton Weber?" Ein Brief, welchen seine Haushälterin überbrachte, riß ihn aus seinem Brüten. Da er die Handschrift seiner Braut erkannte, öffnete er hastig den Umschlag und begann zu lesen. Sie schrieb: „Ich weiß nicht, was mit Papa vorgeht. Seit der Mann gestern Abend fortging, hat er sein Zimmer noch nicht verlassen. Er schreibt unausgesetzt. Ich wollte heute früh zu ihm — er wie» mich ab. Auch zum Frühstück ist et nicht gekommen. Ich bin sehr besorgt, fürchte für Papas Gesundheit und bin überzeugt, daß seine Aufregung mit dem Besuche des Fremden zusammenhängt." Neuerdings verfiel Jvanyi in sein dumpfes Brüten. Schreckhafte Gedanken stiegen in ihm auf: er fühlte sich fast krank und beschloß, zu Hause zu bleiben. Mit einem Male hatte er die deutliche Empfindung, als würde ihm leichter werden, wenn er sich mit Jemand aussprechen könne. Sofort machte er sich daran, seinem Freunde Doctor Mark zu schreiben und um seinen Besuch zu bitten. Nach einer Stunde traf dieser ein. Lebhaft wie immer rief er seinem Clienten schon bei der Thür entgegen: „Sie machen'» wahrhaftig gut, Jvanyi! Ich warte seit vierzehn Tagen mit der größten Ungeduld auf Ihren Besuch. Ich dachte, Sie wären noch auf dem Lande, indessen sitzen Sie ganz gemüthlich zu Hause. Uebrigens," fuhr er fort, indem er Platz nahm, „weiß ich bereits die Hälfte Ihres Geheimnisses." „Ah!" rief Jvanyi erstaunt. „In diesem Falle brauchte ich Ihnen eigentlich gar nicht zu . . ." „Im Gegentheil," fiel ihm der Advocat rasch in's Wort, „Sie brauchen sehr wohl, Sie müssen sogar. Ich sagte, daß ich die Hälfte Ihres Geheimnisses kenne . . ." „Welche Hälfte?" „Hm, nun, das ist schwer zu sagen. Ich muß damit anfangen, daß ich Ihnen sage, daß die Pfeiferin gestorben ist." Jvanyi rührte sich nicht. „Ehe sie starb, ließ sie mich bitten, zu ihr zu kommen. Sie hätte mir eine Mittheilung zu machen. Ich ging hin. Sie erzählte . . ." „Was?" „Daß sie die Mutter der Rosina Mori sei." „W „Und die rothe Sali deren Tochter." „Und der Vater?" fragte Jvanyi leise. „Anton Weber." „So?" „Ja. Und nun — was haben Sie mir zu sagen?" „Nichts." „Nichts? — Dann war es das, was Ihnen Rosina anvertraute ?" „Ja." „Also warum haben Sie das so verheimlicht?" „Sie fragen? — Margarethens wegen." „Das verstehe ich nicht. Wenn auch die Beziehungen Webers zur Rosina nicht gerade die . . ." „Beziehungen? — Also wissen Sie nicht Alles!" „So sprechen Sie!" „Er war verheirathet mit ihr!" „Verheirathet?" In höchstem Erstaunen sprang Doclor Mark auf. „Das hat die Pfeiferin nicht gewußt." „Nein. Er hat seine Ehe geheim gehalten und da ihn Rosina bald darauf verließ, ist die Ehe nie bekannt geworden." „Jetzt verstehe ich," sagte langsam der Advocat. „Wenn Weber früher verheirathet war, ist seine zweite Ehe nicht giltig und Margarethe illegitim." „Ja — und an ihrer Stelle sollte die rothe Sali sein." „Armes Mädchen," murmelte Mark. „Aber das Alle- erklärt noch nicht die Ermordung Wolskis." „Hören Sie. Als Rosina ihren Gatten verließ, ist sie nach England hinüber und wieder zur Bühne gegangen. Dort hat sie Wolski kennen gelernt. Die Beiden sind zusammen herübergekommen in der Absicht, bei Weber Geld zu erpressen. In Wien hat sie dem Wolski das ganze Geschäft überlassen und ihm den Trauschein zu diesem Zweck übergeben. Diesen hatte er bei sich, als er ermordet wurde." „Also hatte Adamek Recht?" „Kein Zweifel. Und der Mörder ist . . ." „Nicht Weber — um Gotteswillen . . ." «Ja — Anton Weber." Eine tiefe Stille trat ein. Endlich fragte Mark: „Wann haben Sie das entdeckt?" U mir war Sie mir geschah, getödtet „K „A ihre Hai dann sei öffentlich damals in den 8 mit Chl. nommen Jvl und nied «I« Zu wisse zu sitzen, garethe Au! In tiefe, «R< aus dem Unmögli, Wi in der I Sei Weber ii seiner G sei, wora auf und war es, Er, Ant jetzt wie! sinniger ihm nich seinen el Rosina i da sie ih hatte ihr Nachricht - nicht« Wie wesen. S bis zu d die Mitt garethe - einzige 3 summen, mit der leichtert । Nigers hi Nu, aufgetau die Unru! Sollte ei Einen A seine Toc Wußte e ertragen Freuden gegen Ri mußte er sein übe, mandem schenken ■ die Gesch setzte er s aufzuzeich - 369 - ii ; an« mgen oclor Sann üten. । fast Male ichter ofort eiben st sie Dort nmen essen, [offen liefen nmer „Sie -zehn Ich ganz Platz inchte Bort, daß l ihn den." Venn giltig ein." Alles st et । Gedern men. hin. ; anist." „Um die Zeit, als Sie das erste Mal im Gefängniß bei mir waren. Bis dahin hatte ich keinen Verdacht. Aber als Lis mir sagten, daß der Mord um gewisser Papiere willen geschah, fiel es mir gleich ein, daß nur Weber den Wolski gelödtet haben könne, um diese Papiere an sich zu bringen." „Kein Zweifel," sprach langsam der Advocat. „Weber wollte Margarethe an Wolski verheirathen — ihre Hand sollte der Preis für sein Schweigen sein. Als er dann feine Einwilligung zurückzog, drohte Wolski mit Ver. öffentlichung der Papiere. Ich erinnere mich, daß der Pole damals höchst aufgeregt fortging. Weber muß ihm gefolgt, in den Wagen zu ihm gestiegen sein und ihm, nachdem er ihn mit Chloroform betäubt, den Trauschein aus der Tasche genommen haben." Jvanpi stand auf und ging aufgeregt im Zimmer auf und nieder. „Jetzt begreifen Sie, was für ein Leben ich seitdem führe. Zu wissen, daß er der Mörder, mit ihm an demselben Tische zu sitzen, ihm die Hand zu drücken und Margarethe — Margarethe — sein Kindl" Aufschluchzend verbarg er sein Gesicht in den Händen. — In tiefer Erschütterung verließ ihn der Advocat. „Nein, es ist doch unmöglich," murmelte er, „Jvany spricht aus dem Fieber- Weber hat damals sein Haus nicht verlassen. Unmöglich - unmöglich." XXVIII. Wie Margarethe geschrieben hatte, so verhielt es sich auch in der That. Seitdem Morland die Villa verlassen hatte, saß Anton Weber in seinem Zimmer und schrieb eifrig. Der tiefe Ernst seiner Gesichtszüge konnte verrathen, daß es nichts Heiteres sei, woran er arbeitete. Manchmal sprang er von seinem Sitze auf und begann aufgeregt im Zimmer umherzugehen. Ihm war es, als schliefe er und träume. War es denn möglich? Er, Anton Weber, der Mann der strengen Grundsätze, sollte jetzt wieder an jene Schuld erinnert werden, die er als leichtsinniger Jüngling auf sich geladen. Längst, längst war es ihm nicht mehr bewußt gewesen, daß einmal ein anderes Weib seinen ehrlichen Namen getragen, als Margarethens Mutter- Rosina war tobt gewesen für fein Herz feit jenem Augenblicke, da sie ihn um eines anderen Mannes willen verlassen. Er halle ihrer nicht mehr gedacht, und als ihm vor Jahren die Nachricht von ihrem Tode zugekommen war, fühlte er nichts — nichts — ihm war sie ja schon längst gestorben- Wie glücklich war die Ehe mit seiner zweiten Frau gewesen- Wie glücklich war er selbst nach dem Tode seiner Frau bis zu dem Tage, an welchem Wolski vor ihm stand, um ihm die Mittheilung zu machen, daß Rosina noch lebe und Margarethe — seine Tochter, der Sonnenschein feines Hauses, der einzige Trost seiner alten Ta^e — illegitim sei. Die Geldsummen, welche der Pole von dem Millionär erpreßte, waren mit der Zeit unverschämt geworden, und Weber athmete erleichtert auf, als er von dem gewaltsamen Tode feines Peinigers hörte- Nun aber war ein neuer Mitwisser seines Geheimnisses aufgetaucht — Morland, und die Qual begann von Neuem, die Unruhe, die feine Nächte schlaflos machte, die ihn verbitterte. Sollte er diesem unhaltbaren Zustande ein rasches Ende machen? Einen Augenblick dachte er daran — aber der Gedanke an seine Tochter hielt ihn davon ab, seinen Entschluß auszuführen. Wußte er doch, daß fein Kind die fortgesetzte Marter nicht ertragen könnte, wie er, aus dessen Leben ohnedies schon alle Freuden gestrichen waren. Für sie wollte er leben, um sie gegen Rosina und ihre Helfershelfer zu schützen- Aber zuerst mußte er sich beruhigen, sich sammeln- Er mußte sich klar sein über Alles, was er thun durfte. Wenn er sich nur Jemandem anvertrauen könnte, der feinen Worten Glauben schenken würde I So gelangte er zu dem Gedanken, sich selbst die Geschichte seiner Schuld zu erzählen, und fast erleichtert setzte er sich an den Schreibtisch und begann seine Erinnerungen aufzuzeichnen. Er nahm ein Bild seiner zweiten Frau zur Hand und betrachtete es in tiefer Rührung. Wenigstens ihr war es erspart geblieben, an seinem guten Herzen zweifeln zu müssen, ihr, die ihn lieben gelehrt, wie ein Mann lieben soll, ihr, bei der er gelernt, was Pflicht heißt. Es wurde Abend, bis Weber die letzte Zeile niedergeschrie- ben hatte. Im Begriffe, die eng beschriebenen Blätter noch einmal durchzulesen, hörte er ein Pochen an der Thür. Er raffte schnell die Bogen zusammen und warf sie in die Lade seines Schreibtisches. Dann erst ging er, um die Thüre zu öffnen. Margarethe stand vor derselben mit besorgter Miene. „Papa," rief sie, „was machst Du denn den ganzen Tag hier oben? Ich bin sehr besorgt und konnte nicht anders. Ich mußte Dich stören. Was hast Du denn so Wichtiges zu thun?" „Ich schreibe," meinte er ruhig. „Ich fürchte schon, daß Du krank wärest." „Nein, das nicht — nur ärgerlich." »Ach, ich weiß, der Mensch gestern — wer war es denn?" Weber zögerte ein wenig mit der Antwort. „Ein Freund, sagte er endlich. „Wie — Robert Morland — Dein Freund?" „Woher weißt Du den Namen?" fragte Weber. „Defider erkannte ihn." „Ja, es war in der That Morland," brachte der Millionär mühsam hervor. Dann fügte er in leichtem Tone hinzu: „Es geht ihm sehr schlecht, und da er ein Freund des armen Wolski war, habe ich ihm eine kleine Unterstützung zukommen lassen." „Du guter, lieber Papa," rief Margarethe und umarmte ihn stürmisch. Er küßte sie auf die Stirn. „Geh' jetzt," sprach er sanft, „ich komme gleich nach." „Aber recht bald," meinte sie scherzhaft drohend, „sonst hole ich Dich vom Schreibtisch weg." Damit lief sie vergnügt davon, während Weber wieder an den Schreibtisch trat, die Blätter aus der Schublade herausnahm und in ein großes Couvert schob, welches er versiegelte. Darauf schrieb er mit fester Schrift: „Meine Beichte!" Als hätte die Niederschrift feines Geheimnisses wirklich jeden Druck, jedes Angstgefühl von feiner Seele genommen, ging er jetzt heiter zu Tische. Margarethe, sehr vergnügt über die rosige Laune ihres Vaters, scherzte während des ganzen Abends mit ihm in ihrer anmnthigen Weife; als er, ermüdet von den Aufregungen des Tages, sich um 9 Uhr zurückzog, um sich zur Ruhe zu begeben, blieb sie noch im Speisezimmer, um ein wenig zu lesen. Aber es war doch eine gewisse Unruhe in ihr zurückgeblieben, und wie von einer Ahnung getrieben, eilte sie zum Schlafzimmer ihres Vaters. Als sie aber feine tiefen Athemzüge hörte, ging sie beruhigt zurück und begann ihre Schülerin Rofa zu unterrichten, dann aber, befriedigt von den Erfolgen ihrer Erziehung, mit dem Schützling nach Mädchenart zu plaudern. Mit einem Male vernahmen die beiden Mädchen ein tiefes Stöhnen, das unzweifelhaft aus Webers Zimmer kam. Entsetzt sprang Margarethe auf und blieb eine Weile lauschend stehen. Noch einmal kam ein dumpfer Laut, wie der Hilfeschrei eines Menschen, dem man den Mund zuhält. Hastig ergriff Margarethe die Lampe und eilte, gefolgt von der rothen Sali, in das Zimmer Webers. Dort blieben die Mädchen zitternd stehen. Das Licht fiel auf Weber. Er lag auf dem Rücken. Sein Gesicht erschien verzerrt, die Hände zu Fäusten geballt. Schwer ging fein Äthern und aus feinem geschlossenen Munde kamen wimmernde Töne. „Papa," wollte Margarethe rufen, während sie die Lampe auf den Tisch stellte. „Still," flüsterte die rothe Sali, „still ... er schläft... er träumt . • ." Die Mädchen kamen dem Bette nahe, in welchem der 360 Millionär sich jetzt, offenbar von einem fürchterlichen Traume geängstigt, unruhig hin- und herwälzte. Jetzt sahen sie auch schärfer zu. Auf der Bettdecke, auf dem Boden lagen allerlei vergilbte Papiere, darunter ein Couvert, welches mit großen Buchstaben beschrieben war. Rosa, die rothe Sali, erkannte rs sofort als dasjenige, das die „Königin" damals Wolski übergeben, und Böses ahnend, wollte sie daran gehen, die Papiere zu sammeln und zu verbergen, als Margarethe einen markerschütternden Schrei ausstieß und dem Bette zustürzte. „Nein, um Gotteswillen I" raunte Sali und wollte ihre Herrin zurückhalten. Aber es war zu spät. Margarethe hatte das Schriftstück, welches Weber in der geschlossenen Hand hielt, bereits erspäht und rasch gelesen: „Rosina Mori . - . Anton Weber ... Ehe . . Ein furchtbarer Gedanke blitzte in ihr auf. Das also waren die Papiere, um derentwillen Wolski hatte sterben müssen — von der Hand jenes Mannes, für den sie einen so hohen SfQöffß . . . „Vater . . . um Gott . . .!" rief sie erschüttert und fiel ohnmächtig zu- Boden. Von dem gellenden Schrei erweckt, öffnete Weber die Augen, richtete sich im Bette auf und streckte wie abwehrend die Hände vor. Dann fiel er wie leblos in die Kissen zurück. Die rothe Sali, welche in diesem Augenblick ihre Geistesgegenwart nicht verlor, raffte schnell die Papiere zusammen und steckte sie in die Tasche. Hierauf rief sie die Diener um Hilfe. Als diese kamen, fanden sie Margarethe in tiefer Ohnmacht, Anton Weber aber lobt in seinem Bette. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. (Fortsetzung folgt.) Der Werth einer häuslichen Frau. Mit einem häuslichen Weib kann man nicht verderben. So lautet ein altes deutsches Sprichwort und es gehört zu denjenigen Sprichwörtern, die den Nagel auf den Kopf treffen. Nur muß keiner glauben, daß so ein Satz immer genau wörtlich genommen werden darf. Auch das allergrößte Maß von Tüchtigkeit der Hausfrau wird das Hauskreuz nicht fern halten, denn ohne solches kann und soll es auf Erden nun einmal nicht abgehen. Auch in einem Haus, in dem das tüchtigste Weib waltet, umzieht sich zu Zeiten der helle Freudenhimmel des Lebens mit dunklen Wolken. Trotzdem bleibt das Sprichwort zu vollem Recht bestehen- Klarer und begreiflicher wird uns der Sinn des Sprichworts, wenn wir die Worte in eine andere Fassung bringen und sie etwa so stellen: Mit einem unhäuslichen Weib muß man verderben. Ja freilich! Das beweisen uns klar und deutlich eine ganze Reihe von Beispielen, die wir selbst erleben. Da ist unser Freund Sorgenvoll. Er ist ein fleißiger, tüchtiger Mann, der das Seinige zusammenhält; auch befindet er sich in einer Stellung, die wenig zu wünschen übrig läßt. Er könnte und sollte ein gutes Auskommen haben und dennoch ist sein ganzes Leben ein unaufhörlicher Kampf mit der Roth und der Sorge. Wie kommt das? Es fehlt ihm an einer tüchtigen Hausfrau oder wie unser Sprichwort es ausdrückt, an einem häuslichen Weib. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Frau unseres Freundes eine tolle Verschwenderin, etwa in hohem Grad putz- oder genußsüchtig wäre- Nicht einmal den Vorwurf der Arbeitsscheu kann man ihr machen, doch fehlt ihr die rechte Arbeitslust, die rege Thätigkeit, die Kunst des Haushaltens, die richtige Eintheilung der vorhandenen Mittel, die heilsame Sparsamkeit am rechten Ort, die strenge Ordnungsund Reinlichkeitliebe, die nöthige Gewandtheit bei den häuslichen Verrichtungen. Und daher kommt es, daß sich das Leben unseres Freundes Sorgenvoll zu einem recht herben gestaltet. Fortwährend befindet er stch in bitterer Verlegenheit. Vergrämt und sorgenvoll kann er die Last nicht abschütteln, die auf seinen Schultern ruht. Zur alten Sorge gesellt sich täglich eine neue. Ganz anders gestaltet sich das Dasein unseres Freundes Freudenreich. Sein Einkommen ist ein geringeres als das von Sorgenvoll; die Ansprüche, die das Leben an ihn stellt, sind dieselben; dennoch leuchtet ihm Helle Freude aus den funkelnden Augen. Wohlsein, Zufriedenheit und Gedeihlichkeit wohnen in einem Hause. Und er verdankt diese Güter nächst Gott seinem treuen Weibe. Bei ihm heißt es in der That: Mit einem häuslichen Weibe kann man nicht verderben. Das „häusliche Weib" sorgt für Reinlichkeit und Ord- nung. Es läßt keine Lumpen aufkommen. Sie und ihre Kinder erscheinen, wenn auch einfach, stets reinlich und schmuck. Es mag ja, sagte Fritz Möhrlein, ungewiß sein, ob lumpige Menschen lumpige Kleider machen, oder lumpige Kleiber lumpige Menschen. Eins aber ist gewiß, baß beide stets beieinander sind. Unsere Frau Freudenreich ist beschäftigt vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Es gießt keine Arbeit, die ihr zu gering wäre. Alles im Hause muß seine Ordnung haben. Flink und fröhlich geht ihr die Arbeit von den Händen. Man braucht ihr Wirken nur zu beobachten, um ihre Geschicklichkeit zu bewundern. Namentlich in Küche und Keller macht sich ihre Tüchtigkeit geltend. Sie versteht es, Mann und Kinder durch gute, schmackhaft zubereitete und dabei doch nicht übermäßig kostspielige Speisen und Getränke zu erquicken. In der richtigen Art der Zubereitung liegt ja so häufig das ganze Geheimniß eines guten Tisches. Wie Frau Freudenreich eine Meisterin in dem Beruf der Hausfrau ist, so stellt sts sich auch die Aufgabe, ihre Töchter von klein auf in allen häuslichen Tugenden zu erziehen. Sie versäumt es nicht, den Mädchen die nöthige Gewandtheit im Nähen, Stricken, Flicken, Stüpfen, Waschen, Bügeln und Kochen beizubringen. So sichert sie sich nicht nur die Hilfe, sondern, was unendlich mehr werth ist, den Dank ihrer Töchter, sobald dieselben hinreichend herangewachsen sein werden, um zu erkennen, welch' ein großes, hohe Zinsen tragendes Kapital in den haushälterischen Tugenden eines Weibes verborgen liegt, sei seine Lebensstellung, welche sie wolle. Unter solchen Umständen ist das häusliche Leben der Familie Freudenreich ein sehr gedeihliches. Behagen, Freude und Zufriedenheit machen sich allerorten geltend. Freudenreich ist imstande, infolge der sorgfältigen, sparsamen und dabei nichts weniger als knickerigen häuslichen Verwaltung, die sein braver und geschicktes Weib ausübt, bei seinem bescheidenen Einkommen sein Leben angenehm zu genießen und noch einen Sparpsennig zu erübrigen. Roth und Sorge verbannt aus seinem Heim das treue Wirken seines häuslichen Weibes. Niemals ist es selbst dem fleißigsten und geschicktesten Mann gelungen, sich aus den ärmlichen Verhältnissen zu einem behaglichen Wohlstand emporzuarbeiten, wenn sein Weib es nicht verstand, den Haushalt mit Einsicht, Sparsamkeit und Geschick zu führen. Der tüchtigste Mann kann nicht weiter kommen, wenn ihm ein unhäusliches Weib zur Seite fleht; aber manchen liederlichen Mann hat ein tüchtigns Weib vom Untergang gerettet. Vermischtes. Kafernenhofblüthe. Unteroffiizer beim Unterricht zu einem schwer begreifenden Polen: „Kohltnsky, Jammermensch, nach meinem preußischen Schätzungsvermögen kommt mir die chinesische Mauer wie 'ne spanische Wand gegen Ihren polnischen Dickschädel vor!" * ♦ Passender Vergleich. Von dem eiteln, wichtig thuenden Geheimrath X. sagte neulich Jemand: „Wissen Sie den Unterschied zwischen ihm und dem Frosch, der sich zum Ochsen aufblasen wollte? Der Frosch ist dabei geplatzt, — dem Geheimrath ist's geglückt." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.