Nntevhaltnngsblatt zrrnr GretzsneV Anzeigen (GenHval-AnzeigKV) *S6jeaö=$^-.r^i* . . ... '*«?*’< s 1894. PPWME MNÄMEA DonnerstsZ, den 3. Mai. Die Hexe von Bingenheim. Von Gg. Schäfer. (Fortsetzung.) Da ging ein unheimlich Gerücht umher im Lande, erst leise und nur unter vier Augen, bald aber lauter und deutlicher. Das Prtnzlein ist keines natürlichen Todes verblichen, hieß es, sondern Hexen und Zauberer haben ihm durch ihre Künste vergeben und es vom Leben zum Tode gebracht. Gar schreckliche Krämpfe soll es gehabt und fürchterlich die Aeug- lein verdreht haben, bevor es starb. Diese Gerüchte drangen am ersten durch die Dienerinnen zur Frau Landgräfin, denn das weibliche Personal an Höfen und anderswo weiß gar schnell alle Neuigkeiten, Heimlichkeiten und Unheimlichkeiten aufzuspüren und weiter zu leiten. Der Glaube an Hexen, Zauberer und Unholde, an deren übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten, an die schrecklichen Thaten der Teufels, welcher mit schlechten Menschen Bündnisse ab- schlöfle, um andere Menschen zu quälen und zu verderben, Vieh sterben zu laffen, Ungeziefer und übele Witterung zu erzeugen, auf daß es den Menschen elendiglich erginge: dieser schreckliche Aberglaube war vor 250 Jahren, besonders nach dem 30jährigen Kriege, allgemein unter allen Ständen verbreitet und hat die fürchterlichsten Früchte gezeitigt. „Mein Gemahl!" sprach Sophie Eleonore mehrere Monate nach Ableben des Prinzleins zu dem Landgrafen, „es geht die schreckliche Sage, daß unser Söhnlein keines natürlichen Todes verstorben, sondern durch böse Menschen, Hexen, höllische Geister und Zauberer seines Lebens beraubt worden sei. Gar wohl weiß ich, daß Ihr einen hohen, aufgeklärten Geist besttzet, nichts von solchen Dingen hören möget und ste in das Reich der Fabeln und Phantasmagorieen verweiset. Doch die Gerüchte treten mit solcher Bestimmtheit aus, daß ich sie nicht länger verschweigen darf, bitte darum Euer Liebden, die Sache untersuchen und dagegen einschreiten zu wollen, ehe größeres Unheil unserem Lande und Volke erwachsen mag." „Meine vielgeliebte Gemahlin," erwiderte Wilhelm Christoph, indem er der jugend-schönen Gattin zuerst die Hand, dann die weiße Stirne und zuletzt das seidenweiche Haar zärtlich küßte, „auch mir sind dergleichen Gerüchte schon zu Ohren gekommen. Doch kann ich daran nicht glauben. Man wüihet mit Feuer und Schwert, mit Galgen und Rad im ganzen heiligen römischen Reiche deutscher Nation gegen Hexen und Zauberer. In unserem Heffenlande, insonderheit in unseren Stammlanden, den Landgrasfchaften Darmstadt und Homburg, ist es seither ruhig geblieben, zu unsrer Ehre sei e» gesagt. Am wenigsten wird der Hesse seinem Landesvater oder dessen Kindern und Angehörigen etwas zu leide thun, denn treu ist der Hesse und — wie der Apostel sagt — kein Falsch an ihm, gerecht und fromm ist er. Anderthalb Jahrtausende in der Geschichte beweisen dies und es ist, meine liebwertheste Sophie Eleonore, unser Stolz." Der Landgraf hatte mit Wärme und Begeisterung gesprochen und es blitzte Stolz und Freude aus seinen Augen, als er von seinem Volke und dessen trefflichen Eigenschaften und seinen Stammlanden sprach. „O, wie freue ich mich," begann Sophie Eleonore, als der Gemahl schwieg, „daß Euer Liebden Ihr Volk und Land so lieben und hoch halten. Auch ich thue es und von Kindes- beinen an ist es uns eingepflanzet worden. In diesen herrlichen Thälern und Fluren, wo es mir allsogleich am ersten Tage gar sehr gefiel, kann man sich heimisch fühlen." „Dank Euch für dieses Wort, liebwertheste Gemahlin. Wohl habt Ihr recht, daß es schön ist in der Wetterau und selbst in ganz Oberhessen. Ein wackerer Volksstamm wohnt in diesen Gauen, der sich vor sechszehn Jahrhunderten schon mit den Römern herumschlug und diese hatten hohen Respect vor den Chatten oder Hessen, wie ste später hießen. Tapfer, treu, bieder, einfach und genügsam sind die alten Helden gewesen, dies Erbtheil soll den Nachkommen verbleiben." „Recht habt Ihr, mein Herr Gemahl, kein Hesse wird seinem Landesvater oder dessen Familie etwas zu leid thun. Aber wisset, es gibt auch Fremde, Ausländer und fahrendes Volk, welche die Vaterlandsliebe und Hessentreue nicht im Herzen tragen, lieber diese haben die Hexen, Zauberer und höllischen Geister einen solchen Einfluß, daß sie Böses und fürchterliche Uebelthaten gegen Menschen, Thiere, Wein und Getreide allzeit auszuüben bereit sind. Grade diese Haffen die Guten, die Hochstehenden und sogenannten Geringen. Kein Fürstengeschlecht steht so hoch, daß es nicht von Sündern und Schächern beneidet und angefeindet werden könnte. Werden nicht zuweilen die besten Menschen und erhabensten Herrscher am meisten gehaßt? Das sind teuflische Einflüsse, die wir Menschenkinder nicht genügend erklären können." "Meine liebwertheste Gemahlin," antwortete der Landgraf und küßte der Gattin von neuem die Hand, „Ihr habt da viel Wahres gesagt. Zwischen dem Diesseits und Jenseits gibt es noch ein Etwas, das wir nicht zu fassen vermögen. Finstere Mächte scheinen Einfluß auf die Schicksale der Menschen zu gewinnen und daß Fremde, welche kein Interesse für unser Vaterland, Heimath und Familie haben, leichter bereit zu Uebelthaten, Raub, Mord und Brand, also auch zu unheilvollen 202 - nicht irre machen. , t , „Sagt mir/' sprach er ernst, „wie das berühmte Werk von Friedrich Spee: Cautio criminalis, mit dem ich seit Wochen mich beschäftige, erfaßt und verstanden werden soll? Spee ist der Nachkomme eines altadeligen Geschlechtes Derer von Langenfeld, ein hochgelahrter Herr und katholischer Theo- logus. Ihm wurde das Haupt grau vor den Jahren, roett er die Ueberzeugung bekam, daß die vielen Hexen, die er als deren Seelsorger und Beichtvater auf ihrem letzten Gange zum Blutgerüste begleiten mußte, unschuldig hingemordet wurden? ' „Euer Durchlaucht wollen gnädigst gestatten," erwiderte Caspari, „ehrerbietigst zu bemerken, daß gerade Spee in seiner ersten Frage der Cautio criminalis, welche lautet: Ob auch in Wahrheit Zauberer, Hexen und Unholde seien? die Antwort gibt: Ja — und daß dasselbig von Niemanden ohne Leichtfertigkeit und groben Unverstand geleugnet werden könne." Mit Geschicklichkeit und juristischer Spitzfindigkeit gelang es Caspari, da die beiden anderen Beamten mithalfen, die Be- denken des Fürsten zu beseitigen. „Nehmen wir an," sprach der Landgraf, „Ihr hättet Recht; wie steht es aber mit der Verantwortung vor Gott und dem Gewiffen? Hier in der neunten Frage Paragraph sechs des Spee'schen Werkes stehet geschrieben: Ich weiß wohl, daß in diesem Wesen auch einige Unschuldige mit unter aufen; aber deshalben mache ich mir kein Gewiffen, sintemal mein Fürst, der doch ein sehr vorstchtiger, gewissenhafter Herr ist, mich treibt, daß ich in diesem Lande fortfahren solle; der wird wohl wiffen und sein Gewiffen dabei in Acht nehmen, was er befiehlt; mir gebührt, daß ich demselbigen nachkomme. Ist das nicht (Gott erbarm'« I) eine lustige Sache? Fürsten und Herren legen alle Sorgen von sich ab und hängen dieselben auf ihre Amtleute und Räthe und deroselben Conscienz und Gewiffen; diese thun dergleichen und werfen's auf ihrer Herren Gewiffen! Der Fürst sagt: Unsere Räthe mögen sehen, was sie zu thun haben; die Räthe sagen: Der Fürst möge I sehen, daß er's verantworte. Ist das nicht ein schöner Circui? Welcher aber wird vor Gott verantworten müffen? Dann weil es Jener sehen soll und Dieser soll's sehen, geschieht'-, daß es Niemand siehet oder achtet." Nachdem der Landgrrf dies vorgelesen, erhob er sich, ging einigemal tnt Gemache auf und ab und sprach: „Niemals werde ich mein Gewiffen mit dem schrecklichen Gedanken belasten, daß ich meine Zustimmung zu der Hinrichtung eines Menschen gegeben, deffen Unschuld sich nachträglich herausstellt." . u „ I „Niemals, Durchlaucht!" antwortete Caspari mit Warme; „die gerechteste und sorgfältigste Prüfung muß bei jedem ein- I zelnen Falle stattfinden und nur dann darf gestraft werden, wenn vollständige Beweise und unanfechtbare Zeugen vorhanden sind. Die Ausführungen des Spee sind darneben nicht von I Werth, für uns gilt Benedict Carpzov, der Sohn des aus- gezeichneten Juristen, Kanzlers und Appellationsrathes zu Dresden, gestorben 1624. Der Sohn Benedict Carpzov überragt den trefflichen Vater noch um Haupteslänge. Er hat am Schöppenstuhle zu Leipzig, am Oberhofgerichte daselbst, als I Hofrath zu Dresden und als Profeffor der Rechtsgelahrtheit in Leipzig die herrlichsten Werke verfaßt; seine practica rerum criminalia gelten als das Beste unter allen ähnlichen I Werken und er ist unbestritten der größte Jurist unseres Jahrhunderts. Was eine solche Autorität sagt und thut, dürfen wir glauben und annehmen." , n „So gebe ich denn mit schwerem Herzen meine Zustim- mung," sprach der Landgraf nach längerer Pause und nut einem tiefen Seufzer, „daß eine Untersuchung gegen den Schweinehirten von Biffes und seinen Sohn eröffnet werden darf. Ich mache zur Bedingung, daß nur auf Grund von I Thatsachen und mit großer Milde und Menschlichkeit verhandelt werden soll, denn Milde und Herzensgüte werden seit I Jahrhunderten im hessischen Fürstenhause geübt. Ich befehle, daß Erkundigungen in der Umgegend über die beiden Bezich- I tuten eingezogen werden, bevor sie selbst zur Haft kommen I dürfen. Fallen die Erkundigungen nicht ungünstig aus, soll , I man die Leute in Ruhe laffen. Gehabt Euch wohl, Ihr Herren, die Sitzung ist aufgehoben." Mit tiefen Bücklingen entfernten sich die Beamten. Der Rentmeister und der Kanzleirath, welche dem Justiz-Commiffarms als einem Eindringling und jüngeren Emporkömmling wenig günstig gesinnt waren, empfahlen sich bei ihrem Vorgesetzten und gingen zusammen ihren Wohnungen zu, welche nahe bei heimlichen, sündhaften Handlungen find, können wir um so weniger bestreiten, als ja die gräuliche Verwüstung unseres armen Vaterlandes, welche» au» tausend »no hunderttausend Wunden annoch blutet, beredtes Zeugniß ablegt, lieber solche I Fremden, Landstreicher, Zigeuner und Gesindel jeher Art werde I ich mit dem Justizcommiffarius Caspari berathen und ihm gemeffene Befehle ertheilen, daß er strenge gegen diesen Ab- schäum der Menschheit einschreitet. Ich will nicht, daß mein I Land und Volk, welche» ansängt, sich von den schweren Schick- salsschlägen zu erholen, durch Tagdtebe und Vagabunden be- 1 lästigt und ausgesogen wird." _ t L . „Vergesset auch nicht, mein Herr Gemahl, daß der Schweine- I Hirt von Bisse» ein Ausländer und hergelaufener Mensch ist, der im übelsten Rufe stehet, der die Leute mit allerhand Zaubersprüchen und Tränklein behandelt. Von dem Augenblicke an, wo dieser Mann unser verblichene» Kindlein ansah und an- I redete, ging es rückwärts mit ihm, bis es den Geist aufgab. Der Landgraf schüttelte den Kops zu diesen Worten der I geliebten Gemahlin, wodurch diese nur noch eifriger wurde. „Was meine Augen sehen, glaubt mein Herz, sagen die I Wärterinnen," bemerkte Sophie Eleonore weiter. «Fraget doch einmal selbst die Beiden, welche genau und übereinstimmend die Begegnung mit dem Schweinehirten undffeinem Sohne I erzählen. Zwischen Himmel und Erde gibt es Dinge, welche I wir uns nicht erklären können, wie Euer Liebden vorhin selbst sagten. Da» tiefschmerzliche Ereigniß in unserem Hause scheint de» Unerklärlichen viel in sich zu bergen." Bei diesen Worten rannen der Landgräfin die Thränen über die zarten Wangen, was den Fürsten tief ergriff. „Wollet Euch trösten, liebwertheste Gattin," sprach er weich und Herz- lich, „ich werde Eurem Wunsche Folge leisten. Wochenlang kämpften die widersprechendsten Gefühle tm Inneren des Fürsten. Die Greuel, welche durch die Hexen- prozeffe in allen civilisirten Ländern Europas verübt wurden, waren offenkundig; auf der anderen Seite glaubten alle Menschen: Gelehrte und Laien, Juristen und Theologen, Staatsmänner und Heerführer, Bauern und Handwerker an die unnatürlichen Kräfte und die verderblichen Einflüffe der Hexen und Zauberer: also war er Pflicht, sie auszurotten. Was ist das Richtige? fragte sich der Landgraf: Die Vernichtung von Menschenleben, von denen vielleicht die meisten ganz unschuldig waren? Oder den Hexen und Zauberern mit ihren bösen Thaten freien Lauf zu laffen? Der Fürst befahl den Justiz- commiffarius Caspari zum Vortrag, welcher bat, daß in dieser hochwichtigen Sache auch der Canzleirath Holthäuser und der Rentmeister Leisching zu einem Conseil unter dem Vorsitze des Fürsten berufen werden möchten- Die» geschah; Caspari hatte eine große Anzahl gelehrter Werke, von Juristen und Theologen lutherischer, reformirter und katholischer Confession der damaligen Zeit verfaßt, päpstliche Bullen, fürstliche Decrete und Verordnungen herbeigeschafft und wies daraus in überzeugendster Weise nach, daß es Hexen gäbe und daß es Pfl cht der Fürsten und ihrer Behörden sei, diese Scheusaln mit Feuer und Schwert zu vertilgen. Der Kanzleirath und der Rent- meister stimmten eifrig bei, aber der Landgraf ließ sich dadurch einander lagen. „Meint Ihr nicht," flüsterte der Rentmeister, als sie einige hundert Schritte entfernt waren, „daß der hochmögende, gestrenge Commiffarius- mit den Folter« und Marterwerkzeugen Alles beweist, was er will?" . „Selbstverständlich!" erwiderte der Kanzleirath. „Die Tortur leistet Alles, was man von ihr verlangt. Besonders ist sie gut dazu, aus einem unschuldigen Menschen einen scheußlichen Verbrecher zu machen. Ein reiner, unschuldiger ME, der kein Verbrechen begangen hat, kann nichts gestehen. Man legt ihn aus die Folter, man schraubt ihm Arme und Beine — 2Ö3 B der Nacht, denn aber doch ein wenig zu arg trieben, sagte er herüber- : „Mine Herren, ich bin ein pflichtgetreuer Beamter Werthers Schatten Novelle von Carl Cassau. Zusammen, bis das Blut herfür spritzt- Man zwickt ihn mit glühenden Zangen, man streckt und zieht ihn so lange, b.s er die Qualen nicht länger aushält und lieber sterben, als sich länger martern lassen will. In diesem Zustande kann man Alles in ihn hinein verhören und aus ihm herausexamrniren, i (Fortsetzung.) X-ssirsfÄttsw » bi?MenfLen fernen aus was von I einen der Herren Studenten dem guten Schwalbheimer Bier ihnen verlangt wird und bittensastausnahmslos darum: man zu viel zugesprochen, verschwieg der Wirth wohlweislich, solle sie Hinthun, sobald als möglich, das Leben sei doch nur I „Aber wir müssen letzt heim! Was der Vater denken nock eine Qual für sie" I wird?" jammerten die Damen. $ „Ihr meint also, daß Derjenige, welcher dem Hexenrichter Reißner suchte sofort die Damen zu trösten und sagte: einmal unter die Hände fällt, unrettbar verloren ist? Wo I „Am Ende ist es nicht so schlimm, wir sind Beide im Fahren bleibt da die menschliche und göttliche Gerechtigkeit? ' I sehr wohl bewandert und künnen das Kutscheramt übernehmen. Diese Frage habe ich mir oft schon selbst und auch vielen I „Aber das Aufsehen rn Schwalbheim! meinte Sophie naiv. Anderen vorgelegt, aber noch niemals eine genügende Antwort Werther zuckte die Achseln und meinte: „Von zwei Nebeln empfangen- Glücklich ist dasjenige Volk, das keine Tortur I ^hlt man stets das Kleinste, auch können ja tue Damen vor braucht. Die Zeit wird kommen, aber wir erleben sie nicht ber Stadt aussteigen, das Gefährt wollen wir schon abliefern! mehr. Doch dereinst wird man mit Schmerz und Entsetzen „Sie haben recht!" entschied nun Laura. „Lassen Sie auf unfer Zeitalter zurückschauen und es mit Recht ein bar- I anspannen, Herr Wirth!" . .. . barisches schelten." I Bald stiegen die Damen mit den Studenten m die Kutsche. Ihr meint aber doch selbst, daß er Hexen gäbe und daß @8 war eine reizende Fahrt, belebt durch ein animirtes Gespräch, man gegen sie einschreiten müsse," bemerkte der Rentmeister. „Sagen Sie mir doch, Herr Reißner," fragte plötzlich „Das ist meine Ansicht und die Ansicht unseres Säcu- gaura, „warum nennen Sie Ihren Freund stets Pluto? Es lumr, ich kann aus dieser Ansicht ebensowenig heraus, wie aus I m doch ein Hundename?" meiner Haut." , Werther stieß Reißner mit dem Fuße an und dieser er- Aber so saget doch: was soll man denn mit den Hexen I widerte tätetnb: „Fräulein Laura, das »st eine lange Ge- anfan'gen, wenn es nun einmal welche gibt, die Unheil stiften ?" I schichte. Herr Helbig besaß einst einen Hund dieses Namens, Mit christlicher Milde gegen sie verfahren; sie durch I ber sein stetiger Begleiter war, daher der Name! Gottes Wort und Lehre auf den richtigen Weg bringen, denn I Werther athmete erleichtert auf, und die Damen lachten. Feuer und Schwert haben die Hexen noch niemals ausgerottet. I Aber da lag Schwalbheim schon. Ueberall, wo man anfing zu martern, zu stranguliren und zu I . n stiegen aus und nahmen dankend brennen, nahmen die Prozesse einen greulichen Umfang an. I bejben greunbe aber steuerten das Gefährt Ganze Dörfer, ganzeGegendenwurdenau^ mit dem betrunkenen Kutscher nach der goldenen Sonne zu dem wuchs die Anzahl der Hexen täglich. Die C-mgekerkerten I Eiaentbümer, Gaffelin. denuncirten aus Hatz viele andere Menschen als Hexen; die I mar gjne böfe Nacht, die nun folgte. Halb von dem Hexenlichter zwangen die Bezichtigten zu neuen Denuncratwnen, I . sg(cr berauscht, hatten die Freunde Schwalbheim er- die Habsucht kam mit in's Spie . Schlucht und Habsucht W rooD[te e8 ba8 Unglück auch noch, daß sie einen sind die abscheulichsten Eigenschaften des Menschen. Selbst «gi Studiengenoffen im Gaffelin'schen Wirthshause fanden, Kinder wurden schon hingemordet. Alle Fürsten, welche Hexen- “ Z^sch Prozesse an stellen ließen, mußten noch einigen Jahren Einhalt 1 v «.oßab Bruder, woher des Weges ?" fragte Reißner gebieten, weil sonst das ganze Land ausgebrannt worden wäre. I c^tteite dem Freunde enthusiastisch die Hand. Wehe unserem schönen Thals, wenn die Hexenscheiterhaufen I fomme von Hennigstedt. Aber wißt Jhr's denn darin qualmen sollten, es wäre schlimmer als Krieg und I " , i)Olt Amtmann geworden bin? " Pestilenz!" t .... I '„Gratuliere, Philister!" nickte Reißner. „Warst stets „Aber warum habt Ihr das voihin dem Fürsten nicht I öQn un§ Qllen am heschlagendsten, kanntest stets die einfchlä- selbst eindringlich vorgestellt?" ... mgen Paragraphos, weshalb Du auch der Salamo heißest." „Ich weiß es selbst nicht; ich glaube, baß es Hexen gM | 9 Wertster, der nach seines Vaters Willen Amtmann in ich habe eine innerliche Furcht vor ihnen und ich furchte mich I -.^nigstedt hatte werden sollen, war erst etwas verstimmt, vor dem Commiffarius, der Alles durchsetzt, was er will Ich ^langte er Wein und wurde lustig. bin nicht der Mann, der sich einem furchtbaren Ereignisse ent- I $er g2irtb Gaffelin war schnell zur Hand: „Echter gegenstemmen kann. Mir ist am wohlsten, wenn ich meine I — » Erbacher!" versicherte er. „Reine Siebenziger Auslese." hängniß doch nicht aufhalten, selbst wenn wir wollten. Hat I » . ranaen einer Ecke gegenüber es doch der gelehrte Spee, der noch dazu aus adeligem Hau zu, als sie es ist, auch nicht vermocht; er war fest davon überzeugt daß die stand derc alte’ er herübermeisten der armen Sünder, die er zum Hochgerichte begleitete, I den $ S 8 bin ein pflichtgetreuer Beamter fürchteM E "Nb mußb^eMch^ Hexenrichtern TnbU SÄn Könnte uns das^nicht ÄS - unb um uJS W* da haben * «0* « E' ® *t' i„kn Sie » uWiu Ml" jFortsetzung joigt.j •— 804 „Für einen zweiten Lhaler wirst Du auch nicht hören, wenn wir den Damen ein Ständchen bringen!" „Aber nicht so sehr gebrüllt, meine Herrens, sonst —" „Nein, wir singen ganz leise!" lachte Reißner. „Wo wohnen die Damen, Werther?" „Dicht neben uns!" „Vorwärts denn!" Im Woland'schen Hause war alles dunkel und bald begann Reißner gerade gegenüber auf der Gasse mit seiner tiefen Baritonstimme: „Holde Maid in süßer Ruh! Rings die Welt im tiefsten Schweigen, Selbst die Bäume, müde, neigen Mit den Gipfeln, mit den Zweigen Eine gute Nacht Dir zu; Schlaf in Ruh, schlaf in Ruh! Hold Maid in süßer Ruh! Ach, Dein Bild wird nicht verbleichen. Noch durch meine Träume reichen, Mir nicht aus dem Herzen weichen Gute Nacht ruf ich Dir zu: Schlaf in Ruh, schlaf in Ruh!" Die nächsten Fenster der Nachbarschaft öffneten sich, große Schlafhauben und hausväterliche weiße Zipfelmützen wurden sichtbar. „Um Gottes Willen fei still!" flüsterte Werther und riß Reißner mit sich hinter einen Erker. Die Hunde schmiegten sich an ihre Herren, als aber ein verspäteter Wanderer daher kam, schlugen beide laut an und umbellten den Wanderer in großen Sprüngen. Schwer gelang es, sie zu beruhigen. Auf einem Unweg erreichten die nächtlichen Schwärmer erst das Helbig'sche Haus und erstiegen vorsichtig die Treppe. Beide schliefen am anderen Morgen noch fest, als Gröhl- mann zum Wecken erschien: „Herr Helbig! es ist Zeit! die Post fährt präcise 9 Uhr ab!" „Laß sie fahren dahin! Heut' ist kein Colleg! Wie schön Laura geworden ist l" erwiderte Weither wie im Traume. Er legte sich bequemer zurecht und schnarchte weiter. Gröhlmann schüttelte den Kopf und brummte: „Noch ganz im Schlaf! Vielleicht bin ich glücklicher, wenn ich dem Andern vor's Gesicht trete!" Er klopfte Herrn Reißner auf die Schulter und wiederholte sein Citat von der Post. Der Studiosus aber träumte sehr lebhaft, packte das alte Factotum des Hauses Helbig an den Beinen, und schüttelte es entsetzlich, so daß der Alte laut um Hülfe schrie. Da erwachte Reißner und rief: „Nun, was gibt's? Schuhputzer, es sind ja Ferien, und kein Colleg, also laß mich schlafen!" „Aber die Fahrpost geht ab, mein Herr!" „Laß sie abgehen!" schloß Reißner seine kurze Antwort, und auch er opferte dem Gotte Morpheus weiter. Den Bericht Gröhlmanns über die jungen Herren nahm der alte Helbig mürrisch entgegen, sagte aber dann: „Nun, laß sie schlafen!" „Es war lange nach 10 Uhr, als die beiden Langschläfer herunterkamen, und Frau Helbig mit einer langen Strafpredigt den Kaffee auf den Tisch brachte. Herr Adrian Helbig aber war nicht sichtbar. Noch vor Tisch überbrachte Frau Cornelis dem finster- blickenden Hausherrn die Nachricht, daß der Gast mit der Nachmittagspost bestimmt fahre, worauf ihr Gatte zurückgab: „Wird auch Zeit: halb Schwalbheim war diese Nacht wegen des Ständchens auf den Beinen!" Werther mußte Reißner nun Wolands Garten zeigen, und hier fand dieser Gelegenheit, Sophie noch einmal zu sprechen. Als gleich nach 5 Uhr Werther von Reißner Abschied genommen und vom Posthause zurückgekehrt war, meinte sein Vater: „Lieber Werther, wenn wir Freunde bleiben sollen, so lege nun diese Kleidung ab und trage Dich wie ein ehrbarer Mensch. Den großen Köter hättest Du besser auch in Jena gelassen!" „Soll ich ihn fortschaffen, Vater?" meinte Werther sehr entgegenkommend. „Mir wäre es lieb I" ,,@8 soll geschehen, und mit der Kleidung will ich gleich wechseln!" „Desto besser!" (Fortsetzung folgt.) GeineinirNtziges. Gelee, Reeept für Kranke. 2 rein geputzte, zerhauene Kalbsfüße, die Schale einer halben Citrone, 1 Stückchen Zimmel, 3 Handvoll Hirschhorn, etwas Safran und Muskat- blüthen übergießt man mit 2 Liter Wasser, deckt den Topf zu, läßt 4 bis 5 Stunden langsam kochen, seiht dann durch ein reines Tuch, nimmt nach einer Stunde das Fett ab, gießt das Klare in eine verzinnte Kasserolle, fetzt den Saft einer Citrone, 2 Gläser alten Rheinwein und den nöthigen Zucker zu, kocht eine halbe Stunde, klärt dann mit dem zu Schnee geschlagenen Eiweiß von 3 Eiern, seiht durch den Geleebeutel und bewahrt das Gelee an einem kühlen Orte auf. — Um Gelee gegen Schimmeln zu schützen, streut man auf die Ober- fläche derselben nach dem Einfüllen 5/s Centimeter hoch gepulverten Zucker, auf Fruchtgelee, ebenso hoch Johannisbeer- Gelee. * Das Schimmeln der in Zucker eingekochten Früchte wird sofort abgestellt, wenn man auf dieselbe eine Lage klaren Zuckers von 1 bis 2 Zentimeter Stärke aufbringt. ♦ * Ein billiges wasserdichtes Papier erhält man, wenn man Asphalt in Terpentinöl auflöst und damit dar Papier zwei Mal überstreicht. Solches Papier kann zur Verpackung von Gegenständen, zum Ueberbinden von Gefäßen, die an feuchten Orten stehen und zur Unterlage von Tapeten auf feuchten Wänden verwendet werden. Vermischtes. Kasernenhofblüthen. Unteroffizier (in einer Instruction): Bei Erkrankung hat der Soldat sofort zum Unteroffizier du jour zu gehen, wenn nicht ganz schwere Fälle wie Typhus oder gar ein gebrochenes Bein vorliegen; zum Arzt muß er aber unter allen Umständen gebracht werden, damit sein alibi festgestellt werden kann. ♦ ♦ ♦ Schusterjungen.Verstand. Schusterfrau (keifend) .... „und das viele Schnapstrinken ist auch 'n Nagel zu Deinem Sarge ...."- Meister (nicht hinhörend): „August hol' mir mal forn'n Jroschen Wichse, for'n Sechser Del und for'n Jroschen Näjel." - Lehrling: „So 'ne Nägel zu Ihrem Sarje, Meester?" * $ • . , Prophylaxis. Doctor: „Haben Sie die Rechnung dabei, Meister? Ich will die Stiefel gleich bezahlen!" - Schuster: „Hier, Herr Doctor! Sind S' aber so gut und zieh'n S' gleich ein Rezept sür'n schlecht'» Mag'n ab!" - Doctor: „So, sind Sie krank?" - Schuster: „Nein, jetzt noch nicht — aber die Feiertag' sind ja vor der Thür!" ♦ * .Gute Ausrede. Gräfin: „Johann, warum haben Sie dem Sultan heute kein Wasser gegeben?" - Johann: "I urss ihn gern als a' biss'l paustren, sonst g'wöhnt sich der Kerl s' Saufen an!" Rcdaction: A. Scheyds. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.