Nirterchaltrrngsblatt jum Gietzenev Anzeigev (Gsnevnl-Anzergsv) 1894. ^s- -$x@--M- ME !!^iM ■ .nr -4j, WM ELM MMWtz? "y E ^JTZ- MMM W ■ S$Sgr jS^-SSSa WMMSM2S WÄM«LL MMW ■ IJTÄi.., , W^MW Dienstag, den 3. April. .... ........................ 1 ---!---------------- ...I. ! .SSSWS——SW» Die Wallfahrt nach Czenstochau. Roman von Johanna Berger. (Fortsetzung.) Der Lieutenant hatte gebückt, mit fast klangloser Stimme, zuweilen ganz stockend, seinen langen Bericht zu Ende gebracht. Nun erhob er sich und reichte dem Grafen das kleine Herz. Dieser griff hastig danach und riß es mit fiebernden Fingern an sich. Er war schon während der Erzählung des Alten in große Aufregung gerathen, die immer größer wurde; schließlich nahm sein Gesicht einen Ausdruck an, der alle Anwesenden erschreckte. Sein Blick hing mit wahrem Entsetzen an dem goldenen Kleinod, das seine Hand umkrampfte. Ja, dieses Herz war einst sein Eigenthum gewesen, aber wie fern, wie weit lag jene Zeit! Und doch tauchte sie plötzlich in leuchtenden Farben vor ihm auf und ein Erinnern an Jugend, Wonne und Freude, an sonniges Glück und süßen Mädchengesang, an noch süßere Mädchenliebe durchströmte seine Brust — aber auch ein Erinnern an Leiden, Scheiden und Sterben. Es flimmerte vor seinen Augen und doch starrten dieselben mit einem unheimlichen Forschen und Suchen auf das Schmuckstück hin. Darauf flog sein Blick angstvoll zu dem alten Wytek hinüber, der schon wieder in seinem Sessel zu- sammengesunken war. Und immer von Neuem irrte er hin und her, immer angstvoller, unruhiger fragten die dunklen, suchenden Augen und dabei wuchs in des Grafen Innern etwas zu einer namenlos quälenden Vermuthung heran — zu einer furchtbaren Gewißheit. War sie es, konnte sie es sein? — Margarethe — die hier elend gestorben? Mit jagenden Pulsen dachte er diesen Gedanken aus. Und doch — er hielt das Porträt in der Hand, das sein eigenes war, den vergilbten Papierfetzen, der seine Handschrift trug. — Konnte er noch zweifeln? - Nein, gewiß nicht. Und nun ging es wie ein brausender Sturm durch seine Seele, denn sie ließ sich nicht fortleugnen, die schreckliche Wahrheit, alle Umstände trafen zu. Und wenn er doch noch ungläubig war, so war die Aehnlichkeit vorhanden, die wunderbare Aehnlichksit Jadwigas mit Margarethe. So viel verwandte Züge fand man nur bei zwei Menschen, die das Blut miteinander gemein hatten. — Nun wußte er auch, warum ihn der erste Anblick des fremden Mädchens so heftig erschüttert hatte. Ach, Alles an ihr rief ihm ja die Jugendgeliebte in'S Gedächtniß zurück. Seine Brust hob sich krampfhaft, Leichenbläffe überzog fein Gesicht und es packte ihn ein Schwindel. Mit verlöschenden Augen suchte er noch nach einer Stütze, dann knickte er kraftlos zusammen. Die so unerwartet eingetretene Katastrophe hatte alle Anwesenden heftig erschreckt. Gräfin Antonia stieß einen Angstschrei aus und eilte dem Grasen rasch zur Hilfe. Mit Michalinas Beistand hob sie den Ohnmächtigen vom Boden auf und brachte ihn auf einen Divan in bequeme Lage. Sie rieb ihm Stirn und Schläfen mit einer belebenden Essenz, die sie stets in einem Flacon bei sich führte. Mit ihrer gewohnten Umsicht und Energie wendete sie alle verfügbaren Mittel an, um ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen, während Frau von Bielinska in ihrer Unbeholfenheit nichts weiter zu thun vermochte, als jammernd im Zimmer umherzurennen und die Hände zu ringen. Allmällig erholte sich der Graf, doch noch immer flog ein nervöses Zucken über fein blasses Gesicht. Sein erster, noch matter und unsicherer Blick suchte fchon wieder das kleine Schmuckstück auf, das seine Finger krampfhaft umschlossen hielten. Die Augen starrten so beharrlich darauf, als könne ihm dasselbe ein wunderbares Geheimniß offenbaren. Und mit einem Male — fast wie durch Zauber — sprangen alle Thore der Vergangenheit vor ihm aus, und vor feines Geistes Auge reihte sich Bild an Bild. Immer greifbarer, immer deutlicher sah er das Letzte vor sich — das todestraurige, letzte Bild. Seine Lippen öffneten sich, er wollte sprechen, aber wie im Krampf schlossen sie sich wieder. Un- fäglicher Schmerz zerriß ihm das Herz und eiskalte Schauer durchrieselten ihn. Sein Kopf sank wieder dumpf und schwer in die Polster zurück. Gräfin Antonia sprach kein Wort, nur das heftige Wogen ihres Bufens verrieth ihre tiefe Erregung. Sie beugte sich über ihren Gatten herab und küßte ihm sanft die Stirn. Im Zimmer war es still, ganz still, selbst Frau Casimira war endlich zur Ruhe gekommen. Sie wiegte sich schon wieder im Schaukelstuhl und blinzelte mit den beweglichen Aeuglein halb scheu zu den Kwileckis hinüber. Michalina kauerte vor dem Kamin und versuchte die sinkenden Flammen mit frischem Material von neuem anzufachen. Zuweilen fuhr sie mit dem Kopse zur Seite und streifte mit zornigem Blick das gelbe, verwitterte Soldatengesicht dort an der Thür - und dann wieder die großen, nassen Flecken auf dem Teppich, dem neuen Smyrnateppich, der so viel Rubel gekostet hatte. Und draußen schlug der Schnee an die Fenster — das unaufhörliche Gewirbel und Gestöber; die kalten, weißen Flocken setzten sich an die Scheiben fest und hüllten den Salon in 150 Nacht. Dabei tobte ein wilder Sturm und raste mit hohlem Brausen um dar alte Herrenhaus. „Stanislaw, soll ich Pavel zum Arzt schicken?" fragte endlich Gräfin Antonia. Der Graf hob langsam die Wimpern. '„Weshalb?" fragte er. „Du bist krank, Du liegst da, blaß und fiebernd, und rührst Dich nicht. Du wirst begreifen, daß ich in schrecklicher Angst um Dich bin." „Ich bin nicht krank," erwiderte er, „nur erschüttert — erschüttert bis in's innerste Mark hinein!" Und nun richtete er sich plötzlich auf, in seinen Augen loderte ein ungewohntes Feuer. „Antonia, weißt Du noch, was ich Dir einst von Margarethe Leonhardt erzählte? Es war kurz vor unserer Vermählung. Erinnerst Du Dich noch daran oder soll ich es Dir wiederholen?" „Wozu — ich habe e» nicht vergeflen. Und warum willst Du noch einmal an alten, längst vernarbten Wunden rühren! ' Um Gräfin Antonias schöngeschwungene Lippen schwebte ein bitteres Lächeln und ihre Stimme klang ungeduldig, fast rauh. „Und dennoch muß ich noch einmal darüber sprechen; ich kann nicht anders, Antonia. Zwanzig Jahre habe ich Ruhe gehabt, zwanzig lange Jahre. Aber nun lebt Alles wieder in mir auf, verklungene Saiten ertönen. Mein Lieben und Leiden, meine Schuld, meine Reue und Verzweiflung sind wieder da und was ich mit blutigen Thränen hineinsenkte in das Grab der Vergessenheit, ist auferstanden I" Des Grafen Stimme erlosch mit einem schluchzenden Laut, er hob die Arme und rang die Hände verzweifelt gen Himmel. „Aber Stanislaw, das ist ja reiner Wahnsinn! Nimm Dich doch zusammen und beherrsche Dich! Over bist Du doch krank?" fragte sie. Er schüttelte heftig den Kopf. „Höre mich nur ruhig an, ich bin nicht krank und jetzt will ich Dir die Geschichte meiner Jugend erzählen, in anderer Weise wie früher. Ich habe mehr auf dem Gewissen, als Du denkst!" Die Gräfin lächelte bitter schmerzlich vor sich hin, dann machte sie eine Geberde der Abwehr. „Laß das heute, Du bist aufgeregt, er hat Zeit bis morgen!" „Nein, heute," rief er heftig, „heute, heute! Ja, siehe mich nur finster an, ich verdiene es schon, denn betrogen habe ich Dich und belogen, belogen viele Jahre hindurch. Verachte mich, Antonia!" — Die Stimme schlug über, er ließ ächzend das Haupt aus die Brust sinken. „Still, Stanislaw, still!" sagte sie bedeutungsvoll. Ihr Blick fuhr erschrocken durch's Zimmer. Frau von Bielinska hatte neugierig den Kopf erhoben, während Michalina, die Feuerzange in der Hand, mit glotzenden Augen und offenem Munde herübersah. „Was ich Dir zu beichten habe, kann Jeder hören," fuhr er lebhaft fort- „So lange habe ich mein Geheimntß bewahrt, das niemals über meine Lippen kam. Ich glaubte, daß die Zeit es sterben lassen würde. — Aber es ist anders gekommen, ganz anders. Großer Gott, was hast Du für ein Geschick über die Menschen verhängt, daß sie auf Erden vollkommenes Glück nicht kennen! Erst dann, wenn man hineinsinkt in den Tod, in das dunkle Grab, dann findet man Ruhe und Frieden!" Schwer athmend verstummte er und preßte beide Hände vor die überfließenden Augen, als könne er damit die Bilder der Vergangenheit von sich abwehren. Gräfin Antonia glitt jetzt rasch durch das Zimmer und fuhr die alte Köchin unwillig an. „Was stehst Du hier mit offenem Munde, gehe hinaus, gehe, sage ich Dir!" „Na ja — aber mich plagt ganz wahrhaftig die N-ugier nicht," stotterte diese, indem sie die Feuerzange fallen ließ. Sie streifte noch einmal scheu und erschrocken des Grafen verstörtes Gesicht und trippelte hinaus. Aber die Thür schloß sie nicht fest, sie duckte sich dahinter nieder und lauschte begierig. Der Graf schwieg noch eine Weile, dann sagte er mit seltsam vibrirender Stimme: „Das arme Weib, das hier einst elend zu Grunde ging, war Margarethe Leonhardt, ich kann es beweisen — und die blonde Jadwiga ist ihr Kind und - das meine!" „Ach, großer Gott, ach, heilige Mutter von Czenstochau!" stammelte ganz fassungslos die Edelfrau, indem sie sich heftia bekreuzigte. Und nun ertönte auch ein lautes Klirren. Die Gräfin hatte ihr Flacon zur Erde gleiten lassen, dessen Scherben auf den Dielen zerschellten. Sie schüttelte in heftiger, zorniger Verneinung den Kopf. „Aber Stanislaw, das ist nicht wahr, das kann nicht wahr sein, — was Du redest, ist offenbarer Wahnsinn. Entweder bist Du krank oder Du lügst." «Ich log nur einmal in meinem Leben — damals aus Feigheit. Und Du mußt es glauben, daß ich jetzt die Wahr, heit rede. Dieselbe ist ja geradezu mit den Händen zu greifen, sobald man alle Verhältnisse erwägt und mit klarem Verstände prüft. Und wenn Alles zweifelt, so täusche ich mich gewiß nicht, ich darf nur an Jadwiga denken — sie ist der Mutter wie aus den Augen geschnitten — und dann die Augen, diese wunderbaren Augen, es sind Margarethens Märchenaugen!" „Zufall, Stanislaw, reiner Zufall! Nichts weiter, als ein merkwürdiges Spiel der Natur!" „Es gibt dergleichen Naturspiele nicht," brauste er aus. „Jadwiga ist mein Kind, mein armes, wiedergefundenes Kind, das sagt mir mein Herz — mein fühlendes, sehendes und sprechendes Herz. Es kann kein Jrrthum sein!" Des Grafen Stimme erstickte in einem Strom von Thrä> neu, der ihm unaufhaltsam aus den Augen brach. Und nun herrschte wieder eine Zsit lang lautlose Stille im Zimmer. Nur das Kaminfeuer knisterte und tanzte auf- sprühend mit zuckenden Flammenzungen über den Rost. Draußen war es trotz der Morgenfrühe ganz finster geworden, denn die schwarzgrauen Schneewolken hatten sich dichter zusammengeballt und Himmel und Erde in tiefe Dämmerung gehüllt. Bei Frau von Bielinska war der vorherige Schrecken schnell in Verwunderung und Neugier übergegangen. Sie konnte es kaum abwarten, mehr zu hören, und so sprang sie ungeduldig von ihrem Schaukelstuhle auf und lief zu dem Grafen hin. „Jesus, dann ist die Jadwiga gar kein Landstreicherkind," rief sie. „Wer hätte das gedacht, daß es noch so mit ihr kommt? Ja, ja — nun weiß man auch, wo sie das Aparte her hat, den stolzen Blick und die vornehme Haltung, mit einem Wort, den Adel im Blut. — Aber ich möchte gern mehr er« fahren, Pan Stanislaw — so reden Sie doch, — erzählen Sie, — ach, ich sterbe vor Ungeduld!" Gräfin Antonia hatte das kleine Schmuckstück an sich genommen und betrachtete es mit großem Interesse. „Es ist wirklich Dein Porträt, Stanislaw," sagte sie gepreßt. „Dar Herz trägt auch unser Familienwappen und unsere Initialen — und doch kann ich immer noch nicht glauben, daß die fremde Frau, die es hierher brachte, Margarethe Leonhardt war." „Sie war es und keine Andere, es spricht Alles dafür, und wenn Du mich ruhig anhören willst, werden Deine Zweifel bald schwinden." Und nun sprach der Graf hastig weiter, in geflügelten Worten, mitunter sich überstürzend: „Das ganze Leben des Menschen ist eine Kette von Zufälligkeiten und ost ist es, al« kämen ihm dieselben zu Hülfe, um ihn in seinen Thorheiten und bösen Neigungen zu unterstützen. So war ei auch reiner Zufall, der mich veranlaßte, vor etwa zwanzig Jahren nach Deutschland zu reisen, an den Rhein, in Nassaus Bäder, Wiesbaden und Ems. Ich war damals ein junger, lebenslustiger Cavalier, der die Freuden eines sorgenlosen Daseins in vollen Zügen genoß und den die schönen Frauen meiner Heimath mehr wie billig verwöhnten, ja, mein Glück bei ihnen kam mir selbst zuweilen wunderbar vor. Trotz alledem hatte ich mein Herz noch an Keine verloren — ich pflückte keine Blume, mochte sie noch Jo schön und verlockend sein. - Und wieder war es ein Zufall, der mich mit Margarethe Leonhardt zusammenführte — nichts wie Zufall — und doch wie verhängnißvoll in seinen Folgen. An einem schonen, sonnigen Sonntagsmorgen in Ems war es, al» ich zum ersten 151 Male dem Gottesdienst in dem kleinen protestantischen Kirchlein beiwohnte, das bi» auf den letzte» Platz mit Andächtigen gefüllt war. Ich ließ mich dicht an der Thür auf einen Holz- fchemel nieder, den mir der Küster freundlich überließ. Das Kirchlein war recht einfach und schmucklos, aber eine Fluth von goldenem Sonnenlicht strömte durch die hohen, buntbemal« ten Bogenfenster und wob einen Glorienschein um den Altar. Da, in demselben Moment, al» die Orgel mit brausenden Accorden den Kirchengesang intonirte, trat noch ein junges Mädchen in das Gotteshaus. Es war ein Anblick, der mir ewig unvergeßlich bleiben wird; mir ging mein ganzes Herz dabei auf, als die herrliche Mädchengestalt, ein Bild weiblicher Anmuth und Schönheit, mit zaghafter Schüchternheit und doch voller Hoheit langsam an mir vorüberschritt. Das weiße Kleid floß in duftigen Falten an ihr herab und eine Fülle blonder, goldig schimmernder Haare umkrauste das zarte, liebreizende Gesicht, aus dem unter dunkeln, fein gezeichneten Brauen ein Paar blaue Märchenaugen träumerisch in die Welt blickten — in die harte, rauhe Welt, welche dem jungen, lieblichen Geschöpf nur zu bald eine Stätte voll bitterschweren Leids und trüber Erfahrungen werden sollte. Ja, Margarethe Leonhardt war schön und sie war ganz ander», als alle die polnischen Damen, die ich bi» dahin kennen gelernt. Sie war eine Deutsche, blauäugig und blondhaarig, und weiß wie der Schnee. Sie war Loreley selbst, eine echte rheinische Mädchenblume. Am Abend desselben Tage» lernte ich Margarethe näher kennen. Sie sang in einem Concert im Kursaal des Gesellschaftshauses von Em», in dem sich alle Abend eine aus allen Welttheilen und allen Nationen zusammengemischte Gesellschaft von Kurgästen versammelte. Ihr Gesang klang fremdartig in mein Ohr und doch süß und berauschend — Ich hörte nur den Ton ihrer Stimme, die Worte verstand ich nicht. Aber da» schöre deutsche Lied tönte mir wie Sphärenmusik in die Seele hinein. Nach dem Concert wurde getanzt. Ich drängte mich an die holde Fremde heran und st immelte ein paar Worte, die ebenso gut arabisch sein konnten, denn sie verstmd die polnische Sprache nicht. Sie lächelte und antwortete mir auf Französisch. Diese» und die internationale Augensprache verständigte un» rasch und gleich darauf hing sie an meinem Arm. Wir schwebten im frohen Reigentänze über das glänzende Parkett und ich preßte in einem Uebermaß von Wonne und Entzücken die reizende Mädchengestalt heiß und innig an meins hochklopfende Brust. Ich tanzte den ganzen Abend mit ihr, ich bat um Blumen aus ihrem Bouquet und sie verweigerte mir meine Bitten nicht. Schon am ersten Tage liebte ich da» schöne deutsche Gretchen mit wonnigem Entzücken,' mit glühender Leidenschaft — ich war jung und heißblütig und mein Herz regte sich zum ersten Male. Und nachher — ja, nachher, da sahen wir uns alle Tage. Wenn ich des Morgen« erwachte, erschien mir die Welt ein Himmelreich, denn in dieser Welt war Margarethe. Minuten und Stunden durfte ich bei ihr sein, ahr süßes Plaudern, Lachen und Singen hören, ihren blonden Kopf in meinen Händen halten und ihre rochen Lippen küssen. Ach, wie war da» Leben so bezaubernd schön I" Der Graf schwieg eine Weile, sein ganzer Körper zitterte vor Aufregung. Gräsin Antonia» Wangen glühten, ihre klugen Augen waren erwartungsvoll auf ihren Gatten gerichtet. — „Weiter, Stanislaw," sagte sie, „weiter! Ich weiß das Alles schon, ich möchte mehr wissen!" „Margarethe Leonhardt war eine Waise," fuhr er mit schwankender Stimme fort, „sie stand allein da und war auf sich selbst angewiesen. Ihre Begabung für Musik war ihre Erwerbsquelle. Sie unterrichtete in Gesang und Clajüerspiel; auch in den Emser Reunions sang sie zuweilen gegen Entgelt, sie mußte sich ja ihr täglich Brod verdienen, denn sie war arm. Aber sie war auch stolz, sie erlaubte e» mir nicht, ihre Lage durch meine Mittel zu erleichtern, kaum daß sie ab und zu ein kleine» Geschenk von mir nahm, von mir, der ich Reich- thümer zu ihlen Füßen gelegt hätte, wenn sie e» nur gewollt. Aber sie war mit meiner Liebe allein zufrieden, wie ich mit der ihrigen. An's Heirathen dachten wir Beide nicht, wir waren noch so jung; aber ich dachte auch an die Meinigen, an die Heimaih nicht mehr, nicht an den Glanz, an die Freuden und Zerstreuungen der großen Welt. Die kleine Stadt an der dunkelgrünen Lahn war meine Welt und ich dachte nur an Margarethe. Und wieder nsgr e» ein Zufall, der mit einem Schlage mein Leben und Lieben, mein Empfinden und Denken änderte. In unserem Vaterlande gährte e» damals schon lange im Geheimen. Von hochfliegenden Erwartungen aufgeregt, lauerte man nur auf den Augenblick, in dem sich die Fackel der Empörung entzünden würde, um sich mit den Waffen in der Hand um die roth-weißen Fahnen zu schaaren und Gut, Blut und Leben für Polen» Freiheit einzusetzen. Und endlich war e» so weit: Der ganze polnische Adel, die Bauern und Komor« nikr nahmen voller Begeisterung an diesem verwegenen und gefahrvollen Unternehmen Theil. Freilich stand do» Leben auf dem Spiele, aber e» handelte sich um das Glück der ganzen Nation und die drohende Gefahr erfüllte Aller Herzen mit gröberem Muths und höherer Hoffnung Alles war möglich und Alles schon vollbracht. Die Revolution von 1830 führte etwa» von dem romantischen Geiste früherer Zeiten mit sich, und die polnische Marseillaise, da» Erzeugniß der trunkenen Begeisterung eine» unglücklichen und dem Schicksal verfallenen Volke», klang in ganz Polen wieder und rief das Volk zum blutigen Kampfe- Selbst Frauen und Mädchen blieben nicht bloße Zuschauerinnen dabei, denn sie trugen die roth-weißen Nationalfarben nicht nur auf der Brust, sondern auch im Herzen- Sogar ältere, ernste Männer, deren gereister Geist sich die ganze Aussichtslosigkeit des Unternehmen» vorstellen konnte, opferten Vermögen, feste Lebensstellung, kurz Alle», und traten voller Enthusiasmu» in da» Polenheer und Jedermann sah bereit« das Vaterland befreit und einen Fürsten polnischer Abstammung auf dem Thron. Was Wunder, wenn auch in meiner Seele ein Heldengesang erklang, das Blut stürmischer in den Adern rollte und das aufgeregte Herz stärker zu klopfen begann. Die Jnsarcection übte auch auf mich volle Gewalt aus und wendete alle meine Gedanken dem Vaterlands zu. Sämmtliche Standesgenoffen nahmen bereits an dem Aufstande Theil, und war nicht auch mein Herz tapfer und voller Begeisterung und das Blut, das es erwärmte, polnisch und adelig? Sollte ich feige zurückbleiben ? Nein, das war unmöglich, meine Edelmannsehre und mein heiße», rebellisches Polenblut empörten sich dagegen. Da« schöne deutsche Mädchen und all' der wonnige Liebeszauber, der es umgab, besaß nicht mehr die Macht, mich zurückzuhalten. In diesem Augenblick hielt mich ein anderer Zauber umfangen und zog mich unaufhaltsam in die Heimaih zurück. Und nun kam der Abschied, der traurige Abschied. Wir küßten uns mit vor Schmerz halb wahnsinnigen Herzen in einem Rausch von Jammer, Verzweiflung und Leidenschaft, wir küßten uns zum letzten Mal und bann — nie wieder. Der süße, wonnige Traum von Glück und Liebe war zu Ende geträumt. — Am folgenden Tage verließ ich Em» und Margarethe. Da» goldene Herz blieb ihr zum Andenken zurück. Unzählige Thränen, in Kummer und Schmerzen geweint, folgten mir nach." Der Graf lachte kurz und hart auf. Dann fuhr er hastig fort: „Wie traurig und unglücklich die Erhebung unserer Nation endete, weiß jeder Pole. Sie kostete unzählige Opfer und das Vaterland blutete ans tausend Wunden. In dem mörderischen Kampfe bei Praga traf mich eine feindliche Kugel und ich siechte lange an meinem zerschossenen Beine dahm, doch stand ich mit Margarethe in fortwährendem Briefwechsel. In ihrem letzten Briefe vertraute sie mir ein Geheinmiß an, da» ich schon lange dunkel geahnt. Jetzt forderten Ehre und Pflicht meine schleunige Vermählung mit dem geliebten Mädchen, da» mir Alle» geopfert. Und der Gedanke, mein Schicksal mit dem ihrigen zu verknüpfen, sie al» theure Gattin in mein Hau» zu führen und als angesehener Land- - M - edelmann auf meinen Gütern ein prosaisches, aber glückliches Dasein mit ihr zu leben, erfüllte mein Herz mit hoher Freude, denn ich liebte mein blondes deutsches Gretchen innig und treu- Daß ich als Stammerbe eines alten feudalen Magnaten« geschlechts, das früher sogar mit Polens Königin verschwägert war, eine Mesalliance schließen würde, bekümmerte.mich wenig; ich war reich und unabhängig und konnte thun, was mir beliebte. Aber es kam anders, ganz anders, wie ich wollte und dachte — und es hätte doch Alles so gut und schön werden können." (Fortsetzung folgt.) GsnreinnNtziges. Kaufen wir einen neuere« besseren Samen der bedeutend höhere Erträge liefert, und geben dafür einige Mark mehr aus, so ist diese Ausgabe sehr wohl angewendet, denn die paar Mark werden vielfach schon im ersten Jahre wieder ersetzt. ♦ ♦ ♦ DaS Eierlegen der Hühner wird befördert, wenn man braungeröstete und gekochte Gerste den Hühnern zum Fressen und die Brühe der Gerste zum Trinken gibt. ♦ * O Wie viel Legnester gehören in einen Hühnerstall? Auf zehn Hühner sollten mindestens zwei Nester kommen, wohl auch drei. Je zahlreicher diese vorhanden sind, desto mehr wird das sogen. „Verlegen" verhindert. * Wie lange soll man die Legehühner behalten? Am besten ist es, wenn man die Henne nach dem dritten Legejahre abschafft. Besitzt man auf einem mäßigen Hofe circa 60 Legehühner, so wird man gut thun, jährlich 20 junge Hühner einzustellen und ebensoviel alte auszureihen und fett zu machen. Um nun nicht in Gefahr zu kommen, daß statt einer dreijährigen eine zweijährige Henne auf den Markt geschickt wird, empfiehlt es sich, jeden Jahrgang mit Fußringen von Weißblech zu zeichnen, z. B. erster Jahrgang ein Ring am linken Fuß, zweiter Jahrgang ein Ring am rechten Fuß und dritter Jahrgang zwei Ringe an einem Fuße. Willman die Hühner hauptsächlich zur Eierproduction züchten, so wird man nur Eier von solchen Hühnern zur Zucht auswählen, die deren viele und große legen. Verfährt eine sorgsame Hausfrau nach diesen hier nur angedeuteten Ideen, so hat sie er in der Hand, die Hühnerzucht zu einem sehr ertragreichen Wirthschaftszweige zu gestalten. ♦ * O Citronensaft ist das beste Mittel gegen den Schnupfen. Man gießt in die hohle Hand eine Portion Saft einer gut reifen Citrone und zieht denselben durch die Rase in den Mund. Zwei bis dreimaliges Wiederholen dieses Verfahrens genügt zur Heilung. Auch bei chronischer Halsentzündung soll dieses Mittel ausgezeichnete Wirkung thun. ♦ O O Die Hautpflege der Hunde. Am schlechtesten wird von allen Hundebesitzern die Haut der Hunde gepflegt, d. h. meistens gar nicht! Gewaltsam baden oder waschen muß man Hunde nicht. Ueberhaupt muß man junge Hunde nicht zu früh ins Waffer führen; der Hund liebt mehr das trockene als feuchte Element. Den kurzhaarigen Teckeln genügt eine Abreibung mit der bloßen Hand oder, falls der Hund naß nach Hause kommt, eine Abreibung mit einem trockenen Lappen. Kurzhaarigen Vorstehhunden ist es aber schon dienlicher, wenn sie mit einer Kardätsche, wie man sie zum Putzen der Pferde gebraucht, wöchentlich ein« bis zweimal abgebürstet werden. Mit demselben Instrumente kommt man auch bei dem stichelhaarigen und langhaarigen Hunde durch, nur muß etwas länger gebürstet werben, sowohl gegen wie mit dem Strich der Haare. Hierbei kann man ein einfacher Mittel gegen Flöhe in Anwendung bringen. Nachdem man die Kardätsche nach dem Gebrauche gehörig ausgekämmt und gereinigt hat, besprengt man sie mit etwa 20—30 Tropfen Terpentinöl und legt sie bis zum nächsten Gebrauche fort. Der Geruch entfernt sowohl Flöhe wie Zecken und verhindert das leichte Haften der Räudemilben und anderen Ungeziefers. Terpentinöl darf aber nicht direct auf das Haar oder die Haut der Hunde getröpfelt werden, weil dies den Thieren einen sehr heftigen Schmerz verursacht und die meisten Hunde dadurch wie rasend werden. Eine so mit Terpentinöl besprengte Kardätsche darf erst nach 24 Stunden wieder zum Bürsten eines Hundes benutzt werden. Zum Fernhalten und Ausrotten von Ungeziefer empfiehlt es sich, das Lager der Hunde ab und zu reichlich mit persischem Jnsectenpulver zu bestreuen, oder auch die Hunde selbst, bevor man sie spaziren sührt oder mit zur Jagd nimmt, damit dann das betäubte Ungeziefer draußen im Freien von den Hunden herunterfällt und nicht im Hause oder auf dem Lager des Hundes bleibt. Daß man naßgewordene Hunde nach der Rückkehr tüchtig mit Lappen oder mit Decken abreiben muß, ist selbstverständlich, und dadurch verhindert man besonders katarrhalische und rheumatische Erkrankungen, an denen ja die meisten Jagdhunde periodisch leiden. Vermischtes. E i n g ut er I ä g e r. „Herr Verwalter, stellen Sie sich wieder dort drüben auf Ihren Stand, wo . . ." „Wo ich meine Pfeife z'samm'geschlag'n hab?" „Nein, wo Sie . . „Wo ich mein' Schnaps ausgeschütft hab?" „Nein, wo Sie . . ." Wo ich aus Versehen die Gais. . ." „Zum Teufel, nein ... wo Sie den letzten Treiber 'naufg'schofstn hab'n!" ♦ ♦ ♦ Immer derselbe. „ . . . Und wann heirathen Sie denn Herr Amtsrichter?" — „Mitte nächsten Monats ist der Termin zur Hauptverhandlung!" ♦ ♦ ♦ Feine Nummer. Frau (die ihrem Manne zum Geburtstage ein Kistchen Cigarren geschenkt hat): „Nicht wahr, Männchen, jetzt wirst Du aber auch etwas häufiger zu Haufe bleiben als früher!" — Mann (der sich inzwischen eine angesteckt hat): „Ja . . . aber ich glaube, dann wirst Du aur- gehen!" • * ♦ e Er kennt ihn- Wildprethändler (zu einem in seinem Laden eintretenden Sonntagsjäger): „Was belieben Herr Baron geschossen zu haben?" • » Was Liebe vermag. Aus einem Liebesbriefe: „Theuerste Geliebte, ich habe die Postmarke von Deinem Briefe verschluckt, weil ich wußte, daß Deine Lippen sie berührt haben." ♦ * * Prosaisch. Herr (beim Walzer): „Mein Fräulein, mit Ihnen möchte ich so durch'- Leben walzen!" — Junge Dame: „Da würden wir aber sehr viel Stiefelsohlen brauchen!" • * Kindermund. „So, Kinder, heute kommt die Mutter neugestärkt aus dem Bade zurück!" — Lieschen: „Auch aufgebügelt?" * » Weiter Weg. Herr (dem bei Basel eine Wurst in den Rhein gefallen): „Ha, wird der Seehund sich freuen, der dis aufschnappt!" Siebuction; A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei s,Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Nr % „Meine zu reise voller i merte r Und in muthete D und Nc sinnig, geprüft geroorbi ungehen der No bleiben, die Pfl Glieder nicht zn ohrrmäö arme» Er gab steckten Zungen glauben Zeit w hatte d Hülfe I die Wc vereinst bitteren Herz, schlug benachr behrend Reise z » terchen lauerte dabei g die ger auch m