ttirtephaltrmgsblatt $um Gietzensv Anzeigev sGeneval-Anzeigev) ■®-T M^> 1804. M - - ,v> <<' BGMMKW Samstag, den 3. März. Im Banne des Bösen. Novelle von C. Western. (Schluß.) Als am ändern Morgen Norbert mit Ruth zusammen« traf, sagte er einfach: „Fräulein von Linden, ich werde Sie nicht beunruhigen; ich ziehe mich blutenden Herzens zurück, aber ich weiß Ihr Vertrauen zu ehren I Alma sagte mir Alles!" „Und Sie sind mir nicht böse?" fragte sie. „Wie sollte ich? Wenn ich Sie aber auch nicht mit einem theuereren Namen nennen darf, nicht wahr, Freunde bleiben wir doch?" Ruth reichte ihm die Hand und sagte: „Sie werden mir stets lieb bleiben!" Er wandte sich traurig ab; am nächsten Tage entführte ihn die Post nach Malsungen. Der Herbst nahte eilig, es wurde öde in Deggenhof und Ruth sehnte sich in die Stille und nach der Mutter zurück. Ganz unerwartet kam Herr von Sternau eines Abends angefahren und fagte nach der ersten Begrüßung: „Kinder, wißt Ihr etwas Neues? Ich werde Gut Deggenhof verkaufen!" Frau von Sternau blickte auf und sagte: „Scherzest Du, Oskar?" „Nein, nein, Clara," versicherte er, „ich wollte Euch nur vorbereiten! Denkt Euch, der Fürst des Nachbarländchens hat mich — zum Minister gewählt!" „Papa ist Minister!" jubelte Alma. „Ja, zum Minister der Justiz!" lachte der Professor. Ruth stattete ihren Glückwunsch ab. „Danke sehr, mein Fräulein, e« soll mir ein gutes Omen sein, dieser Glückwunsch aus so schönem Munde!" erwiderte Sternau, und sich an Frau und Kind wendend, fügte er hin« zu: „Als Alles perfect war, theilte mir mein Rechtsanwalt Doctor Hanauer mit, daß er sür Deggenhof einen Käufer habe; kurz, morgen erscheinen Beide hier auf der Bildfläche und dann Ade Deggenhof!" Am Abend des nächsten Tages wollte Ruth mit der Post die Heimreise antreten; sie ging nochmals durch den Park, um an den Stätten, wo sie ihr Leid auf kurze Zeit vergessen, noch einmal zu weilen. Sie stand bei den drei großen Steineichen still; Eichhörnchen huschten daran auf und nieder. Horch, die Thiere flohen, ein Schritt nahte, der das Laub aufrührte und vor Ruth stand — Edgar von Bach im grauen bürgerlichen Anzuge. „Ruth!" schrie er auf. Aber sie wandte sich stoss ab; ihr Herz zog sie hin zu ihm, an seine Brust, an seinen Mund, den ein so schmerzlicher Zug umgab; aber der Verstand sagte ihr, daß ein solcher Frevel nicht zu sühnen sei. „Wer verleiht Ihnen dar Recht, Herr von Bach," ent« gegnete sie fast heiser, „mich so zu nennen?" „Ruth, hören Sie mich!" lautete die Antwort. Sie erhob die Hand abwehrend: „Halt!" gebot sie. „Keinen Schritt näher, Herr von Bach, Ihre Nähe verpestet die Luft, die ich athmen muß!" Er schüttelte den Kopf und sagte schmerzlich: „Ich erkenne Sie nicht wieder, Ruth! Was habe ich denn gethan? Wenn Sie gleich die Verlobte eines Anderen sind, warum wollen Sie mich denn durchaus für schuldig stempeln?" Sie wandte sich schweigend ab unv zog ein so verächtliches Gesicht, daß er sich ebenfalls umwandte und sagte: „Es hat schon seine Richtigkeit mit dem Wirthshause; zuerst wohnte ich darin, dann ein Anderer; vielleicht zieht bald ein Dritter ein! Der Geier hole die Weiber!" Er eilte vorüber und ließ Ruth wie versteinert am Platze. Als Alma, sie suchend, hinzueilte, konnte sie die ohnmächtige Freundin nur noch in den Armen ausfangen. Als Ruth wieder zu sich kam, erfuhr sie, daß Doctor Hanauer und der Käufer von Deggenhof, Herr Sogar von Bach, soeben wieder abgeretst seien. Sie hätte laut ausschreien können, aber sie bezwang sich mit unmenschlicher Kraft. Erst als sie im Postwagen saß, ließ sie den Thränen freien Lauf. Was hatte Alma gesagt? — Vorerst will er Deggenhof durch einen Verwalter bewirtbschaften lassen; er selbst denkt nach längerem Unwohlsein Egypten zu bereisen? — O Gott! Leise flüsterte ihr Mund: „Der Reif hat die Blüthen ertödtet, Die gestern im Lenz sich geröthet; Auch mir erstarb in einer Nacht, Was einst der schönste Lenz gebracht!" # * • Zwei Jahre waren vergangen, in denen Ruth mit aller Kraft gegen da- Weh ihres Herzens angekämpft hatte. Sie wurde, früher ein Bild der Gesundheit, schwächer und schwächer, bis um diese Zeit Frau von Linden sagte: „Mein Kind, Du darfst Dich dem Schmerze nicht so hingeben, denke an mich, Deine arme Mutter!" Ruth hing an ihrem Halse und entgegnete: „Du weißt, Mama, wie ich Dich liebe, aber der Schlag war zu hart, ich werde ihn nie verwinden!" „Welches Glück, daß ich Dich nicht Lehrerin werden ließ, Du hättest Dich längst aufgerieben!" - 168 - „Mutter, Mutter, was liegt daran?" „Unglücklicher Kind! Ich habe indeß gestern an Professor Simler geschrieben. Er hält er für durchaus nöthig, daß Du in ein Nordseebad gehst und schlägt Borkum, die grüne Insel, vor; ich begleite Dich nämlich." „SD, gute Mutter! Aber die Mittel? Wir müssen spar- sam sein!" „Gott wird weiter helfen, wenn wir nicht auskommen I Auch von Deinem Vormund hat er geschrieben. Die Jmprägnir- Masse, welche brennbare Stoffe unverbrennbar machen soll, hat sich nicht bewährt; Pfeil hat über seine Experimente den Rest seines Vermögens eingebüßt und sehr locker gelebt, man weiß nicht, wovon er noch existirt!" Ruth verzog ihr Gesicht schmerzlich und sagte: „Liebe Mama, laß ihn! Weißt Du, schon als Mädchen und später in der Pension lachten sie mich aus, daß ich keine Schlangen, Molche und Kröten leiden konnte, ich rechne den Herrn Vor» mund zu den menschlichen Kriechern dieser Art! — In einem Jahre bi« ich mündig und werde mich möglichst bemühen, den Namen Pfeil zu vergessen!" , , r „Nun, er bekümmert sich ja so wie so nicht um mich und Dich!" „Du irrst, Mama, ich wollte Dir nur den Schmerz nicht bereiten, Briese in Deine Hände zu legen, in denen er aber- malsHum meine Hand anhielt I" „Und was thatest Du?" , „ „Ich habe ihn ein für allemal heftig abgewiesen!" „Gott sei Dank!" Vierzehn Tage später befanden sich Frau und Fräulein von Linden schon am Strande von Borkum, dessen Badegesell- schast bunt zusammengewürfelt war. Die beiden Frauen hielten sich still für sich, aber auf den einsamen Spaziergängen erregte Ruths stolze Erscheinung die Ausmerksamkeit eines bleichen Badegastes, der säst täglich den Weg der Beiden kreuzte und jedesmal ehrerbietig grüßte. Der bleiche Mann war ein reicher Kausherr aus Nürnberg, der hier die Gesundheit wiederzuerlangen suchte. Durch Zufall hatte dieser, ein Herr Breitinger, seine Privatwohnung neben den Damen erhalten; dabei hatte er des öfteren Gelegenheit gehabt, Ruths schöne Altstimme zu hören, wenn sie ihre düstergefärbten Lieder sang. Eines Tages hatte man ein Wohllhätigkeitsconcert arran- girt; an der Spitze des Comites stand auch Herr Alexander Breitinger, der nun auch bei den Frauen erschien und um Ruths Mitwirkung in der Concertaufführung bat. Diesem Ansinnen war nicht auszuweichen, Ruth mußte den Vortrag von „Erlkönig" und „Am Meer" zusagen, wenn sie es auch nicht gern that. , Vergeblich hatte während dieser langen Zeit Edgar von Bach Egypten und den Orient bereist, sich das Gleichgewicht seiner Seele wiederzuerwerben. Deggenhof ließ er wie eine Perle herausputzen, unter den drei Steineichen ward ein Ruheplatz hergerichtet, an dem Edgar am liebsten weilte. Man konnte nicht sagen, daß er thatenlos das Leben verträumt hätte; er war ein tüchtiger Landwirth geworden, aber er blieb Junggeselle; das Heirathen wäre ihm verleidet, hatte er seinen Bekannten erklärt. Den Professor hatte er nur einmal wieder- gesehen, aber zum Austausch von mehr als landläufigen Redensarten war es zwischen Beiden, da fremde Leute dazwischen getreten, nicht gekommen. Diesen Sommer fand der Arzt Edgar ungewöhnlich bleich und schlug einen sechswöchentlichen Aufenthalt an der See vor. „Meinen Sie?" fragte Edgar. „Aber wohin?" „Sagen wir Borkum!" „Gut, also Borkum! Mir ist es ziemlich einerlei!" So kam Edgar von Bach eben auf Borkum an, als Abends das Wohllhätigkeitsconcert stattfand. Der Kursaal war längst gesüllt, als die Badecapelle mit der Ouvertüre von Rossini» „Othello" begann. Auf diese brachte der Coneert- meister eines süddeutschen Musikinstitut» eine Violin-Phantäsie mit Orchester von BSriot zum Vortrag, dann folgte der „Erlkönig". Edgar hatte das Alles wie im Traume an seinem Ohr vorbeiziehen lassen, jetzt folgte das Triolenstakkato in G-moll der Begleitung von „Erklönig". Dann ertönte e» klar und melodisch: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" Bei den ersten Tönen der Lieder sprang Edgar auf: dar war ihre Stimme! Aber schon saß er wieder und ließ die herrliche Dichtung Goethe», die wunderbare Composition Schuberts voll auf sich einwirken. Er sah noch, wie Herr Alexander Breitinger Ruth wieder an ihren Platz brachte und ein Stich ging ihm durch's Herz. Erst jetzt studirte er das Programm: Ruth trat noch einmal auf. Er verließ leise den Saal und wandte sich an den Oberkellner: „Können Sie mir die vollständige Liste aller Kurgäste geben?" fragte er und ein Thaler glitt in des modernen Ganymeds Hand. Nach einigen Minuten war sie in der That in Edgars Händen. Er schlug sie auf und murmelte: „Ob ihr Gatte auch hier ist?" Er suchte: O, P, Pa, Pf; der Name Pfeil kam gar nicht vor! — War sie denn nicht verheirathet mit dem Professor? Jetzt wurde der Buchstabe L aufgeschlagen! Ah da, Linden, Kaufmann, von Linden, Georgine, Wittwe des well. Obersten, nebst Tochter! Er versank in tiefes Nachdenken. Warum hatte sie Pfeil nicht geheirathet? Zwar hatte sie ihm in Deggenhof Wunden geschlagen, die nie zu Hellen waren, aber was lag denn eigentlich vor? Daß er sein Herz an dieses holde Frauenbild verloren, war nicht zu ändern; sollte er nicht doch noch einen Versuch machen, sie zu sprechen? — Sinnend ging er wieder in den Saal, wo soeben das Orchester die Jntroduction, welche den Schlag der Meereswogen gegen den Strand, ein ferne», dumpfes Grollen, nachahmt, intonirte- Nun führte der Herr von vorhin Ruth wieder auf die Tribüne und sie fang und fang, daß er, ganz hingerissen, sich weit vorbeugte. Da traf ihn ihr Blick und mit dem ersterbenden letzten Tone brach sie zusammen und fiel Herrn Breitinger in die Arme. Edgar suchte durch den Haufen durchzudringen, der sich um die Ohnmächtige schaarte, aber es gelang ihm nicht; gleich daraus waren die Damen verschwunden. Edgar hatte für den Schluß des Concerts keinerlei Interesse mehr! Er wandte sich wieder dem Oberkellner zu: „Sagen Sie, mein Bester," begann er und ein zweiter Thaler fiel in die Hand des Erfreuten, „kennen Sie die Dame, welche soeben gesungen hat?" „Jawohl; es ist Fräulein Ruth von Linden!" „Ist der Herr, welcher sie führte, mit ihr verwandt, verlobt, verheirathet?" „O, nichts von dem; es ist das Comitemitglied, Herr Alexander Breitinger, ein Nürnberger Millionär!" „Sehen Sie Fräulein von Linden öfter?" „Jeden Tag zweimal, wenn die Dame mit der Mama ihren Strandspaziergang macht!" „Ich danke!" Edgar ging in sein Hotel, nahm sich aber vor, morgen früh Frau von Linden aufzusuchen. In der That geschah diese», aber Frau von Linden war mit Ruth in Gesellschaft verschiedener Herren und Damen sehr früh in einem Kutter davongefahren. Edgar schlenderte am Strande entlang. Wie ein Silberspiegel blinkte das weite Meer; dort zog ein Dampfer vorbei, eine lange schwarze Linie am Horizont zurücklassend; dort mußte eine Untiefe sein, denn die Wellen bildeten eine kräuselnde Brandung. Ach, all' sein Weh wachte bei diesem Anblick einer öden Wafferwüste wieder in ihm auf. Leise declamirte er: „Du warst meines Lebens Seele, Du wardst meines Lebens Qual; Was hilft's, wenn ich es verhehle, Daß es jetzt ist öd' und schal? Mein Ideal ist längst gestilrzet Und mir glänzt kein Sonnenblick; Ach, mein Leben ist gewürzet Mit Verzweiflung am Geschickt" - 108 Gr kam an den Landungsplatz der Boote, wo ein alter Uann an einem Kahne arbeitete. Hier erkundigte sich Edgar, wann der Kutter ausgelaufen- „Wollt Ihr mich eine Stunde Boot fahren?" fragte Edgar nun. Der Alte nickte und sagte: „Ein Stunnen mag't noch gähn!" „Wieso?" „Et treckt en Bö up?" „Was ist das?" „En Storm!" „Und die sind draußen auf der See!" dachte Edgar- „Nun, beffer tobt und begraben da unten, als länger noch so lebendig!" Edgar träumte sich auf der Bootfahrt weit hinweg; da faßte ihn ein Windstoß und entführte ihm seinen Strohhut. „Det Wäder kömmt!" rief der jAlte und hielt dem Strande zu. Schon mehrten sich die hohlen Windstöße; die Schiffer kamen und bärgen die Fahrzeuge. Es war dunkel, der Wind heulte. Da brach das Weiter los I Edgar stand noch barhäuptig am Strande, das lockige Haar flog ihm wild um die Stirn; so schaute er aus, gespannt, jede Faser seines starken Körpers zur Anstrengung bereit, wenn — Aber da steuerte der Kutter schon heran! Wie eine Nußschale trugen ihn hohe Wellenkämme dem Strande näher; sie waren gerettet! — Aber nein, eine große Sturzwelle überholte dar Fahrzeug nahe am Ufer. Regen und Wind peitschten Edgar in'« Gesicht, aber er hielt den Blick fest auf Ruth, die im Vordertheil des Kutters stand, gerichtet. Kaum verschwand das Schiff in der Welle, so durchschnitt er auch schon die Brandung; sechs, acht Schiffer folgten und das Rettungswerk begann. Edgar, ein geschickter, kräftiger Schwimmer, hielt jetzt von einem Wogenkamm aus Umschau. Er stieß einen Jubelruf aus: im nächsten Moment hielt er Ruth ohnmächtig in seinen Armen und schwamm dem Strande zu. Ein ihm entgegengeworfenes Seil zog ihn vollends heran. Da lag er nun am Userrande, Ruths Kopf in seinem Schooß. Jetzt schlug sie die Augen auf, sah sich in Edgars Armen und schauerte zusammen, dann flüsterte sie: „Meine Mutter!" „Gerettet!" rief er, denn dort brachte der Führer des Schiffes sie. Es war Niemand verunglückt. Mittlerweile hatte der Sturm ausgetobt und das Meer beruhigte sich. Langfam wandelten die Damen ihrer Woh- nunglzu. „ Ä . Ruth hatte Edgar einen Moment ihre kleine Hand gereicht und gesagt: „Ich danke Ihnen tausendmal!" Das hatte ihn durchzuckt, wunderlich, in jede Faser drin- gend. Dann hatte er sich Frau von Linden mit den Worten genähert: „Ich muß Sie sprechen, gnädige Frau!" „Sie müssen?" „Tod und Leben hängt davon ab!" „Um sieben Uhr früh; ich schicke Ruth sort!" erwiderte Frau von Linden leise- „O Dank, Dank!" flüsterte Edgar. Er küßte ihr die Hand und ging. Am andern Morgen sagte Frau von Linden zu ihrer Tochter: „Du mußt heute den Strandspaziergang allein machen, Ruth, ich bin infolge des Schreckens doch nicht recht wohl!" Ruth machte Einwendungen, aber ihre Mutter sandte sie fort, was der jungen Dame doch wohl das Richtigste dünken mußte, da sie in der Einsamkeit am besten an „ihn" denken konnte. Wie war es möglich gewesen, daß gerade er sie retten mußte? Nun war sie im Watt, dort leckte das Meerwaffer den Sand hinweg. Leise brach sie in die Worte au»: „O, könnte ich in's Meer versenken, Im tiefsten Wogenschwall ertränken Mein unermeßlich herbes Weh! Wie mich umschlingt mit seinen Armen Das Meerweib, denn es hat Erbarmen Mit meinem Leide nur die See!" „Ja, wäre ich tobt!" setzte sie hinzu- „So wär's zu Ende!" Edgar hatte fast die ganze Nacht kein Auge geschlossen. Sehr aufgeregt trat er vor Frau von Linden hin. Die Frau Oberst empfing ihn freundlich, aber auch gemessen: „Zuerst", sagte sie, danke ich Ihnen, daß Sie mir mein Kind gerettet! Ich bin in Ihrer Schuld!" „Ich würde mehr in der Ihrigen sein, gnädige Frau," entgegnete Edgar, „wenn Sie es vermittelten, daß ich Ruth, deren Hand, wie ich höre noch frei ist, sprechen könnte; aber ruhig und ohne Erregung!" „Ohne Erregung? Sie müßten dann beide nicht „jung" sein! Nun aber zur Sache, Herr von Bach!" Edgar entgegnete: „Vor langer Zeit schmeichelte ich mir, ein auch von Ruth gern gesehener Gast Ihres Hauses zu sein, bis plötzlich nach dem Tode Ihres Gatten — pardon, daß ich alte Wunden aufreiße — eines Tages Ruth erklärte: ich will „ihn" nicht Wiedersehen! Welches ist die Ursache dieser Wandlung?" Frau von Linden blickte ihn erstaunt an und sagte: „Das wissen Sie nicht?" „Nein, in der That nicht!" Frau von Linden stand auf, holte einen Brief aus ihrem Koffer, reichte ihn Edgar und sagte: „Lesen Sie!" Edgar blickte hinein und sagte: „Es ist ein Billet des Professors Pfeil an feine Geliebte!" „Von Ihrer Hand?" „Allerdings; er selbst trug seine Rechte in der Binde und bat mich, für ihn zu schreiben! Obwohl ich nun dergleichen Verhältnisse nicht billige, schrieb ich doch aus Gefälligkeit!" „O ich begreife!" fiel hier erregt Frau von Linden ein. „Es fängt bei mir an schrecklich zu tagen! Der Professor hat Sie und uns betrogen! Wir fanden diesen Brief nach Ihrem Fortgänge auf dem Corridor und glaubten —" „Daß ich ihn verloren? O nein, nein! Ich mußte aber denken, daß Pseil dem Herzen Ruths näher stand als ich, zumal ich in seinem Album eine Wtdmung fand, die ich Ihnen wörtlich sagen kann, denn sie war es, die mich von jeder Annäherung bis zum Zusammentreffen in Deggenhof zurückscheuchte I" Und er citirte die bekannten Strophen. Da sprang Frau von Linden auf und sagte: „Gott sei gelobt! So kommi's endlich an den Tag!" Sie holte Ruths Tagebuch und zeigte ihm, wo die Seite herausgeschnitten, worüber beide Frauen seit der Entdeckung sich vergeblich den Kopf zerbrochen. „Jene Widmung galt mir, der Mutter!" sagte sie stolz. „Pseil hat sie gestohlen und sich dadurch unstreitig einen Nebenbuhler um Ruths Hand vom Leibe gehalten! Er hat sie und uns ungeheuerlich betrogen!" „Um unser Lebensglück l" sagte Ruth und trat dann geisterhaft blaß ins Zimmer, während sie fortfuhr: „Ich habe genug gehört, Herr von Bach, um Sie tief beschämt um — Verzeihung bitten zu müssen!" Mit einem Jubelruf sprang er auf und rief: „Ruth, Ruth!" Sie hielten sich umschlungen und die Frau Oberst brauchte nur ihren Segen dazu zu geben, was sie auch von ganzem Herzen that. m Noch denselben Tag brachte die Badezeitung die Ver» lobungsanzeige Ruths von Linden und Edgars von Bach. Das junge Brautpaar bestellte sofort in der Heimath die Aufgebotsformalitäten. Vier Wochen später wurde mit Genehmigung der Obervormundschaftsbehörde Edgar und Ruth getraut. , „Und nun," sagte der junge Ehemann, als das Paar in Deggenhof einzog, „soll auch die Rechnung mit Deinem betrügerischen Vormunde ausgeglichen werden!" Gott kam ihm aber zuvor, denn an demselben Tage brachten die Zeitungen Notizen über einen heruntergekommenen Menschen Doctor Ernst Pfeil, Professor der Chemie, welcher wegen einer Wechfelfälschung steckbrieflich verfolgt wurde. Nation: A. Sch-yda. - Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. 22 104 Sä sÄSfiKÄS«? laoHa^äBStf fije Zeit^d«nach°kam^von der^stiddeuWen Renten- I Der Schaum auf der Fleischbrühe, wenn die dank line Anfrage an «en die, bisher dem Professor Ernst letztere in'» Kochen geräth, wird von manchen Hausfrauen a , Meil übersandte^Rente des Fräuleins Ernst Ruth von Linden, eine Art Schmutz angesehen und abgeschöpft. Dieses jedoch ist welche vor fünf Jahren von dem xierftorbenen Herrn Oberst ganz verkehrt, denn es handelt sich nicht um Schmutz, sondern Linden aekaust sei setzt zu Wahlen wäre. um werthvolles Eiweiß, das erst in der Flussigkett gelöst war, Der^Brief gelangte in b?e Hände der Frau Oberst. durch die höhere Wärme jedoch nachträglich ausgesch eben wurde. Ach Du üeber rief da erfreut und entsetzt zu- I Namentlich, wenn das Fleisch mit kaltem Wasier beigesetzt wird, «an Linden ein Dieb und Betrüger war der I enthält es, sobald es in s Kochen geräth, viel von solchem ge- Elende^auch an uns? Und ich hielt meinen seligen Gatten I lösten Eiweiß, bildet somit viel Schaum. Der Verlust ist nicht für verschwenderisch weil er scheinbar so viel für stch ge- I gering. Man rührt den Schaum, sobald er entsteht, unter die braucht O Segen über Dein Andenken, Du edler Mann!" I Suppe, und er verschwindet bald. Dieser Rath verdient be- Ruths Glück konnte die Rente nicht vermehren, denn es herzigt zu werden. * , wohnte tn - ihrem Herzen. | Wundreiben der Hände beim ----— ~ I Waschen. Dieselben werden einen Tag vor Beginn der „ , I Wäsche mit einer schwachen Lösung von Schelllack in Spiritus Gsinernnrrtziges. I eingerieben. Qitm Ankeimen des Samens vor der Aussaat I benutzt A. Baranowski in Kempen einen Rahmen, besten Boden | aus grober Leinwand besteht und welcher schichtenweise m t ------ Samen und Erde gefüllt wird. Dieser Rahmen kommt au Als ein Leipziger Rathsherr und ein Ge steinen pyramidenförmigen Kasten zu stehen, welcher mit Pferde' Qn bem Hochgericht, an welchem zwei abgethane Diebe mist gefüllt und in die Erde gegraben wird, so daß Ue von vorübergingen, flatterten an demselben einige Raben dem Dünger aussteigende Wärme den Oberkasten durchzieht. | utlb kreischten umher. Da sagte der Rathsherr, so ein * * * schalkhafter Mann war: „Ei, schauet doch, hochwürdiger * Tode aeleitet- jetzt sehen die Raben uns kommen und denken, Um Stecklinge von exotischen Gewachsen, To ^L shmn wieder einen." Da lachte der Rathsherr welche im freien Lande cultivirt werden, zu rascherem An- I , te. Hochwürdiger Herr, Ihr seid ein loser Vogel." wachsen zu bringen, erzieht man sie im Warmbeete; niemals I und fragte, „«ocywurmger v VÄSSt”bÄn S“ tt' ei«; AU« -in- Wagn-rlan-rln. g: i» d« Kaffeesair als Blumendünger. Viele Blumenlieb- Wagner, das ist ein jottvollerMmsch, für den schwärme ich. Mnt« fiatten Slldft-ffcichal!-« wilMch ba« Wach-lhnm unb -ist nach Els au« bem Th-at-r, , bi« «»".SÄ*’*1" Bot G-rlchl. Prwb-n't ,,$ab« Sie etwa« • f6M, »ä und wohlriechendem Laub zur Anlegung undurchdringlicher -sLeidener Wunsch. Der kleine Fritz (zu seinem iwscssarbenenBlumen^vollständig^wie*übnsäet finiteRose Onkel): !,Ach, Onkel, wir haben morgenKindermaskenball - ist vollständig winterhart, selbst in Rußlands kalten Districten. sei so gut und leih mir Deine rothe Rase! weder^iner^ besöndMM ^Stütze ^noch^ Pflege.^ Einen großen Recht hat er. Ein Vater steht mit seinen Erwachsenen Vortbeil bildet eine solche Zaunrosenhecke noch dadurch, daß I Kindern beim Eingang in einen Concertgarten. dorne - MeS «MrunwS von Raup» unb NUgen, b-n „M-r, Sie haben nur halb- BMel« ? Da, Mb mr wel» Garl-nban schlichen Jns-tt-n g-ml-bm wirb, bagtgm olelen (fc fllnber." - „Ulm ja! Da« Unb ja auch meint «toetl diese Schädlinge vertilgende Vogelarten einen gern gesuchte» • . • Aufenthalt und Brutstätte gewährt. Die Rose ist sehr schnell- Respektvoll. Graf: „Johann, Du hast mir Cigarren wüchsig und bildet bald eine für Menschen und Thiere wahr- I glommen! Wie heißt das siebente Gebot?" hast undurchdringliche Hecke, die leicht eine Höhe von 1/2^2 $u ^llst ... bei gnädige Herr Graf sollen nicht stehlen! Meter und darüber erreicht. Die Pflanze nimmt mit Mm ««» ' ' • • nur halbwegs cultivirbaren Boden vorlieb, leidet durchaus • _ mjchts!" L.°s2 WÄ - .S'ÄÄ^ --?ha. bl- - W ausbreitet und dadurch manchen lokalen Verhältnissen sehr « davon in München übernommen! __—