A SWkk^LKi^ ge iter em eu ; ai er b < roii rfti ie( nm in bri: nn 'leit nd mi ier rrwk it i effoi >aß rßte Inen -ohn :dam recht t ha thun e un n TI ndlui ruft: :s bei heim gerä Das Geheimniß der Droschke Von F. Hume. (Fortsetzung.) „O, ich bitte herzlich um Entschuldigung," sagte der Arzt betroffen. „Ich dachte augenblicklich an Jvanyi. Aber wie gesagt, trotzdem ich glaube, daß die Sache vorbedacht, mit allem Raffinement ausgeklügelt war, halte ich dafür, daß der Thäter nicht bei Sinnen gewesen sein müffe." „Welchen Grund haben Sie zu der Vermuthung, daß das Verbrechen vorbedacht war?" fragte Weber etwas ruhiger. „Ich habe mir die Sache so zurechtgelegt: In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai wurde Wolski überwacht. Als Jvanyi ihn verließ, war jener Andere, der Unbekannte, schon darauf vorbereitet, vom Fiaker für ihn gehalten zu werden — er war genau so gekleidet. . ." „Das scheint mir doch nicht stichhaltig," fiel.Weber ein. „Ich selbst bin auch nicht anders gekleidet." Bei diesen Worten, die auszusprechen er seine ganze Kraft zusammennahm, sah er dem Arzt scharf in die Augen. Dieser aber entgegnete ziemlich gleichmüthig: „Dieser Umstand könnte allerdings reiner Zufall sein. Aber die Anwendung von Chloroform stellt die vorbedachte Absicht ganz außer Frage. Für gewöhnlich trägt man dieses Gift nicht bei sich." Damit endete das Gespräch und Doctor Friedrich ging daran, Weber zu untersuchen. Es dauerte ziemlich lange und als der Arzt fertig war, nahm fein Gesicht einen sehr ernsten Ausdruck an. Trotzdem sagte er beruhigend: „Es fehlt Ihnen nichts. Die Herzbewegungen sind freilich ein wenig schwach. Das ist aber auch Alles. Hüten Sie sich auf alle Fälle vor jeder Aufregung." In diesem Augenblicke klopfte es an die Thüre und Margarethe trat ein mit den Worten: „Destder ist fort und läßt Dich grüßen." Als sie aber den Arzt erblickte, rief sie beunruhigt: „Ist Papa — Papa, bist Du krank?" „Ich habe es mir eingebildet, liebes Kind; aber der Arzt sagt Nein und dem müssen wir glauben," sagte er mit einem schwachen Lächeln. „Es fehlt Ihnen in der That gar nichts," bestätigte Doctor Friedrich, „aber wie gesagt, meiden Sie jede Gemüths- bewegung." Nachdem Weber das Zimmer verlassen hatte, bemerkte Margarethe die ernste Miene des Arztes. „Ist er in Gefahr?" fragte sie angstvoll. „Ich sehe es Ihnen an, er ist es. Sagen Sie mir Alles, ich bitte Sie darum." „Mein liebes Fräulein," sprach Doctor Friedrich sanft, „ich will Ihnen die Wahrheit nicht verheimlichen." „Ich bitte Sie," flüsterte das Mädchen. „Er ist herzleidend." „Ist das sehr gefährlich?" „Ja- Ein großer Schreck . . ." Sie hatte sich an seinen Arm geklammert, als wollte sie sich vor dem Umfallen schützen. „Sprechen Sie, sprechen Sie!" „Ein großer Schreck würde ihn unbedingt tödten." „Mein Gott!" schrie Margarethe auf und verbarg unter heftigem Schluchzen das Gesicht in den Händen- XXIV. Doctor Mark saß in seiner Kanzlei und las einen Brief Jvanyis, der ihm große Befriedigung zu gewähren schien. „Ich will Ihnen Alle» sagen," schrieb sein Client, „was ich über diesen Fall weiß, da ich darin das einzige Mittel sehe, Sie von weiteren Nachforschungen abzuhalten. — Sie werden dann begreifen, warum ich so lange schwieg; — ich weiß freilich nicht, wer das Verbrechen begangen hat, doch habe ich einen schweren Verdacht. Wollte Gott, ich hätte Rosina Mori nie gesehen. Sie werden mich bedauern, wenn Sie erst Alles wissen. — Im Laufe der nächsten Tage werde ich Sie aufsuchen." „Zum Kuckuck," dachte der Advocat, „wird er mir vielleicht gestehen, daß er es war, der Wolski — und daß die rothe Sali falsch ausgesagt hat, um ihn zu retten? — Aber nein, da hätte sie ja nicht die letzte Stunde abgewartet. — Obgleich es mein Princip ist, mich über nichts zu wundern, wird mich das Geständniß Jvanyis doch überraschen. — Die Geschichte ist zu merkwürdig und scheint durchaus noch nicht bei ihrem Ende angelangt zu sein." Eben klopfte es und Kilian trat ein- „Haben Sie zu thun?" fragte er kurz. „Gibt's was Neues?" gab Mark zurück und spielte nachlässig mit seiner Uhrkette. „Nichts Besonderes!" „Wollten Sie mir etwa« mittheilen?" forschte der Ad- vocat, dessen Neugierde durch das wortkarge Wesen des Detec- tivs erregt wurde. „Ueber den Fall Wolski," gab Kilian ruhig zur Antwort. „Ah," rief Doctor Mark, „haben Sie ihn erwischt?" „Nein — aber ich habe eine Idee." 1894. Nr. 89 ------<5^--------S'e)--iES-'c,-------»S—w----- Nnterchaltnngsblatt znin Gietzener Anzeigen (Geneval-Anzerger) Donnerstag, de« 2. August. 354 „Die hatte Adamek auch. Und sie ist in Rauch aufge« gangen. Haben Sie Beweise?" „Noch nicht." „Das heißt, daß Sie solche zu bekommen erwarten?" „Vielleicht." „Und gegen wen richtet sich Ihr Verdacht?" Kilian blickte sich vorsichtig um und sagte dann in seinem leisesten Flüstertöne: „Robert Morland." „Das ist der Freund Wolskis, der die Angabe machte, daß dieser unwohl oder berauscht war?" Kilian nickte. „Und in welchen Zusammenhang bringen Sie diesen mit dem Verbrechen?" „Erinnern Sie sich, daß die Aussage der beiden Fiaker dahin ging, daß der betreffende Mann einen Diamantring trug?" „Das ist doch nichts Besonderes." „Aber auf dem Zeigefinger der rechten Hand." „So — und Morland trägt einen solchen Ring?" Ja" "Kann ein Zufall sein. - Ist das Ihr ganzer Beweis?" „Zunächst ja." „Der ist sehr schwach." „Der schwächste Beweis kann zu einer Kette werden, die einen ganzen Menschen in Feffeln legen kann." „Morland machte eine ganz klare Aussage. Er traf Wolski — sie gingen zusammen in'» Restaurant, wo sie ziemlich viel tranken. Wolski ging zuerst fort — ihm folgte Mor. land mit Wolskis vergeffenem Ueberzieher — der ihm dann gestohlen wurde." „Wurde er gestohlen?" brummte Kilian sarkastisch. „So sagt Morland," meinte Mark. „Ah, ich verstehe. Sie glauben, Morland war nicht so berauscht, wie er sagte, hat Wolskis Ueberzieher angezogen und ist zu ihm in den Fiaker gestiegen." „Das ist meine Ansicht." „Scharfsinnig ausgeklügelt! Aber welchen Grund sollte Morland gehabt haben?" „Diese Papiere--" „Wieder Adameks Idee. — Woher wiffen Sie von den Papieren?" fragte ärgerlich der Advocat, „und was ist nach Ihrer Meinung mit dem Ueberzieher geschehen? Ist er bei Morland?" Nein." ,',Sie scheinen das sehr sicher zu wiffen. Haben Sie Morland gefragt?" Ein vorwurfsvoller Blick traf den Advocaten. „So dumm bin ich nicht," sagte er. „Also woher wiffen Sie das?" „Morland ist jetzt Agent bei einer Lebensversicherung«- gesellschast." „Bei einer Lebensversicherungsgesellschaft! Wetter, ein hübscher Nebenberuf für einen Mann, der die Leute umbringt," sagte der Advocat lachend. „Die reinste Ironie. Uebrigens, im Ernst gesprochen: Sie sagten Agent! — ein Mann, der gewohnt war, den Cavalier zu spielen?" „Wolski hat ihn unterstützt, Herr Doctor, er selbst besaß nie Vermögen." „Nun, mein Lieber, das ist schon Beweis genug, daß er keine Ursache hatte, ihn umzubringen! Er hat von ihm gelebt — warum hätte er ihn denn aus der Welt geschafft?" „Sie können ja Recht haben. — Ich halte mich nicht für unfehlbar, wie Adamek," unterbrach ihn ärgerlich der Detectiv. „Aber so viel ist sicher: Ich habe Morland in einem Gasthause ziemlich untergeordneten Ranges zufällig getroffen und es siel mir auf, daß er einen silbernen Ring am Zeigefinger der rechten Hand trug." „Silber ist kein Brillant." „Nein, aber es beweist, daß er gewohnt ist, an diesem Finger einen Ring zu tragen. Als ich das sah, beschloß ich, sein Zimmer zu durchsuchen. — Ich that es und fand —" „Nichts," fiel Doctor Mark ein. Kilian nickte. „Nichts." „Und so fällt das Kartenhaus Ihres Verdachts zusammen. — Morland ist so wenig der Thäter, wie ich es bin. Er war an diesem Abend übrigens berauscht." „So sagt er." „Nun, man verleumdet sich nicht selbst." „Um einem größeren Verdacht zu entgehen, ja. Ich bin überzeugt, daß Morland in jener Nacht nicht berauscht war. — Er sagte es nur, um Allem zu entgehen. Verlassen Sie ich darauf: er weiß viel mehr, als er sagen will." „Und was wollen Sie weiter thun?" „Ich werde zunächst den Rock suchen." „Sie glauben, er hat ihn versteckt?" „Gewiß hat er das- Ich combinire folgendermaßen: Als Morland in der Heugasse den Fiaker verließ . . ." „Aber er war nicht darin." „Sie mögen ja Recht haben," beharrte Kilian, „aber nehmen wir an, daß er doch darin war. Ich sage, daß er in der Heugasse ausstieg, gegen die Stadt zurückging bis zum Schwarzenbergplatz, dann durch die Anlagen weiter und daß er, da er wußte, daß der Ueberzieher ihn verrathen könnte — denselben in den städtischen Reservegarten warf. Dieser grenzt an die Anlagen und ist dem Publikum verschlossen, so daß Morland darauf rechnen konnte, man werde ihn lange Zeit nicht finden. — Dann ging er in die Stadt." „In Salontoilette? Es war damals ziemlich kühl." „Er war nicht in Salontoilette," sagte ruhig der Detectiv. „Das ist noch ein Beweis, daß Ihre Vermuthung nicht stichhaltig ist. Der Thäter trug Salonkleider — der Fiakerkutscher bezeugt dies." „Ja — weil er Jvanyi einige Minuten früher in Salon« toilette gesehen hat und ihn für denselben Mann hält, der in den Wagen stieg." „Nun — also —" „Erinnern Sie sich — der zweite Mann hatte den Rock zugeknöpft. Morland trug dunkle Beinkleider — ich nehme das an — und mit zugeknöpftem Ueberzieher war die Verwechslung leicht möglich." „Das klingt wahrscheinlicher — und was wollen Sie weiter thun?" „Den Ueberzieher suchen." „Ich halte nichts davon." „Vielleicht irre ich." „Unk wann sehe ich Sie wieder?" „Heute Abend — ich hätte fast vergessen — die alte Pfeiferin will Sie sprechen." „Ah — was ist denn los?" „Es geht ihr sehr schlecht. Sie will Ihnen etwas mittheilen." , „Bezüglich der Rosina Mori wahrscheinlich.--Mir scheint, ich werde diese Sache doch noch ergründen. — Gut, ich erwarte Sie um acht Uhr." „Sehr wohl, Herr Doctor." Der Detectiv entfernte sich. „Ob die Pfeiferin etwas weiß?" dachte sich Mark, als er allein war. „Vielleicht hat sie gehört, was Wolski und die Rosina miteinander gesprochen haben und will mir das erzählen. — Wer weiß — ich bin dem Ding vielleicht auf den Grund gekommen, noch ehe Jvanyi mir sein Geheimniß anvertraut. XXV. Die alte Pfeiferin lag im Bette. In dem Raume befanden sich außer der Kranken noch zwei halbwüchsige Mädchen, die Domino spielten. Nur wenig erhellte die kleine Lampe das Zimmer, in welchem ein eigenthümlicher scharser, unangenehmer Geruch herrschte, wie nach Alkohol, abgestandenem Bier und Petroleum. Die Atmosphäre war förmlich gesättigt von dem Dunst des Elends, des Schmutzes. Noch trostloser erschien Alles in diesem Dämmerlichte. Hie und da rief einer der Mädchen ein lautes Wort- Sonst hörte man nur da« leise Klappern der Dominosteine und den schweren, heiseren Athem der Kranken, die ruhig mn 355 - tsammen. bin. Er Ich bin scht war. affen Sie jen: Als n, „aber >aß er in bis zum und daß önnte — ser grenzt , so daß ange Zeit ihl." Detectiv. ung nicht ;r Fiaker- in Salon» lt, der in den Rock ich nehme die Ver- wllen Sie die alte War mit» - Mir — Gut, ernte sich. Itark, als !i und die s erzählen. )en Grund vertraut." laume berge Mäd- bte kleine c scharfer, standmem > gesättigt trostloser tes Wort- Mnosteine ruhig mit halbgeschloffenen Augen dalag. Nur ihre gekrümmten, knochigen Finger tasteten nervös auf der Bettdecke herum. Al» der Advocat und Kilian eintraten, sprangen die Mädchen auf, schoben den Herren zwei Sessel hin und zogen sich in eine Zimmerecke zurück, wo sie miteinander zu flüstern begannen. Durch das Geräusch zu sich gebracht, setzte sich die Pfeiferin in ihrem Bett auf. In wirren Strähnen hing ihr da» weiße Haar um das verwitterte, runzelige, braune Gesicht, aus dem Nase und Kinn spitz hervorstachen. In den weitgeöffneten starren Augen schien das Leben nur noch leise zu glimmen. Hastig griff sie neben sich und führte eine kleine Flasche zum Munde, um einen Zug zu thun- Im Zimmer verbreitete sich der Geruch von Hirschhorngeist. Doctor Mark, der anfangs entsetzt zurückgewichen war, näherte sich dem Bette und sprach die Alte sanft an. „Sie verlangten nach mir. Wollten Sie mir eine Mit» theilung machen?" Sie nickte mehrmals mit dem Kopfe. „Sie sind sehr krank," fuhr der Advocat fort. „Sie sollten einen Arzt kommen lassen." „Nein," rief sie kreischend, setzte aber mit der weinerlichen Stimme eines eigensinnigen Kindes hinzu: „Ich brauche keinen Arzt. Ich behandle mich selbst, ganz allein. Möcht' auch keinen Advocaten brauchen. Aber ich will ein Testament machen, bevor » zu End' geht." „Mir mußt Du die Uhr vermachen, die silberne Uhr," schrie eines der Mädchen und seine Augen glänzten. „Daß Du sie nur der rothen Sali nicht gibst." „Ruhig!" fuhr Kilian die Sprecherin an- Die Alte hatte zu schluchzen begonnen. „Die Sali — die Undankbare — die hat mich verlassen und läßt mich sterben, so allein — so allein —" „Was wollen Sie mir also sagen?" wandte sich Doctor Mark von Neuem an die Pfeiferin. „Habt Ihr'» so eilig?" raunte diese höhnisch. „Wenn ich nicht will, erfahrt Ihr gar nichts." Der Advocat flüsterte Kilian zu, er möge nach dem Arzt schicken, worauf der Detectiv einige Zeilen auf ein Blatt schrieb und dasselbe den Mädchen, die sofort das Zimmer verließen, zur Besorgung übergab. „Recht ist'»," brummte die Pfeiferin, „daß Ihr die Katzen hinausgejagt habt. Die brauchen nicht Alles zu wissen." „Was brauchen sie nicht zu wissen?" fragte Mark. Die Alte starrte vor sich hin und begann dann schnell zu sprechen. „Ich hätte Euch Alles schon längst gesagt, aber sie hat mich nicht reden lassen, die Rosina. Sie war immer stolz und hat's gut gehabt in der Welt, aber ihre Mutter hat sie hungern lassen--" „Ihre Mutter? — Sind Sie ihre Mutter?" rief der Advocat erstaunt. Sie nickte eifrig. „Ha —" sagte sie bitter, — „sie war beim Theater — und schön — und schön — Alle sind ihr nachgerannt. Aber sie hat sie ausgelacht. Mit mir war sie gut, bis er gekommen ist." „Wer?" „Er!" schrie sie wild. „Er, der mein Kind verdorben hat! Und jetzt geht er da herum wie ein Heiliger — verflucht —" „Wen kann sie meinen ?" flüsterte Mark dem Detectiv zu. „Meinen!" höhnte die Alte, der die Frage nicht entgangen war, „meinen ?! — Diesen Weber — Anton Weber!" Die beiden Herren konnten sich eines Ausrufes des Erstaunens nicht enthalten- „Ja," fuhr die Alte mit schwacher Stimme fort. „Damals waren sie jung, die Beiden — ha, ha — und dann war's mit einem Male aus — und es ist nichts dageblieben, nichts als die — Sali — ihr Kind . . . Webers Tochter! Und g'rad so schön ist sie wie die Andere, die in Sau» und Braus lebt — lihre Schwester. O, ich hab' sie gesehen in ihren seidenen Kleidern —" Sie begann zu weinen und sank auf ihr Lager zurück. Doctor Philipp Mark saß in tiefem Sinnen da. Was er da gehört, er mußte es glauben. Es war so: die volle Wahrheit- Aber er konnte nicht annehmen, daß Weber sich um sein Kind nicht hätte bekümmern sollen. Das stand nicht in Uebereinstimmung mit dem Character dieses Mannes. „Wußte er, daß die Sali seine Tochter sei?" fragte er. „Nein, ich war nicht so dumm, es ihm zu sagen- Er hielt das Ding für tobt, nachdem Rosina ihn verlassen." Sie lachte wie vergnügt in sich hinein. „Und warum haben Sie's ihm nicht gesagt!" brauste Mark auf. „Darum," antwortete sie mit Hohn. „Darum! — weil ich ihn Haffe wie eine giftige Schlange. Darum! Aus Rache! Haha! Sali, die, seht Ihr, die war auf dem besten Wege, meinesgleichen zu werden, als man sie mir genommen hat. Wißt Ihr, die Sali, seine Tochter! Eine Diebin, eine ganz gewöhnliche Diebin sollte sie werden, seine Tochter! Seine — der da herumstolzirt wie die Gnade! Haha! Wär' sie's geworden und hält' man sie eingesperrt, seht Ihr — dann wär' ich zu ihm gegangen und hält' ihm in's Ohr geschrieen: Da schau' sie an, Deine Tochter — ich hab' sie zu Grunde gerichtet, wie Du die meine! Haha!" „Satan," dachte Mark. „Und darum habt Ihr eine unschuldige Seele verdorben!" sprach er entrüstet. „Predigt mir nicht," murmelte sie. „Rächen hab' ich mich wollen! Auszahlen hab' ich ihn wollen, wie er mich bezahlt hat, daß ich schweige. Da hab' ich's," rief sie, wild auf ihr Bettkiffen schlagend, „da hab' ich's — lauter Gold, gute» Gold! Hätt' ich's ihm nur vor die Füße geworfen! Aber mich hat's gezogen, mich hat's gezogen mit aller Macht. Ich mufft’» nehmen, das verfluchte Geld! Weil ich gierig gewesen bin danach mein Leben lang, — seht Ihr — gierig wie ein Wolf! - Verfluchtes Gold!" Der Advocat, von diesen hastig ausgesprochenen Worten erschüttert, wollte sich erheben, um die Pfeiferin zu verlafsen, al» die Thür aufging und beide Mädchen mit dem Arzte eintraten. Die Pfeiferin lag jetzt unbeweglich da, nur ihre Brust hob und senkte sich krampfhaft. Da» Gesicht hatte den höhnischen Zug, den e» während der Rede angenommen, beibehalten und erschien noch wilder, noch verzerrter wie früher. Ihr Mund bewegte sich eigenthümlich, als spräche er weiter. Die Hand wühlte im Polster. Der Arzt hatte ein Talglicht angezündet und hielt es der Sterbenden vor die Augen, welche sie jetzt für einen Augenblick öffnete, um wie gedankenlos emporzuschauen. Dann, al» wäre ihr ein plötzlicher Gedanke gekommen, versuchte sie sich gewaltsam aufzusetzen und begann mit wimmerndem Tone: „Mein Geld — mein Geld — Niemand darf» anrühren — mir gehört es allein." Der Arzt zuckte die Achseln. „Ich habe hier nicht» zu thun," sagte er, „es wird bald aus fein." Die Alte schien die» erfaßt zu haben. Es vermischte sich mit ihren Fieberphantasten. Sie stöhnte heiser: „Aus — aus! — O, meine arme Rosina — meine Rosel — mein Sonnenlicht — Du Undankbare! Immer warst Du gut gegen mich, bis er gekommen ist und Dich mitgenommen hat. Aber siehst Du," und ihre Stimme nahm einen weichen Klang an, „siehst Du, Du bist doch gekommen zu Deiner alten Mutter, um bei ihr zu sterben." „Meine gute Frau," sprach ihr der Arzt sanft zu, „wollen Sie nicht den Priester holen lassen?" Sie wollte die Augen öffnen, konnte es aber nicht. „Warum?" hauchte sie. „Sie sind im Sterben," sagte er ernst. Als hätte ihr dieses Wort neue Lebenskraft singehaucht, richtete die Pfeiferin sich wieder auf und umklammerte den Arm des Arztes. „Sterben — sterben!" kam es in heiseren, gebrochenen 356 Tönen LUS ihrer keuchenden Brust. „Sterben! — Nein, ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht — retten Sie mich, helfen Sie mir--" , m „Das kann ich nicht," sagte er mit einem Versuche, stch loszumachen. Es gelang ihm nicht. $ „Ich gebe Euch mein Geld, mein ganzes Geld," flüsterte sie geheirnnißvoll, -- „gutes Gold, sehen Sie —" Sie griff hastig unter das Kiffen und brachte einen Beutel zum Vorschein. Derselbe entsank ihrer zitternden Hand, fiel auf die Bettdecke und klirrend lösten sich die Goldstücke, bedeckten das Bett und rollten auf der schmutzigen Diele dahin. „Gold! Gold!" schrie die Alte lachend. „Seht Ihr, das Alles ist mein — mein —" , Sie ergriff eine Handvoll Münzen und hielt sie dem Arzte hin- „ , „Nehmt es, nehmt es," flüsterte sie wieder, „es ist mein, mein — und echtes Gold--11 Die Anwesenden hielten den Athem zurück. Selbst die beiden Mädchen, welche mit gierigen Augen zusahen, wie die Ducaten auf dem Boden dahinrollten, rührten sich nicht. „Denn ich will nicht sterben," phäntasirte die Alte weiter. „Hab' meine Seele verkauft für das Gold — jetzt soll es mich retten - leben — leben! Aber Ihr wollt es nicht. Ihr weist es zurück. Gut. Haha! Dann soll es Niemand haben — Niemand--" Suchend glitten ihre Finger über die Decke, aber sie waren nicht mehr im Stande, ein Goldstück zu erfaffen- „Ich hab' Euch nichts gethan," röchelte sie, „gebt mir ein Kreuz - ein Kreuz - beten, be-tet für mich — bet-" Sie fiel aufschreiend zurück und war tobt. Es war eine seltsame Scene- Die Leiche im Bette, ein schmutzstarrendes Zimmer, wo das Elend hauste, das Geld auf den Dielen umhergestreut und in der Ecke die zitternden Mädchen. — Schweigend, in tiefer Erschütterung entfernten stch die Männer. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Gurken schmackhaft und haltbar einzumachen. Im Sommer, Herbst und Winter sind saure Gurken ein sehr angenehmes Genußmittel, nichts aber ist für Händler und Hausfrauen ärgerlicher, als wenn die eingemachten Gurken nicht schmecken oder sich nicht halten, deshalb fei folgendes bewährtes Verfahren bei dem Einmachen empohlen- Um Salz- und Waffer« qurlen einzumachen, legt man die frischgepflückten Gurken in kaltes Waffer ein, reinigt sie gut mit einer Bürste und legt sie in reine Gefäße, am besten in Weinfäffer, so ein, daß zuerst eine Schicht Dill und Sauerkirschenblätter, dann eine Schicht dicht an einander liegender Gurken kommt. Mit dieser schichtweisen Einlegung wird fortgefahren, bis das Faß voll ist, dann füllt man das zugeschlagene zur längeren Dauer der Gurken auch verpichte Faß durch das offene Spundloch mit Salzwaffer an. Dazu wird das Waffer gekocht, (auf je 2 Pfund Waffer eine Hand voll Salz) und nach dem Erkalten des Waffers etwas guter Weinessig und klargestoßener Weinstein (auf je 24 Pfund Waffer 1 Liter Weinessig und 16 g Weinstein) zu« qesetzt. Mit offenem Spundloch läßt man das Faß so lange an der freien Luft stehen, bis die Gährung vorüber ist, dann füllt man es nach und nach mit Salzwaffer wieder ganz voll, verspundet es, und stellt es in den Keller. Eines der besten Mittel, Eier für den Winterbedarf zu conservieren, ist die Bestreichung der im August gelegten srischen Eier mit Eiweiß. Das Eiweiß von frisch gelegten Eiern wird zu Schaum gequirlt und bleibt 24 Stunden stehen. Die dann vorhandene geklärte Flüssigkeit wird zum Bestreichen der Eier benutzt und die Eier werden dann mit der Spitze nach unten gestellt, in trocknen Räumen aufbewahrt. Um das Anbacken der Eier zu verhindern, em- pfiehlt es sich, von jedem Ei erst die untere und dann die obere Hälfte zu bestreichen. So behandelte Eier, bei denen der Luftzutritt auch verhindert wird, sollen sich den ganzen Winter hindurch völlig frisch erhalten. * Um Papier wasserdicht, durchsichtig und un- durchdriugttch für Fett zu machen, tränke man es in einer gesättigten Lösung von Borax, in welcher Schellack bei gelinder Wärme aufgelöst wurde. Die Mischung kann durch Anilinfarben gefärbt werden- > _ ♦ Flanell zu bleichen. Flanell, welcher gelb geworden, kann man wieder bleichen, wenn man ihn einige Tage lang in eine Lösung harter Seife legt, wozu man starkes Ammo. niak hinzufügt. Man nimmt l‘/2 Pfund harte Seife, 50 Pfund weiches Waffer und % Pfund starke Ammoniaklösung. In kurzer Zeit aber kann man dasselbe Resultat erlangen, wenn man den Flanell eine Viertelstunde lang in eine schwache Hydrochlorsäure hinzugefügt hat- Vermischtes. Nicht der Rede werth. „Sie wollen mich wohl in den Garten führen, um den Mondschein zu genießen, Herr Lieutenant?" — „Wo denken Sie hin, meine Gnädige, ist ja im ersten Viertel, wegen so 'ner Lumperei möchte ich Sie nicht bemühen!" * Ein Nascher. Chef: „Weiß der Kuckuck, Herr Maier, was in der letzten Zeit mit unseren Couverts ist, — sie kleben nicht mehr." — Buchhalter: „Ja, das glaube ich schon, Herr Prinzipal, das kommt von unserem Lehrling; seit der die Kost im Hause hat, leckt er mit wahrer Gier von allen Couverts den Gummi ab." ♦ * ♦ Doch etwas. Sohn: „Vater ist das nicht eine herrliche geeiterte, sieh nur, das Bächlein links und rechts die herrliche Wiese." — Vater: „Ja, 's wär' aber noch 'ne schönere Gegend, wenn mitten b’rin ein Bierwagen stände." Freiheit. Nur wo unbegrenzt die Freiheit, Doch nicht ungezügelt waltet: Blüht der Liebe höchste Reinheit, Die das Leben schön gestaltet. Nicht die Sklaven, nur die Freien, Können wahrhaft herzlich lieben, Können helfen und verzeihen, Wahre Religion stets üben. Nächster soll dem Nächsten dienen, Nicht dem Herren reich der Knechts Da ist Freiheit hold erschienen, Wo für Alle gleiches Recht Wo bleibt sonst gewollte Gleichheit Vor des höchsten Gottes Thron, Wenn die wahre, echte Freiheit Wird nicht jedes Menschen Lohn! Ludwig Eichler. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.