natürlich eben bei Achtung, >sn ist efund- iahrung, tetischen bindung ijes Erruf das vor dem die Geien des aert die ! Stein- b gegen iet das fer und auf der träufelt hrt den l, wenn ter gelb Lorbeer- eßt ein läßt sie t, mein in, auf wie ich lickt er» »Nur flüchtig. «V « — ändigen „Nun, rdienten fe auch n! Der 16 ekelt ter!" sind in ctheilt!" nch um tt?" - it g'hei- ich gern 1894. -WW" u --yasy - W— jgS -^TR Rr. 128 er ----D-----trr5i:-----T----j^? tw <^<-7 «nkephaltungsblatt jwm (Siebener Anzeigen (Gcnev«l-Anz«igev) Donnerstag, be« 1. November. „Die Geschichte wiederholt sich niemals, mein Fürst!" erwidert sie mit einem neckischen Blick. Da gewahrt sie die Herzogin von Edenfield, die soeben am Arme Lord Rawdons das Zimmer betritt. Der schöne Mund der Herzogin verzieht sich spöttisch, als sie Lola in in- timer Unterhaltung mit dem Fürsten sieht. Ihr Blick sucht die Augen Lord Rawdons, und auch dieser lächelt ein wenig. Doch liegt kein Spott in diesem Lächeln, eher eine gewisse Befriedigung. XVI. Lola ist schöner, glänzender, gefeierter denn je. Das Gerücht hat sich verbreitet, der gegen Frauenreize so unempfindliche Fürst Orlowsky habe sich ernstlich in die Baronin Med- fort verliebt — Grund genug, um sie noch populärer zu machen. Der Fürst — verliebt! Zuerst lachte man darüber. Dann schüttelte man den Kopf. Schließlich mußte man sich doch dazu bequemen, dem Gerücht näher zu treten. Jetzt bildet die merkwürdige Thatsache das Hauptgesprächsthema von ganz London. Die Damen besprechen sie an ihren Theeabenden, die Herren in ihren Clubs. Sie erzählen einander pikante kleine Anecdoten über den Fürsten in seiner neuen Rolle — jedoch niemals in seiner Gegenwart. Man weiß nicht, wie er es aufnimmt. „Reize einen Russen und Du findest einen Tartaren!" sagt ein englisches Sprichwort. Dessen sind die braven Leute eingedenk. Jedoch besteht ein stillschweigendes Usbereinkommen, die Beiden gewähren zu lassen. Wenn der Fürst das Zimmer betritt, in dem Lola sich befindet, machen alle in ihrer Nähe Befindlichen ihm Platz. Wenn er mit ihr spricht, sucht kein Anderer ihre Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. „Ein wahrhaft königliches Werben!" flüstert man sich bedeutungsvoll zu. „Wird er um sie anhalten und wird sie ihn auch annehmen ?" Bisher hatie der Fürst Lolas Wohnung noch nicht betreten. Heute zum ersten Mal hält fein Wagen mit den silber- beschlagenen Rappen vor dem großen, eisernen Portal — »Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, 'Frau Baronin." Lola nimmt mit einer graziösen Verbeugung ihre Spitzendraperien zusammen und verläßt den Balkon. Trotz der Abmdkühle glüht ihr Angesicht. Der Fürst folgt ihr. „O, lassen Sie diesen Traum von heute sich wiederholen!" flüstert er in bittendem Ton. (Fortsetzung.) ... Die Sonne ist niedergegangen. Dämmerung breitet sich über den Fluß und die grünen Gelände aus. Noch immer befinden sich der Fürst und Lola allein auf dem Balkon. Nie- mand stört sie. Lord Rawdon promenirt mit der Herzogin von Edenfield am Flußufer; die Uebrigen spielen auf dem weiten Rasenplatz hinter dem Hotel Lawn tennis. t Orlowsky blickt eine Zeit lang wie gebannt in das senkte Antlitz vor ihm. Dann sagt er leise: „Sie müßten als Königin geboren sein. Hunderte von Sclaven sollten Sie beb’.enen. Tag und Nacht eines Winkes ihrer Herrin gewärtig. Das Leben von Tausenden von Untertanen läge in Ihrer kleinen, weißen Hand —" »Das klingt ja recht despotisch," fällt sie lachend ein. „D, es ist etwas Großes um die Macht!" „Ich glaube, meine Macht wird sich stets nur über die Herzen der Männer erstrecken —" „Pah! Was thnt man mit Herzen!" Der Fürst ruft es in wegwerfendem Tone, der Lola bis zum Aeußersten reizt. Das brennende Verlangen erwacht in chr, diesen hochmüthigen Fürst fühlen zu lassen, daß ein Herz kein solch geringfügig Ding ist, wie er glaubt, daß es sogar größerer Schmerzen fähig sein kann, als der Körper. Es er« greift sie wie ein Fieber. Sie muß diesen Mann zu ihren Füßen sehen, koste es, was es wolle! Sie blickt auf. Seine Augen ruhen mit einem eigenthümlichen Ausdruck °us ihr - mit einem Ausdruck, in dem sich Mitleid, Spott und Bewunderung mischen. Sie weiß ihn sich nicht zu er- Nären und fühlt sich fast ein wenig unbehaglich. Wird es leinem stolzen Geist denn gar so schwer, sich zu unterjochen? Sie will sich von dem Balkon zurückziehen. Da flüstert seine Stimme sanft: „Dieser Tag war der glücklichste meines Lebens So oft habe ich mich gefragt, welch' schöne Seele wohl hinter der schönen Hülle verborgen läge." Lola wendet den reizenden Kopf halb zu ihm zurück. „Jnteressiren Sie schöne Seelen auch?" fragt sie neckisch. „Manchmal, doch nicht ost. Nur meinen intimsten Freunden gestehe ich dieses zu." „Sie thun mir eine große Ehre an, indem Sie mich zu Ihren intimen Freunden zählen, mein Fürst." Er verbeugt sich tief. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen. 510 „Gewiß und doch wünschte ich, Du hättest den Fürsten lassen möge. t , Und nun sitzt vor ihr ein Fürst — ein Mann, der Prin- zessinnen aus königlichem Geblüt heirathen konnte. ... Die arme Mutter kann den Gedanken kaum fassen. Etwas wie Angst schleicht sich in ihre schlicht empfindende Seele. Wirre Gedanken von den Schrecknissen Sibiriens durchfliegen ihren Kopf, von der Knute und anderen Greueln Rußlands, über die sie gelesen- Sie bemerkt das zarte Erröthen auf dem lieblichen Antlitz der Tochter, als der Fürst sie fragt, ob sie den Maskenball im Palais Edenfield mitmache und auf ihre Zustimmung hin um den ersten und letzten Walzer bittet und außerdem um so viele Tänze dazwischen, wie ste bereit sei, ihm zu schenken. Darauf fliegt ihr Blick hinüber zu dem dunklen Kopf des Russen. Mit dem sorgenden Mutterauge studirt sie den Ausdruck seiner Züge. Run erhebt sich der Fürst und bittet in gewählten Worten um Entschuldigung wegen seines außergewöhnlich langen Besuches. Dann verläßt er mit einem tiefen Blick auf Lola das ßinitnct» Als der Wagen unten davonrollt, kann sich die Pastors- wittwe nicht mehr beherrschen. Ihre Erregung ist zu groß. „Lola, mein geliebtes Kind," ruft sie schluchzend. „Was nie gesehen." , , ,, . „Aber Mama!" lacht Lola. „Uebrigens habe ich ja noch gar nicht gesagt, daß ich ihn heirathen will." „So ermuntere ihn auch nicht!" „Thue ich das? Run, es wäre gar nicht so übel, über Tausende von Unterthanen za regieren —" „Du könntest allerdings viel Gutes stiften," fällt Frau March fanft ein. „ „ „Daran habe ich allerdings noch nicht gedacht- Es wäre gut für mich — das ist mir genug," ruft ste lachend und ergötzt sich an dem Anblick der langen, glänzenden Haarsträhne, die ste langsam über ihre weißen Arme gleiten läßt. „Thue, was Du willst, Lola," erwidert ihre Mutter mit einem tiefen Seufzer. „Ich weiß ja, daß mein Rath Dir nichts gilt." , „Und was räthst Du mir?" fragt Jene, den Kopf em wenig erhebend. Frau March faltet die Hände. „Ich rathe Dir aus vollstem Herzen: Heirathe den Fürsten nicht," sagt ste einfach. Lola erhebt sich langsam von der Ottomane. Ihr Gesicht sieht ungewöhnlich ernst aus. „Es ist ja noch gar nicht so weit, Mama- Auch bin ich durchaus noch nicht entschlossen. Ich will mir die Sache noch einmal überlegen." „Gott segne Dich, mein Kind, und lasse Dich das Rechte finden," flüstert die Pastorswittwe innig. Dann verläßt sie still das Zimmer, Lola ihren Gedanken überlassend. .zwei volle Stunden lang", wie die neugierige Welt munkelt, i wirst Du thun? Du kannst nicht mit ihm koketttren, wie Du Kurz vorher war ein vergoldeter Blumenkorb in Form eines I es vielleicht mit Anderen gethan. Riesenschiffes voll der kostbarsten weißen Hyacinthen im Palais I „Run also, Mama Medfort abgegeben worden- Die Dienerschaft hatte bei seinem j »Was sagt Dein Herz, mein Kind? Anblick verwundert die Hände zusammengeschlagen. I Lola lacht. Jetzt sitzt der Fürst Lola gegenüber aus einem der hoch- i ™ ? ® 6 1 1 b ® $ lehnigen Fauteuils, Seine classischen Züge mit ihrer matten, | absolut nichts zu thun. in's Bräunliche spielenden Farbe heben sich klar von dem „Du liebst ihn also nicht # dunkelblauen Sammet ab. Sie gleichen in Reinheit und I „Lieben? ... Du bist komisch, Mama. Wenn wir über Schnitt einer Camöe. Noch niemals vorher war Lola die I meine Angelegenheiten sprechen, wollen nur das Herz und die außergewöhnliche physische Schönheit des Fürsten so aufgefallen Liebe ein für allemal aus dem Spiel lassen. wie heute. Der etwas fpöttische Zug um die vollen Lippen, I Bekümmert schüttelt Frau March den Kopf. „Warum der für gewöhnlich kalte Ausdruck der grauen Augen ziehen I dünkst Du Dich stärker als andere Frauen, Lola? Warum sie an — sie, die verwöhnte Schönheit, die stets nur Unter- I glaubst Du, ohne Liebe leben zu können- Wenn nun doch ein« würfigkeit und Anbetung in den Gesichtern der Männer ge« I mal die Liebe in Dein Herz einzögs - später — vielleicht, sehen. Gewiß, es ist keine Kunst, einen zahmen Pudel am I wenn es zu spät ist —" blauen Seidenbande zu führen; einen Löwen in Ketten zu I „Kopf und Herz stimmen bei mir überein, lacht diese schmieden, ist eine größere Ehre. sorglos. Plötzlich taucht vor ihr ein freundliches, offenes Nach kurrer Reit schon tritt Frau March ein. Die gute I Antlitz auf, ein paar blaue, treuherzige Augen und ein heiter Pastors-Wittwe fühlt sich ein wenig befangen; sie steht zum I lächelnder Mund. . . . Eine tiefe Röthe bedeckt ihr Gesicht, ersten Mal einem Fürsten gegenüber! Doch Lola umfaßt die | Sie wird nachdenklich. Sie wirst sich auf eine Chaiselongue Mutter mit der ihr eigenen nachlässigen Grazie und zieht sie I und streckt nachlässig die weißen Arme empor. mit bis dicht vor den Fürsten, Beide einander mit wenigen I „Liebe Mama, ich will heute einmal gut sein und Deinen neckischen Worten vorstellend. i Rath anhören." _, «. - . Frau March ruft sich in's Gedächtniß zurück, daß „eine | „Gott segne Dich, mem Kind I Ich werde mein Bestes Dame stets eine Dame bleibt", und so kommt sie über die I thun." An fatalen Minuten hinweg. Sie hatte sich stets in guter Run entledigt sich Lola allen Schmuckes, wie sie stets Gesellschaft bewegt; nur war diese etwas schwerfälligerer Art I thut, sobald sie einmal „gut sein will. Sie löst ihr langes gewesen. An den Umgang mit Baronen und Grafen hatte | weiches Haar, so daß es wre ein Schleier an ihr niederwsllt. Ä"Si9 a”*; a6etli"wM etoM fÄ’ÄS1 ää1?; Orlomly b*nb?lt*u mb I * " Frau March hiist-ll ein paar Mal. Sir weiß nicht r» lichkeit. Er spricht wiederholt zu ihr und — was noch mehr | wie ihre Tochter Das, was sie Jagen will, aufnehmen wird, bedeutet — er hört ihren einfachen Worten freundlich zu. I Aengstlich beginnt sie: „Meine liebe Lola, der Fürst ist vor- we “uf w# * wäväääsw Als sie die Beiden betrachtet, den stolzen, imponirenden Ach "ünterMtttIch ta Dir Mt^genau fttÄÄÄ •» SK XKÄlÄÄ * “ - - — - w - chelnd, im Tone väterlichen Stolzes sagte: „Es sollte mich nicht wundern, wenn unsere kleine Lola eines Tages selbst einen Pastor heirathete. Sie würde eine niedliche Pfarrers- frau abgeben." Und die Mutter hatte in der Hoffnung auf ein solches Glück sür ihr geliebtes Kind gelächelt und zum lieben Gott gebetet, daß er es dieses ersehnte Ziel erreichen XVII. »Ist es wahr? Darf ich Ihnen gratuliren? ' Die Herzogin von Edenfield fragt es im liebenswürdig» sten Tone. Mit ausgestreckten Händen geht sie Lola entgegen, die soeben den Saal betritt. Die beiden Damen treffen sich in der Blumenausstellung. Jede von ihnen sieht in ihrer Art vollendet schön aus. Die Herzogin trägt ein schwarzes Sammtcostüm mit reichem Feder» besah. Den dunklen Kopf bedeckt ein cremefarbener Rembrand- Hut mit langer, schwarzer Straußenfeder. An Lolas schlanke Glieder schmiegt sich ein mattlila Atlasgewand mit Silberstickerei. Auf dem goldigglänzenden Gelock thront ein Pariser Capothütchen von derselben Farbe mit Reiherfeder und einer Diamantagraffe. «Ist es wirklich wahr?" wiederholt die Herzogin- „Ich wollte es gar nicht glauben." „Was soll denn wahr sein?" lacht Lola. „Wiffen Sie nicht, daß ganz London in diesem Augen» blick von Ihrer grandiosen Eroberung spricht?" »Ich dächte, ganz London hätte etwas Besseres zu thun." „Gibt es etwas Befferes, als über die Siege der Saison» königtn zu sprechen?" „Eine Saisonkönigin, die augenblicklich eine Taffe Thee sehr nöthig hat," scherzt Lola. Die Herzo in droht mit dem Finger. „Sie wollen meiner Frage ausweichen, Baronin. Das sagt mir genug. Um meinem Urtheil Gerechtigkeit widerfahren zu laffen, muß ich Ihnen gestehen, daß ich nicht sogleich daran glaubte." „Aber woran denn glaubte?" fragt Lola ungeduldig, indem sich ihre Augenbrauen ein wenig zusammenziehen. «Daß Sie den Fürsten Orlowsky heirathen-" Lolas Antlitz ist wie mit Blut übergoffen. Sichtlich verlegen beugt sie sich tief über einen duftenden Rosenstock. „Ich glaubte es gleich nicht," wiederholt die Herzogin in etwas verletzendem Tone. „Ich scherzte vorhin nur." Lola wirft den Kopf in den Nacken. „Und warum glaubten Sie es nicht?" „Weil Adler sich mit Adlern paaren sollen," lautete die harmlos klingende Entgegnung. „Der Fürst ist solch' ein königlicher Adler und —" und ich bin es nicht," fällt Lola schnell ein. „Nicht wahr, das wollen Sie doch sagen?" „Gewiß. Ich erklärte Lord Rawdon von Anfang an, daß an den Gerüchten nichts Wahres sei." Die Röthe de« Aergers auf Lolas Wangen vertieft sich. Man hat sie also zum Gegenstand des Gesprächs gemacht und entschieden, daß der Fürst ste nicht heirathen würde, weil ihr Rang dem seinigen zu sehr nachstände! „Und was ist Lord Rawdons Meinung ?" fragt sie pikirt. „Er stimmt mit mir darin überein, daß die Gerüchte unwahrscheinlich seien, daß der Fürst Sie zwar enthusiastisch bewundere, daß er aber niemals um Ihre Hand bitten würde " „Warum?" „O, aus verschiedenen Gründen. Erstens liebt der Fürst sein ungebundenes Leben; zweitens könnte er sich, wenn er überhaupt an's Heirathen dächte, mit königlichen oder kaiserlichen Familien verbinden; drittens —" „Noch ein Grund?" spottet Lola. „Ja, noch einer, der aber meinem Empfinden entspringt, nicht Lord Rawdons." „Ich bin äußerst gespannt." Die Herzogin zögert. „Man spricht sonst nicht überdergleichen," sagt sie langsam. „Aber da Sie mich direct fragen — Sie entsinnen sich, daß Sie mir einmal mittheilten, Sie seien die Tochter eines Geistlichen —" Hochmüthig kräuseln sich Lolas Lippen. „Ich bin stolz darauf. Ein Geistlicher muß ein Ehrenmann sein, was man nicht von Jedem behaupten kann." "Zugegeben. Aber eine Pfarrerstochter ist nicht ganz die paffende Partie für einen Fürsten." Jetzt schießen die blauen Augen Blitze. Die lieblichen Züge nehmen ihre abweisendste Miene an. „Und ich- denke," sagt sie kalt, „ein Pastor ist einem russischen Fürsten in jeder Beziehung gleichberechtigt, wenn nicht überlegen. Euer Gnaden können denken, was Ihnen beliebt." „Ich kenne die Welt bester, als Sie, liebe Baronin," entgegnet diese in verletzend überlegenem Tone. „Sie sind sehr weise," spottet Lola. Ihr hübsches Köpfchen durchziehen im Nu eine Masts Gedanken. Fast war sie schon entschlossen, sich von den Bewerbungen des Fürsten zurückzuziehen Jetzt wird sie wieder wankend. Sie möchte dieser stolzen, hochmüthigen Herzogin zeigen, daß sie Fürstin Orlowsky werden kann, wenn sie will. „Wie hübsch der Titel „Fürstin" klingt," beginnt die Herzogin wieder in unbefangenem Tone- „Ich wünschte, ich könnte ihn führen." Wie verwundert blickt Lola auf. „Ach, wirklich?" ruft sie naiv. „Und ich glaubte, Euer Gnaden Wünsche seien in einer ganz entgegengesetzten Richtung gegangen." Die Herzogin versteht die Anspielung auf Lord Rawdon wohl. Sie erbleicht jählings; doch erwidert sie schnell gefaßt: „Nein, ich wäre wirklich gern „Fürstin" geworden. Es klingt viel schöner, als „Herzogin". Ah, da kommt der Fürst," fährt sie lebhaft fort. „Wenn man vom Wolf spricht, ist er nie weit. Doch der Fürst sieht kaum aus wie ein Wolf. Wie?" „Wie diese Frau mich haßt," murmelt Lola zwischen den Zähnen, „und nur, weil Lord Rawdon mich liebte. O, ich will ihnen zeigen —" Da tritt der Fürst zu den Damen heran- Nicht weit entfernt davon taucht auch Lord Rawdon auf. In letzter Zeit scheinen die Beiden unzertrennlich. „Wir waren gerade in einem Gespräch über Sie begriffen, Fürst!" sagt die Herzogin leichthin. Lächelnd verbeugt er sich. „Eine große Ehre für mich. In den Händen so anmuth» voller Damen ist man stets gut aufgehoben." „In den meinigen waren Sie sicher!" ruft Lola und gönnt dem Fürsten einen ihrer unwiderstehlichen Blicke. Wie von einem Magnet angezogen, tritt er näher an sie heran. Die Herzogin beobachtet die kleine Scene aufmerksam- Um ihre Lippen schwebt ein schwaches Lächeln des Amüsements und des Spottes. „Weich' herrliche Rosen haben Sie in England," beginnt der Fürst lebhaft. „Ich glaube, dergleichen gibt es nur hier. Was meinen die Damen?" „Ich bin kein gelernter Gärtner," bemerkt die Herzogin in solch' hochmüthig abweisendem Tone, daß Lola erstaunt aufblickt. „Eine Frau soll überhaupt in nichts „gelernt" sein," entgegnet der Fürst ruhig. „Es ist genug, wenn sie schön aussieht und des Lebens Sonnenschein genießt." Die Herzogin wendet sich mit einer etwas gelangweilten Bewegung schweigend ab. „Haben Sie die berühmte neue Rose schon gesehen, Frau Baronin?" fragt der Fürst mit einem Lächeln. „Man nennt sie: Da« Licht der Liebe." „Nein, mein Fürst." „Darf ich das Vergnügen haben, die Rose der Frauen der Rose der Blumen vorzustellen?" „Weich' blumiges Compliment," spottet die Herzogin, „aber nicht übel." „Wollen Euer Gnaden —" beginnt er zögernd. Doch sie unterbricht ihn kurz: „Nein, ich danke. Ich will die Vor» flellnng nicht stören. Dort hinten gewahre ich Frau von Grey. In zehn Minuten werde ich allen interessanten Klatsch von London erfahren haben. Auf Wiedersehen!" „Viel Vergnügen!" ruft Lola, innerlich froh, daß die Herzogin nicht mitgeht. Die beiden schönen Gestalten bewegen sich langsam durch - Bi§ - DK Abende werden länger, und die Schirmlampe beginnt ihre Herrschaft mehr und mehr auszudehnen. Da setzt man sich wieder zusammen und sucht in Behinderung reicheren Naturgenusfes sich geistige Freuden. Unter den Namen „Lese» kränzchen" und „Liebhabertheater oder Familientheater" finden wir einen guten Theil der Bevölkerung versammelt, den winterlichen Unterhaltungen einen geschloffenen Rahmen zu geben und zugleich die Centren der zu hoffenden geistigen Kost zu bezeichnen. D a s T h e a t e r s p i e l, zu dem ja scheinbar nicht viel mehr gehört, als das Lernen einer Rolle, und dem ja das Kostüm, das sich freie Darbieten beim Glanz der Lampenbeleuchtung einen romantischen Schimmer verleiht, wird, je jünger, kecker und selbstgefälliger die Mehrzahl der Mitglieder ist, meistens den Sieg über ein Lesekränzchen davontragen. Man „sitzt ja da zu still", man kann „sich nicht so glänzend ein» führen", so schelmisch kokettieren, und was man sonst noch mehr gegen das Lesen spricht oder auch nur denkt- Aber dennoch stehen wir aus vielen, naheliegendenMründen nicht an, einem Lesekränzchen, vor allem Theaterspiel zu Haus den Vorzug einzuräumen, vor allem, weil es den be» beschränkten Mitteln und der Vorbildung der Familienglieder mehr entspricht, als das Spiel, sodann, weil es Sinn und Geist der Werke unserer Dichter beffer in Haus und Herzen trägt, als das nicht so selbstlose Spiel, und endlich, weil es eben darum nicht lächerlich wird und nicht die Thäligkeit und den Frieden im Hause stört, wie oft das sog. Theater« spielen. Welch ein Segen vollends, wenn vor dem Vorlesen eines Geisteswerkes unserer Dichter oder Denker das Nölhige über dessen Person oder die Entstehung des Werkes gegeben wird. Wir wiffen wohl, indem wir dies sagen, stoßen wir bei unzähligen Leuten an, welche gern Theater spielen. Es mag dies Spielen ja auch in beschränktem Rahmen angehen; aber immer bleiben doch die Mittel des Hauses mehr oder minder hinter dem Ideale zurück und der lächerlichsten Auffaffung ist voller Raum gegeben. Auch werden die Comödienspieler, meist junge Leute, von ihrer Profession, vom Studium re mehr abgezogen, als durch jedes andere Vergnügen; aus schlichten Bürgertöchtern werden offerierte Aeffchen und die langlockigen Halbkünstler stampfen im Streit mit den Musen die dröhnenden Bretter, wo sie lernen, zeichnen correspondieren, lesen oder musizieren könnten, statt ihre Ohnmacht, bei Lam- penflimmer zu zeigen ober höchstens betörten, urtheilslosen Müttern und Tanten eine Augenweide abzugeben. Und wie viel Leid hat es in Familien gebracht, daß über allem Rollenlernen der stegberauschten Mutter der Mittagstisch und die auszubeffernden Kleider und Strümpfe der Ihren versäumt wurden-' Das Rollenlernen nimmt in der Ttzat viel Zeit weg und fast alle Leistungen stehen in einem kläglichen Mißverhältnisse zu dem Aufgebot an Kraft, das vorherging. Lesekränzchen und Liebhabertheater. Ein Wort zur Zeit. bie Ausstellungsräume. Wo sie sich blicken laffen, in den menschenvollen Zelten, in den ltchtumfloffenen Grotten, vor den s farbenprächtigen Blumenbeeten — Überall macht man ihnen ? bereitwillig Platz. „Die schöne Baronin Medfort und der Fürst Orlowsky, geht es flüsternd von Mund zu Mund. Während sie die Königin der Rosen ansteht und den leisen Worten des Fürsten lauscht, wird das Gefühl verletzter Eitelkeit immer stärker in ihr. Woher nahm jene hochmüthige Herzogin das Recht, derart zu ihr zu sprechen — zu ihr, der anerkannt schönsten Frau von England, die für keinen Mann zu gering ist, und sei er selbst ein Fürst. (Fortsetzung folgt.) Wer es auch mit angesehen hat, wie das junge Mädchen nach glücklich bestandenen Tanzstunden-Abenteuern ihr angeborenes, „unzweifelhaft angebornes Comödiantentalent" zu verwerthen eilt, weil sie ganze Vormittage statt Hemden zuzuschneiden und Strümpfestopfen zu lernen, ihre Rolle memoriert, wie sie dann bald nach dem Mittagessen frisiert und angekleidet wird, zur Probe fährt und dann dort bis zur Aufführung unter mancherlei Bedenklichkeit anderer wartet, der wird nicht nur die sanitären, moralischen und vor allem die familiären Gefahren überschauen, in die sich solch eine angehende Muse mit dicker Binde vor den Augen stürzt- Natürlich liegt ein verlockender Reiz zum Comödiespielen, insbesondere für das schöne Geschlecht nahe. Mit Tanzstunde und Ball noch nicht befriedigt, stürzen sich die jungen Dämchen auf die Bühne, diesen leicht gewonnenen Tummelplatz für neue Triumphe. Nie wird es darum an weiblicher Hilfe für Liebhabertheater fehlen, denn jede echte Evatochter ist Feuer und Flamme, sowie sie sich nur costümieren darf, ist Feuer und Flamme für Maskenbälle, bunte Auszüge und die Aussicht, wie eine wirkliche Schauspielerin agieren zu dürfen. Der Theaterdnigent hat freilich seine Roth, denn von zehn Frauenzimmern wollen immer neun die erste Liebhaberrollespielen. Sentimentales, Schmachtendes ist am gesundesten, gleichviel ob Alter, Gesicht und eine wahre rauhe Baßstimme dem eigentlich schnurstraks entgegen sind. Soubrette, Dienerinnen — buh I sind nicht zu haben, es müßte denn ein recht wirksamer Anzug dafür da fein und den Ausschlag geben- So wird durch das Liebhabertheater auch der Eitelkeit gesröhnt. Wir wiederholen: ein gut gewählte« Lesen steht uns hoch über dem oft unzulänglichen, kraft- und saftlosen Spielen in Dilettantenkreisen und vermittelt die Einführung geistiger Schätze durchaus. (Aus dem „Hausmütterchen".) V-vinischtes. Ein Berliner will feinem Freunde aus der Provinz die Wirkung des Telephons erklären- Er sucht mit ihm also eine öffentliche Fernsprechstelle aus und sagt: „Gieb Acht l Jetzt sage ich meiner Fran, daß Du heute Abend bei uns essen wirst. — So nun halte die Schallfänger au's Ohr und Du wirst Dich überzeugen, daß sie mich verstanden hat." — Der Gastfreund lauscht und hört die inhaltschweren Worte: „Der Schafskopf hat mir gerade noch gefehlt-" ♦ * Fremder: „Beim Vorübergehen warf ich einen Blick in'8 Schulhaus; die Zahl der Kinder find' ich im Verhältniß zur Größe des Dorfes nicht bedeutend." — Bürgemeister: „Ach, da haben der gnädige Herr jedenfalls nur das Wohnzimmer unseres Lehrers gesehen!" ♦ ♦ * Lehrer: „Sage mir, Mayer, wie erging es dem Volke Israel, nachdem es unter Gottes gnädigem Beistand der Verfolgung Pharaos entronnen war?" — Der kleine Mayer: „Ich danke, gut." ♦ * ♦ Schwabe: „He, Schätzte — warum weinscht?" — Braut: „Ach Gott, ich hab' solche Angst! Heut hat man mir gesagt, Ihr Schwaben dächtet, jedes rechtschaffene Weib müsse seine Prügel bekommen!" — „Guck, sei nit so g'späßig, Herzle! Mach' Dir koi Angscht — dees muß ja so gtei no net sein!" * * * Mißliches Urtheil. Gnädiges Fräulein (zu ihrem Nachbar): „Nun, Herr Baron, Sie scheinen sich jr ganz herrlich zu amüsiren. Sie lachen ja über das ganze Gesicht." Baron: „Nun, gnädiger Fräulein, ich mache nur gute Miene zum bösen Spiel." Redaction; A. Schcyda, — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.