Nnteichattungsblatt $um Gietzenev ZlMZMgev (Geneval-Anzergev) 1894. WKWWVKÄWW- •— rMWMUW^>ÄMW MMg HUWKWUM 'EUWM-WWM i «8,. •:JÄ> «srzK, * ••?• . arr.^ ^SCT.1ä..aF | i »I. WWGAWAMü M.'s MWW Donnerstag, den 1. Mmz. (Fortsetzung.) In den nächsten Tagen verließ der Profeffor das Haus nicht sondern lag auf der Lauer, ob Edgar von Bach nicht seinen Condolenzbesuch bei Lindens machen würde, denn seine Compagnie war endlich zurückgekehrt. Da, am siebenten -t.age nach der Bestattung des Todten, sah Ernst Pfeil zu seiner Genugthuung die hohe Gestalt des Hauptmanns der Billa zu» schreiten. Höhnisch lächelnd murmelte der Profesior: „Nun werden wir Dich nicht oft mehr sehen, Sohn des Mars; ich werde Dir noch heute eine Falle stellen, die Dir ferne Liebe einbringen soll! Welch' ein Glück, daß ich heute noch nicht Er wartete dann die Zeit ab, daß Edgar seinen Besuch beendigen sollte. , , Als Ruth das edle Gesicht Edgars erblickte, eilte sie auf ihn zu und sagte: „Mama und ich, wir haben Sie schmerzlich bei diesem Schlage des Schicksals an unserer Seite vermißt, Herr von Bach!" • „Und ich bin bestürzt über einen Todesfall, von dessen Nachricht ich - ich muß es gestehen - fast überwältigt ward Meine gnädige Frau, mein gnädiges Fräulein, es bedarf wohl der Versicherung nicht, wie mein Herz hier weilte, während mich die Pflkkht drüben in der Bergstadt gefesielt hrelt! Wie ist nur Alles so schnell gekommen?" Frau von Linden erwiderte schmerzlich erregt: „Drese Nervenkrankheit ist selten heilbar; daß mein Mann seit längerem daran litt, verrieth mir Profesior Simmler; nur seiner sorgsamen Haltung ist es zu danken, daß wir den Theuren mcht schon früher verloren!" „Aber was werden Sie jetzt begrünen, meine Damen? Frau Georgine entgegnete: „Ich danke Ihnen für Ihre Theilnohme, Herr von Bach, indeß ganz so mittellos, wie sonst wohl Ojfizierswittwen, sind wir nicht! Botho muß seinen Lreb- habereien ziemlich viel Geld gewidmet haben; wir haben sür den Haushalt stets nur ein Drittel des Gehaltes verwendet; das zweite Drittel habe ich aber seit dreizehn Jahren erspart und werde Ruth dafür eine Rente kaufen, damit sie auch nach meinem Tode versorgt ist; sür mich wird die übliche Pension genügen!" „ _ „Und Sie bleiben in der theuren Hauptstadt?" Nein, mit Ablaus des Miethvertrages ziehen wir nach N.,meiner Heimath; so haben wir beschlosien!" Der Hauptmann überlegte: sollte er j-tzt um Ruths Hand litten? Aber es war heute doch wohl nicht schicklich ! Dagegen durste er wohl andeuten, daß demnächst auch bei ihm eine Veränderung eintreten werde. „Wtsien Sie, meine Damen," begann er dann, „der selige Herr Oberst thal ganz Recht, als er den Dienst qmttirte. Ich bin in derselben Lage! Ich mochte, ich konnte dre Chicanen meines Dienstes nicht länger ertragen; ich habe um meinen Abschied gebeten!" , „ _ Aber warst hier Ruth mit Hast ein. Jeder unbefangene Beurtheiler, auch Frau Georgine, konnte hieran sehen, daß der Mann, der da jetzt lächelnd saß, ihrem Herzen nicht gleichgiltig war. „Aber, wie — was - ? frug Ruth vor Erregung stotternd. r . , . Wovon ich leben will?" fuhr Edgar lächelnd fort. Denken Sie sich: ein entfernter Verwandter, der Kanonikus in einer alten süddeutschen Stadt war, stirbt vor einiger Zeit und setzt mich zu seinem Erben ein. — Ich bin dadurch plötzlich — unabhängig geworden; ich werde Landwirth werden, wozu ich außer Neigung auch das meiste Talent besitze! Ruth wurde flammend roth und wandte sich ab, ihre Erregung zu verbergen- Erblickte sie sich schon int Geiste als die Gattin des rüstigen Gutsbesitzers? Somit sah jetzt auch Edgar ein, daß die beiden Frauen ihn nicht übweisen würden, wenn er um Ruth würbe; er wollte deshalb beim nächsten Besuche, ja morgen schon, die Sache mit den Damen besprechen- In diesem Gedanken beseltgt, brach Edgar aus und verließ dann das Haus- Eigentlich wollte er noch bei dem Profesior vorsprechen, um die Sache mit diesem nochmals zu Überlegen; da aber unten in der Villa alles Leben ausgestorben schien, ging er zufrieden beim. Aber unten bei dem Profesior waren Haß und Gemeinheit wach, den Vertrauensfeligen um sein Lebensglück zu betrügen. Der Profesior benutzte die Gelegenheit, während Dimer und Magd in der Küche speisten, Ruth und die Frau Oberst aber im Zimmer saßen, sich leise auf den Corridor zu schleichen und dort das von Edgars Hand herruhrende Billet an Camilla hinzuwerfen. Dann war er verschwunden, lag Lr 7i" die SrcuiWe im N-st. au, d°, L-m», •»« e. geben werde. Doch da öden regte sich nichts. * ♦ Seit acht Tagen hatte Edgar von Bach den Weg nach der Villa jedesmal vergeblich gemacht und entweder nur den Diener und die Magd oder Frau Georgine gesprochen, denn Ruth lag schwer krank am Nervensieber danieder. Heute war der neunte Tag angebrochen. Wieder stieg der unermüdliche Im Banne des Bösen. Novelle von C. Western. 98 w ic I l Du hak De lei! jefl 1 Z 5 o Li « 3 ge> bei do B T da F tei t( Z b( ■8 ü ii 8' 4 Edaar die Treppe hinauf und traf Frau von Linden auf dem I Die Frau Oberst zitterte, als sie sagte: „Ich begreife es Corridor nicht, Herr von Bachl" „Nun, wie steht's, gnädige Frau?" lautete feine ängstliche „Ich auch nicht! Leben Sie wohl!" j Ohne eine Antwort zu erwarten, stürzte er die Treppe Schlimm!" gab sie zur Antwort. hinab. Unten nahm ihn der Profeffor in Empfang. Mein Gott, und welches ist dis Ursache dieser Krank« „Was gibt es denn? Mein Gott, seit vier Wochen geht I es oben drunter und drüber, und ich als Vormund habe —" „Ja, wer das wüßte! Gleich nach Ihrem letzten Besuche „Sie Vormund?" fragte Edgar erstaunt. „Davon weiß trat Ruth todtenbleich zu mir in'S Zimmer, fiel mir um den j ich ja nichts!" Hals und weinte heftig. Die Ursache ihres Schmerzes wollte „Ei, der Verstorbene setzte mich dazu ein! Wollen Sie fie mir nicht angeben; inzwischen steigerte sich aber der Aus- I es sehen? Warten Sie doch einen AmMblick! druck eines heftigen Seelenleidens bis zur Raserei und — das 8 Er hatte das Schriftstück auf den Schreibtisch gelegt, da« Nervenfieber war ausgebrochen I" «eben aber mit der Fingerfertigkeit emes Taschenspielers ein Sollte der Tod des Vaters —" I Album ausgebreitet, tn dem die letzte Seite von der Hand Q{ni.a„ rxfiHofB onnf ®i» bina sebr an Ruths beschrieben war, denn diese Seite war die aus dem . ^^ fi^LS ton^^eibm^role'eine Christin! - Tagebuch seines Mündels entwendete, welche wir bereits kennen. felßft fann es niÄt „Bitte," verwies er auf den Schreibtisch, „ich will nur das es muß etwas Anderes sein! Ich selbst I Cigarrenkästchen holen; bei einer Havannah plaudert es sich ™ iSÜSÄE’S Er war davon, schielte aber um die Ecke durch die dunkle dem heftigen Portiere und bemerkte, wie Edgar von Bach bei dem Anblick Kampfe zwischen Tod und Leben, der nun ausgefochten, hatte | von Ruths Handschrift, die er nur zu gut kannte, zusammen« Ruths gute Natur schließlich den Ausschlag gegeben. Das ^ckte. » «msvielte ein böbnM«« treue Ausharren Edgars ließ Frau von Linden endlich tiefer M» PfÄ mit dm lLigarr n kam, umspielte ein höhnisches N°n, m» zunächst *nb«, ,h° »-»«zd-n S° Wtchm die nächst« »°ch« l°»gl°m d-hiu. ^Jhr^noch^näher^usteh«?^ Er beutete auf dasWM. Als der Professor bte Nachricht von der Erkrankung Pardon," erwiderte der Profeffor wie überrascht, „ist Ruths erhielt, traf em Kher Schreck sem schon halb versteiner« Versehen liegen geblieben und nicht für Jedermann, tes Herz; etwas wie em Gewissensbiß zuckte dann aus. Also I p, y in dieser Art hatte das Billet an Camilla gewirkt. Wie mußte Sie wollen Fräulein von Linden ehelichen?" fragte Edgar fie den Hauptmann geliebt haben und wie sehr-mußte sie ihn barftU'f. Zeine Stimme zitterte und die Hand, welche die folgerichtig jetzt darum hassen! Dre Eifersucht krampfte rhm g. entzündete, schwankte hin und her. den Rest vom Herz gewaltsam zusammen, wenn er daran dachte, I u Gewiß!" wie nahe doch Liebe und Haß zusammenwohnen! Nur ein I "Unb Camilla, die schöne Sängerin?" geringfügiger Umstand, nur ein Schatten von Hoffnung konnte I '$a6e einem Anderen abgetreten. Als Ehemann das alte Gefühl wieder Herstellen! Darum Vorsicht! Als Ruth 8 roetbe ja sehr solid sein!" endlich genas, murmelte Pfeil: „Wäre auch ein Scandalge. gm! Unb Sie denken nicht an Ihre eigenen Worte vom wesen,„ wenn die Rentenbank das emgezahlte Kapital verschluckt 33^55^ itt einem Mädchenherzen? Denken nicht an dar hätte!" I Wort des Dichters und Satirikers: Er hatte längst als Bezugsberechtigten sich selbst in der Dich sür -in Götterbild, Eigenschaft eines Vormundes angegeben und bereits eine ein« I keines sonst zu schauen; malige Rente bezogen. I Doch — wer kann denn dem Aushängschild „Aber nur als meine Frau erhält Ruth von Linden sie I An einem Wirthshaus trauen?" ausgezahlt!" hatte er dabei gesagt, finster und entschlossen. @r sagte es herbe, verletzend, brüsk und bitter. Jetzt fand man ihn täglich bei Frau von Linden, deren «. g mfei[ aber entaeanete achselruckend: „Es sind Trost und rechte Hand er allmälig zu werden anfing. Dabei I Q[j[e gleich!" Und geschickt ablenkend meinte er: bewies er so viel zarte Rücksichtsnahme, daß Frau von Linden | Denken Sie auch an eine Verlobung Freundchen, da Sie bett den Grund einer schon früher geäußerten Abneigung gegen ihn Lmockietztausaewaen?" »erftoffeni I Edgar von Bach starrte lange vor sich hin und dem Rauch Ein Monat war wieder verflossen I seiner Cigarre nach, dann schrak er zusammen und entgegnete Ruth saß zum ersten Male im Lehnstuhle am offenen aufspringend: „Wissen Sie, ich hatte erst di-Absicht, W Fenster. I Dornfelde zu kaufen!" „Ja, bte Rosen find nun verblüht, mein Kind!" meinte „Nomen est omen!“ lachte der Professor. die Mutter wehmüthig. „Allerdings!" gab Edgar mit Bitterkeit zurück. „34 Ruth nickte: „Verblüht, verblüht!" Dann begann sie heftig refüfi"te be8ba[b auch den Ankauf und gehe auf Reisen, nach zu weinen. „ „ I Egypten, Syrien, Algier u. s. w. Adieu, alter Freund, wir Da meldete der Diener: „Herr Edgar von Bach. Ver- I je$en un8 sür's Erste nicht wieder!" traulich setzte er hinzu, wie sein langsahriger Dienst im Hause „Jst'z Ernst?" fragte der Professor. „Mein Gott, aber ihn wohl zu berechtigen schien: „Heute in Civil!" I Warum ?" Ruth zuckte zusammen und sagte: „Laß ihm irgend etwas Edgar nickte und gab zurück: „Unüberwindliche Sehnsucht sagen, Mama!" I eines Wandervogels; der Herbst naht, da wird es Zeit! Frau von Linden blickte auf und frug: „Irgend etwas? ^dien!" Daß Du gesund bist und ihn empfangen willst, denke ich?" I „Nun, dann reisen Sie glücklich!" meinte Jener. Aber Ruth erhob beide Hände abwehrend. „Nein, Mama, I „Was ist Glück?" fragte Edgar herbe, schwenkte den Hut riur das nicht! Ich will ihn nie wiedersehen!" | noch einmal im Garten und war davon. . Sie sagte es so heftig, so laut, daß Edgar, der auf dem Ruth stand hinter der Gardine. Sie hatte jedes Wort Corridor stand, jedes Wort hören mußte. I verstanden und schwankte, als sie dem Fauteuil zueilte. Blaß, wie zum Tode erschrocken, fand ihn Frau Georgine j In ihrer Mutter Arm gestand sie endlich die Ursache ihres von Linden draußen. I Kummers. . Was bedeutet das?" fragte er tonlos, wankend. ' „Nun es vorbei ist, Mutter," sagte sie wehmüthig, e er Sie begrüßt und küßt Deine treue Freundin isches mann n Hut Wort ! VM n dar rdgar i die i sind te er: ie de» eppe geht ___u weiß Rauch egnete G»i i ihre« »sollst Ruths Besuch bei Alma Sternau hatte doch einen Auf. schub erlitten, da Frau von Linden ein kleines Unwohlsein zu überwinden hatte. Das Ende des Septembers war heran« gekommen, als Ruth endlich auf Deppenhof, dem Gute des Herrn von Sternau, nahe bei der Universitätsstadt belegen, Felder prangten im Sonnenschein, als der Postwagen dem Gute zufuhr. Ruth traf es prächtig, denn Almas Bruder Norbert, der Arzt, war auch eben unerwartet zu Besuch em« getroffen, Herr von Sternau aber, der den Rang einesJßco# fessors einnahm, weilte seit einigen Tagen wieder in der Stadt- Frau von Sternau dagegen nahm die beste Freundin ihrer Tochter liebevoll auf. Deggenhof lag romantisch am Bergabhange ; nacht weit Vater Decan der Universität und ein in den höchsten Kreisen hochangesehener Professor der Theologie mar, angesponnen; wie es um dieses Verhältniß gestanden, soll sich der Beschret« bung entziehen; kurz, eines Tages hatte sich die arme Veronika in den Schwarzsee, der nahe bei der Stadt liegt, gestürzt und wurde als Leiche herauszezogen. Der Professor Pf. wies alle Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, starr ab, aber seitens der Regierung wurde er in sehr ungnädigen Ausdrücken kurz darauf entlassen. Dieses sind so bekannte Thatsachen, daß ich für ihre Mittheilung nicht einmal Dein Schweigen zu erbitten brauche. Und nun, meine Liebe, wiederhole ich meine Bitte, uns Deinen Besuch zu schenken, womit Dich herzlich tausendmal »Ich . nach i, wir , aber »sucht MI da« ein i)anb dem men. das sich unkle iblick men. mm. »ist annr Du Alles wissen! Mutter," — sie weinte laut auf, — „ich habe ihn gern gehabt, vom ersten Augenblicke an!" Frau von Linden nickte: „Ich vermuthete es! Und er ist Deiner Liebe werth, Kind! Ein treuer Mensch!" „Nein, das ist er eben nicht!" schrie hier Ruth wild auf. „Er ist meiner Liebe nicht werth 1" Sie griff in ihren Busen, holte einen Brief hervor und reichte ihn der Mutter: „Lies, Mama!" Die Frau Oberst nahm und las:' „Liebe Camilla! So leid---zu Dir--,---anderweitig ge. fesselt.---Küsse. Dein E." Sie blickte auf. „Und dieses Blatt soll der Hauptmann Von Bach geschrieben haben?" „Unzweifelhaft, Mama, ich kenne seine Handschrift sehr genau!" ’s Sie schluchzte und fuhr dann fort, als die Frau Oberst den Kopf schüttelte: „An dem Tage, als er uns seinen Eon- dolenzbesuch machte, fand ich nach seinem Fortgänge diesen Brief, den et gewiß hatte besorgen wollen, verloren vor der Thür auf dem Corridor; Niemand als er hat an diesem Tage das Haus betreten, zudem ist es seine Handschrift!" „Abscheulich!" versetzte die Mutter. „Abscheulich! Man kann doch keinem Freier trauen!" „Und ich," schluchzte Ruth, „könnte keinen Mann heirathen, von dessen Sittlichkeit und moralischer Reinheit ich nicht triftige Zeugnisse hätte! Eben dieses, Mama, was ich trotz aller an« deren Eigenschaften an meinem Vormund so sehr verachte, die Lascivität der Sitten in Bezug auf die Frauen, das muß ich auch an dem Manne finden, dem ich mein Herz zu schenken im Begriffe war! Aber wenn ich auch darüber zu Grunde gehen sollte, Mama, einem solchen Manne reichte ich nie meine Hand!" Die Frau Oberst nickte, fuhr dann aber in demselben Tone fort: „Was liegt denn gegen den Professor vor, Kind?" Ruth ward sehr ernst und entgegnete: „Es muß schließlich auch einmal gesagt sein, Mama, und muthig getragen werden, ich fürchte, daß Papa in seiner Biederkeit einen Fehl« griff gethan, als er dem Professor Pfeil sein Vertrauen schenkte!" „Wieso?" „Höre! Durch Zufall entdeckte ich neulich, daß Herr Pfeil, Professor der Chemie an der Nachbar-Universität gewesen! Da aus der Universitätsstadt auch meine Freundin Alma von Sternau stammt, so schrieb ich ihr vor einiger Zeit und fragte auch nach Herrn Professor Pfeil. Lies die Antwort, welche gestern eingetroffen ist!" Sie holte den Brief hervor und^reichte ihn der Mutter, die dann wörtlich las: „Meine liebe Ruth! Als Du die Pension verließest, trauerte das ganze Haus! Mir persönlich war es schrecklich, länger dort zu verweilen, wo ich Dich ständig vermißte. Ich ging ebenfalls heim und war gerade im Begriff, Dir zu schreiben, als mich Dein Bries traf, der mir so schmerzliche, Deine hellen Mädchenjahre so tief verdunkelnde Nachrichten brachte. Arme Ruth! Den Vater verloren! O, wie bedauere ich Dich! Komme, sobald Deiner lieben Mama, die ich herzlich un» bekannter Weise zu grüßen bitte, Deine Abwesenheit nicht zu schmerzlich ist, auf einige Zeit zu uns, um im heitersten Familienkreise das Gleichgewicht Deiner Seele wiederzufinden I Nicht wahr, Du kommst? Was nun Deinen Vormund, Herrn Professor Pf. betrifft, so konnte ich nur Einiges durch meinen Bruder Norbert erfahren, soweit dieser andeutungsweise über den Herrn Mittheilungen machen konnte. Norbert hat unter Pf. noch selbst Chemie gehört; er hatte die Vorlesung belegt, weil er als sind. med. sich für Chemie interesstrte. Er gab an — mein Bruder ist jetzt Arzt in.M. — der Herr Professor sei ein gewiegter Kopf, aber ein höchst unmoralischer Mensch I Während seiner Anstellung als außerordentlicher Professor hat er ein Liebesverhältniß mit Veronika Mempler, deren Alma v. Sternau." Frau von Linden ließ den Brief sinken und rief: „Allmächtiger Gott!" „Und was das Schlimmste ist, Mama," fiel hier Ruth ein, „mein Vormund ist noch heute derselbe, denn auch für diese Behauptung habe ich Beweise." „Und Du schwiegst?" „War Papa denn zu überzeugen?" „Arme Ruth I" Aber die gute Tochter umfaßte die Mutter und sagte: „Nie hat eine Stiefmutter ihre Stieftochter so geliebt wie Du, Theure; nie hat eine Tochter ihre Mutter mehr geliebt, als ich Dich, Du Liebe; so lauge wir uns Beide haben, sind wir noch nicht arm!" Die Frau Oberst nickte und küßte Ruth auf die Stirn, dann entschied sie: „In der nächsten Woche siedeln wir nach M. über, acht Tage später kannst Du Alma begrüßen; vielleicht zerstreut es Dich ein wenig!"--- Am andern Tage warb Herr Professor Pfeil bei der Mutter feierlich um Ruths Hand. Die Frau Oberst wies ihn birect an Ruth selbst. Diese aber sagte: „Herr Professor, wir verkennen nicht, was Sie für uns gethan, aber für Die. Ehre, Ihre Gattin heißen zu sollen, muß ich denn doch danken! Sie werden mich nicht zwingen wollen, Ihnen die Gründe dafür. angeben zu müssen!" „Keineswegs; ich habe es nur gut gemeint, denn ein Mädchen ohne männlichen Schutz —" Ruth richtete sich hoch auf und sagte stolz: „Ich werde mich selbst zu schützen wissen! Nicht wahr, Sie wohnten früher in der Nachbar-Universitätsstadt?" „Allerdings, Fräulein Ruth, aber —" „In der Familie des Professors Mempel?" Bei diesem Namen ward Pfeil bleich wie der Tod, doch raffte er sich zusammen und sagte: „Ich habe Ihre Antwort gehört, Ruth; mögen Sie dieselbe nie bereuen! Was mir böser Leumund angedichtet, weiß ich; ich kann nur versichern, daß ich schuldlos leide!" Er zog sich zurück, ballte aber auf der Treppe die Hände zusammen und knirschte zwischen die Zähne hindurch: „Dai sollt Ihr mir büßen, Ihr hoffärtigen Weiber!" 99 M == 100 •= äü breitete sich das Dorf gleichen Namens aus; tiefer tm Tbale log der einsame Schwarzsee. Die Gegend bot zu den schönsten Ausflügen Veranlassung, welche die beiden Mädchen in Gesellschaft des jungen Arztes machten. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Ruths durch die Erfahrung sMst« Augr, daß der junge Arzt, ein überaus feiner und gebildeter Mann, ihr eine größere Aufmerksamkeit widmete, wie ihr sonst zu gekommen Sie beschloß, vorsichtig zu handeln, denn so viel sie sich auch bemühte, Edgar von Bach zu vergessen, so stand doch sein Bild unverblaßt in ihrer Seele; sie hätte über sich selbst erzürnt werden können! . • Der nächste Tag war ein arger Regentag; man war dadurch an's Haus gefesielt, und die beiden Mädchen waren viel zusammen und aMn. Alma, „Du bist seit einigen Tagen verstimmt; ich sehe es und sichle es, was ist Di Da nickte Ruth ernst und sagte: „Komm her, Alma, ich muß Dir eine lange Geschichte erzählen. Setze Dich zu mir! Und Ruth berichtete, ohne jedoch Namen zu nennen, von ihrer ersten und unglücklichen Liede, dre einem Unwürdigen zu Theil geworden. Herzlich fuhr sie dann fort: „Und dennoch, meine liebe Alma, kommen Stunden, worin ich mcht an seme Schuld glauben kann und mir sage: Es ist mcht möglich!^So kann ein Auge, kann des Menschen Gesicht, nicht Ilugen! Und doch! — Steh', sein Bild steht wie gemeißelt fest in meinem Herzen! Dein lieber Bruder Norbert, den ich Hochschatze, hat nun auf mich Aermste ein Auge geworfen Noch ist es Zeit, ihn zu warnen, ehe er so elend wird wie ich selbst, denn niemals vermöchte ich es, einen andern Mann zu fteben ! Wie der Lenz wird die Liebe einmal geboren; nach diesem folgt wohl noch ein kühler Herbst, aber bis zu jenem bm ich noch nicht gedieh^Arme Ruth," bedauerte sie Alma darauf, „ich will Norbert schon von Dir fortscheuchen; aber was soll in Deinem Herbst, um bei dem Bilde zu bleiben, aus Dir werden? Weißt Du, Alma, was ich gedacht habe? suhr hier Ruth fort, „ich will mich der Erziehung der Jugend widmen, ich will Lehrerin werden!" m . Aber Alma schüttelte den Kopf und fagte: „Ber Deiner angegriffenen Gesundheit? Das leide ich nicht, das oll auch Deine Mama nicht leiden!" (Schluß folgt.) Gemeinnütziges« Den Zimmerpflanzen ist eine Temperatur von 7 bis 12 Grad am zuträglichsten- Man öffne die verstopften Abzugslöcher der Topfes, gieße wenig und dünge jetzt Niemals. ♦ * Die japanische Mettergurke. Bezüglich der japa» Nischen Klettergurke theilt Herr Grashoff in Quedlinburg folgendes mit: Ich habe meine Aussaaten in drei verschiedenen Zeiträumen gemacht: sehr früh, mittelfrüh und spät, und habe dabei gefunden, daß der sehr srühen Aussaat un» bedingt der Vorzug gebührt. Der Fruchtansatz wahrte bis in den October hinein, und sind die Pflanzen erst durch den eingetretenen Herbstsrost zerstört worden- Der Fruchtansatz von September ab ergab zu meiner freudigen Überraschung die schönsten, formgerechtesten sogenannten Pfeffer- oder Pickle- Gurken, wie solche vordem nicht schöner gezogen worden sind. Ich habe davon scheffelweise bleistiftdünne, feingewarzte, 6 b-s 10 Centimeter lange Früchte abnehmen losten und siar gut verwerthet. Gerade dieser Umstand gibt meiner Memung nach der Klettergurke einen besonderen hervorragenden Werth. Wenn der vielseitige Anbau dieser Gurkenneuhert rm vergangenen Jahre zu den verschiedensten widersprechenden Urtheilen gesührt hat, so kann das eigentlich nicht weiter Wunder nehmen. Man muß nur- bedenken, 'wer alles pcy mit dem Betriebe der Klettergurke besaßt hat und was aller wohl als Klettergurke zum Verkauf gekommen sein magk Wenn ferner über das Fehlschlagen der Kultur selbst geklagt wird, so dürfte das in der theils sehr mangelhaften Ausfüh. runq derselben zu suchen sein. Der Laie glaubte schon genug qethan zu haben, wenn er die Samenkerne neben einem dicken Holzpfahl oder einer Bohnenstange in die Erde gebracht hatte. Ich habe jedem Auftrage, auch selbst dem kleinsten, eine kurze gedruckte Culturanweisung beigefügt, deren Inhalt ich heute noch nach den mittlerweile weiter gemachten Erfahrungen aufrecht erhalten kann. Diefe Kulturanweisung setzt aber echten Samen voraus und nicht etwa auch gefälschten. Sie lautet: Neue Japanische Klettergurke (auch kletternde Delicateßgurke genannt). Diese neue Gurkensoite wird an Stangen, Ruthen, Reisig, Spalier oder Drahtgeflecht hochgezogen, wächst sehr üppig und kräftig circa 2 Meter hoch- Eine Pflanze liefert vom Juli ab bis spät in den September hinein durchgehends 20 bis 25 sehr schön geformte, seinfchm eckende, 20 bis 30 Centimeter lange, sehr fleischige, dicke, dunkelgrüne Früchte (Gurken); sür den Küchengebrauch, als Einmach-, namentlich auch als Salatgurke besonders geeignet. Diese Gurkenneuheit ist besonders allen Gemüsezüchtern wegen ihrer außerordent- lichen Widerstandsfähigkeit gegen naste und kalte Witterung zum Anbau zu empfehlen, weil sie unseren einheimischen Sorten gegenüber dennoch sichere Erträge liefert- Die Aussaat ist nicht zu spät an recht sonnigen, warmen Lagen in gut gedüngtem lockeren Boden auszuführen. Die Mge Pflanze bedarf nothwendig Reisig oder Drahtgeflecht, um sich an- klamwern zu können, nöthigenfalls muß hier künstlich mü> geholfen weiden. Eine spätere Düngung durch Dungausguß ist fehr anzurathen. Vermischtes. Engländer: „Italien! Sehr schönes Land, sehr schön!" _ Deutscher: „Nicht wahr, diese Kunstschätze in Rom, diese Landschaft in Neapel —" — Engländer: „3$_^ar n yn sicher!" # . Kasernenhofblüthe. * Unteroffizier (zu einem Rekruten, der mit effenem Munde dasteht): „Machen Sie ma jefälligst Ihren Rapport-Apparat zu!" Schlimm. „Also auch Dein neuer Hausarzt hat Dich nicht kuriren können?" — „Bewahre, der war auch sch verlobt!" Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Meßen.