> ‘5,PI ^fF. >''c) 1894. Nr. 13 ' Ms ’M—----(T-&------s-'e)----l3-J---•+--- Mm Giehenev Anzeiger (Genernl-Anzeiger) Donnerstütz, dm 1. Februar. 50 größter Mühe und Sparsamkeit habe ich es doch nicht fertig gebracht, nur das zur Bewirthschastung Nöthigste zu schaffen. Sie haben ja selber immer die Bücher eingesehen. Der Ertrag ist ein geringer. Es steht ja eine leidliche Ernte auf dem Felde, aber es sind noch Fehlbeträge vom vorigen Jahr zu decken. Außerdem verlangt der Viehstapel bedeutenden Ein- cntftCQcn* „Viel tausend Gottes Segen, lieber Herr Ernst! Wie habe ich mich gefreut, als mein Walter mir gestern erzählte, er habe Sie unterwegs getroffen. Und so gesund und frisch sehen Sie aus, wie seit lange nicht." u „Na, laß gut sein, Alte. Du denkst noch immer, daß Du mein Kindermädchen bist wie früher und mich vor jedem Schnupfen behüten mußt. Dir scheint's auch noch gut zu gehen. Wo ist denn Dein Mann?" «Er muß gleich hier sein, ist nur eine kleine Strecke in den Wald gegangen- Kommen Sie nicht hinein? Ich wartete schon lange und habe meinen Kaffeekuchen fertig wie immer. „Natürlich! Siehst Du, immer noch die alte Kinderfrau, die mit Kuchen ihren Kleinen verzieht. Ah, da ist Walter ia auch." Der alte Förster trat herzu, herzlich von seinem Herrn begrüßt. Alle traten in's Haus und setzten sich um den gedeckten Kaffeetisch. „Was meinst Du, Alter, wenn ich ganz hier bliebe? schuß. Die Pferde -" „Laffen wir das jetzt; ich bin ja gezwungen, mich von heute ab ernstlich mit der Sache zu beschäftigen und muß daher in den nächsten Tagen Alles genau mit Ihnen durchsprechen. Jetzt würden wir doch nicht in's Einzelne eingehen können. Nur so viel steht als Nothwendigkeit fest, daß ich hier bleiben und mein Brod zu effen suchen muß. Heute Abend haben wir's ja noch, also suchen wir erst sür Weiteres uns die Kräfte zu erwerben," schloß er, lächelnd seinem Gegenüber eine volle Schüffel zuschiebend und darauf sein Glas füllend. „Auf erfolgreiche Arbeit!" Er hob das Glas. Aber Malten schien nicht bei Appetit zu sein, trank seinen Wein nur bis zur Hälfte. Ziemlich schweigend wurde der Rest der Mahlzeit verbracht; dann verabschiedete sich Malten, da er noch in der Wirthschast zu thun habe, Scheffler rauchte schweigend seine um zum I Den Vormittag über ging er mit Malten den Hof und die Ställe durch, auch hinaus aus's Feld, um das Vieh zu be> ziemlich ^eiL Da war allerdings Vieles, was feinen Muth vom Morgen niederbeugte. Denn wenn er von der Landwirthschaft zu thun, I auch nichts verstand, so wurde ihm doch klar, daß hier so ziem- lieber» lich Alles herunter liege und Wandel geschaffen werden müsse, Aber er zumal der Verwalter nicht ermangelte, ihm die Dinge im Nachher können wir zusammen effen. Müller, folgen Sie mir I Cigarre und blickte in den trüben Abend Kein. Nicht lange, und bringen Sie meine Sachen oben unter." I so verließ er auch das Zimmer und verblieb den Rest des Er schritt vorn über den weiten Flur, stieg eine Treppe I Abends oben in dem semigen. hinan und öffnete oben die Thür eines Zimmers, dessen Fenster „Achten S,e auf Alles, was Sie in und außer dem Haufe nach der Hinterseite des Hauses gelegen waren- Man sah von sehen und hören, Muller, ein ganz reines Gewissen scheint mein dort über den Garten auf jenen kleinen See, von dem eben I guter Malten nicht zu hoben, wenigstens ist ihm mein Hier- die Rede war. Das war feine Wohnung gewesen, wenn er bleiben fatal. In den nächsten Tagen, werde ich mir die sonst hier weilte und man sah es dem Raume an, daß er besser Bucher geben lassen und da können Sie ^felben^remdlren, gehalten war,' als die andern. An beiden Seiten befanden sich | wenn ich in den Wald gehe. Aber thun Sie es unbemerkt- Thüren. Mit den Worten ging Scheffler in fein Schlafzimmer und „Dort rechts, Müller, werden Sie Ihre Wohnung finden, bald lag er in festem Schlafe- hier links ist mein Schlafzimmer, tragen Sie meine Sachen | Heller Sonnenschein grüßte am nächsten Morgen und als dort hinein." I der Besitzer von Tannenhof an's Fenster trat, bot ihm sein Er trat an's Fenster und blickte hinaus. Der verwilderte Gigenthum ein freundlicheres Bild als gestern. Er öffnete das Garten sah heute doppelt verwildert aus Langsam tropfte das j «enjier und sog mit vollen Zügen die Morgenluft ein. Die Wasser der regenschweren Blätter zur Erde und grau sah das I sgrujj Wurde ihm weit und fröhlicher Muth blitzte ihm aus den Gewässer da drüben ihm entgegen- I Augen. „Trübseliger Anfang," murmelte er vor sich hin, trat „Vorwärts an die Arbeit!" Er sprach es laut und fest dann aber fchnell und energisch zurück, ging in sein Schlaf- I öor sich hin. zimmer und verließ es, nachdem er sich umgezogen, “™ * - ~ Essen hinunterzugehen. Der Jnspector erwartete ihn in einem großen, leeren Raume, in dessen Mitte ein Tisch gedeckt war. „Mein Diener hat heute noch mit meinen Sachen das Stubenmädchen muß heute seine Stelle vertreten, trieben geschickt ist der gute Kerl so wie so nicht- ..... , war ohne Stellung und ich wollte ihn von der Straße nehmen. | schwärzesten Lichte erscheinen zu laffen. Außerdem haben sich meine Verhältnisse auch bedeutend geän- I „Mer ich habe doch jährlich meine Zuschüsse noch bezahlt," dert, so daß ich nicht zu große Ansprüche machen darf." I brach er einmal unmuthig heraus. Der Jnspector horchte auf und blickte gespannt zu seinem I „Ohne sie wäre es auch gar nicht möglich gewesen, die Prinzipal hinüber. j Sachen hier nur so zu halten, wie Sie dieselben jetzt finden. „Ja, ja, mein lieber Malten, ich bin nicht mehr der reiche uebrigens stehen Ihnen die Wirthschaftsbücher ja jeder Zeit Mann von früher. Oder haben Sie meine Verluste bereits I $u @eß0te und werden mich glänzend rechtfertigen," erwiderte durch die Zeitung erfahren?" I Jener etwas empfindlich. „Nichts, gar nichts, ich bin außerordentlich erschreckt durch „Nun ja," lenkte Scheffler ein, „ich habe ja nicht getadelt, diese Mittheilung, wenn Sie nicht belieben zu scherzen-" I Aber Sie werden verstehen, daß in meiner jetzigen Lage mich „O nein, leider durchaus nicht- Hier diese Scholle, auf I bas verstimmen muß- Ich werde allerdings die Rechnungen der ich jetzt bin, ist so ziemlich das Einzige, was ich aus dem I prüfen müssen, um mich zu orientiren. Geben Sie dieselben Zusammenbruch meines Vermögens gerettet habe." an Müller, er kann sie mir auf mein Zimmer legen- Heute Malten war wirklich erschreckt. „So denken Sie vielleicht I Nachmittag will ich zum alten Förster hinüber, um mit dem dauernd Ihren Wohnsitz hier zu nehmen?" ü6er den Forst zu reden." „Allerdings, das bleibt mir als das Einzige übrig. Wieder hatte er bemerkt, daß der Verwalter die Farbe Tannenhof wird in Zukunft mrch ernähren müssen. Freilich vfe(t a(8’r öotl ber Revision der Bücher sprach. Doch kann das nach den brsherrgen Erfahrungen nur ein sehr kümmer- ?Z'b ' ttUr citt ^cktiaer Moment gewesen- Nch.« toobf* f«, ,4 met6 einmal, 06 e« «*,t Btol- tote et Mw« TÄe, halte mchrmal« He Farbe gewechk«, was Kn»?Hn"mb"ier “t9i”9 3'4t I Nebengebiinden md dem Garten dahinter lag in vallem Sannnen Pi .da-Gnt M nicht, her. « | L"S ‘Ä ber Bank, mit einer Handarbeit beschäftigt. Jetzt sah sie auf und eilte, so rasch ihre Füße sie trugen, den Ankommenden 51 Walter setzte die erhobene Kaffeetasse nieder und sah den Sprecher groß an. „Ja, ja, ich spreche die volle Wahrheit," lachte Jener. „Wirklich? — Gott Lob und Dank, dann wird die verfluchte Wirtschaft hier ja wohl endlich ihr Ende finden." „Aber Vater I" mahnte die Frau. „Mutter, laß mich, endlich muß es doch einmal gründlich heraus." Scheffler legte dem Alten, der weiter reden wollte, beschwichtigend die Hand auf den Arm und sagte: „Laß jetzt, ich werde Dich vielleicht noch selber gründlich ausfragen. Aber zuerst will ich Dir nun sagen, wie es mit mir steht und warum ich hier bleiben muß." Das Taschentuch der alten Frau fuhr bei den nun folgenden Eröffnungen verschiedentlich über die Augen, während ihr Mann nur seine buschigen Augenbrauen in die Höhe zog und zuweilen mißbilligend den Kopf schüttelte. „So, nun wißt Ihr, wie's mit mir steht," schloß Scheffler. „Tannenhof muß mich jetzt ernähren." „Und kann'« auch," brummte der Alte, „wenn diese infame Kanaille von Verwalter erst aus dem Thors ist. Nehmen Sie's nicht übel, Herr, Sie können mich ja auch wegjagen, wenn Sie wollen, aber ich habe Sie ja schon auf den Armen getragen, da werden Sie mir meine hastigen Worte zu gut halten. Lange kann ich's nicht mehr mit ansehen, wie Ihr Eigenthum hier veruntreut und zu Grunde gerichtet wird. Gottlob, an den Wald hat der Herr Malten nicht kommen können und da wir seit zwei Jahren die Bahn so nahe haben, werden Sie da hinten aus den „Klostertannen" ein schön Stück Geld nehmen können. Sie sind eben schlagbar." „Nun, das ist jedenfalls gut, Walter, denn da unten in Tannenhof liegt Alles herunter," — der Alte nickte — „da wird erst viel dazu gehören, es wieder hoch zu bringen. Ich habe das heute Morgen gefehen- Laß uns zu den neuen Anpflanzungen gehen, da wird's besser aussehen, al» in meinem Tannenhof." Es war ein weiter Weg, den die Beiden miteinander machten, aber er erfrischte. Der alte Förster ward nicht müde, zu zeigen und sein Herr lernte verstehen, daß er in seinem Forst ein hübsches Kapital besitze, welches er bis dahin gar nicht in Rechnung gebracht hatte. Müde und hungrig langte er wieder zu Hause an. Das Abendessen, welches er mit Malten wieder gemeinschaftlich einnahm, verlief unter ziemlich einsilbiger Unterhaltung. Scheffler suchte möglichst unbefangen und freundlich zu sein, da er bemerkte, wie ihn sein Verwalter nach seiner Rückkehr aus der Försterei scharf beobachtet hatte. Auch entging ihm nicht, wie Jener versuchte, durch nebenhin eingeworfene Bemerkungen den Förster in ein schlechtes Licht zu stellen. Er that, üls beachte er da« nicht. Müller servirte etwas linkisch und er hielt es für gut, ab und zu ihm eine kurze Zurechtweisung zu ertheilen- Nach dem Essen ging er auf sein Zimmer. Die Wirthschastsbücher lagen auf dem Tische. Er öffnete sie und versuchte, sie nachzusehen. Aber er mußte bald merken, daß er ohne Hilfe doch nicht einen richtigen Einblick haben werde. So wartete er ungeduldig aus Müller, der unten noch mit dem Abräumen beschäftigt war. „Haben Sie die Dinger schon durchgesehen?" war sein erstes Wort, als Jener eintrat. „Noch nicht gründlich, da sie erst vor ein paar Stunden mir übergeben wurden. Es stimmt Alle«, so viel ich bis jetzt finden konnte. Aber einzelne Posten im Verbrauch find viel zu hoch und einzelne Beläge scheinen nicht in Ordnung. Hier ist z. B. eine Rechnung über Saathafer im Betrag von achttausend Mark. So oiel kann unmöglich dafür ausgegeben sein, wenn ich die Erträge vergleiche, außerdem scheinen die letzten Nullen auch mit anderer Tinte geschrieben zu sein. Das sind die Beobachtungen, welche ich gemacht habe. Ich werde aber Alles genauer durchsehen müssen, um einen getreuen Bericht geben zu können." „Das wäre denn doch zu plumper Betrug." Müller zuckte die Achseln. „Wenn die Bücher nie nachgesehen wurden, wie Herr Scheffler selbst sagten und der Verwalter das wußte, — wie es wohl auch zu vermuthen steht, — so durfte er das vielleicht wagen." Scheffler war roth geworden. Ja, es war feine eigene Schuld, wenn der Mann ihn betrogen hatte. Warum hatte er nicht wenigstens einmal die Bücher einem Sachverständigen in die Hand gegeben? „Prüfen Sie weiter, Müller," sagte er gedrückt. „Ich werde dann mit Ihnen die Sachen einzeln ansehen und wenn Malten mich betrogen hat, so daß ich ihm den Betrug nachweisen kann, so werde ich ihn entlassen müssen. Aber bringen Sie keine Anschuldigungen ohne Beweise." Die Aufgabe war nicht schwer. Zwar bei oberflächlicher Durchsicht schienen die Rechnungen glatt. Aber bald war hier ein Posten doppelt, bald erschienen auf den Quittungen hinzugefügte oder radirte Zahlen, um die Summen zu vergrößern. Malten hatte blindlings darauf getraut, daß fein Herr von der einmal eingeschlagenen Weise der Revisionen nie abgehen werde und so in der gewagtesten Weise gefälscht. Das ergaben auch Nachforschungen bei jenen Leuten, von welchen die einzelnen in Rechnung gestellten Posten gekauft sein sollten. Sie bestätigten einfach die von Müller ausgestellte Behauptung. „Bitten Sie Herrn Malten, zu mir zu kommen," schickte Scheffler eines Vormittags Müller zu Jenem hinunter. Es währte nicht lange, so trat der zu seinem Herrn Be- schiedene ein. Sein Wesen hatte je länger je mehr etwas Gezwungenes und heute sah man ihm deutlich an, daß die zu ungewöhnlicher Stunde kommende Forderung ihn peinlichst berührte, so sehr er das zu verbergen trachtete. Bei seinem Eintritt erhob sich der bi« dahin an seinem Schreibtisch gesessene Gutsherr und der Blick, welcher zu dem Verwalter hinüberstreifte, ließ dessen Unruhe nicht geringer werden. „Es muß Klarheit zwischen uns sein, Malten. Ich will Ihnen nichts verhehlen von den Aufschlüssen, welche mir die letzten Tage gebracht haben- Es ist eine Schuld meinerseits, daß ich bis dahin die Bücher und Rechnungen, welche Sie mir vorlegten, nie gründlich prüfte. Der Einblick, welchen ich jetzt nahm, brachte mir die Ueberzeugung, daß Sie mich feit Jahren schon auf das Schmählichste betrogen —" „Herr!" brauste der Verwalter auf, dessen Gesichtsfarbe sich von der feurigen Röthe in Leichenbläffe verwandelt hatte. „Lassen Sie mich ausreden!" rief ihm Scheffler in so befehlendem Tone entgegen, daß er verstummte. „Ich werde Ihnen vollauf Zeit und Gelegenheit geben, sich von der mit vollem Bedachte ausgesprochenen Beschuldigung zu reinigen. Dann werde ich der Erste sein, der Sie um Verzeihung bittet- Bis dahin halte ich Sie für einen Betrüger. Hier meine Beweise! Treten Sie heran!" Er legte dem Verstummten die einzelnen gefälschten Rechnungen vor, wies ihm die Posten in den Büchern, welche als falsch notirte durch die Briefe der betreffenden Lieferanten bezeichnet wurden. Dann legte er das Ganze bei Seite, nahm seinen Sitz vor dem Schreibtische wieder ein und sah finster mit verschränkten Armen auf den niedergeschlagenen Blickes Dastehenden. „Sie wissen jetzt meine Gründe zu jener Beschuldigung, haben auch die Beweise gesehen. Ich warte nun auf Ihre Verteidigung." Der Angeredeie hielt die Lippen zusammengekniffen wie in wilder Wuth. Aber kein Wort kam hervor. „Bitte, lassen Sie mich nicht zu lange warten!" Malten blieb stumm. Auf einmal stürzte er Scheffler zu Füßen und streckte die Arme aus, als wolle er feine Kniee umklammern. „Erbarmen, Verzeihung, Herr!" Der war schnell aufgesprungen und einen Schutt zurück- aewichen- „Lassen wir die Comödie! Durch Ihr Wort haben Sie wenigstens Alle» zugegeben, wessen ich Sie beschuldigte. Da« Richtigste würde sein, wenn ich Sie dem Gerichte übergäbe. Da Sie aber nur mich geschädigt haben, so mag's d'rum sein. Aber noch heute verlassen Sie mein Hau», ich rathe Ihnen 52 so schnell wie möglich. Ich rathe Ihnen weiter, suchen Sie I keine andere gleiche Stellung hier bei uns zu Lande, ich würde, I wo ich von Ihnen hörte, unnachstchtlich warnen. Das Geld \ zur Ueberfahrt nach Amerika werden Sie wohl hier erübrigt haben- Benutzen Sie es. Packen Sie jetzt Ihre Sachen zusammen, spätestens morgen wird Ihre Abreise erfolgen müssen. Wenn's Ihnen möglich ist, suchen Sie da drüben ein ehrlicher Mann zu werden." Scheffler wandte sich ab. Langsam erhob sich Malten vom Boden und wankte zur Thür hinaus. (Schluß folgt.) Gsmenrirütziges. Behandlung der Weine in Flaschen nnd Fässern. Bewahren wir Weine in stehenden Flaschen attf, so verderben sie fast immer, auch wenn letztere verkorkt sind. Es rührt dies daher, daß die Korke aurtrocknen und ein steter Luftwechsel durch die Poren stattfindet. Tauchen Spunde auf den Fässern nicht mehr in den Wein, so trocknen sie ebenfalls aus und die Luft kann aus- und eintreten. Aus dem eben Gesagten geht hervor, daß der Luftwechsel bei Schwankungen im Wärmegrade um so größer ist, je mehr leerer oder mit Luft gefüllter Raum in den Gefäßen vorhanden ist. Nach der „Fundgrube" sollen wir daher die Flaschen möglichst voll füllen; bei besonderen Verkorkungsvorrichtungen können wir vermeiden, daß eine Luftblase darin zurückbleibt. Die Fässer sollen so viel wie möglich, so lange sie noch nicht im Verzapf sind, spundvoll gehalten werden. Um das Austrocknen der Korke und Spunde zu verhindern, lege man die Flaschen und wähle lange Spunde, die wenigstens so lange feucht bleiben, bis sie bei der Abnahme des Weines durch Verdunstung in den Wein tauchen. * ♦ « Mittel gegen Flecken. Von Kaffee: Glycerin und Nachwaschen mit lauwarmem Wasser. — Alizarinttnte: Verdünnte Weinsteinsäure; je älter der Fleck, desto stärker die Lösung. Vorher prüfen, ob die Farbe des Stoffes es gestattet; bei Seide Aether oder Benzin. — Gallustinte und Rost: Einige Tropfen von einer Talgkerze auf den Fleck, dann Auswaschen mit einer Lösung von pyrophosphorsaurem Natron in heißem Wasser; bei Seide keine Hilfe. — Stockflecken: Bei Wollen- und Baumwollenzeug Seiftnwasser mit etwas Potaschezusatz, bei Leinen verdünntes Chlorwasser, dann nachspülen. — Stearin: Abretben mit starkem Weingeist. — Oelfarben, Firniß, Harz: Gereinigtes Terpentinöl, Benzin, neunziggradiger Spiritus, dann Seife. — Theer und so weiter: Benzin, dann mit stark verdünnter Salzsäure und später mit Seifenwafser nachwaschen. — Obst, Rothwein, rothe Tinte, Pflanzenfarben, Gerbstoffe von Leder, grünen Nußschalen, Thee, Kaffee und so weiter: Bei Leinen Schwefeldampf, heißes Chlorwasser, Rindertalg mit grüner Seife, Bleichlauge, starke Lösung von Weinsteinsäure; bei Baumwolle, Wolle und Seide laues Seifenwasser oder verdünnter Salmiakgeist — Flecken von Gerbstoffen ausgenommen — gegen letztere je nach Zartheit des Stoffes und Farbe mehr oder weniger verdünntes heißes Chlorwasser tropfenweise auf den angenäßten Fleck, dann mit Wasser nachspülen. ■— Fettflecken aus Papier, auch veraltet: Benzol-Magnesia aufschütten, mit dem Finger aufreiben, dann abklopfen: aus Zeug: Benzin. ♦ * ♦ Gelb gewordenes Elfenbein läßt sich wieder auffrischen, wenn man dasselbe mittelst eines wollenen Läppchens oder weichen Filzes mit Bimstein- oder Hirfchhornpulver und Wasser abreibt und hernach mit Sämischleder so lange nachreibt, bi« der ursprüngliche Glanz des Elfenbeins wieder da ist. Oelfarbenftecke aus Kleidern zu beseitigen. Es gibt zwei Mittel, Oelfarbenflecke aus Kleidern z« entfernen. Das erste ist Terpentin, mit welchem man die befleckte Stelle benäßt und leicht reibt. Es muß dies sehr vorsichtig geschehen, da Terpentin nicht selten Löcher verursacht; man probire darum vorher an einem Muster des Stoffes. — Das zweite Mittel, welches gewöhnlich dem etwas gefährlichen Terpentin vorgezogen wird, ist reine Eßbutter. Man streicht ein Stückchen davon auf den Fleck, reibt ihn damit aus und entfernt sodann den entstandenen Fettfleck mit Benzin. O • * Vergoldete Metallgegenstände putzt man am besten, wenn man sie in heißem Wasser, in welchem man etwas gewöhnliche Hausseife aufgelöst hat, mittelst einer Zahnbürste auswäscht, reinigt und dann in erwärmte, reine Säge- spähne legt und trocknet. Nach dem Trocknen putzt man die Gegenstände mit reinem, fuselfreien Alkohol nach und bewahrt sie in trockenen Sägespänen oder in einer trockenen Holzkasette auf. ♦ ♦ ♦ Gegen Holzwurm ist das beste Mittel Benzin, womit das ergriffene Holz getränkt und die Löcher ausgefüllt werden. Auch soll Petroleum, in derselben Weise angewandt, gute Dienste leisten. • Sherry aus Aepfeln: 50 Liter Apfelmost, 21/« Gramm Orangeblüthenwaffer, 75 Gramm rother Weinstein, 2 Liter reiner Spiritus, 5 Kilo zerschnittene Rosinen, 40 Gramm Essigäther werden gemischt und dem Burgunder aus Aepfeln gleich behandelt. Vermischtes. Die beiden Münchhausen. „Ich sage Ihnen, in Algier war es einmal im Juni so heiß, daß die Vögel aus der Luft gebraten herunterfielen!" — „Das nennen Sie heiß? Bei uns in Canada ist die Hitze manchmal so groß, daß sogar die Milchstraße am Himmel sauer wird!" ♦ Freudige Ueberraschung. Prinzipal (in seinem Bureau zum versammelten Personale): „MeinJubiläum kann ich nicht ohne eine ganz außerordentlich angenehme Ueberraschung für Sie, meine Herren, vorübergehen lassen — eine Ueberraschung, die Ihre Herzen gewiß höher wird schlagen machen. Ich eröffne Ihnen also, meine getreuen Mitarbeiter, daß ich — zum Commerzienrath ernannt worden bin." ♦ * ♦ Poesie und Prosa. Sie: „Sind Sie mir auch aufrichtig zugethan?" — Er: „Ich werde Sie ewig lieben!" — Sie (seufzend): „Ewig lieben — warum wollen Sie mich nicht lieber gleich heirathen?" * ♦ * Er kennt sie. Mutter: „Ich glaube, der Kleine kriegt ganz mein Haar!" — Vater: „Mach' mal den Mund auf, Junge!" ♦ Kneippkur. „Aber Wilhelm, was hast Du für zerrissene Schuhe an!" — „Das sind keine zerrissene Schuhe! Ich brauche ja die Kneippkur!" ♦ • ♦ • Aus der Kaserne. Lieutenant zu einem Einjährigen, dessen Griff (Präsentirt das Gewehr) nicht nach Wunsch ausgefallen: „Donnerwetter, Einjähriger Bierhuber, soll da« ein Griff sein? Sie als Naturforscher sollten doch bedenken, daß, wenn Sie mit diesem Griff der Nachwelt in versteinertem Zustande überliefert würden, kein Mensch auf den Einfall käme, daß Sie ein Einjährig-Freiwilliger gewesen sind." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.