Dienstag, den 31. Oktober. 1893. •sxS—W' -----'N— * X -'AWK?WÄM»KNN> kZEK^WKRsAMsEi tzsKMWWsvvM gasaj; äMniifii b» MKW8ME« WM' i,-ußW * ' l-;’' '■<] Eine verhängnißvolle Nordlandsfahrt, i Huinoristische Novelle von Johannes Wilda. (Fortsetzung.) Fräulein Minnie hatte bisher schweigend zugehört. Nun traf mich ein Blick, in dem allerlei eigenartige Gefühle aus« gedrückt lagen. Ja, er traf mich und nicht Asmus! Und nach Versendung dieses Blickes erklärte das junge Mädchen in edler Barmherzigkeit: „Leider bin ich wohl die Schuldige an dem großen Verlust, der namentlich Herrn Doctor Döderlein betroffen zu haben scheint. Die dumme Blume! Wenn ich doch nur nichts gesagt hätte!" „Hm, hm," meinte Herr Saffe und musterte mich abermals nachdenklich. „Thut mir leid, Herr Doctor. Mir scheint doch, es wäre verständiger gewesen, Sie hätten die gemeinschaftliche Kaffe bei sich getragen. Indessen — nun ja — wenn ich Ihnen aushelfen kann — innerhalb meiner bescheidenen Mittel —" „Menschenfreund! Edler Mann!" fiel hier Karl in die zögernde Rede des Apothekers und schloß den kleinen Mann stürmisch in seine Arme. „Fünfhundert Mark reichen ja schon! Ich telegraphire unverzüglich nach der Tuttlinger Fabrik, so daß das Geld bei Ihrer Rückkehr nach Kiel vermuthlich bereits zu Ihrer Verfügung steht. Hier der treue, zuverlässige Döderlein garantirt für baldigste Rückzahlung, nicht wahr, Ingo?" Und ich Verworfener schaute Minnie an. Und als ich dies gethan hatte, nickte ich. Zu meiner Entschuldigung diente mir das Bewußtsein, daß ich allein Derjenige war, auf dessen Schultern die Rückerstattung fiel. „Schön," meinte Herr Saffe darauf. „Fünfhundert Mark vermag ich freilich augenblicklich nicht zu entbehren, allein etwa zweihundert kann ich Ihnen leihen, wenn Ihnen das genügt, Herr Doctor Döderlein?" „Auch das genügt!" erwiderte Karl großartig und ich stammelte meinen verbindlichsten Dank. Bis auf Herrn Sasse, der noch immer nicht im Klaren zu fein schien, ob er recht gehandelt oder nicht, geriethen wir nun Alle in heiterste Stimmung. Asmus war völlig aus der Tüte. „Mensch," sagte ich zu ihm in einem passenden Augenblick, „Du hättest ja wirklich verunglücken können." „I bewahre, Wuz! Ich hatte ja das linke Bein zwischen dem Geländer und dem hart daran stehenden Laternenpfahl ingeschoben und konnte gar nicht fallen. Es war nur bedenklich, die Brieftasche unauffällig zum Hinausrulschen zu bringen. Natürlich war kein rother Heller darin" „Das kann ich mir denken, Du Gauner!" „Gauner? Liebster Wuz, geschah es nicht auch für Dich? Nun mußt Du Dich doppelt dankbar beweisen. Du hast Minnie ein paar Mal ein paar sehr verdächtige Blicke zuge« worfen. Das geht nicht mehr an, hörst Du! Ich will nicht daran schuld sein, Dich in Deinen heiligsten Prinzipien wankend zu machen und Dich würde sie doch nicht heirathen. Also Wuz, nimm Dich unser als unser väterlicher Freund an wie bisher, und die zweihundert Mark übernehme ich dann, sobald ich--" „Schwiegersohn geworden bin," ergänzte ich. „Allerdings. Ich denke, mehr kannst Du wahrhaftig nicht verlangen!" Also hatte der Racker die Wandlung meiner Seele trotz seiner Hasenfüßigkeit doch durchschaut. Und besaß er denn Grund zu einer aufkeimenden Besorgniß? Mit Nichten! Zwar begegnete mir Fräulein Minnie wiederum um einige Grade wärmer, als vor der Brieftaschengeschichte, allein noch immer schien der unverschämte Asmus in der Sonne der Gnade und ich im Schatten zu stehen. Selbstverständlich konnte jetzt von einer Trennung keine Rede mehr sein. Der geliehene Mammon schmiedete uns nun definitiv für Christiania aneinander. Noch am Abend, nachdem wir zuvor noch die hochinteressanten, auch landschaftlich anziehenden Etagenfchleusen des Troll- hättakanals bewundert gehabt, traten wir die lange Eisenbahnfahrt an- Herr Saffe hatte mich Minnie gegenüber placirt. In ihrer weißen Wollkapotte sah sie wie ein Seraphim aus. Ich betrachtete fast die ganze Nacht ihr schlummerndes Antlitz. Welcher verliebte Schuljunge war aus dem hageren Weiberfeind geworden! . , Asmus war in seinem Leben noch selten zweiter Klasse gefahren. Dieser Umstand, verbunden mit der Unmöglichkeit, näher an Minnie heranrücken zu können, veranlaßten wohl das gediegene Schnarchen, mit welchem er Stunden hindurch seinem projectirten Schwiegervater , die erfolgreichste Concurrenz machte. Endlich lag Christiania vom Frühroth übergossen vor uns. In einer Kurve sausten wir thalabwärts auf die Ersehnte zu. Welch' wunderbar schöner Anblick! Man denke sich eine schiffreiche, ausgedehnte Hafenstadt mit originellen Thürmen und malerischem Festungswerk, im weiten Halbkreis von hohen, mit Fichten bestandenen Bergen umschlossen. Davor ein seeartiger blauer Fjord, übersät mit großen und kleinen Inseln, alle durch Nadel- und Laubholz begrünt, alle mit schimmernd hervorlugen- den Villen geschmückt. Dazwischen kreuzten Dampfer und Segelschiffe die entzückende Fläche. Wir standen an den Coupe, fenstern stumm vor Bewunderung. Meine Hand ruhte neben der Fräulein Minnies. Auf einmal, fortgerisien von der Herr« lichkeit der Schöpfung, legte ich meine Finger auf die kleinen daneben. Diese duldeten es einige Secunden lang. Dann zogen sie sich zurück, und sich erröthend zum Vater umdrehend, fragte Minnie verschämt: „Vater, willst Du noch eine Wurstsemmel, es sind noch zwei im Korbe?" „Aber Kind, wer kann jetzt an Wurstsemmeln denken!" Minnie erröthete noch tiefer. O, ich wußte mir diese holde Verlegenheit, der in Wahrheit nichts ferner gelegen hatte, als sich mit Semmeln zu beschäftigen, wohl zu deuten! — Jetzt gähnte nur noch der räthselhafte Vorwurf jener Schreckensnacht auf dem Meere zwischen uns! Die Stadt selbst war wie ausgestorben. Zum zweiten Pfingsttag schien Alles auf's Land geeilt zu sein. Auf den leeren Straßen sah man hin und wieder dunkelröckige Polizisten feierlich wallen, deren Erscheinung theils an Feuerwehrleute, theils an Pastoren erinnerte. — Im nur von Damen bedienten Hotel Sidsel fanden wir uns bald hernach angenehm untergebracht. Herr Saffe schlug den Besuch des Lustschloffes Oskarhall und dann eine Wagenpartie auf den berühmten Aussichtsberg Frognesaeter vor. Der Vorschlag fand allgemeinen Beifall. Asmus hatte wieder die großartigsten Spendierhosen an, er tractirte von meinen zweihundert Mark nach Herzenslust. Hingegen ward mir die Genugthuung zu theil, Minnies Plaid und Regenschirm tragen zu dürfen, und da es weder kalt wurde noch regnete, würde mir Beides niemals abgenommen worden sein, wenn ich den Plaid nicht in Oskarhall vergessen und den Schirm nicht auf dem Frognesaeter hätte stehe» lassen. Uebri- gens erhielten wir Beides wieder zurück, was mir bei meinem persönlichen Eigenthum selten passirt. In Oskarhall interessirte uns weniger das Schloß, als die schöne Lage des Parks, sowie die altnordische, hölzerne Stave- kirke und die alten hölzernen Bauernhäuser, die mit voller Einrichtung hier aufgestellt sind. Nur ein solches Bauernhaus und Minnie darin, und ich hätte nichts mehr in der Welt begehrt! Am Nachmittage fuhren wir also nach dem Frognesaeter hinauf. Wir bedienten uns der landesüblichen „Skuds", Wagenverbindungen, die sich über ganz Norwegen erstrecken. Unsere zweiräderigen Karriolen waren je für zwei Personen eingerichtet. Man mußte selbst kutschiren. Der sonst übliche Junge, der hinten aufhockt und die Fuhrwerke später wieder zur Station bringt, fehlte, da wir ja nach Christiania zurückzukehren gedachten. Wie sollten wir uns nun vertheilen? Wer sollte die Rosse lenken? So recht verstand dies wohl Keiner von uns Vieren. Karl freilich warf sich in die Brust, welche notabene eine neue hochrothe Cravatte zierte. Er habe in seinem Leben mehr gefahren, als mancher Berufrkutscher und mit fabelhaft wilden Pferden. Mir waren diese seine Künste total unbekannt- Allerdings erinnerte ich mich, daß ihm einmal ein Stuttgarter Droschkenkutscher die Zügel überlassen hatte, während er selbst sich im Bergauffahren gemüthlich seine Pfeife stopfte und anzündete. Der Schlaue erreichte es aber doch, daß ihm Minnies Leben anvertraut ward, während ich mit Herrn Sasse hinterher gondeln mußte. Wir zwei Tugendwächter waren sehr verdrießlich über diese Eintheilung, weshalb unsere Fahrt einen recht trübseligen Anfang nahm. In der vorderen Karriole schien dagegen eitel Fröhlichkeit zu herrschen. Nachdem der gute Karl zehn Mal eine verkehrte Richtung eingeschlagen und durch falsches Ausbiegen etwa ein Dutzend Fuhrwerke zum Stillstand gebracht oder ihre Räder hart angefahren hatte, gelangten wir endlich bei glühender Hitze auf die rechte Straße, auf welcher es langsamer und langsamer bergan ging. Wir begegneten Schaaren von schwerbelasteten Touristen, oft nur Damen ganz allein- Andere lagerten seitwärts von der Straße unter Koniferen und Birken, an murmelnden Bächen, zwischen sich ausgebreitete Tischtücher mit un glaublich reichhaltigen Massen von Speisen und Getränken Daher also jene riesigen Körbe und Kober! Nach ein paar Stunden erreichten wir glücklich da« prangende Gasthaus des Gipfels. Zwischen Karl und Minnie mußte inzwischen irgend etwas Unliebsames vorgegangen sein. Sie verschmähte kühl seine Hand, als er ihr vom Wagen helfen wollte, und er besaß unnatürlich rothe Ohren, wobei er seine bekannte forcirte Heiterkeit an den Tag legte. Diese kleinen Anzeichen hoben meine gedrückte Stimmung einigermaßen. Das Gasthaus war aus Holz erbaut und mit dunkelbraun gebeizten Baumstämmen bekleidet. Es zeigte durchweg eine originelle und elegante Einrichtung. Wir saßen auf der Veranda und genossen die herrlichste Aussicht auf das zu unseren Füßen liegende Christiania und den inselbedeckten Fjord. In der anderen Veranda-Ecke entdeckten wir einige der Studenten von unserem Schiff. Wie der Augenschein lehrte, waren sie hierher gereist, um — Skat zu spielen. Karl trank mehr, als ihm gut war. Nach norwegischer Sitte durften keine gebrannten Wasser verkauft werden. Auf Herrn Saffes Bitte hatte die Frau Wirthin zum kühlen Bier aber doch eine Flasche vorzüglichen „Brännvin" verabreicht, für den keine Zahlung angenommen wurde. Karl schien nun das Bedürfniß zu empfinden, diese Flüssigkeit als Sorgenbrecher zu benutzen. Seine unnatürliche Lustigkeit, sowie die schiefe Stellung seines Filzhutes nahmen von Viertelstunde zu Viertelstunde zu. Da Minnie nicht für feine Reden begeistert schien, hielt er sich an Herrn Sasse, dem er Reise-Reminiscenzen vortrug. „Ich bin nicht die Spur seekrank gewesen! Wahrhaftig, Herr Sasse, ich versichere Ihnen!" „Wenigstens haben Sie so viel Ueberlegung noch besessen, sich höchst eigenartige Lagerstätten auszusuchen." „Ach, Sie meinen in der Kajüte," erwiderte Karl, in dem Glauben, seine Seekrankheit sei constatirt, verrätherisch verlege« werdend. „Haben Sie mich denn dort gesehen?" „Natürlich, in des Doctors Mantel; und wie sonst noch, will ich hier nicht weiter erörtern." „Nanu, wie denn etwa? Hinten war's mir zu heiß, deshalb war ich nach vorn gegangen und weil die Stühle immer kippten, hatte ich mich auf den Fußboden gefetzt. Das war doch ganz in Ordnung." „In Ordnung? Schöne Ordnung, wenn man in unmittelbarer Nähe von Damenkajüten auf Abenteuer ausgeht, die, die — nun, wie gesagt, schweigen wir jetzt darüber!" Karl machte ein ungewisses Gesicht. Sein Herz wußte von keinem Abenteuer, aber wenn er solches aufgesucht hätte, so mußte dies doch ein Beweis für ihn fein, daß er sich in der That nicht allzu leidend hatte befinden können. Dieser Jdeen- gang ward durch den verschmitzten Stolz bezeugt, mit welchem er des Apothekers Vorwurf acceptirte. „Nun ja," rief er, „ein kleines Abenteuer war wohl dabei. Dazu hatte ich mir Döderleins Mantel geliehen, der wie ein Bravomantel die Gestalt verhüllte. Famose Idee. Nicht?" Dieses prahlerische Eingeständniß ging Herrn Saffe doch über die Hutschnur. „Mein Herr," erwiderte er ceremoniell, „Sie befinden stch hier in Gegenwart meiner Tochter! Ich habe nicht über Ihre, wohl aber über die Moralität meines Kindes zu wachen, und so muß ich Sie dringend ersuchen, dies Thema als abgebrochen zu betrachten." Karl blieb die Entrüstung des alten Herrn entschieden ganz unverständlich, ja, in seiner beginnenden Begriffsverwirrung hielt er sie nur für einen schlechten Witz, über den man lachen müsse. Das that er denn auch herzlich und zerschnitt damit ahnungslos das letzte Fädchen seines kühn entworfenen Planer, wenn anders es überhaupt noch etwas für ihn zum Zerschneiden gab. Ich wäre nun wohl in der Lage gewesen, die Prahlerei des Freundes zu entlarven, um seine Moralität zu retten, 511 mir ein« Duft, der von ihr ausging. Ich Narr, wie hatte ich bisher nur die Frauen so verabscheuen können! Und doch wie gut, daß es so gesehen, denn wer weiß, an welchen alten Drachen ich sonst schon gefeffelt WÜlrC ! , Ich wagte kaum fle anzusehen, wußte durchaus nicht die Unterhaltung zu beginnen. Da hob ste selber schüchtern an. „Herr Doctor, ich habe Ihnen ein schweres Unrecht abzn- bitten." „Sie mir etwas abzubitten?' „Ja, aber — ich kann es Ihnen nicht sagen, was. „Ist auch nicht nöthig, Sie haben mir nichts, garnichts abzubitten!" „Doch!" Eine Pause trat ein, während der ich ihr kleines Herz so laut wie mein großes klopfen zu hören vermeinte. und ahnungslos dorthin gekommen ist, wo Sie ihn wahrscheinlich gesehen haben." , , , „Wie glücklich bin ich!" flüsterte ste. „Es ist schreck ich, daß ich so etwas gestehen mußte; können Sie mir nun wirklich verzeihen? Bitte!" p r c , Ihr warmes Händchen faßte das meinige. Himmel, wie tobte das Blut m mir altem Schulmeister. „Väterlich! väterlich!" Jawohl, ich dachte an Nichts weniger als an väterlichsein. Ich schaute mich blitzschnell um. Der fatale Wagen hinter uns! Ich konnte dre Argusblicks des Alten deutlich erkennen. Mir flirrte ^^vordenAugen. „Frisch gewagt ist halb gewonnen," dachte ich. Ich riß m den Zügel, daß der Gaul hochaufsprang, um dann mit dem nächsten Satz um die nächste Waldecke zu jagen. Dann schwang ich die Peitsche! Hui brausten wir um die zweite Ecke, und um die dritte, um die vierte und so fort in fausender Fahrt, immer steil bergab, Alles andere war mir egal, nur fort, fort von dem Verfolger hinter uns! . - Und Minute hielt mich umklammert. Wohl schauderte sie ob der tollen Fahrt. Aber kein Laut entschlüpfte ihren Lippen. Sie mochte ahnen, was der zum Helden umgewandelte Schul- meistLängsttumfing uns die Einsamkeit! Jetzt hatten die Windungen ein Ende, auf wenig geneigter Straße ging es geradeaus, immer geradeaus. Da konnte ich es nicht aushalten. Ich warf diePeitfche hin, ließ den Zügel sinken, schlang meine Arme um das süße Geschöpf an meiner Seite, druckte wieder und wieder meine Lippen in glühender Leidenschaft auf d e ihrigen und — — im nächsten Augenblick lagen wtr un Ja, wir lagen im Graben. Sie oben und ich unten, während unser Gaul, einer durch die Wüste wirbelnden Trombe ähnlich, mit dem leichten Fuhrwerke in einer Staubwolke davonsauste. „Liebste, hast Du was gebrochen?" „Nein! Du auch nicht?" „Auch nicht-" „Gott sei Dank!" , , r k»» r. Wir nannten uns mit einmal „Du, als ob sich das so von selbst verstünde. Ferner setzten wir UN« am Grabenrand auf, herzten und küßten uns, als ob es ebenfalls gar nicht anders möglich sei und machten uns die denkbar vertraulichsten Er- ro“Te Ach, das dumme Geld! Ich machemir garnichts d raus I Doch weißt Du, ich habe noch immer durchgesetzt, was ich wollte. Und so wird es schließlich hier auch gehen; darauf kannst Du Gift n^8en^.a lieber bleiben lastens Um Himmelswillen ja! Was schwatz ich da nur ! Aber ein Haus kannst Du darauf bauen!" (Schluß folgt.) Öffnungen. a[fo meine kleine Frau werden, Miunie?" „Ach, was sollte ich wohl sonst wollen!" „Kannst du denn so einen alten häßlichen Schulmeister wirklich lieb haben?" „Du bist gar nicht so häßlich! Das verbitte ich überhaupt, daß Du dies denkst! Du bist blo« nicht hübsch an- gezogen. Du! Und für einen ordentlichen Schneider will rch später schon sorgen." Möes Mädel!" ' 3a! du sollst sehen, wie vortrefflich wir uns mit ander unterhalten können. Du wirst noch mit keinem Menschen auf der Welt lieber plaudern, als mit deiner kleinen Mmnie! Das time ich jetzt schon!" "O Du lieber Ingo! Und dann koche ich auch wunderschön "für Dich! Ich lerne Spätzle backen. Gleich am ersten Mittag nach unferer Hochzeitsreise setze ich Dir sie vor! „Spätzle" ich seufzte schwer auf, denn letzt stand nur der alte Saffe, der mich mit einer Hauslehrerstelle belohnen wollte, als unüberwindbares Hinderniß zwischen diesen berückenden ersten Ehe-Spätzlen vor Augen. Ich verlieh meinen trüben Gedanken Ausdruck. „Wenn dein Papa nur nicht so schrecklich reich wenn mich nicht etwas Anderes weit mehr beschäftigt gehabt ^tt6®ies war der Wechsel, der seit dem peinlichen Zwiegespräch mit Minnie vorgegangen war. Ihr schien eine Centnerlast vom Herzen gefallen zu fein. Frei und anmuthig blickte sie jetzt auf. Und ihre Blicke fuchten nur mich! Mich, den glücklichen Ingo Döderlein! Als unsere Wagen zur Rückfahrt bereit standen, befand sich mein Asmus in vorgeschrittenster Stimmung. Mmnie erklärte entschieden, sich nicht von ihm den Berg hinunter kut- schiren lassen zu wollen. , , ± , „Dann werde ich Dich fahren, mein Kmd, meinte Herr Saffe unternehmend. , , ., , „Du, Papa? Verzeihe, rechtes Vertrauen habe ich auch zu Dir nicht. Eher noch zu Herrn Doctor Döderlein, der hat meines Erachtens seine Sache vorhin ganz gut gemacht. „O, gnädiges Fräulein!" rief ich entzückt. „Ich werde; Sie sicher wie in Abrahams Schooß nach der Stadt bringen! „Also mit Ihnen, Herr Doctor! Und Ihr fahrt voraus!" „Hm!" sagte Herr Saffe, dem, wie es schien, auch schon ein gewisser Verdacht gegen mich entstanden war, „bitte dann aber, nicht zu weit zurückzubleiben!" „Gewiß nicht, Herr Saffe!" beeilte ich mich ehrenfest zu Ehe wir einstiegen, nahm er mich noch einmal am Rockknopf und flüsterte: „Sie wissen, wie ich auf Sie baue, Herr Doctor! Minnie ist ja noch ein Kind. Väterlich, Herr Doctor, immer ^aterlich^ch, stierte ich über und über karmossm ™^nung tn Biegung. Herr Sasse .hatte dem seligen Asmus die Zügel nicht überlassen, sondern kutschierte selbe r stümperhaft im höchsten Maße, wie ich sofort bemerkte. Das schien er auch einznsehen, denn ängstlich rief : "Uebernehmen Sie doch lieber die Führung, Herr Doctor Döderlein, und als ob dies auch sonst ein guter Gedanke wäre, fügte er eifrig hinzu: „Gewiß so ist es am besten und hübsch acht geben, daß wir uns nicht aus den Augen verlieren!" Ich neigte nur die Peitsche, indem ich dachte „wenn der liebe Gott soweit geholfen hat, wird er auch schon weiter helfen, und setzte mich im schlanken Trab an die Spitze. Asmus sang binter mir: „So leben, so leben wir!" Als wir nun munter im Tannenwald vorwärts rollten, ward mir unbeschreiblich froh. Ich fühlte Minnies weichen Arm an dem meinigen, ich athmete den zahrten, berauschenden „Herr Doctor!" „Fräulein Minnie!" „Nicht wahr, neulich Nacht — es war nur Ihr Mantel mit j'emand anders drin--?" Nun ging mir ein Licht auf! Das Räthsel ihrer plötzlichen Erkältung war gelöst! Ich beugte mich zu ihr nieder: „Fräulein Minnie! Minnie!" rief ich. „Wie konnten Sie nur denken! Natürlich war es nur mein Mantel mit dem Doctor Schratt! Aber auch er ist wahrhaftig ganz unschuldig. Er war so seekrank, daß er völlig willen- ‘ Gemeinnütziges« Tischmeffer zu behandelt». Man nimmt etwas pulverisirten Blutstein (in der Apotheke erhältlich), vermischt dies mit Baumöl zu einer salbenartigen Masse und bringt von dieser etwas auf das Mefferbrett. Rostflecken beseitigt man durch Abreiben mit Petroleum. Wenn eine Mefferklinge in der Schale losgegangen ist, so füllt man das Loch des Handgriffs mit feingestoßenem Kolophonium und geschabter Kreide und steckt die heißgemachte Klinge hinein. Zum Reinigen der silbernen Schalen ist ungereinigter Salmiakgeist sehr gut, er putzt alles Metall klar und schön. • * Ausschwitzen der Möbel zu verhüten. Ein sehr einfaches, bewährtes Mittel gibt es dafür. Die neuen Möbel werden, sobald man sie erhält, lauwarm abgewaschen, indem man einen Schwamm in handwarmes Waffer taucht und ausdrückt, dann reibt man sie mit weichem Leder trocken, bis sie quitschen; sie werden niemals ausschwitzen und stets blank bleiben. ♦ * * Schmutzige Strohmatten werden sauber, wenn man eine Hand voll Kochsalz in warmem Waffer auflöst, eine scharfe Bürste hineintaucht und die Strohmatten gehörig mit dem Salzwaffer abbürstet. Sie werden, in dieser Weise behandelt, so weiß und schön, wie man es nur wünschen kann. * * ♦ Um Futzbö-en schön Weitz zu scheuern, scheure man nicht mit Seife, sondern mit einem Theil ungelöschten Kalk und drei Theilen Sand. In diese Mischung wird, wie die Hausfrauenzeitung empfiehlt, die nafle Putzbürste getaucht. Diese Weise, zu reinigen, stellt sich billiger, als die mit Seife und benimmt allen Schmutz, tödtet vorkommende Insekten und macht sehr rein und weiß. Der Fußboden muß aber mit reinem Waffer nachgespült werden. Sind Fettflecken mit zu entfernen, so bedeckt man diese mit Thonerde, die zuvor mit heißem Waffer angefeuchtet ist und läßt fie einen Tag darauf, ehe man, wie beschrieben, scheuert. ♦ * Billiges Wandtäschchen in Form einer Düte. Bon dünner Pappe formt man eine kleine Düte, überzieht dieselbe auf beiden Seiten mit kirschbraunem Atlas und garnirt sie rings herum mit gelben Cigarrenbändchen, welche man mit hochrother Seide im Hexenstich aufnäht. In der Nähe des Bettes aufgehängt, dient sie dazu, Abends die Brille und andere Kleinigkeiten aufzunehmen. ♦ ■ Um Bodenteppichen wieder ihre frische Farbe zu geben, kehre man sie mit eine n reinen Besen ab, der zuvor in warmes Waffer getaucht wurde, in das man einige Tropfen Ammoniak hat fallen laffen. ♦ ♦ ♦ Entfernung von Rost. Um Rost von kleinen eisernen Gegenständen, die sich leicht erwärmen laffen, zu entfernen, nimmt man ein Stück Bienenwachs, bindet dasselbe in einen nicht zu dichten Lappen und verreibt es auf dem warmen Eisen, welches dadurch einen feinen Wachsüberzug erhält. Darauf nehme man einen zweiten Lappen, tauche ihn in pulveri- strtes Kochsalz und reibe damit Wachs und Eisen ab. * ♦ Mittel gegen Wanzen. Wirksam gegen Wanzen und ihre Brut ist Essigsäure, welche man am besten mit einer Glasspritze in die Fugen und Ecken einspritzt; auch die Zapfenlöcher der Bettstellen füllt man mit der Flüssigkeit an. Ein Tropfen Essigsäure tödtet die Wanze auf der Stelle. Dieses Mittel ist billiger und besser als Insektenpulver. Vermuthet man in Dielenritzen oder hinter den Scheuerleisten Wanzen, so wird die Säure auch dort mit Erfolg angewendet. Vermischtes. Frieden im Hause. Frieden im Hause zu haben, ist wohl der erste Wunsch jedes Menschen. Um ihn zu erhalten, halte man an folgenden zehn Geboten fest: 1. Sei stets nachgiebig und nachsichtig. 2. Begrüße Deine Hausmitbewohner stets freundlich, meide aber so viel als möglich näheren Verkehr. 3. Lasse Dir nie vom Dienstmädchen über die Verhältnisse der Mitbewohner etwas erzählen. 4. Halte nie dieselbe Waschfrau, Näherin, Flickerin rc. 5. Miethe nie ein Mädchen, das schon bei einer Herrschaft im gleichen Hause gedient hat. 6. Borge nie etwas; muß es aber geschehen, so gieb er so rasch als möglich wieder zurück. 7. Hast Du auf der Treppe etwas verschüttet oder aus- gegossen, so sorge schnellstens für Reinigung. 8. Nimm stets Rücksicht auf die nebenan und in den höheren und unteren Etagen wohnenden Nachbarn und vermeide jeden überflüssigen Lärm. 9. Hörst Du einen Wortwechsel, so schließe sofort die Fenster und entferne Dich, um nichts zu verstehen. 10. Bilde Dir nie ein, daß Deine Kinder artiger stnd, als die Deiner Mitbewohner. Ein Kronzeuge. Richter: „Wer war zugegen, als Ihnen der Angeklagte die Zähne einschlug?" — Kläger: „Ich selbst, Herr Richteri" ♦ Variirtes Sprüchwort. Vater: „Wenn der Herr Rath heirathen will, dann muß es bald geschehen — er ist nicht mehr jung — sonst wird's zu spät!" — Tochter: „O, Papa, ein guter Rath kommt nie zu spät!" Katerphilosophie. Studiosus: „Bei den Damen dreht sich Alles um den Ball. Auf dem Ball dreht sich Aller um die Damen. Nach dem Ball dreht sich Alles — in meinem Schädel!" * , • Anzüglich. Staatsanwalt: „DieMißhandlungen, deren sich der Angeklagte an den Zeugen schuldig gemacht hat, sind um so mehr zu verurtheilen, als er noch Mitglied des Thierschutzvereins ist!" * Kindliches Raffinement. Die kleine Anna: „Mama, kauf' mir doch eine neue Puppe; meine alte schämt sich schon, wenn ich sie frage, wie alt sie ist!" * * * Vorüber. Diener (zu seinem eben verheiratheten Herrn): „Hat der gnädige Herr noch Etwas zu befehlen?" — Herr (mit einem Seitenblick auf seine Frau): „Nein, ich habe nichts mehr zu befehlen!" ♦ * ♦ Bedenklicher Wunsch. Doctor: „Nun, Liese, was soll Dir denn das Christkind bringen?" — Lieschen: „Ich wünsche mir Haare zum Herunterthun, wie Mama sie hat!" * * Recht angenehm. Mama, mit Frida im Concert, äußert sich zu ihrer Nachbarin verwundert darüber, daß sie gar keinen Bekannten entdecken könnte, — als Frida, die andächtig zuhörte, plötzlich aufspringend ausruft: „Aber Mama, da ist ja unser Gerichtsvollzieher!" * * Heiteres aus der Schule. In einem Cantonrhaupt- städtchen erklärt der Lehrer die fünf Sinne. Er sagt ihnen, daß wir die Ohren haben zum Hören, die Augen zum Sehen und fragt dann das Peterle: „Wozu haben wir die Nase?' — Peterle antwortet pfiffig: „Aß mer se butze kann!" Unti Nr7l2 Eine „Ei doch lach Haus ba „3 nur! Da Ein ben, und mit der „D laffen, bi bei Chri „3( - Wie „Ei «V so Heide, imponier „H schlimme vor die „U Kleinmü Dii bekräftig heit wes Mi schritten 3 Minnie. »3 lich gan Er bergan. „2 Verräth M hat mii Antrag Aj Ohren Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.