in der S.- Ostern eine ! von einem ich befragte, ob er gute er W-, „der msuren sind »er Aufmerk« j verbimst." ta, steh' mal ende Rubrik, der Freund, es ja eben," ch rege sind! Jezappel un Zenn er noch sich uf was zur nächsten :b Fritze bei inderingend): isehen Petrogen Sie sich; ranchmal von coleum nichts i: „Darf ich werden, mein äugen werden norr, Sie in« iit hintenüber nschenverstand Korn lagern« ' — Strolch: er ja zu viele iiibe ich Ihnen r, nicht wahr, nein Fräulein, holden Lippen „Haben Sie erin: „Gewiß, lärinnen sofort 8 nicht ändern, Mögliche ver« , Du hast ihm li , was ich ge- e einem Räuber eines Rekruten llenfch gar den n. Dienstag, den 30. Mai. c ■ - --*■-----------iS-?- Nntevhaltnngsblatt zrrm Gietzenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev) qJ Nr. 62I WGMMMNtzGS ~ -• -- Das große Loos. Original-Novelle von Leo Werner. (Schluß.) „Also Sie wollen Ihren Sohn nicht bitten, nicht fußfällig anflehen, von seinem wahnwitzigen Beginnen abzulaflen und zu Ihnen zurückzukehren, damit wir über unser Vorhaben uns verständigen können?" rief jetzt Buchhold mit drohender Geberde. ;,Nein, ich kann es nicht und ich will es auch nicht thun!" erklärte Malten abwehrend. „Run, so erkläre ich Ihnen, daß ich unsere Vereinbarung für erloschen betrachten muß und die baldigste Bezahlung Ihrer Schuld an mich verlange!" rief der Bankier im Tone höchsten Aergers. „Den gestellten Zahlungstermin warte ich nun überhaupt nicht ab, denn es ist gar nicht daran zu denken, daß noch eine Verlobung Ihres Sohnes mit meiner Tochter zu Stande kommen wird. Wann gedenken Sie die mir schuldenden 400,000 Mark zu zahlen, Herr Commerzienrath?" „Ich werde bestrebt sein, Sie in kurzer Zeit zu befriedigen, und sollte ich meine Fabrik verkaufen oder einen Theil« Haber in meine Firma aufnehmen," entgegnete Malten kaltblütig. „Run, ich rechne auf Ihr Wort," bemerkte Buchhold, „und hoffe, daß wir über die Angelegenheit nicht noch unangenehme Differenzen haben werden. Leben Sie wohl, Herr Commerzienrath." Als der Bankier endlich gegangen war, athmete der gequälte Mann erleichtert auf. Aber die Beruhigung Maltens dauerte nur ganz kurze Zeit, denn er sah nun die unbedingte Rothwendigkeit vor sich, binnen wenigen Wochen die bedeutende Schuld an Buchhold zu zahlen oder die Untergrabung seines ganzen Credites seitens des erzürnten Bankiers zu gewärtigen. Die große Summe von 400,000 Mark konnte der Commerzienrath jetzt nicht aus seinen großen Geschäften ziehen, ‘ also blieb ihm nichts übrig, als das Geld zu borgen oder sich durch Aufnahme eines Socius oder durch den Verkauf der Fabrik das genügende baare Geld zu schaffen. Wie schwer dies unter Umständen war, wußte der in geschäftlichen Angelegen- Hecken erfahrene Commerzienrath sehr genau und seufzend blickte er in die trübe Zukunft. Da dachte er an die drei Lotterie« loose, welche er ganz allein spielte, und klammerte an dieselben in seiner großen Sorge und Verlegenheit seine Hoffnungen. Der Commerzienrath hatte die drei Vollloose einige Wochen vor der letzten Ziehung gekauft und er lief jetzt in sein Privat- zimmer, schloß einen Geldschrank auf und holte die drei Loose aus einem Schubfachs hervor, um nachzusehen, an welchen Tagen der Ziehungstermin sei. Die Ziehung fand nächste Woche statt und Malten, der sich wie ein Ertrinkender an jedem Strohhalm zu halten suchte, hegte die besten Hoffnungen von dieser Ziehung. Der Gewinn des tzroßen Looses auf eine der drei Nummern mußte ihn unfehlbar aus den Händen seines gefährlichsten Gläubigers befreien. Der Commerzienrath Malten hatte während seiner Laufbahn als Großindustrieller so oft ganz unerhörtes Glück gehabt, daß er sich jetzt ganz und gar mit der Hoffnung schmeichelte, daß in dem kritischsten Stadium seines Lebens ihm das Glück nicht untreu werden und er einen großen Gewinn in der Lotterie machen werde. O, dann wollte er nicht nur den schlimmen Gläubiger Buchhold befriedigen, sondern auch Mittel und Wege finden, um sich mit dem geliebten Sohne, an dem trotz aller bösen Zerwürfnisse dennoch sein Herz hing, sobald als möglich auszusöhnen. Ludwig Malten strengte inzwischen alle seine Kräfte an, um die Verbindungen mit den beiden Obersteigern und einem rasch engagirten tüchtigen Bergwerksingenieur die Felix«Grube vor dem Untergange zu retten. Nach fünf Tagen qualvoller Sorgen und nahezu übermenschlicher Arbeit war es endlich gelungen, der einströmenden Wassermassen in dem Bergwerke Herr zu werden. Dann wurden die Aufräumungsarbeiten in den verwüsteten Schachten in Angriff genommen und diese ließen sich in vier bis sechs Wochen wohl kaum bewältigen. Dieselben konnten die Obersteiger und der Bergwerksingenieur allein leiten und Ludwig behielt sich nur die Oberaufsicht vor. Dadurch bekam er Zeit, auf Mittel und Wege zu sinnen, wie der Betrieb des Bergwerkes wieder auf die rentabelste Weise eingerichtet werden könne. Die Anschaffung zweier großer Dampfmaschinen erschien dabei durchaus nothwendig, wenn die frühere starke Wafferkraft für immer verloren war- Die Dampfmaschinen hätten nicht nur allein eine sehr bedeutende Summe gekostet, sondern deren Betrieb an sich wäre auch viel theuerer gewesen als eine entsprechende Wasserkraft. Die Wiedergewinnung einer solchen war also das Wichtigste für die ganze Zukunft der Felix-Grube und ihres Besitzers. Dieser, Herr Hülsemann, hatte sich wieder so weit erholt, um mit Rath und That bei allen das Bergwerk betreffenden Arbeiten behülflich zu sein, und Ludwig unterbreitete ihm gerade heute mehrere Pläne zur Beschaffung einer neuen Wasserkraft für den Betrieb des Bergwerks. Der eine Plan Ludwigs das Wasser der benachbarten ungefähr hundert Meter höher als dar Bergwerk gelegenen Rehberge zu einem Bache zu sammeln 246 ii Dinge vorgegangen mb wurde dort von pfangen und wider sie ist doch eine so schöne Zeit der frohen, seligen Hoffnungen," erwiderte Ludwig. „ m „r „Es war aber auch eine Zeit der ernsten Prusung, die nun wohl hinter uns liegt," flüsterte Käthchen leise und küßte Ludwig inbrünstig auf deffen gebräunte Wange. Bereits seit drei Tagen hatte der Commerzienrath Malten mit wachsender Aufregung die Ziehungslisten der stattfindenden Lotterieziehung verfolgt, aber die Listen stets enttäuscht bei Seite geworfen, denn es waren bisher noch fast gar keine großen Gewinne gezogen worden. Gewöhnlich arbeitete um diese Zett der Commerzienrath über den Mittag hinaus in seinem Privatcontor, denn er machte auch zahlreiche andere Versuche, um seine Finanzen zu verbeffern, und ließ sich dann gegen zwei Uhr die Ziehungslisten von seinem Diener in das Contor bringen. Auch heute war dies der Fall, und zu seiner bitteren Enttäuschung sah er, daß bei der heute Vormittag stattgehabten Loosziehung wohl das ,große Loos mit 500,000 Mk. gezogen, aber auf keins seiner drei Loose gefallen war. Aergerlich warf der alte Herr die Liste bei Seite, doch dann nahm er sie wieder in die Hand, um die Loosnummer, auf welche das große Loos gefallen war, näher in Augenschem zu nehmen. Es war die Nummer 77,785. Höhnisch grinsten ihn die dürren Ziffern an, die doch in diesem Augenblick so bedeutsam für den glücklichen Gewinner waren, und dann schob der Commerzienrath die Liste bei Seite, um endlich zu Tisch sind, Werner." Der Diener eilte hinab in dc ungewohnter Stunde verlaßen. C unter und sehen Sie zu, welche s Der Commerzienrath stand sprachlos vor dem wackeren und diesen nach der Felix-Grube zu leiten, erfreute sich im i hohen Maße des Beifalles Hülsemann's unter der Voraussetzung, daß die Leitungsarbeiten nicht zu theuer kämen. Ludwig Malten glaubte garantiren zu können, daß diese | Arbeiten nicht viel theuerer als vielleicht 15000 Mk. kommen würden. „ L _ „Unglaublich, mein Lieber!" erwiderte der alte Herr. Diese Arbeiten können das Doppelte und Dreifache kosten, zumal wir um die Leitung ausführen zu können, Grund und Boden kaufen müssen, und dann gewöhnlich sehr hohe Kaufsummen gefordert werden, wenn die Besitzer wiffen, daß man den Grund und Boden unbedingt braucht." „Aber das Land hat dort sehr wenig Werth, es ist dürf- tige Weide und schlechter Waldboden," bemerkte Ludwig, „und da können die Besitzer, meistens kleine Gebirgsbauern, doch gar nicht soviel dafür beanspruchen. Außerdeni habe ich den Gebirgsbewohnern ein sehr gutes Angebot vorgeschlagen, welches sie vielleicht veranlaßt, uns den Grund und Boden ohne zede Geldentschädigung zu geben." „Da bin ich aber sehr neugierig, dieses Angebot zu erfahren," rief der alte Herr Hülsemann sehr erstaunt, „denn etwas Verlockendes muß es sein, denn sonst macht es bei diesen Leuten keinen Eindruck." , „ , n . , _,, . „Nun die Sache ist sehr einfach," meinte Ludwig lächelnd. „Den drei in Frage kommenden Gebirgsdörfern fehlt es an einer Mühle, da das Gebirgswasser nur so wild weglauft und nur da und dort einen kleinen Teich bildet. Durch unsere Anlage bekommen die drei Dörfer eine starke Wasserkraft zu einer Mühle, und das dürfte doch sehr verlockend für sie sein, denn sie können dann dort oben bequem ihr Korn mahlen und ihr Holz sägen. Und da können sie uns auch den Boden zu dem Bache unentgeltlich abtreten." . „ „Das ist wirklich eine prächtige Idee von Ihnen, Ludwig, erwiderte der alte Herr mit leuchtenden Augen, „ich bewundere täglich mehr Ihren erfinderischen Kopf, der immer noch dort neue Auswege findet, wo gewöhnliche Sterbliche rathlos dastehen. Setzen Sie sich sobald als möglich mit den Gemeindevorständen der drei Dörfer in Verbindung, damit man sieht, ob der Vorschlag Beifall findet." „Ich habe es schon brieflich gestern gethan und werde morgen noch persönlich mit den Orts-Vorstehern unterhandeln.' „O, das ist sehr gut, daß Sie die Angelegenheit be- schleunigen, Ludwig, und ich werde Sie begleiten, um die Quellen der Rehberge noch genau auf ihre Waffermengen zu zu gehen. , , Da drang urplötzlich ein seltsamer Lärm, ein Schreien, Jubeln und Lachen wie aus Hunderten von Kehlen an sein Ohr, und erstaunt sah der Commerzienrath zum Fenster hinaus nach den werten Fabrikhöfen. Dort liefen die Arbeiter in hellen Haufen umher, stießen Freudenschreie aus, umarmten sich und geberdeten sich, als wären sie närrisch geworden. „Was ist dies für ein unerhörtes Gebühren," sagte Malten zu seinem Diener, „die Leute haben ja ihre Arbeit zu ganz unaewobnter Stunde verlaßen. 6 doch einmal qm- schätzen." , , , . „O, da oben giebt es Waffer genug, das habe rch auf meinen Ausflügen nach den Rehbergen im Frühling, Sommer und Herbst ersorfcht. Nur im Winter kann es zuweilen Wassermangel geben, doch da können wir uns anderweitig! helfen, nämlich durch eine kleinere Dampfmafchine, die wir neben der Wafferkraft anlegen, um den Betrieb des Bergwerkes, so Gott will, künftig noch umfangreicher zu gestalten als früher. „Das beabsichtigen Sie auch noch, Ludwig!" rief der alte Herr entzückt. „Sie sind wie ein guter Engel, der mich so sehr geschlagenen Mann wieder aufgerichtet hat und mem Unternehmen zu neuem und größeren Ansehen bringen wird. Gott Die« be^en ^Männer umarmten sich und schritten dann aus dem Privatzimmer des Herrn Hülsemann nach dem Wohnzimmer, wo Käthchen saß- , ,,, „Du mußt entschuldigen, mem liebes Käthchen, daß ich jetzt o wenig Zeit für Dich habe," begann Ludwig und rechte der Geliebten zärtlich die Hand. „Aber erst muß« derFckx- Grube Alles wieder in Ordnung sem, ehe ich Zeit für Dch habe und ehe wir Hochzeit machen können. Habe noch einige Monate Geduld mit mir!" . . , „Ich will, wie es sich einer treuen Braut gezwmt, g^ul. hin „ttb boffnunasvoll warten, denn ein edeles opservolles Werk I L>er «Lvmmvtzlvmrny zu unserem Segen hat Dich ja allein dazu veranlaßt, unsere alten Manne, dann sagte er leise,mit zitternden HochM auf ein halbes Jahr zu verschieben." ' °^a-d. und es wird W einer Gruppe Arbeiter mit Jam seinen Willen in ihre Mitte gezogen. , .___, Dem Commerzienrath wurde jetzt die Sache enngermaßen bedenklich, denn er sah, wie die Arbeiter den Aufforderungen der Ausseher nicht Folge leistete«, und seine Bureaubeamten, welche vermittelnd hätten eingreifen können, waren noch nicht von der Mittagszeit, welche bis 2 Uhr dauerte, zuruck. Sollte plötzlich raffinirter Weife ein Streik seitens der Arbeiter in Scene gesetzt worden sein? Doch dies kam dem Commerzienrath, der ein erfahrener Kenner der Arbeiter war, "* Ä -'n- H- Ahnung. D-r Theil der Arbeiter, die Mitglieder des Gesangvereins „Eon- cordia" waren, spielte ja, wie der alte Engelhard entrüstet berichtet hatte, ein Lotterieloos aus der Veremskafle. Sollte vielleicht auf diese Loosnummer des Vereins „Concordra das große Loos gefallen fein? m Der Gedanke electrisirts den alten Herrn und er wollte eben selbst hinab in den Hof eilen, als der alte Engelhard ganz aufgeregt in das Contor trat und ausrref: „Entschulvigen ! Siel, Herr Commerzienrath, daß ich unangemeldet eurttet. Eine unerhörte Begebenheit hat sich zugetragen. Unsir Gesang- Gesangverein „Concordia" hat das große Loos gewonnen. Die Arbeiter schwimmen in Wonne und wollen h-ute kemen Schlag mehr arbeiten. Der Lotteriegewinn hat ihre Sim umnebelt, trotzdem er doch in hundertunddreiundvierzig Thell geht und auf keinen der Gewinner eine wirklich große Summe alten staune, oann sagie er mit, nm , tt aus ein yatves Jayr zu vericyicvc«. i Spielglück ist leider blind, ^^er Engelhard, un e vom .Die Zeit des Wartens wird uns ja auch nicht lang und 1 auch den meisten der Leute nichts nutzen, ein Theüchen - 247 großen Loose gewönne' gewinn für mich nn Arbeiter werden ihr arbeiten wollen, t>’ „Das ist e- „denn schwerst Gewinn auf arbeiten." \16ei wird dieser Lotterie« Streik, denn die meisten mffen und nicht eher wieder /winn verpraßt ist." X/' klagte der alte Engelhard, - glücklichen Gewinner ruhig den ragen und morgen wieder fleißig „Das .gt mich jetzt förmlich," klagte der Commerz' n gerade jetzt die Leute nicht entbehren, um gro erführen zu können. Ich werde mit voller f n und gleich jetzt den Arbeitern erklären, daß welche jetzt ohne Kündigung ihre Arbeit verl .cht mehr angenommen werden. Vielleicht w- ,i Vielen." n Wenigen, die vernünftig sind, wird es helfen," u. Engelhard, „aber bei der großen Mehrzahl hilft die Drohung nichts, denn Denen sitzt, seit sie den Lotteriegewinn haben, der Teufel im Nacken. Bedenken Sie doch, Herr Commerzienrath, jeder der gewinnenden Arbeiter besitzt jetzt mehr als dreitausend Mark Vermögen I Das ist ja für Alle eine Summe, die sie früher nie im Besitze hatten. Dazu kommt, daß die Meisten von ihnen nach schönen, guten Tagen ohne Arbeit und mit viel Vergnügen in Folge einer verkehrten Auffassung der Dinge förmlich lechzen. Auch werden ein großer Theil der übrigen Arbeiter, welche gar nicht an dem Lotterie« gewinn betheiligt sind, auch mit feiern, denn es ist ja für morgen bereits ein großes Arbeiterfest geplant. Das Geld muß doch umgesetzt werden und die meisten Arbeiter werden nicht eher wieder in den Werkstätten erscheinen, als bis sie die letzte Mark von dem Lotteriegewinn ausgegeben haben." «Trotzdem bleibt es bei der Maßregel," erklärte der Commerzienrath, „und jeder meiner Arbeiter, der heute ohne Kündigung die Fabrik verläßt, wird später nicht mehr ausgenommen. Sie die Aufseher herbei, damit sie diesen Beschluß den rn gleich mittheilen." Der al" .Hard eilte davon und holte die Aufseher herbei. Abe: ese den Arbeitern die Willensmeinung des Fabrikherrn igen wollten, hatten die meisten der letzteren bereits jubel schreiend und wie von einer unsichtbaren Macht fortgeriffen, die Malten'sche Fabrik verlassen. Nur ein kleiner Theil hörte die Maßregel noch und nahm sie mit Lachen und höhnischen Zurufen auf. Die ganze Fabrik stand plötzlich still und der Commerzienrath rang verzweifelt die Hände. Der Gewinn des großen Looses seitens der Arbeiter war für den Fabrikherrn ein wahres Unglück geworden, und da sein Haupt schon mit großen Sorgen erfüllt war und sein schlimmster Gläubiger der Bankier Buchhold unter den jetzigen Umständen wohl keine Nachsicht mehr übte, so sah Malten unvermeidlich seinen Bankerott herannahen. Tief gebeugt, verließ der unglückliche Mann endlich sein Contor und seine inzwischen zurückgekommenen Beamten sahen ihm kopfschüttelnd und theilnehmend nach, denn sie wußten alle, daß die plötzliche Arbeitseinstellung der Arbeiter den Fabrikherrn in schwere Verlegenheiten bringen mußte. Als der Commerzienrath über den Fabrikhof schritt, traten ihm plötzlich elf ältere Arbeiter unter der Führung Engelhard» entgegen und zogen höflich die Mützen. „Wir elf sind die einzigen Leute, welche die Arbeit nicht nWerlegen wollen," sagte Engelhard treuherzig, „und wir hoffen, daß es uns gelingen wird, bald die genügende Anzahl Arbeiter wieder anzustellen." Commerzienraths Mundwinkel zuckte ein weh« muthiges Lächeln und er sagte dann so weich, wie ihn die Arbeiter noch nie hatten reden hören: „Sehr brav, sehr brav E JhnenI Arbeiten Sie, so gut es unter den jetzigen Ver« hältmffen geht, weiter." Grüßend wollte er weiter gehen,' aber da rief Engelhard: „Noch eine Bitte, Herr CommerzienrathI Wir elf Arbeiter haben auch mit das große Loos gewonnen und wollen den Gewinn bis auf einige hundert Mark, welche wir unseren Frauen geben wollen, Ihnen übergeben. Das Geld kann ja in der Fabrik mit angelegt werden und Sie geben uns jeden einen Schuldschein und nach Jahresfrist die üblichen Zinsen." . Erstaunt blickte Malten den alten Engelhard an und dann ihm die Hand bietend, sagte er: „Sehr gern würde ich Ihnen und Ihren Freunden den Gefallen thun, und Ihr Geld mit guten Zinsen in der Fabrik anlegen, aber ich kann Ihnen diesen Wunsch nicht erfüllen, denn es kann leicht der Fall eintreten, daß ich die Fabrik verkaufe und da will ich nicht erst noch Geldsummen aufnehmen. Wenden Sie sich an meinen Ober« buchhalter Herrn Henze, der wird Ihnen rathen, wie Sie Ihren Gewinn gut und sicher anlegen können." Gesenkten Hauptes ging der Commerzienrath daraus davon und der alte Engelhard sagte zu seinen Kameraden: „Unser Herr hat jetzt viele Sorgen und Herzeleid. Im Geschäft hat er großes Unglück und der einzige brave Sohn hat ihn wegen einer unglücklichen Liebesgeschichte verlaffen. Ich habe es Euch ja immer gesagt, daß das Glück nicht immer nur bei den Vornehmen und Reichen zu finden ist, wie viele Arbeiter thörichter Weise meinen." ♦ * ♦ Am anderen Tage hielt der Arbeiter-Verein „Concordia" ein großes Volksfest in einem Vergnügungsetabliffement außerhalb der Stadt ab, und es ging dabei so hoch her, wie es bei einem Arbeiterfeste wohl noch nie der Fall gewesen war. Die Arbeiter und ihre Frauen und Kinder hatten sich alle neue Festkleider in feinen Stoffen gekauft, mit Musik zogen sie nebst vielen geladenen Freunden aus und es wurde in Saus und Braus gelebt. Bier genügte an diesem Tage vielen Arbeitern nicht zum Getränk, sondern die meisten tranken Wein und Champagner. Es sah in dem Etabliffement, wo das Arbeiterfest stattfand aus, als wäre das berühmte Schlaraffenland zur Wirklichkeit geworden. In der Malten'schen Maschinenfabrik standen aber die meisten Betriebe still, und der Commerzienrath schlich sich still und bleich gegen Abend in das Haus des Bankiers Buchhold, um mit diesem seinem größten und gefährlichsten Gläubiger zu unterhandeln und eine plötzliche Katastrophe von seinen Unternehmungen fern zu halten. Das Resultat dieser Verhandlungen war, daß der Commerzienrath Malten sein sämmtliches bewegliches und unbewegliches Vermögen an Buchhold verpfändete, und von diesem dadurch auf ein Jahr Zahlungsfrist für seine Forderung erhielt. Mühselig arbeitete der Commerzienrath in seiner Fabrik dann weiter, denn fast vier Wochen lang fehlte es ihm an den nöthigen Arbeitern. Die meisten der neu angenommenen Arbeiter waren nicht genug geschult, um viel zu leisten, und die Fabrik erlitt große Verluste. ♦ ♦ ♦ Ueber Ludwigs Arbeit und Mühen in den Angelegenheiten seines künftigen Schwiegervaters hatte inzwischen ein glücklicher Stern gewaltet. Die Gebirgsdörfer hatten das Angebot betreffend die Sammlung und Weiterleitung des Wassers der Rehberge unter der Bedingung, daß sie eine Wasserkraft für eine Mühle bekamen, gern angenommen und hatten den Grund und Boden für den auszugrabenden Gebirgsbach ohne weitere Geldentschädigung abgetreten. Mit den geschickten Bergleuten und noch fünfzig anderen Arbeitern hatte Ludwig das Bett des Baches in fünfzig Wochen hergestellt und dadurch eine dauernde starke Wasserkraft gewonnen. Das Bergwerk war vergrößert worden und förderte jetzt bedeutend mehr Kohlen als früher, und dabei war die von den Gläubigern Hülse« mann's bewilligte Vorschußsumme nur zu zwei Dritteln verbraucht worden. Das Bergwerk war jetzt noch viel mehr werth, als vor dem verhängnißvollen Schachtsturze, und keiner der Gläubiger Hülsemann's drang mehr auf sein Geld, sondern sie boten Hülsemann, und Ludwig noch mehr Geld an, falls solches zu weiteren Vergrößerungen des Bergwerks gebraucht werde. Die ganze Stadt und Umgegend war von dem Lobe Ludwig Waltens erfüllt, dessen muthiges Eintreten ein ganzes Bergwerk und Hunderten von Bergleuten das Brod gerettet habe. Dieses Lob drang natürlich auch zu des Commerzien- — M - rathr Ohren, und da konnte er die nie verstechte Liebe zu dem wackeren Sohne nicht mehr im Herzen unterdrücken, er fuhr am anderen Vormittage nach Hülsernann's Landhause, versöhnte sich dort mit Ludwig und schloß besten Braut in seine Arme. Vier Wochen später fand die glänzende Hochzeit Ludwigs und Käthchens statt, wobei auch den Beamten und Bergleuten der Felix-Grube von Ludwig Malten ein Fest gegeben wurde, denn Ludwig Malten war jetzt der alleinige Besitzer der Felix- Grube, da der alte Herr Hülsemann am Tage vor der Hochzeit seinen Schwiegersohn als Besitzer des Bergwerks gerichtlich hatte eintragen lasten, obwohl Ludwig sich dagegen gesträubt hatte. Nur einer stand jetzt grollend fern, das war der verschlagene Bankier Buchhold, den der Commerzienrath Malten dadurch befriedigt hatte, daß unter der Mitwirkung Ludwigs und seiner einflußreichen Freunde die Malten'sche Maschinenfabrik in eine Art Aktien-Unternehmen verwandelt war, wobei der Commerzienrath einen ansehnlichen Theil seines ehemals großen Vermögens rettete. Gemeinnütziges* Um bei wollenen Strümpfen das Einlaufen zu verhüten, weite und dehne man ste vor dem Trocknen so viel als nöthig ist. ♦ * • Wäsche zu parfümiren. Es ist gebräuchlich, mit getrockneten Lavendelblüthen oder mit anderem wohlriechenden Material gefüllte Leinwandsäckchen in den Kasten zwischen die Wäsche zu legen. Zu diesem Zwecke stnd auch Rosensäckchen zu empfehlen, denn das Parfüm, welches diese dem Weißzeug mittheilen, ist ungemein lieblich. Die Herstellung ist sehr einfach: man mischt ca. 125 Gramm im Schatten getrockneter pulveristrter Rosenblätter, 24 Gramm Sandelholzspäne, sowie zwei Gramm Rosenöl bei und füllt die Mischung nach Verlauf von fünfzehn Minuten in die dazu bestimmten Leinwandbeutelchen. * * ♦ Risse in Möbeln zu verkitten. Ein Theil zu Mehl verfallener gebrannter Kalk und zwei Theile Roggenmehl werden mit Leinöl zu einem Teige zusammengeknetet und die vorher vom Staube gereinigten Risse damit ausgefüllt. ♦ » Nützlicher Kitt für die Haushaltung. Man nimmt irgend einen alten Käse, schlägt ihn tüchtig in einem Mörser und wäscht ihn hierbei gründlich mit heißem Master. Nachdem die lösliche Materie weggewaschen ist, wird eine weiße Maste von fast ganz reinem Käse übrig bleiben. Diese muß hierauf in einem Tuche ausgequetscht werden, um alle Feuchtigkeit daraus zu entfernen. Getrocknet, wird sie dann zu Pulver verrieben und in einer gut verstopften Flasche aufbewahrt. Will man Gebrauch davon machen, fo wird eine kleine Quantität dieses Pulvers mit sehr wenig Master zerrieben, um einen dicken, zähen Teig davon herzustellen, der sofort gebraucht werden muß, da er schnell hart wird. Man mischt daher nur gerade so viel, als man braucht, denn wenn der Kitt einmal hart geworden ist, läßt er sich nicht mehr auflösen. Er wird weder von Master noch von Hitze ungegriffen. * * # Blurnenkohlsalat. Der Blumenkohl wird in Stücke geschnitten, rein abgeputzt, gewaschen und mit siedendem Master und Salz an das Feuer gesetzt; wenn er weich ist, gießt man das Master ab und läßt ihn erkalten. Dann legt man ihn zierlich in die Salatschüssel und gießt Weinessig mit Provenceröl, Salz und Pfeffer darüber. vermischtes. Ermahnung an die Herren Einjährigen. Oberst: „Hüten Sie sich vor den sogenannten noblen Passionen. Mancher hat sich dadurch vorzeitig zu Grunde gerichtet, daß er als Cadett Schulden machte wie ein Stabsoffizier I" ♦ * Unerwartet- Professor: „Meyer, die letzte Arbeit können Sie unmöglich allein gemacht haben. Sagen Sie mir einmal, mit westen Kalbe Sie gepflügt haben." — Meyer: „Ihr Sohn hat mir geholfen." » * Gewichtigste Bestätigung. Rath (auf dem Juristenball): „Selten hübscher Abend heute, nicht wahr, Herr Astestor?" — „Allerdings, Excellenz! Eines so gelungenen Ballfestes können sich selbst — die ältesten Astestoren nicht entsinnen." ♦ * Ein Bettler macht in seinen alten Tagen eine ansehnliche Erbschaft. Als er hiervon gerichtlich verständigt wird, ruft er freudig aus: „Jetzt bettle ich nur noch um Thaler!" Literarisches Pierers Conversations «Lexikon. Siebente Auflage. Herausgegeben von Joseph Kürschner. Mit Universal-Sprachen- Lexikon nach Prof. Joseph Kürschners System. Zwölfter Band. Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 1893. Was wir in unserer letzten Besprechung in Nr. 14 dieser Blätter vom 2. Februar 1893 in baldige Aussicht stellten, ist seit kurzem erfolgt. Mit dem vorliegenden Band hat das im Jahre 1888 unter mancherlei Schwierigkeiten in’ä Leben getretene Unternehmen dem damals aufgestellten Programm gemäß seinen Abschluß gefunden, so daß nunmehr eine vollständige und bequeme Benutzung deS ganzen Werkes möglich ist. lieber Charakter und Werth desselben im Allgemeinen und Besonderen haben wir uns in den „Familienblättern" schon so vielfältig ausgesprochen, so daß wir bei dieser Schluß abtheilung, die ja in Bezug auf Ton und Behandlung des Materials den früheren selbstverständlich vollkommen gleich ist, nichts hinzuzusetzen finden, sondern unser empfehlendes Gesammturtheil, daß das Pierer'sche Conversations- lexikon in seiner neuesten Gestalt wegen seiner großartigen Stofffülle in gedrängter Form und der eigenartigen, zweckmäßigen Verbindung des sprachlichen Elements mit dem sachlichen neben den größeren Nachschlagebüchern der Gegenwart einen hohen Rang beanspruchen darf, nur wiederholen müßten. Band XII umfaßt 1670 Halbfetten, beginnt mit dem Worte Symmachie und endigt bei Zz (der im Mittelalter gebräuchlichen Bezeichnung der Aerzte für Ingwer, Zingiber), während das Sprachenlexikon am Rande ein das ganze Alphabet umfassendes Wörter- verzeichniß der russischen Sprache bietet. Neben der unübersehlichen Fülle kürzerer Artikel und der großen Menge von deutschen Wörtern im Text, bereit Uebersetzung in zwölf Sprachen angegeben wird, finden sich ausführlichere Erörterungen über: Syrien, Tabak, Takelage, Taue, Taube, Telegraph (mit vier Erläuterungstafeln), Theater, Thee, Thermometer, Thonwaaren, Thorwaldsen, Thüringen, Tieck, Tiefseeforschung,' Tinte, Tintenschnecke, Tirol, Tod, Tollwuth, Tonmaß, Torf, Torpedo, Triasformation, Trient, Tschechische Literatur und Sprache, Türkische Literatur und Sprache, Türkisches Reich (S. 454—467), Tunnel, Turnkunst, Typhus, Uhr, Unfallversicherung, Ungarische Literatur, Ungarn (S. 565—579), Universität, Uruguay, Venedig, Venezuela, Vereinigte Staaten von Amerika (S. 724- 738), Viehzucht, Vögel, Volksschule, Voltaire, Voß (I. §.), Vulkan, Wärme, Waldeck, Wallenstein, Warschau, Wasser, Wasserrad, Weben (Webstuhl), Wechsel, Wein, Weinstock, Westfalen, Wetter, Wettrennen, Wieland, Wien (S.1237—1251), Wilhelm (Fürsten dieses Namens), Wind, Wohnhaus, Wolle, Worms, Württemberg (S. 1405 bis 1415), Würzburg, Zähne, Zahnheilkunde, Zeitungen, Zeitschriften, Zelle, Zend, Zeus, Zivilprozeß, Zölle, Zoologie, Zoolog. Gärten, Zoroaster, Zucker, Zürich, Zwerg. Dazu bemerken wir außerdem, daß das Verständniß des Textes durch 50 schwarze und 2 buntfarbige Illustrationen, sowie 2 Karten unterstützt wird. Das Angeführte. läßt erkennen, daß dieser letzte Band noch durch besondere Reichhaltigkeit sich auszeichnet. Manchem Artikel in demselben mußte wohl nur deshalb eine so kurze, gedrängte Faffung gegeben werden, weil der im Voraus für das Ganze in Aussicht genommene Raum nicht überlchritien werden konnte. Wir wünschen schließlich, daß das mit viel Mühe, Sorgfalt und Kostenaufwand hergestellte werthvolle Werk recht viele befriedigte Benutzer finde. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Nr. 6 Uni In Ausstellu allsominei tigen grii sich für i den, star Kühle hc um so tu Publikum stellung t Eintritts, Ein Werner