Uirterchaltirrrgsblsrtt jum Gretzenev Anzeigev (Gsneval-Anzeigev) Nr. 38 1863. ^'^WK MLZM M^AS^ö<««8 .-I >'■ mt* • -'>-; : gg m "i; ’ >i* -^4'-,txrir> fl( --'l taVlllrK1*-'^ V^yL. =£' *- - 'S Donnerstag, den 30. März. Tante Hannas Geheimniß. Original-Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung). „Ja, wenn, mein Lieber!" rief Reinhardt, laut lachend. „Wenn Armgard Holten zu der Sorte dieser Elsas gehörte! — Aber dergleichen ist bei ihr undenkbar, eine Ortrud fände bei ihr keinen fruchtbaren Boden. — Uebrigens," setzte er ernst hinzu, „ist Ihr Verdacht auch im Grunde so ungeheuerlich, daß derselbe, wie ich fürchte, Ihrer Abneigung gegen Stein» dorf zumeist wohl entspringt. Nehmen Sie sich in Ächt, lieber Marbach, mit solchen Gedanken ist nicht zu scherzen." „Mögen recht haben, alter Freund," sagte der junge Mann mit einem kräftigen Händedruck, „ich fühle starke Abneigung gegen jenen Mann, das ist wahr, habe aber auch die lieber» zeugung, daß er mein Todfeind ist und mich herzlich gern aus dem Wege räumen möchte, falls er damit sein väterliches Gut wieder gewinnen könnte. Wiflen Sie es schon, daß Fräulein Holten plötzlich erkrankt ist?" „Nein, — das sagen Sie mir jetzt erst?" „Ich erfuhr es zufällig durch meinen Verwalter. Der Arzt fürchtet ein Nervenfieber, jetzt wird sich Steindorf der Herrschaft dort wohl bemächtigen. Nun, was kümmert's mich, vorerst wird die Hochzeit doch nicht stattfinden können oder er müßte sich mit ihr auf dem Krankenbette trauen lassen, da sie ihm, wie alle Welt glaubt, eine derartige Genugthuung des tobten Kindes halber nun einmal schuldig sein soll. Ist das auch Ihre Meinung, bester Freund?" Reinhardt legte dem Erregten die Hand auf die Schulter und sah ihm besorgt in die Augen- „Scheinen meiner Treu auch zu fiebern, lieber Junge!" sagte er theilnehmend. „Die teuflische Geschichte bringt ja das solideste Gehirn aus Rand und Band. Nun lassen Sie sich mal etwas sagen, Marbach! — Wenn Armgard Holten so bodenlos characterschwach sein sollte, diesen Steindorf zu hei» rathen, dann hat sie ihr Schicksal verdient, denn des Menschen Character ist sein Schicksal und umgekehrt. Was mich nun anbetrifft, so glaube ich nicht daran, sondern halte sie für ein eonsequentes Frauenzimmer, das wohl augenblicklich unter so aufregenden Umständen den Kopf verlieren kann, ihn aber auch zur rechten Stunde wiederfinden wird. Einstweilen ist sie unter der Obhut des Doctor Peters und der alten Mamsell Evers, und diese beiden werden den Patron wohl von ihrem Krankenzimmer fern zu halten wissen." Marbachs Gesicht hatte sich bei diesen Worten des Malers erhellt, er drückte ihm stumm die Hand und fragte nach einer Weile: „Wie mag es der alten Tante Hanna ergehen?" „Na, die Aerzte hoffen sie am Leben zu erhalten, wollen sie aber, wenn ihr Zustand es erlaubt, in's Krankenhaus bringen lassen, um sie genauer beobachten und vielleicht noch einer Operation unterziehen zu können. Schade, daß sich das Gehirn der Alten verschoben hat, ich glaube, die Aerzte haben Lust, mal hineinzuschauen." „Das wäre ja barbarisch bei dem hohen Alter der Greisin," rief Marbach entsetzt, „eine Trepanation jedenfalls gleichbedeutend mit dem Tod!" Reinhardt zuckte die Achseln. „Ist die Unglückliche denn nicht lebendig tobt? Würbe sie selber, wenn sie von ihrem Zustanbe eine kurze Ahnung haben könnte, nicht selber auf eine solche Operation brängen? Ich halte biesen allerletzten Versuch sogar für geboten. Unb nun kommen Sie, junger Mann, ich habe bie größte Lust, einen Spaziergang durch Ihre Felder in Ihrer Gesellschaft zu machen und mir bei dieser Gelegenheit auch die Mordstätte anzusehen." Sie hatten bereits ein gutes Frühstück zu sich genommen und verließen das hübsche Herrenhaus. „Wollen wir nicht lieber reiten?" fragte Marbach. „Es ist ein tüchtiges Ende bis nach der Schlucht." „Nein, ich bin ein schlechter Reiter, aber ein famoser Fußgänger, und der Weg thut Ihnen augenblicklich auch gewiß gut." „Meinetwegen," sagte Marbach, und Beide schritten nun tüchtig aus. Das Wetter war köstlich, die Sonne stand hoch am dunkelblauen Firmament. Alles grünte und duftete ringsum in der Natur. Nach einer Stunde schon hatten sie auf geradem Wege den Hohlweg erreicht. Sie standen an der Krümmung, wo das blutige Drama so schnell und überraschend sich abgespielt. „Hier also war's," sprach Reinhardt mit gedämpfter Stimme. „Ja, hier ging ich mit Fräulein Holten, dort stand der Wagen, vor welchem mein Freund mit dem Kinde plauderte, gerade vor'm Schuß, wie Sie zugeben müssen." Er deutete dabei nach der waldigen Höhe hinauf. „Dieser Hohlweg ist aber auch für solche Ueherfälle wie geschaffen," meinte der Maler, „so ein Schinderhannes, der ein sicheres Auge und eine feste Hand besitzt, findet dort oben ein prächtiges Versteck und kann ungehindert wegknallen, was ihm beliebt. Zum Henker, das erweckt doch ein verdammt gruseliges Gefühl in Einem, wenn man hier urplötzlich so unversehens weggeputzt würde." - 150 - ?"^Marbach griff so hastig darnach, daß er einige Schritte zurückrutschte und sich an einem Busch sesthalten mußte. „Da haben wir die Gewißheit," sagte er triumphirend, „kommen Sie rasch, bester Freund, daß wir die Höhe und da° mit den sicheren Boden erreichen, dann sollen Sie Werteres hören." , t c , Sie stiegen jetzt schweigend hinauf und standen endtrch aus einer breiten Felsplatte. welche sich nach beiden Seiten hin in Wlld und Gestrüpp verlor, durch welchen mehrere Fußwege liefen. . „Dieser Knopf mit dem Monogramm W. P- gehört zu einem gleichen, den Fräulern Holten auf der Brandstätte oder vielmehr in dem Garten der alten Tante Hanna gesunden hat. Mein Freund Warneck besaß ein ganz ähnliches Paar mit dem eigenen Moimaramm und erklärte, daß diese Knöpfe bei einem Juwelier in Chicago gekauft wären." „W P, also „William Prien, stimmt famos, rote?" „Dann wäre dieser Mensch auch an Tante Hannas Geschick beteiligt?" rief Reinhardt kopfschüttelnd. „Das schießt aber doch wodl über'- Ziel hinaus." Marbach schwieg einen Augenblick unschlüssig. „Der Schurke rängt allerdings mit dem tragischen Geschick jener Bedauernrwerthm eng zusammen," versetzte er end- sich zögernd. „Ich habe freilich mein Wort gegeben die Sache geheim zu halten, kann Ihnen gegenüber aber eine Ausnahme machen, weil Sie bei der Durchsuchung des Möbels zugeM waren, somit halb und halb zu den Eingeweihten gehören. Es wurde doch von meinem Freunde zuerst das Wort „Raubmord ausgesprochen." , ., . „ „Ja, ja, ich weiß, — hilf, Himmel, mm wird's mir klar, . 4 M •* «* b—° M°r-1L oeinin’m- « . m e:tter lener Unthier denn noch nicht genug an dem amerikanischen Raube?" ßWWZVW^- sWZMWWW wd ungeWg kannte er die alte Tauft Sanna unb b» Sauere ihre« Sanft«? „Thn würbe sich in Lobe entsetzen, wenn bie Marlen plStzsich Wie konnte er wissen, m welchem Medel sie ihr Gel qelüstet würben. Trotz allebem aber fühle nach ich pldtzltch wahrte? NLawlickkeiten müssen die Diebe in-'anwidetsiehsiche Lnsi in mir einmal wftber jene Sdhe» -n «^Kerem b^S- bSi. Sanna« Äsr« Ksag&Jgg eä »x - sp r. ” ,Bah, da« Mt nne »on unten !° an«, - sind S,e den. S-I-nU roleb„ mb der Maler folgte ihm fchwel. ’ .Äer’Ä al« ich noch wie eine Gemse IleM» Beni., juweta Wnfce Blicke nmherwerftnd, al« fürchte er aber - na - »erfachen wir’« noch mal, e« tau nicht etwa« WSeuetM««^ Mtr Meinhardt l- bat "*S»weLtd siftgm Lide bergan, Morbach mit ftsiemFasi Marbach, nachdem sie.eine.Iw ms s sä ää s. ’s gs e» ^'8e hätten bÄcheUdhe schon erreicht, al« der Maler «temltch Reil mb ui» gao, Mgesührsich. we-halb ,4 hier ersi 2»»» ÄÄÄT-ÄI * Ja, es ist eine veitrackte Arbeit," erwiderte Marbach, , aber es führt nun einmal kein anderer Weg nach Küßnacht. Er rang sich glücklich durch, wenn auch mit einigen Riffen au den Händen, wobei ihm der Einfall, seine Jagdmütze aus- gesetzt zu haben, jcht trefflich zu statten kam. „Aha, hier wird er gestanden haben, sagte er halblaut, als er eines freiliegenden Felssteins ansichtig wurde, der für den Auslug in's Thal, sowie für einen Schützen auf den An- stand wie geschaffen schien. „Daß die Polizei sich diesen Platz noch nicht in Augenschein —" m ,n.„ Er brach erschreckt ab und stieß einen Ausruf höchster Ueberraschung aus, als sein Blick auf einen Mann fiel, der, den linken Arm um eine Fichte geschlungen, ihn ruhig ans ah. „Guten Tag, Herr Marbach!" sagte derselve letzt mit einer tiefen, gemüthlichen Baßstimme. „Wollen Sie sich auch mal diesen Schützenplatz ansehen? Kann mir denken, daß er für Sie doppelt interessant ist, weil Sie sozusagen dlrect dabei be- ^^Marbach "sah den Mann, der ihn so vertraulich anredete, mißtrauisch an. Er war eine untersetzte behäbige Gestalt nut treuherzigen Zügen, kaum vierzig Jahre alt. „Sie kennen mich?" fragte er langsam. „O freilich, wer sollte den neuen Besitzer von Rotenhof nicht kennen? — Ich bin meines Zeichens ein Maurer-Polier und räumte die Trümmer von Tante Hannas Haus nut auf, wobei ich mir die rechte Hand verletzt habe. Da ich nun docy nicht arbeiten kann, fo bin ich hier herausgebummelt, um nur das Jagdrevier des Freischützen anzusehen." „Ach so," erwiderte Marbach beruhigt, „haben Sre beim Aufräumen der Trümmer noch etwas gefunden?" , „Rein, der Blitz hat Alles verzehrt. — Aber hier mutz bet Musje Freischütz doch wohl gestanden haben, Herr Marbach!" „Gewiß, man sieht es an dem geknickten Buschwerk. Oder rührt es vielleicht von Ihnen her?" „Na, mag wohl auch etwas abgebrochen haben, der Weg war aber schon gebahnt. Möchf die Canaille wohl kennen " „Ich ebenfalls," sagte Marbach, sich forschend vorbeugend und in die Tiefe blickend, „der Kerl hat ein sicheres Auge und eine vortreffliche Waffe gehabt. Es heißt was, bis dort hin- unter einen solchen mörderischen Treffer zu machen. Wenn er nur hier eine Spur hinterlasien hätte." „Glauben Sie denn, wir sind die ersten hier gewesen, Herr Marbach? — Unsere Criminalpolizei ist ganz vortrefflich, ich kenne einen Geheimen, der in Berlin am Platze wäre, aber sein Commiffar läßt ihn nicht locker. Na, der wird hier längst schon oben gewesen sein, und wenn der Mordgeselle sich nicht bei Zeiten unsichtbar gemacht hat, dann packt er ihn, darauf können Sie sich verlaffen. Er ist auch der Mann, ihn nach Amerika zu verfolgen." Marbach blickte ihn überrascht an, hatte der Geheime schon geplaudert? „Meint Ihr Freund vielleicht, daß er über's Meer entfliehen wird?" fragte er rasch. „Ach, das weiß ich nicht, der ist in solchen Dingen stumm wie das Grab. Ich meinte nur so im Allgemeinen." „Wie heißt dieser Geheime?" „Ja, wissen Sie, Herr Marbach," erwiderte der Polier, sich verlegen die Nase reibend, „das darf ich Ihnen nicht sagen. Ich kriegte es so per Zufall heraus und mußte ihm die Hand darauf geben, es nicht zu verrathen." „Das ist etwas Anderes," sagte Marbach, „sein Wort muß man unter allen Umständen halten." Er nickte ihm freundlich zu und schickte sich an, den Rückweg anzutreten. „Na, dann will ich auch man gehen," sagte der Polier, „hier oben über'n Berg geniert Sie meine Gesellschaft wohl nicht, Herr Marbach?" „Nein, mein Lieber, auch nicht unten im Thal, weshalb sollte denn Ihre Begleitung mich genieren?" Sie drängten sich jetzt durch das Buschwerk wieder hinauf, wo Reinhardt ungeduldig hin und her lief. „Wen bringen Sie denn da, Marbach? Zum Henker, das ist ja der Polier Schulze! — Was haben Sie da unten gemacht?" „Herrje, was sollt' ich wohl da unten gemacht haben, Herr Reinhardt!" meinte der Maurer mit einem breiten Lachen- „Wollt' nur mal sehen, wo der famose Freischütz gestanden hat, und ob die böse Geschichte nicht vielleicht doch nur ein unglückliches Versehen gewesen ist. Ich weiß, daß sich schon mancher Sonntagsjäger hier oben verirrt und nach Wild ausgeschaut hat. Dachte einen Rehbock zu schießen und traf seinen eigenen Hund. Es ist wirklich und wahr passirt- So traf ich hier am ersten Pfingstmorgen just an dieser Stelle hier den Herrn Steindorf, wissen Sie, der jetzt eben aus Amerika zurückgekehrt ist und sich damals, es mögen wohl schon an die zehn Jahre her sein, zwei schöne Güter verscherzt hat, nämlich Rotenhof, was das Ihrige nun ja ist, Herr Marbach und vordem feinem Vater gehörte, und das schöne Ebenheim mit sammt der hübschen Braut. Na, ich war doch Geselle und arbeitete just damals an einem neuen Stallgebäude in Ebenheim, kannte auch die junge Dame, mit welcher er auf und davon ging und fein schönes Erbe und seine armen, alten Eltern im Stich ließ. Aber so viel ist gewiß, sie war nicht halb so hübsch wie Fräulein Holten, mein Geschmack wär' die nicht gewesen, — aber die Geschmäcke sind nun einmal verschieden, was, Herr Reinhardt?" Reinhardt lachte fröhlich auf. „Das versteht sich, Schulze, wär' ja auch sonst ein Unglück für die Menschheit. — Also Herr Steindorf wollt' sich hier wohl sein Rotenhof betrachten?" „Ja, da» mochte wohl so sein, ich kannt' ihn gleich wieder und er war auch ganz nett, gar nicht stolz, fing von selbst an, mit mir zu sprechen, obschon er sich natürlich von wegen meiner nicht gut erinnern that, was ja auch nichts machte. Er meinte, daß es in Amerika viel schöner wäre, aber daß er doch wahrscheinlich sich hier ankausen wollte —" „Ah!" machte Marbach unwillkürlich. „Lieber Gott, ob er nun noch die Lust dazu hat, nachdem sein kleines Mädchen tobt ist, wird denn wohl die Frage sein," meinte Schulze. „Ich gab ihm so um den Busch herum zu verstehen, daß Fräulein Holten ja noch ledig wär' und Ebenheim jetzt noch besser im Stande sein sollt' als früher. Na, da sah er mich groß an und sagte, daß er ja dazumal noch ein rechter Kinderkopf gewesen wär', der sein Glück mit Füßen von sich gestoßen hätt' und so dergleichen. Ei, sagte ich dann ganz dreist zu ihm, Sie finb ja doch ein verflucht hübscher Herr und alte Liebe rostet nicht." „Hätt' Sie nie für einen Kuppler gehalten, Schulze!" polterte der Maler ihm zornig jetzt dazwischen- „Wollten sich wohl den Pelz dabei verdienen." Der Polier lachte verlegen. „Nee, nee, Herr Reinhardt, zu solcher Sorte gehöre ich nicht und kommt ja auch gar nichts auf meinen Schnack an- Aber das muß wahr fein, daß Herr Steindorf ein forscher Kerl ist und daß er sich drüben mit den Indianern höllisch herumgeschlagen hat-" Marbach, welcher einige Schritte voran gegangen war, wandte sich hastig um. „Woher wissen Sie denn das?" fragte er, ihn forschend anblickend. „Na, es war merkwürdig genug, und er wollte es auch durchaus nicht wahr haben, aber gesehen hab' ich's doch ganz genau. Sehen Sie, meine Herren, wir gingen hier quer durch, weil Herr Steindorf einen Platz aufsuchsn wollte, wo er als Knabe" viel herum gespielt hatte, wie er sagte Da kamen wir an die Tannen, die drüben wieder recht dicht stehen und wie er mit seinem seinen Zeug hindurch will, bleibt ihm der Hut hängen. Ich greife darnach, er auch und dabei kommt sein Bart in Carambolage mit den Tannenstacheln. Er kam ordentlich in Wuth und Ängst, ich aber meinte, nur immer ruhig Blut, junger Herr, und mach' ihm sachte den Kinnbart los. Dabei sah ich etwas Rothes und glaubte, daß er sich schon blutig gerissen hätte, — aber es war oder schien nur eine Narbe zu sein, was er sicherlich bei den Rolhhäuten sich weggeholt hat. Ich sagte es ihm auch dreiste weg, weil ich das doch für keine Schande hielt- Da kam ich aber schön an, glaubte wahrhaftig, er wollte mir an den Kopf springen. Sagte, das sei dummes Zeug» er habe sich beim Rasiren geschnitten, ich sollte dergleichen Schnickschnack nicht herumtragen- Wissen Sie, meine Herren," setzte er pfiffig blinzelnd hinzu, „er war immer auf seine Schönheit eitel, und das hat sich auch noch immer nicht gegeben." (Fortsetzung folgt) Wichen und Schaden der Eulen. Die Eulen gehören mit einigen Ausnahmen zu den Nacht- raübvögeln, und da sie allgemein bekannt sind, so habe ich wohl nicht nöthig, dieselben einer specielleren Beschreibung zu unterziehen, und ich will daher nur einige allgemeine Eigenschaften, die sie bei den Menschen mit Unrecht verhaßt machen, voranschicken. Es muß zugegeben werden, daß alle Eulen ein höchst sonderbares Aussehen haben; einen dicken, katzenähnlichen Kopf, große grosse, nach vornen stehende Augen, das Gefieder geht fast bis über den Schnabel, überdeckt die Beine bis zu den Krallen, dazu der stark gekrümmte Schnabel, die fcharfen Krallen und bei einigen die Federbüschel über den Ohren. Zieht man ferner noch in Betracht, das weiche abstehende Gefieder, wodurch sie gleichsam in einen Mantel gehüllt sind, das einsame, lichtscheue Wesen, und daß sie in der Nacht wahrhaft schauerliche Stimmen ertönen lassen, so ist leicht zu begreifen, daß ihr Aussehen und diese» nächtliche Benehmen geeignet ist, 152 - *) S. „Zoologischer Garten", Jahrgang 1871 und 1872. Vernirischtes Hören Sie mal, Berechtigte Eigenthümlichkeit. tf1 sten Kinderstiefel! 4579 Gewölle der Perleule, die aus allen Jahreszeiten gesammelt waren. Er stellte daraus 4794 allerdings nützliche (Fleder- und Spitzmäuse, Maulwürfe, kleine Vögel, Frösche), aber auch 10456 wirklich schädliche Thiere (Mäuse und Ratten, Grillen, Maikäfer u. a.) fest. Ein anderes Beispiel davon, welche Menge von Feldmäusen die Schleiereule in Gebäuden und auf den benachbarten Feldern vertilgt, erzählt der berühmte Ornitholog E. vonHomeyer: „Neben einem Neste der Schleiereule, in welchem sieben Junge stets die hungrigen Schnäbel aufsperrten, befand sich ein Haufen von über dreiviertel Scheffel todter Mäuse, welche die Jungen nicht hatten bewältigen können. Wenn man nun die Gefräßigkeit aller jungen Raubvögel erwägt und dennoch eine so große Menge von Mäusen nicht von den Jungen bewältigt werden konnte, mag man sich ein Bild machen von der Zahl der Mäuse, welche die Alten herbeigeschleppt haben." Aus diesen großen Zahlen, die doch in einem so hohen Grade zu Gunsten der Eulen sprechen, daß deren große Nütz- aber der Nutzen, den sie bringen, ist doch so überwiegend, daß der Schaden, den sie stiften, kaum in Betracht gezogen werden kann. Jeder vernünftige Mensch wird also einsehen, daß die vielfach mißkannten, nur vom Aberglauben gefürchteten Nachteulen in Schutz zu nehmen sind, und wir wollen hoffen, daß die Fälle immer seltener werden, in denen unwissende und unvernünftige Leute jene nützlichen Vögel — allerdings nur zu eigenem Schaden und zu ihrer Schande — an das Hofthor lichen Mäusen und Ratten, einer gemeinen Spitzmaus und nur 3 Vögeln, in 210 Gewöllen des Waldkauzes fand er Reste von einem Hermelin, 48 Mäusen, 296 Wühlmäusen, einem Eichhörnchen, 33 Spitzmäusen, 18 kleinen Vögeln und 48 Käfern, ohne die unzählbaren Maikäfer, in 706 Gewöllen der Schleiereule Reste von 240 Mäusen, 693 Wühlmäusen, 1580 Spitzmäusen, einem Maulwurf und 22 kleinen Vögeln. Martin, iw wv Jie uieieiuen imuci, i der ähnliche Versuche angestellt hat, fand im Kropfe eines Waldman sollte es in unsrer Zeit kauzes 75 Stück große Fichtenraupen. Pfarrer Jäckel*) unter- ja ein unausstehlicher Kerl." — „Das müssen Sie ihm nicht übel nehmen; er war nämlich früher Omnibuskutfcher und da hat er ein gewisses hochfahrendes Wesen angenommen." nagelten. „ ... L, _ , Mögen alle Naturfreunde, soviel sie nur können, die Eulen zu schützen und dahin za wirken suchen, daß sie an allen Orten, namentlich auf Häuser- und Scheunenböden, in Thürmen, unter Dachsparren, ja selbst in Taubenschlägen, wo sie den Tauben durchaus keine Störung verursachen (??), ungestört ihre Wohn- ungen aufschlagen dürfen, und daß man sie überall als nützliche Vögel betrachtet und demgemäß auch behandelt. Gießen, den 22. März 1893. H. Curschmann. Schmeichelhaft. Dame: „Bitte, nehmen Sie Maaß zu einem Paar Stiefel." — Schuhmacher: „Sehr gern, (mißt) Nein, dieser kleine Fuß; wollen Sie denn die Stiefel für W haben?" — Dame: „Nun natürlich." — Schuhmacher: „Unglaublich, wie Sie dann gehen können, es werden ja die rein- dem schreckhaften und oberflächlichen Beobachter Grauen und I lichen Untersuchung untomen unb b£.au|..*5' Ä? (Sntfefeen eimusiößen. unsere deutschen Eulen hauptsächlich Mäuse, Wühlmäuse, mit- Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Die nächste Nr. der „Familienblätter" wird Samstag dem Anzeiger beigelegt. ksntieken einruilöken unsere oeulscyen einen yaupliacyrrcy anauie, ^vuyuuuuir, «>«.« Die Eulen sind'nicht blos auf Europa beschränkt, sondern l unter aber auch Ratten, Maulwürfe und Vögel verzehren. In auch in den übrigen Welttheilen und da in allen Gegenden, t 105 Gewöllen der Waldohreule fand er Ueberreste von 200 schad- in Waldungen, in Feldern, in Gärten, auf hohen Gebirgen, Wüsten, Steppen, Städten, Dörfern, Ruinen u. s. w. verbreitet, und sie verdienen daher mit Recht Weltbürger genannt zu werden. Der weise Schöpfer hat aber doch wohl gewiß nicht diesen Vögeln zur Plage der Menschheit einen so großen Verbreitungskceis angewiesen. Viele Menschen scheinen leider dies anzunehmen, denn die Eulen haben heute noch zahlreiche Feinde unter den Menschen, die sie, wo sie dieselben finden, - «’S NLÄAL1 iSÄrtiWÄ «r nageln. Zwei meiner Freunde haben im vergangenen Sommer ‘ 9^rrM,[e h,e auä allen ^abresrerten ae- auf einem großen Bauernhöfe in der Umgegend von Gießen, dessen Besitzer sich zu den Gebildeten rechnet, mit großer Ent- rüstung ein solch' abscheuliches Schauspiel ansehen müssen. Da wir nun durch genaue Erkundigung erfahren haben, daß diese höchst traurigen Fälle durchaus nicht vereinzelt vorkommen, so dürste es als geboten erscheinen, in Ihrer weitverbreiteten, geschätzten Zeitung auch einmal das wahre, wirkliche Thun und Treiben der Eulen in Erinnerung zu bringen. Daß sie Raubvögel sind, erkennt man deutlich an ihrem Schnabel und ihren Fängen, allein der Raub der deutschen Eulen, mit Ausnahme des gewaltigen Uhu's, besteht doch nur in Mäusen, Wühlmäusen, Ratten, Hamstern, Nachtschmelter- lingen, Raupen, Maikäfern und sonstigem schädlichen Ungeziefer. Wir wollen nicht verschweigen, daß der Uhu, weil er Hasen, junge Rehe, Feld-, Auer- und Birkhühner befehdet, der Jagd großen Schaden zufügt, allein wir müssen dabei doch auch — MStaÄ | ÄM L« mch° MÄM I.M M -uchh-,. y Nach genauen, gewissenhaften Beobachtungen ist ganz be- stimmt festgestellt, daß unsere deutschen Eulen fast nur Jagd auf Mäuse machen, und da diese ihre großen Verheerungen | hauptsächlich in der Nacht bewerkstelligen, so sind es gerade unsere Nachteulen, die diesen überaus schädlichen Nagern die ganze Nacht hindurch scharf zu Leibe gehen, und welch unermeßlich große Anzahl denselben zur Beute fallen, das werde ich noch an Zahlen, die weit besser sprechen als viele Worte, genau nachweisen. Der Körperbau der Eulen ist zu diesem nächtlichen Handwerke vortrefflich eingerichtet; sie haben ein äußerst feines Gehör, in welches das geringste Geräusch eindringt, sie vernehmen das Laufen einer Maus bei der Stille der Nacht, wohl auf 200 Schritte; ihre Augen sind so geschaffen, daß sie auch in der Nacht recht gut sehen können, ihr leiser völlig geräuschloser Flug läßt sie ihrer erspähten Beute ganz nahe kommen, und eine Maus oder eine andere Beute, die sie mit ihren scharfen, spitzen, stark gekrümmten Krallen sogleich durchbohrt, kann an ein Entrinnen nicht mehr denken. Außerdem vertheilen sich die verschiedenen Arten aus Wiesen und Felder, Gärten und Wälder, sodaß also jedem Gebiete ihre nächtliche, nutzbringende Thätigkeit zu Theil wird. Die Eulen besitzen eine große Gewandtheit im Schlingen; wir haben eine Schleiereule gesehen, die vier Mäuse mit Leichtigkeit kurz hintereinander verschwinden ließ. Dieselben verschlucken Mäuse und andere , .....- Thiere von derselben Größe ganz, also mit Knochen, Haut Herr Meier, mit dem Sie mich da vorhin bekannt machten, m und Haaren, und werfen nach der Verdauung, die rasch von 1 -------— statten geht, die nicht verdaulichen Theile in Ballen, Gewölle genannt, wieder aus. Gerade an diesen Gewöllen, die in Menge an ihren Ruhe- und Brüteplätzen, in Gebäuden, in Thürmen und in Höhlen zu finden sind, haben berühmte Naturforscher, durch genaue Untersuchung dieser Gewölle die große Nützlichkeit der Eulen mit Bestimmtheit nachgewiesen. Der rühmlichst bekannte B.Altum, der heute noch, wenn wir nicht irren, als Professor der Zoologie in Eberswalde thätig ist, hat mehrere hundert genannter Gewölle einer gründ-