lH&i G W 189.3. Nr. 127. ______ ________ . Untevbaltungsblatt znm Gieszenev Anzeigsv (Genepal-Rnzetgep) ----UtiÄtL_^«. , -------“~U" " -----------’------- Samstag, den 28. Oktober. Mann hatte ohnehin das Irdische bald ausgenoffen. Was konnte er noch werden? Höchstens Schwiegervater eines soliden Hamburger Geschäftsmannes; und darauf vermochte ich wirk' ich keinen großen Werth zu legen. — Das edle Gefühls Minnie in der Stunde der Gefahr nahe sein zu muffen, trieb mich in die Kajüte hinunter. „O Wuz, Wuz, wie hast Du Dich verändert I" raunte es in meinem Innern- Einerlei! Ich mußte dennoch hinunter und außerdem war es kalt und wmdig oben, und eine eventuelle Stärkung durch Schlaf erschien durch- aus nothmendig, falls die Anstrengungen eines Schiffsbruchs unvermeidlich werden sollten. , Dort unten war es freilich fürchterlich. Zunächst stolperte ich bei der schwachen Beleuchtung über menschliche Gebeine. Dieselben gehörten einer der schwedischen Stewardeffen an, die ihr Lager direct auf dem Fußboden etablirt hatte. Das heißt in sitzender Stellung, mit dem Rücken gegen die Kajütenwand, Kopf und Arme auf einen eingekeilten Seffel gelegt. Vor» sichtig wankte ich an der schwedischen Jungfrau vorbei in s Kajütenrondel, wo ich mir 'ja meine Ruhestatt belegt gehabt hatte. Rechts und links lagen Leute, in denen ich die geknickten Reste der früheren unentwegten Skatspieler erkannte, und in der Nische über mir wälzte sich stöhnend Asmus, der theuerste meiner Jugendfreunde. Ich beschloß, ihn nicht zu stören, warf ihm, da er ohne jede Bedeckung war, mitleidig meinen grauen Staubmantel über und streckte mich still unterhalb seinem Schmerzenslager auf das meinige. Ich schloß die Augen, unablässig in Gefahr, schwebend auf den Fußboden befördert zu werden; aus verschiedenen Gründen kein angenehmer Gedanke. Bald befanden sich meine oberen, bald die unteren Extremitäten höher, als der übrige Körper. Die „Ceres" krachte in allen Fugen ihrer Eingeweide, das Dröhnen der herumschlagenden Schraubenwells schlug jedes- mal schmerzhaft auf mein armes brausendes Hirn- Dazu ringsum ein Aechzen, gleich dem Ringen verdammter Seelen, und doch trotz allen diesen Tönen eine gewiffe furchtbare Stille, ein düsteres Todesschweigen, leichenhaft von verirrten Lichtstrahlen der fernen Hängelampe durchzittert. So etwa mochte es in der Hölle hergehen. ..... . Doch wenn man an den Teufel denkt, so kommt er. In meinen Staubmantel gewickelt, fuhr er auf mich herab Das heißt, die „Ceres" legte sich plötzlich derartig auf die Seite, daß mein lieber Asmus über seine! Schutzleiste weg. geschleudert wurde, auf mich wie em Mehlsack herniederfiel, um dann gegen das Clavier zu rollen. Ich behauptete vermittelst rasch eingestemmter Absätze mein Lager. Asmus aber schien an dem Rollen eitel Vergnügen zu finden, denn als die Ceres" sich nun wieder tief nach vorn neigte, kollerte er über (Fortsetzung.) Nachdem ich meine Haltung als homo sapiens einigermaßen wieder erlangt hatte, starrte ich mit Grauen ob der Macht der entfeffelten Naturgewalt über die mächtige Ostsee. Aus dem Dunkel sah man ein Licht aufblitzen und wieder verschwinden. Wohl ein Leuchtfeuer. Holde Mutter Erde, , du warst also doch noch immer vorhanden I Dieses Bewußtsein schuf mir einen Hoffnungsschimmer. Was hätte ich jetzt darum gegeben, nur der Lampenputzer jenes Thurmes sein zu dürfen! Mir ward es nie klarer, als in diesem Augenblick, daß der Mensch für das Seefahren eigentlich nicht geschaffen ist. O, die guten Leute am Stammtisch im goldenen Löwen zu Tuttlingen ahnten nicht, wie weise sie gehandelt, als sie daheim in dem niemals zu Luftsprüngen geneigten Schwabenländchen verharrten! . , , , ,. Die „Ceres" hatte vorn ein Segel bergesetzt, welches sie besonders zu bedrücken schien- Sie schlug mit ihrem Haupt in die schwarzen Wogen, daß es krachte, und überschüttete sich dann mit fliegendem Schaum. Ihre Maschine quälte sich dabei zum Gotterbarmen. Wenn sie nun explodirte, was dann? Es befand sich nur ein einziger, gespensterhaft aussehender Mann auf der Commandobrücke- Wenn dieser einzige Mann sich nun irrte, was dann? Wie leicht konnten wir auf ein Riff gerathen und das Wasser war dunkel, kalt und vor Allem sehr tief- Scheußlicher Gedanke! Für Freund Karl und mich wäre die Katastrophe vielleicht die gerechte Strafe des Himmels für unseren frevelhasten Leichtsinn gewesen. Was aber hatte ein unschuldiges Wesen wie Fräulein Minnie vollbracht, um ein so grauenvolles Ende verdient zu haben? Merkwürdig, selbst in diesem Augenblick verzweifelter Vorstellungen mußte ich mich an Fräulein Minnie erinnern. Schlechterdings befand sie sich in den unteren Schiffsräumen an gefährdetster Stelle. Hilflos, ohne Besinnung lag sie in ihrer Kammer eingeschlossen. Ich malte mir aus, wie Karl und ich sie retten könnten. Doch Karl auch? Nimmermehr! Ich wollte es allein, ganz allein thun, und wenn es nicht gelänge, allein mit ihr sterben. Mochte Karl sich dann retten, mochte er mit irgend einer anderen lebendigen Millionärstochter glücklich werden, nur nicht mit Minnie — Und was sollte aus dem vermuthlich ebenso hilflosen, alten Herrn Sasse werden? Ich wollte es versuchen, auch ihn vor'm Untergange zu schützen. Wenn es aber nicht gelänge? Du lieber Gott, einmal müssen wir doch Alle sterben! Der alte Eine verhängnißvolle Nordlandsfahrt. Humoristische Novelle von Johannes Wilda. 506 — sämmtliche Hindernisse weiter. Neugierig spähte ich ihin nach. Als er bei der Stewardeß angelangt war, hielt er inne, richtete sich etwas empor und legte dann sein schweres Haupt vertrauensvoll auf die Schulter des apathischen Fräuleins, das keine Regung machte, die sonderbare Bürde abzuwehren. Nun, ich ließ ihn ruhig an seinem Platz, zumal mir im Grunde genommen Alles, was mit mir, meinem Mantel und meinen Mitmenschen noch geschehen konnte, gleichgiltig geworden war. Selbst mein Heroismus für Minnie begann zu verdämmern und darauf passtrte mir das Beste, was mir pafsiren konnte: ich schlief ein. Als ich am nächsten Morgen erwachte, schien die ganze Welt ein einziger, grauenhafter Katzenjammer zu sein. Das Kajütenlicht brannte noch wie eine ewige Lampe, trotzdem der Tag das Schlachtfeld bereits verdrießlich beleuchtete. Um mich her dieselbe Scenerie wie in der Nacht und wahrhaftig! Dort schimmerte auch noch das Kopftuch der Schwedin in der Ecke und traulich daneben wirrte sich der aus dem Staubmantel lugende Haarbusch meines Asmus- Etwas stumpfsinnig stierte ich noch hinüber, als ein Kammervorhang zurückschlug und ein weißes Näschen hervorlugte, welches einige Secunden witternd so verharrte, um dann mit einer gewissen Plötzlichkeit gleich wieder zu verschwinden. Unmittelbar darauf kroch aus der nächsten K immer eine übernächtige, kleine Gestalt heraus. Es war Herr Sasse aus Hamburg. Als er bei der friedlichen Gruppe am Fußboden anlangte, stutzte er sichtlich, setzte seine Brille auf und schien darnach mit einer Gebärde der Entrüstung seinen Weg fortzusetzen. Nun erhob auch ich mich und zog als ähnliche, wenn auch längere Jammergestalt meines Wegs in's Freie. „Asmus, Du! Aufstehen! Hier sitzt Du ja scheußlich unbequem!" Asmus rührte sich nicht, obschon ich ihn bedeutend schüttelte. Dafür erwachte die Stewardeß. Sich aufrichtend, starrte sie mich verstört an. Dann bemerkte sie den süß schlummernden Karl. Einen leisen Schrei ausstoßend, sprang sie empor und flüchtete, ihr Kopftuch zurücklassend, in die Speisekammer. Der Stütze beraubt, neigte sich Karl tief seitwärts. In dieser Stellung verließ ich ihn, um auf dem windigen Verdecke mit Hilfe einer in der Küche erbetenen Blechschale anspruchslos Toilette zu machen. Alle guten Geister loben Gott den Herrn! Das dem Menschengeschlechts grollende Kattegat lag hinter uns und vor uns der Schärengürtel, der den Hafen von Gothenburg beschützt. Die Sonne schien. Die See spielte wie ein Kind. Alles, was bisher spurlos von Bord der „Ceres" verschwunden schien, tauchte wieder hervor: Herr und Fräulein Sasse, mein Freund Asmus und ich selbst, Ingo Döderlein, mich den Genesung spendenden Fesseln einer zweiten Schlafperiode entreißend. Es war herrlich! Sogar die Studenten saßen wieder bei ihrem Skat. Natürlich war kein Mensch seekrank gewesen. Jeder hätte eher zugegeben, schon einmal im Zuchthause gesessen zu haben, als diese Niederlage. Besonders Asmus wollte von nichts wissen. Allerdings besaß er von seinem Abenteuer mit der Stewardeß keine Spur von Erinnerung. Dafür schien der alte Herr Sasse eine solche zu bewahren. Dieser geschätzte Herr nahm mich abermals vertrauensvoll auf die Seite, zeigte mit dem Damen verstohlen nach meinem Busenfreund hinüber, indem er mir zuraunte: „Don Juan, schrecklicher Don Juan!" Ich zuckte die Achseln. Asmus war erkannt. Wozu ihn vertheidigen? Wenn er auch im Banne der Seekrankheit auf die Stewardeß zurollte, war dies doch infolge eines dämonischen Zuges geschehen; sonst hätte er ja ebensogut bei dem Clavier liegen bleiben können. Vielleicht war dieses vielsagende Achselzucken nicht ganz freundlich. Wenigstens empfand ich so in meinem Gewissen, als mir von Seiten Fräulein Minnies, der ich mich theilneh- mend behufs Erkundigung nach ihrem Wohlbefinden genaht hatte, ein sehr übler Empfang bescheert wurde. Ein kurzer Dank, ein niederschmetternder Blick aus den ! blauen Augen und dann wandte sie sich ihrein Nachsteller Asmus zu. Wie undankbar! War ich in der Nacht doch in erster Linie, um die eventuelle Rettung dieses jungen Mädchens be- werkstelltgen zu können, in die scheußliche Kajüte hinabgestiegen! Vergebens zerbrach ich mir den Kopf, weshalb ich Un- fchuldswurm so plötzlich Fräulein Minnies tiefste Ungnade auf mich geladen hatte? Ich stand vor einem Räthfel und zwar vor einem für mich äußerst peinlichen! Dieses Räthsel mußte unbedingt aufgeklärt, es mußte eine offene Aussprache herbeigeführt werden. Jndeffen jeder Annäherungsversuch an das verletzte Fräu- lein mißlang. Mein Jammer glich nicht den fröhlichen Farben der Holzhäuser, an denen wir vorüber glitten, sondern den nackten, grauen Klippen, auf denen jene verstreut lagen. Einsam sah ich die vielen Handelsschiffe, die Holzlagerstätten an mir vorbeiziehen, einsam erblickte ich die mit Dampfern besetzten Quais und die geschlossenen Steinhäuserreihen und Thürme der Stadt dahinter. Wir waren in Gothenburg im fernen Schweden angelangt. Doch ich fühlte mich einsam, unerhört einsam! Meine verehrten Landsleute in Tuttlingen, wenn Sie wissen wollen, wie ein ideales Frühstück schmeckt, dann gehen Sie in's „Hotel Christiana" nach Gothenburg. Ich lasse sonst nichts auf dm „goldenen Löwen" kommen, allein so etwas Vollkommenes an Lachs, Hummern, Krabben, Krebsen u. s. w. bietet er doch nicht im Entferntesten. Der Preis war „phänomenal" billig, wie Freund Karl behauptete, der prahlerisch für mich die Zeche mit beglich und dem Kellner ein Trinkgeld gab, als ob die imaginäre Mineralwasserfabrik Tuttlingen ihm im laufenden Jahre 75 Procent Reingewinn eingetragen habe. Dieser sichtliche Reichthum hinderte indeffen den alten Sasse nicht, Asmus genau so schlecht zu behandeln, wie Minnie es mir gegenüber machte. Zwar war er nicht stumm wie diese, sondern er nahm einfach nur von Asmus völliger Jnteressen- losigkeit an der Zusammensetzung vpn Amylen, Propylen, Butylen und ähnlichem Zeugs absolut keine Notiz. Sowie Asmus Fräulein Minnie etwas Schönes sagen wollte, hagelten gleich wieder eine Reihe unaussprechlicher chemischer Verbindungen dazwischen. Zunächst beschlossen wir nun, die berühmten Trollhättanfälle in Augenschein zu nehmen. Dazu war eine mehrstündige, recht theuere Eisenbahnfahrt nöthig, die uns unter Bewunderung der durch Fels und Birken charakteristischen schwedischen Landschaft leidlich schnell vergingen. Unsere Erwartung war aufs höchste gespannt. Auf ziemlich heißem Wege gelangten wir an die zum Theil von Brettermühlen und anderen Etablissements umgebenen Fälle. Wie die Wasser lustig und gleichzeitig großartig über die Klippen dahergestürzt kamen! Dergleichen hatten wir alle noch nie zuvorgesehen. Sogar Karls Blicke wurden durch Wasserkaskaden zuweilen von Minnie abgelenkt. Zwischen letzerer und mir hatte sich ein frostiger modus vivendi hergestellt. Ich rückte an sie heran, während wir auf den Felsen saßen, die vom schäumenden Gischt benetzt wurden. Der gesegnete Donner des tobenden Wassers ward zum Vermittler eines für dritte Ohren unvernehmbaren Zwie- gefprächs. „Fräulein Sasse, sind Sie mir böse?" So hatte ich noch niemals zuvor zu einem weiblichen Wesen gesprochen. Meine Stimme vibrierte. Ich fühlte dies. Durch meine Bewegung schlug so etwas wie ein erstaunter Stolz über meine Leistung hindurch. Das lustige Fräulein Minnie blieb ganz ernsthaft, ja sie erröthete sogar über und über, und während sie fassungslos auf die tanzenden Wassergebtlde starrte, erwiderte sie leise: „Warum?" „Weil Sie nicht mehr mit mir reden, oder nur so kurz hin-" - 507* — „Ich denke, Ihnen macht es kein Vergnügen, mit mir zu sprechen." , , „Verzeihen Sie, daß ich jemals so dachte! Weiter haben Sie also nichts gegen mich? Ich fühlte förmlich wie mein Inneres emporsprang, gleich den Trollhättawellen, die sich vom Sturm emporrafften- Minnie senkte ihr liebliches Haupt und schwieg. „Weiter nichts, liebes Fräulein?" wiederholte ich, gedämpft aber leidenschaftlich. „Etwas freilich noch; sehr viel sogar!" Die Brandung stürzte in die Tiefe! Und so schleuderten auch diese bitteren Worte mich von dem Gipfel einer in märchenhaftes Azur ragenden Hoffnung jählings hinab. „Was denn?'- forschte ich tonlos. „Das kann ich Ihnen nicht sagen." „O, Sie m ü s s e n mir es sagen! Ich muß mich vertheidigen! Habe ich mich etwa lächerlich gemacht?" Minnie seufzte schmerzlich. „Wenn es nur das wäre!" „Du lieber Himmel, nur das! Welches Verbrechen soll ich denn begangen haben? Was es auch sei, ich bin unschuldig, das schwöre ich Ihnen!" Wieder ein schmerzliches Achselzucken. Das hieß soviel als: „Ich möchte es wohl glauben, aber ich vermag es nicht-" Jetzt mischte sich Asmus, indem er wähnte, wir hätten den Trollhättan angeschwärmt, in unser Gespräch: „Einfach großartig, nicht wahr, Fräulein Minnie? Hier in einer Hütte leben und alle Reichthümer der Welt verachten, das wäre so mein Fall!" „Solo," fragte Minnie, indem sie ihre weißen Zähne zeigte und Asmus einen ihrer schelmisch-freundlichen Blicke zuwarf, die Menschen rasend machen konnten. Der glückliche Karl antwortete mit einem maßlos verliebten Augenaufschlag. „Himmlisch mit Ihnen!" rief er dann ziemlich laut, wohl im Glauben, daß der Trollhättan diese Unverschämtheit für alle Unberufenen überdonnern würde. Hastig erhob Fräulein Minnie sich. Was sie für ein Gesicht machte, konnte ich nicht sehen. Karl folgte ihr auf dem Fuß. Herr Saffe und ich schloffen uns an. Ich fühlte mich sehr geneigt, mitten in den Trollhättan hineinzuspringen, um allen Dummheiten, die in mir tobten, ein Ende zu bereiten. Weiter abwärts säumten Felspartien und schöner Wald die Stromschnellen. Herr Saffe war ganz begeistert von der nordischen Natur. Ich muß mehr davon sehen! „Ich muß auch einmal nach Norwegen!" rief er. „Christiania soll unvergleichlich schön liegen. Meine Tochter und ich werden noch nach Christia- nia fahren! Die Zett wird gerade reichen, um die Rückfahrt mit unserem Dampfer nicht zu verpaffen." „Selbstverständlich! Auf nach Christiania!" schrie Asmus, indem er seinen stark grau gewordenen Filz schwenkte. „Diese Brillantbrosche der Jungfrau Europa zu schauen, bildete von jeher meinen Herzenswunsch!" Herr Saffe zog eine sonderbare Miene, schwieg und blickte mich vielsagend an. Meine Miene war mindestens ebenso sonderbar. Denn mit welchen Mitteln Asmus jetzt nach Norwegens Kapitale reisen wollte, war mir vollkommen schleierhaft- Ich wußte ohnehin schon nicht mehr, wie wir ohne Schwierigkeiten Kiel wieder erreichen konnten, hatte der heutige Tag doch über Erwarten bekümmernde Verheerung unter meinen Finanzen angerichtet. Ich raunte Asmus zu: „Mensch, bist Du verrückt? Ich pfeife ja auch bald auf dem letzten Loch I" „Laß mich nur machen!" gab er mit schlauen Augenzwinkern zurück. Ich ließ ihn also machen. Der Ertrinkende greift nach einem Strohhalm. Wie hätte ich es auch ertragen sollen, mich jetzt von der zürnenden Minnie vielleicht auf immer zu trennen! Ueber den Trollhättan führt eine stolze, steinerne Brücke, von der man tief hinab in die dahinrauschenden Wasser schaut. Aus einer Ritze der äußeren Brüstung entsproß ein wildes Veilchen, ein Prachtexemplar seiner Gattung. „Wie süß ist es!" sagte unsere schöne Gefährtin. „Wer es doch pflücken könnte!" „Ihr Wunsch ist mir Befehl!" rief der tollkühne Karl. Und zu dem Blümlein sich neigend, beugte er sich weit über die Brüstung; so weit, daß Fräulein Minnie einen Schrei der Entsetzens ausstieß. Sei es, daß dieser Schrei ihn erschreckte, sei es, daß der galante Ritter einen Schwindelanfall bekam, genug, auch er chrie auf, griff nach seinem Busen und gleich darauf stürzte wirbelnd in den schauerlichen Abgrund — nicht Karl, sondern ein schwarzer Gegenstand, um auf Nimmerwiedersehen in den Strudel des Trollhättan zu verschwinden. Herr Sasse und ich waren hinzugesprungen und hatten den Verwegenen an seinen Rockschößen erfaßt. Während wir ihn an diesen emporzogen, stand Minnie schreckensstarr daneben. Karl war nicht im mindesten blaß, wahrscheinlich hatte er sich wegen des seiner Lage halber zu Kopf steigenden Blutes nicht entfärben können. Nichtsdestoweniger schien er einige Minuten der Sprache beraubt zu sein, und als er sich endlich erholt hatte, flüsterte er mit Grabesstimme, indem er zum Trollhättan hinabwies: „Döderlein — dort — meine Brieftasche mit dem Gelds — alles fort!!" Ich athmete erleichtert auf, „Nun, wenn es weiter nichts ist," wollte ich sarkastisch lächelnd erwiedern. Doch ein tragisches „OI Dl" Karls, von der Geste des Stirnschlagnes begleitet, schnitt mir schleunigst das Wort ab. „War's denn so schlimm? fragte Herr Sasse halb spöttisch, halb mitleidig. „Für uns ja," gab Karl im niedergeschmettertsten Ton zurück. „650 Mark, unser ganzes Reisegeld bis zum letzten Heller! O Döderlein, theurer Freund, hätte ich doch nimmer auch das Deinige zu mir genommen. Die Verantwortung drückt mich zu Boden! Wie soll ich Dir das Geld jetzt ersetzen! Wovon sollen wir leben?!" Herr Sasse schaute mich forschend an. Ich befand mich in unbeschreiblicher Verblüffung. Der Streich meines Asmus grenzte nahe an Hochstapelei. Wahrscheinlich legte Herr Sasse nun meine indignirte Miene und Schweigen als Wahrheitsbeweis aus. Indem er sich hinter« Ohr kratzte, bemerkte er halb ärgerlich: „Donnerwetter ja, eine böse Geschichte! Was soll man denn dabei machen?" „Ich muß hinunter, um die Menschen in Bewegung zu bringen. Sie muß gefischt werden! Ich setze eine Belohnung aus! Einen anderen Ausweg giebt's nicht!" rief Karl leidenschaftlich, indem er ein paar tragische Schritte machte, als wollte er davon stürzen. „Unsinn!" schalt Herr Sasse- „Was hier hmein gefallen ist, schafft kein Sterblicher wieder! Das liegt doch auf der flachen Hand!" Stöhnend bedeckte Karl seine Augen. (Fortsetzung folgt-) Der Henußwerth der Zische. In manchen Gegenden, besonders in Küstengegenden, bilden die Fische die Hauptnahrung; gegenwärtig wird sie auch in manchen Garnisonstädten bei dem Militär mit Erfolg einge» führt. In Folgendem geben wir die quantitative Zusammensetzung des Fleifches einiger Fische: Fischart Aal Bückling Hecht Häring (frisch) . . Häring (eingemacht) . Karpfen Lachs Lach (geräuchert) . . Schellfisch . . . • Seezunge . . . • Stockfisch (getrocknet) Wasser 62,07 Eiweißkörper 13,00 Fett 23,86 69,49 21,12 8,51 77,73 20,36 0,60 80,71 10,11 7,11 48,99 19,45 12,72 76,97 21,86 1,09 77,06 13,11 4,30 51,89 26,50 11,72 80,97 17,09 0,35 86,14 11,94 0,25 18,60 77,90 0,36 Asche 0,77 1,24 1,19 16,33 9,39 1,39 1,64 1,22 1,52 'S 508 -= GEeinnütziges ist die Perrücke auch sofort. Haferstrohthee. Manchen wird dies wohl anlächeln, doch man probiere und freue sich dann über die großartige Wirkung dieses einfachsten und billigsten aller Thees gegen Husten, Kehlkopf, und Rachenkatarrh. — Das Stroh vom ge, wöhnlichen Hafer (Avena sativa) wird zu Häcksel geschnitten und wie jeder andere Thee verwandt, tüchtig gekocht. Die dunkelbraune, kaffeeähnliche Brühe wird taffenweise Morgens und Abends getrunken (mit Zucker) und oft soll schon der stärkste Katarrh (?) in einigen Tagen verschwunden sein. ♦ ♦ ♦ Robertfauee. Mehrere Zwiebeln schneidet man in feine Würfel und röstet sie in etwa 80 Gramm Butter goldgelb, schüttet sie alsdann auf ein Tellerchen, fügt zu der Butter noch etwas frische hinzu und schwitzt darin zwei Eßlöffel Mehl gelb. Man verkocht diese Schwitze mit einem Achtelliter Rheinwein, einem Achtelliter Jüs aus Liebigs Fleischextract oder einem Viertelliter Waffer, in dem Kräuter ausgekocht wurden, und 10 Gramm Fleischextract, einem Löffel Weinessig, Citronen- schale, etwas Zucker und weißen Pfefferkörnern zu sämiger Sauce, gibt sie durch ein Sieb, fügt die Zwiebel und einen Theelöffel Senf hinzu, läßt sie wieder aufwallen und erhitzt sie Herr Nachbar, wenn Hause erwische, dann geschehen, so hängt man jede Blume einzeln und frei schwebend an einer aufgespannten Schnur auf und ist nun, wenn diese getrocknet sind, im Besitze von wunderhübsch aussehenden, dauer, haften Blumen, welche sich selbst einige Jahre schön erhalten. Seidenzeuge zu reinigen. Man schält drei Kartoffeln von mittlerer Größe, schneidet sie in dünne Scheiben und wäscht sie gut ab. Dann gießt man ein Liter siedendes Waffer darauf und läßt es stehen, bis cs kalt ist. Von, diesem Wasser, welches geseiht werden muß, nimmt man so viel, als man bedarf und gießt eine gleiche Menge Weingeist dazu. Mit dieser Flüssigkeit reibt man durch Anwendung eines Schwammes das Seidenzeug auf der rechten Seite ab und bügelt es, wenn es halb trocken, auf der Rückseite. Auf diese Weise läßt sich Seidenzeug mit den zartesten Farben reinigen. Ebenso Sammet, Taffet und andere Zeuge. ' * nm Rostflecken aus Leinwand zu entfernen, ist es nöthig, die Flecken erst mit lauem Waffer zu behandeln; dann bestreut man die Flecken mit einigen Körnchen unterschwefeligsaurem Natron; auf diese wird ein wenig gestoßene Weinsäure geschüttet. Fügt man noch ein paar Tropfen Waffer hinzu, so erfolgt unter leichtem Schwefelgeruch die Zersetzung, und die Flecken sind entfernt. Russischer Salat. Kalbsbraten, weich gekochtes Ochfen- maul, entgrätete, in Stückchen geschnittene Fische und entgrätete Häringe werden mit Pfeffergurken, Perlzwiebeln, Kapern, Essig, Oel und Pfeffer vermischt und die Schüssel mit geviertelten Bricken, Scheibchen von Cervelatwurst, rothen Rüben und Cham- pignons garnirt. * * Dauerhafte Papierblumen, die sich auch zum Schmuck der Gräber im Freien eignen und etwaigen Regen Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brtthl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Eießen. * -y * Unverfroren. Gläubiger: „Ich muß unbedingt mein Geld von Ihnen haben; ich habe eine größere Zahlung 3 machen und befinde mich in der größten Verlegenheiti Schuldner: „Nun sehen Sie, mein Lieber, jetzt merken ew doch selbst einmal, wie es thut, wenn man zahlen sott um kann nichtl" Höchste Natur. Herr: „Aber ist die Perrücke auw gut?" — Friseur: „Ich sag' Ihnen, wenn S' erschrecken, sträubt sich Ihr Haar!" Ein findiger Wirth. „Sie, ich Ihre Katze noch einmal in meinem--- gibt'« am andern Tag für meine Gäste Hasenbraten! ° * * V-rnnischtes. Die Hauptsache. Concertdiener:. „Herr Klimpermann, das Publikum wird schon ungeduldig; wollen Sie nicht mit dem Concert beginnen?" — Claviervirtuose (sich durch du Haare fahrend): „Ja, ja! Ich muß nur meine Locken noch etwas in Unordnung bringen!" * Viel verlangt. Rechtsanwalt (beim Plaidoyer): „Meine Herren, denken Sie sich in die Lage meines Clienten und urtheilen Sie so, als wenn Sie die Strafe zu verbüßen hätten!" Das größte Opfer. "„Aber, Herr Lieutenant, bei diesem schlechten Wetter wollen Sie mich nach Hause begleiten i — „D, mein Fräulein, für Sie ging ich bis an's Ende der Welt — sogar in Civil!" * , Sein Glück. A.: „Ein kolossales Glück hab' ich Ml in Schweden auf der Löwenjagd gehabt!" — 93.: Schweden gibt es ja gar keine Löwen." — A.: „Ja, stym Sie, das war eben mein Glück!" Die Fische stehen als Nahrungsmittel ihres größeren oder Schnee am Allerseelentage ertragen können, stellt man her, Wassergehaltes wegen dem Fleische der Landthiere nach, wäh- wenn man dieselben mit einer Wachsschrcht versieht. Zu diesem rend sie im Allgemeinen eine nahrhafte und leicht verdauliche Zweck wird Stearin — Abfälle und Reste von Kerzen so- Speise bilden; großer Fettgehalt macht die Fische schwer ver- wie weißes Bienenwachs m einem kleinen Tiegel auf dem Herde baulich und ist dies auch im gebratenen Zustande der Fall. geschmolzen Md in diese heiße Flüssigkeit l^e Mume, welche Beim Einkäufe der Fische ist namentlich darauf zu sehen, man am Stiel gefaßt Hält, einzeln hinemgetaucht. Ist dies daß man gesunde Waare erhält; aus diesem Grunde kaufe 1 —“ - ------- man niemals tobte Fische, und wenn dieses, wie gewöhnlich bei Seefischen, nicht zu umgehen ist, so sehe man darauf, daß sie ihre natürliche Farbe haben und nicht riechen. Fische, welche schleimiges und fettes Fleisch besitzen, sind schlecht; gesunde Fische haben zwischen den Muskelschichten einen weißen, geronnenen, eiweißähnlichen Stoff. Karpfen, welche eine bleiche Farbe und eingesunkene Augen besitzen, sind zu beanstanden; Karpfen, welche fleckig oder auf dem Rücken mit Schleim überzogen sind, kaufe man unter keinen Umständen, denn solche Thiere sind krank. Unter den Fischen kommen öfters Krank- Helten vor, z. B. Pocken; letzterer Krankheit ist häufig der Lachs ausgesetzt. Während der Laichzeit sind manche Fische ungenießbar, ja bisweilen giftig, z. Ä. der Hecht; fettreiche Fische, wie der Stör und Aal, entwickeln manchmal em Gift, das in seinen Wirkungen dem Wurstgift ähnlich ist. Auch gesalzene Fische sind hin und wieder giftig, ebenso geräucherte, und hat man in erster Linie vorsichtig bei den sogenannten Bücklingen, das sind geräucherte Häringe, zu sein. Eingewäffer- ter Stockfisch ist völlig zu verwerfen, denn in vielen Fällen ist derselbe bereits verdorben; um ihm seinen fauligen Geruch zu benehmen, weicht man ihn daher in Kalkwaffer ein; Stockfisch, welcher eingesalzen und an der Luft gedörrt wurde, muß weiß und nicht röthlich fein; auch darf er keinen Schimmel, keine Flecken besitzen, sowie keine weiche Beschaffenheit haben. (Hausfrauen-Ztg. d. Ldwth.)