Nr. 100 1893 Nntevhattiingsblatt zuirr Gießener? Anzeiger? (Genevul-Anzeiger?) " "m .... ;-<ÄKk ■ .. _____ Samstag, den 26. August. Das goldene Kalb. Novelle von Reinhold Ortmann. (Schluß.) Diese Wendung aber war, wie die nächsten Tage be- wiesen, wirklich eine entscheidende gewesen und die Genesung machte nun fast überraschend schnelle Fortschritte. Herr Hugo Neukamp hatte davon nur auf schriftlichem Wege benachrichtigt werden können; denn die schwere Krankheit seiner Braut war nicht im Stande gewesen, ihn an dem Antritt einer wichtigen Geschäftsreise zu hindern, die ihn mehrere Wochen von W. fernhielt. Man erzählte, daß es sich dabei um einen Verkauf der Fabrik oder um die Umwandlung derselben in eine Actien- gesellschaft handele, da dem jetzigen Eigenthümer, obwohl das Etablissement sich längst wieder im vollen Betriebe befand, die Lust an dem Unternehmen verleidet sei und da er sein Capital für andere Zwecke zu verwenden wünsche. Im Hause des Obersten wußte man nichts von solchen Absichten Neukamps. Er hatte sich darauf beschränkt, seine Abreise anzuzeigen und tägliche telegraphische oder briefliche Nachrichten über den Zustand Edithas zu erbitten. Erst drei Wochen später, als die Reconvalescentin bereits mehrere Stunden des Tages in einem Lehnstuhl außerhalb des Bettes zubringen konnte, zeigte er feine Rückkehr an, indem er zugleich in lebhaften, doch etwas geschraubt klingenden Wendungen seiner Freude über das bevorstehende Wiedersehen mit der Geliebten Ausdruck gab. Monika hatte fast einen halben Tag lang gezögert, ihrer Schwester von dem Inhalt dieses Briefes Mittheilung zu machen, und als sie sich endlich schweren Herzens dazu entschloß, da war ihr die Furcht vor dem Eindruck, den diese Eröffnungen machen könnten, deutlich auf dem Gesicht geschrieben. Aber sie mußte erkennen, daß ihre Besorgniß eine ganz überflüssige gewesen sei; denn Editha nahm ihr das Blatt ruhig aus der Hand und erwiderte auf die Frage, ob sie Neukamp gleich nach seiner Ankunft zu empfangen wünsche, in scheinbar unerschütterter Gelassenheit: „Gewiß! — Er hat ja ein guter Recht darauf, mich früher zu sehen, als alle Anderen." Wie aufmerksam Monika auch während der nächsten vierundzwanzig Stunden ihre Schwester beobachtete, ste vermochte doch nicht dar kleinste Anzeichen einer besonderen Erregung an ihr wahrzunehmen, und sie begann wieder irre zu werden an der Richtigkeit jener Vermuthungen, welche Edithas Fieberphantasien in ihr erzeugt. Um die Mittagsstunde des nächsten Tages traf Neukamp dann wirklich in der Villa des Obersten ein. Die Begrüßung mit seinem künftigen Schwiegervater war ebenso wie die Art, in welcher er Monika die Hand küßte, eine merklich gezwungene; aber die unverkennbare Unruhe und Zerfahrenheit seines Wesens konnte ja sehr wohl auf die begreifliche Erregung zurückzuführen sein, mit welcher er der ersten Wiederbegegnung mit seiner Verlobten nach einer so langen und durch so schmerzliche Ursachen bedingten Trennung entgegensah. Monika selbst öffnete ihm die Thür des Krankenzimmers, und auf einen Wink, den ihr Editha mit den Augen gab, zog sie sich gehorsam zurück, obwohl sie gern ein Stück des eigenen Lebens hingegeben hätte, um ihrer Schwester jetzt beistehen zu können. Neukamp trat mit ausgestreckten Händen auf Editha zu, und es schien fast, als ob er Willen; sei, mit einer theatralischen Geberde neben ihrem Lehnstuhl niederzuknieen. Der feste und klare Blick aber, mit welcher ihn ihre ernsten Augen ansahen, hinderte ihn daran, diese Absicht auszuführen, wie er überhaupt eine eigenthümlich verwirrende Wirkung auf ihn hervorzubringen schien. „Meine theure Editha!" sagte er darum nur mit etwas unsicherer Stimme. „Welch' ein Wiedersehen nach solcher Trennungszeit!" „Ein Wiedersehen, das auch ich lange ersehnt habe, weil es mich von einer drückenden Last befreien und einem fast unerträglichen Zustande der Unklarheit und Unaufrichtigkeit ein Ende bereiten wird. Meine Kräfte gestatten mir noch nicht, längere Briefe zu schreiben, und vielleicht ist es auch besser, wenn solche Dinge nur ausgesprochen, als wenn sie auf dem Papier festgehalten werden. Aber wir werden es kurz machen, nicht wahr, denn eine Situation wie die unserige ist gewiß nicht erfreulich — weder für Sie, noch für mich! — Daß die Beziehungen, welche in den Augen der Welt und selbst nach der Meinung meiner Angehörigen bis heute zwischen uns bestanden, längst nur noch eine Lüge sind, haben Sie ohne Zweifel längst ebenso überzeugend empfunden, wie ich selbst, und die einzige Art von Gemeinsamkeit, die es zwischen uns jetzt noch geben kann, ist wohl der gemeinsame Wunsch, eine möglichst unauffällige Form für die Lösung unseres Verlöbnisses zu finden." Wenn Hugo Neukamp in dem Augenblick, da sie zum ersten Mal das förmliche „Sie" gegen ihn gebrauchte, sichtlich betroffen gewesen war, so spielte er jetzt nur noch den ungläubig Erstaunten. - 398 == „Du redest in einer Sprache, mein Kind, die ich nicht I „Was meine weibliche Ehre mir gebot!« lautete ihre verstehe.« sagte er. „Man theilte mir doch mit, daß Du feste Entgegnung. „Bereite den Vater darauf vor, daß ich wieder ganz hergestellt seiest und nun -« aufgehört habe, Hugo Neukamps Braut zu sein - er wird Wieder war es ihr ernster, hoheitsvoller Blick, der ihn Dir's glauben, daß ich nicht aus Leichtsinn und Wankelmuth verstummen ließ. diesen Schritt gethan." „Sie werden, wie ich denke, nicht im Ernst daran zweifeln, Der alte Oberst war von dieser Neuigkeit um des un» daß ich bei völlig klarem Verstände bin. Und Sie werden mich vermeidlichen Geredes willen zwar nicht sehr erfreut; aber sie auch nicht glauben machen wollen, daß Sie etwas Anderes schien ihm doch nicht ganz unerwartet gekommen zu sein, und als dies erwarteten, da Sie sich heute hierher begaben.« vielleicht waren ihm selbst seit jener Nacht, wo sie so nahe Er gab das Comödienspiel auf und erwiderte mit ge» daran gewesen, von den empörten Arbeitern Neukamps er» runzelter Stirn: I schlagen zu werden, mancherlei ernste Zweifel aufgestiegen, ob „Allerdings konnte ich wohl auf etwas Aehnliches gefaßt seine Lieblingstochter an der Seite dieses Mannes wirklich das sein, nachdem Herr Doctor Asmus so ausgiebige Gelegenheit erhoffte Glück finden werde. So machte er denn, obwohl er gehabt hat, mich zu verdächtigen und zu verlästern. Aber ich die eigentlichen Beweggründe für Edtthas Entschluß noch nicht bin nicht gesonnen, das Feld zu räumen, nur weil es diesem kannte, keinen Versuch, diesen Entschluß zu bekämpfen und Herrn so gefällt, und weil er den Wunsch hegt, an meine eine Aussöhnung zwischen den Entzweiten herbeizuführen. Es Stelle zu treten. Ich erkläre Alles, was er über mich gesagt gab einen kurzen, kühlen Briefwechsel zwischen ihm und dem haben kann, im Vorhinein für Verleumdung und Lüge, und Fabrikbesitzer. Man verständigte sich in höflichen Wendungen ich werde in eine Auflösung unseres Verlöbniffes jedenfalls über die Form, in welcher man die Aufhebung des Verlüb» erst dann einwilligen, wenn Dein Befinden Dich in den Stand I niffes vor der Welt notiren wollte, und einige Tage später setzt, die Tragweite solchen Entschluffes zu übersehen, und hatte der Fabrikbesitzer die Stadt schon wieder verlaffen- wenn Dein Vater seine Zustimmung dazu ausgesprochen haben I Daß er zuvor in der That noch eine Begegnung mit wird. — Für jetzt dürfte es, um Dir alle unnütze Aufregung Asmus gesucht hatte, erfuhr Editha nicht. Nur Monika er» zu ersparen, am zweckmäßigsten sein, daß ich meinen Besuch hielt davon Kunde, als er sie bei einem seiner nächsten Bebeende." suche in sichtlicher Bewegung fragte, ob es denn Wahrheit sei, Er wandte sich nach der Thür; doch Editha hielt ihn, daß ihre Schwester aus freien Stücken ihre Beziehungen zu sich aus den Kiffen ihres Stuhles erhebend, durch einen be» Neukamp gelöst habe. fehlenden Zuruf zurück. I „Ich glaube seinen Worten eine Mittheilung dieser That» „Bleiben Sie! -r- Sie werden nicht wünschen, mir zum fache entnommen zu haben," fuhr er zur Erklärung seiner zweiten Mal so gegenüber zu stehen, wenn ich Ihnen einen Frage fort, „als er vor einigen Stunden in mein Zimmer Namen zurufe, der uns für immer trennen mußte in dem stürzte, um für einen Schimpf, den ich ihm angethan haben Augenblick, da ich erfuhr, welche Bedeutung er in Ihrem I sollte, Rechenschaft von mir zu verlangen." Leben gehabt — den Namen des Mädchens, das Sie mit nm Gotteswillen I" fragte Monika erschrocken zurück, einem feigen, erbärmlichen Schurkenstreich in den Tod ge» bQt Sie doch nicht gefordert?« trieben! — Wollen Sie wirklich, daß ich ihn Ihnen nenne?' „Freilich!« bestätigte der Doctor, aber er bestätigte es Neukamp war um eine Schattirung bleicher geworden; mit einem g^eln, das sie sogleich beruhigen mußte. „Wenn seine Hände ballten sich unwillkürlich und er preßte die Zähne e8 na$ seinen Wünschen gegangen wäre, hätte er am liebsten zusammen. auf der Stelle ein amerikanisches Duell mit mir ausgefochten. „Ah, dieser Schurke!« stieß er hervor. „Das also — ich konnte ihm leider diese Gefälligkeit nicht erweisen, das also hat er Dir erzählt?" , nachdem er von dem Ehrenrath unserer studentischen Verbin» „Nicht aus dem Munde des Doctors kenne ich die Ge- bung dauernd satisfactionsunfähig erklärt worden war. schichte jener Unglücklichen, sondern ich kenne sie aus dem oroar yersuchte er, nachdem ich seine Zumuthung abgewiesen, Munde ihres Vaters und ihrer Schwester — und ich denke, rotott Qu? eigene Faust Genugthuung zu nehmen, aber er Sie werden diese Zeugnisse gelten lassen müssen. Ich erwarte batte ,u Mnem Schaden übersehen, daß auf dem Sopha nicht, daß Sie sich vertheidigen oder einen Versuch machen meines Zimmers zufällig meine Reitpeitsche lag. Ich fürchte, werden, Ihre Handlungsweise zu entschuldigen, aber ich et» ej$ roirb nicht ganz leicht werden, seinen Freunden in den warte allerdings, daß Sie nun nicht länger zögern werden, nächsten Tagen die merkwürdige Zeichnung in seinem Gesicht mir mein Wort und meine Freiheit zurückzugeben. Wie könnten auc einigermaßen glaubhafte Weise zu erklären." Sie wünschen, eine Frau zu besitzen, welche Sie von Grund Unb mieber mehrere Tage später standen um die Zeit i*« n--v°« an Uj. «Ä "ÄÄ XÄ Nhm" w« ihn n-b-»«ha, di- sich an« ih'-m Stuhl °-h°b-n hatte, am die ganze Wucht meines Zornes trifft. Die verlangte Freiheit M 1 A, (inben Lüfte sind erwacht," citirte der Doctor, aber gebe ich Ihnen unter solchen Umständen bereitwillig zu» , me6t und die ersten Schneeglöckchen werden ihre rück. Sie werden ja vermuthlich mit sich selber bereits da» jXÄX« SÄ von Herzen rüber im Reinen sein, welchen Gebrauch Sie davon zu machen den Frühling, Fräulein Editha? - Mir für meine Person « « , „„x .r, ,, ist es, als ob er mir in diesem Jahre ganz außerordentliche Er zögerte noch einen Augenblick, als ob es ihm schwer I xf...*b gßunber bringen müsse" falle, den rechten Ausdruck für etwas besonders Giftiges und H'rrlrchMen un.Wunder brmgm Vernichtendes zu finden, das ihm noch auf der Zunge lag; ™ru“J®«®. J1W® »tmUmefimSen rtütfr rohftfiA Rvorft» htp (Söith nnrfi hpr Glncke aus die neben I werden? fragte Editha mit einem tietnen, etwas roeymuiy ö ?6, „M? ta h,r St - n-n And r u Lich-lm „D-r Frühling ist ja nun einmal dl- Zeit der SSunhet, und ma-M-m^eXjnng-n Dichter im mund-rH-N«. Mai Als Monika gleich darauf mit einem Herzen voll tödt- Monika machte einen Versuch, sich leise zur Thür zu licher Angst in das Zimmer eilte, fand sie ihre Schwester stehlen. Sie fah etwas wie eine Aussprache zwischen den noch immer hoch aufgerichtet und hastig athmend neben dem Beiden voraus, und sie wollte dabei nicht zugegen sein, ern Stuhl. ™ mal, weil solche Gespräche nur selten einen Zeugen vertragen, „Editha - liebste, einzige Editha!« rief sie. „Oh, sage und vielleicht auch, weil sie fürchtete, daß es doch am unoe as hast Du gethan?« I über ihre Kräfte gehen könnte. - 39s = Aber sie hatte erst zwei Schritte gethan, als sie sich an der Hand ergriffen und mit sanfter Gewalt zum Fenster zu- rückgezogen fühlte, während es ihr war, als habe sie Edithas schöne Augen, die auf ihrem Antlitz ruhten, noch niemals von einem so wundersam verklärten, feuchten Glanze erfüllt gesehen. Der Doctor war die Antwort auf die Frage seiner geretteten Pätientin schuldig geblieben. Er blickte mit eigen- thümlich nachdenklichem Gesicht hinaus in den jetzt noch win« terlich kahlen Garten der Villa, und erst nach einem langen Schweigen sagte er: »Ich glaubte fast, Fräulein Editha, für mich ist es zu solchem Glück doch Mittlerwelle schon zu spät geworden. Die Einzige, der ich mich mit Leib und Seele zu eigen geben möchte, kann wohl mehr beanspruchen, als ein so ernsthafter, geplagter und wenig begüterter Landdoctor, der über die beste Jugend zudem schon hinaus ist, ihr zu bieten im Stande wäre. Mag der lächelnde Knabe darum an andere Herzen klopfen — das meinige wird voraussichtlich bis an meinen Tod nur für die Menschheit im Allgemeinen schlagen dürfen, soweit sie im nächsten Umkreise von W. ansässig ist und ärztlicher Hülfe bedarf." »Wie schade, daß Sie sich unabänderlich unter die Hagestolzen rechnen, Doctor Asmus," plauderte Editha weiter, und in der ungewissen abendlichen Beleuchtung sahen die Anderen nichts von dem leisen, schmerzlichen Zucken ihrer Lippen. „Nun muß ich mir von Neuem den Kopf zerbrechen, um das passende Geschenk zu finden, das Ihnen meine Dankbarkeit beweisen soll. Bis jetzt sollte es nämlich ein Hochzeitsgeschenk sein —" „Ein Hochzeitsgeschenk?" - Sie machen mich wirklich neugierig, Fräulein Editha I" „Wollen Sie es sehen? - Ich hatte es nämlich schon in Bereitschaft, um e» Ihnen am Morgen des festlichen Tages mit meinen innigsten Segenswünschen zu übergeben. Noch einmal: wollen Sie es sehen?" „Gewiß! — Wie sollte ich nach solchen Andeutungen meine Wißbegier noch länger zügeln können," erwiderte er, auf ihren scherzhaften Ton eingehend, obwohl eine eigenthüm- uch feierliche Beklemmung sich um sein Herz zu legen begann. „Tragen Sie es denn immer bei sich?" „In diesem Augenblick wenigstens! -- Geben Sie mir Ihre Hand, Doctor Asmus! — Da — ich lege es Ihnen hinein — und wenn Sie Lust haben, es festzuhalten, — ich bin gewiß, es wird sich nicht dagegen sträuben." Es war Monikas schlanke, weiche Hand, die er in der seinigen fühlte, und dann — es wußte keines von Beiden so recht, wie es geschehen war — dann hielt er auch ihre schlanke Gestalt in seinem Arm und ihr Köpfchen ruhte an seiner Schulter, wie in jener Nacht, die sie gemeinsam an Edithas Krankenbett durchwacht. „Monika!" sagte er leise. Mein edles, theures Mädchen!" Da erhoben sie gleichzeitig die Augen, um der Vermitt» lerin ihre« Glücks zu danken; aber Editha war in das Nebenzimmer eingetreten und hatte die Thür desselben unhörbar hinter sich ins Schloß gezogen. Monika machte keinen Versuch, ihr zu folgen. Sie allein wußte ja, wie groß das Opfer war, welches ihre Schwester ihr gebracht, und wie schwer der Kampf, den ne in diesen Augenblicken noch zu ringen hatte mit ihrem stolzen, rebellischen Herzen. Geni-innÄtziges. Wespenstiche können lebensgefährlich werden, wenn solche im Halse und Schlunde während des Schluckens von Getränken und Früchten beigebracht werden. Es gibt nun ein Mittel, das, sofort angewandt, plötzliche Erleichterung bringt. Sobald man spürt, daß man im Munde oder Halse gestochen ist, nehme man einen Theelöffel voll Kochsalz mit etwas Wasser angefeuchtet und verschlucke dies langsam. Geschwulst und Schmerzen verschwinden hierbei in kürzester Zeit. Dies einfache Mittel hat schon Manchen vom Tode errettet. englischer Arzt über Fischnahrung. Doctör Nichols schreibt in seiner Broschüre: „Die Kunst, mit 50Pfg. täglich auskömmlich zu leben", Folgendes: Fisch ist im Allge- meinen eine zuträglichere Kost, als Fleisch, weniger geeignet, den Menschen krank zu machen, weil weniger Krankheitskeime in sich tragend, während er doch Pfund für Pfund ganz so nahrhaft, wenngleich weniger aufregend ist. Die besten Fisch, sorten enthalten mehr Muskeln bildendes Element als Fleisch, da sie 78 bis 97 Procent Muskelstoff haben, das Wasser natürlich ausgenommen. Dabei ist es merkwürdig, daß einige von den nahrhaftesten Fischen am wohlfeilsten sind. Für ^wöhnltches Fischfleisch, z. B. Hering, Strömling, Scholle, Makrele, hat mehr Werth, als für 25 Pfennige Speck, von den Krankheiten gar nicht zu reden, welche das Schwein belasten und oft auf Diejenigen übergehen, welche das Fleisch essen- Vom Wind geschüttelte Birnen sind, wenn schwach beschädigt, zum Backen trefflich. Die meisten edlen Birnen sind trefflich, wenn sie ohne einen Zusatz gebacken werden; der Saft bildet einen reichen Syrup ohne Zucker. Man braucht sie bloß rein abzuwischen und in eine Schüssel zu legen; häuft man sie auf, dann um desto besser. Auf diese Weise kann das vom Wind abgeschüttelte Obst, was sonst ganz nutzlos ist, noch gut benutzt werden. So ist z. B. die Marie-Louisenbirne eine der vorzüglichsten, die sich zum Dämpfen eignet. Eierkuchen mit Hefe zu gekochtem Obst. Von 15—20 Gramm frischer Hefe macht man einen etwas dicklichen Vorteig von lauwarmer Milch, Zucker und Mehl, und läßt diesen an einem warmen Orte in einem irdenen, J/2 Liter Flüssigkeit fassenden Topfe bis obenan aufgehen. Nun macht män von 1 Liter Milch, 3 Eiern, etwas Salz, Zucker und Mehl einen dünnflüssigen Eierkuchenteig, verrührt die aufgegangene Hefe darin, läßt das Ganze nochmals aufgehen und backt dann in wenig Butter und Schweineschmalz kleine fingerdicke Faden auf beiden Seiten hübsch braun. Es ist ein sehr schmackhaftes und dabei billiges Gericht. * ♦ Weizenfuppe für schwächliche Kinder. Eine nahrhafte Suppe für schwächliche und skrophulöse Kinder kann man auf folgende Weise Herstellen: Es werden lauter gute Weizenkörner ausgelesen, an dem Ofen getrocknet, nicht geröstet, und auf einer Kaffeemühle gemahlen. Dieses Mehl, wie es ist, mit Spelzem und Allem, wird mit kochendem Wasser überbrüht, welches jedoch ein trübes Ansehen behält. Zucker kommt nicht daran, nur dann und wann als geschmackverbessernder Zusatz einige Tropfen Himbeersaft. Da dieses Getränk leicht säuert, muß es täglich frisch bereitet werden. Erst bei kräftiger Verdauung darf man den dritten Theil Milch zusetzen, also 2 Theile Suppe, 1 Theil Milch. Das Verhältniß der Suppe selbst aber ist der Art, daß auf Ve Liter des gemahlenen Weizen» 1 Liter Wasser kommt. * * • Reinigen kupferner Gefäße. Kessel, Pfannen, Wagschalen und sonstige Gefäße aus Kupfer reinigt man sehr gut mit heißer Lake von Salzgurken. Selbst ganz alte Kupfer- geschirre, die lange Zeit hindurch nicht benutzt und darum schwarz geworden sind, lassen sich mit dieser Lake spiegelblank putzen. Das geputzte Geschirr wird mit kaltem Wasser abgespült und mit Sägespänen trocken gerieben. Auch ein Brei von Essig und Salz soll beim Reinigen kupferner Gefäße gute Dienste thun. Asphaltlaek als Anstreichmittel. Asphaltanstrich ist sehr billig; er kostet auf Möbeln kaum ein Zehntel so viel wie Leinölanstrich. Dazu kommt als Vorzug noch das rasche Trocknen, während Leinölfirniß mehrere Tage bis zur Erhärtung erfordert. In jeder Droguerie erhältlich. 400 _ Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen Redaction: A. Scheyda. E naucr Lihrer woar aach komme; D'r ahlt Prezepter meat seim Baß Hat Oabschidd voh de Leut genomme — Fast Jedem woarn di Aage naß. Woas Alles do eam Doarf bassirt. Uf Pingste woarsch, ean bloh d'r Himmil; Di Wett däi stonn eam Feierklaad; Eean üwerall woar früh Gedümmil, Eean allerwärts woar Luostberkaat. Vill Jubil woar bei Junk ean Ahle: Di Kean eam Doarf rourn confermirt, D'r Engilwirth deat Musik hahle, Di Läster-Lies wur koppelirt. D'r Scholdes läiß sein Jrschte daafe D'm, Schmidt seih Muck hat Freckck kratt, D'r Hanjer deat sich Bluose laafe, Doach wollt 'n des Kathrinche näit; D'r Schnäpper hat sich aach versproache, Qöum sechste muol wursch Treutche Braut, E Ochs der hat des Bah gebroache Beim Turne oh d'r Lahmckaut. Vermischtes. Sckarfe Patrone«. Als Anhang zum siebenten Bande von Wippchens sämmtlichen Berichten" hat Kultus Stetten- beim "eine Reihe von Apercus veröffentlicht, denen er die Ueber- schrift „Scharfe Patronen" giebt. Hier einige unterhaltende gxbt Sch«»-, mit b«.«. itz liebet ein Stück gehen, als schreiben möchte. Wenn sich eine Frau einmal erst einen neuen Hut in den Kov? gesetzt hat, so setzt sie ihn auch bald auf denselben. Wann wirb biege« kommen, wo anl Seiet!" °l« bö-mwige Verleiim, zu dem Veibrechin, »uch -mch bem an. bet«. Wb" Ä ba« eine Buch muß schon em An- bt,“Ä3 Ät «es«. «.Kommen. Da« P«nm ™f‘ witb et gebot®. laS lo W M mi«ch **” ”>»■ W ÄÄÄ ^Es°gieb?Weiber, bei denen man perdu ist, wenn man per MtrEber, daß man keine Gedanken hat, soll man sich keine macherlporter, gar ^chts gelernt hat, ist ost gut unterrichtet. A^^schast von Spielern werden die Karten dann und wann gemischt, die Gesellschaft selbst aber ist es '"E°Jch kenne Jemanden, der Men Hund so liebt, daß er ibn niemals schlägt. Nur ein emziges Mal hat er rhn ve loidiat Das war, als er ihm den Namen Nero gab. ^Nicht Jeder schläft auf Federn gut. Dies follten nur die ÄSStet: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!" Darum lügen manche Menschen gleich mehrmals. Um einem längst gefühlten Bedürfnißabzu. helfen. „Wie, Sie machen Gedichte, Herr Baron? „Ja! Deutschland hat mal wieder^ dringend einen „Goethe nöthig! Lakonisch. Der Junge *'^ate^waßt^ichglaub',ich hab' mer merklich verliebt!" — Der Alte: „Mit wieviel? D'r Schäfer-Hanjörg meat seim Ranze Hat meat d'r Heerd di Flur befoahrn, D'r Rauboart setzt' schund Tnckwurzplanze, D'r Schmuggeler woar — Noachtschetz woarn. Aach woar d'r Waas groad ufgeschloahe, Di Spretz, die nau, wur aach prowirt Korzim ereignisreiche Doahe, Woas Alles do eam Doarf basstrt. — Noach lank näit Alles, Hirt nur werrer, Woas sich eam Oart noach zougetraat: Beim Treppche wuohnt e ahler Schneirer Elah ean seiner Howerath. ' Bill Lecker harr e ean broav Münze, Aach Oartsroath woar e, ean geihrt; Ean hat meat seine schine Zinse. - E Fuldern däi sein Haushalt fuhrt. E Fuldern horr eam Doarf kah Nommer, Ean wir sche gleich meat Gold geznt. Can broav ean schih — 's eaß e ^ommer! E Fuldern wird nix ästemirt. Meat hölzern Schouh ean zwilchern Muotze, Meat Zweckil.Strümb ean ruth bedacht, — Su death sich Bärwil Sonndoaks buotze; D'm Schneirer Hot d's Herz gelacht. Si soarkt de Owed wäi de Moarje; os6rn Hausherr läiß se nix entbehrn, Drim wollt heh aach fürsch Maadche soarje: - Di Bärwil sollt seih Hausfrau wer». Doach hat d'r Heuroathsplan seih Räume Voh wähje freuhere Affärn: Eam Dorf woarn siwe ahle Schrauwe, Do wollt e jed seih Hausfraa wern: Di Boarwes-Berb, di Simpil-Sanne, Di Läus-LieS meat de spcatze Uhrn, Di Eule Ev, di Hoackil-Hanne Woarn all seih Schätz aus junge Juhrn. Di noarwig Dorth, di Frenz, di flerig Däi Zwoo, däi stonne voarne droh . - . Etz Schneirer sei D'r Goatt generig — Deich falle siwe Währwölf oh . . . Näit raste deare se ean rouhe, Ean seih seal siwet jede Noacht D'm Schneirer für d's Haus gezouhe Ean hun Spiktoakil do gemoacht. Di Finster hun se 'm eangeschmeasie, E Katzemusik ufgeführt, Di Klahrer voh seim Leib gereasse —- Korzim, d'r Spuck woar uherhirt. Eam Doarf do hun se n aach verlästert. Seih Plattkopp ean seih Ohgesicht Woarn ufgekratzt ean zougeplästert — Dai siwe harr 's ohgericht. Gona's Fuldermaadche eansekaafe, Ean woar sche knapp d'm Doahr enaus, Se dear e se sesamme laase Ean streckte ’r di Zung eraus. Meat: Trampildäier, Fulderklowe, Meat: Beallmensch, Dreackeul, dorr Gerepp Su Ausdrück harre se, su growe; M'r nimmt se uf kah Oweschepp. D'm Amtmann woarsch se Uhrn gekomme; Doas woar aach ahner, der näit spaßt, Der Hot däi siwe virgenomme, Ean Hot se ganz verdammt geknatzt. E jed mußt siwe Wuche bromme Eam Loach bei Wasser ean Bet Brut; Beim Obschidd den se nooch genomme, Groh jed noach zwanzig meat d'r Knut. Etz woarn di Hexe zahm, di siwe, D'r Schneirer-Hannes, resolvirt, — Weil Frirre hüwe, Frirre drüwe, — Wur meat d'r Bärwil koppelirt. Ruh harr e dann als treuer Dulder Ean seine ahle Doahe Rouh. Etz horr e schund drei junge Fulder, Drei Drescher, — no vill Gleck dezou.