;t Name Früh- tan gleich an - Alter Herr: Unterkleider!" as wollen Sir — Strolch: ebeten haben", rgen werde ich aben, mir für n am Fenster iür die Waschung drin". — Stück 50 Pf., (der im Zucht- t ich nicht ein i, damit es ein eb Acht, unfere e!" — Zweite „Nun, einmal lvarum!" ie hat Sie also t was wollte er Mit zwei Paar . iett Portrait er Ihr Bild?" - ): „Wissen Sie eber eine Land» tisch): „Schade, begnügen mußt! kommen —" — Rehrücken vor- Da bleib ich ein- ti aus der Straße stagenkatarrh beuten Appetit und ent: „Aber Doc- icitt ganzes Geld i nur der kleine Geflügelhändler; noch zehntausend carmt-" — Sian einer einzigen Herrn da?" - herabgekommener chts Herrlicherer h's Gartenfenster eßen. Antephaltungsbl^rtt ZNM Grsfzenev Anzeigen (Gsneval-Anzeig-p) Nr. 11 1883 •S''2--- ME' MtzM Donnerstag, den 26. Januar. Dämon Gold. Original - Roman von W. H ö f s e r. (Fortsetzung). „Aber weshalb antwortet der Onkel mir nicht? Soll ich nochmals schreiben, Hansi? Was meinst Du?" fragte Cäcilie. „Lieber nicht, Maus. So alte Leute sind wunderlich; man muß ihnen keine Gelegenheit geben, sich zu ärgern." Die Baronin sah mit heimlicher Unruhe in das sorglose Gesicht ihres Mannes. Kannst Du denn noch warten, Hans?" „Ach natürlich. Der Liffauer ist vernarrt in Deine Schwester, es brennt bei ihm lichterloh, wie sollte er also die nächsten Angehörigen seiner Erwählten auf das Unerhörteste schädigen wollen? Das hieße ja eine Art Selbstmord begehen, sich um die letzte Hoffnung vorsätzlich betrügen. Ich denke nicht daran." „Aber er droht doch, Hansi?" „Weil der Verliebte und der Geizhals in ihm um das Uebergewicht streiten. Quäle Dich nicht mit diesen geschäftlichen Angelegenheiten, Maus, sondern laffe Deine Koffer packen und reise mit Fräulein Malten nach Nizza. Während Deiner Abwesenheit ordne ich das Alles." Aber sie schüttelte energisch den Kopf. „Das kann ich nicht, Hans, unmöglich. Wenigstens muß vorher eine Antwort aus Frankfurt gekommen sein." Der Baron zuckte die Achseln. „Du schadest Dir selbst, Cilli, und — verzeihe — machst mir die Dinge nicht eben leichter." Cäcilie sührte das Taschentuch an die Lippen, sie verbarg mit Mühe den stechenden Schmerz in ihrer kranken Brust. „Ich muß hier bleiben, Hans, ich muß; schon Ruths wegen," sagte sie halblaut. Der Baron schien nicht verstanden zu haben. „Ruths wegen?" wiederholte er. „Ich begreife nicht, was Du meinst, . „Aber ich desto besser. Wenn Ruth den Commerzienrath Liffauer heirathet, dann bist Du von allen Sorgen befreit, nicht wahr, Hansi?" „Ich habe gar keine Sorgen, Maus." Cäcilie brach in Thränen aus. „Ach, Hansi, Hansi, wenn Du ruhiger überlegen, wenn Du —" CTT'" ^nen 9lu0en ^ammte 68 plötzlich auf. „Vorwürfe, „Nein, nein, wer denkt daran? Nur eine Bitte, Hans, eine zärtliche, inständige Bitte! Laß uns die Lage der Dinge ruhig erwägen." Der Baron sah aus dem Fenster. „Solche Auseinandersetzungen sind mir sehr verhaßt," sagte er nach einer Pause. „Ich habe zum hausbackenen Philister schlechterdings keine Anlage, das wußtest Du, ehe--ich Dein Jawort erhielt, Cilli." „Wer ist es nun, der bitter wird, Hans, Du oder ich?" „Du wenigstens trägst die Schuld, wenn unser Gespräch eine etwas unliebsame Wendung nahm. Sei daher so gut, mir nur ganz einfach zu sagen, welche Gefahren Deiner Schwester drohen könnten und vor welchem Schicksal Du sie durch Deine Gegenwart zu bewahren hoffst?" Jetzt sah die junge Frau dem erregten Manne offen und fest in's Auge. „Ich will nicht, daß meine arme Ruth wider ihren Wunsch und ihre Neigung den Commerzienrath heirathen soll," sagte sie in bestimmtem Tone. Er zuckte die Achseln. „Nun wohl, Ruth hat eine nicht mißzuverstehende Erklärung bereits gegeben, Liebste. Der Commerzienrath weiß, woran er ist." „Das wohl, aber damit braucht die Sache noch nicht abgeschlossen zu sein. Er kann die einmal mißglückte Werbung wiederholen, er wird das sogar auf alle Fälle thun, wenn Du außer Stande bist, ihn zu bezahlen." Hans Adam nickte. „Das glaube ich auch," versetzte er. „Aber eine Gefahr für Deine Schwester erblicke ich darin nicht." „Hansi, Hansi! Bist Du Deiner selbst so sicher? Darfst Du, der das Leben in jeder Beziehung auf die leichte Achsel nimmt, kühnlich behaupten, daß Du unter keiner Bedingung dem armen Kinde zureden, es nicht bitten und bestürmen würdest, Dich zu retten?" Der Baron schien nur Eines gehört zu haben, vielleicht aus Klugheit, vielleicht, weil er sich verletzt fühlte. „Ich nehme also Alles auf die leichte Achsel, meine gute Cilli?" „Hans, mußtest Du nicht vorhin selbst einräumen, daß Dir ruhige, sachliche Auseinandersetzungen unleidlich sind?" Er lächelte spöttisch. „Mit — einer Dame, ja," versetzte er- „Dergleichen Dinge sind ausschließlich Männer-Angelegen- heiten." Sie seufzte tief. „Nein, Hans, nicht ausschließlich, wenigstens niemals, was die eigene Frau betrifft. Willst Du nicht mir zu Liebe einmal den schlimmsten Fall ganz und voll in's Auge faffen?" „Du meinst, was geschehen würde, wenn mich Liffauer bis zum Aeußersten treibt, wenn ich — lächerlich, davon zu sprechen — Moldt verloren hätte?" , „Ja! Wäre damit jedes Glück des Lebens, jede Freude, jede Hoffnung zerstört, Hans? Würdest Du nicht auch in — 42 — kleinen, bescheidenen Verhältnissen glücklich sein, nicht arbeiten können mit mir, um uns redlich durchzubringen?" Er lachte laut und hart. „Ich fürchte, nein, meine gute Cilli Oder sollte ich Unteroffizier werden, Schreiber, Pedell, was meinst Du?" „Gleichviel, Hans- Du solltest nur muthig den Kampf auf Dich nehmen, wolltest Dich glücklich fühlen lernen auch ohne ReiLthum und Glanz. Kannst Du das?" „Schwerlich, Cilli. Mein Ausweg wäre wahrscheinlich ein anderer. Aber weshalb von solchen Dingen sprechen? Es ist barer Unsinn. Seit ich die blinde Leidenschaft Lisiauers so aus eigener Erfahrung kennen gelernt habe, denke ich an die Drohungen dieses Herrn nie mehr." Eine jähe Purpurgluth überflog Cäciliens blasses Gesicht. „Siehst Du wohl!" rief sie laut und schmerzlich. „Was?" „Wie sehr Du trotz aller gegenseitigen Versicherungen doch fortwährend auf diese Heirath rechnest." „Unsinn. Sehe ich aus wie Jemand, der eine junge Dame zu irgend etwas ihr Unangenehmem zwingen könnte? Und wenn selbst eine derartige Brutalität in meiner Absicht läge, womit sollte ich dieselbe erreichen? In meiner Eigenschaft als Schwager habe ich über die Angelegenheiten Ruths im gegebenen Falle keinerlei Bestimmungsrecht." „Aber Du kannst sie bitten, Hans, kannst ihr die Sache als Gewiffensfrage hinstellen und das arme Kind geistig beherrschen. Glaubst Du nicht selbst, daß Dir Ruth in dem Falle ein Opfer bringen würde?" Der Ton klang bedeutsam und ebenso war e» der Blick. Hans Adam blieb stehen und sah kopfschüttelnd zu der jungen Frau hinüber. „Um des Himmels willen, Cäcilie, bist Du eifersüchtig auf Ruth?" „Rein," antwortete sie mit tiefem Athemzuge. „Rein, Hans, nicht eifersüchtig, aber sehr — sehr besorgt. Und das ist der Grund, w shalb ich vor entschiedener Sache nicht nach Nizza gehen kann." „Obgleich ich dort eine pompöse Wohnung für Dich ge- miethet, Dir eine Equipage zur Verfügung gestellt und mit dem angesehensten Arzt Verbindungen angeknüpft habe?" Cäcilie erschrak. „Hans," rief sie, „das kostet wieder Tausende!" „Für Dich!" gab er in etwas bitterem Tone zurück und als sie dann in Thränen ausbrach, wandte er sich zur Thür. „Du bist verstimmt, Cilli — soll ich Dir Fräulein Malten hierher schicken?" Statt aller Antwort flog sie vom Sopha empor, eilte ihm nach und umsahte mit beiden Armen seinen Hals. „Bist Du böse, Hans? Huben wir uns heute zum ersten Male Mit einander gestritten?" Er lächelte etwas gezwungen „Thorheit, Cilli. Laß' uns nicht wieder vom Gelds sprechen, das bringt jedesmal einen Aerger in das Blut- Ich sage Dir, daß für uns nichts, gar nichts zu befürchten ist, damit gib Dich zufrieden." Er küßte sie und ging fort, gleichviel wohin, obwohl es ihm am liebsten wä-e, im Wohnzimmer rauchend und plaudernd mit den Sarnen um den Kaffeetisch zu sitzen, aber — diese sachlichen Auseinandersetzungen, diese unoerhüllten Blicke auf Thatsacken von schwerwiegender Bedeutung waren ihm bis in den Tod verhaßt. Wenn Cäcilie nicht abreisen wollte, ehe alle Geldangelegenheiten ihie Erledigung gefunden hatten — ja, dann war allerdings die Sache bis in's Unabsehbare verschoben. Der Baron ging hinab an bett Strand, um sich die Arbeiten der Bernsteingräber anzusehen. Hohe Gerüste standen umher, eine Dampfmaschine trieb gewaltige Räder und eine Menge Menschen hantirte im Sande. Hans Adams ärgerliches Gesicht hellte sich immer mehr auf, je länger er den Leuten zusah. Es war natürlich auch ein Betriebsdirector vorhanden, ein mit vorläufigem Jahrescontract und fünftausend Mark Gehalt angestellter Mann; dieser kam dem Schloßherrn mit sehr siegesgewiffem Lächeln entgegen. „Das eigentliche Lager scheint nun gefunden zu sein, Herr Baron!" „Ah! — Große, ansehnliche Blöcke, lieber Herr Bühring ?" „Das noch nicht, aber doch viele Spuren, viele kleine Stücke. Man muß eben tiefer bohren, immer tiefer. Es liegt vielleicht der Flugsand von Jahrzehnten, ja, von Jahrhunderten über der eigentlichen Fundgrube, den muß man erst durchdringen und beseitigen." „Das erkenne ich vollkontmen. Gut Ding will Weile haben" Es wurde noch ein Langes und Breites von Wellen, Treibriemen und Rädern gesprochen; der Herr Betriebsdirector warf mit technischen Ausdrücken nur so um sich und dann ging Hans Adam am Strande dahin, um die Stätte des verwüsteten Dorfes anzufehen. Zwei neue Gräber zeigte der Kirchhof zwischen den Dünen, das der alten Mutter Katharina und das ihres einzigen Sohnes. Die Wellen hatten ein Wrack an das Ufer gespült, ein Fischerfahrzeug, dessen Führer tobt an Deck lag, mit beiden Armen fest um den einzigen Mast geklammert- Die Genoffen kannten ihn, es war Anton, der Herzensliebling der Alten; sie betteten Beide zusammen in ein Grab, und Haus und Wrack sollten verkaust werden zu Gunsten der kleinen verwaisten Kinder, bereit sich vorläufig barmherzige Seelen angenommen hatten. Es sah traurig aus an ber Stätte einstigen Wohlstandes. Kein Huhn scharrte im Sand, kein Schaf weidete auf den Dünen; zerrissen und zerstört lagen die Gärten hinter den umgestürzten Häusern, halb vergraben im Sand, ohne ein grünes Blatt, eine Blume, ohne irgend ein Zeichen neuen Lebens. Der Wind kam kalt über das Meer; von der entgegengesetzten Seite ragten über den Sand hervor nur die Grabdenkmäler des Dorfkirchhofes, eines besonders, ein hoher Stein aus Granit mit goldener Inschrift: „Hans Adam Wolfram." Und darunter die Worte: „Schmerzlich vermißt!" Der Baron wandte den Blick. Er liebte es nicht, auf Gräber zu sehen, in irgend einer Weise an den Tod erinnert zu werden. Schmerzlich vermißt! — Ja, das war der alte Herr auf Dornau. Erich hatte in ihm den vertrautesten Freund seines Lebens verloren, die eine Seele, welche ihm in unwandelbarer Siebe angehörte; er hielt seit jener Schreckensstunde das Wohnzimmer des Hauses immer noch verschlossen und ließ keinen Menschen hinein. Sich die Abendstunden in diesem Raume ohne den milden Blick des Greises auch nur zu denken, schien ihm unmöglich. Hans Adam ging weiter. Wenn er selbst starb, von wem würde er schmerzlich vermißt werden? Wem würde er fehlen wie ein Theil des eigenen lebendigen Ich?-- Keinem, die arme Cilli ausgenommen. Und er seufzte. Weshalb war Cilli immer krank, immer an das Zimmer gebannt und bei jedem Anlaß bereit, zu meinen ? Er haßte die Thränen. Warum sich aus dem Leben auch nur eine Smnde stehlen lassen? Es ist so kurz und — es wehen so viele Stürme hindurch. Der Baron dachte an die Gesellschafterin, eigentlich seit der Schreckensnacht zum ersten Male. Er lächelte. Die arme, kleine Adele ein gutes Geschöpf, etwas zärtlich veranlagt, wie es schien — ob sie ihn liebte ? Und Hans Adam strich feinen schönen, lockigen Bart. Dergleichen bient zur Kurzweil, mehr ist es nicht- Dann verdüsterte sich die eben noch so helle Stirn- Der Baron dachte an die schöne altdeutsche Königin des letzten Festes. Die Einladung zur Hochzeit des Bankdirectors und feiner Mieze hatte sie auSgefchlagen, es war auch unmöglich gewesen, bei ihr selbst Zutritt zu erlangen. „Die gnädige Frau empfangen heute nicht!" Zehnmal hatte ihm das schnippische Kammermädchen biejen Bescheid Überbracht, bis er es vorzog, weitere Besuche einzustellen. Und nun konnte ihm nichts mehr die gute Laune zurückgeben. Er kam so verstimmt wie möglich nach Hause und ging birect in sein Zimmer, wo er sich auf bas Sopha warf und die Augen schloß. — 43 — >en zu sein, Herr Herr Bühring?" ren, viele kleine : tiefer. Es liegt on Jahrhunderten man erst durch- ving will Weile tes von Wellen, c Betriebsdirector h und dann ging tu des verwüste- ischen den Dünen, s ihres einzigen c>as Ufer gespült, f lag, mit beiden t- Die Genossen mg der Alten; sie Haus und Wrack n verwaisten Kin- genommen hatten, igen Wohlstandes, weidete auf den Irten hinter den >, ohne ein grünes neuen Lebens. »on der entgegen» c nur die Grab- , ein hoher Stein Adam Wolfram." nßt!" )te es nicht, auf den Tod erinnert der alte Herr auf len Freund seines in unwandelbarer ^stunde das Wohn« und ließ keinen in diesem Raume zu denken, schien st starb, von wem i würde er fehlen Und er seufzte. ; das Zimmer ge» n? S dem Leben auch । kurz und — es in, eigentlich feit chelte. Die arme, ich veranlagt, wie n, lockigen Bart, nicht. helle Stirn. Der inigin des letzten Zankdirectors und r auch unmöglich Die gnädige Frau n das fchnipprsche bis er es vorzog, ute Laune zurück- nach Hause und das Sopha warf Alles verkehrt, Alles nur ein einziger Fehlschlag. Wenn jetzt ein Engel mit dem feurigen Schwerte erschienen wäre, um das Hereinbrechen des jüngsten Tages zu verkünden, wenn ein Erdbeben alles Lebende erschreckt hätte — ihm würde es weiter nichts ausgemacht haben. Er war gerade in der Stimmung, um sich irgendwo trotzig aufzulehnen. Aber nur der Herbstwind zerblälterte draußen dre Bluthen der Astern und Georginen, der Regen schlug klirrend gegen die Scheiben; sonst geschah nichts Besonderes, am allerwenigsten etwas, das große Aufregungen gebracht hätte. Erst gegen Abend hörte der Baron, daß ein Wagen den Kiesweg hinauffuhr, aber anstatt vor dem Portal vor dem westlichen Neben- eingang hielt. Was mochte das sein? Hans Adam erhob sich und ging zum Fenster, um hinab- zusehen. Ein nicht ganz zu unterdrückender, halblauter Ausruf brach über seine Lippen. Die Ponnp-Equipage des Gerichtsvollzieher»! Einen Augenblick schien es doch, als drehe sich das ganze Zimmer mit rasender Geschwindigkeit um die eigene Achse. Wenn Lissauer die Summe von sechzigtausend Thaler eingeklagt hätte! — Was dann? Jnstinctmäßig warf sich der Baron wieder auf das.Sopha. Der Lakai kam schon die Treppe herauf; es war nicht nölhig, ihm die nagende Angst dieser Augenblicke jetzt gleich zu ver- rathen. Ein Stechen und Bohren durchwühlte den Kopf des Barons, seine Hände bebten; es bedurfte der äußersten Anstrengung, scheinbar in eine Zeitung zu blicken. „Run, Fischer, was gibt es?" „Ein — Herr — wünscht den Herrn Barop zu sprechen." „Hat er seinen Namen genannt?" „Seinen Namen?" wiederholte der Lakai. „Nein, Herr Baron" „Gut, führen Sie ihn hierher, Fischer." Zwei Minuten später stand der Mann mit der verhäng- nißvollen Mission vor dem Schloßherrn. In seiner Hand lag ein Papier, das er jetzt dem heimlich zitternden Aristokraten darbot. Tod und Leben hingen an dem, was nun folgen würde. Hans Adam hatte kaum die Kraft, das Blatt auseinander zu falten- „Einen Wechsel?" stammelte er völlig fassungslos. „Ja, gnädigster Herr. Zahlbar nach Sicht. Der Herr Commerzienrath Lissauer läßt das Accept präsentiren." „Lissauer? — Und wie hoch — ich meine —" „Sechstausend Thaler, Herr Baron." Felsenlasten fielen von dem Herzen des Schloßherrn. — Sechstausend Thaler! Eine Bagatelle also. Das mußte sich ja unschwer herbeischaffen lassen. Er gab das Blatt zusammengefaltet dem Gerichtsvollzieher zurück. „Ja, mein bester Herr, im Hause habe ich soviel Geld nicht liegen." Der Beamte zuckte die Achseln. „Ich bedaure lebhaft, Herr Baron, aber — es soll in diesem Falle keine Frist bewilligt werden. Der Wechsel gelangt morgen zum Protest." „Morgen schon?" „Leider, Herr Baron!" „Gut. Ich bin morgen Vormittag bei Ihnen." Der Gerichtsvollzieher empfahl sich und Hans Adam war wieder allein. An diesen Wechsel hatte er seit Monaten nicht mehr gedacht, ja, er hatte ihn völlig vergessen. Wie kam Lissauer in den Besitz des Blattes, das vor länger als einem halben Jahre dem Pferdehändler für einen eleganten Viererzug ausgestellt worden war? Dieser elende Bursche I Jahre lang hatte er von ihm seinen Bedarf bezogen und immer cavaliermäßig bezahlt ; jetzt, bei erster Gelegenheit, wurde er zum Dank dafür verrathen und ohne Bedenken dem Halsabschneider aus geliefert- Hans Adam verschluckte einen Fluch, der weder sehr christlich klang, noch auch salonfähig gewesen wäre. Lissauer zog die Schlinge immer fester und fester zusammen, ohne Zweifel in vollster Absicht und mit ganz planmäßigem Vorgehen. Obgleich der Baron das genau durchschaute, war ihm andererseits die Entdeckung doch eine recht angenehme, behagliche. Der Commerzienrath wollte keineswegs einen einzigen plumpen Schlag führen, sondern sein Wild langsam in die Enge treiben, immer geleitet von der Hoffnung, vielleicht halben Weges eine andere Bahn einschlagen zu können, anders disponiren zu dürfen. Ruth erkannte möglicherweise die Gefahr, in welcher die Ihrigen schwebten, und ließ sich herbei, minder spröde den un* erwünschten Liebhaber abzuweisen. Zeit gewonnen war auch hier Alles gewonnen. Und der Baron lächelte schon wieder, er streckte sich bequemer aus und entzündete eine neue Cigarre. „Sollte man denn nicht mehr sechstausend Thaler auftreiben können? — Bah, eine Kleinigkeit!" Fünftausend eigentlich nur, denn das sechste lag noch baar im Schrank, das letzte von den zwölf, welche Erich so unerwartet gebracht hatte. Hans Adam schüttelte den Kopf. Wo war all' das Geld geblieben? Freilich, Hochzeit und Begräbniß, die Bernsteingrube und die Sorge für die Ueberschwemmten hatten große Summen verschlungen, dazu kamen mehrere Dampfmaschinen und die Gehälter der Angestellten, ebenso-- Aber weshalb sich den Kopf zerbrechen? Damit flog fein Groschen in die Kaffe zurück. Es gibt unter der Sonne nichts Unfruchtbareres, als eine der That nachhinkende, nutzlose und klägliche Reue. Schlimmsten Falles gab es doch wohl auch für den Besitzer von Moldt noch Credit genug, um bei einem Negotianten die Lappalie auszutreiben, fei es denn selbst gegen zwanzig Procent. Auf Kleinigkeiten darf bei solchen Anlässen niemals gesehen werden. Hans Adam blies die blauen Dampfwolken in die Luft. Nur ein Gedanke störte ihn. Wenn Cäcilie von der Sache erfuhr, bann gäbe es wieder eine unangenehme Scene mit Thränen und allerlei Gewiffensfragen. O, wie er dergleichen haßte! Lieber die Mündung einer Pistole vor sich als die gerungenen Hände einer weinenden, beleidigten Frau. Seine Stirn zog sich in krause Falten. Es war an keine Geheimhaltung, an kein Verschweigen zu denken, das wußte er nur allzu wohl. Sämmtliche Domestiken hatten den Gerichts- Vollzieher gesehen, aus irgend einem Wege würde also die Kunde in Cäciliens Zimmer gelangen. Er begab sich so spät als nur möglich in den kleinen Salon, schützte ArbeitSüberbÜrdung vor und war sehr schweigsam, so daß ihn Cäcilie heimlich forschend beobachtete. Irgend etwa» wurde ihr verborgen, das füllte sie instinctmäßig. Fräulein Malten sah aus, als habe sie Fieber; ihre Wangen glühten in verschönerndem Roth, die Augen leuchteten, aber nicht freudig oder gar glücklich, sondern in heftiger Erregung, als sei das scheue, verschlossene Mädchen angegriffen worden und rüste sich, dem Gegner Schlag um Schlag zurückzugeben. Sie betheiligte sich, wie das ihre Gewohnheit war, an der Unterhaltung mit keiner Silbe. „Adele," fragte die Baronin, „fehlt Ihnen etwas? Haben Sie irgend einen Verdruß gehabt?" Das junge Mädchen schrak auf. „Ich, gnädige Frau? Nein, gewiß nicht. Aber mein Kopf schmerzt mich sehr." „Dann legen Sie sich nur gleich schlafen, Liebe. Ruth hilft mir wohl später ein wenig." „Sehr gern, CM." „Noch Eins," fuhr die Baronin fort, „wer war vorhin hier? Es hielt ein Wagen vor dem Seiteneingang?" Die Blicke der Gesellschafterin suchte» fecundenlang diejenigen des Barons. „Der Herr Baudirector war im Schlosse," antwortete sie ruhigen Tones. „Außer ihm habe ich Niemanden gesehen." „, , (Fortsetzung folgt.) — 4 4 — GsMsinniltzigss. Gefrorenen Kartoffeln den süßlichen Geschmack zu benehmen. Das Süßw rden der Kartoffel hat nach den Untersuchungen von Dr. H. Müller nichts mit dem Erfrieren derselben gemein. Kartoffel erfrieren, wenn unter 3 Grad Kälte gelagert, ohne süß zu werden; bei geringerer Kälte werden sie süß, ohne zu erfrieren und ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. Bei der Lagerung wird in jeder Temperatur die Stärke der Kartoffel allmälig in Zucker verwandelt; bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt wird der Zucker durch eine Art Athmungsproceß consumirt, während sich bei dem Kältegrad ein Zuckerüberschuß anhäust. Bringt man daher süße Kartoffel in höhere Temperaturen, bis 20 Grad etwa, in die Küche, so nimmt der Zuckergehalt derselben ab und sie werden schon nach sechs Tagen brauchbar. * * * Bayerische Knödel. Acht altgebackene Milchwecken werden in sehr feine Scheiben geschnitten und mit einem halben Liter siedender Milch übergossen. Sind sie durchweicht, so kommen vier Eier, drei Eßlöffel voll Weizen« und drei Eßlöffel voll Semmelmehl hinzu; etwas feingewiegte Zwiebel und Petersilie wird in Schmalz gedünstet und nebst Salz beigemengt. Nachdem Alles tüchtig untereinander gearbeitet worden, werden Klöße daraus geformt. Sind alle fertig, so taucht man die Hände in kaltes Waffer und balle sie noch einmal durch, sie werden so sehr glatt und schön. Die Klöße muffen eine halbe Stunde in siedendem Salzwasser kochen. Die fertigen werden zerschnitten und mit Semmelmehl, welches in Schmalz geröstet wurde, heiß aufgetragen. * * * Einlage in Brühsuppen. Statt Gries oder Sago verwendet man häufig geriebene abgekochte Kartoffel als Suppen- Einlage. Man gießt die Suppe ab, nimmt Fleisch und Grünzeug heraus, stellt sie nochmals aus's Feuer, reibt drei mittelgroße Kartoffel (für etwa sechs bis acht Personen) hinein, läßt die Suppe damit nochmals aufwallen und richtet sie an. ♦ * ♦ Dampfkochtöpfe bedürfen geringer Aufsicht und die Speisen werden darin schmackhafter und in der Hälfte der sonst nöthigen Zeit fertig. Für Haushaltungen, wo die Frau selbst Alles besorgt, sind dieselben unentbehrlich. Veoinischtes. Hebet die Toiletten bei der großen Hofeonr am Donnerstag Abend im Berliner Schlöffe theilt ein Berichterstatter Folgendes mit: Der Kaiser trug den rothen Galarock der Gardes du Corps mit allen preußischen Orden, voran das Orangeband des hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Die Kaiserin erschien in goldschillernder silbergestickter Schleppe mit Band und Stern des höchsten preußischen Ordens, mit den großen Kronbrillanten in Collier und Diadem und dem langen weißen Schleier. Von den Damen stand dem Thron zunächst die Prinzessin Heinrich von Preußen in weißer Toilette mit Schleppe aus Silberbrokat, Brillanten und Perlen im Collier und im Diadem aus dem schönen blonden Haar. Die Erb- Prinzessin von Meiningen strahlte in einer überaus kostbaren Toilette aus rosa Sammet mit entzückender Silberstickerei, als Schmuck ein wunderbares Brillantdiadem, ein großes Collier aus Perlen und Brillanten und Broschen aus denselben Edelsteinen. Die Schwester, Prinzessin Victoria zu Schaumburg- Lippe, war in eine Robe von Goldbrokat gehüllt; an der goldgestickten Taille leuchtete ein frischer Rosenstrauß neben Perlen und Brillanten, die auch das Haar zierten. Die jüngste der Töchter der Kaiserin Friedrich, die selbst der Cour fern geblieben war, Prinzessin Margarethe, war ganz in Weiß gekleidet, Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der eine Farbe, welche dem sympathischen, immer huldvollen Äus« druck ihrer Züge etwas Feierliches gab. Die Schleppe zeigte eine äußerst reiche und geschmackvolle Goldstickerei, welche auch die Taille und Aermel der Robe zierte. Eine Rivisre von Brillanten umschloß den Hals und ein Brillantendiadem erhob sich aus dem kurz fristrten Haar. Hnverbesserlich. Bettlerin (diesoeben vierundzwan- zig Stunden Arrest als Strafe für Betteln erhalten): „Euer Gnaden, kaiserlicher Rath, könnte der Arrest nit in a Geld- straf' geändert wer'n?" — Richter: „Woher wollen Sie denn in diesem Falle das Geld nehmen?" — Bettlerin: „No mein! Das thät t schon so nach und nach z'sammenbetteln, Herr Rath!" __________ Literarisches — Der Winter ist mit voller Macht in's Land gekommen: der Schnee knirscht unter den Füßen nnd draußen in Wald und Feld ist alles Leben verödet. Die munteren Säuger haben sich nach den schützenden Häusern gezogen und machen sich unter lebhaftem Gezänk die Bro- samen streitig, welche ihnen von mitleidigen Seelen hingestreut werden. Von den Menschen aber sieht man nur wenige auf den Straßen; >ver es nicht uölhig hat, der bleibt eben lieber daheiiu beim warmen Ofen, anstatt sich der Gefahr ansznsetzen, draußen Nase und Ohren zu erfrieren. Jetzt ist ja recht die Zeit, wo das Familienleben seine schönsten Blütheu e treibt. Eltern und Kinder gruppiren sich in der behaglich durchwärmten Stube um beit ruuden Tisch, auf dem die Theernaschine ihre ein« töuige, aber anheimelnde Weise summt, und um die sriebliche Behaglichkeit zu einer vollkommenen zu machen, fehlt nur noch eine gute Lectüre. An solcher ist nun freilich in Deutschlaub kein Mangel, aber es ist nicht etwa nur bei' embarras de richesse, welcher dem Familienvater die Wahl schwer macht. Die Schwierigkeit liegt vor Allem darin, etwas zu finden, was allgemein anregt und jeden Leser znfriedeustellt. Zu solchem Zwecke dürfte Schorcrs Familienblatt in jeder Familie ein gern willkommener Gast sein. In einem „Sie" betitelten Roman von E. Sielt), mit dem der neue Jahrgang beginnt, entwirft die geistvolle Verfasserin in frischen kecken Zügen eine Anzahl Frauentypen ans den verschiedensten Gesellschaftskreisen, denen das traurige Loos zugefallen ist, ihre Männer ernähren zu müssen. Der in den ersten Fortsetzungen vorliegende Roman verspricht einen ungemein fesselnden, anziehenden Verlaus zu nehmen. Auch sonst läßt sich bei dem feit einiger Zeit unter der Rebacüon von Emil Peschkan stehenden Familienblatt sowohl in literarischer wie in künstlerischer Beziehung unverkennbar ein sehr erfreulicher Aufschwung constatiren. Gedenket der hungernden Vögel! Verschneit, verweht ist Wald und Feld, Wehklagend ist der Vögel Lied, Der Winter hat sich eingestellt, Ein kalter Wind das Land durchzieht. Der Staar, die Ammer und der Fink, Die Meise, Amsel und die Lerchen: Das Köpfchen allen traurig hing, Und nirgends Schutz, wo sie sich bergen. Sie flogen hin zu Dorf und Stadt, Die liebe, munt're Vogelschaar, Und bitten halb erfroren und matt Euch um das Futter immerdar. O streut uns doch ein kleines Plätzchen Im Garten, Hof, vor'm Fensterbrett; Wir bitten nicht um Zuckerplätzchen, Nur Körner, Brod und etwas Fett. Wie wollen wir im Frühjahr schon, Wenn Alles keimt und lebet wieder, Euch doppelt gelten Euren Lohn Und singen Euch die schönsten Lieder! Louis Rolofs. rühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.