Uir. 139 1893. T-S—H- sog MsAc V'-,’ .-■ ■ -- ie Liebe diese trau' weni hohe Der mit — vielleicht auch die abendliche Zusammenkunft. „Warum hat man mir das verschwiegen?" fragte er trau« „Es wäre uns vielleicht viel Kummer erspart geblieben." „Ich will es Ihnen sagen, Graf," sprach der Sterbende. Scherwiz war die Milchschwester meiner Frau, diese adoptirte unser Kind." Darauf folgte mehrere Minuten lange» Schweigen und tausenderlei Gedanken schwirrten dem Grafen durch den Kopf. Was er soeben gehört, erklärte da» ganze Geheimniß, die Briefe „Meine Tochter wollte Ihnen das Geheimniß anvertrauen, weil es ihr das Leben verbitterte; sie erfuhr ja überhaupt erst davon, als ihre arme Mutter kurz vor ihrem Tode zu Ihrer Gattin kam und dieser Alles erzählte. Und ihre Mutter nahm ihr das feierliche Gelöbniß ab, daß sie es nie verrathen wolle und Martha hatte diesen Schwur treu gehalten. Es war wie eine Fügung des Himmels, daß ich gerade nach Roddeck kommen und da das Grab meiner Frau und mein lebendes Kind finden mußte. Erinnern Sie fich, wie ich zuerst ihr Bild sah?" „Sehr gut," erwiderte Curt, traurig mit dem Kopfe nickend, „warum sagten Sie mir da nicht die Wahrheit?" „Das wagte ich nicht, weil mein ganzes Leben sine elende Lüge war. Jetzt, im Sterben, kann ich wagen, es auszu- sprechen: mein wahrer Name, Graf, ist Werner Horst. Ich war von Jugend auf ein böser Knabe und vergeudete in kür« zester Zeit da» Erbe meines Vaters. Heute kann ich Ihnen sagen, was gestern nicht um Alles in der Welt über meine Lippen gekommen wäre. Ich machte mich einer großen Fälschung schuldig und erhielt Gefängnißstrafe- Wenden Sie sich nicht von mir ab, ich bin für meine Sünden genugsam gestraft worden." „Aber noch verstehe ich nicht," unterbrach ihn der Graf in mildem Tone, „warum wollten Sie mir das Geheimniß verbergen?" „Weil ich, sobald ich Ansprüche an mein Kind erhob, hätte sagen müssen, wer ich bin. Unter Thränen bat sie mich, er Ihnen sagen zu dürfen, aber ich mochte nicht." „O Gott, sie ist ein Opfer ihres Ehrgefühls gewordenI" flüsterte der Graf. „Sagen Sie mir doch das Eine: haben Sie sich an dem Abend vor Ihrer Abreise mit meiner Frau in dem Laubgang getroffen?" „Ja," lautete die Antwort, „ich bat sie darum, und ob» wohl widerwillig, stellte sie sich nach Dunkelwerden da ein." „Hat sie je Briefe von Ihnen empfangen?" fragte Graf Curt mit matter Stimme. „Zweimal," entgegnete Werner Horst, „doch woher wissen Sie das? Und wozu diese Fragen?" „Weil Sie dazu beigetragen haben, meine arme Martha zur Verzweiflung zu treiben," sagte Curt, und darauf erzählte er all' das Traurige, das sich während der letzten kurzen Zeit auf Villa Roddeck zugetragen hatte- „Machen Sie mir keine Vorwürfe," sprach der Sterbende, ..meine Sünden lasten schwer auf mir. Ich hätte leichter sterben können, wenn ich sie noch einmal gesehen hätte; nun ist mir durch meine eigene Schuld auch diese meine letzte Hoffnung versagt."--- Breiten wir einen Schleier über dieses Sterbebett, das Die, welche während der letzten Augenblicke des Sterbenden zu« gegen waren, nie vergaßen. Sechsundzwanzigste» Capitel- Erst als Werner Horst, der sich Paul Lambrecht genannt hatte, schon mehrere Stunden tobt war, ward es Licht in der Grafen Innern, erst da fiel ihm der verhängnißvolle Jrrthum seiner Gattin ein; erst da entsann er sich der Unterhaltung — der er so wenig Werth beigelegt hatte — wie er der armen Martha auf ihre Fragen geantwortet hatte: „Eine solche Frau muß zu ihren Verwandten zurückgeschickt werden." Wie blind, wie thöricht war es von ihm, daran nrcht früher aedacht ru haben! Eilends kehrte er heim nach Villa Roddeck, um dem Andenken an seine geliebte Gattin den letzten Schatten von Ver- Lambrecht. Das bewies Curt von Neuem, wie thöricht sein Verdacht gewesen war. Noch ahnte keiner von all' den Herren, welch' trauriges Schicksal den Grafen und Herrn Lambrecht, den gar Mancher um die gute Partie beneidete, ereilt hatte. Von Bolitz, dem Sommeraufenthalte seiner Braut hsim- kchrend, war Lambrecht von seinem Pferde, das plötzlich gescheut halte, abgeworfen und mit dem Kopf gegen einen spitzen Stein geschleudert worden. Man hob ihn besinnungslos auf und brachte ihn in seine Wohnung; hier kam er nach längerer Zeit wieder zum Bewußtsein, aber der Arzt hatte keine Hoffnung. Er gab dem Unglücklichen zu verstehen, daß, wenn er auf dieser Welt noch Wichtiges zu erledigen habe, es wohl Zeit fei, daran zu denken. „Wie? Meinen Sie, daß ich sterben muß?" fragte Lam« brecht mit heiserer Stimme. „Es ist besser, Sie wissen die Wahrheit," erwiderte der Arzt sanft, „ich fürchte, daß Sie den morgenden Tag nicht mehr erblicken werden. Jedenfalls ist es gut, wenn Sie mit Gott und den Menschen Frieden schließen." Da schwand der Gedanke an seine Braut wie ein vergessener Traum — noch einmal sah er Magdalene — seine arme Magdalene — und dann gedachte er Marthas — seines Kindes — ob sie wohl zu ihm kommen würde? — Was lag ihm jetzt daran, das Geheimniß noch zu bewahren? Es fiel ihm ein, daß er dem Grafen ja erst vor einigen Stunden begegnet war, er wollte zu ihm schicken und ihn fragen lassen, ob es möglich wäre, die Gräfin bald bei fich zu sehen. Die ärztliche Wissenschaft vermochte ja Wunderdinge — gewiß würde ste auch sein Leben um einige Stunden verlängern können. Der Bote traf glücklicherweise den Grafen in seiner Wohnung. Derselbe war nicht wenig erstaunt und betroffen von der Kunde. — Wie? Herr Lambrecht lag im Sterben und verlangte nach ihm? Wie ein electrischer Funke suhr ihm der Gedanke durch den Kopf, das müsse irgend etwas mit feiner verschwundenen Gattin zu thun haben. Fünfundzwanzigstes Capitel. So schnell als irgend möglich eilte der Graf zu dem Sterbenden. „Gut, daß Sie kommen," begrüßte der Kranke ihn mit mottet Stimme, „ich habe Ihnen viel zu sagen. Ich muß sterben, wie der Arzt mir erklärte; doch muß ich noch über Ihre Gemahlin mit Ihnen reden." Graf Curt fuhr heftig zusammen. „Ueber meine Frau?" stieß er erregt hervor. „Was könnten Sie mir über meine Frau zu sagen haben?" „Ich möchte fie noch einmal sehen," hauchte Lambrecht leise, „der Arzt sagt mir, ich müsse sterben, und es ist meine letzte Bitte: lassen Sie mich sie sehen, damit mein letzter Blick auf sie fällt." „Wissen Sie, wo sie sich befindet?" fragte Curt. „Nein," lautete die Antwort, „vermuthltch auf Villa Rod« deck. Das ist ja nicht so weit. Wenn sofort zu ihr geschickt wird, kann sie bald hier sein." Dieser also wußte nichts von ihrer Flucht — sein Verdacht war also ein falscher gewesen. „Was veranlaßt Sie zu dem Wunsch, meine Frau zu sehen?" sagte er. „Sagen Sie es mir — vertrauen Sie mir." „Ja, das will ich," versetzte Lambrecht. „Ich weiß nicht, was Ihnen von der Herkunft Ihrer Gattin bekannt ist. Ich muß sie sehen — ach, Herr Graf von Roddeck, ich muß ste noch einmal sehen, denn sie ist mein einziges Kind!" „Ihr Kind?" wiederholte Curt in höchstem Erstaunen. „Ja, mein Kind," sprach der Kranke. „Ihre Mutter, meine Frau, war einst das schönste Mädchen in der ganzen Provinz. Als ich Ihre Gattin sah, da war mir, als sei mir meine Magdalene wiedergegeben worden, so jung und schön wie damals, als ich sie kennen lernte. Ihre Gattin ist meine Tochter. Graf Scherwiz war mein bester Freund, die Gräfin 555 dacht zu nehmen. Seine Mutter war von dem, was Curt ihr erzählte, tiefer ergriffen, als sie sich selbst eingestehen mochte- „Was gedenkst Du zu thun?" fragte sie endlich. „Wenn ich das wüßte, Mutter!" versetzte er traurig. „Wenn es nach mir ginge, möchte ich am liebsten sterben; Kummer und Sorge haben mir allen Lebensmuth genommen, ich habe keine Hoffnung, die Geliebte wiederzufinden. Aber was hilft es? Ich darf nicht verzweifeln, ich muß das Leben ertragen." Melanies Augen füllten sich mit Thränen, als sie sah, wie traurig und trostlos Curt war. Hatte sie bnum ihre Liebe und ihr Glück geopfert? Beiler schien es für ihren Vetter, dieses schöne Mädchen hätte nie seinen Weg gekreuzt. Wie traurig und verändert war er; welchen Wechsel hatten die wenigen Tage des Kummers bei ihm verursacht, auf seiner hohen Stirn und um die festen Lippen lagen tiefe Sorgenfalten. Der Ausdruck tiefer Niedergeschlagenheit contrastirte traurig mit seinem früheren freundlichen Wesen. Sowohl von dem Roddeck'schen Landsitz, wie von der Residenz aus wurde Alles angestrengt, der Gräfin Marthas Zufluchtsort ausfindig zu machen, aber Alles erwies sich als nutzlos. Wochen wurden zu Monate, aber keine Spur — nicht die geringste — ward entdeckt. Welches Loos harrte ihrer, wenn sie noch lebte — ohne Geld und ohne Freunde? Der Graf suchte den schweren Schlag, der ihn getroffen, muthig zu ertragen, aber bald verließen ihn seine Kräfte und sechs Monate nach der Flucht seiner Gattin erkrankte er sehr schwer und schwebte wochenlang zwischen Leben und Tod- Die Aerzte erklärten Luftveränderung und eine völlig andere, neue Umgebung für das einzige Mittel, ihn am Leben erhalten zu können. Nur widerwillig verstand der Leidende sich dazu, auf einige Zeit nach dem Süden zu gehen. Seine Mutter hätte ihn gern mit Melanie begleitet, aber das gab er nicht zu. „Nein, liebe Mutter," bat er in weichem Tone, „bleibe Du zu Haus. Mein verlorener Liebling könnte Heimkommen; sorgt dafür, daß sie da« Hau« nicht einsam und öde findet." Melanie von Selten und Herbert von Kalborn standen eine« Tages an demselben Fenster, von dem au« sie einst Graf Curt mit seiner jungen Gemahlin — als diese sich auf die Hochzeitsreise begaben — beobachtet hatten; nachdem sie Beide längere Zeit schweigend neben einander gestanden hatten, sprach Melanie sinnend; „Wer hätte gedacht, daß ein so schönes Eheglück so enden könnte!" „Macht es Sie ängstlich?" fragte Herbert innig. „Ach, Melanie, wenn Sie nur versuchen wollten, mich ein wenig lieb zu gewinnen! — Uns würde kein solches Schicksal treffen." „Sind Sie dessen so sicher?" fragte Melanie. „Ja," entgegnete Jener, „ich will ja Curt keinen Vorwurf machen — es waren eigenthümliche Verhältnisse, aber wenn Sie die Meine wären und ich sähe, daß Sie mir irgend etwas geheim halten, so würde ich Ihr Schweigen ehren, weil ich volles Vertrauen zu Ihnen habe." „Das können Sie jetzt wohl sagen," entgegnete Melanie lächelnd, „indeß kann man nicht wissen, wie man selbst unter ähnlichen Umständen handeln würde." „Melanie," rief Herbert und seine hübschen Züge erglühten vor Aufregung und Liebe, „es ist schon lange her, seit ich das erste Wort von Liebe zu Ihnen zu sprechen wagte; Sie wiesen mich nicht zurück und die edlen Worte, welche Sie damals zu mir sprachen, haben mich angespornt, daß ein Mann aus mir geworden ist, der gelernt hat, sich seinen Platz in der Welt zu behaupten. Unter Ihrem Banner habe ich gefochten, Melanie, darf ich jetzt um meinen Lohn bitten?" „Ich verstehe mich nicht auf Schmeichelworte," gab diese ruhig zur Antwort, „aber ich muß Sie loben, Herbert; Sie haben Ihre Aufgabe treu erfüllt und ich bin stolz auf Sie. Fordern Sie Ihren Lohn und wenn es in meiner Macht liegt, Ihnen denselben zu gewähren, so soll er Ihnen sein." Herbert» Gesicht erblaßte vor Freude über diese Hoffnung verheißenden Worte. Wie ein Thränenschleier schwamm es ihm vor den Augen und seine Stimme zitterte, als er sprach, und die eine Hand in Melanies zarte, juwelengeschmückte Rechte legend, sagte er: „So werden Sie die Meinige, Melanie!" In ihrem erröthenden Gesicht und den beredten Augen las er seine Antwort. „Sie sind das edelste aller Mädchen," fuhr er lebhaft fort, „lehren Sie mich des Glückes, Sie zu besitzen, werth sein!" „Stellen Sie mich nicht gar zu hoch," erwiderte sie lächelnd, „damit ich nicht falle. Doch noch Eins — ich muß offen mit Ihnen reden. Ich — ja, ich liebe Sie, Herbert; aber ich kann mich unserem Glücke nicht völlig hingeben, so lange eine finster drohende Wolke über Roddeck schwebt. Helfen Sie uns, diese vertreiben, und dann wollen wir wieder von uns reden." „Gut, es sei, Melanie," hauchte Herbert, indem er dis zarte Gestalt an sich zog und den ersten Liebeskuß auf ihre weiße Stirne drückte. Siebenundzwanzigstes Capitel. Drei Jahre glitten dahin, ohne daß sich auf der Roddeck« schen Besitzung viel geändert hätte. Selbst die Gräfin, Curts Mutter, hatte alle Hoffnung aufgegeben; selbst gegen Melanie ließ sie mit keinem Worte ihre Vermuthung laut werden; im Stillen aber glaubte sie, Martha sei tobt; wie hätte man sich sonst ihr anhaltendes Schweigen erklären können? Curt hatte noch nichts über seine Rückkehr verlauten lassen. Er schien ganz vergessen zu haben, daß er eine Heimath hatte. Oft brachte seine Mutter Stunden und Stunden in der Bilder« gallerie zu; ihr Sohn, ihr edler Sohn, dessen Zukunst sie sich so voll Stolz und Hoffnung ausgemalt hatte — er war der letzte Graf, dort hing sein Bild. — Wer würde einst die leere Stelle daneben einnehmen? Niemand würde seinen Namen, seinen Titel erben — das alte, edle Geschlecht starb aus; so lange der geringste Zweifel über das Schicksal seiner Gattin blieb, würde Curt sich nicht wieder vermählen und selbst wenn er sichere Kunde von ihrem Tode erhielte, würde ihn keine Andere je fesseln, — er hatte seine Martha zu sehr geliebt. Da« alte, edle Geschlecht mußte aussterben! Diese Ueber« zeugung erfüllte die stolze Gräfin mit tiefer Betrübniß. Statt, wie sie gehofft, den jungen Erben von Roddeck, noch bevor sie starb, in ihre Arme schließen zu können, irrte ihr Sohn ein« sam und kinderlos umher. Sie wünschte — ach, und sie wünschte vergebens — sie wäre freundlicher gegen die Gattin ihres Sohnes gewesen, sie hätte dem armen, mutterlosen Kinde gelehrt, sie zu lieben und ihr zu vertrauen. Wie anders wäre jetzt Alles! Da wäre Martha in ihrer Angst und Roth zu ihr gekommen — nun war es zu spät! Das dunkle Haar, auf das die Gräfin so stolz gewesen war, ward vor der Zeit weiß von Kummer; tiefe Furchen auf dem schönen, stolzen Gesicht sprachen von schweren Sorgen und langen, schlaslosen Nächten. Mehrmals hatte sie an ihren Sohn geschrieben und ihn flehentlich gebeten, heimzukehren; aber er erwiderte, daß er den Anblick von Schloß Roddeck nicht ertragen könne und nicht eher in die Heimath zurückkehren würde, bis er etwas über das Schicksal seiner Gattin wußte- Eines Abends, als Melanie unerwartet in das Zimmer ihrer Tante trat, fand sie dieselbe in Thränen aufgelöst; sie erschrak heftig bei diesem Anblick, erinnerte sie sich doch nicht, in diesen stolzen Augen je Thränen gesehen zu haben. „Ach, Melanie," schluchzte die Gräfin, „mir bricht das Herz; womit können wir Curt bewegen, heimzukehren?" „Ich weiß es nicht," versetzte diese rathlos; „daß Du aber den Muth, die Hoffnung verlierst, ist das Letzte, was ich ertragen kann — das darf nicht sein." „Ich kann es nicht ändern," sprach die Gräfin trostlos, „meine Kräfte sind erschöpft; wenn Curt nicht bald kommt, fleht er mich niemals wieder." „Soll ich ihm schreiben und ihm das sagen, Tantchen?" fragte Melanie zärtliche äa 556 -= „O nein; er schreibt, er könne den Anblick der Heimath nicht ertragen- Wenn er nun meinethalben zurückkehrte und es ein Unglück gäbe, könnte ich mir das nimmer vergeben. Geduld muß hier das Losungswort fein." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Rathschläge für Heizung mit Steinkohle«. Im October 1891 hat die Stadtverwaltung von Chemnitz nach dem Hannov. Gewerbeblatt Vorschriften bezw. Rathschläge für die Feuerung von Zimmeröfen und Küchenherden erlassen, welche im Verein mit den für Kesselfeuerung erlassenen Vorschriften einen guten Erfolg erzielt haben. Dieselben lauten: 1- Vor der Etnsührung von Brennstoffen in den Feuerraum sind alle Rückwände zu entfernen. 2. Der Aschenraum muß rein fein und auch während des Feuers entleert werden, wenn er bis zur Hälfte geteert ist. 3. Die Kohlen sollen auf Hühnereigröße verkleinert und trocken in den Feuerraum eingebracht werden. 4. Beim Feueranmachen ist der hintere Theil des Rostes (etwa zu zwei Drittel) mit Brennstoffen zu bedecken. Das zur Entzündung bestimmte Holz und dergleichen ist vor die Kohlen zu legen, soll trocken und zerkleinert fein. Die Feuerthür ist nach dem Anzünden des Holzes rasch zu schließen. Auf die Entwickelung und Erhaltung einer stetigen, lebhaften Flammenbildung ist zu achten, da sonst die aus den Brennstoffen entwickelten Gase un» ausgenutzt entweichen und Rauch wie Ruß verursachen- 6. Sind die Kohlen in guten Brand gerathen, so sind dieselben gleichmäßig aus der Roste auszubreiten. Die zur Erhaltung des Feuers nöthige Luft ist vorwiegend von unten her in die Brennstoffe einzuleiten; die richtige Regelung des Luftzutritts ist das Wesentlichste zur Erzielung einer guten und sparsamsten Verbrennung. Zu viel Lust oder Luftzutritt von solcher Seite kühlt den Feuer raum ab, verhindert eine rauchlose Verbrennung und vertheuert die Feuerung. • Wie muß ein Schuh beschaffen sein, damit man gut darin gehen kann? Mf diese Frage giebt der Hausdoctor, eine Wochenschrift für naturgemäße Lebens^ und Heilweise, folgende namentlich für unsere Schuhmacher beob- achtenswerthe Antwort:),,Er muß nach dem Fuße gearbeitet sein." Das geschieht aber unter Beobacht ung einer ganzen Reihe von Einzelpunkten, welche sind: 1) Die Brandsohle darf nicht schmäler sein als die Fußsohle, die man von dem auf ein Papier gestellten Fuß abgezeichnet hat- 2) Die äußere Sohle muß rechts und links noch etwa 1/2 Zentimeter breiter sein als die Brandsohle- 3) Der Schuh muß für jeden Erwachsenen 2 Zentimeter länger sein als die Fußabzeichnung. 4) Der Schuh darf an der Spitze nicht schmäler sein als der Fuß. Die Fußspitze darf kaum merklich schmäler sein als die Ballenstelle, damit die Zehen bequem Platz haben, wodurch dem Entstehen von Hühneraugen vorgebeugt wird. 5) Neber dem Ballen und den Zehen muß der Schuh ebenfalls genügend Raum bieten, damit sich Bänder und Gelenke bewegen können. 6) Am Rist („Reuen") und in der Ferse muß er gut anschließen, weil hier?.bie Bänder und Gelenke sich nicht dehnen. 7) Der Schuh darf nur einen niederen breiten Absatz haben. 8) Sein Oberleder muß ganz weich sein, das Innere des Schuhes vollständig glatt. 9) Der Fuß braucht einen rechten oder einen linken Schuh viel nöthiger als die Hand einen rechten oder linken Handschuh (damit ist das vielfach übliche „Umwechseln" der Kinderschuhe verworfen) und hat das tägliche Waschen so nothwendig als das Gesicht. 10) In einem Schuh oder Stiefel, welcher keinen Lustzugang zum Fuße gestattet, wird man sich niemals wohl befinden. Der tief ausgeschnittene Schuh ober ein Stiefel zum Schnüren ist deshalb allem Modeschuhwerk vorzuziehen. „Das sind die 10 Gebote gesunder Füße." Gedünstetes Weinkraut. Man entfernt von mehreren schönen Weißkohlköpfen die äußeren harten Blätter, schneidet jeden Kopf in vier Th eile, löst die Strünke und starken Blattrippen aus und blanchirt nur den Kohl in Salzwafser 5 Minu. ten, um ihn darauf abtropfen zu taffen. In einem genügend großen Topf zerläßt man halb Butter und halb Gänsefett, fügt % Liter Weißwein, 3 Löffel Zucker, 1 Taffe kräftige Bouillon aus Liebigs Fleischextract, Salz, einige zerschnittene Aepfel und Weinbeeren und dünstet hierin, nachdem der Kohl nudelartig zerschnitten wurde, das Kraut langsam weich, wobei man, wem es nöthig scheint, hin und wieder etwas Wein nachgießt. Man kocht zuletzt eine rohgeriebene Kartoffel noch 10 Minuten mit dem Kraut und richtet es dann möglichst umgehend an. Tier Weinkraut ist von tMlichem Wohlgeschmack, ein vorzüglicher Ersatz für Sauerkraut, wenn dieses noch nicht genügend durchsäuert ist; auch kann es im Winter die Stelle von Sauerkraut vertreten, wenn empfindlichen Magen dieses nicht zuträglich ist. » • Kartoffelkuchen. Aus 1 Kilozr. geriebenen gekochten Kartoffeln, Vr Kilogr. Mehl, etwas Salz, 250 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, 4 Eiern, 50 Gramm Hefe und etwas guter Milch knete man einen festen Teig und taffe denselben an einem kühlen Orte einen Tag stehen. Nach dieser Zeit treibe man daraus drei dünne Kuchen auf, die man mit dem Kuchenrädchen in beliebig schräge Stückchen abtheilt, doch ja nicht zerschneidet. Hat man die Kuchen nun reichlich mit zerlassener Butter bestrichen, so werden sie, in der Röhre hochgestellt, 20-25 Minuten gebacken, dann mit Zucker und Zimmet bestreut und so am liebsten warm gegeffen. Vermischtes. Einen guten Fuhrmannswitz bringen die „Basl. Rachr." herbei. Fremder: „Was kostet die Fahrt nach Inter- laten?" - Kutscher: „Zwanzig FrankenI" - Fremder: „Aber Bädecker sagt doch zwölf Franken?" — Kutscher: „He nu, so lähnd Eu vom Bädeker fahre I" Um jeden Preis. „Bauer, warum läufst denn barfuß im Schnee herum?" — „Ja, wissen’s, mei Alte gibt nur dann ’n Schnaps, wenn r’.Leibweh hab'I" Scherzfragen. 1) Welche Aehnlichkeit haben Studenten und Krebse? Beide kneipen gern- - 2) Welche Aehnlichkeit hat die Schiefertafel mit der Ehe? Junge Mädchen rechnen darauf. * * Zu viel verlangt! Profeffor: „Wissen Sie nicht, daß Sie mich zu grüßen haben?!" - Schüler: „Verzeihen Sie, ich bin kurzsichtig!" — Profeffor: „Dann hätten Sie einfach näher lammen sollen!" Wohlmeinend. Schriftsteller: „Was soll ich nun „mit meinem zurückgewiesenen fünfactigen Drama anfangen ?" — Kritiker: „Machen Sie einen „Gedankensplitter" daraus!" * ♦ Aberglaube. „Unser Freund Oskar ist ein furchbar abergläubischer Mensch!" - „Wieso?" - „Na, gestern wollte er mir nicht 20 Mark borgen, weil Freitag war I" ♦ ♦ Nobel. Verkäufer: „ Sie wünschen eine Roßhaarmatratze?" — Kommerzienrath: „Ja, aber nur von Vollblut-Pferden, wenn ich bitten darf!" * • Hyperbel. Gast (der in einem Gasthof einen Knödel serviert erhält, aus welchem zu seinem Entsetzen ein kleines Härchen ragt): „Jean, lassen Sie doch den Knödel lieber noch mal rasieren!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.