ytt A 2^cWa/z J, ’ 'Tre*rrv^fc_ L i^§. Nr. 99 1893 Donnerstag, den 24. August. ohne mich dem un* anehmen- Jahreszeit 10 Liter S Honig, itttju und :ung aus m müssen, tronensast Bouquet- irb neuer« abers zur ;ten selbst, Doch ist ie Vorsicht er, Tabak, i Eiern zu m Bettler): ." — Bett, t Sie einen ist denn am Dein Vater u jetzt gehet- rseind!" - hildmaler): c irgendwo zerr Lehrer, ei zu drei!" „Sei recht itzen bleibst! 4 aus lang' Das goldene Kalb Novelle von Reinhold Ortmann. len Sie mir sien ja doch, Güter!" - das ist nur Commilitonen, die derselben Verbindung angehören, dergleichen nicht vor einander verbergen können." „Allerdings! — Ich kann diese Fragen in ihrer Allgemeinheit nicht ohne Weiteres verneinen — aber ich weiß nicht —" „Und Sie entzweiten sich dann mit ihm," fuhr Editha, ohne ihn ausreden zu lasten, hastig fort. „Sie kündigten ihm Ihre Freundschaft auf, weil Sie die Gewißheit erlangten, daß er eine erbärmliche, eine ehrlose Handlung begangen hatte! — Verhält es sich nicht so? — Können Sie mir mit Ihrem Ehrenwort erklären, daß es sich nicht so verhält?" „Ich mußte es, soweit ich mich erinnere, schon einmal ablehnen, Ihnen über die Ursachen meines Zwistes mit Ihrem Verlobten Auskunft zu geben, Fräulein von Haffelrode! Sie sollten mich nicht in die unangenehme Nothwendigkeit versetzen, diese Ablehnung heute zu wiederholen." „Wenn Sie eines Menschen Leben retten könnten um den Preis einer geringfügigen Verletzung jener Gebote, welche Zart« sinn und meinetwegen auch Ehrgefühl Ihnen vorschreiben — würden Sie dann auch nur eine Minute lang zögern, dem großen Zweck dies kleine Opfer zu bringen?" „Wohl kaum, — wenn es sich wirklich um ein Menschen» leben handelte; aber hier —" „Hier ist es das Glück und die ganze Zukunft eines solchen Daseins, um welche es sich handelt," fiel sie ihm in die Rede. „Ist das nicht im Grunde ganz dasselbe? — Ich habe Sie beleidigt und verletzt — o, versuchen Sie nicht, es in Abrede zu stellen — ich selbst kenne mein Verschulden gut genug, um mich durch keine großmüthige Versicherung des Gegentheils täuschen zu lassen — ich habe also nicht um Sie verdient, daß Sie meinetwegen auch nur die kleinste That der Selbstüberwindung vollbringen. Aber ich habe eine zu hohe Meinung von Ihrer Ritterlichkeit, als daß ich zu fürchten vermöchte, Sie könnten mich mit heimlicher Genugthuung einem selbstverschuldeten Elend entgegen gehen — einer selbstverschuldeten Schmach erliegen sehen! — Was Sie für den Letzten und Armseligsten unter Ihren Bekannten thun würden, das werden Sie auch für mich thun, nicht wahr, wie tiefgewurzelt auch Ihr Groll gegen mich sein mag." „Ich wäre selbstverständlich mit Freuden bereit, Ihnen jedes Opfer zu bringen; aber ich verstehe wirklich nicht, was es zu Ihrem Glücke beitragen könnte, wenn ich einwilligen wollte, Ihnen jene alten, von mir selber fast schon vergessenen Geschichten zu erzählen." „O nein, Doctor Asmus, Sie haben sie noch nicht vergessen. Jedes Wort, das Sie zu Hugo Neukamp gesprochen, jeder Blick, den sie auf ihn gerichtet haben, ist ein Beweis dafür, daß Sie sich ihrer noch unablässig erinnern. Aber ba): „Nun, " — Frem» • Der Nach» er Alles an. (Fortsetzung.) Ein Klopfen war es, bas Editha nach Verlauf einer Viertelstunde auffahren ließ. Ihre trockenen Augen zeigten, baß sie nicht eine einzige Thräne vergossen hatten; aber ihr Aussehen hatte sich erschreckend veränbert und sie machte jetzt wirklich ganz bett Eindruck einer Schwerkranken. „Doctor Asmus ist da, um nach Dir zu sehen!" sagte Monika, die auf der Schwelle erschien. „Willst Du, daß ich ihn sogleich hereinführe?" „Ja — und ich bitte Dich, laß' mich mit ihm allein! Ich möchte etwas mit ihm besprechen, wobei mich selbst Deine Gegenwart geniren würde." Wenn dies Verlangen Monika befremdete, so ließ sie in ihrem Benehmen doch nichts davon merken. Sie winkte den Doctor herein und zog sich leise zurück. Der junge Arzt aber hatte Mühe, seine Bestürzung zu verbergen, als er Edithas an- sichtig geworben war. „Wie geht es Ihnen, Fräulein von Hasselrobe?" fragte er mit nur schlecht maskirter Besorgniß. „Verursacht Ihnen Ihre Wunbe starke Schmerzen? — Oder haben sich etwa inzwischen noch andere lästige Erscheinungen eingestellt?" „Rein!" erklärte sie mit einem energischen Kopfschütteln. „Ich bin überzeugt, daß die kleine Schramme nichts auf sich hat, und ich fühle mich schon wieder fast ganz wohl- Aber ich habe trotzdem mit Sehnsucht auf Ihr Kommen gewartet; denn ich habe eine Frage an Sie zu richten, auf die Sie mir als .Mann von Ehre offen und rückhaltlos Antwort geben müssen. Wollen Sie mir versprechen, das zu thun?" „So weit es in meinen Kräften steht und nicht im Wider- spruch ist mit meinen Pflichten — gewiß! — Aber wenn es sich, wie ich fast vermuthe, um Dinge handelt, die aufregend auf Sie wirken könnten —" „O, nehmen Sie keine Rücksicht auf meine Nerven — sie sind widerstandsfähig genug, um selbst einen starken Ansturm auszuhalten, und gerade die Gewißheit, die ich von Ihnen zu haben wünsche, soll mir überdies meine verlorene Ruhe wiedergeben. — Sie waren mit meinem — mit Herrn Hugo Neukamp während seiner Studienzeit befreundet und Sie waren als sein Freund gewiß auch in seine intimsten Angelegenheiten eingeweiht — nicht wahr? — Sie wußten, was er trieb und mit wem er verkehrte — es ist ja selbstverständlich, daß zwei ter: „Was ,e Ablösung H-- Nnteichaltungsblatt zrrin Gietzeirev Anzeiger (General-Anzeiger) 394 —. andere Gedanken zu kommen-" Ich will es versuchen, Doctor Asmus," versprach sie II' Fragen doch ui in der befolgt seien, i Tochter jeder sanfte, bereiten von un Be- As« sah auf Ni Erfüll« den Au ihre Al im gün würde. Di stand h keinen । manden hängend strengen alle übr treten spruch, kümmert aber leg hindern sehen, ersten 9 machte, und verl Arztes c stillen ui er in so mals eri Voll eif( verließ c noch dur kundigen Vermittel zu sein; in übelf Unterhal auch nur Wie Doctors treue, un allein ihr zu errath und Tag feinen Jr daß sich ganze Lei gründ au des Zorn Schwester stellungen hörte wo lieferte zr früheren Abe wenn sie Besuchen die Beuri konnte, s Fieberpho Heimnisse schaftlichei wenn es Ihnen denn so sehr widerstrebt, mir eine Geschichte zu erzählen, so will ich Ihnen diese Aufgabe ersparen und will nichts weiter von Ihnen verlangen, als ein einfaches Ja oder Nein! Aber ein Ja oder Nein auf Ihre Ehre, Doctor Asmus! — Es wäre die unverzeihlichste Handlung Ihres Lebens, wenn Sie es jetzt über's Herz brächten, mich zu be- lügen! — Ist es wahr, daß Hugo Neukamp damals Beziehungen zu einem Mädchen, Namens Helene Mehnert, unterhielt? — Ist es wahr, daß er sich ihr unter einem falschen Namen genähert hatte und daß die Unglückliche freiwillig den Tod suchte, als sie erfuhr, wie schimpflich er sie betrogen? — Geschah es um dieser Sache willen, daß Sie das Band zerschnitten, welches Sie mit Ihrem ehemaligen Freunde verknüpfte ?" Der junge Arzt hatte während der lebhaften Beschwörungen schweigend vor sich niedergeblickt, und auch jetzt noch schien er unentschlossen, was er ihr antworten solle. Es gab, als sie geendet, eine kleine, drückende Stille; dann aber richtete Doctor Asmus sich plötzlich auf und sagte: „Ja, es verhält sich so, wie Sie vermuthen- Ich würde zu Ihnen aus eigenem Antrieb niemals von diesen Dingen gesprochen haben; aber ich fühle mich auch nicht berechtigt, Sie zu belügen. An dem nämlichen Tage, an welchem ich aus Hugo Neukamps eigenem Munde von seinem „pikanten" Abenteuer mit der hübschen Bonne und von dem unerwartet tragischen Abschluß desselben Kenntniß erhielt, wurde unsere Freundschaft für immer begraben. — Aber Sie fühlen sich schwach, Fräulein Editha, Sie versuchen, mich über Ihren Zustand zu täuschen — ich sehe ja, daß Sie nahe daran sind, ohnmächtig zu werden." Wirklich hatte es für einen Moment ganz diesen Anschem gehabt; aber mit dem Aufgebot ihrer starken Willenskraft überwand Editha die bedrohliche Anwandlung von Unwohlsein und Schwäche. Es war wenigstens eine halbe Wahrheit, als sie sagte: „Nein, es ist schon wieder vorüber — und ich danke Ihnen von Herzen, daß Sie wenigstens jetzt aufrichtig gegen mich waren. Vielleicht hätte mir und Anderen mancher Kummer erspart werden können, wenn Sie es schon damals gewesen wären, als ich Sie zuerst nach den Ursachen Ihres Zerwürfnisses mit Hugo Neukamp fragte. Doch an dem Geschehenen ist nun ja nichts mehr zu ändern- — Sagen Sie mir nur noch das Eine, Herr Doctor: glauben Sie, daß es Ihnen jemals gelingen werde, mir zu verzeihen und etwas freundlicher von mir zu denken?" „Es giebt nichts, das ich Ihnen zu verzechen hätte, Fräulein von Hasselrode," antwortete er ernst und zurückhaltend. „Sie waren die freie Herrin Ihres Willens und jedenfalls nicht verantwortlich für meine thörichten Einbildungen. Auch sind alle diese Dinge ja nun für immer abgethan und begraben. Seien Sie versichert, daß Ihnen Niemand aufrichtiger alles erdenkliche Glück wünschen kann, als ich." Trotz der Freundlichkeit dieser Erwiderung mußte Editha durch dieselbe wohl viel eher enttäuscht und schmerzlich berührt, als ermuthigt worden sein; denn ihr blasses Gesicht nahm einen sehr trüben Ausdruck an, und während ein tiefer Seufzer ihren Busen hob, schloß sie die Augen, als ob sie dem Arzt die Thränen verbergen wollte, die sie nicht mehr zurückzuhalten vermochte. Doctor Asmus betrachtete sie mit einem ernsten, sorgenvollen Blick. Er bat um die Erlaubniß, ihre Wunde zu sehen und zählte die matten, hastigen, unregelmäßigen Pulsschläge ■ ihres Blutes. Der Schatten auf seinem Antlitz wurde dabei immer augenfälliger und tiefer- c „Sie sind kränker, Fräulein Editha, als es durch die an und für sich nur geringfügige Verletzung erklärt werden könnte," sagte er eindringlch, „und Sie sollten mir kein Symptom Ihres Leidens zu verheimlichen suchen. Ist es nur die Erregung, welche Sie in diesen fieberischen Zustand versetzt hat, so sollten Sie wenigstens Alles daran setzen, sie zu bezwingen und auf mit einem matten Lächeln. „Und Sie dürfen hinsichtlich meines Zustandes ganz ruhig sein. Ich sühle ein wenig Kopfschmerz, nichts weiter — und wenn Sie mir jetzt ein Schlafpulver geben wollen, so werde ich gewiß frisch und gesund erwachen. Nur lassen Sie die Dosis, bitte, nicht zu schwach sein! Ich sehne mich so sehr danach, zu schlafen — so sehr!" Sie wandte den schönen Kopf zur Seite mit einer wegung, die wirklich tiefste Müdigkeit bekundete. Doctor mus zog sein Taschenbuch und schrieb ein Recept; dann er sie noch einmal lange und aufmerksam an, lauschte ihre Athemzüge und ging ohne ein Wort des Abschieds zur Thür. Draußen fand er den Obersten, der sich eben hatte zu feiner Tochter begeben wollen. „ p „Ah, es ist hübsch von Ihnen, daß Sie schon so früh da sind, Herr Doctor," sagte er, ohne den sorgenvollen Ausdruck in den Mienen des jungen Arztes sogleich wahrzunehmen. „Ich hörte beim Erwachen von Monika, daß Alles gut stände, und da machte ich mich denn aus, um zu meinem Schwiegersöhne hinaus zu gehen. Ich wollte doch sehen, wie es draußen in der Fabrik stände und ob er in der Nacht unbehelligt nach Hause gelangt sei. — Außerdem — Sie waren ja zugegen und ich brauche es darum vor Ihnen nicht zu verheimlichen — war ich wohl in meiner ersten Aufregung etwas unfreund- lich und ungerecht gegen ihn gewesen- Es ist immer besser, wenn solche kleinen Mißverständnisse so rasch als möglich wieder aus der Welt geschafft werden, und so wollte ich denn nicht erst «arten, bis er selber seinen Besuch machen würde- Wie es scheint, ist draußen ja jetzt Alles ruhig. Die Leute aus der Fabrik, deren ich ansichtig wurde, sahen durchweg sehr gedrückt aus und schienen ihre nächtlichen Ausschreitungen nicht wenig zu bereuen. Ich bin sicher, daß eine Wiederholung der gestrigen Krawalle von ihnen nicht zu besorgen ist; aber ich kann es nach den Erfahrungen dieser Nacht meinem Schwiegersohn trotzdem nicht verargen, wenn er sich auch der bloßen Möglichkeit einer solchen Wiederholung nicht erst aus- setzen will. Er hat heute Morgen schon lange Conferenzen mit dem Bürgermeister und anderen maßgebenden Persönlich- ketten unseres Städtchens gehabt, und man ist dahin überem- gekommen, für den Abend und die Nacht militärischen Schutz aus der nächsten Garnison zu erbitten. Da ein ausführlicher Bericht Über die letzten Ereigniffe beigesügt werden muß, steckt der arme Neukamp bis über beide Ohren in anstrengender Arbeit und er war gewiß herzlich froh, durch die guten Nachrichten, welche ich ihm bringen konnte, der Nothwendigkeit einer sofortigen persönlichen Erkundigung nach Edithas Befinden über- hoben zu werden. — Und ich war doch berechtigt, ihm Gutes zu melden — nicht wahr?" fügte er mit einem Anflug er- wachender Beforgniß hinzu, als er jetzt aufmerksamer n des Doctors Antlitz sah- „Es ist doch nicht etwa eme Verschlimmerung in dem Zustande meiner Tochter eingetreten? „Ich möchte Sie nicht ohne Noth beunruhigen, Herr Oberst," erwiderte der Gefragte, „aber ich darf Ihnen doch auch nicht verhehlen, daß ich mit Fräulein Edithas Befinden keineswegs zufrieden bin. Die Wunde zwar ist ganz unbe- deutend und ihre Heilung wird voraussichtlich einen durchaus normalen Verlauf nehmen, — das gesammte Nervensystem aber scheint in hohem Grade alterirt, und es sind gewisse Anzeichen da, die mich fast den Ausbruch einer schweren, fieberhaften Krankheit befürchten lassen. Für den Augenblick freilich vermag ich weder etwas ganz Bestimmtes zu sagen, noch irgend etwas zu thun. Ich werde nach Verlauf einiger Stunden wieder kommen und ich lege Ihnen ans Herz, der Kranken bis dahin möglichst absolute Ruhe zu gönnen. Lassen Sie Niemanden zu ihr, den sie nicht ausdrücklich zu sehen wünscht, und schließen Sie davon, wenn es so ihr Wille ist, auch Diejenigen nicht aus, welche sonst wohl ein Recht darauf hätten, sie zu sehen. Es könnten unter Umständen doch sehr ernste Dinge sein, welche hier in Frage stehen." Der Oberst, der bereits jede Gefahr als beseitigt ange sehen hatte, wurde durch diese unerwarteten Mitthellungen natürlich gewaltig erschreckt. Er hatte, «och eine Unzahl von "■ 395 S Fragen und beschwor den Doctor mit den beweglichsten Worten, doch um Gotteswillen ja recht bald wieder zu kommen. Noch in der Thür versicherte er ihm, daß alle seine Anordnungen befolgt werden sollten, wie wenn es unverbrüchliche Gesetze seien, und dann, als Asmus sich entfernt hatte, eilte er, feine Tochter Monika aufzusuchen, an die er sich noch immer in jeder Noth und Verlegenheit zuerst gewendet hatte und deren sanfte, gleichmäßige Ruhe im Verein mit ihrer immer opferbereiten Hingabe gerade in solchen Tagen für ihn schon oft von unschätzbarem Werthe gewesen war. VII. Nur zu vollständig ging die Voraussicht des Doctors in Erfüllung. Noch an demselben Nachmittag mußte er bei Editha den Ausbruch eines schweren, typhösen Fiebers feststellen und ihre Angehörigen darauf vorbereiten, daß die Krankheit selbst im günstigsten Falle eine sehr ernsthafte und langwierige sein würde. Die Patientin war im Laufe des Tages in einen Zustand halber Bewußtlosigkeit verfallen, aus dem sie durch keinen äußeren Anreiz zu erwecken war. Sie erkannte Niemanden und was sie sprach, waren nur die losen, unzusammen- hängenden Sätze wirrer Fieberphantasien. Auf des Doctors strengen Befehl waren außer ihm felbst und Monika sofort alle übrigen Hausbewohner und alle Besucher von dem Betreten des Krankenzimmers ausgeschlossen worden. Ohne Widerspruch, wenn auch mit schwerem Herzen, hatte der tief bekümmerte Oberst sich dieser Weisung gefügt; Hugo Neukamp aber legte lebhaften Protest ein gegen ein Verbot, das ihn hindern sollte, seine kranke Braut zu jeder beliebigen Zeit zu sehen. Er äußerte sich gegen Monika, die ihm bei seinem ersten Besuche von der getroffenen Anordnung Mittheilung machte, in der gehässigsten Weise über die Willkür des Doctors und verlangte, daß die Behandlung in die Hände eines anderen Arztes gelegt werde. Aber er begegnete da bei der sonst so stillen und sanften Schwester Edithas einem Widerspruch, den er in so entschiedener und nachdrücklicher Form von ihr niemals erwartet hätte und der ihn alsbald verstummen machte. Voll eifersüchtigen Grolls und in unverhehlter Verstimmung verließ er das Haus, um sich während der nächsten Tage nur noch durch seinen Diener nach dem Befinden der Kranken erkundigen zu lassen. Auch ein von dem Obersten unternommener Vermittelungsversuch schien nur von geringem Erfolge gewesen zu sein; denn der alte Herr kehrte mit rothem Gesicht und in übelster Laune nach Hause zurück, ohne sich über die Unterhaltung, die er mit seinem Schwiegersöhne geführt hatte, auch nur in einem einzigen Worte zu äußern. Wie nothwendig und zweckmäßig aber das Verbot des Doctors gewesen war, wußte Niemand besser als Monika, die treue, unermüdliche, aufopfernde Pflegerin Edithas. Sie, die allein ihre Fieberphantasien belauschen durfte und die allein zu errathen vermochte, was während dieser peinvollen Stunden und Tage in der Seele der Kranken vorging, hatte mit dem feinen Instinkt des Weibes sehr bald die Gewißheit gewonnen, daß sich zwischen den beiden Menschen, die einander für das ganze Leben hatten angehören sollen, ein unübersteiglicher Abgrund aufgethan. Sie hörte ja die hastigen, abgerissenen Worte des Zornes und des Entsetzens, welche von den Lippen ihrer Schwester kamen, wenn sie in ihren fieberischen Wahnvorstellungen meinte, Hugo Neukamp vor sich zu sehen, und sie hörte wohl auch noch so manches Andere, das ihr den Schlüssel lieferte zu vielem Unverständlichen und Unbegreiflichen in dem früheren Benehmen Edithas. Aber sie theilte Keinem ihre Wahrnehmungen mit, und wenn sie dem Doctor Asmus bei seinen wiederholten täglichen Besuchen getreulich Bericht erstattete über Alles, was ihm sür die Beurtheilung von Edithas Zustand von Wichtigkeit sein konnte, so verschwieg sie doch auch ihm, was sie au» jenen Fieberphantasien erfahren. Sonst freilich gab es keinerlei Geheimnisse zwischen ihr und dem jungen Arzte. In der gemein- I schaftlichen Sorge um die Kranke hatten sie eine Berührung | I gefunden, die sie innerhalb weniger Tage einander viel näher brachte, als es unter anderen Umständen selbst eine langjährige Freundschaft vermocht hätte. Kaum jemals sprachen sie von sich selber; all' ihre Gespräche bewegten sich allein um die Leidende und waren erfüllt von den Hoffnungen und Befürchtungen, mit denen ihr häufig wechselnder Zustand sie erfüllte. Und doch lernten sie einander in diesen Gesprächen so genau kennen, als ob sie sich gegenseitig ihr ganzes Herz ausgeschüttet hätten. Vor dem Blick des Doctors entfaltete sich da in seiner vollen Reinheit und Schöne das Bild einer Mädchenseele, die | ihn in ihrer edlen Selbstlosigkeit und in ihrer hingebenden Liebe für die stolze Schwester zu immer tieferer und mächtigerer Bewunderung zwang; und je vollständiger Monika bei ihrem aufopfernden Samariterdienst sich selbst vergaß, desto leuchtender trat dem jungen Arzte der bis dahin beinahe' ängstlich verborgen gehaltene Reichthum ihres goldenen Herzens entgegen. Aber er sagte es ihr nicht, wie sie ja überhaupt nicht Gelegenheit hatten, von sich zu sprechen. Nur als ihr hüb- sches Gesichtchen immer schmaler, als ihre Hautfarbe immer durchsichtiger wurde, fing er an, sie zu größerer Schonung ihrer eigenen Kräfte zu mahnen. Ruhig hörte sie ihn an; aber als er davon sprach, an ihrer Stelle eine barmherzige Schwester als Krankenpflegerin zu besorgen, da faltete sie wie ein Kind die Hände und sah bittend zu ihm aus. „Habe ich denn schon einmal etwas vernachlässigt? ' fragte sie. „Glauben Sie, daß eine Fremde besser für Editha sorgen könnte, als ich es thue? — Ich fühle mich noch ganz wohl und kräftig, und ich meine immer, sie müßte es schmerzlich empfinden, wenn eine Andere an meine Stelle träte, obgleich sie mich ja nicht zu erkennen scheint." Da hatte er nun freilich nicht das Herz, auf seinem Verlangen zu beharren und Alles, was er wirklich durchsetzte, war, daß das geschickte und anstellige Hausmädchen einige Mal bei der Kranken wachte, während Monika in voller Kleidung auf dem Sopha des Nebenzimmers schlief. Als dann aber plötzlich eine Wendung zum Schlimmeren einzutreten schien und bange, kritische Nächte kamen, da war von solcher Ablösung nicht mehr die Rede, und da saßen Doctor Asmus und Monika gemeinschaftlich bis zum späten Morgengrauen neben dem Bette der in heftigen Delirien oder in stumpfer Thellnahm- losigkeit Daliegenden, die sie so gerne dem Tode entrissen hätten. Fast noch weniger als sonst wurde in diesen beiden entscheidungsschweren Nächten zwischen ihnen gesprochen; aber ihre Blicke begegneten sich sehr oft, und beim Dämmern des zweiten Tages, als Doctor Asmus, nachdem er die Pulsschläge der Kranken gezählt, tief aufathmend sagen konnte: „Dem Himmel sei Dank — ich glaube, sie ist gerettet —" da begegneten sich auch ihre Hände und schluchzend ließ Monika für die Dauer einer Minute ihr Haupt an seine Schulter sinken. Freilich fuhr sie gleich darauf zum Tode erschrocken zu- sammen und purpurn flammte die Gluth der Beschämung in ihren blassen Wangen auf; aber Doctor Asmus ließ trotzdem ihre Hand nicht sogleich los und sagte leise: „Wenn sie gerettet wird, so ist das vor Allem Ihr Werk, Monika — und jetzt kann ich es Ihnen ja auch sagen, wie sehr ich Sie bewundere und verehre um der heldenmüthigen Standhaftigkeit willen, die Sie an diesem Krankenbette bewiesen." #. Etwas Weiteres sprachen sie nicht, aber der erste matte Frühlichtstrahl des Wintertages, der sich durch die Vorhänge des Zimmers stahl, fand auf des Doctors Gesicht ein still glückliches Lächeln, das vielleicht nicht allein seiner begreiflichen ärztlichen Befriedigung über die günstige Wendung in Edithas Befinden zuzuschreiben war. (Schluß folgt.) -- 396 = Unser Sim für Natnrschönheit hat kein Verständniß für die Thatsache, daß früheren Geschlecht lern eine solche Empfindung fast ganz fehlte, jedenfalls längst nicht so allgemein war, wie heutzutage. Im Anfänge des ver- stoffenen Jahrhunderts galten diejenigen Städte für schön, die in der Ebene lagen und wohlangebaute Gärten zeigten; aber der Harz und ähnliche Berglandschaften wurden als traurige Einöden und rauhe und rohe Wildnisse betrachtet. Hannover und Leipzig, ja, die ließ man gelten, die lagen in interessanten Gegenden, wo keine Berge störten; aber Schlangenbad im Nassauischen erschien zum Beispiel den Begleitern des sächsischen Kurfürsten, der dorthin ziehen wollte, „als ein gar wüster Platz" und schier unbewohnbar. Eine gebildete Reisende, die 1716 durch die sächsische Schweiz zog, weiß noch gar nichts von ihrer eigenartigen Schönheit zu sagen, sondern klagt nur „über die schrecklichen Abgründe", die Böhmen und Sachsen trennen. In der That darf man aus dem Schweigen der Reisenden, die im Beginne des vorigen Jahrhunderts durch Deutschland zogen, noch nicht auf einen Mangel an jeglichem Natursinn schließen; es bleibt wohl zu beachten, daß das Reisen in Deutschland damals noch so gefährlich und unbequem war, daß ein reiner Naturgenuß schwer aufkommen konnte. Viele unverdächtige Zeugnisse bestätigen dies, Nachrichten, die uns heute wie Märchen dünken. Ein schwäbischer Bürger, der 1721 acht Poststationen weit von Schwäbisch Gmünd nach Ellwangen fuhr, ließ zuvor eine Messe lesen „für glückliche Erledigung vorhabender Reise" und er that recht daran, daß er um den göttlichen Segen flehte, denn bereits nach wenigen Stunden blieb sein Planwagen im Straßenkoth stecken- Weiterhin, im Dorfe Böbingen, warf das Gefährt um, so daß „das Wägelchen überkippte und die Frau Eheliebste sich Nase und Backen jämmerlich zerschund". Hundert Schritte vor dem Dorfe Hofen fielen sie Alle in eine Pfütze, der Knecht „zerstauchte" sich die Hand und die Magd, die man in fürsorglicher Bequemlichkeit zur Bedienung mitgenommen hatte, „brach die rechte Achsel auseinander". Es liest sich wie ein Roman — und das Alles auf acht Wegstunden! Es war aber um 1772 noch nicht viel besser. Eva König, die damals an ihren Lessing schrieb, berichtet, wie auf einer Reise von Braunschweig nach Nürnberg in sechsunddreißig Stunden zwei Achsen und zwei Stangen zerbrochen, wie die Pferde mit ihnen durchgingen, wie ein Pferd stürzte und starb; und endlich mußte sie mehrere Tage in einem elenden Dorfe am Main verbringen, weil das Wasser zu hoch war. Natürlich gab es weder eine Fähre noch eine Brücke dort. Da gab sich das Reisen in die Sommerfrische von selbst ober nur sehr Wohlhabende konnten sich diesen Luxus unter Anwendung eines großen Apparates gestatten. Noch um 1750 rechnete man eine Tagereise gewöhnlich zu fünf Meilen, zwei Stunden auf die Meile; und als im Juli 1750 Klopstock mit Gleim in leichtem Wagen, durch vier Pferde gezogen, von Halberstadt nach Magdeburg sechs Meilen in sechs Stunden fuhr, fand er diese Schnelligkeit so außerordentlich, daß er sie mit dem Wettlaufe bei den olympischen Spielen verglich. Wer irgend Ansprüche machte, scheute eine Fußreise — die schlechten Straßen, die Unsicherheit, die unsauberen Herbergen und die rohe Behandlung; noch waren wohlgekleidete Fußreisende, die die Landschaft bewunderten, ganz unerhört. Erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts begann man die schönen Gegenden auch schön zu finden. Grümbke klagte noch 1805, daß die meisten Reisenden nur nach der Insel Rügen kämen, um dort zu schmausen, nicht des Natur- genuffes wegen; aber er selber schreibt ganz begeistert von der „schauerlich-schönen Wildniß": „Du weißt, ich bin kein Freudenfeind und fühle so gut wie Einer den erquickenden Genuß von Speise und Trank nach einer ermüdenden körperlichen Anstrengung ; allein ihn hier zur Hauptsache machen zu wollen, das entweihet diesen Ort, der geeignet ist, einem anderen Gotte zu huldigen, als dem Bauche. Unter diesen grünen Buchenhallen, auf der Zinne dieses blendenden Riesentempels, vor diesem ungeheuren Lasurspiegel des Meeres sollten nur ernste und hohe Gedanken in der Brust des Naturfreundes auskeimen; die ganze Situation, die den Stempel der Würde, der Hoheit und des Geheimnißvollen trägt, scheint vorzüglich dazu geeignet zu sein, daß das Gemüth sich sammle, seine innersten Tiefen belausche und eindringe in das verborgene Leben der unendlichen Welt, wozu dann Einsamkeit und Ruhe nothwendige Bedingungen sind." Hatten die Dichter, die Schriftsteller und Maler noch in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts die Natur durch ihre steten Allegorien entstellt, so verunziert man sie selbst noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts durch romantische Weinerlichkeit und eine zu starke Personification. Unleidlich ist, um nur ein Beispiel anzuführen, ein Aufsatz von Spix und Martins, der aus seiner „Reise in Brasilien in den Jahren 1817—1820" in viele Lesebücher übergegangen ist. In demselben ist die Erde fortwährend eine „Braut, die ihren Bräutigam erwartet"; ohne Aufhören „lächelt der Himmel die Erde an", mit dem Abend werden „Thiere und Pflanzen zu neuen Ahnungen fortgeriffen"; „verjüngte Liebessehnsucht athmet in den wollustreichen Düften, die aus neu erschaffenen Blumen strömen". „Mild und gespensterhaft" steigt der Mond empor, und in der Nacht sogar strahlt der Aether „Demuth und Vertrauen in das Herz der Menschen". — Die Empfindsamkeit überwiegt, aber sie ist unvermögend, in wirklich künstlerischer Form den überwallenden Gefühlen Worte zu leihen. Der erste große und tüchtige Naturschilderer war der Reisende Forster; auf ihn folgte Alexander von Humboldt. In der französischen Literatur erschlaffen Bernardin de St. Pierre und Rouffeau die Erkenntniß des Naturgefühls. Die Liebe zur Natur um ihrer selbst willen, nicht bloß des Gegensatzes wegen zur Cultur und zur „gehässigen" Menschenwelt, begann Freunde zu finden. Man fing an, Gegenden zu „entdecken", die früher Niemand für schön gehalten hatte. So machte Zimmermann 1775 zuerst auf den Harz aufmerksam, — (Satterer sogar in fünf Bänden, — Volkmar erschloß 1777 das Riesengebirge, Nicolai 1806 die sächsische Schweiz u. s. w. Heute erscheint uns dieser frühere Zustand fast unfaßbar, und es kommt uns merkwürdig vor, daß die Natur direct für unschön galt, dieselbe Gegend, die jetzt Alle für reizend erklären. Noch lange sah man die entzückendsten Fleckchen Erde nur mit sentimentalen, sich selbst bespiegelnden und vergötternden Augen an; auch das Naturgefühl manches englischen Dichters verleugnet nie den Untergrund einer krankhaften Gemüthsstimmung. Erst Goethe rang sich nach schweren inneren Kämpfen aus dem unseligen Bann heraus, der über der Welt lag. Unsere heutige Freude an der Natur ist durch langsames, stufenweises Fortschreiten zur Entwickelung gelangt. Alfred Biese hat dies unlängst sehr verständig ausgedrückt: „Unser moderner Natur- cultus wurzelt in der Vergangenheit; aber die Höhe der heutigen Betrachtung würde er nicht erreicht haben ohne die Blüthe der Naturwissenschaften. Wohl ist unser Empfinden jetzt, in dem Zeitalter der Electricität und des Mikroskops, viel nüchterner und realistischer geworden, aber die Naturliebe hat durch das gesteigerte Natur-Erkennen nur an Vertiefung gewonnen, ja, sie ist dem Forscher zur Religion geworden." Gemeinnütziges. Um Gurken längere Zeit frisch aufbewahren zu können, wasche man vollkommen gesunde Exemplare, die mit langen Stengeln versehen sind, sorgfältig ab. Namentlich ist darauf zu sehen, daß keine Flecken auf denselben sind, denn diese rühren meistens von Pilzen her, welche ein schnelles Faulen herbeiführen. Ist das Waschen fertig, so werden die Gurken abgetrocknet und ein Faden an die Stengel gebunden. Jetzt bestreicht man sie mit flüssigem Eiweiß aufls Sorgfältigste und hängt sie zum Trocknen auf. Das Eiweiß hält die Lust ab und macht die Gurken für Monate haltbar. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Briihl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.