Samstags den 23. December. 1893. Nntevhaltnngsblatt 311m Gi-tzenev Anzeigev (GsneNcel-Anzeigev) WM^W WMMMÄ Der Weihnachtsbaum. Der schönste Baum im Leben Ist wohl der Weihnachtsbaum, Weckt er doch, aus der Jugend Uns manchen schönen Traum I Von seinen Tannenzweigen Strahlt Helles Kerzenlicht, Als sei's ein Strahl des Himmels, Der durch die Wolken bricht! — Wie schön die Glocken läuten, Ihr Klang sei froh begrüßt, Wo Herz an Herz in Liebe Und Freudigkeit sich schließt- - O, schöne, hetl'ge Feier Kehr' ein in jedes Haus, Und wisch' auf jeder Stirne Die düst'ren Schatten aus. Denn Christus ward geboren Vor langer, grauer Zeit, Zum Wohle aller Menschen Für Zeit und Ewigkeit! Sein Geist umkreist die Bahnen Der unermeß'nen Welt, Der heut' am Weihnachtsfeste So hoch die Herzen schwellt. Und überall zieht Freude So mannigfaltig ein, Sie glänzt in Aller Augen So festlich, klar und rein. Und lauter Jubel schallet Aus froher Kinderbrust, Sie fühlen Himmelswonne Und tanzen voller Lust! Sie schauen all' die Spiele, Von lieber Hand gebracht, Was ihre jungen Herzen So froh und glücklich macht- — O, blieben doch die Freuden Der Jugend ewig neu, Blieb' doch die Morgenröthe Des Lebens uns getreu. — Ja, schönster Baum im Leben, Wie strahlst du engelsüß In deinem Kerzenglanze, Der Kindheit Paradies. Doch all' die frohen Tage, Der Unschuld Tändelei, Wie schnell sind sie entschwunden, Zieh'» wie ein Traum vorbei!--- D'rum der Erinn'rung Thräne Gar heiß im Auge brennt, Die nur die Mutterliebe In ihrem Schmerze kennt! Denn all' ihr Glück, — das Liebste Die kühle Erde deckt, Und alle Lust der Kleinen Ihr schweren Kummer weckt. Doch heilt ja jede Wunde Das heil'ge Christenfest, — Das schönste Fest der Liebe Uns nicht im Schmerz verläßt. In trauervolle Herzen Gießt Frieden es und Ruh'; Deckt's doch mit seinem Schleier So manche Leiden zu. Th. Loos. Die beiden Schwestern. Novelle von F. Sutau. (Fortsetzung.) Seinen ersten Besuch hatte der junge Offizier bei Johanna und der Tante Hopfen etwas beklommen angetreten, mußte er sich doch sagen, daß Johanna mit ihrem rechtschaffenen, ehrlichen Character für sein Benehmen am letzten Abend ihres Beisammenseins keine andere Erklärung finden würde, als daß darauf eine ehrbare Verlobung zwischen ihr und ihn: folgen müsse. Dagegen empörte sich aber Bornstettens ganzes Empfinden — 602 — und Denken I Sollte er die flüchtige Aufwallung, zu welcher er sich durch Johannas Gesang hatte hinreißen lasten, mit dem Opfer bezahlen, eine Dame, die er zwar hochachtete und verehrte, aber nicht liebte und niemals lieben konnte, zu seiner Gattin zu machen? Nein! nein! und abermals nein! rief es in Bornstettens Innern. Dabei dünkte es ihn jedoch unschicklich, jedes fernere Zusammentreffen mit Johanna zu vermeiden und es trieb Bornstetten auch seine jetzt fast egoistisch erscheinende künstlerische Neigung, Johannas wundervollen Gesang auch ferner zu hören, wieder in ihre Nähe. Johanna begrüßte Bornstetten bei diesem ersten Besuch mit unbefangener Herzlichkeit, und die ganze Seligkeit einer ersten Liebe strahlte ihm aus ihren Augen entgegen. Bornstetten schien jedoch dafür kein Verständniß zu haben, sondern seine Blicke hingen wie gebannt an der holdseligen Mädchen- Erscheinung, die da in der tiefen Fensternische stand und mit großen blauen Kinderaugen schüchtern zu ihm aufsah. „Meine Schwester Helene." Mit diesen Worten stellte Johanna die schöne Schwester dem stattlichen Offizier vor. „Ich habe Sie schon einmal gesehen, Fräulein," sagte Bornstetten beinahe verlegen, und Helene erwiderte lächelnd: „Damals, als meine Schwester Johanna zum ersten Male in der Oper sang. Sie saßen uns gegenüber in einer Seitenloge." „Ja, so war es, und Ihre Erscheinung rief schmerzlichschöne Erinnerungen in mir wach, Erinnerungen an ein kurzes, schnell verwehtes Glück." Und Bornstetten erzählte dann den Damen von der wunderbaren Aehnlichkeit Helenens mit seiner verstorbenen Braut. Seit diesem Tage war Bornstetten wieder ein häufiger Gast bei den Damen, und zwischen ihm und Helene entspann sich bald, ohne daß die Anderen es merkten, ein zartes Ein- verständniß, welches mit zärtlichen Blicken und leise geflüsterten Worten lebhaft unterhalten wurde. Johanna wäre die Letzte gewesen, die für Folgen von dergleichen losem Liebesgetändel ein wirkliches Verständniß gehabt hätte. Ihre Liebe umgab Bornstetten mit einem Nimbus von Hoheit und duldete nicht den geringsten Schatten auf dem Bilde des geliebten Mannes. Sie lebte der glücklichen Täuschung, daß er ihre Neigung aufrichtig erwidere und nur aus Rücksicht auf die Trauer der Familie das entscheidende Wort jetzt nicht aussprach. Oft genug kamen Bornstetten auch Augenblicke, wo Johannas Genie ihn hinriß, wo fle ihm in ihrer künstlerischen Erscheinung hoch erhaben über die Schwester Helene, die nur em schöner Schmetterling war, erschien, und dann kam auch Bornstetten der Gedanke, Johanna doch noch zur Gattin zu wählen. Der Zauber ihrer Stimme, ihr gediegener wahrer Character und ihre tiefe, leidenschaftliche Liebe, Alles dies vermochte ihn nicht gletchgiltig zu lassen. Wäre nur Helene nicht gewesen mit ihrer bestrickenden Schönheit, ihrer Aehnlichkeit mit der verstorbenen Braut und ihrer bezaubernden Koketterie l Beide Schwestern fesselten Bornstetten aus ganz entgegengesetzten Ursachen und zogen ihn unwiderstehlich in ihre Nähe. So wanderte er auch heute wieder die stille Straße heraus, die nach ihrer Wohnung führte. Eine erdrückende Schwüle hatte den Tag über geherrscht, in Staub und Hitze hatte Bornstetten mit seinem Bataillon einen Uebungsmarsch gemacht. Bei dem faden Geplauder seiner Kameraden und bei den derben Gesängen der Soldaten war Bornstettens feiner, künstlerisch angelegter Natur das Erdendasein so unendlich schal und trivial erschienen, und die Sehnsucht nach etwas Höherem, nach Augenblicken der Weihe, der Erhebung, trieb jetzt ihn noch in später Abendstunde zu Johanna. So stand er nun in ihrem kühlen, von Blumen durch- dusteten Zimmer und bat sie um ein Lied. Einen Moment hielt er ihre schlanken Finger zwischen den seinen, ihr bittend in die treuen Augen schauend. Helene, die mit einem Buch in der Hand am Fenster stand, verzog schmollend das schöne Mündchen, denn Bornstetten hatte heute nur einen flüchtigen Gruß für sie gehabt, und al» Johanna nun sang, ruhte sein Blick fest und sinnend auf der jungen Sängerin. Er empfand in diesem Moment einma wieder voll und ganz, wie die Nähe einer solchen gottbegnadeten Künstlerin gerade für ihn von unschätzbarem Werthe sei. Helene verließ plötzlich ärgerlich das Zimmer, aber draußen im Vorsaale blieb sie sinnend vor dem Spiegel stehen und ein triumphirendes Lächeln spielte um ihre feinen Lippen.-- Bornstetten sollte der häßlichen Schwester da drinnen den Vorzug geben vor so viel Liebreiz, wie der Spiegel hier zurück- gab? Nein, nein, das war nicht möglich! Freilich, Johannas Gesang! Bornstetten war ein solcher großer Kunstkenner, solcher Musikschwärmer, daß er vielleicht aus diesem Grunde allein Johanna heirathen konnte. Dazu machte die Tante auch oft solche geheimnißvollen Andeutungen, als ob zwischen den Beiden schon ein Einverständniß vorhanden sei, das nur der Trauer wegen in die Schleier des Geheimnisses gehüllt war. Nein, damals vor des Vaters Tod hatte Bornstetten Helene auch noch nicht gekannt — jetzt aber kannte er sie! Sie trällerte übermüthig eine lustige Tanzweise und ging dann hinaus, um eine Erfrischung für Bornstetten zu besorgen. Als sie zurückkam und leise in das Zimmer trat, war der Gesang verstummt. Johanna und Bornstetten standen am Fenster und er schien ihre Hand in der seinigen zu halten, aber als Helene näher trat, flog es wie ein befreiendes Aufathmen über sein Gesicht. „Ich bin nur die Martha," sagte diese lächelnd, „die auch für die materiellen Bedürfnisse ihrer Gäste sorgt." Mit schelmischer Grazie credenzte sie Bornstetten den erfrischenden Trunk, dabei streifte ihr schneller, prüfender Blick Johannas Gesicht, auf welchem es wie Wiederfchein eines inneren Glücks leuchtete. Bornstetten hatte so warme, schöne Worte zu ihr gesprochen. Wenn es nun aber doch wahr wäre, was die Tante angedeutet? So fragte sich Helene voll Beforgniß und beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Aber nicht Johanna wollte sie ausforschen, auch nicht die Tante, sondern Bornstetten selbst. Die Gelegenheit dazu wußte die kleine, schlaue Person schon in den nächsten Tagen herbeizuführen. Sie empfing Bornstetten bei einem seiner nächsten Abendbesuche unten an der Treppe und lud ihn ein, ein wenig mit ihr im Garten zu promeniren, der Abend sei so köstlich und Johanna sei noch gar nicht aus der Probe zurück. Gedankenvoll ging der junge Offizier neben dem schönen Mädchen auf den schmalen Gartenwegen auf und ab. Die Luft des Spätsommerabends war so weich und lind wie Lenzesluft, einige Theerofen dufteten süß und das blasse Licht des Mondes, welches Helenens blondes Köpfchen so ätherisch beleuchtete, strahlte zauberisch in den Garten. Wollte die Vergangenheit zurückkehren? Das tobte, längst begrabene Glück noch einmal auferstehen? So fragte sich Bornstetten. Eben solch' ein Abend war es gewesen voll Rosenduft und Mondesschimmer, wo eben ein solches holdes, blondes Kind an seinem Arm gehangen und mit ihm die ersten süßen Liebes- geständnisse ausgetauscht hatte. Hingerissen von diesen Erinnerungen, die sich mit der Gegenwart verweben wollten, legte Bornstetten den Arm um Helenens feine Taille, aber diese entzog sich sehr energisch dieser Umarmung und sah vorwurfsvoll zu ihm auf. „Sie treiben falsches Spiel mit mir, Herr Lieutenant," sagte sie verletzt, „da Sie mit Johanna heimlich verlobt sind. Es ist bitteres Unrecht von Ihnen, so mit mir zu spielen! — Ich bin kein Kind mehr — ich — mein Herz" — sie stockte und blickte in süßer Verwirrung zur Erde. In Bornstettens dunklen Augen flammte es zornig auf und er rief fast laut: „Wer sagt es, daß ich verlobt bin?" „Nun, die Tante, Johanna — alle Menschen sagen es 1" erwiderte die schöne, kleine Schlange. „Es ist nicht wahr, sie lügen, wenn sie es sagen, oder es ist nur Klatsch, für dessen Entstehung ein leerer Schein spricht." Bornstetten war auf'» Höchste empört. Wollte man ihn — 603 vielleicht gar auf diese Weise zwingen, das häßliche Mädchen zu seiner Braut zu machen? „Und Sie werden es nie thun? Sie werden sich nie mit Johanna verloben?" fragte die erregte Stimme Helenens neben ihm weiter. „Nein, niemals, denn ich liebe sie nicht," erwiderte Born- stetten kalt, dann fuhr er aber feurig fort: »Ich — o Helene" — stürmisch erfaßte er ihre beiden Hände und bog sich tief herab zu ihr, „ich liebe eine Andere, ich liebe — Dich! Glaubst Du mir auch, mein holder Liebling ?" schloß er dann mit einem so leidenschaftlichen Blick, als hinge seines Lebens Seligkeit von ihrer Antwort ab. . , »Ja, ja, ich glaube Dir, Kurt!" rief das junge Mädchen lubelnd, „denn die Liebe glaubt Alles!" Wie erschreckt über dieses Geständniß, barg sie plötzlich das erglühende Gesichtchen an seiner Brust. In der dicht bewachsenen Laube, an welcher Bornstetten und Helene jetzt standen, saß aber Johanna bleich und regunas» los, wie zu Stein erstarrt. Sie hatte, als sie ziemlich abgespannt von der Probe iu- rüdgrfeljrt, den Garten aufgesucht, um sich dort in der Stille und Einsamkeit etwas auszuruhen, und war so zur Zeugin des Gesprächs zwischen Bornstetten und Helene geworden. . Nebe glaubt Alles!" chatte Helene jubelnd gerufen, bas Wort war wie bitterer Hohn an Johannas Ohr geklungen. e geglaubt so fest, so unwandelbar, und wohin war sie nun mit diesem Glauben gelangt? , .JJ“ das Ende allen Glücks, an die Pforten der Ver- Meiflung! Langsam thaten sich dieselben vor ihren verstörten Sinnen aus und dahinter winkte tiefe, stille Grabesruhe, c Sterben - das Wort dünkte ihr in diesen Augenblicken 6 eine Erlösung, und Johanna murmelte er leise, doch wie eine ernste Mahnung trat plötzlich das Bild des sterbenden Vaters vor ihre Seele. Sie glaubte, seine Stimme zu hören, wie er sie bat, für seinen Liebling, sein Sonnenkind zu sorgen, damit es glücklich werde! »Ihr gehört alles, alles Glück!" flüsterte Johanna und schaute dem lungen Paare nach, wie es dahin ging, Arm in Arm, glücklich kosend und scherzend. — „Und mir? Mir blecht nur die Pflicht!" Dies schien eine harte, kalte Stimme Northmann hatte sich inzwischen erhoben und das Antlitz des Fremden näher betrachtet. Eine eigenthümliche Un- ruhe bemächtigte sich ihrer und immer wieder mußte sie in das blaffe Gesicht blicken; es kam ihr so bekannt vor und das Gesicht des klemen, neben dem Lager stehenden Knaben, wie erinnerte es sie an vergangene Tage. — Erst das Kommen des Arztes störte sie aus ihrer tief« sinnigen Betrachtung empor, der nach einer kurzen Begrüßung nachdem rhm Julius Northmann das Geschehene mit- getheilt, die Untersuchung begann. ™ . "Der Mann ist vor Hunger umgefallen," erklärte der Arzt nach Beendigung seiner Untersuchung. „Hier ist keine weitere Hilfe nöth'g, als daß wir demselben einige Löffel kräf- tigen Wein einflößen und nach diesem durch eine leichte, aber kräftige Speise, am besten Bouillon mit einem Ei, die Ursache der Ohnmacht heben." Northmann war nach diesen Worten des Arztes selbst hmausgeeilt, um das Gewünschte herbeizuholen und in der Küche in aller Eile die nöthigsten Anweisungen zu geben. Als er jetzt zurückkehrte, flößte der Arzt dem Kranken ein paar Löffel Wein ein, gab dann noch einige Verhaltungsmaßregeln und versprach, trotzdem keine Gefahr für den Kranken vorhanden, am nächsten Tage nach dem Befinden desselben sich erkundigen zu wollen, dann verabschiedete er sich von Northmann und seiner Gattin. Nun waren die beiden alten Leute wieder allein mit dem Fremden, welcher noch immer mit geschloffenen Augen und bleichen Wangen dalag, während an seiner Seite der kleine Knabe kniete, ängstlich die abgezehrte Hand des Vaters in der seinigen haltend und leise ihn rufend. In Frau Northmanns to *• **•* b°- Entschlossen näherte sie sich der Thür. Da trat vlötzltck die Tante heraus mit hochrothem erregten Gesicht. 6 $ „Ach, Johanna, da bist Du ja endlich," stotterte die oute STe« wAeSt mnVf\bof? Alles anders gekommen, wie uns gedacht, - sie haben sich heute Abend Beide verlobt. Bornstetten und Helene! Wir wurden förmlich über- "Uwpelt- Nun, Dir bleibt ja Deine Kunst, Johanna, in ihr wirst Du den besten Trost finden!" ' 9 ~ TM" rrmrinelte Johanna, und ein bitteres Lächeln zuckte um ihre Lrppen- — „Geld werde ich verdienen "ist meiner Kunst, Tante, Geld für Helene, damit sie nie Sorgen und Kummer kennen lernt, ich versprach es ja dem Vater an seinem Sterbebette." 1 (Fortsetzung folgt.) , D^ Sorgen und die Pflichten — an diese harten, nüchternen Worte klammerte sich Johannas verzweifelte Seele wie an emen Rettungsanker, der allein sie vor dem Untergang bewahren konnte. Nein, sie wollte keine einzige der Pflichten versäumen, die sie damaE dem sterbenden Vater gelobt. Kein Schatten sollte auf das Leben seines Sonnenkindes fallen, sie sollten glücklich werden, Beide: Bornstetten und — Helene, so dachte Johannas große edle Seele. fieJ° m traurige Gedanken versunken, ü^^u^ Bluthen, alles Sonnenlicht auf ihren Lebenswegen sah sie sich dunkle Schatten verbreiten, in welchen nur noch die eine Blume, die kalte, farblose der Pflicht gedeihen wollte. Endlich erhob sich Johanna und schlich langsam durch den vom Mond beschienenen Garten, in welchem die Rosen so zauberisch dufteten, dem Hause zu. Oben aus dem Wohn» zunmer tönte ihr fröhliches Lachen und Gläserklingen entgegen. ... Halene und Bornstetten, die, als sie den Garten verlassen, noch manches süße Liebeswort ausgetauscht, hatten sich in seligem Liebesglück der Mutter und der Tante als Brautpaar vorgestellt. afFm6 ™ar a^ngs ziemlich verblüfft darüber gewesen, i P ihr schmeichelnd in die Arme beÄt» ra & bcie Adligen Wangen geküßt, da hatte sie -Geschöpf nicht widerstehen können und hatte eigen- händig einige Flaschen Wein herbeigeholt, um das frohe Er- eigntß zu feiern. klopfendem Herzen stand Johanna im Vor- mme. Sollte sie eintreten? Würde sie die Kraft haben, dem hetH geliebten Mann gelassen gegenüber zu stehen, ihn als Schwager zu begrüßen? Warum nicht? dachte Johanna dann Als dramatische Künstlerin mußte sie sich ja schließlich in jede Am heiligen Aöend. Weihnachts-Erzählung von Gustav Lange. (Schluß.) Die Umstehenden mochten wohl die Richtigkeit der Worte Northmanns begreifen, denn sie hoben den Bewußtlosen auf, an den sich der kleine Knabe fest anklammerte, und folgten mit der Last dem voranschreitenden Northmann, der selbst die Hausthur öffnete, und nachdem er schnell einige Dienstboten herbelgerufen, welche Licht anzünden mußten, trug man den Fremden in das Wohngemach und legte ihn auf ein Sopha n eder, dann bat Northmann die mit in das Haus eingetrete- nen Leute, sich nicht weiter um den Unglücklichen zu bemühen, da er nunmehr für denselben sorgen werde und sandte auch gleichzeitig nach einem Arzte. Jetzt waren die beiden Ehegatten mit dem kleinen Knaben und dem fremden Manne, der noch immer regungslos auf dem Sopha lag, allein und ein Blick in das Antlitz seiner Gattin belehrte Northmann, daß sie seine Handlungsweise billigte. „Eine schöne Weihnachtsbescheerung," wagte er nur einzuwenden, gleichsam als wolle er dadurch seine Gattin zu einer Aeußerung bewegen. Innern war längst eine leise Ahnung aufgetaucht, und je länger | sie den Daliegenden betrachtete, um so mehr wurde es ihr zur Gewißheit; aber es war eine Ahnung so voll Glück und l Wonne, daß sie dem Gedanken daran kaum Raum zu geben wagte, denn es schien ihr fast unmöglich und des Glückes zu viel, daß nach so langer Zeit ihr und ihrem Gatten an Beider Lebensabend noch ein freundliches Geschick lächeln sollte. — Da schlug der Fremde die Augen auf und sein Blick fiel auf die sein Lager umstehenden beiden Eheleute. „Mutter! Vater!" ertönte es aus dem Munde des Kranken, er streckte die Hände aus und Vater und Mutter sanken am Lager des Sohnes nieder. Die Mutter hielt das Haupt des endlich wiedergefundenen Sohnes umschlungen und barg ihr Antlitz an feiner Brust, während auf der anderen Seite North- mann kniete, die Hand des schmerzlich Vermißten mit Thränen der Wehmuth und der Reue benetzend. Mit einem freudigen, verklärten Lächeln richtete stch der Wiedergesundene von seinem Lager auf und ließ seinen Blick umherschweifen. Alle Schwäche, die ihn bisher umfangen und in einen todtähnlichen Zustand versetzte, war verschwunden. „Ist es Wahrheit oder Traum?" flüsterten seine Lippen leise, indem er sich sanft aus der Umarmung seiner Eltern zu befreien fuchte. „Seid Ihr es wirklich, mein Vater und meine Mutter, oder ist es nur ein Trugbild, welches die erhitzte Phantasie mir vorspiegelt?" Julius Rorthmann war es zuerst, der nach dieser so urplötzlich hereingebrochenen Scene des Wiedersehens Worte fand, um den Sohn von der Wahrheit deffen, was sich soeben zugetragen, zu überzeugen. „Es ist kein Traum, mein Theophil," entgegnete er mit thränenerstickter Stimme. „Ich und Deine Mutter sind es wirklich, die schon seit Jahren auf Deine Heimkehr vergebens gehofft, und erst heute, am heiligen Abend, wo mancher sehnliche Wunsch Erfüllung findet, ist es uns vergönnt, noch einmal Dich an unser Herz schließen zu können, Dir die Versicherung zu geben, daß Alles vergeben und vergeffen, bevor wir unsere altersschwachen Augen zum ewigen Schlummer schließen." Es war ein tiefergreifender Augenblick, der nun folgte und erst durch den Eintritt des Dienstmädchens, welches die für den Fremden bestimmten kräftigen Speisen auftrug, trat eine Unterbrechung der vielen Fragen ein, mit denen die beiden Gatten den so lange vermißten Sohn bestürmten, sodaß dieser gar nicht Worte genug fand, um diese alle beantworten zu können. Erst als er sich einigermaßen gestärkt, fühlte Theophil sich kräftig genug, um den Wunsch seiner Eltern erfüllen zu können und ihnen in kurzen Worten seine Leidensgeschichte seit seinem Fortgang aus dem Elternhause erzählen zu können. Es war eine lange, traurige Geschichte, die Theophil vor den andächtig seinen Worten lauschenden beiden alten Leuten entrollte. Er war mit seiner Geliebten hinausgegangen in die Fremde, nach Amerika, dem Lande, das schon so mancher als armer Flüchtling betreten, um sein Glück zu versuchen, das ihm in der deutschen Heimath nicht hold gewesen, und aus dem er dann als reicher Mann zurückgekehrt. Gleich nach ihrer Ankunft in Amerika hatte sie des Priesters Segen für's Leben verbunden und nun begannen sie gemeinschaftlich den schweren Kampf um's Dasein. Aber wie es vielen von Denen ergeht, welche jenseits des Oceans auf eine beffere Zukunft hoffen, statt deffen aber arge Enttäuschungen erleben und nach mancherlei Entbehrungen und schweren Kämpfen viel trostloser in die deutsche Heimath zurückkehren, reicher an Erfahrungen, ärmer an irdischen Gütern und zu der Erkenntniß gelangt, daß die vielgerühmte Freiheit Amerikas in des Wortes wirklicher Bedeutung nicht existirt und mancher Einwanderer ein Sclaven- leben zu führen gezwungen ist, wie es daheim in Deutschland unter den aus's beste geordneten staatlichen und communalen Verhältniffen nicht der Fall, so war es auch ihm ergangen. Jahrelang hatte er aus's schwerste kämpfen müffen, um sich in Verhältniffe hineinzuleben, die ihm völlig fremd waren; dazu hatten Krankheit in der Familie, die sich nach und nach um drei Kinder vermehrt, fast seine Widerstandskrast gebrochen, Die schwersten Arbeiten» die er sich wohl nie hätte träumen laffen, mußte er verrichten und immer, wenn er geglaubt, einen Schritt vorwärts gekommen zu sein, hatte durch irgend einen Umstand sein widriges Geschick ihn zurückgeworfen. Wohl hatte er oft seiner lieben Eltern gedacht und auch schon die Feder zu einem Briefe angesetzt, aber da bäumte sich stet« wieder sein Stolz dagegen auf und litt es nicht, daß er um Gnade betteln sollte. Um das Maß seiner Leiden voll zu machen, raffte eine tückische Krankheit sein geliebtes Weib, um deretwillen er all' dieses Ungemach ertragen, und seine beiden ältesten Söhne dahin. Dies hatte seinen Stolz gebrochen, ein unsagbares Heimweh erfaßte ihn, das fremde Land war ihm jetzt so öde und leer; zurück nach seiner Heimath, nach dem Vaterhaus zog es ihn und sollte es ihm nicht möglich sein, dort zu leben, so wollte er doch wenigstens dort sterben. So war er denn zurückgekehrt mit seinem einzigen Kinde, welches ihm geblieben, ärmer, als er die Heimath verlaffen; aber als er wieder vor dem wohlbekannten Hause stand, da hätte sich ihm vor Schmerz das Herz zusammengezogen — ein fremdes Schild, ein fremder Name leuchtete ihm hier entgegen. Der Besitzer konnte ihm keinen Aufschluß geben, da er das Geschäft von einem Anderen gekauft, und in der großen Stadt kümmert sich vielfach Eins um das Andere wenig. Er glaubte nicht anders, als daß er zu spät gekommen, daß seine Eltern bereits tobt seien, gestorben mit dem alten Groll im Herzen. Zwar konnte er es nicht fassen und er eilte deshalb zu einem alten Freunde seines Vaters. „Der ist längst gestorben!" hieß es da. Er wollte nun seine ehemaligen Freunde aufsuchen, aber da war der eine fortgezogen, der andere empfing heute Abend keinen Besuch mehr, überall war er abgewiesen worden. So war er denn trostlos durch die Straßen der Stadt geirrt mit seinem Knaben, blutenden Herzens überall sehend, wie Alles sich rüstete, das schönste Fest der Christenheit, das heilige Weihnachtsfest, zu begehen. Unfähig in seiner Verzweiflung, einen klaren Gedanken, einen festen Entschluß fassen zu können, war er endlich vor Erschöpfung zusammengesunken und nun hatte sich Alles noch so zum Guten gewendet. „Und nun, ist denn Alles vergeben und vergessen?" schloß Theophil seine Erzählung. „Ja, Alles sei vergeben und vergessen!" ertönte es wie aus einem Munde von Rorthmann und seiner Gattin. Und in stiller Umarmung hielten sich die so lange Getrennten und jetzt Wiedervereinten umfangen; verschwunden waren die Gegensätze, die sie einst getrennt, vergangen war das Leid und die Freude hatte zum ersten Male seit langen Jahren wieder ihren Einzug in die Northmann'sche Familie gehalten. Draußen aber erklangen die Glocken vom Thurm weit über Stadt und Land: „Frieden auf Erden!" Gemeinnütziges. Petroleumlampen und Kocher schnell und leicht zu reinigen. Als einfaches Mittel zur schnellen und gründlichen Reinigung der Lampen empfiehlt die „Jllustr. Ztg. f. Blechind." trockene Holzasche, mit welcher man Brenner und Glasbecken von innen und außen (ganz ohne Wasser) mit weichem Papier abreibt. Das Becken wird spiegelklar und darf nur noch mit einem trockenen Tuche nachgewischt werden. Besonders Küchenlampen und Petroleumkocher lassen sich auf diese Weise schnell vollständig säubern, da die Asche alles Petroleum aufzehrt. Zieht man zu der Arbeit ein Paar alte Handschuhe an, so bleiben die Hände ganz rein, weil das Putzen ohne Anwendung irgend einer Feuchtigkeit geschieht. Dieses Putzen mit Asche ist dem vielfach gebräuchlichen Auskochen mit Seife und Soda bei weitem vorzuziehen, da dieses Verfahren nicht nur viel umständlicher ist, sondern mit der Zeit auch die Trennung des Brenners vom Becken zur Folge hat. Die scharfe Natronlauge löst nämlich die Alaunverkittung, welche jene beiden Theile verbindet, auf. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.