Anteichattungsblatt jum Giehensv Anzergev (Gene^al-Anzergev) Donnerstag, den 25. Mai. Nr. 60 18© 3. WWWW t>-D» -LMWLMDKMH-2W' •eS§IS®Ä% AWLtz. Sftgä käMMi»WMiL«W?-ir ^^■sySSvS-SegÄ.-£*_• -^*'3 MHO U/W • .••t4.,j'' '.'S.*' M-USEA-MMM MK^AWWWEWd Nm«^E Das große Loos. Original-Novelle von Leo Werner. (Fortsetzung). „Großer Gott, dann ist das Bergwerk dennoch so gut wie verloren," jammerte der alte Herr, „denn ich war bei dem Betriebe der Grube auf die billige Wasserkraft angewiesen. Was kann es da nutzen, die Schachte vom Wasser zu befreien und kostspielige Reparaturbauten im Bergwerke vorzunehmen, wenn oben die Wasserkraft fehlt. Da müßte man ja zwei kostspielige Dampfmaschinen anschaffen, wodurch die Rentabilität des Bergwerkes sehr in Frage gestellt wird. Außerdem muß ich Ihnen gestehen, lieber Malten, daß die Unkosten der Rettungsarbeiten und Reparaturbauten wohl meine Mittel schon übersteigen werden, daß ich also für die Anlagen der Dampfmaschinen keine Summen übrig habe." „Wir dürfen deshalb aber noch nicht verzagen, Herr Hülsemann," gab Ludwig so ruhig als möglich zurück, „denn es läßt sich vielleicht doch ein Ausweg aus den Calamitäten finden." „Ich halte es für unbedingt nothwendig, daß ich Ihnen die volle Wahrheit sage, Ludwig," erklärte der alte Herr seufzend. „Ohne Hilfe treuer Freunde wird das Bergwerk nicht zu retten sein, denn die Katastrophe der letzten Nacht hat meine ganzen Vermögensverhältnisse auf den Kopf gestellt. Gestern noch besaß mein Bergwerk einen Werth von mindestens 800,000 Mark, nachweisbar aus den Geschäftsbüchern. Belastet ist die Felix-Grube nur mit einer einzigen Hypothek von 120,000 Mark, welche mir bei der Gründung des Bergwerkes das Bankhaus Erler und Compagnie zu fünfeinhalb Procent Zinsen geliehen hat. Im Hinblick auf das dauernde Risiko bet meinem Bergwerke darf der Zinsfuß als nicht zu hoch bezeichnet werden, zumal mir die Gründung des Bergwerkes mit diesem Darlehn erst ermöglicht wurde. Denn mein ursprüngliches Vermögen belief sich kaum auf 100,000 Mark. Mit Erler und Compagnie bin ich in laufender Geschäftsverbindung geblieben. Die Werthpapiere, welche das Bankhaus von mir in Depot hat, belaufen sich auf circa 40,000 Mark, meine Conto- correntfchuld an Erler und Compagnie beträgt zur Zeit wegen der ungünstigen Geschäftslage des verflossenen Jahres aber crrca 70,000 Mark, also haben Erler und Compagnie eine Gesammtforderung von circa 150,000 Mark an mich. Es fragt sich nun, ob das Bankhaus unter den jetzigen Umständen mir noch weiteren Credit gewähren will oder nicht. Kündigt es mir den Credit und die Hypothek, so ist die Subhastation des Bergwerks unvermeidlich, denn infolge des Schachtsturzes und der jetzigen Entwerthung der Felix-Grube wird sich so leicht Niemand finden, der 150,000 Mark auf das Bergwerk borgt, zumal die 150,000 Mark auch nur reichen würden, um meine Verpflichtungen gegenüber Erler und Compagnie zu decken, und für die Herstellungsarbeiten, Maschinen u. s. w. weitere Summen nöthig wären. Sie sehen also, lieber Malten, daß die rasche Hilfe eines kapitalkräftigen, einflußreichen Freundes zur Rettung der Felix-Grube unbedingt nothwendig ist." „Ich kann nur betonen, daß das, was ich thun kann, geschehen wird, um das Bergwerk zu retten, und ich sehe die Lage noch nicht so verzweifelt an." „Glauben Sie, daß Ihr Herr Vater mir helfen wird, Ludwig?" frug jetzt Hülsemann und richtete einen besorgten Blick auf den jungen Mann. „Er hat es leider abgelehnt!" erwiderte Ludwig gepreßt und man merkte an dem Tone der Antwort, wie demüthigend ihm dieses Geständniß war. „Mein Vater ist der Ansicht, daß an dem Bergwerke nichts zu retten ist, daß es schließlich mehr Herstellungskosten verschlingen wird, als es einbringt. Außerdem hat mein Vater infolge größerer neuer Unternehmungen und wegen einiger vorjähriger empfindlicher Verluste jetzt nicht so viel verfügbares Kapital, um Ihnen die genügende Summe vorschießen zu können." „Nun, dann muß ich mich in das Unvermeidliche fügen, dann bin ich ruinirt," stöhnte der alte Herr und sank wie ohnmächtig in seinen Lehnstuhl zurück. „Muth, Muth, Herr Hülsemann!" rief da Ludwig und ergriff die Hand des unglücklichen Mannes. „Wir wollen noch nicht verzagen, ich habe noch einige Hoffnung und ich will thun, was in meinen Kräften steht. — Bringe dem Vater ein Glas Wein, Käthchen," sagte er dann zu der Geliebten gewandt, die mit Thränen in den Augen hinter dem Stuhle des Vaters gestanden hatte. „Eine Stärkung ist ihm dringend nöthig, auch muß ich noch einige sehr wichtige Angelegenheiten mit ihm besprechen." Käthe brachte alsbald zwei Gläser Wein, eins für den von Sorgen und Aufregungen erschöpften Vater, und eins für den Geliebten, der lange Stunden in dem Bergwerke gearbeitet hatte und sicherlich auch einer Erfrischung bedurfte. Die beiden Männer tranken schweigend und Herr Hülsemann begann dann: „Reden Sie, lieber Ludwig! Sie besitzen einen starken, klaren Geist, das weiß ich schon lange, vielleicht entdecken Sie einen Ausweg, den ich in meiner Aufregung nicht mehr finden kann." „Sie waren so offenherzig und vertrauten mir so Vieles an, Herr Hülsemann," erwiderte Ludwig, „ich muß mir daher erlauben, noch einige weitere Fragen an Sie zu richten, um 2s8 - Stadt. vorhergehenden gekommen war. Malten und der Bankier Buchhold, welche sich bisher auch zu Gründen. Obwohl die Gläubiger meistens gebildete Leute waren, warten." Ludwig wollte abwehren und erklärte, daß er sich gar nicht sonderlich erschöpft fühle, aber den vereinten Bitten Hülsemanns und Käthens gab er nach, speiste in der Villa kurz zu Abend und fuhr in Hülsemanns Wagen dann eilig nach der Der Schachteinsturz in der Felix-Grube hatte sich fast so schnell wie ein Lauffeuer unter den Gläubigern und Geschäftsfreunden Hülsemanns verbreitet. Die meisten derselben waren auch bereits an dem Tage, welcher der Unglücksnacht folgte, nach dem Bergwerke geeilt, um sich nach der Größe der Katastrophe zu erkundigen und um Herrn Hülsemann zu sprechen. Da sie aber erfahren hatten, daß Herr Hülsemann vor Schreck erkrankt sei und schon in früher Morgenstunde in seine Wohnung zurückgebracht worden war, so genirten sie sich, den geschlagenen Mann noch am Unglückstage selbst mit Auskunfts- ertheilung und ungestümen Forderungen zu quälen. Aber heute, einen Tag später, sah man schon Vormittags neun Uhr die Gläubiger Hülsemanns zu Wagen und zu Fuß sich nach der Felix-Grube begeben und es konnte nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß für das ganze Unternehmen Hülsemanns und seine geschäftliche Existenz ein neuer folgenschwerer Tag zu dem Auf diese Ansprache des Herrn Künnemann beruhigten sich die Gläubiger ein wenig, und einer von ihnen, den der Es waren allerdings nicht nur Gläubiger Hülsemanns, welche nach der Felix-Grube gingen, sondern es befanden sich ein förmlicher Tumult. Es war nämlich Niemand zu finden, welcher den Gläubigern irgend welche Auskunft ertheilen konnte. Der Obersteiger Krützner und der Grubenverwalter waren unabkömmlich in dem Bergwerke bei den Rettungsarbeiten be- fchäftigt und die übrigen Beamten waren von der Nachtarbeit heute Morgen sieben Uhr erst abgelöst worden und befanden sich schlafend in ihren Wohnungen. Der erkrankte Herr Hülsemann war natürlich auch nicht im Grubengebäude und Ludwig Malten war noch nicht eingetroffen. Nur hin und wieder wurde ein Bergmann oder ein Unterbeamter sichtbar, der dann von den Gläubigern mit Fragen bestürmt wurde, auf welche er keine Auskunft geben konnte, und dadurch wurde natürlich der Aerger und die Aufregung unter den Gläubigern allgemein. „Wir werden uns nach der Wohnung des Herrn Hülsemann begeben müssen," rief ein spindeldünner Mensch, der ganz besonders erpicht darauf schien, seine Geldforderung von Matthias Hülsemann sofort persönlich zurückzuverlangen. „Das meine ich auch, das denke ich auchl" erscholl es aus dem Kreise der Gläubiger als Antwort. „Aber meine Herren, überstürzen Sie sich doch nicht," bat da der Kaufmann Künneman. „Der Stand des Bergwerkes kann noch am besten nur hier geprüft werden, und ob es eine Stunde früher oder später geschieht, das bringt Niemanden Schaden. Außerdem habe ich vor einer Viertelstunde bereits einen Bergmann nach der Wohnung des Herrn Hülfe- ! mann geschickt und schriftlich um sein Erscheinen oder das Em- I treffen eines bevollmächtigten Vertreters gebeten. Ich schlage daher vor, daß die Herren geduldig noch eine halbe Stunde Erfrischung zu sich." „Aber nach der Stadt laufen dürfen Sie nicht, Ludwig, das dulde ich nicht," bemerkte Hülsemann. „Sie waren mehrere Stunden in dem Bergwerke beschäftigt und haben sich körperlich und geistig sicherlich heute schon sehr angestrengt. Friedrich mag einen Wagen anspannen und Sie nach der Stadt fahren. Und in der Zwischenzeit nehmen Sie erst noch eine einen vollständigen Ueberblick über die Vermögenslage zu bekommen. Wie steht es denn mit den übrigen Forderungen und Außenständen, die so jedes Geschäft hat?" „Diese dürften sich in der Hauptfache balanciren," erklärte Herr Hülsemann, „das heißt, ich setze dabei voraus, daß meine Schuldner alle ihren Verpflichtungen nachkommen und daß das Kohlenlager an der Felix-Grube durch die Katastrophe nicht mehr geschädigt ist, als es heute Morgen schien. Diese Kohlen- vorräthe sind meistens aus spätere Lieferung schon verkauft." „Schaden hat das Kohlenlager allerdings gelitten," bemerkte Ludwig und sein Antlitz wurde blaß, „aber ich hoffe, daß derselbe nicht so groß sein wird. Es gilt nun offenbar als die wichtigste Aufgabe, morgen den Gläubigern in der richtigen Weise entgegenzutreten, denn morgen werden sie Alle kommen und Auskunft und Sicherstellung verlangen. Da Sie krank und leidend sind, Herr Hülsemann, so denke ich, daß es am besten ist, daß Sie mir die Ordnung der ganzen Angelegenheit übertragen und mir eine entsprechende Vollmacht geben." „Ja, ja, das ist schon das Beste und ich danke verbind« lichst sür Ihre Aufopferung, lieber Ludwig," entgegnete der Greis und reichte gerührt dem wackeren jungen Manne die Hand. „Aber verzeihen Sie eine Frage, Ludwig, was wollen Sie eigentlich in dieser schwierigen, ja verzweifelten Sache thun, wenn Ihr Herr Vater nicht helfen will. Haben Sie Hoffnung, den Herrn Commerzienrath noch umzustimmen?" „Ganz gebe ich diese Hoffnung allerdings noch nicht auf," meinte Ludwig, „aber an den Beistand meines Vaters für die morgen mit den Gläubigern stattzufindenden Verhandlungen glaube ich noch nicht. Wir müssen uns da allein zu helfen suchen. Ich besitze zur freien Verwendung 60,000 Mark, die ich von meiner seligen Mutter erbte. Diese Summe stelle ich Ihnen zur Versügung oder ich selbst werde vielmehr mit derselben nach bestem Ermessen handeln. Dann besitzen Sie doch , —--- ------. « - . . . .■ - auch diese prächtige kleine Villa, Herr Hülsemann. Ist die- unter den ersteren auch zwei Freunde Hulsemanns, der Bankier selbe mit einer Hypothek belastet oder kann sie als freies Leixner und der Kaufmann Künnemann. Der Commerzienrath Pfandobject den Gläubigern gegenüber dienen?" Malten und der Bankier Buchhold, welche sich bisher auch zu „Die Villa ist mit keiner Hypothek belastet," antwortete Hülsemanns Freunden gezahlt hatten, fehlten aus begreiflichen der alte Herr, „aber sie liegt weit von der Stadt entfernt und Gründen. hat daher keinen großen Kaufwerth. Ich habe die Villa seiner Obwohl die Gläubiger meistens gebildete Leute waren, Zeit eben nur für meine Zwecke erbaut, um nicht allzuweit so entstand doch bald nach ihrer Ankunft in der Fmx-Grube von dem Bergwerke zu wohnen." -----------.......sn$™h „Immerhin ist die Villa aber ein solides Werthobject und ich denke, wir bieten dieselbe, wenn es nöthig ist, den Gläubi- j gern noch als Pfandobject an," meinte Ludwig. „In solchen kritischen Lagen darf man nicht zaudern und muß alle Mittel ! in Bewegung setzen, um die Gläubiger zur Bewilligung eines Moratoriums zu nöthigen." „Ich billige Ihre Maßregeln vollständig, Herr Malten," erklärte Hülsemann, „und bin auch damit einverstanden, daß Sie die Villa als Pfand meinen Gläubigern morgen anbieten." „lieber diesen Punkt sind wir also auch einig und nun möchte ich noch bitten, daß Sie mir eine notariell beglaubigte Vollmacht ertheilen, Herr Hülsemann, denn sonst bin ich gar nicht im Stande, als Ihr Bevollmächtigter Ihre Geschäfte zu leiten. Die Vollmachtsertheilung hat auch große Eile, denn morgen Vormittag muß ich mit der Vollmacht in den Händen den Gläubigern gegenüber treten können. Ich werde daher noch heute Abend einen Notar aufsuchen und denselben veranlassen, sich mit mir morgen früh acht Uhr hierher zu begeben, wo dann die Vollmacht angefertigt werden kann." Der alte Herr nickte beifällig und sagte: „Sie denken an Alles, Herr Malten. Die Ausfertigung der Vollmacht hat allerdings die größte Eile, sonst können Sie gar nichts als mein Stellvertreter thun. Ich erwarte den Notar und Sie morgen früh acht Uhr. Meinen unauslöschlichen Dank für die großen Opfer, die Sie mir bringen, und mag Gott geben, daß Sie nicht vergeblich alle Kräfte anstrengen, um die Felix-Grube zu retten und mich vor dem Bankerotte zu bewahren." „Ich hoffe noch das Beste, Herr Hülsemann," gab Ludwig ergriffen zurück, „denn in größter Noth bietet sich oft unerwartete Hilfe. Jetzt muß ich aber nach der Stadt eilen, um einen Notar aufzusuchen, ehe es zu spät wird." — 239 s Galgenhumor gepackt zu haben schien, rief: „Nun, so können wir ja hier einstweilen die Ruinen ansehen!" „Ja, Ruinen, grausige Ruinen habe ich eben dort entdeckt," antwortete der junge Herr Erler, der jetzige erste Inhaber der Bankfirma Erler & Comp. Das ganze Kohlenlager ist durch den Schachteinsturz ruinirt worden, denn mehr als hunderttausend Centner Kohlen sind theils verschüttet, theils liegen sie im Abgrunde. Das ist ein neuer Schaden von wenigstens 50 000 Mark. Wie sollen wir da zu unserem Gelde kommen? Nicht nur das Bergwerk, sondern auch die Vorräthe sind vernichtet." „Am besten würden wir noch zu unserem Gelde kommen, wenn Sie, Herr Erler, als Hauptgläubiger und Inhaber der ersten Hypothek das ganze Bergwerk käuflich zu einem annehmbaren Preise übernehmen würden," bemerkte jetzt einer der Gläubiger dem jungen Bankier gegenüber. „Das Geschäft kann dabei für Sie ganz vortheilhaft werden. Man hat das Bergwerk, ehe der Schachtsturz stattfand, auf einen Werth von fast einer Million Mark geschätzt, und die Hälfte, also 400,000 bis 500,000 Mark wird es jetzt doch noch werth sein, aber man kann annehmen, daß es in der Subhastation noch billiger verkauft wird, also kaufen Sie es möglichst und die fatale Angelegenheit ist aus der Welt ge- schaft. Man kann ja gegen Herrn Hülsemann Rücksichten üben und ihn zum Director des Bergwerks bei gutem Gehalte machen." „Das ist ein sehr schöner Gedanke von Ihnen, Herr Faber," erwiderte Erler, „aber wir kaufen die Felix-Grube nicht, weil ich und meine Compagnons absolut nichts vom Bergwerksbetriebe verstehen, und weil sich auch schwer sagen läßt, was das Bergwerk jetzt werth ist." „Aber es ist doch offenbar das Beste für die Gläubiger, wenn das Bergwerk verkauft wird, ehe der Concurs ausbricht," betonte Herr Faber, „denn sonst verschlingen die Gerichts- und Advokaknkosten noch so viel, daß für unsere Forderungen nichts „Aber warten Sie doch erst einmal eine gründliche Untersuchung der Bermögensverhältniffe des Herrn Hülsemann ab," bemerkte Herr Künnemann, „es fragt sich immer noch, ob es wirklich so schlecht mit ihm steht wie man befürchtet." „Da ist leider nicht viel von einer gründlichen Untersuchung der Hülsemann'schen Bermögensverhältniffe zu erwarten," begann wieder der Bankier Erler. „Die Felix-Grube ist halb oder ganz ruinirt, die Kohlenvorräthe sind verdorben, also die Schätzung der Activa geradezu zweifelhaft. Ueber die Passiva werden sich dagegen wohl bald sichere Zahlen aufstellen laffen. Wir haben eine Gesammtforderung von 198,000 Mark an Hülsemann." „198,000 Mark!" schrien mehrere der andern Gläubiger erschrocken auf. „Ja, 198,000 Mark," erklärte der Bankier kühl und trocken. „Für diese große Summe werden Sie doch auch Pfänder haben?" bemerkte jetzt eine Stimme. „Natürlich," erwiderte Herr Erler, „120,000 Mark sind als erste Hypothek auf die Felix-Grube eingetragen und 40,000 Mark Werthpapiere gab uns Herr Hülsemaun für die laufende Buchschuld als Pfand." --Nun, so haben Sie ja alle Vorrechte eines bevorzugten Gläubigers," rief jetzt Herr Faber ärgerlich, und wenn wir anderen Gläubiger unsere Forderungen ermäßigen, so können Sre das Bergwerk einfach kaufen oder sonst eineIVereinbarung mit uns und Herrn Hülsemann treffen, wodurch der Concurs vermieden wird." „Wir kaufen das Bergwerk nicht, eher lassen wir es zum ffoncurs kommen," erklärte Herr Erler, „aber vielleicht findet sich em anderer Gläubiger oder sonst Jemand, der das Bergwerk kauft." „Darauf können wir unter den jetzigen Umständen lange warten, meinte Herr Faber, „und gewartet kann gar nicht werden, wenn das Bergwerk nicht ganz und gar zu Grunde gehen soll." „Nun, so können wir uns vielleicht unter uns über dis Bedingungen eines Accordvorschlages einigen, den wir Herrn Hülsemann unterbreiten können," bemerkte Herr Erler. „Bevorrechtigte und durch Pfand gedeckte Forderungen haben in der Hauptsache nur wir, und die sollen bis auf 38,000 Mark jetzt nicht in Anschlag gebracht werden, diese 38,000 Mark stellen wir also den Forderungen der übrigen ilicht bevorrechtigten Gläubiger gleich. Wie hoch belaufen sich nun Ihre Forderungen, meine Herren?" „11,600 Mark ist die meinige," erwiderte Herr Faber. „7,300 Mark," rief ein anderer. „2,150 Mark," erklang es vom Munde eines Dritten, und so ging es fort, bis alle Gläubiger ihre Forderungen genannt hatten. Herr Erler hatte dieselben gleich ausgeschrieben und rechnete sie jetzt zusammen. „Mit unseren 38,000 Mark ungedeckten Forderungen sind es insgesammt 91,680 Mark," bemerkte er dann kühl. „91,680 Mark!" riefen mehrere Gläubiger, rangen die Hände und schrien: „Schändlich, schändlich! Für diese Summe ist so gut wie keine Deckung da. Schändlich, schändlich." „Aber meine Herren, messen Sie doch dem ganz unschuldigen Hülsemann keine Schuld an diesem traurigen Schlage zu," bemerkte Herr Künnemann, denn wäre nur der Schachtsturz nicht eingetreten, so wäre Ihnen Hülsemann für den dreifachen Betrag ein sicherer Zahler. Zudem hat Ihr Schuldner weder leichtsinnig, noch schlecht gewtrthschaftet, sondern nur maßloses Unglück hat ihn zahlungsunfähig gemacht. Bedenken Sie, daß allein für circa 50,000 Mark Kohlenräthe vernichtet oder verdorben sind. Wäre dieses Unheil dem Schachteinsturze nicht auch gefolgt, so hätten Sie für 50,000 Mark Deckung an Kohlenvorräthen, und da Hülsemann auch eine hübsche, wahrscheinlich nicht verschuldete Billa besitzt, so wären trotz der großen Betriebsstörung im Bergwerke Ihre Forderungen gedeckt." „Das ist ja ganz schön von Ihnen gesagt, Herr Künnemann," bemerkte der spindeldürre Mensch mit unangenehmer Fistelstimme, „aber von diesen schönen Worten erhalten wir unser Geld nicht. Ich bin für die Concurserklärung und den Verkauf sämmtlicher Besitzungen des Gemeinschuldners. Das ist unser gutes Recht und kann nicht geändert werden!" „Nur Geduld, lieber Herr, die Sache wird nicht über das Knie gebrochen, dazu ist sie zu ernst," gab Künnemann energisch zurück. „Ich bin hier, um unter Umständen für meinen Freund Hülsemann einzutreten und kann nicht zugeben, daß der bedauernswerthe Mann durch übereilte Maßregeln so ohne Weiteres um sein ganzes Vermögen gebracht wird." „So schaffen Sie uns doch endlich Herrn Hülsemann zur Stelle, daß wir mit ihm verhandeln können," schrie ein Gläubiger. „Ich erwarte jeden Augenblick die Rückkehr des Boten," erklärte Künnemann ruhig, „und so lange müssen sich die Herren noch gedulden." Aergerlich über die widerwärtigen Auftritte mit den Gläubigern trat jetzt der hochherzige Künneman aus deren Kreise und schritt nach der Landstraße, um nach dem ausgesandten Boden zu sehen. In der Ferne zeigten sich zwei Männer, welche mit raschen Schritten sich der Felix-Grube näherten. Es war der Bergmann, den Herr Künnemann nach der Hülsemann'schen Villa gesandt hatte und in kurzer Entfernung hinter diesem folgte Ludwig Malten. Der wackere Künnemann athmete auf, als er Ludwig Malten erkannte, denn er war der Ueberzeugung, daß dieser sowie sein Vater, der Commerzienrath, für Matthias Hülsemann eintreten würden. Mit dem eintreffenden Bergmann kehrte Künnemann in den Kreis der ungeduldigen Gläubiger zurück und der Bergmann berichtete kurz, daß Herr Hülsemann wegen Krankheit verhindert sei, zu kommen, daß aber Herr Ludwig Malten Herrn Hülsemann vertreten würde. (Fortsetzung folgt.) Oeineinirittzrges« Wirksames Fliegenpapier. Der Chemiker Dr. S. Merzinski empfiehlt folgendes Verfahren zur Herstellung eines sehr wirksamen Fliegenpapieres: 10 Gramm doppeltchromsaures Kali, 30 Gramm Zucker, 2 Gramm äther. Pfefferöl, 20 Gramm Alkohol und 120 Gramm destrlürtes Wasser werden bestens zusammengemischt, worauf man das Gemenge fünf bis sechs Tage fest verschlossen an einem warmen Orte stehen läßt. Alsdann filtrirt man die Flüssigkeit, taucht ungeleimtes Papier, sogenanntes Fließpapier, wiederholt m dieselbe ein und läßt es nachher trocknen. Droguisten seren aus dieses neue Fliegenpapier besonders aufmerksam gemacht. * • Frühlingssirppe. Junge Frühlingskräuter aller Art, sowie Kohlrabischeiben, kleine Karotten, junge Erbsen, Spargel und Blumenkohlröschen kocht man mit so viel Wasser, als man Suppe braucht, mit Salz und einem guten Stück Butter werch, fügt 10-20 Gramm Liebigs Fleischextract je »ach der Menge der Suppe hinzu, würzt die Brühe mit wenig Muskatbluthe und reicht dis sehr wohlschmeckende Suppe mit gerösteten Semmelschnittchen zu Tisch- ♦ Neue Methode, Eier zu verpacken und zu eonserviren. An Stelle des Strohes empfiehlt man zum Verpacken der Eier die Holzwolle und zwar mit Recht, denn die in Holzwolle verpackten Eier erhalten sich längere Zeit und bleiben im Geschmacks unverändert, was bei in Stroh aufbewahrten Eiern weniger der Fall ist. Auch zieht Stroh leicht Feuchtigkeit an und geräth dann in Gäbrung und Fäulmß, wodurch sich die Temperatur um die verpackten Eier in nach- Heiligster Weise steigert. * * ♦ Italienische Reissuppe Als meine Freundin aus Italien zurückkehrte, rühmte sie von allen dort genossenen Gerichten, die für unfern deutschen Gaumen oft recht wenig schmackhaft sind, eine Reissuppe, die sie an verschiedenen Orten getroffen und immer als sehr wohlschmeckend gefunden hatte. Man nehme zwei oder drei reife Tomaten, löse die Schale los und setze sie ohne Wasser aus's Feuer. Binnen Kurzem kocht eine Art Sauce heraus, welche man an die fertige Reissuppe gießt, welche dadurch einen herzhaften, angenehmen Geschmack erhält, die uns selbst den Zusatz von Fleischbrühe ver- muthen läßt. ♦ Vertilgung von Ungeziefer bei Stubenhunden. Man vermischt ein Liter lauwarmes Wasser mit zwölf Gramm Aloötinctur (aus der Apotheke zu beziehen), wäscht damit die Hunde und kämmt sie, noch ehe sie wieder trocken sind. Durch dieses Mittel wird das Ungeziefer wirklich sogleich getödtet und die Hunde bleiben eine zeitlang von demselben verschont, während bei der Anwendung von Insektenpulver das Ungeziefer zwar die Hunde verläßt, aber nicht stirbt, sondern die Menschen belästigt. * ♦ Luftdichter Kitt wird bereitet, indem man Kautschuk schmilzt, ohne daß reichliche Dämpfe aufsteigen, in kleinen Portionen gelöschten und gesiebten Kalk zusetzt, bis der Kautschukgeruch verschwunden ist. Dann setzt man noch 1/2 Mennige hinzu und bestreicht den Glasstöpsel dich mit dem Kitt. * ♦ Flecke auf polirten Möbelu, welche durch das Aufstellen heißer Gegenstände entstanden sind, entfernt man, indem man die Flecke mit naßgemachter Cigarrenasche bedeckt und diese längere Zeit darauf liegen läßt. Dann reibt man mit einem Korkpfropfen, dessen Fläche angekohlt ist, auf der Stelle so lange hin und her, bis die Flecke verschwunden sind; man reibt mit Petroleum nach. Hevinischtes. Mißlicher Beweis. Dame (zu einem engagirten Mädchen): „Wollen Sie den Dienst gleich bei mir antreten?" - Dienstmädchen: „Jawohl I" - Dame: „Gut! Uebrigens werden Sie es bei mir gut haben! Wie sehr sich die Mädchen zu mir drängen, können Sie daraus ersehen, daß, während meiner siebenjährigen Ehe schon mehr als zwanzig in meinen Diensten gewesen sind." * , Doppelsinnige Redensart. „Diese beiden Geld- äcke bringen Sie zum Bankier Schulze. (Legt sie ihm auf die Schulter.) So! Werden Sie sie aber auch so weit tragen önnen?" — „O ja, wenn ich nur erst im Zuge bin, werde ch schon damit fertig werden!" * Gerieben. Aennchen: „War das nicht schlau, daß ich die Katze in den Speiseschrank eingeschloffen hab'? Mama kann dann doch nicht sagen, daß ich den Kuchen gegeffen hab. Höchster Grad von Liebestollheit. „Aber Elsa, was machst Du mit dem Atlas?" - „Ach, ich küfle Mägde- bürg, da ist mein Otto geboren." * Die Hdtelrechnung.* Gast: „Sie haben mir hier auf die Rechnung gesetzt: Papier fünfzig Centimes, während Sie mir überhaupt kein Papier geliefert haben." Kellner: „Verzeihung, mein Herr, das ist dieses Papier hier, auf dem Ihre Rechnung geschrieben.ist." * Der kleine Geschäftsmann. Lehrer: „Moritz, was hat der General Steinmetz im französischen Kriege eingenommen?" - Moritz: „Wie soll ich wissen, was er hat eingenommen, und wenn schon, wer sagt mir, daß es reiner Verdienst war?" e , Einst und jetzt. Verehrer: „Eine Locke von Ihrer Stirn, Fräulein Emma, würde mich zum Glücklichen unter den Sterblichen machen!" (Nach zehn Jahren.) Ehemann: „Aber Emma, was ist denn das, die ganze Schublade liegt voll von Deinen Haaren, pfui!" * Harmonie. „Sie bitten also um die Hand meiner Tochter. Haben Sie irgendwelche Chancen?" — „Nein, nicht die geringsten!" — „Meine Tochter auch nicht. Nehmen Sie sie und seien Sie glücklich!^ * Die boshafte Gattin. Sonntagsjäger (im Begriff, auf die Jagd zu gehen, zu seiner Frau): „Ich weiß nicht, uh habe so eine Ahnung, als ob ich heute etwas treffen würde. — Frau: „Dann laß nur um Gotteswillen den Hund hier. Du kannst Dir doch nicht jeden Sonntag einen neuen anschaffen. Weitgehendes Bedachtsein. „Was der Tausend, Du hast ja zwei Taschenuhren." — „Ja, eben gekauft von den Moneten, die mir mein Goldonkel geschickt hat." — „Aber warum zwei Taschenuhren?" — „Die eine zum Tragen, die andere zum Versetzen." * , Gerechte Preiserhöhung. Kunde: „Was bin ich schuldig?" - Barbier: „Zwanzig Pfennige." -Kunde: „Aber an Ihrem Fenster steht doch: Rasieren zehn Pfennig. — Barbier: „Ja, Sie haben aber, auch ein Doppelkinn! Wes das Herz voll ist . . . Frau Rittmeister von Kleckau wird am Morgen, als sie die Rückkehr der Schwadron vom Manöver erwartet, von ihrem Mädchen geweckt. „Jette , fragt sie, „was ist's für Wetter?" - „Ach! gnädige Frau, wunderschön! Der Himmel sieht aus wie lauter Draionersi Redactton: A, Schepda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.