Samstag, den 21. Oktober. 1893 ;'i".ü*/ nitä -H. v KkMMW EEEWS ft’WSOäK.- Dunkle Mächte. Novelle von B. Corony. (Schluß.) X. Unvermuthet in den kleinen Salon tretend, hatte Frank die im hypnotischen Schlaf gemachten Geständnisse Magdas vernommen und die Ueberzeugung gewonnen, daß Alles für ihn verloren sei. Jetzt saß er schon lange an dem Secretär und schrieb. Blatt auf Blatt deckten die festen Schriftzüge. Nun gab es ja nichts mehr zu verschweigen und zu verbergen. Als das Schreiben vollendet und versiegelt vor ihm lag, hüllte er es nebst einem matt schimmernden Kästchen in Papier, wand eine Schnur um das Packet, versiegelte auch dieses, schellte dann dem Diener und gab es ihm mit den Worten: „Hier ist ein Geschenk, welches ich aus der Stadt mit- brachte. Ueberbringen Sie es meiner Frau, sobald sie morgen klingelt. Ich fühle mich ermüdet, werde wahrscheinlich länger als sonst schlafen und wünsche nicht gestört zu werden." „Sehr wohl, Herr Doctor." Wieder allein, öffnete Frank ein anderes Fach des Schreibtisches und entnahm demselben eine zierliche Pistole. Nun war das Ende da, der wüste Fiebertraum ausgeträumt und bald mußten alle glühenden Wünsche und unerfüllten Hoffnungen in dem ewigen, unendlichen Nichts untergehen. — Und doch — sogar die starre Ruhe der Verzweiflung, der herausfordernde Trotz, mit welchem so Mancher ein durch eigene Schuld verfehltes Leben hinwirft, wollten nicht kommen, um ihm das Scheiden zu erleichtern. In der Brust des einsamen Mannes tobte die Hölle. Ein frevelhaftes Spiel mit dem Höchsten und Heiligsten, ja mit der Wissenschaft selbst, hatte er getrieben. Nun mar es verloren und mit ihm der Einsatz: Ehre und Gewiffensfrieden. Vor ihm lagen Anerkennungsschreiben, welche ihm von verschiedenen Autoritäten zugegangen waren, Zeitungen, in denen sein segensreiches Wirken gepriesen wurde, und daneben Briefe von geheilten Patienten, die ihn ihren Wohlthäter und Retter nannten. Einige der von schweren Leiden Befreiten gehörten der ärmeren Klaffe an, und diese wußten nicht genug Worte des Dankes für feinen Edelmuth und seine Uneigennützigkeit zu finden. „Erbärmliche Comödiel" murmelte er, die Schriftstücke verächtlich wegstoßend. „Nichts ist wahr und echt auf dieser Welt, und sogar der Ruhm nur schnell verblassendes Flitterwerk. Sobald ein Anderer kommt, der ihnen imponirt, werden ste mich vergessen." Gleichwohl wurde es ihm nicht leicht, einen Schauplatz zu verlassen, auf welchem so glänzende Triumphe winkten. Wie ein zorniger Titan hätte er zermalmen mögen, was sich wider ihn erhob, und mußte doch seine vollkommene Machtlosigkeit einsehen. Nein, ihm blieb nichts Anderes übrig, als den dunklen Weg in ein unerforschtes Jenseits anzutreten, und das sollte nun ohne Zögern geschehen. Langsam erhob er die Pistole und drückte den blitzenden Lauf an die Schläfe. Dabei fiel sein Blick zufällig auf den Todtenkopf. Welch' ein häßliches Gegenüber in dieser letzten, verhängnißvollen Secunde! Wie das fleischlose Gesicht zu lachen schien! Ja, so werden Viele lachen und höhnen, wenn sie von dem unerwarteten Ende des berühmten Arztes erfahren. Sie werden die Achseln zucken und einander vertraulich zuflüstern: „Er war vielleicht doch nichts als ein Narr, den seine Wissenschaft im Stich ließ und der an sich selbst verzweifelte." „Nein, das soll nicht sein! Du hast mich rechtzeitig gewarnt, guter Freund," sagte Frank, die Pistole wieder an ihren Platz legend. So geht es nicht. Das wäre ein thörichter, jämmerlicher Abschluß. Rufen wir lieber einen unglücklichen Zufall, eine in der Zerstreuung begangene Unvorsichtigkeit zu Hülfe. — Niemand wird an Selbstmord glauben, wenn der gefeierte, vom Glück gekrönte Arzt, der Denker, von dem man längst weiß, daß er gar oft den nächtlichen Schlummer durch narkotische Mittel erzwingen muß, einmal infolge eines kleinen Versehens etwas zu fest schläft." Wie gewöhnlich suchte er sein Lager auf, goß dann den krystallhellen Inhalt eines Fläschchens in das bereitstehende Glas Wasser und trank mit raschen Zügen. Frank hatte das Licht gelöscht und starrte noch minutenlang in die Finsterniß hinein, bis allmählich seltsame Bilder ihn zu umgaukeln begannen. Er sah sich wieder als frohes Kind unter dem sorgfältig geschmückten Weihnachtsbaum stehen und hörte den Vater schlichte Gebete sprechen, dann flössen alle Lichtstrahlen ineinander und verwoben sich zu einem goldenen Schleier. Aber nein — das war ja schimmerndes, seidenweiches Loreleyhaar, und nur Eine gab es auf der Welt, die solchen Reichthum besaß. Und jetzt theilten zwei weiße, kräftige Frauenhände das üppige Gelock wie einen rothgoldenen Vorhang. Der Mutter Antlitz erschien, ihre klugen, braunen Augen sahen ihn an und ihr Mund sprach scharf und befehlend: „Vorwärts! Bleib' nicht auf halbem Wege stehen. Du mußt ein großer, berühmter Mann, ein Fürst der Wissenschaft 494 werden. Sieh', der Lorbeer winkt Dir schon. Greise darnach!" Er that es, aber nur welke Kränze fielen unheimlich raschelnd auf ihn herab, immer mehr und mehr, bis sie sich zu einem hohen Hügel gehäuft hatten, dann wurde es still und dunkel. Früher als sonst erhob sich Rafaels am nächsten Morgen, nach einer in Schmerz und bangen Zweifeln durchwachten Nacht. Wie ein feuriger Ball stand die Sonne am Himmel und vermochte den dichten Nebelschleier nicht zu zerreißen. Die junge Frau trat vom Fenster zurück und legte die Hand über die müden Augen. Der grellrothe Schein blendete sie. Was mußte der Tag für neue Kämpfe, für erschütternde Scenen bringen! Wo die Kraft hernehmen, um solches Leid zu ertragen? — Mazda huschte ins Zimmer und sagte ängstlich, aber doch mit sichtlichem Bemühen, die Freundin zu erheitern: „Ich bin schon lange munter, und da Du auch nicht mehr schläfst, komme ich zu Dir. Doch — wie blaß und leidend Du aussiehst! Mein Gott, fast könnte es mich erschrecken " „Es ist nichts — nichts! — Ein leichter Kopfschmerz, der vorübergehen wird- Quäle Dich nicht mit übertriebener Sorge." — „Hier ein Geschenk, welches mir Johann eben übergab. Frank brachte es gestern aus der Stadt mit." „Gut, gut! Lege das Packet weg." „Willst Du es denn nicht öffnen?" „Nein!" ^Wie seltsam Du bist!.— Ich hoffte, es würde Dir Zerstreuung gewähren. Darf ich die Schnur zerschneiden?" „Immerhin, wenn es Dir Vergnügen macht " Die Antwort klang ungeduldig, wie wenn Jemand sich beeilt, mit einer peinlichen Sache zu Ende zu kommen. Rafaele trat wieder ans Fenster. Jede Minute beschwor doch neue Qual herauf. Was sollte daraus werden? — „Herr Gott im Himmel! Was ist das? Was hat es zu bedeuten?" schrie Magda plötzlich auf. „Die geraubte Kassette! Er hat sie wieder gefunden! Sieh' doch nur! Welches Räthsel! — Rafaele, bist Du denn taub und stumm geworden? Ich sage Dir ja: Die Kaffette ist wieder da! Georg hat sie herbeigeschafft. So sprich, sprich! Mein Gott, Du müßtest doch jetzt zu ihm hinüber fliegen und — aber das ist ja gar nicht nöthig. Hier ein Brief! Lies, lies!" Die junge Frau hatte sich umgewandt und starrte tobten» bleich auf das Kästchen. Es war ihr, als wanke der Boden unter ihren Füßen, als wäre ihre Zunge gelähmt. „Stehe doch nicht da, wie in Stein verwandelt!" rief das Mädchen, ungeduldig hin und her trippelnd. „Nie ließ Dich der Zweifel zur Ruhe kommen — und jetzt klärt Georg Alles auf. Bangt Dir vor der so lange ersehnten Gewißheit? Das ist feig, kleinlich! Ich, an Deiner Stelle, würde dieses Schreiben mit wahrer Gier aufreißen und dann dem edlen Mann, der endlich Klarheit in das jahrelange Dunkel bringt, auf den Knieen danken. Du mußt lesen, was er Dir schreibt!" „Du hast Recht! Ich muß es." Mechanisch erbrach Rafaele das Schreiben, aber je länger sie las, desto entsetzter wurde der Ausdruck ihres Gesichts. „Was ist's? Was steht hier? Laffe es mich doch wissen!" rief Magda, sie umschlingend. „Du ängstigst mich! Ist es eine Unglücksbotschaft? Mein Himmel, kannst Du nicht antworten?" Der kleine Fuß stampfte ungeduldig auf. Gleich einer vom Sturm geschüttelten Lilie schwankte Rafaele und sank dann plötzlich 'zu Boden. Wie ein goldig flammender Strom fluthete das noch feffellos herabwallende Haar über den Teppich. Mit einem lauten Schrei stürzte das Mädchen zur Klingel und rief dem herbeieilenden Diener zu: „Schnell, schnell, wecken Sie Doetor Frankl Hier ist rasche Hülfe nöthig!" Die Wasierkaraffe ergreifend, befeuchtete sie Stirne und Lippen der Ohnmächtigen. O großer Gott, was stand nur in dem entsetzlichen Briefe? — Magda entwand ihn den krampfhaft geschloffenen Fingern, dabei fiel ihr Blick auf den eigenen Namen, und nun vermochte sie die Augen nicht mehr abzuwenden. War es denn ein furchtbarer Traum oder grauenvolle Wahrheit? Immer und immer wieder überflog sie die letzten Zeilen, um stets mit derselben Deutlichkeit zu lesen: „Und so sei es denn gestanden, daß ich die Gemme mit dem Januskopf, die Degenfeld bei dem ländlichen Feste, welches zur Feier Deines Geburtstages abgehalten wurde, entfallen war, aufraffte und verbarg, daß ich die an dem Krankenlager Deiner Mutter wachende Magda in hypnotischen Schlaf versetzte und ihr befahl, den kleinen Schmuckgegenstand in den Schreibtisch zu legen und die Kaffette an meiner Thür nieder zu stellen. Nicht um mich zu bereichern, that ich es, sondern nur, weil ich Deinen Besitz keinem Andern gönnte. — Trotzdem, daß die List gelang, führte ich ein elendes Leben, denn es wurde mir bald klar, daß Du den Fernen niemals vergessen konntest. — Indem ich jetzt in den Tod gehe, befreie ich mich von einem unseligen Dasein und Dich von verhaßten Fesseln. Daß Du meinen Namen nicht brandmarken und meiner Mutter die furchtbare Wahrheit verbergen wirst, glaube ich mit Zuversicht erwarten zu dürfen." „Ich! Ich selbst!" stöhnte das Mädchen. „Ich, die den letzten Athemzug hingegeben hätte für meine Wohlthäteriunen und — für ihn! Giebt es denn eine Vorsicht, einen gepriesenen Engel Gottes, der die Schwachen beschützt?" Rafaele machte eine kaum bemerkbare Bewegung. In diesem Augenblick trat der Diener ein, bleich, unsicheren Schrittes, wie ein Trunkener. „Herr Doetor Frank," stammelte er, und die Stimme versagte ihm. „Kommt er?" rief Magda, mit flammendem Blick empor» springend. O, wie ihr ganzes Sein erbebte in Schmerz und Empörung. „Nein, nein. Er ist starr und kalt, seine Brust hebt sich nicht mehr. Barmherziger Himmel, ich habe immer gefürchtet, daß einmal so was passiren würde. Das Fläschchen mit den wasserhellen Tropfen ist geleert. Der Schlaftrunk mag woh! zu stark gewesen sein." Die Erschrockene hörte nichts weiter. Zu Frank hinüber eilend, blickte sie auf die wie in Stein gemeißelten Züge und in die gebrochenen Augen des freiwillig aus dem Leben Geschiedenen, stürmte dann wie eine Sinnlose aus dem Hause, erreichte athemlos die Eisenbahnstation und flüchtete zu einer alten in P. lebenden Verwandten. Von dort richtete sie ein langes, verzweifeltes Schreiben an Rafaele, war aber auch durch das liebevollste Zureden nicht zur Rückkehr zu bewegen. * * * Als Rafaele ihre Wittwengewänder abgelegt hatte, näherte sich Erich v. Degenfeld, durch seinen Freund, mit dem er in reger Correspondenz stand, von Allem unterrichtet, wieder der immer noch mit gleicher Innigkeit Geliebten und empfing von Neuem das Gelöbniß ihrer Treue. Werner vergaß die arme, kleine Magda ebenfalls nicht- Er suchte sie oft in ihrer Einsamkeit auf, und zuweilen, wenn er von dem neu erblühenden Glücke Rafaelens erzählte, verklärte der leise Schimmer eines Lächelns des Mädchens blasses Gesicht, und die Ahnung, daß auch sie von schwerem Leid genesen könne, klopfte tröstend an ihr Herz. Georgs Mutter erfuhr nie die Wahrheit. Wie alle Welt, so glaubte auch sie an einen unglücklichen Zufall. Sie war alt, sehr alt geworden, aber täglich konnte man die Gebeugte auf den Friedhof hinaus wandern sehen. Bevor sie das Grabgewölbe, in dem ihr Sohn ruhte, betrat, streichelte die Greisin jedesmal liebkosend über eine an dem Eingang desselben angebrachte Marmorplatte und las mit thränenverschleierten Augen, während ein wehmüthig-stolzer Zug um ihre Lippen spielte: „Dem berühmten Arzte Dr. Georg Frank gewidmet von Denen, die ihm Leben und Gesundheit danken." --- 495 ss Der als Förderer der Kunst, wie als persönlicher Freund . - „„„ Goethes hochgeehrte Großvater der Kaiserin. Augusta, Karl glaubte, daß ihr Gatte mindestens in's Zuchthaus müsse. August von Weimar, fühlte sich in seinen letzten Lebensjahren ----- " nirgends wohler, als in den schattigen Gängen des Parkes von Weimar. Im Borkenhäuschen und im römischen Hause nahm er gern auf längere Zeit Quartier, und wie sehr ihm diese Einsamkeit behagte, dafür legen seine Briefe Zeugniß ab. An einem schönen Maienabend saß er denn auch einmal vor dem römischen Hause und kehrte dem Wege, der zur Stadt führt, den Rücken zu; er lehnte, die Thonpfeife im Munde, die Hände in den Taschen seiner grauen Pekesche, im Schaukelstuhl und schaute zum Sternenhimmel und lauschte dem Schlagen der Nachtigallen. Dort brauchte er nicht lange zu warten; der Landesherr ließ ihn sofort vor sich bescheiden. „Weiß Er, was Er verdient?" fragte Karl August den Zitternden streng und schaute ihn mit durchbohrenden Blicken an. „Gnade, Gnade, Hoheit!" rief der Miffethäter und warf sich auf die Kniee, allein der Großherzog befahl: „Aufstehen! — Er soll sich seine Strafe selbst wählen! — Nun?" Endlich war das römische Haus erreicht und mit Zittern und Zagen betrat der Aermste das Vorzimmer- daß er diesen Kelch an ihr vorübergehen lassen möge- Es half aber nichts. Meister H. mußte sich in seinen Sonntagsstaat werfen und dem ihm so verhaßten Kammerdiener folgen. Mehr todt als lebendig wankte er fort und vermeinte nicht anders, als daß es an den Pranger ginge, während seine bessere Hälfte „Hoheit - . ." stammelte der Meister; das war aber Alles, Ganz in Gedanken verloren und im Anschauen der Natur I 1008 Stypen brachte. versunken, bemerkte er einen vom Dorfe Ober-Weimar des m sagte Karl August, „Er scheint noch zwischen Weges einherschreitenden Mann nicht. Dieser, der Sattler- Pranger und Elsen zu schwanken. Gut, so wtll ich seine Strafe meister H., war ausgegangen gewesen, um den schönen Nach- ^°ictiren. Also — erstens ist seins Tochter heute über vier mittag zu genießen, jedoch in's Wirthshaus gerathen und hatte 2~?d^n ore Frau desjenigen Mannes, den Er gestern durch« dort Etliche über den Durst getrunken. Näher kommend, hatte ? r?eln und der von heute ab den doppelten Lohn er« der biedere Sattermeister die Gestalt in der grauen Pekesche halten wird Zweitens . . ." Der Großherzog mußte einhalten kaum erblickt, so näherte er sich derselben. Im Fliederbaum ™ lächeln unterdrücken, denn die Miene des verblüfften schlug die Nachtigall. Karl August lauscht mit Entzücken — Meisters war urkomisch. — „Und zweitens," fuhr er dann da zischt plötzlich ein Knotenstock durch die Luft ... Zm Nu . ' "1°^ von nun an alle Tage an den Mann sich ersteht der Fürst auf den Füßen, greift nach seinem Rücken und dem er einen Hieb versetzt hat, das will sagen: Er ruft: „Himmeldonnerwetter!" I vrmgt ein Schild mrt großen Buchstaben über seiner Thür an Dieser Ruf reichte hin, den Attentäter völlig zu ernüch- den Worten „Hofjattler" und dieses Schild sieht er jeden tern. In seinem Schrecken taumelte er gegen einen Baum Tag ordentlich an und denkt: Pfui, schäme Dich, Du bist dann aber raffte er sich zusammen und gab Fersengeld. Außer I ? . er °J8 Weimarischen Hofes und hast den Ersten von diesem Athem und als ob ihn der „Gott sei bei uns" verfolge flieht geschlagen! — Verstanden? Also, marsch!" Mit diesen er in der Richtung nach der Stadt davon. Worten verließ der Großherzog oas Zimmer und unser Meister „He, Du, Du," rief Karl August in das Haus hinein, ?*u6te nid^ wie ihm geschah und wie er in das Vorgemach seinem Kammerdiener zu. „Komm' geschwind heraus; ein ver« tam* Q f stuchter Kerl hat mich durchgebläut. Laufe rasch hinter ihm r , al8 er tn den Armen seines „lieben Schwieger« her und steh' nach, wer er ist!" I whnes" lag, wurde ihm klar, daß er nicht geträumt habe. — Natürlich eilte der Kammerdiener sofort aus dem Hause I Sturmschritte eilte der Ueberglückliche nach Hause, seiner dem Miffethäter nach. Bald darauf kam er zurück und be« »rQU seiner Tochter sein Glück zu verkünden und ihnen richtete den Namen und den Stand des verwegenen Attentäters I ""tzutheflen, daß er nicht als Hochverräther am Pranger zu den er noch richtig eingeholt hatte. ' stehen brauche, sondern daß sein Name mit dem Zusatz „Hof- Keuchend meldete der Diener: „Er hat Eure Hoheit für Ln Ir" ari ^inem Hausschilde prangen und daß binnen vier 1 mich gehalten, weil ich Ihre abgelegte Pekesche trage und auf •JBod9en 'eine Tochter des Kammerdieners Gattin fein würde. mich hatte er es abgesehen, — weil mir seine Tochter gut ist." I »So, so? Wetter, weiter!" sagte der Herzog, aufblickend. „Ja, und weil ich arm bin, will er mir seine Tochter . > o», 2 nicht geben," fuhr der Kammerdiener fort und seufzte: „Und I doch sind wir Beide uns von Herzen zugethan!" ----- „mgen «JX wSÄ & ®"W«6 a*i4«i wirb, mir nicht gerade besonders angenehm" 8 bte8 geschehen, dann vermischt man den Brei mit einigen Damit war die AtWonJLu ü r, . ,,. . Litern kochender Milch, thut zuletzt ein gutes Stück Butter ™u Die Angelegenheit für heute erledigt. - und etwas Salz hinzu. Morgen ttat Karl Augusts Kammerdiener in * • * den befehl überbrachte Kalbsleber auf italienische Art. Man schneidet dem römischen ^"gleich nach eine Kalbsleber der Länge nach in 2 Centimeter dicke Scheiben, Äme6 «rbS« tom Sl, und saht |ie, menM s,- in M-Hl Md läßt (le auf j-d-r k.° S t2.„ dieser Scht-ck-n«. Seite 3 Minuten taug in 120 Stamm Butler sich Bräunen, und Tockter hmmX« schlotternden Knteen, während Frau Dann nimmt man sie vom Feuer, ohne sie jedoch erkalten zu ^amilie 2e oan» Herzensangst hatte die lassen, bringt zu der Butter 25 Gramm Mehl, 10 Gramm ie ganze Nacht hindurch geweint und zu Gott gebetet, I gehackte Schalotten, sowie einige gehackte Champignons, fügt Hine Verwechselung. . Von E. Drole. —: (Nachdruck verboten.) unter fortwährendem Umrühren über dem Feuer Vs Liter Weißwein und Vs Liter starke Auflösung vön Liebigs Fleisch- extract hinzu, läßt die Sauce 10 Minuten einkochen und gießt sie über die Leber, wobei man einen Theelöffel gehackte Petersilie beifügt. » * ♦ Straßburger Kartoffeln. Man schwitzt in 125 Gramm Butter gehackte Zwiebeln und Mehl, gießt Kalbs- oder Geflügelbrühe und ebensoviel Milch daran, dann zerrührt man Härings- mtlch mit Salz und Pfeffer und thut sie mit würfelig geschnittenem Häring und in Scheiben geschnittenen gekochten Kartoffeln auf eine mit Butter bestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Schüffel, streut Parmesankäse darüber, sowie Semmelbrösel und backt sie eine halbe Stunde. ♦ * ♦ Gelbe Wäsche. Um gelbe Wäsche weißer als mittelst des ätzenden Chlorkalkes herzustellen, wird folgendes unschädliche Mittel empfohlen: Drei Theile starken Spiritus und drei Theile Terpentinöl schüttelt man zusammen und thut von dieser Mischung zwei Eßlöffel voll auf je einen Eimer des Blau- waffers oder mischt sie unter die Stärke. Das Trocknen der Wäsche kann dann im Freien oder auch auf dem Boden erfolgen, nur muß die Wäsche auf dem Boden genügendes Licht erhalten, um schön weiß zu werden. ♦ ♦ ♦ Leinwand erhält nach der Wäsche die Appretur und den schönen Glanz wieder, wenn beim Bügeln sogenannte Glanzstärke, das ist eine Mischung von 1 Kilogramm Weizenstärke mit 60 bis 70 Gramm Stearin in gepulvertem Zustande, der Stärke zugefügt wird. » * * Ans Atlasfächer kann man sowohl mit Del, als auch mit Aquarellfarben malen; für Fächer halte ich Aquarellmalerei für paffender, zarter und duftiger. Auch hinterlaffen Del* färben immer einen Fettrand, was besonders bei hellerem Atlas bemerkbar wird. Mit Aquarellfarben malt man direct auf den Atlas. Um vollständig decken zu können, nimmt man etwas Weiß hinzu beim Untermalen. Uebermalt wird klar, ganz ohne Weiß; damit die Farben leichter haften und sich besser halten, taucht man beim Malen von Zeit zu Zeit den Pinsel in Dchsengalle. » ♦ Kitt für Fässer und Eimer. Hölzerne Gefäße, wie Eimer und Fässer, trocknen gar oft ein und besonders in warmer Jahreszeit, so daß die Fugen auseinander stehen und die Gesäße das Wasser laufen lassen. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, rühre man 60 Gramm Schweineschmalz, 40 Gramm Salz und 33 Gramm Wachs zusammen und lasse diese Mischung langsam über dem Feuer zergehen. Alsdann füge man der flüssigen Masse noch 40 Gramm Holzasche hinzu. Die rinnenden Stellen der Holzgefäße trocknet man sauber ab und verstreicht sie mit dem noch warmen Kitt. Ist letzterer trocken geworden, so sind die Fässer vollkommen dicht. Bleibt von dem Kitt noch etwas übrig, so bewahre man denselben an einem trockenen Drte auf. Soll er wieder benutzt werden, so erwärme man ihn zuvor. * ♦ * Lüften der Betten. Das Letzte, welches das Schlafzimmer verläßt, öffnet stets, auch im strengsten Winter, die Fenster weit; dann hat man die Gewißheit, daß alle Betten im Haus vollständig gelüftet sind, ehe sie gemacht werden. Es ist die Drdnungsliebe durchaus am unrechten Platz angebrächt, wenn die Betten sofort nach Aufstehen gemacht werden. ♦ * ♦ Verquollene Schubladen wieder in Gang zu bringen. Man bestreiche die zu streng gehenden Theile mit geschabtem Federalaun, d. i. Speckstein oder venetianischer Kreide. Vermischtes. Spiele für die Jugend. Storch und Frösche. Abzählreim: Fröschlein mitt gefangen sein, Storch hupft nur auf einem Sein, Klapp, klipp, horch, Das ist der Storch I Die Kinder wählen aus ihrer Mitte Einen, welcher btn Storch spielt, während die Uebrigen als Frösche gelten. Sir umspringen neckend und scherzend den Storch, verbergen sich vor ihm und lassen sich suchen, während dieser, stets auf einem Bein hüpfend, sich bemüht, ein Fröschchen zu fangen, indem er einen leichten Schlag auf die Schulter ertheilt. Es dürfen auch zwei oder mehrere Störche gewählt werden, je nach der Menge der Spielenden. Derjenige, welcher erhascht wich, muß sofort Storch spielen. Kindlicher Kummer- „Warum weinst Du denn, Fritzchen?" — „Meine Brüder haben Ferien und ich nicht!" — „Marie, hast Du denn keine Ferien?" — „Ich geh' je noch gar nicht in die Schule!" Fortkommen. Lehrer *(am Stammtisch): „Kartoffeln kommen auf jedem Boden fort —" — Jakob: „Im Keller aber auch; gestern erst Han se mir wieder 'n Sack vull ge> stohl'n." * ♦ ♦ Auch etwas. Chef: „Haben Sie Gymnasialbildung?" — Commis: „Gymnasialbildung nicht, aber ich habe zehn Jahre gegenüber der Realschule gewohnt!" * * Berg-Romantik. Tourist: „Madel, Du siehst wirk' lich aus wie die Rose, die der Thau geküßt hat!" — Ros'l: „Der Thau nöt, aber der HanslI" * ♦ * , Auf der Seefahrt wendet sich eine Dame an einen Matrosen: „Sagen Sie mal, das Wetter ist doch sehr schlimm, nicht?" — Darauf der Gefragte: „Ick will Se wat seggen, Madam — so lang noch Damens an Deck sünd un dornah fragen, is dat Weder nicht.slimm!^ Das erste Mittagessen. Junger Ehemann: „Aber sage mir doch, mein Herzchen, was hat denn dieser Rostbraten für einen eigenthümlichen Geruch?" — Junge Frau (ängst' lich): „Das begreif' ich wirklich nicht, ich habe doch selbst die Zwiebeln, um ihnen den widerwärtigen Geruch zu nehmen, mit E au de Cologne abgebrüht!" * • Feine» Tanzpublikum. Im Kretscham zu Panther, Kreis Liegnitz, las man bei Gelegenheit der Einladung zm Tanz auf einem Anschlagsplakat folgende Bemerkung: „Damen ohne Schuhe werden zum Tanz nicht zugelassen!" Dringendes Bedürfniß. „Du, ick habe jelesen, daß sich die Vermehrung der Reichskassenscheine als dringendes Bedürfniß herausjestellt habe." — „Det is janz richtig; ick sor meine Person habe entschieden zu wenig." Die versteht's! „Den Stoff zum neuen Kleid hätt' ich! Nun muß ich mir bloß noch den Besatz und den Macherlohn zusammen weinen!" * * Prächtige Idee. „Wissen's," sagte zu Holtei einst ein alter, weißhaariger, ungarischer Edelmann in einem Kaffee- Hause zu Wien, „wissen's, hob ich da prächtige Idee zu Theaterstück!" - „Ei, lassen Sie hören!" - „Geht Vorhang aus. Scheint Mond, sitzt Madel am Brunnen und weint.' „Gut, aber nun weiter." — „Weiter? Na, das müssen doch Sie wissen, wovor denn sein's Dichter!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.