Nnterchattnirgsblatt jum GiesZenev Amzeigeo (Gsrreval-Anz-Zg-v) Dienstag, den 21. Februar. Nr. 22 1893. ss.»® SU eti-S. W. . . 1W W WMMWW =<^V- ? , J MWÄ'i^AR-E KWWUMH ■"i’ -.- t - gu^ä^-is ». «will '«NN»M Dämon Gold. Original - Roman von W. H ö f s e r. (Fortsetzung). Schon am Todestage Cäciliens war es des Barans Ab« sicht gewesen, mit dem Commerzienrath Lissauer zu sprechen; damals ließ sich die Sache natürlich nicht ausführen, aber heute sollte doch dieser letzte Versuch gemacht werden — Willibalds wegen. Es "schneite und ein eisiger Ostwind flog über die Felder. Hans Adam sah nicht, daß ihm aus Adelens Fenster zwei schwarze Augen mit dem Ausdruck der Verzweiflung nachblickten; er gab dem Pferde die Sporen und ließ es tüchtig ausgreifen, wohlthuend berührt von dem Eishauch, der seine Stirne traf. Es wurde ihm leichter um's Herz, je weiter er ritt; die altgewohnte Sorglosigkeit erhob unversehens wieder das Haupt und lächelte in alle Sorgen und Grübeleien verheißend hinein. Ruth würde sich ja den unklugen Plan noch ausreden lassen. Man mußte nur Geduld haben und ihr nicht voreilig widersprechen — dergleichen reizt zugleich den Eigensinn. Wie die Flocken wirbelten! — Das edle Thier tanzte gelenkig über den glatten Boden; nahe und näher kam die Stadt. Liflauer mußte ja doch mit sich sprechen lassen. Es galt, ihn ein wenig anzuspornen, einige Hindeutungen fallen zu lassen — war denn das so schwer? Das Pferd wurde an der gewohnten Stelle untergebracht, und Hans Adam ging zum Hause des Commerzienrathes, aber doch nicht ohne den gewohnten kleinen Umweg, der ihn an Anna Bürklins Fenster vorüberführte. Wenn er heute Zutritt erlangen würde--ein freier Mann, der offen aussprechen durfte, was er dachte und empfand — welche Seligkeit. Die Idee berauschte ihn förmlich. "'Anna Bürklins.Hand in der seinigen, ihr Lieberblick ihm zugewandt, und er hätte vergessen können, daß es außer ihm und ihr auf der Welt noch Menschen gab, er hätte an nichts mehr gedacht, als nur an ihr Geständniß: „Du bist es, den ich liebe." Von Zeit zu Zeit überredete er sich, daß vielleicht alle ihre früheren herben Zurückweisungen nur äußerlicher Schein gewesen sein könnten; er versuchte auf's Neue, in ihr Haus zu gelangen, aber bisher immer umsonst. Heute mußte es ihm doch besser gehen, dachte er, die Verhältnisse waren ja durchaus andere geworden. Er klingelte und gab dann dem Mädchen ein reichliches Trinkgeld. „Melden Sie mich Ihrer Herrschaft, Kleine." Die Zofe ging fort, heimlich lächelnd, wie Hans Adam glaubte. Ihm schlug das Herz gleich einem Hammer; erhorchte gespannt auf jeden Laut. Und dann kam das Mädchen zurück. „Die gnädige Frau läßt bitten." Eine Blutwelle überfluthete das schöne aristokratische Gesicht des Barons. Also endlich kam ihm der Sieg. Die Thüre zum Empfangszimmer öffnete sich und er durfte eintreten. Wie durch einen leichten Schleier sah er die Dinge ringsumher. Sonderbar! — Die junge Frau stand neben einem Tisch, auf deffen Platte sie ihre Hand stützte. Ihr Aussehen war das eines Menschen, der völlig gefaßt ist, einen Kampf bestehen zu müssen und dem ein unbeugsamer Entschluß Muth und Widerstandskraft verleiht. Ihre dunklen Augen glänzten; eine kaum wahrnehmbare Reizung des Kopfes begrüßte den Eintretenden. „Sie hier, Herr Baron?" „Endlich!" versetzte er. „Endlich, gnädige Frau!" Sein Versuch, ihre Hand zu erfassen, mißlang gänzlich; Anna unterließ er sogar, ihm einen Sessel anzubieten- „Sie kommen, um mich mit Vorwürfen zu überhäufen, nicht wahr, Herr Baron? Die Dinge haben sich in jüngster Zeit vollständig verändert." In seinen Augen leuchtete es auf. „Vollständig, gnädige Frau. Das war es, was mir den Muth verlieh, heute an Ihre Thür zu klopfen." Es war ihm, als sehe er ein leichtes Achselzucken. „Den Muth, Herr Baron? — Aber bitte, reden Sie ganz offen." „Das will ich, gnädige Frau. Es gilt allerdings nur, oft Angedeutetes in bestimmtere Worte zu kleiden, aber —" „Aber nicht das ist der Zweck Ihres heutigen Besuches. Ich weiß es." Die Reihe des Erstauntseins war jetzt an ihm. „Was gäbe es zwischen uns Anderes, gnädige Frau? Sie sprachen vorhin von Vorwürfen — ich verstehe nicht; — Anna, es ist unmöglich, daß Sie —" „Ha, ha, ha, der Wittwer von gestern möchte heute bereits neue Bande anknüpfen! Wahrhaftig, da war es umsonst, sich aufzuregen." Er trat einen Schritt zurück, so sehr beleidigt, daß seine Stimme vor unterdrückter Leidenschaft bebte. „Gnädige Frau, selbst von den Lippen einer Dame erträgt es 'der Mann nur schwer, sich verspotten zu lassen." „Habe ich das gethan?" fragte sie mit erkünsteltem Ernst. „Aber lieber Himmel, Herr Baron, die schönen Redensarten sind so billig, die zärtlichen Erklärungen häufig wie Flocken ITOVi ;?i.-|iiJSiiMrKJM»WMW«W«WOTran»WBrawa4-l»?'äiv«Mil>'3WIlFfXJ|!|nSWIIWÄMIWyiSliÄSa'^ — 86 - im Winter — — wenn man dergleichen immer tragisch neh' men wollte — ich bitte Sie!" Er war sehr bleich geworden- Vielleicht hatte es in seiner Seele unter allem Wust des Leichtsinns und der Thorheit je und je nur eine wahre, echte Leidenschaft gegeben, nur ein Empfinden, das probehaltig war und blieb, die Liebe für diese Frau — jetzt sah er das, was sein Inneres so ganz erfüllte, als ein Nichts behandelt, eine Spielerei müssiger Stunden. Sonderbar! Es war das Bild Adelens, das in diesen Minuten vor den Blicken seines Geistes erschien. Hatte er nicht das Mädchen mit den Gluthaugen und dem verschlossenen Wesen hineingetrieben in einen Jrrthum, den er wissentlich und leichtsinnig nährte, ohne selbst ein Interesse zu empfinden? „Gnädige Frau," sagte er mit unsicherer Stimme, „ich glaube, unsere Wege scheiden sich heute für immer. Es war der Inhalt einer ganzen Lebens, eine tiefe, innere Liebe, die ich Ihnen darbot — Sie behandeln das als eine Lappalie, vielleicht nennen Sie mich sogar im Herzen unverschämt und zudringlich; das trennt uns. Weniger als eine volle, Alles beherrschende Gegenliebe, Anderes als nur diese möchte ich von Ihnen nicht annehmen — und nach der Art und Weise, wie Sie vorhin sprachen, muß ich schließen, daß mir keine Hoffnung bleibt, jemals das ersehnte Ziel zu erreichen." Sein Ton imponirte ihr doch; die kampflustige Haltung, mit der sie ihm entgegengetreten war, schwand gänzlich. „So ernst nehmen Sie das, Herr Baron? So furchtbar ernst? Und ich soll Ihnen jetzt antworten?" „Darum bitte ich." Sie wandte sich ab, das Taschentuch gegen die zuckenden Lippen gepreßt. „So leben Sie wohl, Herr Baron — und auf immer. Ich kann nicht anders." „Und, das ist Ihr letztes Wort, gnädige Frau? — Möch- ten Sie nie erfahren, was es heißt, auf ein anderes Herz die ganze Hoffnung seines Lebens zu setzen und — zu verlieren." Die junge Frau hob plötzlich in ihrer stürmischen, unvermittelten Art und Weise beide Arme zum Himmel empor. „Wissen Sie denn, ob mir nicht ein Gleiches widerfährt? — Adieu! — Adieu! Und kommen Sie niemals wieder hierher." Sie ging, ohne ihn anzusehen, in das Nebenzimmer und als er folgen wollte, drehte sie den Schlüssel im Schloß. „Anna! Anna!" Keine Antwort, er mochteMtten und flehen, so viel ihm beliebte. „Anna, nur einen Augenblick noch! Eine Minute!" Aber Alles blieb stumm, ganz stumm, als sei da drinnen eine Todte, nicht ein schönes, schluchzendes Weib, das den Kopf in's Kissen preßte, um durch keinen Laut zu verrathen, welche Qualen ihre Seele zerrissen. Hans Adam mußte sich entfernen, ohne mehr erreicht zu haben. Ihm war es wie ein quälender Traum, ein Alp, der die Brust drückte und ihn verhinderte, frei zu athmen. Vorbei — Alles vorbei. Der Ton, in dem Anna zu ihm gesprochen, der Ton voll Jammer und Weh konnte nicht täuschen. Da gab es keine Hoffnung, kein Zuwarten — es war Alles dahin. Eine Er- kenntniß, die ihn schaudern ließ. Und nun sollte er nach all' diesem noch den Commerzien- rath aufsuchen? Noch schachern und mit Wortklaubereien spielen? Ein Widerwille erfaßte ihn und brannte seine Seele, ein Widerwille gegen das Leben, gegen den ganzen Wirbelreigen kleinlicher und elender Interessen, gegen die Welt im Lichte dieses schmerzvollen Tages. Heute würde er sicherlich bei dem schlauen, mit allen Hunden gehetzten Wucherer nichts ausrichten. Aber dann ergriff ihn ein anderer Gedanke. Es war Willibalds wegen — er mußte doch das Letzte, Aeußerste versuchen, ehe über den Unglücklichen das Verhängniß hereinbrach. Und so ging er denn zu dem in geschmackloser Ueberladung prangenoen Palaste des Börsenfürsten. Er hatte Glück, der Herr Commerzienrath war zu Hause und sehr geneigt, seinen Gast zu empfangen. Die geschmückten Räume thaten sich auf, es kamen Weinflaschen und geschliffene venetianische Gläser zum Vorschein; der Herr Commerzienrath fühlte sich außerordentlich geschmeichelt, den aristokratischen Besuch in seinem Hause zu sehen und sprach vorläufig von allem Möglichen, nur nicht vom Geld oder fälligen Forderungen. Ein besseres Wiederbelebungsmittel für das gestörte seelische Gleichgewicht des Barons hätte es nicht geben können. Er trank den feurigen südländischen Wein und mit jedem Glase hob sich seine Stimmung. Es galt, den Fuchs in seinem eigenen Bau zu überlisten. „Ich brauche sechstausend Thaler — und zwar sofort!" Das war es, was er nach einer Stunde im leichten, gelassenen Tone vorgebracht hatte. Lissauer zuckte die Achseln. „Sie irren, mein weither Herr Baron- Ich bin es, der von Ihnen eine Zahlung zu erwarten hat." Hans Adam nickte. „Die auch erfolgen wird, Herr Commerzienrath. Sie selbst zweifeln daran keinen Augenblick." „Hm — ich weiß doch nicht." „Nachdem Ihnen das Gerücht doch von der Erbschaft meiner Schwägerin jedenfalls schon Kenntniß gegeben haben dürfte, Herr Commerzienrath." »Ja — Ihre Fräulein Schwägerin. Ich weiß, ich weiß. Aber über diese Summe erlangen Sie doch keine Verfügung, Herr Baron." „Gewiß!" rief Hans Adam. „Gewiß! Fräulein Aßmann legt, sobald sie mündig geworden ist, dar ganze Kapital in meine Hände." Lissauer lächelte. „Das ist keine Bürgschaft, Herr Baron." „Weshalb nicht? Mißtrauen Sie etwa dem bestimmt gegebenen Versprechen meiner Schwägerin?" „Keineswegs, aber — es ist eben das Versprechen eines jungen Mädchens. Die nächste Stunde kann andere Entschlüsse bringen." Hans Adam wiegte den Kopf. „Dagegen läßt sich nicht viel einwenden," versetzte er. „Man kennt ja das liebenswürdige Geschlecht; etwas vom Schmetterling hat jede Einzelne." „Sehen Sie wohl." „Mißverstehen Sie mich nicht, Herr Commerzienrath. Fräulein Aßmann hat mir die unumschränkte Verfügung über ihr Kapital bestimmt zugesagt und an diesem Entschluß wird auch die Zukunft nichts ändern. Was ich meinte, galt einer sonstigen Beobachtung." „Die auch Ihre Fräulein Schwägerin betrifft?" Der Baron sah, wie sein Gegenüber die Ohren spitzte. Jetzt war er im rechten Fahrwasser angelangt. „Sie kennen die letzten unliebsamen Ereignisse, Herr Commerzienrath ? Sie wissen, wie furchtbar meine arme kleine Ruth beleidigt wurde?" Lissauer sah starr vor sich hin. „Die Anklage ist doch unterblieben," sagte er wie zu sich. „Sie ist unterblieben. Meine Schwägerin hat aber trotzdem den gegen sie gerichteten perfiden Angriff derartig schmerzvoll empfunden, daß sie in meinem Hause nicht länger bleiben zu können glaubt. Sie ist wie außer sich; das sonst so schüchterne, stille Mädchen ringt die Hände, als sei Alles verloren — sie sprach mir von einem Entschluß, den ich komisch nennen würde, wenn nicht die Sache so furchtbar ernst wäre." „Ah! — Darf man fragen, Herr Baron?" „Weshalb nicht? — Fräulein Aßmann will in ein Dia- coniffenhaus gehen." „Unmöglich!" rief Lissauer. „Undenkbar! Das hieße Allem entsagen, mit dem Alter von neunzehn Jahren jedes Recht an das Leben freiwillig einbüßen." Der Baron zuckte die Achseln. „Dasselbe habe ich ihr schon gesagt, aber vergeblich. Sie scheint allen inneren Halt verloren zu haben. Nur fort aus Moldt! Das ist offenbar Alles, was sie wünscht." Der Commerzienrath erhob sich und ging in großer Aufregung hin und her. „Herr Baron," sagte er endlich, „gestatten Sie mir, Fräulein Aßmann dieser Tage in Ihrem Hause zu sehen?" mic er. koni Wo lose em den mir etw Ext wer dies lichi uns Her lein von Thc »Nk ich wer Ich abei Frä weis mit Hine Stil arm Hilf So stan sollt dahi oder unri Din er t Ada talst Bezi den Gel! Stü Bar diese Huld roori est i 87 - „Mit Vergnügen," lächelte Hans Adam. „Begleiten Sie mich sogleich hinaus, Herr Commerzienrath." Der Andere schüttelte den Kopf. „Noch nicht!" versetzte er. „Man muß nie etwas überstürzen." Und um seine Lippen spielte das nervöse Zucken. „Es kommt für mich darauf an, im rechten Augenblick das rechte Wort zu treffen," sagte er. „Welch' ein Glück, daß die sinnlose Anklage unterblieben ist." Hans Adam erhob sich. „Ich darf Sie also dieser Tage erwarten, Herr Commerzienrath? Schön; aber wie ist es mit den sechstausend Thalern, von denen ich Ihnen sagte? Es wäre mir lieb, das Geld morgen an der Bank erheben zu können." Lissauer schüttelte den Kopf; um seine Lippen spielte ein schlaues, vielleicht sogar teuflisches Lächeln. „Laffen Sie sich etwas Zeit, werther Herr Baron- Das braucht ja nicht mit Extrapost zu gehen. Wir sehen uns wieder." „Das hoffe ich. Aber die Zahlung, die morgen geleistet werden muß, ist unaufschieblich, ich kann Ihnen sagen, daß an dieser Frage mehr hängt, als Sie sich träumen lassen, Unersetzliches, vielleicht Tod und Leben." Der Finanzmann ließ seine Finger knacken. „Dann gehen unsere Interessen in diesem Falle durchaus Hand in Hand, Herr Baron. Bestimmen wir, daß ich morgen Mittag Fräulein Aßmann meine Aufwartung machen darf--und daß von dem Ausgang dieser Unterredung die Frage der sechstausend Thaler abhängig sei. Ist Ihnen das genehm?" Der Baron schüttelte den Kopf. „Reiff!" erklärte er. „Nein! Ich muß das Geld morgen haben." „Dann bedaure ich." Hans Adam nahm seinen Hut. „Herr Commerzienrath, ich brauche die Summe nur auf einige wenige Tage. Sie werden dieselbe Anfang nächster Woche schon zurückerhalten. Ich will jeden Zins, den Sie verlangen, anstandslos bezahlen, aber geben Sie mir das Geld." „Sorgen Sie, daß morgen Mittag meine Unterredung mit Fräulein Aßmann günstig ausfällt und Sie haben die Anweisung in der Tasche." Hans Adam wandte sich zur Thür. „Adieu!" sagte er mit erstickter Stimme. „Ich empfehle mich Ihnen, Herr Baron!" Der gallonirte Diener geleitete den Besuch die Treppen hinab und Hans Adam stand wieder auf der Straße- Seine Stirn brannte und sein Herz klopfte schmerzvoll. Sollte er der armen kleinen Ruth Alles gestehen und sie bitten: „Rette mich! Hilf mir in höchster Roth!" — Sie hätte ihm das Opfer gebracht, er wußte es. Aber seine ganze Seele sträubte sich gegen den Gedanken. So tief konnte er nicht fallen. Nein, Ruth, nein — nimmer. Er hätte es fast laut gedacht, so sehr nahmsjihn der Gegenstand in Anspruch. „Arme kleine Ruth!" Das Entsetzlichste sollte nicht durch seine Schuld über ihr Leben hereinbrechen. Und dann stand, während er durch den dämmernden Abend dahinritt, plötzlich Willibalds Bild vor seiner Seele. Dieser oder Ruth — ein Opfer mußte fallen. Die Flocken umwirbelten seine heiße Stirn, hinter der es unruhig wogte und gährte. So furchtbar ernst sollten sich die Dinge gestalten und Alles nur durch seine Schuld, Alles, weil er das Verhängniß heraufbeschworen? — Daß auch das Geld eine so gewaltige Macht besaß! Hans Adam knirschte mit den Zähnen. Es knechtete auf die brutalste Weise das ganze Leben, es legte an die zartesten, edelsten Beziehungen seine plumpe Faust und trat erbarmungslos in den Staub, was sich gegen seine Herrschergelüste auflehnte. Geld! — Ein elendes Nichts an und für sich, ein schmutziges Stück Silber, ein Papierfetzen — und doch mächtig. „Lerne es, Dich einzurichten, Hans!" hatte der verstorbene Baron Moldt seinem Sohne zum ersten Male geschrieben, als dieser sechszehn Jahre zählte und anfing, noblen Passionen zu huldigen. „Lerne es bei Zeiten, denn Du kennst das Sprichwort, dessen Consequenzen sich kein Lebender entzieht. 1/argent est un serviteur tres agreable, mais un maitre abominable.“ Seitdem war ihm dasselbe hundertmal wiederholt worben, bittend und drohend in allen Tonarten, von den Stimmen Aller, die ihn liebten, die ihm wohlwollten. Hatte er es denn wirklich nie — nie im Leben gelernt? (Fortsetzung folgt.) Aobenfeefische. Von Professor Dr. Curt Lampert. (Schluß.) Zu diesen Fürsten unter den Fischen des schwäbischen Meeres gesellen sich aber noch eine Reihe von Edlen, deren Namen weithin einen guten Klang haben. Gedenken wir zunächst des Hechtes, dieses Raubritters unter der Fischgemeinschaft; im großen Bodensee steht ihm Nahrung reichlich zur Verfügung und leichter als sonst vermag er sich Verfolgungen zu entziehen; so wundern wir uns nicht, vom Fang von Hechten von 2 Meter Länge und über 30 Pfund zu hören. Dabei hat er da« Verdienst, der nützlichste Bodenseefisch zu sein; „das ganze Jahr hindurch und überall, an der Oberfläche und in der Tiefe, auf der Fläche und an der Halde leicht zu fangen", ist er der richtige „Brodfisch" der Fischer, denn er vermag auch lebend längere Zeit erhalten zu werden, während z. B. die empfindlichen Felchen häufig schon in den Maschen der Netze absterben. Der jährliche Gesammtertrag der Hechte wird auf circa 29000 Kilogramm berechnet, wobei das Pfund auf 80 Pfennige bis 1 Mark zu stehen kommt. Weit höher ist der jährliche Fangertrag eines anderen Edelfisches, der dabei den großen Vortheil hat, zugleich der billigste Edelfisch zu sein, nämlich des Barsches oder Kretzers; mit der gewöhnlichen Angel löte mit der Grundschnur, mit Stellnetz und Zugnetz wird ihm das ganze Jahr hindurch erfolgreich nachgestellt und auf je 18—20000 Kilogramm wird die im Jahr gefangene Masse sowohl im Untersee wie Oberste geschätzt. Sein Durchschnittsgewicht beträgt 3 Pfund, wobei das Pfund dieses sehr guten Fisches sich auf nur circa 40 Pfennige stellt. Gegenüber solchen Massen, in denen die bis jetzt erwähnten Edelfische des Bodensees gefangen werden, spielen weitere, ebenfalls als „Edelfische" betrachtete Bewohner des Bodensees nur eine bescheidene Rolle. Am bekanntesten von ihnen ist der Aal; er kann aber erst seit neuerer Zeit den wichtigeren Netzfischen des Bodensees zugezählt werden; wohl ist er von jeher ein Bewohner des Bodensees gewesen, allein die Schwierigkeit, den Rheinfall herauf zu steigen, ließ ihn bei seinen Wanderungen vom Meer binnenwärts nur selten das Bodenseebecken erreichen. Erst seit von den Fischereivereinen junge Aale in Masse im Bodensee eingesetzt sind, wo sie rasch zu stattlicher Größe heranwachsen, ist der Aal auch für die Bodenseefischerei von Bedeutung geworden. Bei den beiden anderen Edelfischen des Bodensees, die wir noch im Auge haben, der Treische, Trüsche oder Quappe, und dem Wels oder Weller müssen wir fast fürchten, daß noch nicht ein jeder der freundlichen Leser Gelegenheit gehabt hat, sich persönlich von der Güte dieser Seebewohner zu überzeugen, und doch gilt besonders die Treische, der einzige Vertreter der Schellfischarten im süßen Wasser, wegen des zarten, weißen, grätenlosen Fleisches als einer der besten Bodenseefische; seit Alters hat die Leber einen besonderen Ruf. Der Fang der Treische, die zu 70 Pfennige bis 1 Mark das Pfund notirt, beläuft sich immerhin auf einige Hunderte Kilogramm pro Jahr. In der Gestalt erinnert an die Treische der sagenumwobene Weller, Wels oder Waller, der Riese unter den deutschen Süßwasserfischen. Wie in allen großen Seebecken des Alpenverbandes werden auch im Bodensee alljährlich nicht selten kleinere Weller gefangen und von Zeit zu Zeit erregt der Fang eines besonders stattlichen Exemplares des „teutschen Wallfisch", wie der alte Geßner den unschönen Riesenfisch geheißen, berechtigtes Aufsehen. So war während des Fischereitages in Friedrichshafen daselbst ein lebender Weller zu sehen, der bei 212 Centimeter Länge das stattliche Gewicht von 125 Pfund — 88 — erreichte. Besonders bei jungen Thieren wird das grätenlose weiche Fleisch sehr geschätzt, daß aber selbst bei solchem Riesen, wie der erwähnte, dar Fleisch noch zart und wohlschmeckend sein kann, kann Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bestätigen. Heia mit Gott! Nun ist er bezwungen Der Fisch, der Fisch, Der köstlichste aller, Ein schmackhafter Waller. So läßt auch Scheffel in seinen prächtigen Bergpsalmen den fischenden Einstedler ausrufen, wobei allerdings der Zoologe sowohl zu der vom Dichter gegebenen Beschreibung des „Unholds der Tiefe", fowie beim Anblick der von Werners Meisterhand entworfenen Zeichnung bedenklich den Kopf schüttelt und die Vermuthung nicht unterdrücken kann, daß es kein Waller, sondern ein Hecht ist, den der Falkensteinklausner in den kühlen Fluthen des Abersee erbeutet. Neben diesen „Edelfischen" des Bodensees, zu .welchen auch noch der Zander gehört, der dem Bodensee ursprünglich fremd ist und erst feit einigen Jahren durch die Bemühungen der deutschen Fischereivereine eingeführt wurde, spielen die anderen Schuppenträger des schwäbischen Meeres eine bescheidenere Rolle. Sicher sind Karpfen, Schleihe, Barbe keine zu verachtenden Fische, aber wer Seeforelle und Felchen haben kann, weiß dies natürlich weniger zu würdigen, als der Bewohner fischarmer Gegenden, und so kommt es, daß die Preise dieser Fische nicht zu hoch stehen. Als der beste unter ihnen gilt auch am Bodensee der Karpfen, der aber schwer zu fangen ist, immerhin wird der jährliche Fang im Untersee auf circa 3500 Kilogramm geschätzt; nächst ihm kommen Schleihe, Barbe und Brachsen als Speisefische in Betracht; der jährliche Gesammtertrag aller mag im Untersee auf circa 120000 Kilogramm sich belaufen. Die Brachsen haben noch ein besonderes Jntereffe durch den von Zeit zu Zeit sich ereignenden Maffenfang dieser Fische; es ist keine allzugroße Seltenheit, daß die mit einem Netzzug gefangenen Brachsen Hunderte von Psunden wiegen; so wurden z. B. am 18. Januar 1889 auf einmal 200 Centner im Retz gefangen, und auf über 100 Centner wird die Masse der dem Netz wieder entkommenen Fische geschätzt. Die übrige Schaar der „grundsatzlosen" Weißfische, um mit Scheffel zu reden, als da sind: Nase, Alet, Hasel, Fünn, Rottel, Langele haben für den Menschen hauptsächlich indirekten Nutzen, insofern sie die Nahrung der Raubfische darstellen und demgemäß auch zum Fang derselben als Köder verwendet werden. Manche dieser Köderfische, zu denen außer Weißfischen, d- h. Cypriniden ähnlichen Fischen, besonders auch Grundel und Grapp dienen, sind die reinsten Märtyrer des Fischfangs; besonders bei dem Fang mit der Hochschnur gehr es ohne Grausamkeit nicht ab, indem der Köderfisch in der Richtung vom Maul zum After durchgespießt wird und nun manchmal tagelang lebend an der versenkten Angelschnur zappeln bleibt, bis der Hecht anbeißt, der nun seinerseits mit Angel im Schlund festgelegt ist. Auf wie viel mag sich die Gesammtmasie aller der Fische belaufen, die der Bodenfee jährlich dem Menschen liefert? Genaue Angaben lassen sich hierüber nicht machen, da keine absolut sicheren statistischen Angaben vorliegen. Naturgemäß ist die Fischerei im seichteren Untersee wenigstens verhältniß- mäßig bedeutender, als die in dem allerdings weit größeren Bodensee, der aber seiner Tiefe wegen vielen Fischen einen reicheren Schutz zu bieten vermag. So sehen wir auch nach den Angaben Klunzingers, daß am Untersee eine beträchtliche Anzahl gewerbsmäßiger Fischer, nämlich 217, ihrem Beruf obliegen, wovon circa 100 mit Stellnetzen fischen, während im Obersee die Fischerei nicht in so großem Maßstab betrieben wird. Jedenfalls mag sich die Ausbeute an Fischen, die dem Bodensee im Laufe eines Jahres in harter Arbeit entnommen wird, auf viele tausend Centner belaufen. Zwei nützliche Köhlenbrüter. Der Star, der auch in diesem höchst strengen Winter bei uns ausgehalten hat, worüber sich gewiß viele Naturfreunde gefreut haben, ist ein allbekannter, ächter Höhlenbrüter. Ein jedes Kind kennt denselben und er ist durchgängig bei Alt und Jung geschätzt und geliebt. Dies hat er seinem munteren, geschwätzigen Wesen und vor Allem auch seiner überaus nützlichen Wirksamkeit zu verdanken. Zwar werfen ihm, namentlich in neuerer Zeit, manche Leute größere und kleinere Sünden vor; allein, wenn wir die Sache näher in Betracht ziehen, so werden wir fast immer finden, daß die Ankläger sehr ost auf eigennützigen, einseitigen Ansichten fußen. Wer dagegen mit klarem, gewiffenhaftem Blick zu beobachten versteht, wer die Lebensweise unseres Lieblings das ganze Jahr hindurch un- parteiisch abzuwägen vermag und vor Allem nicht nur sein persönliches, sondern das allgemeine Wohl im Auge behält, der muß unsern Starmatz lieb gewinnen, der wird ihm freie Wohnung anbieten und ihn freundlich einladen, bei ihm ein- zukehren. Wir wollen dies hiermit auch thun und bitten dabei zugleich freundlichst unsere Mitbürger und auch die Landbewohner, denen der Star ja ebenfalls unermeßlichen Nutzen schafft, eine recht große Anzahl Starenkästchen aufhängen zu laffen. Für die Meisen, die auch Höhlenbrüter sind, möchte ich nun noch ein gutes Wort einlegen. Sie stehen unter allen einheimischen Gliedern der gefiederten Welt dadurch hoch obenan, weil sie unstreitig die nützlichsten derselben sind, und sie verdienen daher im wahren Sinne des Wortes Garten-, Feld- und Waldhüter genannt zu werden. Da aber auch bei ihnen durch das Fällen fast aller hohlen Bäume große Woh- nungsnoth an natürlichen Brutstätten eingetreten, so ist es gewiß im Jntereffe der Garten-, Feld- und Waldwirthschaft höchst wünschenswerth, auch diese stets munteren und fleißigen Jnsektenjäger recht reichlich mit Nistkästchen zu bedenken. Mit Vergnügen bin ich auf Verlangen bereit, über zweck- mäßige Anfertigung und Anbringung der Kästchen nähere Aus- kunft zu geben. Es ist jedoch gerathen, benannte Kästchen baldigst an Ort und Stelle zu bringen, denn bei diesen Vögeln, namentlich bei dem Star, erwacht der Trieb zum Nestbau bei einigermaßen günstigem Wetter schon um Mitte März. Gießen, den 18. Februar 1893. H. Curschmann. Vermischtes. Zerstreut- Unteroffizier (instruirend): „Portepöe-Fähn- riche sind solche Fähnriche, die ein silbernes Portepee tragen. Schulze, Sie Kameel, was habe ich gesagt?" — Schulze: „Portepee — Portepee-Fähnriche sind solche Fähnriche, die — die kein Silber im Portemonnaie haben." * * Aus der Schule. Ein Kind, das mit seiner lebhaften Phantasie gar zu neuzeitliche Vorstellungen in die Wunderwelt der Bibel hineinträgt, antwortete auf die Frage, woher die Brüder den Aufenthalt des Josef wußten, ganz keck: „Sie hatten es in der Zeitung gelesen." ♦ * Gemiedlich. (Auf dem Dresdener Bahnhof in Leipzig-) „Här'n Se, Herr Locomotivführer, wär'n Se wohl so freindlich und legten die zwee Siedewärschtchen in 'n Dampf- keffel? Wenn mer in Dräsden ankomm'n, hol' ich se wieder I" * » Im Zweifel. Gauner (beim Ausfüllen einer Zählkarte) : „Da soll ich nun mein Gewerbe angeben I Sechs Mal hab' ich eingebröchen und sechs Mal bin ich aus dem Gefäng- niß ausgebrochen. Schreib' ich nun Einbrecher oder Ausbrecher ?" Redactton: A. Scheyda. —. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.