Drenstag, den 20. Juni. Nr. 71 1893. ----L-T---i_3—£----T---iO—'M1---- zunr Gietzenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev) ; irnä MSSSM MM MWMMSÄ Verschlungene Pfade. Roman von Max Hochberg. (Fortsetzung). Der Oberst verließ dröhnenden Schritte» den Balkon, während Leonore wie erstarrt auf ihrem Platz verblieb, un- fähig, sich zu erheben und ihm zu folgen. Er ging nach der Straße hinunter. Da» Blumenschiff war schon weitergerollt. Er konnte eö im Gedränge unmöglich verfolgen und feststellen, von welchem der zahlreichen Bemannung der Strauß geworfen worden. Auf seine Frage erfuhr er, es sei da» Schiff der Maler, eine Thatsache, die seine Erregung nicht herabstimmte. Er verzog noch eine kurze Weile, um seiner Empfindung Herr zu werden und kehrte dann zu seiner Frau zurück, die sein Kommen nicht zu bemerken schien. Ihr Kopf war leicht gesenkt, ihre Wimper streifte fast die Wange. Das verhäng- nißvolle Bouquet lag noch genau in derselben Lage am Boden, die es beim Niederfallen angenommen hatte, es war augenscheinlich nicht angerührt worden. ' Er stellte sich neben ihren Stuhl nnd dabei trat sein Fuß auf den gemalten Amor. Er machte auf die Damen des Nachbarbalkons aufmerksam, um sie dadurch zu zwingen, den Kopf zu wenden und wahrzunehmen, welche Beachtung er für den ihr geworfenen Strauß und sein Maleremblem hatte. „Sie will wahrscheinlich Flora aus der Kalksteingrube versinnbildlichen," verspottete er eine ältere Engländerin, die ihre Freude daran fand, ein Füllhorn aus Papiermachs mit Gipskügelchen zu füllen und sie auf die Paflanten hinabzuschütten. „Ein plumpes Vergnügen," sagte Leonore mit vornehmer Geringschätzung, ohne ihn beim Sprechen anzublicken. Im Nu zog er den Fuß von dem Atlasband zurück, weil er sich durch ihre Aeußerung mitgetroffen fühlte. Es gährte in ihm; sie hatte rhm eine Zurechtweisung ertheilen wollen und deshalb ihren Worten einen Doppelsinn verliehen. Er nahm den Platz hinter ihrem Stuhl ein. Sie sollte wenigstens nicht den Triumph haben, den Zorn über die erlittene Niederlage in sei- nem Gesichte zu lesen. - Sie hatten sich in ihrem Salon das Nachtmahl sermren laflen. Der Kellner überbrachte die eingelaufenen Briefschaften, darunter ein graues, viereckiges, edelweißverzierte» Couvert mit krauser Handschrift. „Von Asta," lächelte Leonore und erbrach es. „Was schreibt denn meine kleine Verwandte?" meinte der Oberst beiläufig. „Nichts von Bedeutung. Sie erzählt von Erna und — Verschiedenem, was sie so gerade interessirtl" — „Hans," hatte sie hinzusügen wollen, es aber aus Vorsicht unterlaflen- „Darf man den Brief lesen oder enthält er Geheimnisse?" forschte der Oberst. Er war mißtrauisch geworden, der abgebrochene und veränderte Gedankenausdruck seiner Frau war ihm nicht entgangen. „Ich habe ihn erst zur Hälfte durch," erwiderte sie halb ablehnend. „Ich bitte um den Brief I" Leonore blickte betroffen auf: die Bitte war im Befehlston gesprochen. Sie war auf's Tiefste empört und entschlossen, den Brief zu verweigern. Da hielt er ihn schon mit raschem Griff, ehe sie noch wußte, wie es überhaupt zugegangen. Er durchflog mit Hast den Anfang. Erna wäre meistens verstimmt, schrieb Asta, und scheine an ihr die Wirkung ihrer Gardinenpredigten erproben zu wollen. Im Grunde genommen habe sie aber Recht: die Männer taugten alle nichts. Selbst Herr von Götz, der Tugendspiegel, dies Ideal von Ritterlichkeit, hätte ihr Annette von Toffsky anvertraut, die es von dem siebzehnjährigen Leiningen wisse, der an der Thür gehorcht habe, wie Herr von Steffeck seinen ältesten Bruder besuchte, Herr von Götz lasse für sein Geld eine vom Ballet für das Schauspiel ausbilden! Es sei nicht zu glauben, aber es sei wirklich wahr! Herr von Steffeck habe gesagt, wenn er (Steffeck) es noch thäte! Herr von Götz habe doch gar nicht die dazu erforderlichen Mittel. „Du Glückliche, Beneidenswerthe," begann die letzte Sette, „Du bist mit dem einzigen guten Menschen, den es giebt, in Rom, mit meinem lieben Herrn und Meister. Muß das schön fein, alle die Herrlichkeiten dort und die Denkmäler vergangener Jahrhunderte mit ihm zu sehen! Und er erzählt so himmlisch! Man lernt dabei, ohne es zu wissen! Ach, und der Car- neval. — Werdet Ihr Euch köstlich amüsiren! Der schlechte Mensch hat mir übrigens meine beiden letzten Briefe unbeantwortet gelassen, und daran bist Du gewiß schuld und Du wirst dafür sorgen, daß er mir nun bald schreibt. In seinem letzten Briefe gab er an: Gedulden Sie sich nun eine kurze Zeit, in vier Tagen haben Sie meine Adresse mit dem Brief aus Rom." „Also ist der Maler doch in Rom!" brauste Strehlen auf. „Ich täuschte mich gestern nicht, als ich ihn erkannte! Himmeldonnerwetter! Er spielte mir Comödie vor mit seinem Zurückbleiben in Venedig. Es war eine ausgefeimte Schurkerei! Er wollte nur meine Freundin mit den klugen, hellen Augen los werden, weil sie Euer Spiel durchschaute. Gesteh'», die Blumen gestern und heute waren von ihm? Natürlich, von - 282 ntÖ9e”sa& mich los," stöhnte sie, „Du thust mir weh!" „Gesteh's, gesteh'«!" donnerte er die Entsetzte an. Sie wollte sich von dem Rasenden loswinden. Sie hatte beim Nachhausekommen den bequemen Schlafrock angelegt. Das weite schleppende Gewand machte sie straucheln, mdem ste zurückwich. Sie fiel und schlug mit dem Kopf hart gegen eine I Stuhlkante. Er stand einen Augenblick faffungslor da, als sie vom Schlag betäubt regungslos vor ihm am Boden lag. Sem Zorn hatte der tiefsten Bestürzung Platz gemacht. Er hob sie auf und trug ste auf das Bett in's Nebenzimmer. Seinen Bemühungen gelang es. sie bald in's Bewußtsein zurückzurufen. I Ec kniete bei ihr nieder und fiehte, sie mit den Armen um» I schlungen haltend: „Vergib mir! Ich vergaß michI' Sie erholte sich allmälig und versicherte auf seine angst' vollen Fragen, sie habe sich nicht verletzt, nur der Kopf schmerze sie noch ein wenig. Sie suchte ihn lächelnd zu beruhigen, als er sich nun Vorwürfe über Vorwürfe machte, aber m ihrem innersten Herzen zitterte sie vor ihm- Sie hatte den Dämon in ihm kennen gelernt und wußte, ein Wort, ein unbewachter Blick konnte ihn heraufbeschwören, und sie war schütz' und wehrlos dieser blinden Leidenschaft gegenüber, die ein Nichts entfesseln konnte. So mußte dem Löwenbändiger zu Muthe sein, wenn er im Käfig steht und jeden Augenblick gewärtig sein kann, die Bestie im Thier erwacht und zerfleischt ihn. • • ♦ Dar russische Schlößchen im Prästdentenpark hatte seinen Herrn verloren; er war an Altersschwäche hinübergeschlummert. I Seine Erbangehörigen, in Pommern ansässiger Adel, betrauten einen Advocaten mit dem Verkauf der ausgedehnten Besitzthums, welches keinen Ertrag lieferte, da es nur aus Park und Garten» land g maten gerade aus Italien zurückgekehrt, um sich in der Heimath häuslich niederzulassen, als das Grundstuck im Tageblatt annoncirt wurde. Anfänglich hatte der Oberst beabsichtigt, bis nach Ostern mit seiner jungen Frau im Süden zu bleiben, den Sommer wollten sie in der Schwerz verbringen und später auf längere Zeit nach Frankreich gehen. Sie sollte ein Stück von der Welt zu sehen bekommen, hatte er geplant. | Sie war mit allen seinen Vorschlägen einverstanden gewesen, aber in einer müden, freudlosen Art, was ihm nicht entgehen konnte. Er hatte sie eines Tages inständig dariru gebeten, ihm ehrlich ihre Wünsche in betreff ihres ferneren Aufenthalts darzulegen. Das Resultat war: man reiste nach Hause. Leonore gestand ihm, sie sehne sich über die Maßen danach, ihre Mutter wiederzusehen, ste habe Heimweh nach ihr. Da» für sich gelegene Schlößchen mit dem schönen Stuck Blumenland und der reizvollen, schattigen Parkwildniß däuchte Strehlen ein geeigneter Erwerb. Er überlegte nicht lange. Der Kauf ward in Kurzem abgeschlossen und der schöne Besitz, der Malten'schen Villa gegenüber, wurde Strehlens Etgenthum. Ein großer Theil des vorhandenen Inventars wurde ausrangirt und durch neue Einrichtung ersetzt. Man konnte schon vor April einziehen. Vorläufig hatten Strehlens in der Friedrich, straße, nicht weit von dem Schönholz'schen Hause, eine fein möblirte Bel-Etage bezogen. Asta war außer fich vor Freude, Leonore ganz in d r Nähe zu haben. Von Annette von Toffsky hatte ste sich in letzter Zeit sehr zurückgezogen, von ihrer a-rdern Freundin gleichfalls; Erna wurde ihr alle Tage unsympathischer und ihr „Herr und Meister" weilte noch immer in Italien. Der Briefwechsel entschädigte ste nur schlecht für seine Abwesenheit ; vergingen doch stets mehrere Tage, ehe ihre Fragen beant» wettet wurden! Unterdessen beschäftigten hundert andere Dinge das lebhafte Mädchen und sie besaß keine einzige mitfühlende Seele, wie sie sich heimlich vorseufzte. Sie bestürmte Leonore mit tausend Bitten, sie doch recht oft zu besuchen. „Und nicht wahr," bettelte sie, „Du erlaubst mir, daß ich zu Euch kommen darf, wann ich will? Wenn es Dir zu viel wird und ich Dich zu arg belästigen sollte, brauchst Du Dich nicht zu geniren und kannst es mir unumwunden er» wem denn sonst! Gesteh's!" Dabei sauste seine geballte Faust mit wuchtigem Schlag auf den Tisch nieder. Tödtlich erschrocken durch diesen Wuthausbruch sprang Leonore auf. „Bleib'I" schrie er zornig und umsaßte mit eisernem Griff ihre zarten Handgelenke, daß ste vor Schmerz hätte aufschreien klären." , , L , ... „Du bist hiermit permanent eingeiaden, einen Tag für alle Tage," hatte Leonore zu ihrem großen Jubel geantwortet. Der Oberst sah Astas häufiges Kommen sehr gern. Er legte die Feder aus der Hand und verließ den Schreibtisch, hörte er ihr helles Lachen. Er und Leonore vermißten sie, blieb sie einmal zwei Tage aus. Er schickte dann hinüber, ob sie nicht seiner Frau und ihm ein wenig Gesellschaft leisten wolle. In der ersten Zeit hatte ihn ihr ewige» Fragen nach Werner recht lästig und unangenehm berührt. Um sie ver» stummen zu machen, neckte er sie mit ihrer Neigung für den Vampyr. „ ,.v > ., Da wurde sie Feuer und Flamme, pflanzte sich tu ihrer ganzen Größe - sie ging Strehlen knapp bi» zur Schulter — vor ihm auf und hielt ihm eine lange hitzige Vertheidigungs» rede ihrer Freundschaft. Sie wäre ein rhetorische» Meisterwerk gewesen, diese Rede, hätte sich Asta nur nicht dermaßen er» eifert, daß sie den Faden verlor. Sie verwickelte sich in ein endloses Satzgefüge und blieb mit einem ärgerlichen: „Zum Kuckuck, was habe ich denn eigentlich gleich sagen wollen? stecken. , ... Leonoren waren vor Lachen und mehr noch vor gewaltsam aussteigender Rührung Thränen in die Augen getreten. Einem i unwiderstehlichen Impulse gehorchend zog sie Asta stürmisch an sich und küßte ste mehrmals. „Du wirst ihn glücklich machen und für alles ausgestandene Leid entschädigen, Du mit Deinem warmen, raschen Herzen!" war ihr Gedanke dabei. Der Oberst war höchlichst ergötzt über dar kampflustige junge Ding. „Bist ein ganzer Kerl, Kleine! Hättest ein Bub werden sollen!" rief er vergnügt, faßte ste bei den Schultern und blinkte ihr ermuthigend zu. „Ich werde Dir tapfer zur Seite stehen und Bresche schießen, wenn es einst gilt, Deine Freundschaft zu vertheidigen. Verlaß Dich nur auf mich. — Meine Hand darauf, ich helfe Dir durch; Dein treuer Bunde», genösse, bi» der Feind die Waffen streckt!" Asta sah ihn verwundert an und verstand nicht, was er damit meinte. , ,, . - . ^hm war bei ihrer Erregung eut Stachel aus dem Herzen I genommen. Es war sonnenklar: Asta liebte den Maler und umsonst schrieb ihr Werner auch nicht jeden dritten Tag. Er wollte seiner Zeit die Sache unterstützen, nahm er sich vor; denn voraussichtlich würde die Kleine einen schweren Stand haben, ihrer Wahl für den Bürgerlichen Geltung zu verschaffen. Strehlen fand, feit dem regen Verkehr mit der zutraulichen, immer lustigen Asta war seine Frau heiterer, gesprächiger und entgegenkommender geworden- Sie thaute unter dem sonnigen Einfluß der jungen Freundin förmlich auf. Ein behagliches Glücksgefühl schlug in seiner Brust Wurzel. Er empfand die kleinen Gebrechen weniger, die ihm vom Kriege her anhasteten; selbst die rheumatischen Schmerzen, die ihn manchmal arg heim» suchten und sich besonders in dem Bein, welches einst die Kugel empfangen, fühlbar machten, vermochten ihn nicht dauernd zu verstimmen^ und der Geburtstag der Fürstin. Er sollte, wie alljährlich, durch einen großen Hofball gefeiert werden, dem andern Tages eine Festvorstellung im Theater folgte. Leonore ging in Weiß; sie trug ihr damastene» Hoch' zeitskleid. Blaßrothe Akazienzweige und Perlenschnüre um Hals und Arm vervollständigten ihre Toilette. Asta hatte auf ihren Rath mattrosa Atlas mit Spitzem Überwurf und Maiglöckchen gewählt. ~ „Sie gleicht in ihrer holden Lieblichkeit der zarten Früh' lingsblume, die sie trägt, und doch —" Götz wandte sich mt ' männlicher Energie ab. Er wollte sie nicht sehen, den G ; | dankengang nicht weiter sühren. Zum Unglück fiel ihm Esi - 283 - von Toffsky in'8 Auge. Sie erinnerte ihn an eine dunkel- rothe, aufgeblähte Päonie und als Gegenstück dazu tauchte wider seinen Willen Astas Bild in seinem Herzen auf. Die Fürstin war ein ganzes Theil älter, als ihr Gemahl, welcher der Thronfolge halber — sein Vater, Erbprinz Alexan» der, war früh gestorben — von seinem Großvater sehr jung verheirathet worden war. Seit Jahren schon nahm die Fürstin, welche obendrein brustleidend war, am Tanze nicht mehr Theil- Fürst Heinrich hatte mit Kennerblick gleich beim Eintritt in den Saal die Schönste herausgefunden und erbat sich Streh. lens Frau zur Eröffnung des Balles. Prinz Alexander, sein ältester Sohn, der zur Geburtstagsfeier von der Universität hergereist war, wählte sich Asta. Leonore war die einzige Dame, mit der der Fürst zu verschiedenen Malen tanzte. Anfangs fühlte sich der Oberst nicht wenig geschmeichelt durch die Auszeichnung, welche seiner schönen Frau zu Theil wurde, dann aber wurde es ihm zu viel und er hätte es am liebsten gesehen, sie hätte sich dem Tanz ganz ferngehalten, nur um nicht wieder mit dem Fürsten anzutreten. Er deutete ihr an, es möchte Aufsehen erregen, ob sie sich der Ehre nicht entziehen könne. Im Stillen beneidete man sie und deshalb werde man ihr diese Bevorzugung nicht vergeben und sie anders auslegen. Erschrocken versprach ihm Leonore, jede fernere Aufforderung abzulehnen. Sie hatte schon im Stillen gefürchtet es möchte ihm unangenehm sein, wenn sie zu viel tanze, lasse er sich gleich nichts davon merken; sie zitterte noch in der Erinnerung an den furchtbaren Auftritt in Rom. Um Alles in der Welt wolle sie ihm nicht Grund zur Eifersucht geben. Eben war sie nach beendeter Tour zu ihrem Mann zurückgeführt worden, als Asta in Heller Verzweiflung auf sie loseilte. „Liebe, Einzige, Beste, rathe mir, hilf mir," jammerte sie. „Ich bin schon wieder mit dem abscheulichen Fernow engagirt, jetzt, für den kommenden Tanz. Erna stand dabei und deshalb konnte ich ihm keinen Korb geben, und er ist mir doch so unausstehlich! Er drückt mich immer an sich, es ist nicht zum Aushalten, sage ich Dir, und sein Athem fährt glühend heiß über mein Gesicht hin, ich mag den Kopf noch so sehr verdrehen. Es ist rein fürchterlich; er bläst aus zwei Nüstern Wüstenwind! Bitte, bitte, erlöse mich von ihm!" quälte sie. „Der Kleinen zu Liebe nur noch einen Tanz, Ludwig?" flüsterte Leonore bittend ihrem Manne zu. Er nickte, stumm gewährend. Herr von Götz näherte sich eben der Gruppe, in der guten Absicht, Asta dadurch zu kränken, daß er Leonore aufforderte und um den nächsten Tanz bat. „Ich muß bedauern, Herr von Götz," lehnte Leonore ab, „ich bin leider nicht mehr frei, aber meine liebe kleine Freun» bin hier ist noch nicht versagt." Asta schüttelte heftig abwehrend den Kopf und warf der älteren Freundin einen vorwurfsschweren Blick zu, ihr durch lebhaftes Mienenspiel ihre Unzufriedenheit mit dem Arrangement kundgebend. ö Der kleine Lieutenant hatte es bemerkt. In seinen Augen funkelte fanatische Tücke, während er sie vor heimlicher Belustigung zusammenkniff. „Außerordentlich verbunden! Werde nicht ermangeln, meine Gnädigste," näselte er mit mühsam verhaltenem Lachen, verbeugte sich tief und trat zur Seite. Das Zeichen zum Beginn des neuen Tanzes war gegeben worden. Die Herren engagirten ihre Tänzerinnen und Herr von Fernow nahte, um Asta zu holen. Dicht hinter ihm kam Fürst Heinrich. Er liebte es, sich frei und ungezwungen zu bewegen, er ließ nur selten seine Dame durch den Adjutanten auffordern. , Als der Oberst ihn kommen sah, wurde er unruhig und Leonore gewahrte, wie seine Linke am Schnurrbart zerrte, roarVin Lch/res Anzeichen von bevorstehendem Sturm' i Mit raschem Entschluß trat sie Fernow entgegen. ! „Fräulein von Schönholz läßt sie höflichst ersuchen, für viesen Tanz mich als Ersatz anzunehmen," sagte sie mit geho» vener Stimme. ' i §er also Angeredete schien nicht sehr angenehm überrascht, i doch fügte er sich mit einer artigen Redensart in den Wunsch der Damen. Strehlens finstere Stirn glättete sich bei den Worten seiner Frau und seine Linke gab den Bart frei. Ueber Fürst Heinrichs Züge flog ein Schatten des Un« muths. Er veränderte jedoch seine Richtung nicht, legte den Kopf mit unnachahmlich stolzer Geberde noch mehr in den Nacken, ging an Leonore vorbei und forderte Asta auf. Götz machte ein süßsaures Gesicht, während er pflichtschuldigst mit tiefem Bückling seine Tänzerin dem Fürsten abtra^ Ein schadenfrohes, boshaftes Lächeln hob Astas Oberlippe; es drückte dem kleinen Lieutenant beredter als ein Dutzend Worte aus, wie froh sie war, von ihm loszukommen, und das ärgerte ihn. Leonore hatte ihren Zweck erreicht: der Fürst suchte sie nicht wieder auf. Asta kam vom Tanz mit Serenissimus ganz aufgeregt, mit glühenden Wangen zurück und bedankte sich hundertmal für das große Opfer, das Leonore aus Freundschaft für sie gebracht. Sie würde ihr das niemals vergessen, betheuerte sie. Leonore wehrte lächelnd die überschwänglichen Dankes- äußerungen der Kleinen ab, weil Fernow doch ebenso gut wie Götz ihrem letzten Tänzer hätte nachstehen müssen. Da unterbrach Götz die Streitenden, indem er nunmehr ein Recht auf die folgende Extratour beanspruchen zu glauben dürfte. „Sie haben kein Glück bet mir! Ich muß leider danken! Ich darf mir nicht zu viel zumuthen und schlug bereits meinem Vetter den Tanz ab," entgegnete Leonore. „Ja, lieber Götz, Sie müssen entschuldigen," stimmte der Oberst eifrig bei. „Ich bitte hiermit um den früher bewilligten Ersatz, gnädige Frau," erklärte Götz rasch. Asta sah ihn mißtrauisch von der Seite an. Nach kurzem, secundenlangem Schwanken, ob Herr von Fernow nicht doch vielleicht vorzuziehen sei, legte sie mit einem trotzigen Zurückwerfen des Kopfes ihren Arm in den seinen. Biegen oder brechen, dachte sie, jetzt gilt es. Deine Meinung soll er zu hören bekommen, mag's ihm behagen oder nicht. Schlimmsten Falls kann er dich nur stehen lassen. „Ich bin keine gewandte Partnerin," hob sie heraus- fordernd an, „Fräulein Ehrenberg vom Ballet wird sicher besser tanzen." „Kann darüber nicht urtheilen. Habe noch nicht das Vergnügen gehabt, mit der Dame zu tanzen," parirte er ihren schnippischen Ausfall sehr ruhig. „Eins aber weiß ich für gewiß, Fräulein Ehrenberg würde keinem ledigen Herrn Be- suche abstatten." „Was meinen Sie damit?" stammelte Asta, verlegen werdend. „Fräulein Ehrenberg würde Herrn Werner nicht ohne Be- gleitung im Atelier ausgesucht haben, mein gnädiges Fräulein, und vor Besuchern hinter die Fenstervorhänge geflüchtet sein." Asta hatte bei dieser herbe verurtheilenden Auseinandersetzung den Kopf tiefer und tiefer gesenkt. Ihr rosiges Kinn vergrub sich in den Maiblumenstrauß, der ihre Brust schmückte- Sie fühlte sich schuldig und schwieg. Mitleid wollte in ihm aufsteigen. Ihre Hilflosigkeit war sie wirksamste Vertheidigung. Er that ihm fast weh, daß Scham und Verlegenheit sie derartig niederdrückten; darauf war er nicht gefaßt gewesen, sondern auf eine schneidige Ent- zegnung. Er fühlte sich entwaffnet; aber nein, er wollte con- equent sein. Ein guter Feldherr steht bei halbgewonnener Schlacht nicht still und läßt sich den Vortheil aus der Hand nehmen; er verfolgt den Sieg weiter und treibt den weichenden Feind aus allen Verschanzungen. (Fortsetzung folgt.) s>— 284 Vevnrrschtss Gcineinnntziges VvlUllvtvll WtVVvVy V** ---- I z _ , Art bei den zartesten Stoffen in Anwendung bringen, ohne Den- selben zu schaden. Gedankensplitter. An der schweren Roth ist häufig der Schwerenöther selbst Die Erinnerung gleicht gutem Wein; auch sie gewinnt Der größte Wohlthäter der Armen ist die Eitelkeit- Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Eine drollige Theateranecdote erzählt Sacher» Masoch vom Fichtner'schen Paare am Burgtheater. Al» im fünften Acte von Schillers „Kabale und Liebe" die Fichtner « schen Eheleute al» Ferdinand und Luise tobt dalagen, horte man plötzlich, natürlich nur im Bereiche der Bühne, die regungs« lose Luise sagen: „Du, ich bin surchtbar hungrig." - Ferdinand, ~ " - iutuutit; „Was haben nur denn heute „Rostbraten mit Erdäpfeln", erwiderte die Das kannst Du selber effen", erwiderte u™, v.„ .... , Man pflegt in der Regel „Glückspilze" um Rath zu — Mit Fett oder Oel fragen; oft wäre es jedoch bester, „Pechvögel" zu studiren. " ™ - I So viel Schlauheit besitzt der Dümmste, um sich selbst Aus der Praxis. Client (entrüstet zu seinem Rech»' anwalt): „Aber Herr Rechtsanwalt, Sie haben i«, wie ich eben höre, meinen Prozeß in dritter Instanz verloren! Rechtsanwalt (gemüthlich): „Sind Sie aber ein ungenügsam r Mensch! Haben Sie nicht genug daran, daß Sie rhn m zwei Instanzen gewonnen haben?" Sehr guter Griesauflauf mit Kirsche». In r/» Liter Milch streut man, während sie mit V» Pfund Butter und */4 Pfund Zucker kocht, Vi Pfund nicht zu feines Gries- mehl, lä§ es kochen, bis es sich vom Topfe löst, und danach abkühlen. Dann werden fechs Eidotter kräftig mit der Maste verrübrt. etwas Citronenzucker und zuletzt vorsichtig der Schnee . . von den sechs Eidottern zugemischt, lieber ein mit Zucker kurz eta(o * eingekochtes Kirschencompot gestrichen, backt man den Auflauf auf die Nacht? -- eine halbe bis eins Stunde.^ e Ferdinand, „ich gehe zum Schwan." — Die Schauspieler auf Um Silber blank zu putzen, dient Salmiakgeist, der Bühne, welche diese Unterhaltung mit angehört hatten, Man kMN auch WeinMn, AlE und Kochsalz zu glichen hatten Mühe, nicht laut aufzulachen. vCHUl ttüttOuttCtt. * * I m *Ädtam. Fa-chi«li4- 8.6«,: „3UW M« bvvermanaanat und starke Salzsäure verwenden; das sich ent« Du mir noch einmal mit einem solchen Fetzen von einem Äelnde Chlor zerstört das Oel oder Fett und man kann dann Löschblatt kommst, so schmeiß »ch ihn Dir an den Kopf, daß mit Master nachwaschen. Harzige Substanzen kann man durch Dir Hören und Sehen vergeht! Lauge entfernen. e • Eine Modedame steht am Grabe ihre» Onkel», der man der Sonne verbrannte Hände Wieder sich ihr al» Freund und Wohlthäter erwiesen hatte. Al» man weitz zu machen. Die von der Sonne verbrannten Hände den Sarg in die Gruft senkt und die Richte unbewegt bleibt, werden ^durch fleißige» Waschen mit Milch, Aufstreichen von flüstert ihr eine Freundin zu : „Weine doch ! ^„Jch kann nicht Traubenpömade oder Mandelöl geheilt. Auch Waschungen mit — ich habe mein Spitzentaschentuch vergesten. P-I-rfllimbM- W f,6t >» $u, bem Markte. Stobtedn: „Ich lafie 36«« tot Schwaben. Ruffen. «»fer bringt man aus Zim- Hal« fu, 4 Mark." SWuftrin, Weggehen!: „34 aÄÄtSWt* SS «in 8U‘»S.I4.n.>n, ***£»£ «n ben Orten, wo !-- WM« W» diese Mischung «ns- m«6Un die A* rfUdungi ©e% ftreut' • • eine Taste Bouillon zu sich genommen und dann die Taste Zur Reinigung Von tuchenen Rockkragen dem Dienstmädel an den Kopf geworfen." Ä‘Ä*Ä“ Ä* - * --«ÄÄ« Blutsiecken zu entfernen. Man rühre Weizenstärke - Student B.: „Bewahre, aber ich erwarte den Gericht,« mit Mnig kaltem Master an, trage dieselbe dick auf den Fleck Vollzieher!" , . auf und laste sie trocknen. Ist die Stärke von der linken Seite • ■ ... au» abgeklopft, so werden srische Flecke verschwunden sein; bei Resolut. Dame: „Herr Doctor, ich habe eine beleg veralteten wiederholt man dieses Bersahren- Man kann diese Zunge! Macht das was?' — Arzt: „Ja — zwei Mark Art bei den zartesten Stoffen in Anwendung bringen, ohne den« fünfzig!" Vorsicht bei Anwendung von Fleckmitteln. Zum Reinigen von seinen Leinen« und Tuchsachen, die mit Fett oder Oel verunreinigt sind, werden flüchtige Fleckmittel wie Benzin, Aether, Terpentinöl rc. anempfohlen. Oester find Fälle zu verzeichnen gewesen, daß Hausfrauen nach Benutzung dieser flüchtigen Fleckmittel sofort zum Plätten der Leinen« und Tuch« fachen schritten, infolge besten die flüchtigen Gase pch entzün« beten und die Wäsche verbrannte oder doch stellenweise ver« nichtet wurde. Man muß daher bei Anwendung fluchtiger Fleckmittel mit dem Plätten so lange warten, b» kein Geruch derselben sich mehr bemerkbar macht- — M'* verunreinigte Tuchsachen reinigt mau am besten mit GMseife, — —. wäscht dann die gereinigten Gegenstände mit kaltem Master betrügen zu können. nach und plättet da» Tuch.auf der Rückseite. , ! 7 ' ' Verwendung von Hasenpfoten. Es giebt nichts schuld. W.'EEÄÄLÄbW'ZNL und dabei gar nichts beschädigt. Man probire es! m i