G I am ißenßf( 1893, ' ----6 EL, L^- -— --t_S—'S •♦■ z -S—'N' NntevhaLtusrgsblatt 311m GLetzenev Anzeigev (GsMsval-Anzeigev) Samstag, den 20. Mai. Pfingsten! Wie klingt ein selig' Lenzesrauschen So wunderbar durch Wald und Hag, Daß frohergriffen wir ihm lauschen Zum lieblich-frohen Pfingstentag — Wie grüßt aus Thälern und von Höhen Uns heute ein so neuer Geist, Der uns in seinem lichten Wehen Auch neue, reine Pfade weist! ‘S( O-> Pfingsten, gieße deinen Segen Weitaus inmitten Frühlingsmacht — Selbst an den dornenvollsten Stegen Glänz' deine heil'ge Blüthenpracht — Wirf durch die Lande deine Strahlen Weithin bis zu der fernsten Au, O mach' vergehen alle Qualen Durch deinen wahren Maienthau! Willkommen d'rum, du Fest der Maien, O zieh' in jedes Haus hinein, Und laffe Alle sich erfreuen An deinem milden Gnadenschein — Dann ist auf's Neue ausgegoffen Das Licht der Liebe, hell und klar, Da» einst erlösend war gefloffen Hernieder auf die Jüngerschaar! Benno Neuendorf. Das große Loos. . Original-Novelle von Leo Werner. (Fortsetzung). , Das junge Mädchen, das nunmehr in eine entsetzliche Zu« kunft blickte, verfiel letzt rn ein krampfhaftes Schluchzen und sank auf einen Stuhl. Nach einigen Minuten erhob sie sich aber wieder, trat mit erhobenem Haupte vor den Vater und sagte mit zuversichtlicher Stimme: „Ja, unser Unglück ist groß, sehr groß, Vater, aber daß uns in demselben Ludwig Malten verlassen sollte, daran glaube ich nie und nimmer, denn dafür habe ich von seinem Character eine viel zu hohe und edle Meinung!" „Gebe Gott, daß Dich Dein Herz nicht betrügt," erwiderte Herr Hülsemann, „und daß meine böse Ahnung nicht in Erfüllung geht!" „Du darfst nicht zu schwarz sehen, Väterchen," tröstete jetzt die Tochter den beklagenswerthen alten Herrn, „im größten Unglück naht uns auch sehr oft noch Rettung, ein gutes deutsches Sprüchwort sagt sogar: Wo die Noth am größten ist, da ist Gottes Hilfe am nächsten." „Ja, ja, man sagt das," entgegnete mit einem wehmüthi- gen Lächeln der Greis, „aber ein anderes Sprüchwort, welches leider nur oft zu wahr ist, sagt auch: Ein Unglück kommt selten allein! Und zu unserem Unglück ist schon längst ein zweites gekommen, denn ich habe in letzter Nacht nicht nur mein Bergwerk, sondern auch meinen Credit und meine Freunde verloren. Denn wo sind die Männer geblieben, die mir vielleicht noch hätten helfen können? Der Commerzienrath Malten, der Bankier Leixner, der Bankier Buchhold, die Großkaufleute Künnemann und Andere? Keiner ist gekommen, um mir in dem Unglück zu helfen, wohl werden sich aber bald meine Gläubiger melden und ich werde meine Insolvenz anmelden müssen. Dar ist die schreckliche Fortsetzung meines Unglücks!" „O, lieber Vater, verzage noch nicht vollständig, Ludwig Malten wird uns nicht in unserem Unglück verlassen, das glaube ich sest." „Nun, ich will Dir Deinen Glauben nicht nehmen, Käth- chen, und will mit Dir annehmen, daß Ludwig Malten ein edler, treuer Mann ist, aber mit Treue und Edelmuth allein kann er uns nicht aus diesem Unglücke befreien, und wenn er nicht seinen Vater und andere einflußreiche Männer dazu bewegen kann, für die Erhaltung meines Credites einzustehen, so bin ich dennoch ruinirt." „Ich vertraue auf Ludwig und hoffe viel von seiner Treue und feiner Liebe zu uns," betheuerte das junge Mädchen, und die Hände faltend, fügte sie hinzu: „O, ewiger, allgütiger Gott, laß mich nicht an dem Manne meines Herzens irre werden, ich müßte ja sonst den Glauben an Menschenliebe und Treue für immer verlieren!" „In dieser Hinsicht muß man sich leider auf die schlimmsten Enttäuschungen gefaßt machen," bemerkte leise der schwer geprüfte, verzagte Greis, „denn seit dem Ausbruche des Unglücks auf der Felix-Grube habe ich noch nicht gemerkt, daß ich noch Freunde habe. Die Katastrophe ist freilich auch eine furchtbare, und wer den Schachtsturz und den gähnenden Abgrund, in welchen unaufhörlich die Wasfermaffen stürzen, sieht, gibt natürlich das Bergwerk verloren, wie ich e» auch selbst — 234 flr8 ich heute morgen das Unglück sah. Wer I Möchte auch einem untergehenden Schiffe sein Gold anvertrauen? ^«Matthias Hülsemann lachte wie ein Wahnsinniger und schlug seltsam mit den Händen durch die M, al» wollte er eül aus ihn eindringendes Ungeheuer verscheuchen. E» wäre wirklich kein Wunder gewesen, wenn der beklagenswerche, tief I aebeuate Mann infolge des grauenhaften Unglücks, welches ihn Ä gw« ti9« Md d>«T°ch>°- °m>h-L-b°°--lack »u bringen drohte, den Verstand verloren hätte. I $U Reae Dich nicht mchr so auf, Väterchen," sagte sanft die Tochter Hülsemann» und legte beruhMnddie Hand^ au die Schulter de» Vater», „er wird schließlich noch ein Jtettet wenn er nur käme, bevor ich ganz der Verzweiflung verfalle, M dn^Git^ draußen," xief jetzt Käthe, „vielleicht! ist es" Ludwig Malten, welcher kommt-' I ©8 wurde hastig an die Thür geklopft und alsbald trat I Retwngsarbeiten im Bergwerke, und Käthe bot ihm fchne einm Sie sich, S« Dberfleie«,! erschövft. Ich will Ihnen schnell em Glas Wein holen. *“• Amd W Ä «*« "M «*sr svÄÄ SÄXWÄÄdÄ bie gewesen, um sich da» Unglück anzusehen?" srug dann Matthias Hülsemann mit matter, geistechaster Stimme. O ia," antwortete der Obersteiger, „die Herren Bankier Leixner und Buchhold und auch die Herren Künnemann waren sckon beute Vormittag in der Felix-Grube, fte beklagten Alle da» entsetzliche Unglück, schüttelten die Köpfe und gingen davon. Leute Nachmittag kamen auch der Herr Commerzrenrath Malten und Sohn Sie ließen sich bittet an die Stelle de» Unglücks von mir führen und waren zu Tode erschrocken öon ber ®rö6e d-z unalücks. Leider hält der Herr Commerzienrath da» Berg- mort für ruinirt obwohl ich ihm diesen Gedanken auszureden M e Sen&Twt« Meint biefeWmmg b-«B-t-.« Md w&t, daß di- 9lettungi«.6eite« **tt ”"bSi«e »I- Ahnung tntgt mich nicht,- besam bet alte Herr mit wehklagenber Stimme. „Das.Unglück i ruinirt mich, bis Freunbe lassen mich im Stich unb mein Berg- wett ist verloren. — Wo begaben sich ber Herr Commerzienrath Malten und sein Sohn hin, als sie die Felix-Grube ver- ““TS Spott der alte Mann. „Affo auch sie verlaffen mich. , | „O nein, das wollte ich damit nicht gesagt haben, be merkte eifrig der Obersteiger, „denn Herr Ludwig Malten kam vor zwei Stunden wieder in da» Bergwerk und hilft perfünlich W "SÄ jetzt Hülsemann erstaunt. „Her- Ludwig Malten Hilst persönlich bei den Rettungsarbeiten im Bergwerke?" bemann, so ist es," erwiderte der | nhprfteiaet 9 Herr Malten, der ja Ingenieur ist, wendet alle I Mühe auf, um Mittel und Wege zu finden, das Waffer au» blolnd^e^^ TE Matten Ä d-r-siL-r Md fei« W «ÄiÄtSSsS kommen wurve, um ucy w eher gekommen, aber"er"warÄ Ansicht daß seine Anwesenheit in dem ge- fährdeten Bergwerke vielleicht jetzt nützlicher fein könne, a » fe PSSSnSÄBS Büß L»7^MdHW Swt «M°M Md MH- b-lMd-N sich w« j-dt i-n-e-h-b-«-Lsim. mung gekommen, welche im tiefsten Unglück und in der schwer^ sten Prüfung nicht verzagen läßt, und zwar nicht be8$ , man sichere s erwartet, sondern well man sich Mit gebung in das Unvermeidliche fügt und die Hoffnung f Stele günstigere Gestaltung seines Schicksals nicht stmen lästt 'siu einer solchen Umstimmung de» Gemüthe» m alücke ttägt neben dem Vettrauen aus Gott sehr viel d°»B StfeSV daß man doch einen treuen Freund hat, der Ehe- . . bc( Obersteiger ein Glas Wein trank, be- KMWMM ,-in- «--ukh-ii zu,i-h«j^ M mga mein« G-Iuudh-ii AKgSJA mit mwnlichem aewöbnt. Außerdem that ich nur meine Pflicht. I ä*u«6«te mehr al« 36» W," KW« WAS* gff Ä» Ä“-S®Ä 'Ä'‘Ä SÄ im AMd-'-i«, di-f- D-nl-afchuld «oll Md gm, an Sie «btt-g« >« «ten, kenn teMStf*? der «er- 36”” Acht i« enten Meinen und daß wir ÄÄ** * *b“ bem I ®eta”Ä Äe ÄfttaMe Hoffnung für dieSrh-liung . . M-ram-rkes “ gab Herr Hülfernmn kopffchMelub zurück, ZM-L'MsM ?» LBri§e des Bergwerkes brauchen, vollständig verloren * m SfXte daher wirklich, daß die Rettungsarbeiten und die Neuansihaffung ebensoviel kosten werden, ^ls das ganze Bergwerk werth ist, und dies bedeutet meinen Rum. Erschöpft sank der alte Herr in seinen Lehnstuhl zurück, und erschrocken und mit großer Thellnahme blickte ihm der „Jst^Niemand von meinen Freunden in der Felix-Grube -- 235 itttt Matthias irren Bankier emann waren beklagten Alle zingen davon, mrath Malten des Unglücks ron der Größe ath das Bergen auszureden ng des Vaters ttungsarbeiten licht," begann ,Das Unglück nd mein Berg« c Commerzien« lix-Grube ver- hastig. Stadt zurück,id mit höhnischem n mich." zt haben," be« >ig Malten kam hilft persönlich erstaunt. „Herr ngsarbeiten im erwiderte der ist, wendet alle >as Wasser aus Vertrauen nicht nd. „Ludwigs ffeu uns nicht." > Herren Malten d sein trauriges lzuzufügen," be- ng Malten durch ,ch heute Abend es Herrn Hülse- eher gekommen, heit in dem ge- könne, als sein t Malten gehauen Sie nun nach lieber Krützner," Zie haben heute und Ihr College ihre Pflicht thun t will, sehen wir mn ich hoffe, daß at." zt der Obersteiger the befanden sich t erhabene Stint' nd in der schwer- sicht deshalb, roetl man sich mit Er- Hoffnung für eine !sal« nicht sinken iemüthes im Um sehr viel das Be- Freund hat, der rs Hülsemann und Vermögen« sah. u Mit diesem Gedanken tröstete sich Käthe. Dann trat aber . —p .... ......... cucll, ÄUU,U aii$ em schreckliches Bild vor ihre Seele. Heute Morgen Deinem Vater Wichtiges zu besprechen! hatte man sieben tobte Bergleute aus der Felix-Grube gebracht, «*■--. — - ■ - sie hatten theils bei dem Schachtsturze, theils bei den Rettungsarbeiten ihr Leben opfern muffen. Konnte nicht dem unermüd- lichen Geliebten, welcher schon seit längerer Zeit sich in dem gefahrdrohenden Bergwerke befand, ein gleiches Unglück zu- stoßen I Als der Obersteiger Krützner gegangen war, stockte der Gedankenaustausch zwischen Hülsemann und seiner Tochter, denn sie wurden beide von der erwähnten Stimmung beherrscht. Auch hatten sie jetzt nur noch den einen Gedanken, daß Ludwig Malten kommen und die centnerschwere Last der bangen Sorge, welche ja noch nicht ganz von ihnen gewichen war, von ihren Herzen nehmen oder doch lindern möge. Einige Male ging Käthe hinaus auf die Veranda der Villa, um die Ankunft Ludwigs in der Abenddämmerung zu erspähen. Sie kannte ja so genau seine Schritte und seine Haltung und ihre Augen sahen so scharf, aber immer und immer wieder blickte sie vergeblich auf den Weg, welcher von der Felix-Grube nach der Villa führte, von der Ankunft des ersehnten Geliebten war nichts zu sehen. Er hatte gewiß in dem Bergwerke bei den Rettungs- arbeiten alle Hände voll zu thun und deshalb verzögerte sich sein Besuch in der Villa. Das junge Paar eilte jetzt eilig nach der Villa und als es dort eintraf, lief Käthe voraus, um dem Vater die Ankunft Ludwigs zu melden. feine Tochter, aber es war freilich in verschiedener Weise in der Seele der beiden Personen vorhanden. Käthe traute ihrem Bräutigam Ludwig Malten unbedingt zu, daß er das schwerste Unglück von ihrem und des Vaters Haupte fern halten werde und sie über kurz oder lang glücklich machen müsse, während der kühle, kritische Verstand Hülsemanns in der Hilfsbereitschaft Ludwig Maltens nur eine günstige Aussicht für die Zu- schast Ludwig Maltens nur eine günstige Aussicht für die Zu- „Gerettet ist es noch nicht," erwiderte Ludwig mit schmerz, fimft seiner Tochter und für die theilweise Errettung seines lichem Zucken seiner Lippen. „Das ist nach einer solchen grau- 9ior\nnn»na. un sigen Katastrophe ja auch in dieser Zeit gar nicht möglich, mein liebes Kind, aber ich glaube, es sind einige Aussichten vorhanden, daß das Bergwerk gerettet werden kann. Es darf eben kein Mittel unversucht bleibe», um den vollständigen Ruin von der Felix-Grube fern zu halten und was in meiner Macht steht, das wird in dieser Hinsicht geschehen." „O, Du großmüthiger, treuer Mann," rief das junge Mädchen und drückte dankbar Ludwigs Hand. „Aber Käthchen, ich bitte Dich nochmals, nenne mich nicht fortwährend edel, gut und großmüthig in einer Angelegenheit, wo ich nur meine Pflicht thue," bat der junge Ingenieur. „O, Ludwig, ich fühle, daß Du Großes für uns thuest, vielleicht sogar ein im Menschenleben seltenes Opfer für mich bringst und da kann mein Herz nicht schweigen." „Ich wiederhole, daß ich nur meine Pflicht thue, wie ich sie als Dein Bräutigam und als Freund Eures Hauses auffasse," betonte Ludwig. „Unsere Schicksale sind aneinander gekettet und ich kann bei Eurem Unglück nicht ruhig zusehen. Laß uns jetzt in das Haus eilen, Käthchen, denn ich habe mit merkte Ludwig im Tone herzlicher Theilnahme, „in seinem Alter und m seinen Verhältnissen ein solches furchtbares Un- glück erleben zu müssen, ist sehr, sehr bitter. Doch hoffe ich Deinem Vater gute Nachrichten bringen zu können." „Ist das Bergwerk gerettet?" frug Käthe in großer Er- regung. „Gott sei Dank, daß Du wieder da bist und so gute Botschaft bringst," sagte der Greis, „denn ich war bereits in großer Sorge wegen Deiner langen Abwesenheit." Käthe erröthete und merkte erst jetzt, daß sie vor einer Stunde das Haus verlassen hatte, ohne dem Vater etwas zu sagen. Mit einem ehrerbietigen Gruße trat jetzt Ludwig in das Zimmer und reichte Herrn Hülsemann die Hand. „Herzlichen Dank, Herr Malten, für Ihren freundschaft- lrchen Besuch und für Ihren großmüthigen Beistand in meinem Unglücke." Damit begann der alte Herr die Unterhaltung. „O, ich thue nur das, was unter wahren Freunden eine Ehrenpflicht ist," erwiderte Ludwig, „und soll es mich freuen, wenn ich Ihnen in dieser kritischen Lage einen Dienst er- weisen kann." „Wie sieht es in der Felix-Grube aus, Herr Malten? Haben Sie einige Hoffnung, daß das Bergwerk erhalten werden kann?" frug dann der Greis mit bangevoller Geberde. „Hoffnung und gute Aussichten bringe ich Ihnen mit, Herr Hülsemann," antwortete Ludwig. „Die Waffermassen sind seit fünf Stunden entschieden im langsamen Fallen be- griffen, der ungeheure Wasserdruck scheint in den Tiefen des Erdreiches einen Ausweg für die stauenden Gewässer erzeugt zu haben und in dem oberen überschwemmten Schachte war das Wasser fast einen halben Meter gesunken, als ich das Bergwerk verließ. Danach scheint mir Hoffnung vorhanden zu sein, die Felix-Grube in nicht zu langer Zeit ganz und gar von den Wassermaflen zu befreien." „Dieser Thatbestand gibt zwar einige Hoffnung, das Bergwerk zu retten," erklärte Herr Hülsemann, „doch gilt dabei al» Voraussetzung, daß die Verheerungen, welche der Schachtsturz und das Wasser im Bergwerke verursacht haben, nicht gar zu groß sind und daß sich unter nicht zu großen Unkosten der Betrieb der Grube wieder einrichten läßt. Kann das Oberwasser wieder für den Betrieb der Maschinen angesammelt werden?" „Schwerlich!" entgegnete Ludwig und zuckte mit den Achseln. „Der Schachtsturz hat das obere Erdreich bis auf eine Länge von über hundert Meter erschüttert und oben ist das Waffer so gut wie verschwunden." (Fortsetzung folgt.) Dahm schwand jetzt plötzlich Käthchens hoffnungsvolle Stimmung, sie besaß ja auch nur ein menschliches Herz mit seiner Fähigkeit, himmelhoch zu jauchzen oder bis zum Tode betrübt zu sein, und eine namenlose, unheimliche Angst bemäch- tigte sich ihrer. Weit weg und hin zu dem Geliebten eilten wre Gedanken, Alles um sich vergessend trat sie in den Vor- saal, nahm Hut und Mantel und schritt aus der Villa in der Richtung nach der Felix-Grube. Es war eine sternenhelle Nacht, doch die schmale Mondsichel erleuchtete nur sehr schwach die Landschaft und man konnte nicht weiter al» höchstens dreißig Schritte vor sich sehen. Wie ein gehetztes Reh eilte das junge Mädchen vorwärts, doch kaum war sie dreihundert Schritte gegangen, da stand sie vor dem Manne rhrer heißen Liebe. Ludwig war im raschen Laufe von der entgegengesetzten Seite gekommen und hatte sich, im Schatten der an dem Wege stehenden Bäume gehend, fast unsichtbar der Gesiebten genähert. „Käthchen, Du bist es?" rief er fast er- schrocken und schloß das zitternde Mädchen in seine Arme. 7, »Ich hatte so große Sorge um Dich," flüsterte sie mit bebenden Lippen, „denn es ist jetzt so gefährlich in dem Berg- werke. „Ja, gefährlich ist es dort unten, Kind," gab der stattliche Mann lächelnd zurück, „aber deshalb darfst Du Dich um mich nicht so sehr sorgen. Wenn man helfen will, muß man zu- weilen sein Leben auf das Spiel setzen, das ist feit Menschen« gebernen so gewesen. Ich halte es dabei mit dem Sprüchworte: Dem Muthlgen hilft Gott!" ... «uter, edler Mann! Wie sollen wir Dir danken T,da-' was Du für uns thust!" rief jetzt das junge Mäd- chen und küßte Ludwigs Hand mit Thränen in den Augen. von meinem Thun, ich Ä»” "* * m“ 6aIte- ®ie * -- n^tzt einigermaßen wieder Hoffnung Obersteiger Krützner da war und meldete, r r» Jn der Felix-Grube bei den Rettungsarbeiten thätia seist, blickt er nicht mehr so trüb in die Zukunft." 9 9 „3«, es ist ein schwerer Schlag für Deinen Vater," be- | Aeiiierirnntzrges« Spargel aufzubewahren. Ein sehr einfaches Verfahren besteht im Aufbewahren in Kleie. Der Spargel wird rein gewaschen und mit einem Tuche gut abgetrocknet. Dann nimmt man getrocknete Kleie mit bräunlich geröstetem Salz, bringt davon zu unterst in einen Topf, legt darauf eine Reihe Spargel, dann wieder eine Lage Kleie und geröstetes Salz, dann wieder Spargel und so fort, bis der Topf ziemlich voll ist. Die oberste Schicht muß aus Kleie bestehen, wird etwas festgedrückt und dann der Topf mit zerlassenem, warmem Fett begossen. Das letztere dient dazu, die Luft von dem Inhalte abzuschließen. Der Topf wird an einen trockenen, aber kühlen Ort gestellt. * # • Kranke Topfpflanzen werden nicht immer von Würmern befreit durch Aufgießen von heißem Wasser; bei engen, tiefen Töpfen, wie sie auch zu Blumenzwiebeln verwendet werden, ist vorsichtiges Umpflanzen mit Zuführung von entsprechen- den Nahrungsmitteln meist erfolgreicher. Gar zu heißes Wasser kann auch die Pflänzchen verbrühen: über 50° R. soll es schon nicht sein. * ♦ Mittel gegen Erdflöhe. Ausgelaugter Hopfen hat für die Landwirthschaft größere Bedeutung, als wohl Mancher anzunehmen geneigt ist. Abgesehen davon, daß er im getrockneten Zustande ein vortreffliches Mittel ist, von den zungen Kohlpflanzen die so verderblichen Erdflöhe fern zu halten, besitzt er auch ganz bedeutenden Düngerwerth. — Ein weiteres Mittel. Man mengt unter einen Liter Sägemehl 30 Gramm Schwefelblüthe und bestreut die Gemüfefelder, auf denen der Schädling haust, fo dünn wie beim Aussäen von Samen- Auch läßt sich ein Absprengen mit Wasser anwenden, ohne die Wirksamkeit des Mittels zu verringern. ♦ ♦ Oelflecken aus Holz (Stubcndielen, Tischplatten re.) zu entfernen. Dazu empfiehlt sich das Ueberstreichen der betreffenden Stellen mit Bolus. Das Fett wird hierbei von dem porösen Thon aufgesogen. Bei ver» alteten Fettflecken wird man sicherer zum Ziele gelangen, wenn man gebrannte Magnesia mit Benzin zu einem mäßig steifen Brei durchrührt und die Mischung austrägt. Durch das Benzm wird das Fett gelöst und aus der ausgesogenen Lösung wird nach dem freiwilligen Verdampfen des Benzins das Fett durch die lockere Magnesia zurückgehalten. Erforderlichen Falles ist die Prozedur mehrmals zu wiederholen. Vor der Anwendung des Bolus refp. der mit Benzin getränkten Magnesia muß selbstverständlich erst der Oelanstrich entfernt werden, was am einfachsten wohl durch Abhobeln zu erreichen ist- — Flecken aus fetten Oelen in Stubendielen, Tischplatten rc. bestreiche man mit grüner Seife und wasche sie nach 24 Stunden mit kaltem Waffer ab. Petroleumflecken entfernt man durch Auflegen eines Tuchlappens oder Löschpapiers, über welche man mit einem heißen Bügeleisen fährt. Auf letztere Weife entfernt man auch schnell und sicher Petroleumflecke aus Kleidungsstücken. ♦ Neber die Fütterung der Kanarienvögel mit Cayennepfeffer enthält die Thierbörse folgende Mittheilung eines Kanarienzüchters: Ich habe in diesem Jahre den ersten Versuch gemacht, rothe Kanarien zu züchten, und habe dieselben dann an Herrn Schwanebeck, St. Andreasberg, abgegeben. Der Versuch, rothe Kanarien zu züchten, ist sehr gut äusgefallen, und ich bin Willens, das nächste Jahr alle jungen Vögel mit Cayennepfeffer zu füttern. Wenn die jungen Vögel 6 Wochen alt waren, habe ich dieselben einzeln gesetzt, habe ihnen Rüb- sarnen, wie gewöhnlich, gegeben und zwischen das Weichfutter, welches aus einem hartgekochten Ei, einem feingerollten Zwieback und Anfangs einet Messerspitze voll Cayennepfeffer bestand, nach und nach etwas mehr Cayennepfeffer, bis schließlich einen hochaufgehäusten Theelöffel voll gegeben. Den Vögeln bekommt dies sehr gut; nicht ein einziger ist mir eingegangen. Den Cayennepfeffer habe ich v^n Herrn Capelle in Hannover bezogen. Wenn man die rothgoldene Farbe bei den Vögeln erhalten will, so muß man sie auch in der Mauserzeit mit Cayennepfeffer füttern, denn sonst bekommen sie ihre natürliche Farbe wieder. Man kann aus jedem Kanarienvogel einen rothen Kanarienvogel machen, wenn man ihn während der Mauser mit Cayennepfeffer füttert. Es schadet ihnen dies in der Gesundheit auch nicht im Geringsten, wenn sie auch wieder das gewöhnliche Futter bekommen. Die Jungen von rothen Vögeln werden nicht roth, wenn sie nicht auch mit Cayennepfeffer gefüttert werden. Oerinischtes. Ueberflüssige Mühe. Touristin (die sich von ihrem Führer hat küffen taffen): „Ach Seppel, ich glaub', wir sind etwas zu weit gegangenI" — Seppel: „Gewiß, das hätten S' aa drunten hab'n könna!" * • Mitleid. A.: „Könntest Dir auch längst einen neuen Hut zugelegt haben, alter Freund I" - B.: „Hm, Du scheinst besser über meine Kaffe orientkt zu fein, wie ich!" Aus dem physikalischen Examen. Professor: „Herr Candidat, können Sie mir sagen, wo die Telegraphie ihre größten Triumphe feiert?" — Candidat: „Jawohl, vor Ultimo, wenn man vom Alten schnell Geld haben will." ♦ ♦ Der Beweis. Straßenhändler: „Hier sehen Sie das Staunenswertheste l Die größte Erfindung der Neuzeit! Das ächt englische Brillantstahl-Messer, mit dem kann der dümmste Kerl Glas schneiden! Probiren Sie 'mal Herr Nachbar!" Auch ein Vorth eil. Bürgermeister: „ . . . . Wenn Euer Ort mit unserer Stadt vereinigt wird, so wird das schon infoferne von Nutzen fein, als Eure Gärtner mit ihrem Kräutel« werk nicht mehr in die Stadt fahren müssen, denn sie werden ja schon d'rin fein!" , * Bestätigt- Sonntagsreiter: „Und wie der Gaul parirt, fälltest Du fehen; er steht wie eine Mauer!" — Freund: „Ich hab's diesen Morgen gesehen; er stand ja fast eine halbe Stunde so!" * * Mißliche Antwort. * Weinhändler (zum Kunden): „Daß Sie nur reine Weine von mir erhalten, geht daraus hervor, daß alle meine Weine von einem Chemiker untersucht sind!" — Kunde: „Das will nichts sagen, mein Lieber; denn der Chemiker kann noch mehr geschmiert fein, als der Wein!" Doppelsinnig. Junger Ehemann: „Geh', Rosa, brate doch einmal eine Gans, aber eine solche, wie wir sie an unserem Hochzeitstage gegessen haben." — Frau: „Ja, so eine Gan«, wie an Deinem Hochzeitstage, bekommst Du schwerlich mehr. • * Zwischen Ehegatten* Er: „Du bist nicht sparsam genug." — Sie: „Wenn eine Frau nicht sparsam ist, die ihr Brautkleid für ihre zweite Ehe schont, dann weiß ich nicht, was sparsam ist" * Verlockend......In der That, gnädige Frau, Sie müssen eine wirklich perfecte Köchin besitzen! Die Speisen smo ja vorzüglich zubereitet!" — „ •.. Und denken Sie sich, diese perfecte Köchin bekommt 'mal — meine Tochter mit!" Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießm.