Nr. 123 Sg^Bp&jgjgj Jr-'.rf' A*f" %MkjSN3m!! MWHWKZ WWL» UMs-^WÄMKÄi . *’Z- , • * < > • MM^W ssKWWW ftür. j-afeg iMMMAMWWWUWWHMWSSWWK^^BM t-MrMWsKtSv^FME^7^MBML^ «MSrMLWLr«MMVDLMM^/ rWW :v:: ,/nns ^DDA^Ä EMMMV Donnerstag, den 19. Oktober. Dunkle Mächte. Novelle von B. Corony. (Fortsetzung.) „Wie ernst und still ist Ihre Freundin geworden, die einst durch unversiegbar scheinende Heiterkeit Aller entzückte/" sagte Werner eines Tages zu Magda, als die junge Frau den Garten verlaffen hatte, um im Hause einige Befehle zu et» theilen. „Der Gram ist nicht leicht aus einem Herzen gleich dem ihrigen zu bannen," erwiderte das Mädchen. „Ich hielt sie für glücklich." „Geliebt, von Allem umgeben, was das Auge eines Weibes zu erfreuen vermag und einen hochgeachteten Namen tragend, sollte und müßte sie es auch sein, aber eine bittere Täuschung bereitete ihr unheilbaren Schmerz. Doch darüber zu sprechen bin ich nicht berechtigt. Die Sache wurde als Geheimniß be» handelt und daher —" „Ihre Worte beziehen sich wohl auf das Verschwinden der Kasiette und auf Erich von Degenfeld?" fragte er ruhig. „Mein Gott, von wem erfuhren Sie, was vorgefallen ist?" tief sie bestürzt. „Natürlich von Erich selbst. Wir waren schon zu jener Zeit innig befreundet und correspondirten eifrig. Er theilte mir sofort mit, was sich ereignet hatte und durch welch' ein rätselhaftes Zusammentreffen seltsamer Umstände der Verdacht auf ihn gelenkt wurde." „Es war schrecklich — schrecklich! Die arme Rafaele!" stöhnte Magda. „Ich versage ihr mein innigstes Bedauern keineswegs, aber sie hätte nicht so schnell den Glauben an ihn verlieren sollen." „So schnell? — Gott weiß, daß sie den SLwerkompro- mittirten warm vertheidigte und sich mit verzweifelter Energie an die Hoffnung klammerte, es werde ihm doch noch gelingen, sich zu rechtfertigen. — Da es nicht geschah, gab sie endlich dem Wunsch der kranken Mutter nach, und reichte Frank die Hand. — Aber ruhig ist es noch immer nicht geworden in ihrer Seele. An der Seite des edlen Mannes findet sie kein Glück, weil ihr die Fähigkeit, zu vergessen, leider nicht verliehen ist." „Sie selbst scheinen unter dem Druck dieser Verhältnisse zu leiden," sagte Werner, fie lange und forschend betrachtend. „Wie wäre es anders möglich? Als Rafaele Georgs Braut geworden, zürnte ich ihr, weil ich ahnte — nein, wußte, daß sie ihn elend machen würde. — Es ist wirklich so gekommen. Sie sind Beide beklagenswert. Könnte ich ihnen nur helfen! Könnte ich nur die Erinnerung an einen Unwürdigen aus dem Herzen dieser Frau reißen, der so viel gegeben ist und die es nicht weiß und nicht wissen will, weil ihre Gedanken immer wieder zu der Vergangenheit zurückkehren, weil sie sich in ihren Kummer hüllt, wie in einen schwarzen Schleier, durch den man selbst den blauen Himmel und die lachende Natur nur in trüber, düsterer Beleuchtung sieht." „Erich ist kein Unwürdiger," sagte Werner mit großer Entschiedenheit. Ueberrascht und zweifelnd blickte sie zu ihm auf. „Einst dachte ich auch so — doch das ist längst vorüber." „Warum?" „Weil er nichts that, um seine Ehre von diesem Fleck zu reinigen. Weil er nicht den Muth hatte, noch einmal vor Rafaele hinzutreten und sie mit der unwiderstehlichen Macht der Wahrheit von seiner Schuldlosigkeit zu überzeugen." „Sagen Sie lieber: weil ihm sein Stolz verbot, sich ihr zu nähern, nachdem Frau von Waldau auf die Frage: „Theitt auch Rafaele diesen Verdacht?" erwiderte: „Was die Augen sehen, kann selbst das zärtlichste Herz nicht leugnen." — In solchem Falle würde auch ich ohne Abschied gegangen fein." „Aber Sie hätten dann doch sicher Alles gethan, um den wahren Thäter zu entdecken." „Was berechtigt Sie zu der Annahme, daß Erich das nicht auch that?" „Der Umstand, daß das Dunkel heute noch ebensowenig gelichtet ist, wie vor nun beinahe fünf Jahren." „Es gibt finstere Thaten, die kaum an das Tageslicht zu bringen sind, weil der Einzige, welcher Zeugniß abzulegen im Stande wäre, seine guten Gründe hat, zu schweigen." „Ich verstehe Sie nicht, sehe aber, daß Degenfeld einen mächtigen Anwalt in Ihnen besitzt." „Er ist mein Freund, an dessen Ehrenhaftigkeit ich glaube, wie an meine eigene. Ich weiß, daß er das Licht nicht zu scheuen braucht und ebensowenig in träger Gleichgiltigkeit verharrte. Sein geringes Vermögen und den Frieden seiner Nächte opferte er in rastlosem Ringen nach einer Klarlegung des Unbegreiflichen. Er ruhte nicht, bis ich ihm sagte: „Gieb es auf, einen raffinirten Dieb, einen Verbrecher im gewöhnlichen Sinne des Wortes zu suchen. Du hast mit andern Mächten zu kämpfen und diesen gegenüber besitzest Du keine Waffen." — Doch davon später! Sie sehen mich fragend an und ich kann vorläufig keine Erklärung geben. Erich von Degenfeld ist jetzt der Verwalter eines großen Gutes bei Königs- L- 490 berg und erfreut sich des unumschränktesten Vertrauens und ; Ehre retten kannst, dann bist Du mehr als mein Bruder, dann der höchsten Achtung des greisen Besitzers." hast Du mir das Höchste wiedergegeben, denn ich gestehe offen: nur Deiner Energie, nur Deiner gewaltigen Willenskraft ist „Ich möchte so gern an seine Rechtschaffenheit glauben, aber ich kann er nicht mehr, und inRafaelensHerzen dürfen keine neuen Zweifel wachgerufen werden. — Ich will nicht, es zu verdanken, wenn ich mir nicht längst eine Kugel durch den Kopf jagte. Was soll auch ein Mensch, dem ein so häß- liches Brandmal aufgedrückt ist, auf dieser Welt? — Mag sich doch so bald als möglich der Hügel über ihm wölben! Ich bin am Ziele deffen, was ich thun konnte — mein Heil steht nur mehr bei Dir." „Und ich halte Wort!" sagte Werner, den Brief verschließend. In Clauswitz ankommend, hörte er, Doctor Frank sei seit einigen Tagen verreist und seine Rückkunft noch unbestimmt. In dem kleinen blauen Salon empfing ihn Magda. „Rafaele schläft," sagte sie. „Gönnen wir ihr die kurze Ruhe: Ich möchte sie nicht stören. Sie blieben uns aber recht — recht lange fern." „Hätten Sie mich vermißt?" fragte er lebhaft, ihre kleinen Hände in die seinen schließend. Ein sanftes und schnell schwindendes Roth särbte die schmalen Wangen. „Warum sollte ich es leugnen, Doctor Werner? Ich und meine Freundin, wir leben in selbstgeschaffe» ner Einsamkeit, die uns doch mitunter peinlich wird. Rafaele will nicht in die Welt treten und ich füge mich dem, was sie bestimmt. — Da sehnt man sich denn doch nach offener, ehrlicher Aussprache, nach dem lieben Gesicht eines aufrichtigen Freundes — und das sind Sie uns ja, nicht wahr?"-- „So gewiß ein Gott im Himmel lebt, will ich nur dar Rechte und Gute!" „Ich glaube es." Kindlich zutraulich klangen diese leise und fast andächtig gesprochenen Worte. „Daß ich es nur gleich sage, Fräulein von Bodenstein, ich komme mit einer Bitte. Darf ich auf Gewährung derselben hoffen?" „Wenn diese in meiner Macht liegt, sicher." „Sie sagten mir, Frank habe Sie wiederholt in hypnotischen Schlaf.versetzt." „Ja, das ist geschehen. Später genügte schon ein bloßer Auslegen seiner Hand, ein scharfes Fixiren, um den seltsamen Zustand hervorzurufen." „Würden Sie mir auch gestatten, Sie zu hypnotisiren?" Erstaunt blickte sie ihn an und erwiderte nach längerem Zögern: „Vorausgesetzt, daß Rafaele damit einverstanden ist und zugegen sein will: ja." In diesem Augenblick erschien die junge Frau auf der Schwelle. Ein lang herabwallendes Gewand von blauem Cachemir umhüllte die herrliche Gestalt. Das goldig schimmernde Haar war nur kunstlos aufgesteckt und zeigte gerade deshalb seine bewunderungswürdige Fülle- Einzelne schwere, flimmernde Locken hatten sich gelöst und lagen auf Schulter und Busen. Magda flog ihr entgegen. „Doctor Werner möchte mich in magnetischen Schlaf versenken," sagte sie mit reizendem, etwas verlegenem Lachen- „Ich weiß nicht, wie Du darüber denkst und machte ihm natürlich keine Zusage. Du müßtest ja dabei sein- Aber wenn er Dir unangenehm ist, wenn Du meinst, es unterbliebe bester —" „Durchaus nicht," unterbrach Rafaele. „Was Georg so und so oft gethan, kann doch nichts Unrechtes sein- Ich bin gerne bereit, dem interestanten Experimente beizuwohnen." „So lasten Sie uns nicht länger zögern!" rief Werner mit einer gewiffen Hast. Er geleitete Magda zu dem Divan. Sie sank in die weichen, schwellenden Kisten, stellte die Füßchen auf das Fell eines Tigers und blickte starr nach dem glänzenden Gegenstand, den der junge Arzt ihr zeigte. Allmälig schloffen sich auf sein Geheiß die langen, an den Enden umgebogenen Wimpern. Eine seltsame, unerklärliche Bangigkeit ergriff Rafaele- Oft genug hatte sie solchen Experimenten beigewohnt, ohne sonderliche Erregung zu empfinden, und jetzt machte athem- beraubende Angst ihr Herz mit wilder Heftigkeit schlagen und eisiges Schauern durchbebte sie wie Fteberfrost. Die Bitte: daß es geschieht! Frank soll glücklich sein!" Wie die schwarzen Augen heiß und leidenschaftlich funkeln konnten! Etwas wie Eifersucht schlich sich in Werners Seele. — Und doch — was ging ihn denn das kleine Mädchen an? — Nicht um ihretwillen, sondern um eine heilige Mission zu erfüllen, um sein verpfändetes Ehrenwort zu lösen, war er gekommen. „Auch ich bin ja leider, wenigstens vorläufig, nicht im Stande, Entlastungsgründe geltend zu machen. — Gleichwohl könnte vielleicht in jener Nacht, als Frau von Waldau im narkotischen Schlafe lag, das Kästchen geraubt worden sein," bemerkte er. „O nein! Wozu das, was längst nach allen Richtungen hin erwogen wurde, noch einmal erörtern? Die Dienerschaft schlief in den Parterreräumen. Nur ich und Frank wachten. Mir würde sicher kein Geräusch, wäre es auch noch so leise gewesen, entgangen sein." „Möglicherweise wurden Sie selbst vom Schlummer übermannt." „Das stelle ich entschieden in Abrede! Diese Voraussetzung kränkt mich- Wie sollte mich die Sorge um ein theures Leben und das heilige Versprechen, welches ich der Freundin gab, nicht wach gehalten haben?" „Und Niemand blieb Ihnen zur Seite?" „Niemand. Nur Frank gab mir die nöthigen Verhaltungs- ' maßregeln und zog sich dann ebenfalls zurück. — Doch jetzt genug davon! Rafaele kommt. Sprechen wir von etwas Anderm." „Nicht wahr, ich blieb recht lange fort?" sagte die junge Frau freundlich lächelnd. „Es war mir unmöglich, die blaue Seide, welche ich zu meiner Stickerei bedarf, aufzufinden. Nun, lieber Doctor, wollen wir uns von jenen fröhlichen Tagen unterhalten, wo wir gleich muthwilligen Kindern durch den Garten liefen und heitere Spiele arrangirten. Ihnen muß das Alles jetzt freilich recht nichtig vorkommen." „Da irren Sie sich, gnädige Frau. Ich gedenke immer noch gern jener Zetten und vor Allem des Abends, an welchem Doctor Frank Fräulein von Bodenstein in Hypnose versetzte und dadurch in glänzender Weise über einen argen Zweifler siegte." „Wie beschämt der Gerichtsrath Wernecke dann war!" rief Magda lachend. „Und mit Recht! — Sind Sie seitdem wieder in hypnotischen Schlaf versetzt worden?" „O gewiß — mehr als einmal — doch wann und wie oft das geschehen ist, weiß ich nicht anzugeben." „Doch Sie, gnädige Frau? Ihr Herr Gemahl stellte doch sicher auch mit Ihnen Versuche an?" Rafaele schüttelte verneinend den Kops. „Er wollte es, aber ich sträubte mich mit aller Macht meines Willens dagegen. Nein, in dieser Hinsicht hätte ich niemals nachgegeben. Es mag kindisch, lächerlich erscheinen — aber ich lasse meine Gedanken, mein ganzes Sein nicht unterjochen. Mich in Hypnose zu versetzen, gelang ihm nicht und wird ihm nie gelingen. Dagegen wehre ich mich ebenso entschieden, als wenn mir jetzt Jemand Eisenfesseln anlegen wollte." Noch eine halbe Stunde verweilte Werner bei den Damen, von Verschiedenem sprechend, und entfernte sich darauf, nachdem er die freundliche Aufforderung, bald wieder in Clauswitz zu erscheinen, erhalten hatte. IX. Einige Zeit verging, ehe der junge Arzt wieder das berühmte Sanatorium besuchte. Es gab viel zu thun in P. Er hatte sich eine Wohnung gemiethet. Auch ein Schreiben von Erich von Degenfeld war eingetroffen und die letzten Zeilen desselben lauteten: „Wenn Du das vermagst, wenn Du meine , !- 491 „Wecken Sie Magda!" schwebte ihr auf den Lippen und brückte sich wohl auch in ihren Zügen aus, denn Werner winkte ihr mit ernstem Blick und gebieterischer Geberde, zu schweigen, und sie gehorchte, gleichsam selbst unter der Macht eines stärkeren Willens stehend. In die Ecke des Sophas geschmiegt, dessen Purpurfarbe die Schwärze des üppigen, krausen Haares und die Bläffe des seinen Gesichtes noch mehr hervorhob, sah das Mädchen unheimlich schön aus. „Schlafen Sie fest?" fragte Werner. „Ich schlafe," erwiderte sie, kaum die Lippen bewegend. „Dann versetzen Sie sich in jene Nacht zurück, wo Frau von Waldau, schwer erkrankt, Ihrer Aussicht und Pflege überlasten wurde." „O nein — nein! Nur solche Erinnerungen nicht heraufbeschwören!" flüsterte Rafaele, ohne zu wissen, was sie mit peinlichem Zagen erfüllte. „Schweigen Sie!" gebot er leise, aber mit einem Herrscherton, vor dem sie verstummte. „Erinnern Sie sich aller Vorgänge jener Nacht?" „Ja." — „Was geschah, als Frau v. Waldau im tiefen, narkotischen Schlummer lag?" „Ich ging zu Rafaele hinüber und beruhigte sie." „Und dann? „Dann kehrte ich an das Bett der Kranken zurück." „Wen fanden Sie dort?" „Frank und Katharina." „Was geschah weiter?" „Er schickte die Dienerin fort." „Und dann?" „Dann legte er die Hand auf meine Stirne und befahl mir Sie zögerte. „Was?" Die Hypnotisirte antwortete nicht. Noch einmal fragte Werner, ohne ein besseres Resultat zu erzielen- „Wecken Sie sie," flüsterte Rafaele, sich, einer Ohnmacht nahe, schwer auf den Tisch stützend. „Mir ist, als würde ich Furchtbares, Grauenhaftes hören. Nie war mir zu Muthe, wie in dieser Stunde." Werner achtete kaum auf ihr leises, angstvolles Flehen, und Magda diesem traumhaften Zustand zu entreißen, würde ihr unmöglich gewesen sein. Wie es stets bei tiefen Hypnosen der Fall ist, reagirte das Mädchen nur auf die Befehle des Hypnotiseurs. Werner mußte die Suggestion mehrmals wiederholen, ehe sie angenommen wurde. Marmorblaß, gleichsam zu Stein erstarrt, stand die junge Frau da. Ein unbeschreiblich banges Vorgefühl lastete mit erdrückender Schwere auf ihr. Die immer wieder von Neuem ausgesprochene Frage: „Was sagte Frank zu Ihnen, nachdem er die Hand auf Ihre Stirne gelegt hatte?" war ja ganz unverfänglich und bezog sich nur auf die damals ertheilten ärztlichen Verhaltungsmaßregeln — und dennoch harrte die athemlos Lauschende der Antwort mit sinnverwirrender Angst. „Er sagte," erwiderte Magda endlich, „wenn die auf dem Kamin stehende Uhr eine halbe Stunde nach Mitternacht zeigt, werden Sie den Schlüssel, welchen Frau v. Waldau so sorgfältig verwahrt, aus seinem Versteck nehmen und den alten Schreibtisch aufjchließen." Wie von einem bösen Traum gequält, stöhnte Rafaele und preßte die Hände an die fieberhaft hämmernden Schläfen. „Was that und sagte er weiter?" mahnte Werner mit befehlendem Ton. „Dann gab er mir die Gemme mit dem Januskopf in die Hand und fuhr fort: „Sie werden diesen kleinen Gegenstand in die mittlere Schublade legen, die Kassette aus oxydir- tem Silber jedoch wegnehmen und an der Thüre des Zimmers, welches ich in dieser Nacht bewohne, niederstellen, den Schlüssel an seine gewöhnliche Stelle legen und erwachen, ohne sich dieser Vorgänge und meines Befehls zu erinnern." „Was geschah nun?" „Ich that, wie mir besohlett wurde." „So war sie es, die ich in jener Nacht an meiner Thüre vorüberhuschen hörte. Es ist furchtbar! — Grauenvoll!" Rafaele taumelte, griff mit den Händen in die Luft und machte eine Bewegung, als wolle sie fliehen. Wie eine gräßliche Vision, wie eine Verkörperung des Finstern, Unheil- bringenden gewahrte sie in diesem Moment Frank unter der Portiere stehend, die Brauen gefurcht, das Antlitz verzerrt von Wuth und Verzweiflung. Bei seinem Anblick wandte sich die in tiefster Seele Erschütterte mit einer Geberde des Entsetzens ab und stürzte durch die andere Thüre aus dem Zimmer. Gleich darauf war auch Frank verschwunden, ohne daß Werner und die nun wieder erweckte Magda ihn bemerkt hätten. Letztere wußte nun nichts mehr von Dem, was sie im hypnotischen Schlaf ausgesagt. Der Schleier des Vergessens hatte sich neuerdings wohlthätig über jene traurigen Vorgänge gesenkt. „Bleiben Sie noch hier. Sie sind erschöpft und bedürfen der Ruhe," bat der junge Arzt und eilte zu Rafaele hinüber, die er in einem Zustande höchster Aufregung traf. „Das Mädchen darf nichts von alledem erfahren! Nicht wahr, Sie sehen selbst ein, daß wir sie schonen müssen," sagte er hastig und unfähig, schmerzliche Sorge zu verbergen. „Ihr können und dürfen Sie doch nicht zürnen. Trotz dieser That ist sie rein wie der Engel Gottes." „Ich weiß es! — Wie sollte ich so ungerecht und lieblos sein, das arme Kind für das schwerste Leid meines Lebens verantwortlich zu machen?" erwiderte die junge Frau. „Aber lassen Sie mich allein. Ich kann jetzt nicht sprechen." „Fräulein v. Bodenstein hat, wie gesagt, Alles wieder vergessen —" „Ich werde sie nicht daran mahnen. — Leben Sie wohl, lieber Herr Doctor. Verzeihung, wenn ich Ihnen unfreundlich erscheine. — Mir ist, als müsse ich vergehen in hoffnungslosem Jammer. Welche Zukunft liegt vor mir!" — „Gnädige Frau" — „Still! — Lassen Sie mich allein." Er gehorchte. Hier konnte kein Sterblicher Trost und Rath bringen. Was nun zu geschehen hatte, das mußte diese große, fleckenlose Seele selbst und ohne fremden Beistand finden. Ein schweres, furchtbares Ringen begann. Wie eine Wahnsinnige, die vergebens den Ausgang sucht, um immer wieder vor verschlossenen Thüren und vergitterten Fenstern zu stehen, schritt Rafaele rastlos auf und ab. Sie fühlte, daß es ihr unmöglich sei, länger mit dem Manne, der sie so elend gemacht und in so satanischer Weise ihr Schicksal gelenkt hatte, zu leben. Es war ihr, als müsse das Dach, als müßten die Wände des Hauses einstürzen, um sie und ihn zu begraben. Nervös schrak sie zusammen, sich plötzlich von weichen Armen umschlunaen füülend. „Was ist Dir, Du Liebe?" fragte Magda, die leise ins Zimmer geschlüpft war, zärtlich, und küßte die blassen, zuckenden Lippen der Freundin. „Nichts! - Nichts!" „O doch! Man könnte meinen, es sei Dir Furchtbares geschehen." „Genug — genug! Frage nicht!" „Hast Du kein Vertrauen mehr zu mir? — Ich will ja nur Dein und Georgs Glück." „Das vermag uns kein Gott zu geben." „Rafaele! — Ich fürchte mich vor Dir- Du siehst so fremd — so zürnend aus." „Was soll ich Dir erwidern? Ich möchte ungestört sein." „So schroff hast Du mich noch nie von Dir gewiesen." Mit von Thränen überströmtem Gesicht wandte sich Magda der Thüre zu. Die junge Frau eilte ihr nach und schloß sie leidenschaftlich in die Arme. „Vergieb, wenn ich Dich kränkte! Ach, Du armes, theures Kind! Nie warst Du mir so lieb, wie gerade jetzt. Ich habe ja nun Niemand mehr auf der Welt, als Dich, mein süßes 492 — Herz, meine kleine, treue Freundin, die immer nur das Beste beabsichtigte." „Ja, weiß Gott, das that ich! Es ist keine leere Redens, art, wenn ich sage: Zu jeder Stunde würde ich mein Leben für Dich und Frank hingeben. - O, daß Ihr einander nicht näher treten, daß Ihr Euch nicht verstehen könnt!" „Schweige!" Wie hart das klang! Magda sank auf einen Stuhl, legte die Arme auf den Tisch, ließ den Kopf auf die ineinander verschlungenen Hände sinken und schluchzte leise. Es war ihr unaussprechlich weh zu Muth. Rafaele nahm ihr unruhiges Umherwandern wieder auf. „Was thun? Was gebietet mir jetzt meine Pflicht?" fragte sie unablässig, ohne eine Antwort zu finden. Brennendes Verlangen, ihre Freiheit zurückzufordern, beherrschte sie und dennoch war das Zagen vor dem Moment, welcher sie Frank zum ersten Male wieder gegenüberstellen würde, sogar mächtiger als dieser Wunsch. „Ich glaube, mein Herz muß aufhören zu schlagen, wenn dreser Mann vor mir erscheint," dachte die mit Todesangst Kämpfende. Doch der gefürchtete Augenblick kam nicht. Georg, früher als beschlossen, von der Reise zurückgekehrt, unterließ es dennoch, ferne Frau, wie gewöhnlich, zu begrüßen. Er mußte sehr be> schästigt sein, denn noch bis spät in die Nacht hinein brannte Licht in seinem Zimmer. (Schluß folgt.) Gsnreiirnütziges. Sauerkraut. Soll das Einlegen des Sauerkrautes gelingen, so muß man zunächst auf geeignete Gefäße bedacht sein. Am besten eignen sich Weinfässer dazu, in denen weißer Wein gelegen hat. Muß man sich neuer Fässer bedienen, so sind diese nicht nur durch Auswässern vom Holzgeschmack zu befreien, sondern auch mit Essig einzureiben oder auch mit Sauerteig einzuschmieren, um die Gährung zu befördern. Sie dürfen keinen faulen, dumpfigen oder sonst unangenehmen Geruch haben. Fässer, die schon zum Einlegen von Sauerkraut gedient haben, müssen, wenn sie wieder dazu benutzt werden sollen, mit heißem Wasser ausgebrüht werden. Besser ist es, für den Hausgebrauch das Kraut in mehrere kleine Fässer einzulegen; denn wenn ein Faß einmal angebrochen ist, leidet dadurch die Haltbarkeit des Sauerkrautes. Die Kohlköpfe säubert man von schmutzigen und faulen Blättern, schneidet sie in zwei Theile und hobelt sie auf einem Krauthobel. Ent- weder muß man vor dem Hobeln die Strünke aus dem Kraut genommen haben oder man darf das Kraut nur bis auf die Strünke hobeln, da diese nicht zum Sauerkraut kommen dürfen. Der gehobelte Kohl wird in abwechselnden Schichten mit trockenem Dillsamen und Salz in das Faß gelegt. Jede Krautschicht sei etwa 3 Zoll tief. Auf dreißig Stück fester, mittelgroßer Köpfe rechnet man ungefähr ein Pfund Salz und 60 Gramm trockenen Dill. Der gehobelte Kohl wird von Zeit zu Zeit fest eingestampft, wobei man den aufsteigenden Schaum abntmmt. Ist das Faß voll, so werden frische Krautblätter darüber, ein passender Deckel aufgelegt und mit Steinen beschwert, damit die Brühe ganz über das Kraut tritt, weil es sich sonst nicht halten würde. Man kann aber auch das Faß in den ersten Tagen offen stehen lassen, was die Säuerung beschleunigt, und erst dann den beschwerten Deckel auflegen. ♦ ♦ • Zur Verbesserung des Brodes. Ein zwar nicht neues, so doch wenig bekanntes Mittel zur Verbesserung des Roggenbrodes besteht in dem Zusatz von abgerahmter Milch an Stelle des Wassers. Die Menge der zuzusetzenden Milch richtet sich nach der Qualität der Mehles. So braucht man 1 Kilogramm 1890er Mehl 640 Gramm Milch, für 1 Kilo- gramm 1891er Mehl jedoch nur 500 Gramm Milch. Der Geschmack einer solchen Brodes ist voller und kräftiger, das Brod ist reicher an Rährwerth und leichter verdaulich. • * Wann ist die Schweinezucht lohnend? Wenn man für geräumige Stallungen und für absolute Reinlichkeit sorgt. Wo der Stall aus alten, morschen Brettern zusammen» geschlagen ist und einer Hundebude ähnlich sieht, kann von einer lohnenden Zucht und Mästung keine Rede sein. * * * ttm bei starken Stiefeln sehr hart gewordenes Oberleder wieder weich zu machen, thut man gut, wenn man die Stiefeln 24 Stunden lang in den Erdboden vergräbt. Billiges Rosenparfüm. In ein gut verschließbares Gefäß schichtet man abwechselnd Rosenblätter von stark duftenden Sorten und Salz, dem einige Tropfen Alkohol zugefügt werden. Das Gefäß wird gut verschlossen und kühl aufbewahrt. Will man nun das Zimmer mit Rosenduft erfüllen, so wird das Gefäß auf einige Zeit geöffnet- Vermischtes. Büchelsteinerfleifch. Weder Pichelsteiner- noch Pickel, steinerfleisch ist die richtige Schreibweise des Gerichtes und ebenso falsch sind die Commentare, die sich daran knüpfen. Zwei Niederbayern schreiben darüber Folgendes: „Im bayerischen Wald, nordöstlich von Hengersberg, liegt ein Berg, der Büchelstein. Dortselbst wurde zuerst bei den öfters von Jägern und Förstern veranstalteten Festlichkeiten, zu denen auch das Landvolk aus der Umgegend herbeikam, dieses Gericht be- reitet und fand von da aus seine Verbreitung. Der Name desselben stammt also von seinem Ursprungsort und dürste demnach weder Pichelsteiner noch Pickelsteiner, sondern „Büchel- steiner" die rechte Schreibweise sein. Dieselbe ist auch im Regensburger Kochbuch von M. Schandri — Seite 58 — an- gewendet. — Also schreiben wir „Büchelsteiner!" Der schlaue Schneider. Kunde: „Meister, ich möchte gern einen neuen Anzug haben, aber ich muß Ihnen gleich im Voraus sagen, ich kann Sie erst in vier Wochen bezahlen. Wann kann also der Anzug wohl fertig sein?" — Schneider: „In — vier Wochen." * * * Aus dem juristischen Examen. Examinator: „War wissen Sie von der Bürgschaft, Herr Candidat?" „Nur die ersten beiden Verse!" ♦ * * Mißverständnis A.: „Wie finden Sie die neuen Zwanzig. Pfennigstücke?" B.: „Weiß nicht — habe bis jetzt noch keins gefunden!" * * * Aufklärung. Richter: „Was war denn eigentlich der Grund dieser fürchterlichen Rauferei?" — Angeklagter: „Einen Verein hab'« wir halt gründen wollen!" * • Verlegen. Donnerwetter, die Witterung wird merklich kühl; wenn mir nur der verwünschte Schneider bald die Herbst- Garderobe brächte, damit ich das Sommerzeug versetzen kann! Um Mißverständnissen vorzubeugen. Reisender: „Ich vertrete die Firma Schwilig & Co. und möchte mir erlauben, Ihnen meine Sommer-Nouveautss vorzulegen." — CW: „Johann!" (Zum Reisenden): „Erschrecken Sie nicht, mein Sohn heißt so!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Unt Un die im vernomn ihn verl Jes Blatt tu ja nichts Alt hüllte er wand eii dann de „H brachte, klingelt, als fonf in* Wi tisches v das Eni mußten dem ewi sogar di Trotz, i fehltes 5 Scheider tobte di< Heiligste Nun wo Gewisser Vo verschied denen se Briefe r Retter t gehörten Worte t nützigkest »E verächtli