Verkaufs« t fetzt sich us seinem mrzeln rc., eit in den darf man h nur bei wird jetzt man den- genden, so ünat breit« rnnter Sa« eignet sich wird An« bgetragenen t- zur Sa- irchten sind, en Pflanzen es der Erde te an einen ie Pflanzen, aen, nimmt das vorbe« rten werden tragen und der rechts« nur „Weber )en ist. Zu Stenographen tist?" „Den t des Steno- ie Prise und Herr Coni- i bitten!" — jer, kräftiger er Aristokrat, >r lebt, „für ich horrende desto weniger , meine Verse aber auch gar Zaron mir die chel" — Sie' ommerfrische!" ht, wie feine t wahr, Emmy, r Laube allein l. Drenstag, den 19. September. Nr. 110. nur- ^u" iffW I q, s ; M c.a-Jj ... "ifiTyrr Das Erbe. Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg. (Fortsetzung.) Seltsame Tage waren es, die für das Fischerhäuschen begonnen hatten. In der Wohnstube war für die Mutter ein Bett hergerichtet worden, man bemerkte überall ihr sorgsames Walten, denn Ordnung und Sauberkeit, die vordem nur in geringem Grade vertreten gewesen waren, herrschten, aber zu einer rechten Behaglichkeit schien es bei beiden Bewohnern nicht kommen zu können. Erich machte sich bei dem schönen Wetter viel im Freien zu schaffen mit dem kleinen Stückchen Feld, das zu dem Hause gehörte, oder er war viele Stunden hinter einander auf der See. Wenn er dann zurückkam, war er ernst und von Gedanken hingenommen. Die Mutter sorgte und arbeitete daheim; sie hatte sich seiner vernachlässigten Wäsche angenommen, und wenn sie nichts anderes zu schaffen Halle, so saß sie mit dem Strickzeug und die Nadeln flogen in ihren fleißigen Händen. Ering kam täglich, — ob sein Vater nicht wagte, den Verkehr mit der Großmutter ganz abzubrechen oder ob er ihn nicht bemerkte? — und seine sonnenhelle Gegenwart erfreute die Beiden, die so still neben einander hergingen und schweigsam wurden, sobald sein heiteres Lachen nicht mehr das Stübchen durchschallte. Und doch sah Erich oft, wenn er er* müdet heimkehrte und in der Dämmerung still am Fenster saß, daß die Augen der Mutter auf seinem Gesicht hafteten, aber wenn er dann seine Blicke auf sie richtete, so wandte sie sich ab mit jenem scheuen, verschloffenen Ausdruck, der ihm weh that, weil er ihr früher nicht eigen gewesen war. Ob sie sich fort von ihm sehnte — aber sie hatte ihn gebeten, bleiben zu dürfen; ob seine Gegenwart sie quälte — aber ihr Sorgen und Denken «m auf seine Wohlfahrt gerichtet. Er hatte es kaum für möglich gehalten, daß die Angst, die er auf ihrem Gesicht gelesen hatte, als er einmal zu ungewohnt später Stunde von der See heimkehrte, ihm gegolten habe, aber er wußte es letzt, denn er hatte dieselbe Unruhe darin gelesen, als Ering einmal einen Tag ohne seinen gewöhnlichen Besuch hatte vorübergehen lasten. Ihre unerwartete Theilnahme that ihm wohl gerade jetzt, wo die dunklen Stunden in verdoppelter Schwere zurückgekehrt waren, wie die Wolken nach dem Regen. Wo war das Licht geblieben, das an jenem Morgen über seinem Lebenspfad aufzugehen schien, als die Mutter zuerst bei ihm weilte? Was hatte er gehofft und ersehnt, als er sie in fein Haus führte? War es Thorheit gewesen, Egoismus und Selbstliebe, die damals seine Seele erfüllten, hatte er noch nicht Stille und Ergebung gelernt? Jedermann int Dorfe sprach davon, daß Malte um Maries willen mit der Mutter in Streit gerathen war, Jedermann erwartete, sie werde als Hausfrau in Grashagen einziehen, nicht als seine geliebte Gattin, wie es hätte sein sollen, nein, mit Malte verbunden. War's zu ver* wundern, daß Erichs Herz schwer war, daß er nichts von der Schönheit des Sommerabends bemerkte, in den er am Fenster sitzend hinausschaute? Ein Geräusch weckte ihn aus seinem Sinnen, sich umwendend sah er die Mutter an seiner Seite stehen. „Erich," begann sie unvermittelt- „ist es wahr, was die Leute im Dorf sprechen, daß Malte um Marte Locke freit?" Erichs Antwort kam in einem seltsam heiseren Ton. „Ich dachte, er hätte es Euch schon gesagt, Mutter; es mag für Ering das Beste sein und auch für ihn." „Und ist es auch wahr, Erich, daß Du sie lieb hast und gern zu Deinem Weibe haben möchtest?" fragte sie schnell. Sie hatte die Hand auf seine Schulter gelegt, aber er stand so hastig auf, daß sie herabglitt. ,, „34 habe sie lieb von ganzem Herzen, aber wie könnte ich mir herausnehmen, um sie zu werben?" „Und warum nicht?" rief sie lebhaft. „Du mußt es thun, Erich, wenn sie Dir werth ist; Du darfst nicht zugeben, daß das unschuldige Mädchen sich Malte zum Opfer bringt, Du mußt dazwischen treten!" „Was weiß ich von Malte?" war seine Antwort, „was kann ich gegen ihn vorbringen, wenn der Vater und Ihr ihn der einzigen Tochter würdig gehalten habt?" Sie zuckte zusammen. „Ich, es waren Verhältnisse, —" Er hörte nicht, er fuhr erregt fort: „Was kann ich ihr bieten? Ein dürftiges Leben von der Hand in den Mund unter viel Gefahren, einen befleckten Namen, bei dem die Leute den Kopf schütteln! So lange das Brandmal des Diebstahls mir aufgedrückt bleibt, kann und darf ich ihr nicht von Liebe sprechen, und wenn mein Herz darüber in Stücke bricht. O, Mutter, Mutter, warum habt Ihr mir das gethan?" Er legte beide Hände vor das Gesicht, und sie sah, wie der starke Mann im Schmerz erbebte. Ein heißes, brennendes Weh durchzuckte sie, aber ihre Lippen blieben geschloffen. Er wandte sich von ihr und verließ das Zimmer. Die Nacht war tief herabgesunken, als er endlich wieder zurückkehrte, bleich und mit verstörtem Aussehen. Sie erwartete ihn. „Du hast nichts zum Abendbrot gegessen, Erich," sagte sie, „willst Du nicht etwas nehipen?" Er schüttelte den Kopf. „Gute Nacht," sagte er, ohne ihr wie sonst die Hand zu reichen, in» dem er durch die Stube und in seine Kammer schritt. „Gute Nacht!" Kein Schlaf kam in ihre Augen die - 438 Marie hatte ungeduldig wartend neben ihm gestanden, jetzt brach sie hervor: „Vater, daß Ihr mir da» anthun könnt und an Erich zweifeln, das kann ich nicht verstehen und —" Sie brach ab, aber auch der Pastor warf sich zu Erich» 93er« Dn «uiwv »Nit, „und ich denke, da» wird Euch auch noch klar werden. Ihr macht Euch viel Sorge und Angst, Vater Locke," fetzte er nach einer kurzen Paufe freundlich hinzu, indem er feine Hand faßte, „habt Ihr denn Euer schöne» Wort vergeßen: es kommt Alles, wie es fein soll, das heißt, wie Gott es schickt- Auch die Zukunft Eurer Tochter könnt Ihr seinen treuen Händen anverlrauen; sie ist fleißig und verständig, und sollte sie einmal Rath und Hilfe gebrauchen, fo stehen sie ihr im Pfarrhaus zu Willnick jederzeit bereit." Er hatte in dieser Weise noch weiter gesprochen; als er dann out- aebrochen war, hatte ihn Marte bi» zur Thür begleitet- „Ich danke Ihnen vielmals, Herr Pastor," hatte sie in einfachster Weife herzlich gesagt, als er den Rückweg antrat. Dies Ereigniß war dem Pastor heute und gestern wenig aus den Gedanken gekommen, er dachte auch jetzt daran, air er unter seinen Rosen umherwandelte, und er brachte Eciqr Blld damit in Beziehung, wie er ihn heute gesehen hatte, o » er zu einem Amtsgeschäft in Crumbach gewesen und ihm begegnet war. Der traurige Blick der. großen, dunkeln Augen hatte ihn schon ost schmerzlich bewegt, auch heute veranlaßte er ihn zu einem fast ungeduldigen: „O Herr, wie io lange, während er zum Himmel aufblickte, wo der Widerschein de letzten rothgoldenen Sonnenstrahlen langsam verglühte- Ein blondlockige» Mädchen kam fröhlich den ® arten! teig entlang gelaufen- „Papa, Papa, e» ist eine Frau in Deine Stube, die nach Dir gefragt hat." _ h „Wer ist's, Mäuschen?" fragte er, die kleine Hand iE „Das hat Mama nicht gesagt, und ich kannte sie nicht, I als sie auf den Flur kam." angen, schweren Stunden hindurch, und auch die seinen schien I theidiger auf. Er legte die Hand auf den Arm des Alten: er geflohen zu haben, denn als sie beim Frühstück zusammen« „Vater Locke, könnt Ihr einen größeren Beweis für Erich» trafen, sah sie die dunkeln Schatten unter ihnen und bemerkte Unschuld verlangen, als daß die Frau bei ihm Zuflucht gesucht den matten Ausdruck des bleichen Gesichts. Er hatte kein und gefunden hat, die ihm fein Leben verwüstet hat? Ich kann heiteres Wort für Ering, als er am Nachmittag erschien, nicht einen unter meinen Freunden oder Gemeindegliedern wenn er auch sanft und freundlich zu ihm sprach, als er ihm nennen, der höher in meiner Achtung stände, als Erich Hagen, auseinandersetzte, daß er ihn heute nicht mit hinausnehmen Er sah Maries Augen freudig au leuchten, und auch der könne, da er die ganze Nacht mit seinem Boote auf der See I Alte wurde nachdenklich, aber dann schüttelte er den Kopf, bleiben müße und vielleicht erst am Abend des nächsten, mög« „Ja, ja, es mag wohl fein, sagte er langsam, »aber er licherweise auch erst am übernächsten Tage nach Hause kommen hat kein Wort gesprochen und Marie kann sich chm doch nicht werde. „Und das ist noch nichts für einen so kleinen Menschen, an den Hal« werfen. Und Malte kommt alle Tage zetzt und wie Du bisi Erina" ist um sie herum und bettelt um jeden Blick. Er hat sein »ää« w» **£*b;.x ÄS Lft»Ä » äffiSfflÄEa £ LLLLLLL b wie um zu überlegen und Klarheit zu gewinnen. „Ich muß Herr von israsyagen. t,, ief ber Pastor es thun," sagte sie dann halblaut vor sich hin, „ich muß Ge« -Md das hat er Euch zu sagenl gewag^ Ast versuch ber Straße zu. I bem jebe8 eb[e Hxxz nur Abscheu fühlen kann, wollt Ihr da« arme Mädchen zwingen, das die Liebe zu einem Andern in bet Pastor Helfer verbrachte die Dämmerstunde des Sommer« Seele trägt?" und er nahm freundlich die Hand der Marie, abends in seinem Garten. Dort zwischen seinen Lieblinge^ die neben ihm stand. „ . . den Rosensträuchern, die zwar noch nicht in Blüthen, aber doch „Ich kann's nicht thun, Vater, ich kann« nicht, sagte in Knospen prangten, umher wandelnd, überdachte er noch sie leise und legte die Hand über die Augen. einmal und erwog in treuem Sinn, was ihn seit gestern leb« „Nee, Herr Pastor," meinte der alte Äscher ruhig, „sie haft beschäftigt hatte, wo er einen Besuch bei dem alten zwingen, das will ich ja nicht, aber es ist einem Vater ntcgt Fischer Locke auf dem Höwt machte. Der früher so gesunde zu verdenken —" Mann war in letzter Zeit viel leidend gewesen, und es that „Ich denke, es ist ihm sehr r» verargen, wenn er dar ihm wohl, wenn er allerlei weltliche und geistliche Angelegen« Wohl einer guten Tochter in solche Hände legen will, sagü heilen mit seinem Pastor besprechen konnte. Gestern war er ber Pastor ernst, ®,,A n,,A ganz besonders von ersteren hingenommen gewesen, und da er " ......•— ~ seinen Besucher bereit gefunden hatte, mit freundlichem Ver« ständniß auf sie einzugehen, hatte er ihm in seiner offenen Weise Alles mitgetheilt, was ihn beschäftigte. „Sehen Sie, Herr Pastor, es ist wegen der Marie, ich möchte sie nicht so I allein und unversorgt auf Erden zurücklaffen." Marie, welche am Fenster saß, stand auf, um das Zimmer zu verlaßen, aber der Vater hielt sie zurück. „Das ist nicht nöthig, Marie, daß Du gehst," meinte er, „da brauchst Du Dich zu schämen, auch nicht vor Herrn Pastor, daß ich ihm das sage, wo ich leinen Rath hören möchte. Es ist um Erich Hagen, Herr Pastor, und daß Marie ihm gut ist, und ich kann ihr's nicht verdenken, denn er ist ein stattlicher Mensch und ein Mann, wie er sein soll. Er hält auch viel von ihr, das kann man ihm ansehen, wenn er hier ist, denn er läßt die Augen nicht von ihr und ich hab' immer gedacht, er wird was davon sagen, aber er hat'» nicht gethan. Nun mein' ich, wenn er ein gutes Gewißen hätte, — Sie wißen, Herr Pastor, wie e» um ihn steht, — da hält' er wohl gesprochen: „Marie, ich habe Dich lieb und willst Du meine Frau werden?" Und ich hätte^ nichts dagegen gehabt, wenn er auch ein Schiffer ist, denn er ist doch eigentlich von Geburt ein Landmann. Aber kein Wort kommt über seine Lippen, wenn man auch steht, daß sein Herz voll ist, und das gefällt mir nicht!" = 439 S „So komm', Grete," und er kehrte mit ihr in dar Haus zurück. Als er auf der Schwelle seines Zimmers stand, ließ er die Hand der Kleinen fahren. Er hatte hier erst bemerkt, wie dunkel es schon geworden war. „Sage Mama, Gretchen, daß ich meine Lampe haben möchte," sagte er, während er die Thür schloß. Dann wandte er sich zu der ihm völlig Unkenntlichen. „Verzeihen Sie einen Augenblick, ich habe keine Ahnung, wen ich vor mir habe," begann er, indem er ihr doch die Hand reichte. „Er ist nicht nöthig, Herr Pastor," war die Antwort, „ich habe nur eine Frage an Sie, und Sie werden sie mir ebenso gut beantworten können, ob Sie wissen, wer ich bin oder nicht." Er horchte aufmerksam, kam aber zu keinem Resultat. Hatte er die Stimme mit dem etwa« eigenthümlichen Tonfall schon gehört, und wenn das der Fall war, wo? Die Frau sammelte sich einen Augenblick, ehe sie wieder begann: „Wenn Jemand ein Testament gemacht hat und er hat Einen nicht bedacht, der sonst der Nächste gewesen wäre, weil er Schlechtes von ihm geglaubt hat, und es kommt nachher heraus, daß sich das anders verhalten hat, läßt sich dann das Testament wieder aufheben?" Sie hatte nach ihrer Meinung den Sachverhalt sehr klar dargelegt und lauschte nun mit großer Spannung auf die Entgegnung de« Pastor«, die in ganz anderer Weise erfolgte, al» sie erwartet hatte. „Es kann Jedermann seinem Testamente Bestimmungen zufügen oder auch es ganz aufheben und ein anderes an feine Stelle fetzen. Ein Testament neueren Datums hebt das frühere auf," war des Pastors Ausspruch. Sie seufzte ungeduldig. „Nein, nein, so habe ich e« nicht gemeint," rief sie lebhafter. „Wenn, sage ich, der Vater nun gestorben ist und das Testament ist in Kraft getreten, worin Einer enterbt ist, der es nicht verdient hatte; läßt sich das auf keine Weife wieder gut machen?" Er wußte jetzt, wen er vor sich hatte, er wußte, wer mit athemloser Angst auf seine Entscheidung wartete. Er gab sie ernst und mit fester Stimme: „Niemals läßt sich ungeschehen machen, was Sie an Ihrem Sohne verschuldet haben, Frau In diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet; der Pastor schritt auf das eintretende Mädchen zu, dem er die Lampe aus der Hand nahm, und entließ es sofort- Dann setzte er die Lampe auf den Schreibtisch und wandte sich wieder zu der Frau, die auf einen Stuhl gesunken war und das Gesicht in den Händen verborgen hatte. Ein leises Stöhnen drang zwischen ihren Lippen hervor, dann hob sie den Kopf in die Höhe. „Und wenn ich etwa« angeben und die Schuld auf einen Andern legen könnte, Herr Pastor? Wenn ich es vor Gericht bringen könnte, daß es vor Jedermanns Augen läge, daß, daß —" Der Pastor konnte nur wiederholen: „Des Vater« Testament, dar Erich ausdrücklich von dem Erbe ausfchließt, würde in jedem Falle bestehen bleiben." Sie erhob sich, wie um Abschied zu nehmen, blieb aber zaudernd stehen und fragte dann stockend: „Herr Pastor, was weiß Erich von der Sache?" Er überlegte einen Augenblick, ehe er sagte: „Ich glaube, ich breche sein Vertrauen nicht, wenn ich Ihnen sage, daß er vermuthet, daß seines Vaters Frau — denn ich kann Sie nicht seine Mutter nennen — mit List nach seinem Erbe gestanden hat, daß sie im Verein mit dem Schwiegersohn ein Verbrechen nicht gescheut hat, ihn um sein Recht zu betrügen, denn, Gott sei Dank, um seines Vaters Segen hat sie ihn nicht bringen können. Er hatte Schritte gethan, von denen er hoffte, daß sie ihm einen Beweis in die Hand geben und seinen Namen reinigen würden, wo nicht, so wollte er wieder zur See gehen, al« seiner Schwester Tod ihn anderen Sinnes machte. Ec nahm ihr und ihrem Kinde zu Liebe die Schande vor der Welt auf sich, die seine Enterbung ihm brachte, und er trägt das Kreuz dem Herrn nach, wie es einem Manne und Christen geziemt, und ich weiß, mit welchem helligen Ernst er nach der Gesinnung gerungen hat, die dem Feinde vergibt und ihm wohlthut." „Hungert ihn, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn," sagte sie dumpf, „ich fühle die feurigen Kohlen auf meinem Haupte brennen." Eine Pause entstand, dann trat der Pastor zu ihr und legte die Hand auf ihren Arm, während er mit erschütterndem Ernst sagte: „Gott läßt sich nicht spotten, Frau Hagen; es hat kein Segen auf Ihrem Thun gelegen. Ihre Tochter ist dahingewelkt, wie ein früh verwelktes Blatt vom Baume, und nun droht dasselbe Schicksal dem Enkel, an dessen Gedeihen Sie sich erfreuten, und wessen wird sein —" Sie war bei seinen Worten erschrocken zusammengefahren, jetzt unterbrach sie ihn mit erstaunter Frage: „Wie kommen Sie zu dieser Meinung, Herr Pastor? Ertng ist gesund und kräftig. Er gleicht viel mehr seinem Onkel, al« meiner armen Tochter." „Es war mir so mitgetheilt worden," antwortete der Pastor betreten, aber sie beachtete seine Worte kaum, al« sie fortfuhr: „Das ist'« nicht, Herr Pastor, aber und dann brach hervor, was sie bisher zurückgedrängt hatte und machte sich ungestüm Bahn — „er hat mich aus der Verstoßenheit genommen in fein Haus und an seinen Herd! Er ist um mich besorgt wie ein Sohn und — o Gott, mein Gott, ich kann nicht« für ihn thun. Ich muß mit ansehen, wie ihm Alle« genommen wird, sein Gut und sein Recht und nun auch das Mädchen, da« er liebt!" Sie stöhnte schmerzlich auf, dann fuhr sie, sich scheu umblickend, fort: „Herr Pastor, es hat mir geschauert vor Malte seit meine» Manne» Tode. Wie er da so heraufstürzte und an sein Sterbebett heran mit der Lüge im Munde, denn Erich hatte mich nie bedroht! War'», daß er ihm keine Zeit lassen wollte, den Sohn zu sehen oder — ich darf nichts sagen, ich —" und sie biß krampfhaft die Zähne zusammen, als ob sie die Worte mit Gewalt zurückhalten müßte. Aber dann fuhr sie fort und hob die Hände zu ihm in die Höhe: „Helfen Sie mir, Herr Pastor, was soll ich thun," und er la» die Angst ihrer Seele in den zu ihm aufgeschlagenen Augen. Tiefe« Mitleid stieg in seinem Herzen für die unglückliche, unter den Folgen der eigenen Sünde so bitter leidenden Frau empor, und er sprach ernst und doch milde in bestimmtem Tone: „Ein offene« Äekenntniß ist da« Einzige, was Ihnen Frieden bringen kann. Sagen Sie Erich die ganze Schuld, welche Sie gegen ihn auf dem Herzen tragen." Aber sie schüttelte heftig den Kopf. „Was sollte da« nützen?" fragte sie ungestüm. „Wenn es ihm zu seinem Recht verhelfen könnte, so wäre das eine andere Sach«, aber Sie haben mir selbst gesagt, daß es unmöglich ist." „Es kann ihn nicht zum Herrn von Grashagen machen," wiederholte der Pastor und sie fuhr schnell fort: „Ich hätte es über mich vermocht, wenn das hätte fein können. Er würde dann Ering zu sich genommen haben und vielleicht — vielleicht hätte er mir noch vergeben können!" Sie sprach leise in abgebrochenen Sätzen, während sich in ihrem Ton Muthlosigkeit und so tiefer Schmerz ausdrückte, daß der Pastor tief erschüttert war, aber er konnte nur seinen Rath wiederholen: „Sagen Sie Erich Ihre ganze Schuld, suchen Sie seine Verzeihung, Frau Hagen." Wieder schüttelte sie den Kopf. „Ich kann e« nicht, ich darf es nicht wagen. Denken Sie nicht, daß die Worte sich auf meine Lippen gedrängt haben, wenn ich mich in seinem Hause Abend« niedergelegt und Morgen» erhoben habe, so daß ich die Zähne zusammenbetßen mußte, sie nicht auszusprechen? Meinem Gott habe ich'» geklagt mit Thränen und Schmerz, aber vor Menschen muß ich schweigen." Sie wartete einen Augenblick, eheste fortfuhr: „Ich habe keine Entschuldigung, ich habe keine Sühne, und meine Sünde ist grob, riesengroß. Er würde sich von mir wenden, mich hinausstoßen — und, und ich kann nicht gehen, ich muß in Crumbach bleiben." (Fortsetzung folgt.) Der Wertfi einer fiäustichen Krau. „Mit einem häuslichen Weib kann man nicht verderben!" so lautet ein altes, deutsches Sprüchwort, und es gehört zu denjenigen Sprüchwörtern, die den Nagel auf den Kopf treffen. Nur muß Keiner glauben, daß so ein Satz immer genau wörtlich genommen werden darf. Auch das allergrößte Maß von Tüchtigkeit der Hausfrau wird das Hauksreuz nicht fernhalten, denn ohne- solches kann und soll es auf Erden nun einmal nicht abgehen. Auch in einem Haus, in dem das tüchtigste Weib waltet, umzieht sich zu Zeiten der helle Erdenhimmel des häuslichen Lebens mit dunkeln Wolken. Trotzdem bleibt das Sprüchwort zu vollem Recht bestehen. Klarer und begreiflicher wird uns der Sinn des Sprüchworts, wenn wir die Worte in eine andere Faffung bringen und sie etwa so stellen: „Mit einem unhäuslichen Weib muß man verderben!" Ja freilich! Das beweisen uns klar und deutlich eine ganze Reihe von Beispielen, die wir selbst erleben. Da ist unser Freund Sorgenvoll. Er ist ein fleißiger, tüchtiger Mensch, der das Seine zusammenhält; auch befindet er sich in einer Stellung, die wenig zu wünschen übrig läßt. Er könnte und sollte ein gutes Auskommen haben, und dennoch ist sein ganzes Leben ein unaufhörlicher Kampf mit der Noch und der Sorge. Wie kommt das? Es fehlt ihm an einer tüchtigen Hausfrau oder, wie unser Sprüchwort es ausdrückt, an einem häuslichen Weib. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Frau unseres Freundes eine tolle Verschwenderin, etwa in hohem Grade putz« oder genußsüchtig wäre. Nicht einmal den Vorwurf der Arbeitsscheu kann man ihr machen, doch fehlt ihr die rechte Arbeitslust, die rege Thätigkeit, die Kunst des Haushaltens, die richtige Eintheilung der vorhandenen Mittel, die heilsame Sparsamkeit am rechten Ort, die strenge Ordnungsund Reinlichkeit-liebe, die nöthige Gewandtheit bei den häuslichen Verrichtungen. Und daher kommt es, daß sich das Leben unseres Freundes Sorgenvoll zu einem recht herben gestaltet. Fortwährend befindet er sich in bitterer Verlegenheit. Vergrämt und sorgenvoll kann er die Last nicht abschütteln, die auf seinen Schultern ruht. Zur alten Sorge gesellt sich täglich eine neue. Ganz anders gestaltet sich das Dasein unseres Freundes Freudenreich. Sein Einkommen ist ein geringeres, als das von Sorgenvoll, die Ansprüche, die das Leben an ihn stellt, sind dieselben; dennoch leuchtet ihm Helle Freude aus den funkelnden Augen. Wohlsein, Zufriedenheit und Gedeihlichkeit wohnen in seinem Hause. Und er verdankt diese Güter nächst Gott seinem treuen Weibe. Bei ihm heißt es in der That: „Mit einem häuslichen Weibe kann man nicht verderben!" Das „häusliche Weib" sorgt für Reinlichkeit und Ordnung. Es läßt keine Lumpen aufkommen. Sie und ihre Kinder erscheinen, wenn auch einfach, stets reinlich und schmuck. „Es mag ja", sagt Fritz Möhrlein, „ungewiß sein, ob lumpige Menschen lumpige Kleider machen, oder lumpige Kleider lumpige Menschen. Eins aber ist gewiß, daß Beide stets bei einander sind!" Unsere Frau Freudenreich ist beschäftigt vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Es giebt keine Arbeit, die ihr zu gering wäre. Alles im Hause muß seine Ordnung haben. Flink und fröhlich geht ihr die Arbeit von den Händen. Man braucht ihr Wirken nur zu beobachten, um ihre Geschicklichkeit zu bewundern. Namentlich in Küche und Keller macht sich ihre Tüchtigkeit geltend. Sie versteht es, Mann und Kinder durch gute, schmackhaft zubereitete und dabei doch nicht übermäßig kostspielige Speisen und Getränke zu erquicken. In der richtigen Art der Zubereitung liegt ja so häufig das ganze Geheimniß eines guten Tisches. Wie Frau Freudenreich eine Meisterin in dem Beruf der Hausfrau ist, so stellt sie sich auch die Aufgabe, ihre Töchter von klein auf in allen häuslichen Tugenden zu erziehen. Sie versäumt es nicht, den Mädchen die nöthige Gewandtheit im Nähen, Stricken, Flicken, Stopfen, Waschen, Bügeln und Kochen beizubringen. So [sichert sie sich nicht nur die Hülfe, sondern, was unendliH mehr werth ist, den Dank ihrer Töchter, sobald dieselben hinreichend herangewachsen sein werden, um zu erkennen, welch' ein großes, hohe Zinsen tragendes Capital in den haushälterischen Tugenden eines Weibes verborgen liegt, sei seine Lebensstellung, welche sie wolle- Unter solchen Umständen ist das häusliche Leben der Famile Freudenreich ein sehr gedeihliches. Behagen, Freude und Zufriedenheit machen sich allerorten geltend. Freudenreich ist im Stande, infolge der sorgfältigen, sparsamen und dabei nichts weniger äls knickerigen, häuslichen Verwaltung, die sein braves und geschicktes Weib ausübt, bei seinem bescheidenen Einkommen sein Leben angenehm zu genießen und noch einen Sparpfennig zu erübrigen. Noth und Sorge verbannt aus seinem Heim das treue Wirken seines häuslichen Weibes. Niemals ist es, selbst dem fleißigsten und geschicktesten Mann, gelangen, sich aüS ärmlichen Verhältnissen zu einem behaglichen Wohlstand emporzuarbeiten, wenn sein Weib es nicht verstand, den Haushalt mit Einsicht, Sparsamkeit und Geschick zu führen. Der tüchtigste Mann kann nicht weiter kommen, wenn ihm ein unhäusliches Weib zur Seite steht; aber manchen liederlichen Mann hat ein tüchtiges Weib vom Untergang gerettet. V-pinischtes. Beruhigend. Fremder (in einer Droschke auf dem Wege zur Kunstausstellung): „Aber Kutscher, fahren Sie doch schneller! So kommen wir nicht zur Ausstellung!" — Kutscher: „Da brauch'» S' keine Angst z' haben! Die Kunstausstellung wird erst Ende September geschloffen!" • * ♦ Beim Abschied. Bräutigam: „Und bleibst Du mir auch treu, Alma, bis ich wiederkehre?" — Braut: „Bis in den Tod!" — Bräutigam: „Wenn aber ein Anderer um Dich anhält?" — Braut: „Dann — trennt uns das Schicksal!" • * • Unglaublich. Schneider: „Hier bringe ich den bestellten Anzug. Kostet achtzig Mark!" — Studiosus: „Warten Sie, ich will Ihnen den Betrag gleich zahlen!" — Schneider: »Herr! Zum Narren halten laffe ich mich nicht!" ♦ ♦ • Passende Partie. „Der Bildhauer Hammerfest hat durch seine Verlobung mit Fräulein von Buckelfeld eine recht paffende Partie gemacht." — „Weshalb denn?" „Nun, sie ist doch steinalt und steinreich!" ♦ ♦ Idyllisch. „Ach, welch' liebliches Thal! ruft ejn Fremder. „Hier athmet Alles Frieden und Glück! Was ist denn das für ein romantisches Gebäude dort aüf dem Hügel, gute Frau?" — „Das Zuchthaus." • ♦ • Wie die Alten sungen. Kleines Mädchen (an der Zuckerbude): „War kostet denn so ein Stengel?" — Verkäufer: „Nur einen Pfennig, liebe» Kind!" -^ Kleine» Mädchen: „So theuer!" ♦ ♦ ♦ Der kürzeste Weg. Student: „Aus welchem Wege komme ich am schnellsten zur Universität?" — Dienstmann: „Rechts heraus und dann hinten 'rum um die Stadt, geradeaus sind zu viele Kneipen." ♦ * • Echter Klatsch. Erste Gevatterin: „Glauben Sie die schreckliche Geschichte, die man sich von Fräulein Schwarz erzählt?" — Zweite Gevatterin: „Ganz entschieden! . . . Was erzählt man denn von ihr?" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) iü Gießen.