e macht man in ; auf dem Boden der Durchschnitt ägt. Jede» mit- r Nuß, Birne rc. Rinb jedoch, dar , mit hinein und Weicher Zeit aur eine Holzscheibe ivon finden kann, fast, und gelingt »en zu finden, so ie in der Grube nicht, so gibt er beliebigen Strafe n Früchte Werden reendigtem Spiel Kinder gemeiner nächste Schatz- gesunden mord« atzgräber ersetzen Neue gegraben. größte Fluß in »es ist der größte 's!" - Schülern t Fischhändler in aubniß, auf dem einen Hering zn jeden dritten Taz -eschästsgenossen). der zu 1000 Ml. 17. Jahrhundert - „Gut! ruinir« alitäten-Pro- > die Ehre?" - -ctor: „Seien Sie idermeister!" :er: „Herr Haupt e kommen? M spielt Clavier, di sied vortragen, di-, »arwtmann: ,M - Mutter: „Du ' ich zum Vortrnz Burjermäster, ich retirt hab, der wi erbrecher ir." 7 rolizist: „Ja er H ennt." - Bürger- mir?" - Polizs ool Aener gehabt Herr: „Also & ie: „Ja, ich k-O Ich habe mir ä“ gekauft!" NntevhaltrrnAsblatt zrrin Gietzenev Anzeigyp (Gene^al-Anzeigev) Nr. 45 L 1 1803. *----8' Dienstag, den 18. April. .....■■■■ ■ - ■■■ ■ Tante Hannas Geheimniß. Original-Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung). „Es ist zu spät," sprach Armgard, „aber ich danke Ihnen trotz alledem, mein väterlicher Freund!" „Nein, noch nicht zu spät," beharrte der Doctor, ihre Hände ergreifend, „noch warten Standesamt und Altar des letzten bindenden Wortes. Machen Sie sich frei, liebe Arm- gard, versuchen Sie es, Ihr Verlöbniß, das nur einzig unter dem Druck jenes Ereignisses geschlossen worden, zu lösen. — Wollen Sie mir die Vollmacht dazu geben?" Armgard schwankte sichtlich, sie rang mit sich selber, mit ihrem Stolz, ihrem Gefühl für den Verlobten, das doch nur im Mitleid gipfelte. „Wir sind schon aufgeboten," sagte sie endlich, „und — er liebt mich —" „Sind Sie davon so fest überzeugt, Fräulein Armgard? Möchten Sie diese Liebe nicht mal auf die Probe stellen?" „Sie martern mich, Herr Doctor!" „Nein, mein Kind, ich wünsche Sie zu heilen, da Sie krank, tief seelenleidend sind. Mit sich selbst und der eigenen Kraft im Zwiespalt, aus dem Frieden Ihres Innern gewaltsam geschleudert, verzweifeln Sie an dem eigenen Character, dessen harmonische Abgeschlossenheit Ihnen den festen Halt im Leben gab, welchen wir Alle stets bewundert. Raffen Sie sich auf, Fräulein Holten, denn ich sage Ihnen, daß Sie an Ihrer Selbstachtung einbüßen, wenn Sie diesen Mann heirathen. ernennen Sie mich zu Ihrem Vormund," setzte der Doctor dringend hinzu, „Sie bedürfen eines solchen in dem Zustand hilfloser Schwäche, worin Sie sich seit jener Katastrophe befinden. Er soll Ihnen mindestens Zeit lassen zur Selbstprüsung, zum ruhigen Nachdenken, weil ich e» schmählich von ihm finde, als Mann von Ehre sowohl wie als trauernder Vater, der soeben erst sein einziges Kind begraben, mit solch' ungestümer, ja der Sitte und dem Anstand hohnsprechender Hast auf eine Heirath mit Ihnen zu dringen." „O, mein Gott, wie recht haben Sie," stöhnte Armgard, in einen Sessel sinkend und beide Hände vor's Gesicht pressend. Dann richtete sie sich entschlossen auf, ihre Augen leuchteten fieberhaft, sie war leichenblaß bis auf die Lippen. „Ich wollte Sie schon bitten, mein Trauzeuge zu sein, Herr Doctor!" sprach sie mit unnatürlich hartklingender Stimme. „Konnte es aber bi» zur Stunde nicht über die Lippen bringen- — Jetzt bitte ich um Ihren Beistand als Vormund, da ich mich ihm gegenüber willenlos fühle." „So ist's gut, Kind, — er wird mich als Vormund nicht anerkennen, aber das schadet nichts, wenn Sie mir nur, da Sie mündig sind, die genügende Vollmacht zum Handeln geben. — Bitte, mein Kind, geben Sie mir das schriftlich, — seine Adresse lese ich hier —" „Sie können das Couvert mitnehmen, Herr Doctor, da der Brief nach unserer Unterredung keine Bedeutung mehr hat," sprach Armgard, sich mit einer sonderbaren Ruhe vor ihrem Schreibtisch niederlaffend, den sie aufschloß, um einen Bogen Papier und ihr Siegel herauszunehmen. Der alte Doctor beobachtete mit wachsendem Erstaunen, wie sie mit fester Hand die Vollmacht schrieb, dann ein Wachslicht anzündete und ihr Siegel im feinsten rothen Lack sehr sorgsam neben ihren Namen setzte. War diese plötzliche Ruhe eine erkünstelte oder ein neues krankhaftes Symptom? Diese Frage hatte vom psychologischen Standpunkte aus ein großes Interesse für den Arzt und sein scharfes Auge ruhte prüfend auf dem feinen Profil, das wie aus Marmor gemeißelt erschien, der schöngeformten, etwas großen Hand, welche jetzt keine Spur der vorherigen Erregung, nicht das leiseste Zittern mehr zeigte. Sie reichte ihm den Bogen Papier, — rasch überflog sein Blick das Geschriebene. Er wunderte sich über den klaren knappen Gedankengang, mitsiwelchem sie ihm ihre Vollmacht er« theilte, mit Herrn Julius Steindorf dahin zu verhandeln, daß die Heirath ihres leidenden Zustandes halber auf eine unbestimmte Zeit hinausgeschoben werde, damit beide Theile die nöthige Frist zur Selbstprüfung hätten und eine kindische Ueberstürzung bei einem so hochheiligen Schritte ausgeschlossen bliebe. Sie wünsche diese Frist in völliger Trennung von ihm zu verleben und wäre, falls Herr Steindorf unter diesen Verhältnissen auf eine Aufhebung der Verlobung bestände, zu jedem Opfer, was ihr Vermögen anbelange, bereit. — Herr Doctor Peters habe nach dieser Richtung hin die unumschränkteste Vollmacht zum Handeln von ihr erhalten. „An und für sich betrachtet," bemerkte der Doctor, den Bogen zusammenfaltend und sorgsam in seine Brieftasche legend, „wäre dies jetzt eigentlich die Domaine Ihres Sachverwalters. Doch hoffe auch ich als Ihr aufrichtiger Freund Ihr Glück in einer Weise zu fördern, daß Sie die so vollständig abhanden gekommene Harmonie Ihres Wesens wiederfinden. Und die Adresse dort darf ich auch mitnehmen." Armgard schnitt das Couvert auf, zog den Brief an Ihren Verlobten hervor und warf denselben in den Schreibtisch. Dann überreichte sie das Couvert dem Arzte, verschloß den Tisch und erhob sich, um Schirm und Handschuhe wieder zu nehmen. „Ich habe lange auf mich warten lassen, mein aller Con« ließen. — 178 = sprengt sei ''W Doctor Peters ließ sich Bier bringen und lächelte M vor soeben s sich hin. Die alten Zeiten stiegen vor ihm auf, seine Jugeno, $ ,Jch habe Sie bereits in Ihrem Hotel gesucht, Herr Stein'dorf!" nahm der Doctor nach der ersten Begrüßung sofort das Wort, „und darf mit Ihrer Erlaubmß wob gleich losschießen, das heißt auf den Hauptzweck meines Hierseins kommm-iius @tetnbor| ihn befremdet an und verbeugte stch komme nämlich im Auftrage Ihrer Braut," fuhr Doctor Peters rasch fort, „und muß Jhnen von vornhere n bemerken, daß dieser Austrag sehr heikler Natur ist, weshalb ich bitte, sich nicht zu Ungehörigkeiten gegen mich fortreißen zu lassen. Sie werden sich jedenfalls erinnern, oaß ich bereits Hausarzt bei den seligen Eltern des Fräuleins gewesen bin, demnach in ihrem Hause eine Art Vertrauensstellung einnehme. Wieder verbeugte stch Steindorf schweigend, ohne dem Doctor auch nur eine Linie breit entgegenzukommen. Der alte Herr räusperte stch und fuhr dann «ach kurzem Nachdenken wieder fort: „Also, um es kurz zu machen, Fräulein Armgard Holten, deren Arzt ich ia auch jüngst nach der beklagenswerthen Katastrophe gewesen, ist noch sehr ledend, das heißt körperlich leidlich gesund, während ihr Seelenzustand die sorgsamste Berücksichtigung erfordert. Die Uebersturzung des Aufgebots nach der kurzen Verlobung hat alle Welt, mich aber ganz besonders in Erstaunen gesetzt, weshalb die ärztliche Pflicht mir gebietet, Protest dagegen etnzulegen- „Ahl" machte Steindorf, das Glas, welches er s „Bitte, lesen Sie, Herr Steindors I" Dieser nahm den Bogen und überflog ihn hastig, wobei seine Augen einen immer starreren Ausdruck annahmen. Plötzlich ballte er das Papier zusammen und warf es mit einem kurzen, verächtlichen Auflachen auf den Tisch. „Was hat man Ihnen dafür gezahlt oder versprochen, um dieses Kunststück fertig zu bringen?" fragte er, mit einer verächtlichen Bewegung sich erhebend. Weshalb haben Sre meine Braut nicht gleich der Sicherheit halber in eine Heilanstalt gebracht? Oder glauben Sie wirklich, mich mit, einer solchen groben Spiegelfechierei täuschen, meine Braut Mir abwendig, das bereits erfolgte Aufgebot rückgängig machen zu könnend — Oho, mein Herr Doctor, Sie sollen mich kennen lernen, da meine Braut ganz offenbar unter dem Etnfluffe Ihres ärztlichen ZENg" hat h-ndtl» Ich 36«. Mm«« mW beugen, mit Ihnen um mein gutes Recht, um mein Glück feilschen? - Niemals! Ich bin Mannes genug, Ihnen und der ganzen Wett den Handschuh hinzuwerfen, melden Sie das Ihren eigentlichen Auftraggebern." i „Sie täuschen sich ganz merkwürdig, mein lieber Herr! versetzte der Doctor, ruhig den zerknüllten Bogen wieder glättend. „Es läge sicherlich in Ihrem Vortheil, sich mit mir zu verständigen, da Fräulein Holten Sie durchaus nicht liebt! „Das hat sie Ihnen gesagt?" „Steht denn das nicht deutlich genug zwischen diesen von ihrer Hand niedergeschriebenen Zeilen? — Das müßte denn doch ein Blinder sehen, daß die Hand nicht dabei gezittert, da» Herz sich also durchaus nicht erregt hat.. Doch wie Sie wollen, mein weither Herr! — Nur soviel sei noch gesagt, daß diese Vollmacht sosort nach meiner Heimkehr gesetzliche Kraft erhalten und alsdann auch jedenfalls in stark woderirter Form umgestaltet wird. Sie können in diesem Augenblick noch Ihre Forderung nach Belieben aufstellen, später wird man Sie als Fremden behandeln, da ein Aufgebot noch keine Heirath be deutet. Daß Ihre Liebe für Fräulein Armgard so groß ist, um einen verzweifelten Schritt zu befürchten, glaube ich nicht, mein bester Herr Steindorf, also —" „Genug, Herr Doctor!" unterbrach ihn Jener mit einer theatralischen Bewegung. „Wir sind jetzt mit einander sertig, doch sollen Sie baid genug wieder von mir hören. Ohne Gruß eilte er mit großen Schritten fort und kurz - darauf hörte der Doctor von einem Kellner, daß der «err, ■ welcher zu Pferde gekommen, soeben im Galopp davon ge «d wird eingeschlafm md He Pse.de rotgebulbtg gemo.be« I jum > Mmi motte, .«sch «ebad md de» »octo, fein," sprach t ruhig nrtt etaom Wattgften 8S«ln. «Rom’ £t”“' Ihrer Braut dauon Mittheitung gern«« und 7 »bet ffnbSieWitt. ÄH * bei Hefen®-.» f°.f»end in He QmljenertMliche"nRudäos^ genommen." .„Sind Sie zu Ende?" fragte Steindorf, als der Doctor Sie drückte dem Doctor krampfhaft die Hand und eilte iw mlr rtnb erst am Anfang, doch dürfte ich dann hinaus, während der alte Herr ihr langsam folgte und imme'Vin eine Antwort von Ihnen erwarten." noch eine Weile dem Wagen nachblickte, bis er um eine Ecke ^ie soll Ihnen werden, mein Herr Doctor! Bevor ich verschwunden war. indeß "weiter mit Ihnen rede, werden Sie mir hoffentlich irgend • eine Vollmacht von meiner Braut, welche Sie zu solcher Rederei Herr Julius Steindorf flanirte mittlerweile in der roman- berechtigt, vorzeigen können." „ .... tischen Gegend des hannoverschen Leinethals umher, genoß die „Versteht sich, das ist ganz in der Ordnung, erwiderte Reize der Natur, sowie die einer wohlbesetzten Tafel in den Doctor Peters, bedächtig seine Brieftasche hervorziehendund besten Hotels, da es ihm an guten Banknoten durchaus nicht derselben den zusammengefalteten Bogen entnehmend. Er be mangelte, und trug vielmehr den wohl situirten Lebemann und merkte dabei sehr wohl die nervöse Unruhe in den^Mienen glücklichen Besitzer einer reichen Braut als den trauernden Vater feine8 Gegners, den diese Umstand chkeit in eine M- Wu h mr Schau. versetzte. Der Doctor war boshast genug, sich darüber zu Er besuchte auch die Universitätsstadt Göttingen, wo er freuen, einst studirt, vermied es aber, Bekannte aufzustöbern, indem er sich damit begnügte, das studentische Treiben zu beobachten und biC 35ier°wffitClt>‘Doctor Peters treffen, weil Steindorf seiner Braut diese Stadt für ihr Antwortschreiben bezeichnet hatte. Man sagte dem Doctor im Hotel, daß Herr Steindorf einen Ausflug nach Mariaspring, einem reizenden Vergnügung«- vunkt der Umgebung, unternommen habe. , Dem alten Arzt, der hier ebenfalls studirt, ging das Herz auf beim Anblick der Erinnerungsstätte ferner schönsten Jahre, doch durste er nicht rechts noch links schauen, da seine Muston diesem Manne gegenüber eine äußerst schwierige war. So rüstete er sich denn zur Mensur, wie er sich sagte, um einem Kampf auf Leben und Tod entgegenzugehen. Herr Julius Steindorf saß behaglich vor einer Flasche Wein und einem guten Imbiß, als Doctor Peters, den Hut lüftend, aus ihn zutrat. Das scharfe Auge des alten Herrn bemerkte es sehr wohl, daß sich Steindorfs Gesicht bei seinem Anblick verfinsterte und ein stechender Blick wie em Frage- m Doctor nacht und mb ein zu über kurz katastrophe itadjt, daß c>as übliche das Frau« o apathisch der Doctor h dürfte ich Bevor ich Mich irgend cher Rederei " erwiderte ziehend und nd. Er beben Mienen stille Wuth darüber zu hastig, wobei chmen. Plötz- s mit einem rsprochen, um tüt einer ver- ,en Sie meine ne Heilanstalt ; einer solchen üt abwendig, t zu können? len lernen, da hres ärztlichen ollmacht mich n mein Glück .g, Ihnen und eiben Sie bas lieber Herr!" lieber glättend, t mir zu ver- ht liebt!" hen diesen von s müßte denn i gezittert, das Doch wie Sie )ch gesagt, daß gesetzliche Kraft ^oderirter Form blick noch Ihre ) man Sie als ne Hetrath be- rd so groß K laube ich nicht, Zener mit einer einander fertig, ren." , t fort und kurz daß der Herr, opp davon ge' lächelte still °°r f, seine Jugend, - 178 die schönen Tage akademischer Freiheit, welche ihn hier in dem lieblichen Mariaspring so oft gesehen, bis er plötzlich erschreckt sich wieder auf die Gegenwart" besann. „Donner und — nun setzt sich der heillose Mensch auf die Bahn und saust vor mir nach Ebenheim zurück, um die Arme wieder zu umgarnen." Er bezahlte eiligst, ließ seinen Wagen anspannen und fuhr nach Göttingen zurück. Richtig, Herr Steindorf war mit dem gerade zur Abfahrt bereitstehenden Zuge schon nach der Hei- math zurückgefahren und Doctor Peters hatte einstweilen das Nachsehen. Er stieß noch einen kräftigen Fluch aus, speiste dann mit großer Gemüthsruhe, weil der nächste Zug erst nach zwei Stunden von Frankfurt kam und überlegte dabei, wie er dem Einflüsse des Sappermenters bei der bedauernswerthen Armgard Holten begegnen könne, als plötzlich die Thür des Speisezimmers heftig aufgestoßen wurde und ein junger, ziemlich auffällig gekleideter Mann mit einem breitrandigen Strohhut auf dem kurzgeschorenen Kopf in großer Erregung hereinstürmte. Der junge Mann, welcher den Ausländer stark zur Schau trug, ließ sich eiligst an der langen Tafel, wo nur wenige Herren nach der Karte speisten, nieder, schlug mit seinem Stock auf den Tisch und befahl dem herbeieilenden Kellner im brüsken Tone, ihm rasch das Beste, was in Küche und Keller vorhanden, herbeizuschaffen. Er warf dabei eine Doppelkrone auf den Tisch und fuchtelte ungeduldig mit dem goldbeknopsten Stock umher, als hätte er die größte Lust, die ganze Gesellschaft durchzuhauen. „Warum auch nicht?" murmelte Doctor Peters, dem dieser Gedanke gekommen. „Der Bursche scheint ja Geld genug zu haben. Wo in aller Welt ist mir dieses Gesicht — ach, das ist ja Mister Aankee, den ich droben im Försterhause mit dem Commiffar traf. Wo hatte ich denn nur meine Augen? Ob er mich nicht wiedererkennt?" Des Fremden Augen fielen int selben Moment auf den Doctor und nahmen einen forschenden Ausdruck an. Der alte Herr verbeugte sich lächelnd. „Ich denke, wir sollten uns kennen," sagte der Doctor. „Kalkulire auch so," erwiderte Mister Hilbrecht, „sind vielleicht der alte Doctor, welcher den armen Mister Marbach heraus- oder hereinflickt, meine in die Erde, ha, ha!" Der Doctor verbeugte sich und lachte mit. Einem solchen Burschen etwas übel zu nehmen, — lächerlich! „Ja, ich bin Doctor Peters," sagte er, „und Sie sind doch herüber gekommen, um den Schinderhannes mit einfangen zu helfen, der unser» armen Marbach so schändlich zugerichtet hat?" „Und den guten Jungen, den Mister Warneck, um die Ecke gebracht hat, yes Sir, will den Schuft von William Prien einfangen, so wahr ich John Hilbrecht mich nenne. Hätte ich nur meinen Revolver bei mir gehabt, er wäre schon jetzt ein todter Mann gewesen." Der Doctor sah ihn ganz verblüfft an, hatte er's mit einem Betrunkenen oder Verrückten zu thun? „Wer wäre denn eigentlich von Ihnen mit dem Revolver befördert worden, Mister Hilbrecht?" fragte er, ihn prüfend anblickend. „Mister Prien, wer anders denn? — Komme mit dem Zuge an, hab' die Kreuz und Quer nach einem Mister Eckert gesucht, kann ihn nicht finden. Schlechte Polizeiwirthschaft, by Jowe, wäre drüben schon längst eingefangen." „Wer ist Mister Eckert?" „Detectiv, schreibt seine Adresse an den Mister vom Criminal, — und ich reise hin, um Mister Priens Persönlichkeit festzustellen. — Keine Spur von einem Detectiv." „Er wird sich als solcher auch nicht declarirt haben, Mister Hilbrecht!" sprach der Doctor, sich Kaffee bestellend und eine Cigarre anzündend. „Vielleicht hat er sich einen anderen Namen beigelegt. — Wie sind Sie denn eigentlich hierher gerathen?" „War da in einem Harzneste, weiß nicht mehr den Namen, fragte nach meinem Mann und erhielt eine Beschreibung, die genau auf Mister William Prien paßt. All right, sage ich, und fahre nun von Ort zu Ort, verfolge wie ein Indianer die Spur und komme hierher. Als ich aussteige, will just ein anderer Zug abfahren und wer springt in ein Coupee? Mister Prien! Ich wie der Blitz hinterher, - da saust der Zug fort und ich hab' das Nachsehen- Weiß aber nun, daß er hier ist, soll mir nicht entwischen, der old. boy." „Versteh' ich recht, so haben Sie den Menschen gesehen, den man int Verdacht hat, Herrn Warncck erschossen zu haben," sagte der Doctor, nun selber ganz erregt und sich neben den Amerikaner setzend. Dieser nickte, den mittlerweile gebrachten Speisen zusprechend. „Den Henker auch," fuhr Docior Peters fort, „bann müßte man ja sogleich hinterdrein. Hat der Bursche Sie gesehen und erkannt?" „Glaub' nicht, — schaute weder rechts noch links, schien es höllisch eilig zu haben- Müssen noch über zwei Stunden hier warten oder einen Extrazug bezahlen. Wollen Sie mit- halten, Sir?" (Fortsetzung folgt) Amazonen. Von Dr. R. Mortclli. --------- (Nachdruck verboten.) Im Verlauf der letzten Monate durchzog die größeren Städte Deutschlands eine Truppe „Amazonen aus dem Land Dahome". Nach den Klängen der bekannten mit der Hand geschlagenen afrikanischen Trommel marschirend, mit Gewehr und Säbel exercirend und rnanöverirend erwies sich die braune Weiberschaar als eine gut gedrillte Truppe, während in dem Schwertertanz und dem fingirten Kampfgetümmel das wilde Naturell und die katzenartige Geschmeidigkeit der weiblichen Krieger zum guten Ausdruck kam. Mögen auch gewichtige Gründe daran zweifeln lassen, daß diese reisende Truppe that- sächlich dem Amazonencorps des Königs von Dahome angehört, — daß ihre Hetmath Westafrika ist, ist sicher und ihre Produktionen vermögen ein charakteristisches Blld zu geben von jener eigenartigen Kriegsmacht, deren Existenz durch mehrere Reisende widerspruchslos beglaubigt ist. Nicht selten begegnen wir in Afrika der Heranziehung des weiblichen Geschlechts zu Kriegszwecken. Schon aus dem Mittel- alter» als Afrika wie heute als begehrenswerthes Colonisationsobject die Aufmerksamkeit der civilisirten europäischen Nationen auf sich zog, liegen aus portugiesischer Quelle sichere Nachrichten über kriegerische Weiber der Ost- wie besonders der Westküste Afrikas vor, von denen manche, wie die später zum Chriflenthum übergetretene Königin Singet von Angola im Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts den Europäern ernsthafte Schwierigkeiten zu bereiten wußte. In einer Reihe afrikanischer Gemeinwesen hat sich diese Tradition lebendig erhalten, nirgends aber so, wie in Dahome, diesem Muster eines despotisch und grausam regierten, und zugleich mit einem gewissen Culturanstrich versehenen Staates. Aeltere und neuere Reisende berichten einstimmig von der mehrere Tausend Köpfe zählenden weiblichen Armee, die weit entfernt eine bloße Palast- oder Schautruppe zu sein, nicht nur benachbarten einheimischen Stämmen gegenüber sich als nicht zu verachtende Stütze des Reiches bewährt hat, sondern durch ihre tollkühne Angriffsweise und unerbittliche Grausamkeit selbst den Franzosen während der letzten Kämpfe nach den eigenen Angaben derselben manche Verluste beigebracht hat. Hier im Westen des schwarzen Erdtheils, dessen Durchforschung während der letzten Jahrzehnte so manche halbvergessene Sage wieder aufleben ließ, scheint auch der Mythus von den Amazonen Fleisch und Blut angenommen zu haben und unwillkürlich lenken wir unsere Gedanken rückwärts und gedenken der mannichfachen Erzählungen, die sich an diesen Namen knüpfen. Durch das ganze klassische Alterthum hindurch zieht sich die Sage vom kriegerischen Weibervolk der Amazonen; an die Südufer des schwarzen Meeres, wo ihre Hauptstadt Themis- kyra stand, werden die Wohnsitze der Amazonen verlegt. Mannigfach sehen wir sie in kriegerische Unternehmungen mit den - 180 - Griechen verwickelt; die Heroen Herakles und Theseus ziehen gegen sie zu Feld und umgekehrt fallen sie selbst in Griechen« land ein; bis nach Attika dringen sie siegreich vor und auf dem Areshügel gegenüber der Akropolis sich festsetzend, belagert da» Amazonenheer Athen. In Wort und Bild wurde diese Sage in Athen lebendig gehalten und zum Gemeingut ganz Griechenlands. Wie Athen seine Amazonengräber hatte, von denen Plutarch berichtet, verknüpfte sich auch bei andern Städten Griechenlands die Amazonensage mit den letzten Ruhestätten dieser weiblichen Feinde; wieder andere Städte aber, besonders Kleinasiens führten, wie beispielsweise Smyrna und Ephesos, ihre Gründung auf Amazonen zurück. Mannigfach varitrten natürlich die verschiedenen Sagenkreise, deren aller Mittelpunkt der Amazonenmythus bildete und wie dieser für die Dichter und besonders Rhetoriker Athens ein ost berührtes Thema wurde, so ließen sich begreiflicherweise auch die griechischen Künstler diesen dankbaren Vorwurf nicht entgehen; Malerei und Skulptur bemächtigen sich des fesselnden Stoffes. In der Stoa poikile Athens stellte täglich dem Besucher des Marktes Mikon's monumentales Gemälde die Amazonenschlacht vor Augen und auf dem Schild der Colossalstatue der Schutzgöttin Athens, der Athene Parthenos, prangte der Phidias Meisterhand eine Reliefdarstellung der Amozonenschlacht, welcher der Künstler in stolzem Selbstbewußtsein sein und seines großen Freundes Perikles Portrait hatte. Griechenlands größter Blldhauer verschmähte auch nicht eine öftere Behandlung des gleichen «Stoffes und selbst am Thron seines olympischen Zeus hat er der Amazonensage in figuren- reicher Darstellung einen Platz eingeräumt. Kein Wunder, daß die antike Kunst und bald nicht minder das Kunsthandwerk diesen Stoff festhielten; besonders Vasen sind es, auf denen man eine reiche Zahl figürlicher Darstellungen der Amazonen überliefert hat, zum Theil wechselnd in der Auffassung, zum Theil aber auch so übereinstimmend in der Darstellung, daß nach dem Urtheil Klugmann's, auf den wir bezüglich der Stellung der Amazonen in der attischen Litteratur und Kunst besonders verweisen, man sie alle für Erzeugnisse einer und derselben Fabrik halten darf. Nächst diesen Darstellungen ist bemerkenswerth die Verwendung des Amazonenmotivs auf Sarcophagen, von denen uns die römisch-hellenische Kunst eine Reihe Beispiele aufbewahrt hat. So fehen wir, wie int klassischen Alterthum ein vielfach verknüpfter, mit den schönsten Blüthen der Poesie und Kunst geschmückter Sagenkranz sich um die Heldenfrauen schlingt und auch in der deutschen Litteratur lebt in Kleist's „Penthesilea" der Name der jungen Amazonenkönigin fort, die wie ein Sturmwind mit ihrem Volk in den Kampf der Griechen und Trojer hereinbraust, und deren Geschick sich tragisch mit dem des gewaltigen Achilles verknüpst. Stets erscheinen die Amazonen des Alterthums als ein waffengeübtes Weibervolk, dessen Lust der Krieg und die Jagd, tapfer und streitbar, meist kühne Reiterinnen, allein für sich einen Staat bildend, nur einmal im Jahr zur Erhaltung des Volks in hochzeitlichem Kriegszug benachbarte Stämme besuchend, deren Namen der Kriegsgott Mars durch seine Priesterin verkündet. „Marsbräute werden sie begrüßt, die Jungfrauen Der frohe Tag der Reife wird bestimmt, Gedämpfter Tuben Klang ertönt, es schwingt Die Schar der Mädchen flüsternd sich zu Pferde Und still und heimlich, wie auf wollnen Sohlen, Gehts in der Nächte Glanz, durch Thal und Wald, Zum Lager fern der Auserwählten hin." (Kleist, Penthesilea). Welches mag nun der thatfächliche Hintergrund des Ama- zonenwythus fein? Ein Amazonenvolk, wie es die griechische Sage uns fchildekt, hat natürlich nie existirt, wohl aber gab es von jeher Völkerschaften, bei denen die Frauen mehr oder weniger in die Oeffentlichkeit traten; nicht nur galt ihr Wort im Rath der Männer, sondern in körperlichen Uebungen erzogen, wußten sie, wenn es galt, den Feind zu bekämpfen, im Nothfall auch die Waffe zu führen. Alle Zeiten nennen uns Namen von Frauen, die, an der Spitze großer Staaten stehend, kühnen Geistes und muthigen Sinnes die Geschicke von Tausenden leiteten; Elisabeth und Katharina finden ihre würdigen Vorgängerinnen in Zenobia, der stolzen Gegnerin des gewaltigen Rom und der vom Nebel der Sage umwallten Seythen- königin Tomyris, der Besiegerin des mächtigen Cyrus. Besonders den Grieche» aber, bei welchen die Frauen ein ganz auf die häusliche Thätigkeit beschränktes Leben führten, mußte es in hohem Grad auffallen, als sie auf ihren Ms zum schwarzen Meer führenden Colonisationszügen in den Seythen und Sauromaten auf Völkerschaften stießen, deren Frauen an der Jagd und selbst am Kriege theilnahmen. Leicht war so der Grund zur Amazonensage gelegt; bei ihrer weiteren Ausbildung waren religiöse Momente von wesentlichem Einfluß. Die stets betonte Beziehung der Amazonen zu Mars, ihr Ver- hältniß zu den Männern, die angebliche Gründung von Städten, in denen wie in Ephesos der Kult und Artemis blüthe, durch die Amazonen, sprechen deutlich dafür, daß die Priesterinnen der gerade im Norden hochverehrten Gottheiten Mars und Artemis manche Züge zum Bild der Amazonen geliehen haben. Die Männerlosigkeit, der strenge Lebenswandel, zu welchen die Priesterinnen dieser Gottheiten verpflichtet waren, ist ein Hauptzug des Amazonencharakters und es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, wenn wir bei der weiblichen Kriegsmacht des Königs von Dahome, in dem gewiß nicht durch strenge Sittengesetze ausgezeichneten Afrika vestalifchen Vorschriften begegnen, deren Verletzung grausam geahndet wird. Ein Körnchen Wahrheit der Amazonensage findet der Ethnograph ferner in der bei vielen Völkern zu constatirenden Bevorzugung der Frau, die sich nicht nur auf Frauenverehrung erstreckt, sondern auch im Frauenrecht, in der weiblichen Erbfolge ihren Ausdruck findet. Schwieriger beinahe als die Entstehung der Amazonensage selbst ist der Ursprung des Namens zu erklären; bekannt ist die Deutung de» Wortes Amazone als „Brustlose", auf der Ueberlieferung fußend, daß diese Mannweiber, wie dies von den Sauromaten als Thatsache berichtet wird, um den Bogen ungehindert brauchen zu können, die Entwickelung der einen Brust verhindert hätten; die griechische Kunst hat sich bekanntlich niemals des ästhetischen Frevels einer brustlosen oder ein- brüstigen Amazone schuldig gemacht. Wahrscheinlicher ist die schon von Herodian aus sprachlichen Gründen aufgestellte Deutung, wonach im Namen auf die Nahrung Bezug genommen ist; während das gewöhnliche Nahrungsmittel des griechischen Volkes geknetetes Gerstenbrod gewesen, galten den Amazonen wie den Seythen und anderen Völkern Milch und Fleisch als Hauptnahrung. Längst war die Herrlichkeit der griechischen Welt im Schutt der Jahrhunderte begraben, als die Sage von der Existenz der Amazonen noch einmal lebendig ward; dieses Mal wurde ihr Wohnsitz der ferne Westen, die neue Welt- Als der Spanier Orellana im Jahre 1541 den heute Amazonas genannten Fluß hinabfuhr, stieß er auf eine Horde Indianer, die ihm für den gewaltigen Strom den Namen „Amassona" an- gaben; vielleicht erblickte der Forscher zugleich auch unter der Bande am Ufer einige bewaffnete Weiber und so glaubte er, eine klassische Erinnerung wieder auffrischend, das Land der Amazonen aufgefunden zu haben. Aus dem „Bootzerstörer" der Indianer, was „Amassona" bedeutet, wurde der Amazonen- fluß moderner Geographie. Aber fortschreitende Erkenntniß klärte auch diesen Jrrthum auf; weder am Kaukasus oder an den Ufern des Schwarzen Meeres, noch in den Urwäldern Südamerikas finden wir eine staatliche Organisation bewaffneter Frauen, die dem griechischen Urbild der Amazonen entsprach und nur in Afrika sehen wir, daß die Idee der Heranziehung aller waffenfähigen Kräfte auch zur Bildung einer weiblichen Kriegsmacht geführt hat. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brtthl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen