MWNW an Stiefel, viel- „Wo denken Dämon Gold. Original - Roman von W. H ö f s e r. (zu einem uter Mann :auä wächst, il eine Ab- lcten blät- wegen . . . — Richter rast wegen stmädchen): — Mann: >e Ewigkeit t Sie fort, sonst müssen neu Hotel): ein Fleisch Bitte, was gleich Ihr npagnie an (Fortsetzung). Fünftes Kapitel. In dem kleinen, epheu-umrankten Hause an der Berglehne herrschte eine gedrückte Stimmung. Die beiden Frauen sahen einander mit sorgenvollen Gesichtern an und jedesmal, wenn Willibald zur Bank ging, sagte Mieze: „Irgend etwas quält ihn. Weshalb er es mir wohl verschweigt?" Die alte Dame tröstete ihre Schwiegertochter,^obwohl alich sie selbst keineswegs ruhig war. „Es sind die schrecklichen Ereigniffe auf Moldt, welche ihn so sehr bekümmern," antwortete sie. „Du weißt, wie herzlich er den armen Baron bedauert, wie viel er von ihm hält " Frau Mieze schüttelte dann wohl den Kopf. „Das allein konnte ihn nicht so quälen, Mama. Er ist ja wie verwandelt! Man spricht mit ihm und er hört kein Wort; man reicht ihm, was er zu erhalten wünscht, aber er sieht es nicht." Die alte Frau entfaltete ein Zeitungsblatr. „Da steht wieder spaltenlang nichts Anderes, als lauter Vermuthungen über die räthelhaften Ereigniffe auf Moldt," sagte sie voll Empörung. „Wie sehr das den Baron verletzen muß!" „Ist nichts Neues dabei?" fragte, sich gewaltsam beherrschend, Frau Mieze. „Ich will Dir vorlesen, Kind." Mama suchte die betreffende Stelle und las wie folgt: „Gestern hatte Baron Moldt, dessen Schwägerin Fräulein Aß« mann und das Dienstpersonal des Hauses ein erstes Verhör zu bestehen. Es ist constatirt, daß die Baronin an Vergiftung gestorben; also erübrigt noch, festzustellen, ob es sich hier um Mord oder Selbstmord handelt- Ein wahrhaft unsinniger Verdacht streift dabei die junge, liebliche Schwester der Verstorbenen, der indessen in der Person ihres Vormundes ein sehr energischer, thatkräftiger Vertheidiger zur Seite steht. Herr Wolfram, der Besitzer von Dornau, hat das Recht beansprucht, seine Mündel in die Verhöre begleiten zu dürfen, was ihm auch, da noch keine Anklage erhoben ist, bereitwilligst gestattet würde. Unsere lebhaften Sympathien folgen dem unerschrockenen Manne, der hoffentlich Mittel und Wege finden wird, die Spinnennetze der Verleumdung mit kräftiger Hand zu zerreißen und eine allgemein geachtete und verehrte junge Dame von so schmählichem Verdachte zu befreien." „Das ist Alles?" fragte Mieze. „Hier unter „Neues aus Moldt" steht noch ein Satz: Anklagen sind bis jetzt nicht erhoben worden. Die Ergebnisse der Verhöre bleiben vorläufig Geheimniß. Es scheint, als ob Herrn Wolframs Bemühungen vom besten Erfolg gekrönt find. Bravo." „Wie wäre es anders möglich?" rief Mieze. „Ruth, das sanfte, herzige Geschöpf, eine Mörderin und noch dazu ihrer eigenen Schwester! Welch' ein unglaublicher Gedanke!" „Sieh' doch einmal hierher," bat in diesem Augenblicke die alte Dame, „ist es nicht Willibald, der da die Straße heraufkommt?" Ihre Schwiegertochter eilte an das Fenster. „Wahrhaftig, er ist es! Und zu dieser Stunde? Mein Gott, Mama, was kann das nur bedeuten?" „So beruhige Dich doch, Kind, Du siehst aus, als sei ein Unglück geschehen." „Das ist auch so, Mama, sicherlich, es ist so- Ich kann mich da ganz unmöglich täuschen — Willibald hat ein Geheimniß." Sie flog ihrem Manne entgegen und kam bald darauf wieder mit ihm in das Wohnzimmer zurück. „Willibald fühlt sich nicht wohl, Mama, er will heute zu Hause bleiben." Die alte Frau sah mit prüfendem Blick in das blasse, veränderte Gesicht ihres Sohnes. „Doch nichts Ernstliches, mein Junge?" fragte üe in ihrer sanften Weise. Seine Stimme klang matt und tonlos. „Nein, Mama, ich denke nicht. Weshalb seht Ihr mich denn so sonderbar an? Ich habe Kopfschmerz, das ist doch nichts so Merkwürdiges?" „Gewiß nicht. Du solltest bei der kalten, klaren Luft einen recht weiten Spaziergang machen, mein Junge." „Das will ich auch," nickte er. „Nein, danke, Mieze, keine Cigarren — ich mag heute nicht rauchen." „Soll ich Dich begleiten?" fragte halb weinend die junge Frau. „Ein anderes Mal, Liebe. Ich möchte zu weit gehen." Er küßte wie gewöhnlich die Beiden, welche ihn so zärtlich liebten, und dann eilte er fort, geraden Wegs nach Moldt. Ein Pferd stand in einem Wirthshause vor der Stadt schott bereit, und so war der kurze Weg sehr bald zurückgelegt. Hans Adam sah vom Fenster aus den Reiter herankommen und hatte ein Gefühl, als werde ihm die Kehle zusammengeschnürt. Sollte er den Besuch abweisen lassen? Schon griff seine Hand zur Klingel, aber auf halbem Wege hielt sie doch inne. Was half der Aufschub? Willibald würde wiederkommen, bis er Zutritt erlangt hatte, immer wieder — er mußte es sogar. Und dann sahen zwei blasse Gesichter einander an. „Nimm jt): „Herr el nicht die tüt halb- t Theilen was folgt arch Heb- und wo i, müssen cht darin hemen zu uiter den d Frauen in in der ) arbeitet >r Mensch kann, ein bieterische argen für : Lehrver- M 1 Nr. 21. <75^ zfex 1883. Lehrlinge, iifett. Um Mißerfolge auf guten siges Land Nntevhaltungsblatt 311m Gietzenev Anzeigen (GsnevaL-Airzeigev) Samstag, den 18. Februar. — 82 — Platz, Willibald," sagte seufzend der Baron. „Wir wollen den Tisch an den Ofen rücken, nicht wahr? Es ist gar zu kalt heute." Der Andere schüttelte leicht den Kopf. „Hans," preßte er mühsam hervor, „Hans, Du mußt um meiner Nothlage willen verzeihen, daß ich Dich zwinge, an Anderes als nur an Deinen Kummer zu denken. Gestern bei dem Begräbniß Deiner armen Frau konnte ich natürlich von unserer schlimmen An« gelegenheit nicht sprechen." Der Baron sah zur Seite. „Du meinst das Geld, WMbald?" „Ach Gott, ja. Nur ein Zufall hat die Revision bis jetzt hinansgeschoben — sie kommt nun unfehlbar übermorgen." „So früh schon?" Willibald erbleichte. „Sag' es mir rund heraus, Hans, Du hast nicht die allergeringsten Aussichten." „Doch, doch," entgegnete hastig der Baron. „O, gewiß, Willibald. Ich bin sogar fest überzeugt, das Geld richtig zur Stelle schaffen zu können. Gleich nach Mittag begebe ich mich in die Stadt, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen." „Hans, ist das wahr?" „Gewiß, gewiß. Mache Dir keine unnöthigen Sorgen, alter Junge. Auf die Erbschaft meiner Schwägerin läßt sich ja mehr als nur diese Bagatelle im Voraus erlangen, das siehst Du ein. Wäre ich nicht in den letzten Unglückstagen so voll« ständig consternirt gewesen, dann hättest Du das Geld schon gehabt." Der Bankdirector stützte den Kopf in die Hand- „Gott gebe es," sagte er halblaut. „Meine arme Mieze — und die alte Mutter — es ist um dieser Beiden willen, Hans, sonst könnte es mich nicht so aufregen." „Das versteh' ich ja," tröstete der Baron. „Denke nicht mehr daran, Willibald. Nach dem Essen reiten wir zusammen zur Stadt." Der Andere schüttelte den Kopf. „Entschuldige mich, Hans. Ich kann nicht über gleichgiltige Dinge sprechen — zuweilen verläßt mich förmlich mein Gedächtniß. O, -Du glaubst nicht, wie sehr ich mich ängstige." „Das brauchst Du nicht," rief der Baron- „Im schlimmsten Falle trete ich für Dich ein. Hoffentlich ist mein Name für die geringe Summe doch noch immer eine volle Bürgschaft." Willibald seufzte. „Aber was hilft mir eine solche, Hans? Ich muß das baare Geld herbeischaffen, oder —" „Ja, hat denn der Gläubiger das Depositum zurückverlangt?" „Nein, das allerdings nicht, aber selbst wenn Deine oder Fräulein Aßmanns Bürgschaft auch den Werth vollständig sicher stellen könnte, so würde man mich gleich meines Postens entsetzen und das Strafverfahren einleiten." Hans Adam wiegte den Kopf. „Das allerdings, Willibald. Aber weshalb an den ungünstigen Ausgang denken? Du bekommst zur rechten Zeit das Geld." Der Bankdirector erhob sich, er legte die Hand mit festem Druck auf den Arm des Barons und sah in das unruhig blickende Auge desselben. „Hans, willst Du mir eine rechte Liebe erweisen?" „Gewiß — wenn es mir möglich ist." „Nun, so nenne mir den Namen dessen, der Dir das Darlehen versprochen hat. Wer ist es, Hans? Etwa Herr Wolfram?" Dunkle Gluth überflog das Gesicht des Barons. „Mein armer Erich dankt Gott, wenn er sich selbst durchhilft, Willibald. Der würde mich, wenn er das Geld leihen könnte, nicht so lange haben warten lassen- Nein, nein, es ist ein Anderer, ein Finanzmann natürlich, von dem ich die Summe erhalte. In solchen Fällen ist indessen, wie Du weißt, Discretion geboten, Willibald." Der Bankdireetor schwieg. Hans Adam sprach in diesem Augenblicke die Unwahrheit, das sah er, fühlte er, aber was half es, darüber zu grübeln oder gar den Verdacht in Worte zu kleiden? Er gab Alles auf, Alles. „Adieu, Hansl" „Willst Du nicht züm Mittagessen bleiben, Willibald?" Der Andere schüttelte den Kopf. „Ich kann es unmöglich — jeden Bissen müßte ich würgen. Avieu!" „Habe ich das Geld, so komme ich gleich zu Dir, Willibald. Aengstige Dich nur nicht, mein Alter." Ein trübes Lächeln war des Directors einzige Antwort. Er ging die Treppe hinab, den Tod im Herzen. Wieder sah ihm Hans Adam durch das Fenster nach; eine innere, unbezwingliche Unruhe folterte dabei feine Seele. Wie sollte das Alles enden? Er stützte den Kopf in die Hand und verzehrte sich in fruchtlosem Grübeln. Heute früh war er unten am Strande gewesen; da starrten aus der weißen Schneedecke die Holzgerüste der Maschinen wie hohe, unheimliche Galgen hervor — man arbeitete nicht mehr, der Frost im Boden ließ es nicht zu- Vielleicht war das gut. Der Betrieb verschlang Unsummen und immer noch fehlte die rechte Ausbeute. Er mußte Neues hinzukommen, große, bedeutende Unternehmungen, die baare Kapitalien in'ö Haus brachten, oder - — Und dann machten die schweifenden Gedanken unwillkürlich Halt- War es denn glaublich, daß Wolfram fortgesetzt alle Bitten und Vorstellungen zurückwies, daß er sich auf nichts, gar nichts einlassen wollte? Der Justlzrath Gebhardt war halb und halb gewonnen, aber Erich blieb bei seinem unerbittlichen Nein. Das würde auch durch kein Mittel geändert werden können; Hans Adam kannte ihn ja nur allzu wohl. Ach, wer diesen anderthalb Jahren Flügel verliehen hätte I Und dann legte der Baron die Hände vor das Gesicht. Ueber den Gedanken an Willibalds bevorstehendes Schicksal half ihm doch kein leichtsinniges: Das findet sich Alles! mehr hinweg. Der Lakai kam, um zu melden, daß angerichtet fei, und Hans Adam mußte sich in das Speisezimmer begeben. Eine traurige Tafelrunde war hier seit Kurzem versammelt; die alte Tante mit verweintem Gesicht, Ruth in schwarzen Kleidern und Adele, von der Niemand Notiz nahm, die nicht anwesend zu sein schien und kaum jemals ein Wort sprach. Selbst Hans Adams Erscheinung brachte in diese unbehagliche Stimmung keinen helleren Schein mehr hinein; man begrüßte sich stumm und erst beim Nachtisch zog der Baron ein Schreiben aus der Brusttasche hervor. „Eine Mittheilung für Sie, Fräulein Malten." Die Gesellschafterin ließ den Apfel, welchen sie gerade in der Hand hielt, plötzlich zu Boden fallen; ihr blasses Gesicht hatte sich mit dunkler Röthe überzogen. „Für mich, Herr Baron? Inwiefern denn?" Er reichte ihr das Blatt. „Ihre Gefangenschaft auf Moldt hat ein Ende, mein Fräulein; die Behörde gestattet Ihnen, da eine Anklage nicht erhoben werden wird, das Schloß zu verlassen, wenn Sie es wünschen sollten. Womit indessen," fügte er in kühl höflichem Tone hinzu, „natürlich keineswegs gesagt werden soll, daß Sie jetzt sogleich abreisen müßten. — Verfügen Sie in dieser Beziehung ganz nach Belieben." Adele verbeugte sich gelassen. „So darf ich noch vor Abend um den Wagen bitten, Herr Baron?" „Wie Sie befehlen, mein Fräulein." Das junge Mädchen schob, ehe noch die Tafel aufgehoben worden war, mit einem „Gesegnete Mahlzeit!" den Stuhl zurück und verließ sogleich das Zimmer, wie sowohl Hans Adam, als auch Ruth genau wußten, weil sie nicht im Stande war, länger an sich zu halten; ihre leidenschaftliche Natur bedurfte der Zornesäußerung so sehr, daß sie allein sein mußte, um irgend welche, Gegenstände zu zerreißen oder wenigstens, auf ihren Knieen liegend, schluchzen und sich die Haare ausraufen zu können. Hans Adam lächelte ruhig. „Sie wird ohne Abschied fortgehen," sagte er. Ruth sah ihn an- „Hans, hast Du später eine Viertelstunde für mich übrig?" fragte sie. Er schien überrascht. „Für Dich, Ruth? — Natürlich. ~ 83 - Aber war gibt es denn nur, Kind? Du mußt doch einmal wieder aufhören zu meinen." Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ich glaube es kaum, Hans." Und als dann Tante Anna unbemerkt das Zimmer verließ, fetzte sie tief athmeud hinzu: „Ich möchte Dir etwas sagen." „Was denn?" fragte er. „Es steht nicht aus, als ob diese Mittheilung eine angenehme, gute sei. Du bist krank, Ruth, ich werde den Arzt holen lassen. Einen anderen als den früheren natürlich." Das junge Mädchen schauderte. „Nein, nein, Hans, Du irrst vollständig. Sage mir, bezieht sich die Freiheit, zu kommen und zu gehen, wie man will, außer auf Adele Malten auch auf mich selbst?" „Gewiß," antwortete er. „Weshalb fragst Du, Ruth?" „Weil ich Moldt verlassen möchte, Hans. Onkel Leopolds Geld bleibt Dir unverkürzt, aber ich selbst will von hier fort." Der Baron erschrak heftig. „Ruth!" rief er. „Komm' zu Dir, Kind." Sie lächelte traurig. „Das Alles ist mit Muße überlegt, Hans. Mein Entschluß steht ganz fest; ich gehe." „Aber wohin denn, Ruth? — Ich bin ganz erstarrt. Könntest Du mich wirklich so furchtbar verletzen wollen?" „Dich?" bebte es von ihren Lippen. „Dein Haus ist mir immer eine geliebte Heimath gewesen. Hans, ich trenne mich schwer von Moldt und auch von Dir, aber es muß fein." „Wohin gedenkst Du zu gehen?" wiederholte er. »In ein Diakonissenhaus. Ich muß den inneren Halt wiederfinden, muß mich aufrichten an etwas Stärkerem, an einer Pflicht, die mein Leben ausfüllt." Der Baron wechselte die Farbe. „Aber das Alles braucht doch nicht so über das Knie gebrochen zu werden, Ruth. Laß einmal ein Jahr vergehen, laß diese deprimirenden Eindrücke schwächer werden und fasse dann in aller Ruhe Deine Entschlüsse. Du möchtest doch späterhin eine jetzt begangene lieber- eilung auf das Lebhafteste bereuen müssen." Sie schüttelte den Kopf. „Niemals, Hans. Ich bin mit mir vollständig im Reinen; hier zu bleiben wäre unmöglich." „Weil Dein Name für kurze Zeit ein Gegenstand des müssigen Gespräches geworden ist, Ruth? Bist Du so empfind- lich? Kannst Du mich verletzen wollen um ein Nichts? Noch dazu, nachdem die öffentliche Meinung ungeteilt für Dich Partei genommen hat?" Ruth deckte secundenlang die Hand über die Augen. „Ein Nichts, sagst Du, Hans? — Daß man mich des Mordes fähig hielt?" yo „Was wird nicht Alles behauptet und wieder vergessen! — Du stehst im Begriff, eines bloßen Gedankens wegen ein Leben voll Anstrengung und Mühe auf Dich zu nehmen, ein Dasein, das zu jeder Stunde Opfer heischt. Wenigstens sollte eine so schwerwiegende Frage sorgfältiger überlegt werden." „Das ist geschehen, Hans; auch Tante Anna theilt vollständig meine Ueberzeugung. Es erübrigt sich für mich nur noch, zu erfahren, ob Wolframs Rechte als Vormund weit genug gehen, um meinen Entschluß zu vereiteln." „Das glaube ich nicht," versetzte der Baron. „Hast Du denn schon Verbindungen angeknüpft, Ruth?" „Noch nicht, aber das ist Nebensache; eineßStellung als Probeschwester findet sich jedenfalls sehr schnell." Und dann reichte sie ihm über den Tisch die Hand. „Wir bleiben gute Freunde, Du und ich. Nur jetzt mußt Du mir nicht in den Weg treten, Hans." Er seufzte. „Kann ich denn das? — Wahrlich, das Sprüchwort hat Recht: Ein Unglück kommt niemals allein." Hinter ihm verschwand die schlanke Mädchengestalt durch eine Seitenthür und wieder war er allein. Gleich einem Blitz aus heiterer Luft hatte ihn dieser neue Schlag getroffen. Die Dienerschaft begann den Tisch abzuräumen, der Lakak brachte Kaffee und Cigarren, aber Hans Adam ließ Beides unberührt stehen; dann gab er Befehl, das Pferd zu satteln- (Fortsetzung folgt.) Von Professor Dr. Curt Lampert. Nachdruck verboten. In den letzten Augusttagen des vergangenen Sommers sah Friedrichshafen eine stattliche Zahl Mitglieder deutscher Fischereivereine versammelt, die gekommen waren, um an den Ufern des Bodensees den vierten deutschen Fischereitag zu begehen. Eine Fülle des Interessanten und Schönen ward geboten in Vorträgen und festlichen Veranstaltungen; einer seltenen Gunst der Witterung hatten sich die Theilnehmer der Fahrten über die blaue Fluth hin zu erfreuen, und damit auch materielle Gelüste ihre Befriedigung fänden, war wenigstens in einer Restauration, in Langensteins bekannter Fischküche, Gelegenheit geboten, die Schätze, die das schwäbische Meer birgt, practisch auf ihre Güte zu erproben- Ist es zu spät, wenn wir jetzt, während die Winterstürme über die im dichten Nebel endlos erscheinende Wässerfläche hinbrausen, nochmals der sonnigen Augnsttage gedenken und des Interesses, welches uns an den Bodensee geführt? Mit rund 540 Quadratkilometer Oberfläche beansprucht der Bodensee einen Platz unter den größeren Seen der Erde und zählt mit dem Platten- und dem Genfersee zu dem Trifolium der größten Seen Mitteleuropas. Fünf Staaten grenzen an seine Ufer und theilen sich in seinen Besitz, und daß ein Seebecken, dessen Inhalt auf 40000 Milliarden Kubikmeter berechnet wird, auch eine nationalökonomische Bedeutung besitzt durch den Fischreichthum, den diese Wassermenge beherbergt, liegt auf der Hand. Dem Rheingebiet angehörend, zählt der Bodensee im Ganzen 27 einheimische Fischarten als seine Bewohner, während dem gesammten Rheingebiet 47 Arten zukommen, bet Rhein selbst unterhalb des Falles bei Schaffhausen 33 verschiedene Fische beherbergt. Eine treffliche Uebersicht über die im Bodensee vorkommenden Fische giebt ein vor einiger Zeit erschienenes Werk des bekannten Ichthyologen Professor Klun- zinger über „Bodenseefische, bereit Pflege unb Fang", auf welches auch hier hingewiesen sein mag, da es uns nicht in trocken wissenschaftlichem Ton über die Formen und sonstigen Eigenschaften der Bodenseefische belehrt, sondern auch über Masse, Fang, Verwerthung u. s. w. eine Reihe interessanter Mittheil, ungen macht, die wir in dieser Zusammenstellung bisher in der Literatur vermißt haben. U Fast ein jeder größerer See hat seine Fischspecialität, unb wer einmal am Bobensee geweilt, hat von Felchen zum Min- besten — gehört- Sie stehen mit den Forellen auf der Speisekarte eines Bodenseehotels obenan, freilich leider nicht immer; denn Tage lang kann man am Bodensee sein, ohne baß, zum Aerger bes Wirthes unb bet Gäste, bet Felchenfang eine Ausbeute liefert, unb feitbem es möglich geworden, in Eisverpackung unb directen Zügen bie Felchen weithin zu verschicken, kann man leichter in Stuttgart, als am Bodensee Felchen erhalten- Die Felchen, deren Arten von dem Zoologen zur Gatt- tung Coregonus zusammengefaßt werben, unb bie aus ben bayerischen Seen, wie Königssee, als Renken bekannt werden, sind nicht nur vorzügliche Spezialfische, sondern auch in ihrer Lebensweise von besonderem Interesse. Am Bodensee wird mit der allgemeinen Bezeichnung Felchen speciell der Blaufelchen gemeint; seine Heimath ist der offene See; nie kommt er ans Ufer oder in seichtes Wasser; mit Vorliebe hält er sich, wie feine aus kleinen Krustern bestehende Nahrung, in der Tiefe auf, bei wärmerer Temperatur und ruhigem Wasser kommt er, besonders bei Nacht, an die Oberfläche, von welcher ihn aber Kälte und Stürme sofort wieder in die Tiefe vertreiben. Kein Wunder, daß der Fang der Felchen eine besondere Methode erfordert und sehr vom Zufall abhängig ist. Der Fang mit der Angel ist von vornherein ausgeschlossen, da der Felchen als „Friedfisch" auf keinen Köder anbeißt, so daß nur das Fischen mit dem Netz übrig bleibt. In ganzen Flotillen sammeln sich im Ueberlinger See die Felchenschiffe, von denen aus den ganzen Tag, von früh bis Abends große eigens kon- -- 84 - struirte wandförmige Netze ausgeworfen und wieder eingezogen werden. In einem andern Theil des Sees, bei Langenargen, wird dem Nachtfaug der Vorzug gegeben; an Schwimmern werden des Abends bis zu einer Tiefe von circa 20 Metern gewaltige Netze von 1200 und mehr Meter Länge versenkt, die die Nacht über im See bleiben, am nächsten Morgen, an welchem das schwimmende Netz von Wind und Strömung oft weit Hinweggetrieben ist, muß es wieder aufgesucht und herausgeholt werden. Bei beiden Methoden ist es in gleicher Weise dem Zufall anheimgegeben, wie viel Fische zufällig in den Maschen hängen geblieben sind. Viele Züge sind leer, 10-20 Stück Felchen giebt Klunzinger als den Durchschnittsertrag eines Netzzuges beim Nachtfang an, und nicht viel besser stellt sich ost das Resultat einer Tagesarbeit. Sind die Fische in größere Tiefen gegangen, so sind sie sicher geborgen und völlig unerreichbar. Nur in der kurzen in den Winter fallenden Laichzeit werden auch größere Maffen gefangen, und manchmal läßt die Laune des Glücks den Fischer, der sich unverdrossen plagte, auch einen Petrifischzug thun. Die Menge der im Laufe eines ganzen Jahres zum Fang kommenden Blaufelchen wird auf 100000-120000 Stück geschätzt. In ähnlicher, zum Theil auch größerer Zahl wird der nächste Verwandte des Blaufelchen, der Gangfisch, erbeutet, der zoologisch kaum vom Blaufelchen zu unterscheiden, in seiner ganzen Lebensweise sich aber wesentlich anders verhält und selbst nach seinem Tode einer anderen Behandlung unterliegt. Während die Felchen ausgeweidet und frisch verschickt werden, kommt der Gangfisch geräuchert in den Handel, wie der Leser schon aus Ekkehard weiß, denn geräucherte Gangfische sind es, die der fischkundige Leutepriester Märgal seinem auf Hohent- wied ziehenden Mitbruder Ekkehard vorsetzt, nachdem ihm dieser Wildgänse und Rohrdommel so schnöde verscheucht. Mit den Felchen eoncurirt um den Ruhm, der trefflichste Bodenseefisch zu sein, wie schon oben angedeutet, erfolgreich die Seeforelle, und im Preis steht sie mit IV2—2 Mark pro Pfund weit über den Felchen, bei denen das Pfund nur bis zu 1 Mark gezahlt wird. Der stattliche Fisch, eine Zierde jeder Tafel, erreicht das Gewicht von 15 Kilogramm, und jährlich werden im Durchschnitt circa 8000 Kilogramm gefangen, theil- mit Stellnetzen, theils mit Angelschnüren jeder Art. Während die Felchen hauptsächlich nach Süddeutschland und der Schweiz versandt werden, gehen die Seeforellen, die im Gegensatz zu den Felchen nicht ausgeweidet werden, besonders nach Frankreich, resp. Paris. (Schluß folgt.) GeMsiirniWges. Zur Pflege der Cauarienvögel. Als gutes Futter für Canarienvögel gilt Sommerrübsamen, gemischt mit etwas Hafergrütze, Hirse, Mohn- und Canariensamen, zeitweise auch gequetschten Hanfsamen. Zuckerwaaren sind dem Canarien- vogel schädlich, dagegen bekommt ihm Salat, Kohl und Aehn- liches sehr gut. Zur Fütterung eben ausgebrüteter Jungen setzt man den Alten neben ihr gewöhnliches Futter noch eine Mischung von hartgekochtem Ei und eingeweichter Semmel hin; sobald die Jungen ca. 14 Tage alt sind, kann man gekochten und darnach in frisches Wasser geschütteten Sommerrübsamen geben. ♦ * * Teller und Schüsseln mit geneigter Bodenfläche. Eine Neuerung, bei der man sich eigentlich wundern muß, daß man auf den ihr zu Grunde liegenden Gedanken nicht längst gekommen, bilden die von H. Schild in Vegesack angegebenen Teller, bei denen der Boden nicht wie gewöhnlich horizontal ist, sondern nach einer Seite hin schräg verläuft, wodurch es möglich wird, den letzten Rest von Suppe, Brühe rc. dem Teller mit dem Löffel zu entnehmest, ohne den Teller, wie bisher üblich, heben zu müssen. Die gesetzlich geschützte Neuerung dürfte wohl auf eine allgemeine Verbreitung rechnen können. * * ♦ Alpenveilchen zur Blüthe zu bringen. Das durchwinterte Alpenveilchen (Cyclamen) darf nicht an Frost gelitten haben. Im März pflanzt man die Knollen frisch ein und hält sie nahe am Glase. Die Pflanzen dürfen nur mäßig begossen werden. Die Topferde, welche dieser Blume am zuträglichsten ist, besteht aus zwei Theilen Laub-, zwei Theilen Mtstbeeterde und einem Theil feinem Quarzsand. Zu bemerken ist noch, daß diese Zimmerblume dem grellen Sonnenlichte nicht ausgesetzt werden darf. Vermischtes. Der Schmuck, welchen die Kaiserin auf dem Sub- scciptionsballe im Berliner Opernhause trug, erregte nicht nur die allgemeinste Bewunderung, sondern wurde auch von Juwelieren, die auf dem Balle Gelegenheit hatten, den Schmuck zu sehen, mit den Worten: „So etwas habe ich noch nicht gesehen!" als etwas Außergewöhnliches bezeichnet. Außer dem Collier, welches aus Smaragden von kaum gesehener Größe bestand, trug die hohe Frau einen wahrhaft fürstlichen Reich- thum von Brillanten. Auf dem Zobelbesatz der canariengelben Atlasrobe glänzte zunächst der Brillantstern zum Schwarzen Adlerorden an der linken Brust, während eine Brillantbroche von ungeheurer Größe mit langen Brillantschnüren zwischen Sternen und Agraffen von Brillanten das Hauptstück an der Taille bildete. Brillantschleifen-Sterne und -Agraffen von ungeheuerer Größe und sprühenden: Feuer funkelten an den Schultern. Das Haupt zierte ein großes, wunderbar schönes Brillantdiadem und die Armbänder wurden aus Brillantschnüren gebildet. Zu sdiesem fürstlichen Schmuckstück ist, wie erzählt wird, jene Hutschnalle Napoleons I. verwandt worden, welche bei Waterloo mit dem Wagen und der gesummten Feldequipage Napoleons von einem preußischen Husaren-Regiment erbeutet worden war. Dem preußischen Krontresor wurde dies Schmuckstück durch Friedrich Wilhelm III. einverleibt. Der König hatte die Edelsteine abschätzen und den Werth dem betr. Husaren- Regiment auszahlen lassen. Dies Kleinod besteht aus einer Plaque von Brillanten, welche den Hutknops darstellt, und zwei davon ablaufenden Schnüren, deren jede 16 einzelne Brillanten enthält. Das Ganze endet in einer Brillantschleife. Sämmt- liche Theile sind auseinanderzunehmen und einzeln zu tragen. Schlagfertig. Frau Klug: „Ist Frau Schnetter zu Hause?" — Bridget: „Dir Madam ist zu Haus, aber sie hat mir gesagt, ich sollt' sagen, es thät' ihr leid, daß sie aus wär'." — Frau Klug: „Dann gehen Sie gleich hinein und sagen Sie Ihrer Madam, daß ich sehr froh wär', daß ich sie nicht zu Hause angetroffen habe." ♦ * ♦ Philosophisch. Stromer (vor der Börse): „Reich- thum macht nicht glücklich, det steht bombenfest. Ick armer Kerl ärjre mir über die Schnapssteuer doch lange nich so doll, wie der reiche Commerzienrath da über die Börsensteuer!" Mutterwitz. Herr (einer jungen Dame den Arm anbietend): „Darf ich so frei sein?" — Deren Mutter: „O, Herr Doctor, Sie dürfen sogar Freier sein!" ♦ * * Begründung. A.: „Aber warum hast Du denn zur Fahrt nach Hause den theuren Courierzug und nicht den weit billigeren Bummelzug benützt?" — Studiosus: „Ja, weißt Du, der hält gar so oft an und — nüchtern wollt' ich doch nach Hause kommen!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.