Nr. 122 1893. H--Sxs NntevhaltttirgsdLatt jum GLetzenev A-rZsig-v (Genepcrl Anzeigev) Dienstag, den 17. Oktober. 'N. wissen? - O. - rtb der „blaue seine 24 ver« sind. Kleinere >et der vorher verschiedensten ■ B. hat sich äuslich nieder, md die Juwr. nzsaal besitzen, rs, Zahnärzte, len Maschinen- . Acht große ;m sämmtliche erhalten, und :ür die Kohlen, sicht hervorzu- wher gesehener iche Finsterniß itnen von 750 völf Personen- vampfpumpen, während zwei Trink-, sowie gehoben wird. ?er (Director), sielten die Ant- »elcher nament- gezahlt werde, n dieselben je viele Miether auch schon ein nn das ganze simaurer-Logen enzsäle normal a-Miether, die mem gegebenen ! der „masonic I. lstenden ameri- t dem Gefühl, >s die moderne in könne, aber en sich gegen- in Vordergrund - Tempel" weit h nämlich um g“, — vier- nie das vorher «en soll. Den sin, an welchen klichkeit reprä- rgen anlehnen, Gebäude von den eben ein- nun seid Ihr g', würdet Ihr !ttl" ch an Sie ge- iei welcher Ge- „Jn der Eon- Dunkle Mächte Novelle von B. Corony. wehte — die weißen Blüthen der Akazie flogen wie Schneeflocken durch die laue Luft, und in Ihrem schwarzen, krausen Haar schimmerte es silberweiß. Als ich mich herabbeugte, duftete es mir berauschend entgegen- Will die Erinnerung an das Alles nicht wiederkehren?" „Ja," klang es wie ein Hauch von den geöffneten Lippen, hinter denen zwei Reihen köstlicher Perlen blitzten. „Ja — im blauen Salon, im Garten unter der Akazie." „So wie damals müffen Sie zu Rafaels sprechen, müssen bemüht fein, mit aller Gewalt der Ueberredung auf sie einzuwirken und einen Heilungsproceß dieser an unüberwindlicher Sehnsucht krankenden Seele herbeizuführen. Müssen so handeln, nicht weil ich Sie daran mahnte, sondern an Ihre eigene, unbeeinflußte Willensfreiheit glaubend. — Wollen und werden Sie das?" „Ich will und werde es." „So schlafen Sie noch I Schlafen Sie noch, meine Theure, um nach einer Stunde recht gestärkt, erquickt und durchdrungen von Ihrer großen Aufgabe zu erwachen." Er verließ sie und begab sich in das Wartezimmer, wo bereits viele Personen höherer Stände seiner harrten. Es war Modesache geworden, ihn zu consultiren- Der Einfluß, den Frank auf Magda ausübte, nahm wirklich täglich und stündlich zu. Der Waise wurden die Worte, welche sie sprechen sollte, förmlich in den Mund gelegt und stets gelangte sie, wenn auch erst nach längerem Sträuben, zu der Annahme, nur ihre eigenen Eindrücke und Wahrnehmungen zu schildern. Mit ungewöhnlicher Einbildungskraft begabt und fast immer nervös erregt, war es ihr unmöglich, ein klares, fest abgegrenztes Bild der Vergangenheit heraufzubeschwören und festzuhalten. Jeder Erregungszustand vermindert ja die kaltblütige Ueberlegung, die für einen zuverlässigen Erinnerungsact nothwendig ist. Rafaele hörte der Freundin stets schweigend zu. Sie fand kein Wort der Vertheidigung für den Fernen, dessen Schuld so klar zu Tage lag, aber einem neuen Glück konnte ihr Herz sich trotzdem nicht zuwenden. Gibt es doch auch seltene Tropenblumen, die nur einmal ihre entzückende Pracht entfalten und dann niemals wieder. VIII. Die so schnell in Aufschwung gekommene Heilanstalt wurde nicht selten von fremden Aerzten besucht. Frank liebte das. Er sah es gern, wenn Sachverständige die zweckentsprechenden und luxuriösen Einrichtungen besichtigten und den staunenerregenden Experimenten beiwohnten. Es schmeichelte seinem Ehrgeiz, wenn nicht nur Fürsten der Wissenschaft, sondern auch jüngere, noch wenig bekannte Mediciner in Clauswitz erschienen- (Fortsetzung.) Ihr Kopf sank an die Lehne des Stuhles. Die dunklen Augen nahmen einen ängstlichen Ausdruck an. „Ich weiß nicht — ich weiß nicht stammelte sie gleich einer Schlaftrunkenen. „Mir ist es oft, als wäre ich nur mehr ein Spielzeug in Ihrer Hand, als könne ich nur mehr so hören und sehen, wie es mit Ihren Absichten übereinstimmt, als sei ich in einem Grade unterjocht, der sich in förmliches Ergriffensein von einer Gewalt, die etwas Unbegreifliches, Unheimliches, Satanisches hat, umwandelt. Aber ich werde, nein, H werde nicht länger die Sclavin eines fremden, tyrannischen Willens fein I Ich lehne mich auf! Ich spotte dieser Macht! Ich trete sie unter die Füße, wie einen Wurm, wie eine Sifenael M will nicht, will nicht, will nicht!" Die feinen Hande ballten sich und mit grellem Auflachen, das etwas Entsetzliches, an Irrsinn Mahnendes hatte, sank Magda wieder in den Stuhl. „Mein armes Kind, meine liebe, kleine Freundin, wie krank Sie sind! Wie Sie leiden!" sagte Frank mild und legte die eine Hand auf die Stirne, welche kalter Schweiß bedeckte und die andere in den Racken des Mädchens, als wolle er das schöne, sich unruhig hin und her bewegende Köpfchen stützen- »Sie dürfen nicht so aufgeregt, so wild fein. Ich will Sie ja nur an die Eindrücke, welche ihr scharfer Verstand empfing, mahnen. Wissen Sie nicht mehr? — In der mittleren Fenster« nische des blauen Salons war es, und dann später im Garten, unter der blühenden Akazie, als Sie mir sagten: „Ich miß« traue diesem Erich von Degenfeld. Ich weiß, daß er Rafaele nicht liebt, wie sie geliebt zu werden verdient- Könnte ich sie nur warnen! Aber ich wage es nicht." Jetzt müssen Sie es wagen, wenn Sie das Glück der Freundin und das meine retten wollen. Doch nun genug! Strengen Sie sich nicht an. Ruhen Sie! Schließen Sie Ihre fieberglänzenden Augen. So, so I — Recht, mein Kind!" Franks Stimme wurde immer leiser und sanfter und der zornige, verzweifelte Blick Magdas allmälig leer und starr. „Senken Sie die langen seidenen Wimpern. Ah — nun verhüllen sich schon wie dunkle Schleier die schwarzen Diamanten, in denen die ganze Gluth des Südens flammt. Schlafen Sie recht sanft und süß. Im blauen Salon war es, hinter den Spitzenvorhängen stehend sprachen Sie Ihre Zweiftl an Degenfelds Rechtschaffenheit aus und dann nochmals im Garten- — Besinnen Sie sich nur! Ein sanfter Wind e a ■sml — 486 = Sie dursten immer auf einen entgegenkommenden Empfang rechnen. Eines Tages hörte Magda, über den langen, mit Statuen, Spiegeln und Palmen geschmückten Corridor gehend, Jemand, dessen Stimme unklare Erinnerungen in ihr weckte, zu dem Diener sagen: „Bringen Sie dem Herrn Doctor meine Karte." „Sehr wohl!" wurde erwidert. Nur einen Blick warf das Mädchen auf den Fremden, der sie seinerseits überrascht betrachtete, und wollte vorbei- schlüpfen, als die Worte: „Fräulein von Bodenstein, gestatten Sie mir, Sie zu begrüßen," chren Schritt hemmten. Erstaunt und etwas verlegen sah sie zu dem schlanken, eleganten Mann auf, dessen feines Gesicht ein dunkler Bollbart umrahmte. „Sie erkennen mich wohl nicht mehr, gnädiges Fräulein?" „Wirklich — Ihre Züge sind mir bekannt, aber —" „Erlauben Sie, daß ich mich Ihnen hiermit als der ehemalige Student und jetzige Nervenarzt Doctor Fritz Werner vorstelle." „O, mein schlechtes Gedächtniß! — Und es war doch eine so schöne, glückliche Zeit, als hier noch ländliche Feste gefeiert wurden und farbige Lämpchen magisch aus dunklem Laub und kühlen Grotten hervorleuchteten. Willkommen! Willkommen!" rief sie, ihm die Hand reichend. Mit warmem Interesse sah er in das pikante, geistig belebte und doch träumerische Gesichtchen. Als er geschieden, war Magda fast ein Kind gewesen und nun stand sie vor ihm, immer noch sylphenartig schlank und zart, nicht schön in gewöhnlichem Sinne des Wortes und doch unbeschreiblich anziehend durch das Fremdartige ihrer ganzen Erscheinung. Die Wangen bedeckte jene matte Bläffe, welche manchen Bewohnerinnen heißerer Zonen eigen ist, und die nachtdunklen Augen erschienen fast unnatürlich groß und strahlend. Ueber der feinen Nasenwurzel vereinigten sich beinahe die kühn geschwungenen, etwas zu starken Brauen. Ein seltsames Spiel der Natur, welches der Aberglaube des Volkes als unglückbringend deutet, weil es an Ahasver, den Verdammten und ewig Ruhelosen, erinnert. „Der Herr Doctor läßt bitten," unterbrach die Stimme des Dieners das beobachtende Nachsinnen Werners. „Auf Wiedersehen! Rafaele wird sich freuen, von frohen Tagen mit Ihnen sprechen zu können," sagte das Mädchen forthuschend. Er blickte ihr nach und begab sich dann zu Frank, der ihn freundlich, aber doch mit jenem Stolz, welcher ein bis an die äußerste Grenze entwickeltes Selbstgefühl verräth, empfing und in den Saal geleitete, wo er seine hypnotischen Kuren vornahm. Hier sah es freilich eleganter aus, wie in dem kleinen Haufe in P. Schon das Mystische der ganzen Einrichtung mußte einen unwiderstehlichen Sinnenreiz auf nervös beanlagte Personen ausüben. Die ganz mit dunklem Seidenstoff überzogenen Wände, die schwellenden Teppiche, deren Farben gleichsam ineinander verschwommen, die von der Decke herabhängende Ampel — Alles hatte einen düsteren Character, sogar der Kamin aus schwarzem Marmor. Nichts war zu sehen, was die Aufmerksamkeit auf sich concentriren und den unheimlichen Zauber, den das Ganze ausübte, zu lösen vermochte. Auf den weichen Möbeln saßen und lagen Personen in den sonderbarsten Stellungen, man hätte meinen können, in ein Wachsfiguren-Cabinet zu treten. Hier saß eine Dame, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ohne Stütze und dennoch schlafend, dort lag ein junger Mensch, als wäre er eben von einem hohen, steilen Berg herabgerollt und in einen Felsenspalt gefallen. Während Werner die anwesenden, zum Theil bereits in Schlummer Versenkten, zum Theil desselben noch Harrenden betrachtete, öffnete sich die Thüre und ein alter, ärmlich gekleideter Mann trat ein. „Jetzt sollen Sie einem der intereffantesten Experimente beiwohnen," flüsterte Frank, deffen Augen von dem Feuer der Begeisterung glühten, Werner zu. „Dieser Neubert ist seit sünszehn Jahren Schreiber bei einem Rechtsanwalt, steht in tadellosem Ruf und hat sich bisher immer durch großen Fleiß und gewiffenhafte Ehrlichkeit ausgezeichnet. Infolge angestreng, ter Arbeit, die oft des Nebenverdienstes wegen auch auf die Nachtstunden ausgedehnt wurde, befiel ihn jedoch ein nervöses 4 Leiden und er gerieth in Gefahr, sein karges Einkommen zu verlieren. In diesem verzweifelten Zustand wandte er sich an mich, dem es auch gelang, eine bedeutende Befferung herbeizuführen. Seitdem weiht er mir, den er als seinen Retter und Erlöser betrachtet, warme Dankbarkeit. — Nun, mein Freund, wie geht es heute?" fuhr er fort, sich zu dem Neugekommenen wendend. „Ich bin fast hergestellt," erwiderte der Schreiber. „Zu- weilen nur empfinde ich noch einen schmerzlichen Druck zwischen den Augenbrauen, und dann fangen auch die Buchstaben an, hin und her zu schweben und sich wie im Tanze zu drehen. Doch es geht immer schnell vorüber." „Um bald gar nicht mehr zu kommen," versicherte der berühmte Arzt, indem er seinen Patienten einlud, Platz zu nehmen. „Sie scheinen schnell gegangen zu sein- Wir brauchen uns aber auch gar nicht zu übereilen und können erst einige Worte austauschen. Fühlen Sie sich zufrieden in Ihrer Stellung?" „Ach — Herr Doctor, ich beklage mich nicht, aber daß es ein elendes Dasein ist, so von früh bis spät am Schreibpult zu sitzen und kaum das Nöthigste zu verdienen, unterliegt wohl keinem Zweifel. Der Kummer läßt mich oft gar nicht zu Athem kommen. Es ist schwer, sich ehrlich durchzubringen." „Ich glaube es wohl," erwiderte Frank nachdenklich nickend. Dann lachte er, während alle noch wachen Anwesenden dem Vorgang gespannte Aufmerksamkeit zuwendeten, kurz und spöttisch, klopfte dem Schreiber auf die Schulter und sagte: „Da sind Diejenigen doch klüger, die es nicht so genau mit der Ehrlichkeit nehmen 'und für ihren eigenen Vortheil zu sorgen wtffen, ohne sich viel darum zu kümmern, ob daraus ein Rach- theil für ihre Nebenmenschen entsteht. — War, alter Freund? Meinen Sie nicht auch?" Sein scharf geschnittenes Gesicht hatte jetzt einen Ausdruck, der Rafaelens Worte: „Er erinnert ein wenig an Mephisto," vollkommen rechtfertigte. Neubert sah ihn erstaunt an, lächelte dann verlegen und erwiderte: „Sie scherzen natürlich, Herr Doctor." „Nehmen Sie an, ich spräche im Ernst." „Ich weiß ja, daß Sie es nicht thun." „Sie könnten sich irren. Ich hege meine besonderen Ansichten über die Sache. Sollte Ihnen der schöne Ausspruch: „Niemand hat ein Recht auf den Ueberfluß, so lange noch Jemand das Nöthige entbehrt!" nicht bekannt sein?" „O ja — aber--" Frank lachte wieder und strich mit der wohlgepflegten Hand über den spitzen Bart. „Wäre es denn also so unver- zeihlich, das blinde Schicksal, das dem Einen die schönsten Gaben verschwenderisch zu Füßen legt und für den Andern nichts als Leid und Elend hat, etwas zu corrigiren? Der liebe, reichgesegnete Nächste wird deshalb noch nicht zu Grunde gehen." „Der Nächste nicht — der würde es vielleicht in vielen Fällen gar nicht merken — aber etwas Anderes ginge zu Grunde." „Was denn?" „Die Selbstachtung." „Haha I — Lieber Neubert, glauben Sie, daß Jeder, vor dem man sich bi» zur Erde bückt, den man umschmeichelt und der einen Ordensstern auf der Brust trägt, in dieser Hinsicht ein ganz reines Gewiffen besitzt? Wahrscheinlich nicht. — Aber ich meine Ihnen die Versicherung geben zu können, daß er mit vollster Gemüthrruhe alle Auszeichnungen hinnimmt und nicht einmal roth wird, wenn man ihn Ehrenmann und Wohlthäter der Menschheit nennt." „Das mag ja wohl sein — allein etwas hat doch auch der Aermste, woran er mit ganzer Seele hängt und von dem er sich nicht trennen möchte. Dem ist sein Kind das Liebste, Jenem sein Weib, Dieser hegt irgend eine schöne Hoffnung; ich stehe allein in der Welt und habe nicht» al» meine Ehre, aber die nicht» fi Schatz c mich sie! fremdem ,'S „3 fall» thi „N in ausgi Aber tm - Also „H „D und fixt Nei Augenlii Frank c aber lan schlafe, < De in die H katze?" sehen." Nei sie. Al» er sofort der Hyp „R mehrere! an welch lade lieg Die Gel Der nicht am beobachte logisch f welche Hl spruch fi Suggestil Folge zu „3d suggestir« fuhr dan fortnehml Erinnern dorthin k Nm Portemoi Fra jetzt ertöt aber jede vorging, E» „Sc Muthe," Begriff, I gehalten hundert ' „3d ,,®c linke. — nicht so l Zweifel i Experime Neu etwas un hatte, vei ruf: „Je Schlaf vc - 48? aber die ist mir theurer als das Leben und wäre mir für nichts feil. Ja, ich kann es ruhig behaupten: läge hier ein Schatz aufgehäuft und wüßte ich, daß kein menschliches Auge mich sieht, so würde ich doch eher verhungern, als mich an fremdem Eigenthum vergreifen." „So denken Sie?" „Ja! — Und ich bin fest überzeugt, daß Sie es ebenfalls thun." „Natürlich, natürlich, mein Freund! Ich befinde mich heute in ausgezeichnet guter, man könnte sagen übermüthiger Laune. Aber nun Scherz bei Seite! Jetzt bin ich wieder ganz Arzt. — Also der Kopf schmerzt noch?" „Hier über den Augen." „Das soll gleich ein Ende nehmen: Lehnen Sie sich zurück und fixiren Sie diesen Ring." Neubert gehorchte. Nach drei Minuten fielen ihm die Augenlider zu, er bemühte sich vergebens, sie zu öffnen. Von Frank aufgefordert, die Arme zu erheben, that er es wohl, aber langsam, ruckweise, wie ein Automat. Gefragt, ob er schlafe, antwortete er: „Ja!" Der Doctor holte nun ein kleines Kiffen und gab es ihm in die Hand mit den Worten: „Sie fühlen doch diese Angorakatze?" „Ganz deutlich," erwiderte der Schreiber. „Sie können jetzt die Augen öffnen und werden das Thier sehen." Neubert sah sich die immaginäre Katze an und streichelte sie. Als Frank das Kiffen nahm und auf die Erde legte, stand er sofort auf und holte es. Er befand sich im dritten Grade der Hypnose. „Nun, mein Lieber," sagte der Doctor, nachdem er noch mehrere Versuche angestellt halte, „Sie sehen dort einen Schrank, an welchem zufällig der Schlüffel steckt. In der oberen Schublade liegt ein Geldtäschchen, welches zweihundert Mark enthält. Die Gelegenheit ist günstig — nehmen Sie es." Der Schreiber zögerte. Er führte den erhaltenen Befehl nicht aus, sondern sträubte sich offenbar dagegen. Werner beobachtete ihn mit stets wachsender Aufmerksamkeit. Psychologisch sind die Willensäußerungen derjenigen Hypnotisirten, welche Handlungen ablehnen, die mit ihrem Character im Widerspruch stehen, von höchstem Jntereffe. Mehrmals wurde die Suggestion wiederholt, aber Neubert weigerte sich entschieden, Folge zu leisten. „Ich muß mich entschließen, eine falsche Prämisse zu suggestiren," flüsterte Frank dem jüngeren Collegen zu und fuhr dann fort: „Es ist ja kein fremdes Geld, das Sie dort fortnehmen und zu sich stecken sollen, sondern Ihr eigenes. Erinnern Sie sich denn nicht, e« vor ungefähr acht Tagen dorthin gelegt zu haben?" Nun erst ging der Mann zu dem Schranke, ergriff das Portemonnaie und verbarg es in der Brusttasche feines Rocke». Frank strich ihm über die Stirn und sagte: „Sie werden jetzt erwachen, sich recht wohl, gestärkt und erquickt fühlen, aber jede Erinnerung an Das, was während Ihres Schlafes vorging, verloren haben!" Es geschah wirklich. „So leicht und frei war mir schon lange nicht mehr zu Muthe," erklärte der Schreiber einige Minuten später. Im Begriff, sich zu entfernen, wurde er aber von dem Arzte zurückgehalten mit den Worten: „Geben Sie mir erst die zweihundert Mark wieder, die dort im Schranke lagen-" „Ich habe sie nicht!" wehrte der Erschrockene ab. „Doch, doch! Faffen Sie nur in Ihre Tasche — in die linke. — Sehen Sie wohl, daß ich recht hatte. Sie brauchen nicht so bestürzt auszusehen. Ihre Ehrlichkeit steht über jeden Zweifel erhaben da. Es handelte sich nur um ein unschuldiges Experiment." Neubert warf das Geld auf den Tisch. Er schien sogar etwas ungehalten. Selbst, daß er die That unbewußt vollführt hatte, verletzte sein Ehrgefühl und veranlaßte ihn zu dem Ausruf : „Jetzt lasse ich mich gewiß niemals wieder in hypnotischen Schlaf versetzen!" Wieder zuckte das sarkastische, unangenehme Lächeln üttt den Mund Franks. „Wirklich nicht?" sagte er. „Nun, immerhin — Sie sind ja so gut wie geheilt — aber in solcher Aufregung dürfen Sie nicht scheiden. Ihre Stirne ist wieder heiß geworden. Bleiben Sie noch.--So, nun werden Sie schon ruhiger. Wie kann man nur so empfindlich sein! — Jh weiß, daß Sie der achtungswertheste Mann von der Welt sind. Legen Sie jetzt das Geldtäschchen hinter das Broncegitter des Kamins." Auch dieser Befehl wurde vollführt. Abermals geweckt, starrte Neubert mit einem Ausdruck des Staunens und Schreckens auf den Gegenstand, der an so unpassender Stelle lag, nieder und entfernte sich mit sehr gemischten Empfindungen. Sein hochverehrter Gönner, der edelmüthig genug war, kein Honorar zu beanspruchen, kam ihm so fremd, so seltsam und unbegreiflich vor, daß er tiefem Unbehagen, ja, sogar beklemmender Aengstlichkett nicht wehren konnte und mit einem Seufzer der Erleichterung die Hausthüre hinter stch zufallen hörte. „Es ist bewunderungswürdig, bis zu welchem Grade man den menschlichen Geist unterjochen kann," sagte Werner eine Stunde später, Abschied nehmend. „Werden Sie sich längere Zeit hier aufhalten?" fragte Frank, ihn begleitend- „Ich gedenke mich bleibend in meiner Vaterstadt P. niederzulaflen." „Dann hoffe ich, Sie öfter in Clauswitz zu sehen. Begrüßten Sie meine Frau und Mazda schon?" „Mit Fräulein von Bodenstein einige Worte zu wechseln, war mir bereits vergönnt. Darf ich mir nun erlauben, Ihrer Frau Gemahlin meine Aufwartung zu machen?" „Sie wird sicher erfreut sein." Werner fand in der That eine sehr freundliche Aufnahme, allein die Veränderung, welche mit Rafaele vorgegangen war, berührte ihn doch schmerzlich. Welche Wehmuth sprach aus dem wunderbaren Gesichte, aus den einst so schalkhaft funkelnden Augen. Wie wenig Frohsinn lag in dem matten Lächeln, welches zuweilen um den tchönen, stolzen Mund spielte und an einen sich mühsam durch Wolken hindurch kämpfenden Sonnenstrahl erinnerte. Nicht lange dehnte der junge Arzt seinen Besuch aus, erschien aber, der zuvorkommenden Einladung folgend, ziemlich häufig in Clauswitz. Er hatte selbst bei einem berühmten Professor in Nancy den Hypnotismus studirt und war sehr wohl vertraut mit dieser Wissenschaft. Franks Versuche in« teressirten ihn daher außerordentlich. Der stärkste Magnet, der ihn immer wieder nach der schön gelegenen Besitzung zog, war j doch Magdas Anwesenheit. Das gleichsam in allen Farben schillernde Wesen des Mädchens fesselte ihn immer mehr und mehr, und auch sie fing allmälig zu fühlen an, daß ihr fein Kommen und Gehen nicht mehr gleichgiltig war- Für Werner gab es überdies ein psychologisches Räthsel zu lösen. Gar Manches in dem Thun und Lassen der Waise kam ihm seltsam, überraschend, nicht recht in Einklang mit ihrem Character vor. Auch Rafaele besaß seine wärmste Theilnahme, denn er sah wohl, daß sie die Beute geheimen Kummers war. (Fortsetzung folgt.) Geiir-ninLLtzrges. Salat-Säen im Spätherbste. Um für kommendes Jahr möglichst frühzeitig Salat zu ernten, ist eine Aussaat vor Winter gut. Der Same geht gewöhnlich um einige Wochen früher auf, als wenn er erst im Frühjahre gesät wird. ♦ * ♦ Alle Fruchtruthen der Himbeeren, die in diesem Jahre getragen haben, müssen am Boden abgeschnitten werden. Von den jungen läßt man vier bis sechs stehen und entspitzt sie. Kräftige Düngung ist übrigens nölhig. Birnen in Essig. Hundert Birnen werden geschält, in Wasser leicht aufgekocht, herausgenommen, und dann Salicyl« ober Weinessig so viel darüber geschüttet, wie darüber geht, mit zwei Pfund Zucker geläutert; den Essig läßt man tüchtig mit auskochen, giebt Zimmt nach Gutdünken bei und schüttet dann das Ganze heiß über die Birnen- * * * Eingebrannter Kürbitz. Es wird eine dünne, gelbe Einbrenne gemacht, in welcher man die Hälfte einer mittelgroßen, in Butter geschnittenen Zwiebel anlaufen läßt, dann giebt man das vorbereitete Kürbißkraut mit Dille und etwas Essig dazu, füllt entweder mit Suppe oder Wasser auf und läßt den Kürbiß unter Deckel weich dünsten; ist derselbe weich, so stellt man ihn vom Herd, giebt einige Eßlöffel voll sauren Rahm dazu, rührt gut auf und richtet mit beliebiger Beilage an. * # * Preiselbeeren sehr gut und einfach einzulegen. Nach dem Verlesen schüttet man die Preißelbeeren zum Abwaschen in ein großes Gefäß mit heißem Wasser,' in dem ein Stückchen Soda aufgelöst ist, wäscht sie schnell und sauber ab und läßt sie auf einem vollständig sauberen Durchschlag ab« tropfen. Durch dieses Verfahren verlieren (wie man sich überzeugen wird) die Preißelbeeren nicht nur an Geschmack, sondern gewinnen dadurch, daß sie wohl das Herbe und Sauere, nicht aber den beliebten eigenthümlichen Geschmack verlieren. Außerdem ist nach dieser Art des Reinigens auch das Einkochen durch Zuckerersparniß etwas billiger. Auf 5 Liter Beeren l'/r Pfund Zucker, 8 Gramm Zimmt, 12 Gewürznelken. Einen Theil Zucker legt man in einen Bunzlauer Topf, einen entsprechenden Theil Beeren darauf und lasse man sie unter öfterem Abnehmen des Schaumes weich kochen, aber nicht zer- kochen. Dann schüttet man sie in eine irdene Schüssel, kocht den übrigen Theil der Beeren und rührt dann immer an einer Seite die Beeren mit einem Holzlöffel um- Dann läßt man das Gefäß zugedeckt (zum Schutze gegen Fliegen rc.) bis zum anderen Tage stehen und rührt dann die Beeren nochmals eine Viertelstunde, füllt sie dann in Töpfe, streicht sie glatt, bedeckt sie mit einem Rumpapier und bindet sie mit einem Pergamentpapier zu. • * • Kohlröllchen. Ein fester Kopf Weißkohl wird in Salzwasser halb weich gekocht, auf ein Sieb gelegt, die Blätter werden abgelöst und die dicken Rippen herausgeschnitten. Das feste Innere des Kohlkopfes wird in Speck oder Fett mit etwas Zwiebel darin gedämpft und dann in die fertig vorbereitete Fletschfarce gethan. Run nimmt man einen großen Eßlöffel von der Farce, umgiebt diese, je nach der Größe, mit einem oder zwei Kohlblättern, rollt diese auf und umwickelt sie des besseren Zusammenhaltens wegen mit einem Faden, der vor dem Anrichten sorgsam zu entfernen ist. Die Röllchen werden in heißem Fett von allen Seiten erst angebraten, bis sie hellgelb sind, dann thut man entsprechend Bouillon oder auch nur Wasser darunter. Im geschlossenen Topf müssen sie sodann etwa eine Stunde langsam schmoren, und zum Schlüsse muß die Sauce mit etwas Stärke oder Mehl rundlich gemacht werden. ♦ • ♦ Stark verbrannten Braten wieder brauchbar zu machen. Die Sauce eines außen verkohlten Bratens ist allerdings verloren und auch das Aeußere des Fleisches muß, so weit es verbrannt ist, abgeschält werden. Ist nun alles Angebrannte entfernt, so setzt man den Braten mit einem halben Liter siedenden Wassers auf das Feuer, läßt ihn auf beiden Seiten einige Minuten kochen und gießt dar schwarz gewordene Wasser ab. Ist der Braten sehr stark verkohlt, so muß das Verfahren wiederholt werden, durch welches dann auch der Brandgeschmack und Geruch völlig verschwindet. Dann setzt man das Fleisch nochmals mit kochendem Wasser, dem man da« nöthige Fett, sowie einige Theelöffel voll Fleisch.Extract beifügte, um bte verloren gegangene Kraft der Sauce wieder herzustellen, nebst etwas Salz auf's Feuer und brät nun völlig aus. ♦ ♦ ♦ Zur Reinigung der Krage« von Herren-Röcken, die durch Schweiß einen sogenannten „Fettrand" bekommen haben, empfiehlt sich folgendes Verfahren: Man tränkt den Kragen gut mit Salmiakgeist ein und läßt diesen nach Bedarf fünf bis zehn Minuten einwirken. Der glänzende Rand ist dann zu einer lockeren Masse geworden, die man mit einem stumpfen Instrument, z- B° einem Briefstreicher, durch sanftes Abkratzen entfernen kann. Sollte, was wohl selten vorkoiymen dürfte, der Fettrand hierdurch noch nicht ganz entfernt sein, so kann man die Prozedur noch einmal wiederholen. Nach dem Abkratzen wäscht man mit einem in reines Wasser ge« tauchten Wolllappen den Kragen gründlich ab und läßt ihn trocknen. Vermischtes. Der Cylinderhut als Lebeusretler. Manche Erfindungen sind so einfach, daß man sich höchlichst wundert, warum dieselben nicht schon früher erfunden wurden. Für Diejenigen, welche sich in der Gefahr des Ertrinkens befinden, hat man Rettungsbälle uyd Rettungsgürtel construirt, die in den meisten Fällen aber erst dann in Function treten, wenn es zu spät ist. Um so freudiger dürfte daher die Nachricht begrüßt werden, daß der Cylinoerhut — es ist kein Scherz — als eines der zuverlässigsten Rettungsmittel für Ertrinkende erfunden worden ist. Befindet sich Jemand in Gefahr, so wirft man ihm den Hut- Vermag der Ertrinkende ihn zu erreichen, so braucht er denselben nur mit der Oeffnung auf die Wasser» fläche zu stülpen und sich an dem Cylinderhut so lange festzuhalten, bis Hilfe mit dem Boote kommt. Der Cylinderhut faßt nämlich in seinem hohlen Raume genügend Lust, um die Last eines Menschenkörpers über Wasser zu halten. Vorerst dürste man aber nicht zu viel Vertrauen darauf setzen und zwar aus dem Grunde, weil Spaziergänger mit Cylinderhüten nicht immer in der Nähe sind. Es steht aber zu erwarten, daß die Fabrikation dieser Hüte nun einen größeren Aufschwung nehmen wird. Die Bezeichnung „Angströhre" dürfte jetzt in „Rettungsröhre" umzuwandeln sein. Tröstlich. Junger Autor: „Ist das nicht eine Gemeinheit! Der Löwenstein sagt, meine Posse wäre schlecht!" — Freund: „Aber darauf werden Sie doch nichts geben! Der kaut ja immer nur Das nach, was die anderen Leute sagen!" Raffinirt- Förster: „Was treiben Sie sich hier im Wald herum?!" — Altes Weib: „Ich soll dem gnädigen Herrn begegnen, damit er eine Ausred' hat, wenn er nix schießt!" Bedenkliches Symptom. Ein Maurer wird auf dem Bauplatz irrsinnig. Als der Arzt erscheint, fragt dieser die College» des Maurers, wie sich die Krankheit zuerst geäußert habe. „Er hat noch nach Zwölfe gearbeitet," entgegnete einer derselben, „und das ist uns Allen aufgefallen." ModerneAnzeige. „Zu einem grün garnirten Damenhut, den ich kürzlich in einer Wohlthätigkeits-Lotterie gewonnen habe, suche ich eine paffende junge Dame als Braut. Vermögen erforderlich. Gefl. Offerten unter Motto: „Lebensglück" an die Expedition dieser Zeitung. — Velocipeden-Fahrerinnen bevorzugt." Ein guter Kerl. Student: „Da schau'her, jetzt haben mir die Mäuse gar meine Stiefel zerbissen. ... Na, verdenken kann ich es ihnen gerade nicht, daß sie die ewigen Papieikragen satt haben." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.