Nnterchaltrrirgsblatt 311m Gietzenev Anzeiger» (Genevnl-Anzeigev) Nr. 70 1893. H u?E Samstag, den 17. Juni. Verschlungene Pfade. Roman von Max Hochberg. (Fortsetzung). Es war Anfang Februar. Die Neuvermählten hatten wirklich, wie Asta dem Maler mitgetheilt, als Ziel ihrer Hochzeitsreise Italien gewählt. Merkwürdigerweise trafen sie am Tage ihrer Ankunft auf der Piazetta mit Werner und seinen beiden Damen zusammen. Es gab ein allseitiges Erkennen, lebhafte Begrüßung und Fragen hin und her. Die gegen neue Bekanntschaften gewöhnlich sehr reservirte Leonore sprach außerordentlich herzlich und liebenswürdig mit den Amerikanerinnen. Der Oberst schlug vor, den Rest des Tages zusammen zu bleiben. Alle gingen mit Freuden darauf ein. Werner hätte sich am liebsten zurückgezogen, aber es war nicht gut thunlich, er hätte sich dadurch auffällig gemacht. Man speiste gemeinsam zu Abend und plauderte in einer Stunde so vertraulich mit einander, als lebte man seit Jahren in ein und derselben Pension. Für den folgenden Morgen gab man sich natürlich ein Rendezvous.-- „Also dieser blonden Deutschen wegen hat er Dich sitzen laffen?" grollte Harriet, während sie gegen Mitternacht Etties Stirnlöckchen um die Wickel schlang. Aber verlaffe sich nur einer auf Männer! Hätte ich das voraussehen können, wäre ich nicht so dumm gewesen, seinetwegen dem Vicomte den Laufpaß zu geben." „Es ist doch nun geschehen und nicht rückgängig zu machen," antwortete die practische Freundin, „in Thatsachen muß man sich finden und sich für später eine Nutzanwendung daraus ziehen. Was mir aufgefallen ist, Ettie, fandest Du nicht, seine Frau war sehr sonderbar im Gespräch mit unserem Freund Werner. Sie schlug stets die Augen nieder, wenn er sie anredete, ein paar Mal wurde sie roth und ganz verlegen. Uebrigens muß ich sie schon gesehen haben, aber wo?" „Meinst Du?" fragte Ettie phlegmatisch. „Auf dem Bilde!" schrie Harriet auf. „0 bete, das nicht sofort herauszufinden. Es liegt auf der Hand: die Zwei haben sich zu gut gekannt! Colonel Strehlen war die beffere Partie; er wurde geködert, der Alte, und der Andere bleibt ihr Freund!" „Wahrhaftig, Du hast Recht!" Die Blondine athmete rasch und ihre Brust hob und senkte sich stürmisch. „Aber ich werde dem Colonel ein Licht aufstecken. Rache thut wohl!"-- Ursprünglich hatte Strehlen zehn Tage für Venedig festgesetzt und den Carneval in Rom verleben wollen. Nun machten ihn die stürmischen Bitten der Amerikanerinnen in seinem Entschluß schwankend und er schien nicht abgeneigt, noch einige Tage zuzugeben. Leonore aber wollte nicht bleiben. Der Umgang behagte ihr nicht; Ettie und Harriet benahmen sich für ihren feinfühlenden Sinn zu frei und waren in ihren Aeußerungen zuweilen etwas gewagt und übernaiv; zudem hielt sich die blonde Wittwe stets an ihres Mannes Seite, ihr fiel dadurch die Unterhaltung mit dem Maler zu, die ihr unter dem sie beständig beobachtenden Blick Harriets zu einer wahren Pein wurde. „Wir könnten eigentlich aus Freundschaft für Sie den Carneval auch in Rom verbringen," erklärte Mrs. Webster plötzlich am Abend vor der festgesetzten Abreise Strehlens. „Sie kommen natürlich auch mit, Herr Werner, Sie dürfen nicht zum Spielverderber werden!" Der Oberst griff mit Freude den glücklichen Gedanken auf. Leonore zog die Brauen kaum merklich zusammen und schwieg. Werner glaubte den Grund ihrer Verstimmung zu kennen und wollte ihr die Beruhigung geben, sie sei seiner lästigen Gesellschaft enthoben. Er beeilte sich, zu sagen, ihn hielte es in Venedig und er würde unbedingt noch für längere Zeit dableiben. „Wie sonderbar die Deutschen sind!" wunderte sich die schöne Wittwe mit kindlich unschuldigem Augenaufschlag. „Wir drüben verbergen unsere Freundschaft nicht! Wir würden es einfach nicht verstehen, wenn ein Herr, den wir werth genug halten, unser Portrait zu besitzen, fremd thun und keine Rücksicht auf uns nehmen würde. Man kann doch seiner Freundin zu liebe ein paar Tage seines Reisezwecks opfern, das ist doch nicht zu viel verlangt." Strehlens Augen erhielten einen eigenthümlichen Glanz bei Mrs. Websters gelaffener Rede und richteten sich, Aufklärung heischend, auf seine Frau, die gar nicht wußte, wie sie sich die Aeußerung der Amerikanerin deuten sollte. „Was meinen Sie mit Ihren Worten?" fragte Werner scharf. Gleichzeitig mit ihm sagte der Oberst: „Ich bitte, Mrs. Webster, erklären Sie sich deutlicher!" „Aber in der That, Herr Werner, ich verstehe Sie nicht," fuhr die Blondine unbeirrt fort, „was ist denn dabei, wenn man seiner Freundin Bild hat und es auf dem Herzen bei sich trägt?" „Wessen Bild?" fuhr Werner auf, sich nur mühsam beherrschend. Er war vom Stuhl aufgesprungen, sie mit durchbohrendem Blick ansehend. — L78 - „Nein, Harriet, hältst Du es wohl für möglich?" staunte die Blondine. Die Gesellschafterin stand ihr an Gleichmuth und naiver Verwunderung nicht nach. Sie lachte kurz auf. „Aber, Herr Werner, weshalb die Verstellung? — Sie haben uns doch das Bild gezeigt. Es ist ein Pastellbild und mag vor drei bis vier Jahren gemalt worden fein, denn, führte sie aus, in« dem sie Leonore fixirte, „Sie trugen zu der Zeit die Locken nicht so lang wie jetzt." „Ist dem so, Leonore?" — Wetter brachte Strehlen nichts hervor. Röthe war in sein hagere» Gesicht gestiegen und ließ seine Backenknochen noch schärfer hervortreten. Leonore zitterte vor Aufregung. Leichenbläffe überzog ihr Gesicht. „Herr Werner hat nie mein Bild erhalten," bebte es über ihre Lippen. „Ich selber bitte darum, ich verlange ausdrücklich, dies angebliche Portrait von mir zu sehen!" Werner war ihr schon durch die That zu Hülfe gekommen. Er hatte das Futteral hervorgeholt und ihm das Bild entnommen. „Prinz Georg," sagte er, es Strehlen reichend, „Anno 1820 gemalt, wie der Maler auf der Rückseite bei seinem Namen vermerkt hat, wenn Sie die Güte haben wollen, sich zu überzeugen. — Das Portrait ist mir sehr theuer", setzte er nach kurzer Pause hinzu, „es kündet von einer Zeit, da heiße Liebe nur sich selbst als Preis hatte. Die Geschichte, die sich daran knüpft, gleicht einer mythologischen Fabel; sie klingt höchst unglaubwürdig und unverständlich, ein Märchen für Kinder unserer Tage." Der Oberst hatte schnellen Blickes das Bild geprüft. Es hatte feine Richtigkeit mit Werners Angabe. Er kannte ein späteres Gemälde in Oel, das den Prinzen mtt Bart darstellte. Die Echtheit der Züge war unverkennbar. Er war beschämt und athmete gleichwohl auf. Die Aehnltchkeit, und zwar eine ganz merkwürdig auffallende Aehnlichkeit des schönen Jünglingskopfes mit seiner Frau, fand er freilich auch heraus. Mrs. Webster belächelte das wunderbare Mißverständniß. Sie verbiß den Aerger über ihr verlorenes Spiel und meinte einmal über das andere: „Wie man sich täuschen kann!" Die unschuldige Ursache der Aufregung war in Werners Hände zurückgewandert. Er legte das Bild mit fast zärtlicher Sorgfalt wieder in's Futteral und steckte es zu sich- „Da die Herrschaften morgen in aller Frühe aufbrechen wollten, wäre es sehr wenig freundschaftlich von uns," — er betonte die letzten Worte ironisch, — „würden wir Sie heute lange belästigen, Herr Oberst! Zwar ist es nicht so spät, daß wir Sie um die Nachtruhe bestehlen, aber ich irre wohl nicht, wenn ich glaube, Sie haben noch mancherlei sür die Weiterreise zurechtzulegen." Weder der Oberst noch Leonore nöthigten um ferneres Verwellen. Man verabschiedete sich etwas gezwungen und wünschte sich glückliche Reise und angenehme Gefährten. Der Oberst schüttelte Werner beim Lebewohl herzlich die Hand. Er würde sich freuen, aufrichtig freuen, wiederholte er, daheim den freundschaftlichen Verkehr mit ihm fortzufetzen und hoffentlich einen sehr regen. Noch eine letzte tiefe Verbeugung vor Leonore, die für Alle nur ein sehr förmliches Lebewohl hatte, und Werner schritt, ohne ein Wort zu sprechen, an der Seite der beiden Damen die breiten Hotelstufen hinunter. Er gab dem Gon« beiter ihre Adresse, die englische Pension, an. Die blonde Wittwe bestieg die Gondel, Harriet nach ihr; Werner aber folgte nicht. Er zog flüchtig den Hut, sprang in die nächstliegende, dem Führer ziemlich laut auf englisch, dann sich verbeffernd auf italienisch: „Entgegengesetzte Richtung" zurufend. — Oben im Balkonzimmer des Hotels hielt unterdessen der Oberst die kalten schmalen Hände seiner Frau in den seinen. „Es kam so plötzlich über mich," entschuldigte er sich, „der lächelnde Hohn Ettier — die Sicherheit, mit der sie sprach, — ich fühlte mich in meinem Heiligsten verletzt, verzeih' mir die rasche Aufwallung. Ich liebe Dich ja so wahnsinnig, — der Gedanke — vergib mir!" „Es ist schon vergessen," hauchte sie und suchte ihre Hände aus den seinen zu lösen. Ein schwermüthiger Blick flog nach dem Balkon und ein bitteres Lächeln zuckte um ihren Mund. Er zog sie an seine Brust und fühlte, wie ein Schauder iber ihren Leib lief, sah, wie der halb geöffnete Mund sich herbe schloß und küßte sie nur um so leidenschaftlicher. Sie hatte ihm offen Auskunft gegeben, als er sie int November gefragt, ob sie die Seine werden wolle, sie könne nicht mehr lieben und werde nie wieder lieben. Er hatte gehofft, sie werde es nach der Hochzeit lernen und war vorläufig durch ihre Zusage zufrieden und überglücklich gewesen. Die Gewißheit, sie sein zu nennen, hatte ihm vor der Hand genügt- Nun er aber das herrliche junge Weib, an Kälte und Schönheit einem Marmorbild vergleichbar, zu eigen besaß, sollte es natürlich für ihn leben und sühlen. Er wollte auch ihre Seele besitzen, jede Regung ihre» Herzens kennen. Es sollte für ihn schlagen, heiß, wie das seine für fiel Vergebliches Begehren! — Sie gehörte ihm, war an« muthig«freundlich, unterhaltend und bestrebt, ihm manche kleine Aufmerksamkeit zu erweisen. Er empfand das Alles recht gut, nur hatte er dabei das Gefühl, sie thue es mit der wohlüberlegten guten Absicht, ihn zu erfreuen, nicht, weil sie es au» innerstem Herzensdrang heraus müsse. Er war ihr für ihre gutgemeinten Bemühungen aufrichtig dankbar, aber befriedigt war er nicht. Sie war ihm nie aus eigenem Antriebe genaht, hatte die Arme um feinen Hal« gelegt und ihm von selbst die Lippen zum Kuß geboten. Sie duldete seine Liebkosungen, aber erwiderte sie nicht. Er litt Tantalusqualen und konnte sich nicht in sein Geschick finden- Zu Anfang hatte er in seiner kurzen Bräutigamszeit ihren schönen Vetter mit Empfindungen des Hasses und Mißtrauen» betrachtet und sie scharf beobachtet. Sie hatte ihm die Wahrheit gesagt: Han» war ihr gleichgiltig, völlig gleichgiltig geworden, sie haßte ihn nicht einmal. Er hatte sich darüber beruhigt; er wußte, sie liebte Keinen. Nun waren seit gestern Nacht die eingeschlummerten Eifersuchtsregungen mit hundertfacher Kraft lebendig geworden. Leonore hatte den Abend über Kopfschmerzen gehabt und fieberte leicht, als man sich zur Ruhe begab. Sie schlief erst nach geraumer Zeit ein und dann schienen schwere Träume sie zu quälen. Der Oberst konnte nicht schlafen. Mit der Sorge eines Liebenden bewachte er jede ihrer Bewegungen- Das mattgeschliffene Glas der großen Lampe gab ein mildes, gedämpftes Licht. Er sah, wie sie mit einem Mal aus dem Schlaf aufschreckte, mit der Hand nach dem Kopfe fahrend; halb unverständliche Worte entschlüpften ihren Lippen. Im ersten Augenblick glaubte er, sie sei erwacht, doch ihre geschlossenen Augen belehrten ihn eine» anderen. Ihr Kops brannte, ihre Pulse jagten, aber ein süßes Lächeln, ein Hauch seligen Glückes verlieh ihrem Gesicht ein liebliches, mädchenhaftes Gepräge. Er beugte sich besorgt über die Fiebernde und fuhr zurück, als hätte ihn eine Natter gestochen. Ein Wort hatte er ganz deutlich gehört, ein einzige«, aber es fiel in seine Seele wie der zündende Funke in eine von Sonnengluthen ausgedörrte Gegend, der einen Waldbrand verursacht und Alles zu Asche legt, so weit er Nahrung findet- Das eine Wort raubte ihm Alles, das Wort „Paul". Leonore war längst ruhig geworden und befand sich in festem, traumlosem Schlafe, während er die langen Nachtstunden hindurch sein Hirn zermarterte und alle Verdachtsgründe erwog, um festzustellen, daß sie mit Paul den Maler, gemeint habe. Für den Fall war das Zusammentteffen mit ihm in Venedig selbstredend kein zufälliges, sondern ein abgekartetes. „Du hast recht unruhig gelegen und wiederholt int Schlaf gesprochen. Was hast Du geträumt?" fragte er anscheinend absichtslos am anderen Morgen, während sie den Kaffee eingoß. Der silberne Löffel auf der Taffe in ihrer Hand klirrte- „Ich weiß nichts mehr," entgegnete sie erröthend und merklich verlegen. „Ich glaubte, Du seiest kränker geworden?" forschte er 279 - ff habe. Ich konnte nichts dafür! Sei nur nicht böse darum, Ort. Die Blumen in dem großen Strauß am Balkon waren ^steworden; die rothsn Seidenbänder aber flatterten lustig im Wind, wie am Tage zuvor. Er trieb sie kerzengerade hoch, gleich zwei blutigen Ausrufungszeichen, und Strehlen, der im Augenblick auf den Balkon hinaustrat, schloß secundenlang die Augen, als sei ihm das Sonnenlicht zu grell hineingefallen. „Die welken Blumen dort können weg!" sagte er barsch, r L „ onore bat, der Richtung seines Blicker folgend: „Ach laß, Ludwig, sie sehen noch ganz gut au»!" Sie hatte dabei, ohne sich Arges zu denken, die Hand abwehrend auf seinen Arm gelegt. Die ausgelassene Gesellschaft drüben hatte jetzt ihren Standpunkt aufgegeben und schob sich im Gedränge weiter. Einer von ihnen wandte sich zurück und schwenkte noch ein paar Mal mit übermüthigem Juchzer den Hut nach dem Balkon. Vor Strehlens Blick tanzten tausend rothe Funken durch. Kaw! Vsü brauste ihm vor den Ohren. An Haar, I einer Parerre fleyeno, zwk Gang und Haltung glaubte er Paul Werner erkannt zu haben. I Wehr vor sich ausstreckt. „Liegt Dir vielleicht an den Blumen?" herrschte er sie an. r »Ludwig!" entgegnete sie, ihn groß ansehend. „Weshalb sollte mir daran liegen?" fügte sie mit leisem Vorwurf hinzu, indem ein Schatten von Traurigkeit ihr Gesicht überflog. Dieser Ausdruck würde ihn entwaffnet haben, hätte er nicht gedacht, er gelte dem Spender der Blumen, der heute voraussichtlich seine Gabe am Balkon vermissen würde. Mit heftigem Ruck riß er sie los, von der Empfindung beseelt, den Verhaßten so aus ihrem Herzen reißen zu können. Ec warf den Strauß mit einer Geberde de» Ekels in die Ecke des Bal. kons und rieb sich die Hände am Taschentuch, als habe er sich an den Blumen beschmutzt. So geringfügig der Auftritt war, raubte er ihr doch die I ^p^uö^chkeit für die Wiederholung des gestrigen Vergnügens. I mußte sie daran mahnen, auf die ihr zugeworfenen Sträußchen die bunten duftigen Antworten zu senden- Er sah, mrt welcher Gleichgiltigkeit sie es that und mit welcher Theil. nahmlosigkett sie heute das bunte Gewoge an sich vorüber, brausen ließ. Ihre offenbare Verstimmung reizte ihn und bestätigte ihm seinen Verdacht. . Da erscholl in einiger Entfernung hundertstimmiger Jubel, der sich sortpflanzend näher zog. Ein großer, doppelter Karren, der zusammengefügt und wie ein Schiff ausgerüstet war, er* regle lhn. Malereien und farbige Stoffe verdeckten die rohen Bretter. Ein bänderumwundener Mastbaum befand sich in der Mitte, die Segel waren aus Gaze und mit komischen Scenen bemalt, statt der Taue hatte es Guirlanden, das Deck war I mit Blumen gefüllt. Eine Schaar Graugekleideter mit weißen Hüten mühte sich scheinbar ab, das Blumenfrachischiff vorwärts zu rudern; von Zeit zu Zeit ergossen sie einen wahren Blumen. Men über die Menge, der mit Jubel ausgenommen und mit stürmischem Bombardement erwidert wurde. Der Kriegsvorrath erzeugte sich dadurch immer frisch. Das unheimliche Gefühl, der Spender des gestrigen Bouquets möchte sich unter diesen Weißhüten befinden und sie auch heute auszeichnen, trieb Leonoren das Blut in die Wangen. Strehlen bemerkte es. Seine Unruhe wuchs, seine Stirn | faltete sich. Wahrhaftig, das achträdrige Ungeheuer hielt vor dem Balkon. Ein Strauß, der den vom Tag zuvor noch an Größe und Schönheit übertraf, wurde in die Höhe gesandt. Strehlen warf nur einen Blick darauf. Das breite, rothe Atlasband war an beiden Enden mit Goldfransen verziert. Auf der einen, nach oben gekehrten Glanzseite war mit flüchtigen, genialen Strichen ein kecker Amor hingeworfen, der, auf einer Palette stehend, zwei gekreuzte Pinsel als Bekleidung und nJt (Fortsetzung folgt.) S'buStmf.-' ““ E ®“ l°»t mch J-mand. Ich I 8t wtfotoe 8uft d-Enmi mit einem $*itl auf bi« war froh, daß sie am folgenden Morgen nicht auf die fatale Angelegenheit zurückkam und der Amerikanerin mit keiner Silbe wieder erwähnte. — Der Carneval war in vollem Gange. Die Luft war mild und schön und der herrlichste Sonnenschein begünstigte das Fest der Laune und de« Frohsinns unter römischem Him- mel. Strehlen befand sich mit seiner Frau auf einem mit Teppichen und Guirlanden reich decorirten Balkon, den er für Me Carneva szeit in der Hauptstraße gemiethet- Leonorens Augen ^strahlten Lebenslust. Das bunte, lebendige Treiben macht ihr Vergnügen. Stimmungen wirken ansteckend, Heiterkeit wie Trübsinn. Sah es doch aus, als müßte er auf der Welt nur glückliche Menschen geben. Die Frauen, unter ihnen viele aus der Umgegend, trugen ihren besten Staat zur Schau; was sie an Seidensachen und Geschmeiden besaßen, hatten sie sich angehängt. Sie gingen zum großen Theil in der National- kacht, mit weißem Kopftuch, buntem Rock und sammetnem ber Brust ein Tuch von Tüll oder anderem halb durchsichtigem Stoff zusammengefaltet. Die bunte Pracht mußte auch ein düsteres Auge erfreuen. Der glänzende Corfo wogte auf und nieder. Confetti und Bouquets, Scherz- und Witzworte flogen herüber und hinüber, Jubel und Lachen aller- orten entzündend. Die lustige Neckerei artete zuweilen in einen r^ttgen Hetnen «ries ou8, wenn die Wagen sich stauten und die Parteien sich erhitzten. ®in. Herren, in lange, staubfarbene Mäntel ge- hüllt, mit spitz zulaufenden, großen weißen Filzhüten auf dem Kopf und Drahtmasken vor dem Gesicht, um gegen die gvps- werfenden Angreifer einigermaßen geschützt zu sein, kam die Straße entlang. Strehlens Balkon gegenüber pflanzten sich einige von ihnen auf und eröffneten mit ihren Blumengeschossen den Kampf gegen ihn. * w " Der Oberst reichte seiner Frau die kleinen, zierlichen ®2t(Sec Jur Verteidigung. Er selber beseitigte sich nicht Heiterkeit^' reute er über Leonorens Eifer und Da flog plötzlich ein riesiger Prachtstrauß mit lang nach- flatterndem tiefrothen Seidenband in geschicktem Wurf auf den Balkon und fiel zwischen Beiden nieder. Es war keiner der gewöhnlich cursirenden Sträuße. Ein solches Bouquet widmet K Earnevalszeit nicht aus zufälligem Anlaß, wenig- F?* "lchl einer Unbekannten und Gleichgiltigen. Strehlen L L^t darauf nieder. Ec ließ sich Zeit, es aufzuheben und spähte erst hinunter, um zu ermitteln, von wem es ge- wmmen. wesen. Sie reichte ihm statt des Rahmes, um den er sie gebeten, den Zucker und brachte ein paar unzusammenhängende SSUsVWMS-M- Traum genannten Namen eifersüchtig zu sein. Vielleicht wußte batte”016 "tEch ulcht mehr, was und von wem sie geträumt ber Corso unter dem Donner der Geschütze fein Ende fand. Leonore hatte sich von dem heiteren, harmlosen Volk«- treiben förmlich berauscht. Sie lachte immer wieder über diese s- 28d ■=» OEerMiWges Wie nutze ich das Gemüseland am besten aus? - Durch Zwischenkulturen. Setzen wir auf ein vier Fuß breites , Beet z. B- drei Reihen Sellerie, so kommt dieser in IV2 Fuß Ouadrat zu stehen. Hier können wir nun in den Rechen noch Salat, mitten in jedes Quadrat aber Winterrettig pflanzen, beide können wir vor September abernten, dann kommt sm den Sellerie erst die Hauptvegetationszeit. So vertragen sich alle Kohlarten mit Sommerrettigen, Kohlrabi mit Satar, Porree ebenfalls, stets also eine Frühgsmüseart mit einer spater zu erntenden zusammen. Für die späten Ernten säen «ar letzt noch einmal Frühgemüse, damit wir unsere eigentlichen Winter- gemüse auch für den Winter behalten! Hier sind die Treib- kohlrabie Kitzinger und Wiener Wirsing, Buchsbaumerbsen, Treibradies und schnell wachsende Kopfsalatsortenzu wählen. Kranke Topfpflanzen. Man siede die Früchte der unedlen Roßkastanie, schütte den erkalteten Abguß in die Töpfe, und sämmtliche Würmer werden, sich heftig krümmend, an die Oberpfläche kommen und verenden. Den Topfpflanzen schadet die Flüssigkeit keineswegs. * Künstlicher Gummi* refp. Kautschuk. Das Problem, künstlichen Gummi, bezw. Kautschuk herzustellen, soll nunmehr in der einfachsten Weise gelöst worden sein. Ein amerikanischer Maler soll ganz zufällig, als er sich damit beschäftigte, aus Baumwollensamenöl Firniß für Oelgemälde herzustellen, ein Product erhalten haben, welches nicht als ein Surrogat für Gummi, sondern als ein wirklicher Gummi betrachtet werden kann. Proben, welche der Erfinder einer großen Gummifabrik zu Boston vorlegte, konnten selbst von Fachleuten in keiner Weise von Naturgummi unterschieden werden; dabei ist die Umwandlung so einsach, daß der Erfinder es vorzog, kein Patent nachzusuchen, sondern die Sache als Geheimniß zu betrachten und mit Hülfe einiger Arbeiter den nach seiner Aussage höchst einfachen Prozeß bet Um. Wandlung des Oels in Gummi vorzunehmen. Bewährt sich die Nachricht, so wäre hiermit eine Unabhängigkeit der Gummiindustrie von dem immer seltener und theurer werdenden Rohmaterial, welches aus dem Gummibaume gewonnen wird, geschaffen, die sich bald in einer bedeutenden Preisermäßigung der Gummiwaaren geltend machen* würde- Jmprägnirte Staubtücher. Die bisherigen Staub- tücher, aus Leinwand oder Baumwolle angeferttgt, sind in Wirklichkeit unpraetisch, denn sie zerstören, namentlich im feuchten Zustande benutzt, die auf den Möbeln aufgetragenen Lackanstriche, Polituren u. s. w. Herr Schruef hat jetzt ein Patent erhalten auf eine neue Art Staubtücher, deren allgemeine Benutzung nicht nur in hygienischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht große Vortheile bietet. Diese neuen Staubtücher, welche mit verschiedenen harzigen Chemikalien imprägnirt sind, nehmen jeden Staub so vollkommen in sich auf, daß die damit gereinigten Gegenstände ein überraschend frisches und reines Aussehen erhalten. Bei der Reinigung der Möbel, Bilder, Fußböden sind die neuen Staubtücher bestens verwendbar, da bei ersteren selbst die feinsten Polituren nicht beschädigt werden. • Kohlsuppe. Eins derjenigen Gerichte, welches dort, wo französisch gekocht wird, in kleineren Haushaltungen häufig, in feineren Küchen bei besonderen Gelegenheiten servirt wird. Dasselbe ist einfach und billig herzustellen, sehr wohlschmeckend und somit nach jeder Richtung hin empfehlenswerth. Ein klein geschnittener Kohlkopf wird mit einigen Carotten, Rübchen, einer Zwiebel, dem erforderlichen Salz, sowie mit Pfefferkörnern in Wasser während zweier Stunden tüchtig gekocht. Diese Suppe wird selbst den verwöhntesten Gaumen befriedigen. Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Getragene schwarze Herreukletder so zu reinigen, daß sie wieder wie neu aussehen. Um getragenen schwarzen Herrentuchkleidern und Filzhüten ihre ursprüngliche Farbe wieder« zugeben, bürstet man dieselben mit einer Abkochung von Tabak, der durchgeschlagen und abgekühlt sein muß. Man trocknet die Kleider an der Luft. Zu diesem Verfahren kann man auch Cigarrenabschnitte verwenden und genügt auf */2 Liter Wasser 1/4 Liter solcher Abfälle. Verzeihlicher Jrrthum. Fremder (der das Zucht- Haus besichtigen will, zum Droschkenkutscher): „Sie können mich später wieder abholen, hören Sie!" — ,.Ja, wie lang haben Sie denn?" * , Zur neuen Mode. Frau A.: „Aber Else, Du bist ja hochmodern! Dein Mapn ist recht nobel Drr gegenüber geworden." - Frau B.: „Ach nein, im Gegentheil, deßhalb trage ich eben jetzt die Mädchenkleider von meiner Großmama ab. * e Auch ein Trost. Im Casino feierte man das sieb- zigste Geburtsfest des Präsidenten. Es ist schon außerordentlich spät, als man noch Herrn Flackert aufforderte, einen ^oast auszubringen. Lange sträubt er sich — endlich beginnt er. „Meine Herren! Ich bin kein Redner! Entschuldigen Sie also, wenn ich einen Unsinn daherred' — aber es kommt von Herzen: Unser Herr Präsident — er lebe hoch! * * * Anspruchslos. Fabrikleiter: „Bedauere, Ihnen keine Beschäftigung geben zu können — wir haben gegenwärtig selbst sehr wenig zu thun!" - Stellesuchender: „Wenn's nur a' Bifferl war wär' — viel Arbeit will i gar net. • • Relativ richtig. Gast (dem ein sehr schlechtes Effen vorgesetzt wird): „Aber bei dem Effen vergeht Einem ja aller Appetit!" Wirth: „Was wollen Sie denn mehr? • * Aus einer Vertheidigungs-Rede. ,,. . . Meine Herren, ich bitte Sie, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen; bedenken Sie, er ist schon hart genug.bestraft ge- wesen, daß er mitten im Winter eine Sommerhose erwischt hat!" . e Bildung! „Jetzt hab i heut mei' neue Wichs anzogn, mein' Cylinder aufg'setzt, mei' goldane Kett'n anthoan - und jetzt soll mir Datier sag'n, i roaar koa geduldeter Mensch! Ein rücksichtsvolles*Kind. Der kleine Hans ist unartig gewesen, die Mutter will ihn züchtigen. „Aber Mama, „t«8 d°ch - laß doch - Du Wl i- Pupa b-w Lesen." w , Umschrieben. „Wer ist denn die Dame, die Sie so eigenthümlich fixirt?" - „Das wäre nahezu mal die Schwieger mutter meines zukünftigen Tochtermannes geworden. — ,,Wte soll ich das verstehen?" - „Ich war nämlich mal mit ihr verlobt." e e Die gute Idee. A.: „Unser Doctor hat jüngst eine ausgezeichnete Idee gehabt, die ihm eine Million eingebrach hat!" - B.: „Nicht möglich! Was für eine denn?" - „Er heirathete eine Millionärin!" __!