>4 Herzogin Margü- dem Herzog Albrecht et das „Neue Wiener ;rem elfenbeinfarbigen Toilette schmückt eine de von Margueriten, : unterbrochen wirk ir Taille zwei graziös Silber reich gestickte aille ist in Schnebben- e garnirt; aus dem- ranqirt. Das ganze rd Orangeblüthen ge- h ein großer Manteau er mit einem reichen igt wird; er fällt in ld zeigt in der Mitte Strauß von großen ,u dient ein Kragen verbrämt, um gegen m de Cour fällt von ßt der Vorschrift ge< r Brauttoilette satzen el aus Ivoire drap und reich mit weißem ; Toiletten erregt eine lobe, mit den feinsten eichS IV., mit türkii- myais Bewunderung ue Robe in Brochs lbersvitzen reich und Recht ein Meisterwer! aheben die reizenden wfsend wunderhübsch! nciennestoff gemachten sind die unzähligen eißem Bolivardflanell, len Mustern gestickt i Stile, große Polster i und in der Mitt! r Krone. Besonders Zlachstickerei versehen t echten Valencienner r: „Wie, der Fersch! cwies'n?" — Zweiter cho dreimal hintenauj Onkel: „Aber werben?" — Der klein! beide Jung's l" äulein zu Haus?" - „Aber sie kam gerat! . — Stubenmädchen lerwetter! Was reiß« ent: „Wollte ein Erd- so gräßlich!" Restaurant ist «bei — A.: „Nuu, ws n Gießen. --H—--+--G'-&---S^—— Nnt-vhcrltungsblatt 311m Gietzsnev Amzeigev (GEsvnl-Anzeig-v) 1893. w Dienstag, den 17. Januar. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. (Fortsetzung). Und Hans Adam lächelte behaglich. Die altgewohnte Liebhaberei der Frauen — er kannte das. Sie waren ihm ja immer hold gewesen, die lieben Geschöpfe, deren Gunst ihm als der wahre Sonnenschein des Lebens galt- Unten fuhr der Wagen des Commerzienrather vor das Portal und nach wenigen Augenblicken wieder fort. Hans Adam warf sich auf das Sopha, um zu schlafen; er war jetzt in bester Stimmung. Famoses Mädel, die kleine Malten. Sie sollte mit nach Nizza und ihren Gehalt wollte er verdoppeln. Weshalb doch Ruth die stille, verschlossene Gesellschafterin ihrer Schwester so sehr verabscheute? Das arme Ding kam zu keiner Lebensfreude, nicht einmal zu dem gewöhnlichsten Vergnügen junger Mädchen, sich zu putzen. Man sah sie nur im grauen, schmuck- losen Kleide und mit einer nonnenhaften Frisur — und doch war Adele keineswegs häßlich oder gar unbedeutend; sie hatte prächtige dunkle Augen und einen Wuchs wie eine Gazelle. Armes, kleines Ding. — Während Hans Adam im Einschlafen begriffen war, träumte ihm, daß er sie küßte. Ein reitender Bote brachte den Brief der Barüntn zur Stadt auf das Postamt; es regnete und vom Meere herüber wehte ein scharfer Wind, der sich in der Nacht zum Sturm verstärkte. Alle Fischerböte wurden hoch auf den Strand gezogen und die Strohdächer der Häuser mit Eggen, Pflügen und Wagentheilen bedeckt. Mehr als einmal zur Zeit der Herbststürme waren die Fluthen bis hoch an das hölzerne Dorfkirchlein emporgesprun- gen, mehr als nur einmal hatten sie die leichten Hütten mit sich fortgeriffen und Felder und Gärten verwüstet. Ob das auch jetzt wieder geschehen würde? Zu Bergen thürmten sich die Wassermaffen und überschütteten mit weißem Gischt den schutzlosen Strand. Es stürmte aus Osten her gegen das Land, die Luft war erfüllt von Donnern und Heulen; bedrohliche Anzeichen häuften sich von Augenblick zu Augenblick. Auf dem empörten Meere trieben Hausgeräthe, Körper von Thieren, Trümmer aller Art, untermischt mit Baumstämmen und losgeriffenem Gesträuch. Weiterhin, wo das Land bedeutend tiefer lag, mußte die See ihre Opfer bereits eingefordert haben. Als der nächste Tag heraufzog, erschienen einzelne Fischer mit blaffen Gesichtern im Schlöffe. „Das Wasser steigt von Stunde zu Stunde, Herr Baron. Dürfen wir unsere werthvollsten Sachen, unser Vieh und die Erntevorräthe hierher bringen? Vielleicht geht ja noch Alles gut, aber man möchte sich doch lieber vorsehen." Hans Adam hatte die Leute persönlich empfangen, er gab Jedem die Hand und ließ ihnen ein tüchtiges Frühstück vor« „Bringt Alles hierher, was Ihr wollt, besonders die Kranken, die Frauen und Kinder — dann seid Ihr ruhig." Die Männer dankten sehr erfreut; aber mit der Aus« Wanderung der Ihrigen habe es noch Zeit, meinten sie. Wenn nur erst einmal das Vieh in Sicherheit sei, die Familienpapiere und die kostbarsten Sachen, dann wäre für den Augenblick gesorgt. Und so kamen denn während des ganzen Tages die Karawanen den Berg hinauf. Eine Kuh trieb der Eine vor sich her, Schweine oder Schafe der Andere; ihrer Zweie trugen einen schleunig zusammengeschlagenen Bretterkasten, in deffen Tiefe es krähte unv gackerte; in einem Sack brachte eine arme Alte ihre Lieblingskatzen, feine Tauben ein weinender Junge. „Die Mutter will sie der Köchin vom Schloß verkaufen, sie sagt, die unnützen Freffer kosten zu viel Geld." Ruth tröstete den Blondkopf. „Du sollst sie behalten, sei nur ruhig, Karlchen. Das Futter darfst Du Dir in Zukunft vom Schlöffe holen." , „Soll das ein Wort fein, Fräulein? Sagen Sie einmal „wahrhaftig"." Und Ruth leistete lachend den verlangten Schwur. „Da hast Du ein Butterbrod, Karlchen, und einen Apfel. Nun hilf auch hübsch den alten Frauen, die nicht mehr so flink laufen können, wie Du." r „ , , „Das thue ich," nickte der Junge. „Ich lasse auch den lahmen Anton, wenn er mir begegnen sollte, einmal vom Brod abbeißen und einmal vom Apfel- Sein Vater ist draußen auf der See und Mutter sagt: Mit dem zerbrechlichen alten Kahn kommt er in diesem Wetter nimmer wieder an Land." Ruth erschrak. „Sind denn die beiden Kinder bei ihrer Großmutter und ist die alte Katharina ganz allein?" „Ja, Fräulein. Sie betet immer ihren gewohnten Vers: Eine Mauer um uns bau', daß dem Feinde davor grau d Ruth streichelte das hübsche Gesicht des Knaben. „Geh hin zu der Alten, Karlchen, und sage ihr, sie soll mit den Kin« dern auf's Schloß kommen. Eine Kammer ist sür sie bereit-" Der kleine Bursche schien etwas antworten zu wollen, aber er wagte sich offenbar nicht recht mit der Sprache heraus, und erst, als das junge Mädchen fragte, was er noch auf dem Herzen habe, da sagte er halb schelmisch, halb verlegen: „Ich 26 —— möchte gern einmal einen Engel sehen, Fräulein! Sind alle so hübsch wie Sie? Und haben alle — alle — „Nun, Karlchen?" „Haben alle einen großen Korb voll Aevfel bei sich stehen?" Ruth lachte. „Wie kommst Du denn auf die Engel, Junge?" „Mutter sagt: Pastors Ruth ist ein Engel!" „Ach, das denkst Du Dir nur. Lauf' und bringe der alten Katharina meine Botschaft." Der Junge gehorchte und ändere Bittsteller traten an seinen Platz. Seit zehn Jahren abgelaufene Versicherungs- polizen wurden dem jungen Mädchen als Heiligthümer in Ver- wahrung gegeben, alte Zeitungen und Briefe, eine Fülle von bunten Wandbildern, Kuckucksuhren, Taffen mit unmöglichen Blumen, Brautkränze unter Glas und Rahmen, Photographien und Bibeln mit Silberschloß. Was jeder Einzelne besonders liebte, das brachte er bei der Tochter des verstorbenen Predi- gers in Sicherheit. Ruth war ja auch ein Kind des Dorfes. Sie entsann sich aus früherer Jugend so manches stürmischen Abends, an dem auch in dem kleinen Predigerhause an der Berglehne die werthvollsten Besitzthümer zusammengepackt und auf den Boden gebracht worden waren. Bis dahin drang das Waffer nicht- Welch' ein Vergnügen waren nicht solche Tage für sie selbst und ihre Schwester gewesen. Die Mutter hatte immer bitterlich geweint und der Vater ging mit ernstem Gesicht umher, aber die Kinder feierten ein Freudenfest. Es sah auch gar zu bunt und komisch aus auf dem Hausboden. Betten und Vorräthe, Bücher und Kleider, Alles stapelte sich neben- und übereinander, auf einem besonderen Tischchen stand jedesmal das silberne Altargeräth der Kirche. „Das dürft Ihr nicht berühren," hatte dann der Vater gesagt, und die beiden Mädchen schlichen voll ehrerbietiger Scheu vorüber an dem Heiligthum. In Ruths sanfte Augen traten Thränen. Alles dahin, Vater und Mutter und die Kindheitsheimath — Alles dahin. Wie gerne wäre sie hinabgegangen zum Predigerhause, um den lieben, alten Boden zu sehen. Es regte sich in ihrem Herzen wie heiße, unbezwingliche Sehnsucht. „Run, kleine Ruth," sagte hinter ihr die Stimme des Barons. „Du weinst? — Weshalb denn nur?" Sie wandte sich hastig ab. „Nichts, Hans, nichts. Was denkst Du, wird das Dorf überschwemmt werden?" „Ich fürchte es. Unten ist Wolfram auch in tausend Aengsten seines halbfertigen Dammes wegen." „Ach! — Und Du kannst ihm nicht helfen, Hans?" „Alle meine Leute schaufeln auf Tod und Leben, wir haben auch schon Arbeiter aus der Stadt verschrieben; aber das nützt, wenn wirklich der Anprall kommt, doch nichts, weil der Sand viel zu wenig Festigkeit erlangt." Hans Adam und Ruth gingen dann hinab in das Wohnzimmer, wo Cäcilie auf dem Sopha lag und die weißen Hände matt auf der Decke ruhen ließ, wie immer. Im Kamin brannte trotz der sommerlichen Wärme ein leichtes Feuer, der Theekeffel summte und der graue Papagei kletterte schwatzend an seiner Stange auf und ab. „Hast Du mich gern, Maus? — Hansi, wenn das nun Jemand hören würde? — Das sollen Alle hören!" Und zum Schluß lachte das Thier mit Hans Adams tiefer, wohlklingender Stimme. Ueberall in dem großen, vornehm eingerichteten Zimmer herrschte die behaglichste Ruhe und Harmonie. Nur Einer störte mit seinem Aussehen das Ensemble. Wolfram stand am Fenster und sah in den tobenden Sturm hinaus, blaß bis in die Lippen. Wie sich Männer und Frauen drängten, ihre arme Habe hinter die schützenden Mauern des Schloffes zu bringen, wie sie Sachen herbeischleppten, nicht des Aufhebens werth I Da kamen zwei Taglöhner, die miteinander einen Schrank trugen, ein uraltes, riesiges Möbel, dem schon die Füße fehlten und deflen Thüren jeden Augenblick aus den Angeln fielen. Die beiden Leute stritten heftig; man hörte allerdings in dem brausenden Sturme kein Wort, aber man sah es an ihren Bewegungen, bis zuletzt bei einem besonders starken Windstoße der Schrank von ihren Schultern fiel und in tausend Splittern zu Boden stürzte. Eine Wolke von Staub flog empor, die beiden Männer staüden secundenlang mit geballten Fäusten einander gegenüber, dann schlugen sie sich, rissen sich nieder und kämpften zum Knäuel geballt neben den Trümmern des Schrankes. Erich wandte sich ab. Immer dasselbe, ob um Tausende, um Hunderte oder ein Nichts — Kampf war doch die Losung. Da sah er hinter sich das junge Mädchen und durch sein Herz zog ein Sonnenstrahl. Sie hatten ihm ja Alle von Ruths Güte, von ihrer Barmherzigkeit und ihren immer geöffneten Händen erzählt, die Dorfbewohner, sie priesen des Pastors Jüngste bis in den Himmel, die armen alten Weiber und die Greise, Iberen Klagen Niemand so geduldig anhörte, wie das blonde Mädchen mit den sanften, sinnenden Augen. Jetzt wandte sie sich ja auch zu ihm und streckte grüßend die Hand aus. „Der Damm," sagte sie, „ich weiß — und die Tannenschonung. Aber nicht wahr, Herr Wolfram, das rathlose Völkchen da unten im Dorfe ist doch noch viel schlimmer daran? Solch' eine Hütte aus Lehm und Reisern wird weggeschwemmt, die paar Kartoffeln faulen in der Erde und die Ziege ertrinkt — dann bleibt den armen Leuten nichts als das nackte Leben." Er ließ den Satz unbeantwortet, aber er küßte die kleine Hand des Mädchens und trank doch wenigstens, ehe er fortging, eine Taffe Thee, die sie ihm bot. Auf seinem Herzen lag wie Blei die Erinnerung an den Brief des Commerzien« raths, an eine begangene Unvorsichtigkeit, die er erst zu spät als solche erkannte. Am Morgen hatte er Ruths wieder getrocknetes Costüm der Frau Consul in's Haus geschickt — und mit diesem in geschloffenem Umschlag jenen Brief. War es wohlgethan, den Händen der spöttisch blickenden Dame ein solches Document anzuvertrauen? Aber freilich, jetzt kamen die Selbstvorwürfe zu spät. Der Pfeil, einmal vom Bogen geschnellt, ist zur Schicksalsmacht geworden, im Guten oder im Bösen; wohin seine Spitze trifft, das weiß nur Gott. Ein Diener meldete, daß wieder mehrere Frauen da seien, die dringend mit dem gnädigen Fräulein zu sprechen wünschten, und so bot ihr Erich zum Abschied die Hand. „Gott segne Sie, Fräulein Ruth. Die armen, alten Weiber würden verzweifeln, wenn sie in dieser Roth Ihr liebes, theilnehmendes Gesicht nicht sähen. Aber," setzte er dann rasch hinzu, „auch ich bitte um ein Geschenk; wollen Sie es mir zu Theil werden lassen?" „Sicherlich. Was ist es?" „Gehen Sie nicht zum Dorfe hinab, Fräulein Ruth. Der Sturm fällt die stärksten Bäume wie dürre Halme und außerdem — solche Katastrophen können ganz plötzlich eintreten." Das Mädchen erbleichte. „Ist die Gefahr so nahe?" „Ganz nahe. Sie gehen nicht hinunter, Ruth, wenigsten» auf keinen Fall allein?" „Was sollte ich im Dorfe?" fragte sie traurig- „Mein Vater ging von Hütte zu Hütte, er brachte Trost in alle Herzen und stählte die Widerstandskraft der Betroffenen, aber ich? — Wem könnte ich helfen?" „Adieu!" sagte er, ihre Hand mit festem Druck umschließend. „Adieu, Fräulein Ruth, ich habe Ihr Versprechen." Und dann sich zum Schloßherrn wendend, fragte er: „Begleitest Du mich, Hans Adam?" Der Baron stand schon neben ihm und so gingen denn Beide zum Dorfe hinab, um den Stand der Dinge persönlich anzusehen. Etwa hundert Schritte oberhalb der Fluthgrenze lagen die ersten Fischerhütten, weiter hinauf die kleinen Bauten der Wohlhabenderen, endlich auf halber Bergeshöhe Kirche und Schulhaus, die Predigerwohnung und das Gefängniß. Alle diese Gebäude schienen wie ausgestorben, man sah keinen Menschen und hörte keine Stimme. „Um zwei Uhr Morgens kommt die Fluth," sagte, den Rücken dem Sturm zugewendet, der Baron. „Aber ich glaube, 2f — Bort, aber man einem besonders chultern fiel und Volke von Staub idenlang mit ge- ;en sie sich, rissen leben den Trüm- ob um Tausende, doch die Losung. t und durch sein i Me von Ruths immer geöffneten sen des Pastors Weiber und dis mhörte, wie das gen. Jetzt wandte )ie Hand aus. und die Tannen- >as rathlose Völk- chlimmer daran? weggeschwemmt, )ie Ziege ertrinkt as nackte Leben." ! küßte die kleine ms, ehe er fort* if seinem Herzen des Commerzien« e er erst zu spät stuths wieder ge- gejchickt — und Brief. War es en Dame ein fol* ürfe zu spät. Der chicksalsmacht ge« eine Spitze trifft, Frauen da seien, Brechen wünschten, d. „Gott segne iber würden ver« , theilnehmendes »sch hinzu, „auch zu Theil werden äulein Ruth. Der >alme und außer« lich eintreten." ihr so nahe?" Ruth, wenigsten» traurig. „Mein ost in alle Herzen leit, aber ich? — rstem Druck um« Ihr Versprechen." , fragte er: ,,Be« so gingen denn Dinge persönlich der Fluthgrenze le kleinen Bauten eshöhe Kirche und Gesängniß. Alle sah keinen Men« luth," sagte, den ,Aber ich glaube, das geht während dieser Nacht Alle» in Einem hin. Sieh' nur, überall schwimmen Trümmer." „Bäume, Strohdächer, Tische und Stühle! Wolkwitz und Bernau stehen sicherlich schon unter Wasser." „Die liegen bedeutend tiefer. Aber dennoch, kommt eine Springfluth, so ist Moldt verloren" Er wandte sich zu den der Gefahr am meisten ausgesetzten Hütten und beide Herren gingen von Thür zu Thür, um die Leute zum Auszuge zu ermahnen. Stumpfstnnig saßen Männer und Frauen, mit blassen Gesichtern sahen sie aus den unüer» hüllten Scheiben in das Toben des Wetters hinaus. Da konnte man nur die Hände in den Schooß legen und erwarten, was Gott verhängen werde. Nur Wenige ließen sich bewegen, ihre Wohnungen mit dem einstweiligen Unterkommen auf Moldt zu vertauschen. Ein unbestimmtes Gefühl bannte die armen Leute an den Ort, der ihre irdische Heimath bildete; ihn verlassen, hieß ihn aufgeben, für immer verlieren. Ein trauriger Zug ging mühsam den Berg hinauf, Frauen mit kleinen Kindern, Greise, denen das Leben wie immer der Güter höchstes schien, ein Trupp Geschlossener, an Händen und Füßen mit Ketten Belasteter, die Sträflinge, welche man in das Stadtgefängniß brachte, vielleicht nicht allein, um sie vor dem Tode des Ertrinkens, sondern auch, um die friedliche Nachbarschaft vor ihren Ausschreitungen zu beschützen. Gendarmen in starker Anzahl geleiteten den Zug. Weinen und Fluchen tönte aus den Reihen hervor. „Weißt Du noch," sagte Wolfram, „so war es schon einmal während unserer Knabenjahre." „Gewiß. Damals kam auch in der Nacht die Springfluth." „Und das Wasser stieg bei Pastors bis an die Bodentreppe. Ich selbst bin mit meinem Vater im Boot hingefahren und habe den Aßmanns allerlei Fehlendes gebracht. Cäcilie war zwei Jahre alt — Ruth ein Baby" „Die beiden lieben, prächtigen Geschöpfe! Weißt Du, was ich eine Zeit lang hoffte und für wahrscheinlich hielt, Erich?" „Nein!" entgegnete kurz, beinahe abweisend der Gutsbesitzer. „Aber da, Anton Günthers Haus müssen wir noch besuchen. Es brennt Licht." „Günther ist auf dem Meere," antwortete der Baron. „Wenn es ihm nicht gelang, zur rechten Zeit den Strand zu erreichen, so siebt man ihn wohl niemals wieder." Vor den Blicken der beiden Herren lag ein massiv aus Quadern und Backsteinen erbautes Haus mit flachem Dach, ein kleiner, trotziger, widerstandskräftiger Würfel, den oben ein starkes Eisengitter rings umgab. Ein Ausbau Son gleichem Material, wie ein Compaßhäuschen geformt, befand sich an der dem Meere zugekehrten Seite, während die Thür auf die Dorfstraße hinausging. Jetzt begann das Tageslicht zu schwinden; brüllend und tobend schlug der weiße Gischt auf den Strand, wie Berge und Thäler verschoben sich die Fluthen, zerrinnend bald und dann wieder haushoch gethürmt, gleich Ungeheuern, die einander bekämpften; um in gewaltiger Umarmung zu ersticken und zu vergehen. Wild auf empörten Wogen lachten und kreischten die Möven; über den tiefen Abgrund und die höchsten Kämme segelten sie dahin, als sei das Wüthen der Elemente ein Spaß und der dräuende Sturm ihr liebster Gespiele. In dem Eisenhäuschen auf dem Dache erschien ein Licht. Die Flamme bog sich ein wenig, aber sie hielt dem gewaltigen Anprall doch Stand; die Wände mußten dicht genug schließen, um jedem, auch dem kräftigsten Eindringling zu wehren- Der Baron klopfte an die Thür und dann betraten beide Männer das Innere des Hauses. Nur zwei Räume waren darin, und in dem vorderen stand eine Leiter, welche auf das Dach hinausführte. „Guten Abend, Mutter Günther," redete der Baron eine alte Frau, die ihm entgegenkam, in freundlichem Tone an. „Wir wollen Sie bitten, mit uns zum Schlosse zu gehen- Das Wasser könnte bis hierher steigen-" Die Alte schüttelte den Kopf. Sie war eine magere, sehnige Erscheinung mit brauner Haut und vollem, eisgrauem Haar; ihre tiefliegenden Augen blickten ruhig und furchtlos; ihr Anzug war sauber wie das ganze Haus- „Ich danke den Herren," sagte sie gelassenen Tones, „und wahrhaftig, meine beiden kleinen Enkel habe ich ja schon dem Fräulein Ruth in Verwahrung gegeben; und was die Kuh und die Schafe anbelangt, so sind sie auch in den Ställen von Moldt vor dem Wasser beschützt. Aber ich selbst muß hier bleiben." „Warum denn, Mutter Katharina?" „Meines Sohnes wegen, gnädiger Herr! Der Anton ist draußen auf dem Meere; er muß doch, wenn er in der Finster« niß die Landungsstelle sucht, das Licht auf dem Dache sehen, nicht wahr?" Der Baron erschrak. „Wenn er in dieser Nacht heimkehrt, Mutter Katharina?" „Ja- Vor drei Tagen ist mein armer Junge ausgefahren — ach, gnädiger Herr, Sie glauben nicht, wie schwer es ihm wurde, so zum ersten Male nach dem Begräbniß seines jungen Weibes wieder fortzugehen. Anton weinte, Herr, er meinte wie ein Kind." „Das glaube ich wohl, Mutter," tröstete gutmüthig der Baron- „Es ist schlimm genug für den armen Manu, aber gerade weil ihn das schwere Unglück betroffen hat, müssen Sie sich doch für ihn und feine Kmder zu erhalten suchen. Kommen Sie mit auf das Schloß." Die Alte blieb bei ihrer Weigerung. „Mein Junge muß das Licht sehen, Herr; als er fortging, bat er mich darum. Und bann auch — ja, das können die Herren nicht verstehen — aber ich möchte nicht so in Sicherheit sitzen, ganz warm und behaglich, wenn mein Sohn draußen mit dem Wetter kämpft. Ich muß bei ihm fein, so gut es geht." Und weder Erich, noch Hans Adam verloren weiter ein Wort; sie drückten nur stumm der Alten die Hand. Mochte ihr Gott in dieser schweren Prüfung beistehen. „Die „Hoffnung" ist ein gutes Boot, gnädiger Herr," sagte sie noch zum Abschied. „Mein Anton hat sie schon durch so manchen Sturm glücklich nach Hause gebracht." „Wollen das Beste hoffen, Mutter Katharina Adieu! Adieu!" (Fortsetzung folgt ) Der gute Geint. Eine ärztliche Plauderei aus dem Gebiete der Kosmetik. Von Dr. med. (Seltner. (Nachdruck verboten.) „Wann ist eine Frau „schön"? Wir Männer würden diese Frage dahin beantworten: daß Schönheit der Frauen gleichbedeutend sei mit Tugend und Geistesadel, daß diejenige Körperform uns am reizvollsten dünkt, welche dem vom griechischen Meisel hinterlassenen Ideale am nächsten kommt. Das weibliche Geschlecht selbst urtheilt jedoch anders, wenigstens was die äußere Eischeinung anbelangt. Nicht Geschmack der einzelnen Frau, noch Grundsätze der Aesthetrk, sondern allgemeine Anerkennung je nach der Zeit und dem Ort, also die Mode, bestimmt für die Gesellschaft den Begriff der Schönheit- Die Damen der Hindu beizen ihre Zähne glänzend schwarz und vergleichen voll Abscheu die weißen Zähne der Europäerinnen mit dem Gebisse der Hunde und Affen; die berühmten Bajaderen von Delhi erscheinen bei ihren verführerischen Tänzen an Stirn, Nase, Ohren und Fingern mit Gold geschmückt; die Frauen von Damaskus malen sich kohlschwarze Augenbrauen in großen Bogen, färben die Wangen grellroth und geben dem unteren Augenlide einen schwarzen Strich bis zu den Schläfen; die Töchter der Südseeinsulaner tätowiren sich auf Schenkel, Hand, Schultern und Zungenspitze. Und das Alles geschieht, um „schön" zu fein! Wir sehen, daß selbst der weibliche Naturmensch das instinctive Bestreben hat, mit Hilfe der Kosmetik feinem Aeußern eine wohlgefällige Form zu verleihen, sich, kurz — 28 — sind. durchschauen läßt. Bei jeder Schauspielerin, welche di« ersten ^abre ihrer Lausbahn hinter sich hat, kann man die Folgen des Weißschminkenr am besten beobachten. Die glanzlose, araua^lbliche ost lederartig trockene Beschaffenheit der Haut ist der beste'Beweis der zerstörenden Wirkung der Schminke welche jeder Dame als Warnung dienen mag. Clasen in fiambura ein um die Haut- und Haarpflege hochverdienter Arzt, hat die Aufmerksamkeit besonders nachdrücklich auf diese WM d<« ton« bl« R«d° in, b«f ein« niifit vergeffen werden: der Handschuh, der ^inen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Beschaffenheit und Schönhert der Haut besitzt- Wie alle durch die Kleidung bedeckten Theile ! unsres Körpers eine zartere und weißere Hautbeschaffenheit annehmen als die unbedeckten, so gewinnen auch die Hän e einen zarteren Teint, wenn sie sorgsältig vor Sonnenlicht, vor Wmd und Wetter durch Handschuhe LeMtzt werden. Des» halb macht die Frauenwelt von dem Glacehandschuh einen viel ausgedehnteren Gebrauch al» die Männer, welche bekanntlich auf9 die Schönheitspflege weniger Werth legen. Ebenso tbun alle Damen, deren Hände roth sind oder au Sprödigkeit mb tod*” eiben, 9ut barnn, eine Man« ?benb»bem Zubettgehen Glacehandschuhe für die Nacht anzuziehen. Diese Maßregel läuft darauf hinaus, eine Bähung und Durchseuch' tuna der Haut zu erzielen, indem dieselbe Nachts unter dem Einfluß der Wärme von einem reichlichen Blutstrom durch- flößen wird ohne doch die dadurch gesteigerte Schweißmenge 3 X -b-eben -u tonnen. Manche L-u-ft-n-n gen zur Schonung ihrer Hände bei den gröberen häuslichen Arbel ten abgelegteHandschuhe, ein Verfahren, das man nur billigen kann weil es geeignet^ist, die Zartheit der Haut zu erhalten '^ede Frau, jedes Mädchen kann schön werden, wenn si m;rr un^ mit den rechten Mitteln danach strebt, ihre volle Eiaenthümlichkeit zu wahren und zu entwickeln und wenn ihr Verhalten und ihre äußere Erscheinung allseitig naturgemäß hohen^Wcrth Schönheit ohne einen guten ^emt, dessen Pflege und Erhaltung darum eine der vornehmsten geiellschaft Lichen Pflichten ist. Die Zahl der Mittel und Mtttelchen, d:e dazu dienen sollen, dem Gesichte einen guten Tervt zu ver schaffen ist geradezu Legion, ein Beweis, daß trotz allen Suchen» und Haschens es bis jetzt nicht ^NerfLönerunas! ieder Beziehung wirksames und dauerhaftes Verschönerungs mittel zu finden. Diese Thatsache findet ihre Erklärung m dem Umstande, daß man bei dem Gebrauche jener Mittel die Grundlehren der Hygiene zu wenig berücksichtigt, indem man von der naiven Auffaffung ausgeht, als genüge dieser oder Mer Puder, I diese oder jene Pomade, um mit ihrer Hilfe das ewig blühende und jugendliche Antlitz einer Ninon de Lenclos zu gewinnen. Und worin bestand das Toiletteugeheimmß dieser schönen Frau? Einfach in einem Krug mit gewöhnlichem Brunnenwaffer und einem Stück Flanell. Aus dieser historisch verbürgten That- fache folgt mitNothwendigkeit, daß die natürliche, auf den Lehren der Gesundheitspflege beruhende Kosmetik ur die Ec- Haltung eines guten Teints wirksamer ist als ine künstliche, mit chemischen Mitteln arbeitende Hautpflege. Letztere soll allenfalls eine Ergänzung der natürlichen Kosmetik bilden, um den Neigungen und Bedürfniffen der Damenwelt zu entsprechen. Das nützlichste und wichtigste Mittel zur Erzielung eines guten Teints ist tägliche Waschung des Gesichts mit weichem Waffer, wie es aus der Hand der Natur hervorgeht. Mt Recht wird deshalb da» Flußwaffer als ausschließliche» Wasch- waffer empfohlen für Damen, die auf ihren guten Temt be- sonderen Werth legen. Zum Waschen bedient man sich am besten der flüssigen, überfetteten Glycerinseife, welche sehr müde ist und nach dem Waschen ein angenehmes weiches Gefühl in der Haut zurückläßt. Das Abtrocknen der Gestchtshaut ist ent sehr wichtiger Gegenstand der Hautpflege. Man braucht am Ende nicht wie jene Ninon immer Flanell zum Abreiben zu benutzen; es genügt ein grobes Handtuch, mit welchem man gründlich die Haut de» Gesichtes trocknet. Blutarme und ner- vöse Frauen waschen sich am besten des Abends, ehe sie zu Bett gehen, gesunde Personen früh Morgens nach dem Umstehen. Um der Haut be» G sichte», der Hände und Arme ihre Zartheit und Geschmeidigkeit zu erhalten, bedient man sich nach oorgenommener Waschung nut weichem Waffer der Mandelkleie. Mit einem kleinen Eßlöffel voll reibt man die noch nassen Theile der Haut fünf '.Minuten lang, nicht ohne sie nach Bedarf öfter zu benetzen. Danach wird die Mandelkleie avgesputt und die Haut gehörig abgetrocknet. Weitere Mittel und Maß' regeln bedarf eine gesunde Haut und ein von Natur guter Temt nicht. Erne Thmheit ist es, daß jange Mädchen und Frauen mit der schönsten natürlichen Gesichtsfarbe immer noch weißer zu sein verlangen und durch diesen Wunsch zum Schminken veranlaßt werden. Jenes rosig angehauchte Weiß einer gesun- den Hautfarbe erzielt man durch das Schminken nie, sondern immer nur eine Art Kreide- ober Leichenfarbe, die man weder schön noch natürlich nennen kann. Auch die vorsichtigste Verwendung weißer Schminke in Verbindung mit der rothen vermag die Natur nie nachzuahmen; die ganze Physiognomie leidet darunter und bekommt etwas Starres, Wachspuppenartiges, das nicht blos bei Tageslicht, sondern auch bei Lampenbeleuchtung selbst Uneingeweihte diese Schönheitsmasre »inert nuten Teint" zu erhalten. In der That bleibt auch9bei den Frauen der hochcivilistrten Kulturvölker der gute Teint das Alpha und Omega aller Schönheitspflege. Es halt freilich schwer, genau zu definiren, was man eigentlich unte einem guten Teint" zu verstehen habe. Man gebraucht eben in der "Gesellschaft diesen Ausdruck, um den Inbegriff einer nphtnben und schönen Haut, besonders der des Gesichtes, zu bezeichnen. Dem guten Teint, als dem schönsten Gesammtaus- druck von Vollkraft der Gesundbeit und °ufbluhender Jugend- frische ist derselbe bezaubernde Reiz eigen, den man beim An Mjrf einer thanfrischen, aufblühenden Rosenknospe empfindet, was Wunder also, daß die Damenwelt auf reinen Temt einen Redactionj A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen vermischtes. Klapphornvers von Neumann-Bliemchen. Zwei Sachsen gaben sich ’nen Kuß, Der Eine hieß Antonius, Der And're, der hieß Käthchen, Ich glaub', es war ein Mädchen. Literarisches» GS WÄÄ abery Heit des großen Brandes. Eine Fülle farbiger, stimmungvoller Schilde unaen von Land und Leuten, ein bunter, kulturgeschichtlich mt-ressan r Stoff, der die ganze Eigenart Jensens °n sich trägt, fes eln von d-r erste rteilc an. Dieselbe Nummer der „Deutschen Romanbiblwthek 'Mwelche dieses Werk beginnt, bringt gleichzeitig eine Sclbslbwgraphi^emes Schopf , die zu dem Liebenswürdigsten und Sympathischsten gehört. was Im, geschrieben hat, und durch die Einblicke, welche sie in das Wesen Dichters und in die Art seines Schaffens gewährt, dre Lufmerksamke^ iedcs Literaturfreundes erregen wird. Der neue Jahrgang der „Deutsch Romanbibliothek"^ hat überhaupt sehr glücklich begonnen. Die beiden großen Romane „Dem Irrlicht nach" von Alexander Romer un^,,® Million" von Theophil Zolling, dem bekannten tzerausgbeibei „G°S-> wart", die beide mitten im Strom des modernen Geisteslebens sich wegen, unterhalten angenehm und regen zu gleicher ZeUlebhast z Denken an. Das Feuilleton, das letzt außer der „Mosa- auch R velletten und Artikel allgemeinen Inhalts bringt, hat mcht n Ausdehnung, sondern auch an Abwechslung und geistigem Inhalt , ? gewonnen. J__