Donnerstag, den 16. November. 1893. ■ '•> <2zs----+------(T-E-j------------°"S------------*--Ei)—«'-------. Nntephcrltttngsblatt sum Gleßenev Anzeigen (Gsneval-Anzeigev) HL E-/ Ir q, *“• Herzenskämpfe. Roman von Theodor Schmidt. (Fortsetzung.) Und seltsam, wie Marthas Blick länger darauf ruhte, kamen ihr die Züge eigenthümlich bekannt vor, als habe sie das Gesicht vor Jahren in ihren Träumen schon gesehen und geliebt. „Sind Sie Gräfin Martha von Roddeck?" hörte sie da die matte Stimme weiter. „Ja," entgegnete sie, „die bin ich." „Sie waren die Adoptivtochter der Gräfin von Scher- wiz?" fragte die Kranke weiter. „Ja," versetzte Martha ruhig, „sie war meine Adoptivmutter und ich habe nie eine andere gekannt." Die Lippen der Kranken stießen einen wilden Schrei aus und das bleiche Gesicht wandte sich der Gräfin mit einem Ausdruck von Todesangst, die fast an Verzweiflung grenzte, zu. „Was ist Ihnen?" fragte Martha in gütigem Ton. „Sie werden sich kränker machen. Was kann ich für Sie thun?" Die Kranke streckte ihre abgezehrte Hand aus und umschloß die zarten Finger der Gräfin; dann hielt sie dieselben gegen das Licht und betrachtete die kostbaren Ringe, die daran glänzten. „Zeigen Sie mir Ihre andere Hand," bat sie. Den dritten Finger umschloß ein einfacher Goldreif, als die Kranke den sah, preßte sie leidenschaftlich ihre Lippen darauf. „Wer gab Ihnen diesen Ring?" fragte sie. „Meine Mutter, Gräfin Scherwiz, steckte ihn mir an meinem sechszehnten Geburtstage an den Finger. Warum fragen Sie darnach? Was wisien Sie von mir?" Statt aller Antwort schauten die traurigen Augen der Kranken sie an, als wollten sie jeden Gedanken in Marthas Herz lesen. „Ich konnte nicht sterben, bis ich Sie gesehen hatte," sagte sie. „Wie habe ich nach einem Blick auf Ihr Gesicht, nach einem Wort von Ihren Lippen gelechzt I Mein Herz hat sich nach Ihnen gesehnt, daß ich nicht sterben konnte. Ich breche meinen Eid, aber es war ein grausamer; auch muß ich wisien, was ich antworten soll, wenn ich vor dem Allmächtigen stehe. Gott gab mir ein kostbares Juwel und ich überließ es Anderen. Er wird mich fragen, was ich damit gethan habe. — Was soll ich sagen?" Martha glaubte, die arme Frau spreche im Fieberwahn, und sie legte ihre Hand auf die brennende Stirn. Und doch schienen die traurigen Augen einen jeden Wechsel ihres Gesichts zu beobachten. „Als ich jenes Juwel fortgab," sprach sie weiter, „schwor ich, nie wieder Anspruch darauf zu machen; aber ich kann nicht sterben, bis es wieder mein ist. Sie wird in einer andern Welt vielleicht erfahren, daß ich den Eid brach, aber ich kann nicht anders. Martha, schau' mich an! Erinnerst Du Dich meiner nicht? Hast Du mich nie zuvor gesehen?" „Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor," antwortete die junge Gräfin, verwundert über diese seltsame Ansprache, „mir ist, als hätte ich es öfters im Traume gesehen." „Das ist Alles?" rief die Kranke, und ein leidenschaftliches Schluchzen rang sich von ihren farblosen Lippen. „Lebt keine Erinnerung mehr an die langen, süßen Nächte, wie Dein goldener Kopf an meiner Brust ruhte, an die langen Tage, wie ich Dich in meinen Armen wiegte, an die Thränen, mit denen ich Dich netzte — ist nichts, was Dir von meiner Liebe, meinem Kummer, meiner Verzweiflung spricht? Ach, wie viele Jahre ist es her, seit ich mein Kind an's Herz drückte, um es zum letzten Male zu sehen. Martha, auf den Knieen möchte ich Dich um Vergebung flehen; glaube mir, ich that Alles in bester Absicht." Die junge Gräfin war sehr blaß geworden, ihre Lippen bebten und ihre Augen wurden trübe. „Noch verstehe ich Sie nicht," hauchte sie, „sagen Sie mir deutlicher, wer Sie sind." Da füllten die großen, traurigen Augen der armen Frau sich mit Thränen. „Beuge Dich zu mir herab, Geliebte," sprach die Kranke dann mit matter Stimme, „tiefer noch; sieh'mich an und ver- gieb mir. Ich bin Deine unglückliche Mutter — und Du mein einziges Kind." „Meine Mutter?" wiederholte die junge Gräfin weich. „Wäre das möglich? Ist es wahr?" „Es ist wahr," erwiderte die Sterbende. „Vor achtzehn Jahren gab ich Dich, mein einzig geliebtes Kind, einer Anderen, aber ich konnte nicht sterben, bis Dein Mund mich noch einmal Mutter genannt hat. O, Heißgeliebte, wende Dich nicht von mir, sage, daß Du mir vergibst, damit ich in Frieden sterben kann." Da beugte Martha sich über das sorgenschwere Gesicht. „Erzähle mir mehr," sagte sie sanft, „ich weiß ja von nichts." Und an dem grauen, trüben Wintermorgen erzählte Magdalene Horst ihre ganze traurige Geschichte, von ihrer frohen Jugend in den Bergsdorfer Wäldern bis zu der schweren — 538 ~ Stunde, wo sie sich um eines sündigen Gattens willen von ihrem einzigen Kinde trennte. „Jetzt/' schloß sie ihre traurige Erzählung, „gehe ich schnell meinem Ende zu, darum nenne mich noch einmal Mutter." Martha bog sich zu der Sterbenden hinab und berührte die bleiche Stirn zärtlich mit ihren warmen Lippen. „Mutter," flüsterte sie, „jetzt fange ich an, mich Deiner zu erinnern. Ich liebe Dich und habe Dir nichts zu vergeben. — Mutter," setzte sie nach einem kurzen Moment hinzu, „ich will zu meinem Gatten schicken, damit er komme und Dich sehe." „Nein, geliebtes Kind," erwiderte diese erschrocken, „das darf nicht sein. Ich habe Dich nicht rufen lassen, um Dich zu mir herabzuziehen, um Schmach auf Dein Haupt zu bringen — um die in ihrem Stolz zu demüthigen, denen Du jetzt angehörst. Bewahre Dein Geheimniß, wie ich es bewahrt habe. Ich bin nur hierher gekommen, um Dich noch einmal zu sehen, um noch einmal das Wort Mutter von Deinen Lippen zu hören, um noch einmal Dein Gesicht zu küssen und noch einmal mit meiner Hand Deine goldenen Locken zu berühren. Ich werde an einem Orte begraben werden, wo Du bisweilen hinkommen kannst, aber meine Lebensgeschichte darf Niemand erfahren. Martha, schwöre mir, daß Du nie verrathen wirst, was Du jetzt weißt." Am Sterbebette ihrer Mutter legte die Gräfin Martha von Roddeck das feierliche Gelübde ab, daß sie ihr Geheimniß treu bewahren und gegen Niemand ein Wort von dem, was vorgefallen, verrathen wolle. „Du bist schön, sehr schön," sagte Magdalene Horst und strich zärtlich über die goldenen Locken, „bist Du auch glücklich — liebt der Graf Dich?" Als Antwort erzählte Martha unter lieblichem Erröthen ihre einfache Liebesgeschichte. „Hat er nie nach Deinen Eltern gefragt?" sprach die Kranke. „Nur seine Mutter hat danach gefragt," entgegnete Martha, „doch daran denkt jetzt wohl Niemand mehr." „Möge es dabei bleiben," sagte Magdalene Horst; „es würde doch nur Kummer verursachen, wenn Alles bekannt würde. — Bevor die Sonne untergeht, werde ich zur ewigen Ruhe eingegangen sein, und Niemand soll je wissen, wer in dem namenlosen Grabe ruht, für das Du sorgen mußt. Jetzt muß ich Dir noch ein paar Worte über Deinen Vater sagen; nicht will ich bei seinem sündigen Leben verweilen — seine Strafe blieb nicht aus. Als er seine Strafe verbüßt hatte, ging er nach Amerika, um Gold zu graben. Dort ging es ihm sehr schlecht und er verlangte nach mir. Die Gräfin Scherwiz hörte von meinem Unglück und gab mir Geld, daß ich nach Amerika reisen konnte. Mein Mann versuchte, mir dort eine neue Einrichtung zu gründen, aber e» gelang ihm nicht. Dringend bat er mich, mit einem Theile des Geldes, welches mir die Gräfin Scherwiz gegeben hatte, nach Europa zurückzukehren, und eines Tages war mein Mann verschwunden, mir nur einen Brief zurücklaffend, in welchem er mir mittheilte, daß er nach Mexiko gereist sei, um dort sein Glück zu machen, und daß ich in meine Heimath zurückkehren solle." „Ach, Martha, damals war mein innigster Wunsch, zu sterben." Die Kranke schwieg, wie überwältigt von der Rückerinnerung an all' den Jammer, den sie erlebt, und es währte mehrere Minuten, ehe sie weiter zu reden vermochte. „Aber der Tod erbarmte sich meiner nicht," fuhr sie dann fort, „ich lebte weiter und kehrte nach Deutschland zurück. Nach sechs Jahren kam ein Brief von meinem Mann — ein grausamer Brief; aber ich war abgestumpft — er vermochte nicht, mir wehe zu thun. Er theilte mir mit, daß das Glück ihm günstig gewesen sei und er mit großem Erfolg Gold gegraben habe. Er sei im Begriff, in die Heimath zurückzukehren und sich nach der Residenz zu begeben, um Dort die gesellschaftliche Stellung wieder einzunehmen, die er durch seine Heirath mit mir seiner Zeit habe aufgeben müssen. Wenn ich mich an seinen Anwalt in R. wenden wollte, würde ich ein Jahrgeld erhalten, das mich vor Armuth und Mangel schützte. Ich wollte aber sein Geld nicht anrühren und ließ seinen Bries unbeantwortet. — Doch es harrte meiner ein neuer Kummer. Als ich eines Tages durch eine Straße der Residenz in dem entlegensten Stadtviertel schritt, kam mir Dein Vater entgegen, in lebhafter Unterhaltung mit noch drei Herren. Er sah fast so hübsch, so elegant aus, wie damals, als ich ihn zum ersten Male sah. Ach, Kind, mein ganzes Herz schlug ihm entgegen; ich vergaß, wo ich war — ich hatte nur einen Gedanken: daß ich den Geliebten vor mir sah, und kaum wissend, was ich that, rief ich: Werner, kennst Du mich nicht mehr? — Ach, ich dachte nicht daran, daß meine Schönheit geschwunden war, — daß ich eine arme, elende, dürftig gekleidete Frau war- — Als er seinen Namen nennen hörte, drehte er sich um und warf mir einen bösen, zornigen Blick zu- Dann verabschiedete er sich hastig von seinen Freunden und ging schnellen Schrittes auf eines der großen, eleganten Häuser zu. Ich folgte ihm die breite Treppe hinauf; die Corridorthüren öffneten sich, er trat ein und ich stand auf der Schwelle. „Werner," bat ich, „sprich nur ein Wort zu mir und ich will Dich nie wieder belästigen." Statt aller Antwort rief er laut nach seinem Diener. „Johann," sprach er dann zu dem Herbeieilenden, „sehen Sie sich diese Frau genau an, damit Sie sie wiedererkennen. Sie ist eine Schwindlerin. Wenn sie wiederkommt, so schlagen Sie ihr die Thür vor der Nase zu oder rufen die Polizei herbei." Der kalte, harte, grausame Ausdruck, der dabei auf seinem Gesichte lag, schmerzte mich mehr als seine Worte. Mit wankenden Schritten verließ ich das luxuriöse Haus meines Mannes. Vox der Thür fragte ich einen Diener nach dem Namen seines Herrn. „Herr Lambrecht," gab er mir zur Antwort, und da wußte ich, daß Werner Horst seinen Namen geändert hatte. Er kannte mich genugsam, um zu wissen, daß ich mich nicht an die Polizei oder das Gericht wenden würde, um mein Recht zu erlangen. Ich hätte mich an ihm rächen, ich hätte Schimpf und Schande auf sein Haupt bringen können, aber dazu hatte ich ihn noch zu lieb." Die schwache Stimme der Kranken ward noch schwächer, und Martha strich liebkosend über das bleiche Gesicht und bat die Kranke, ein wenig zu ruhen. „Ich muß Dich noch vor etwas warnen," sprach diese nach kurzer Pause weiter. „Er wird jetzt suchen, Dich zu entdecken. Er weiß, daß Du von einer reichen Dame adoptirt wurdest; wenn er nun erfährt, daß Du die Adoptivtochter der verstorbenen Gräfin Scherwiz warst, wird er Dich als Deine Tochter beanspruchen. Wenn Du kannst, vermeide ein Zusammentreffen mit ihm." Die Kranke schwieg und eine tiefe, feierliche Stille trat ein- Der Tod näherte sich, sein unheimlicher Schatten warf eine geisterhafte Blässe auf die Kranke und trübte ihr Auge. Und wie dieser Schatten sich tiefer und dunkler herabsenkte, lag Marthas goldener Kopf so nahe, daß der Mutter Hand das schöne Gesicht berühren konnte. Martha hatte keine Scheu; all' ihre Gedanken concentrirten sich in dem einen Bewußtsein, daß sie endlich ihre wirkliche Mutter gefunden hatte. „Martha," hauchte die Sterbende, „wenn Du ihn je sehen solltest, sage ihm, daß ich ihm verziehen, daß ich ihn bis zu meinem letzten Athemzuge geliebt habe." Heiße Thränen entströmten Marthas Augen, als sie die weißen Hände über der Brust kreuzte und das noch immer goldene Haar von der wachsbleichen Stirn strich. „Adieu, Mutter," sprach sie und drückte ihre warmen Lippen auf das kalte, tobte Gesicht. „Adieu; im Leben warst Du mir verloren, im Tode habe ich Dich gefunden. Ruhe sanft, bis wir uns wiedersehen!" „Ich bin froh, daß sie nach mir schickte," sagte Martha zu Frau Seidel mit so kalter, ruhiger Stimme, daß sie selbst davor erschreckte; „sie hat mich in meiner Jugend gepflegt, ich war ihre einzige Freundin- — Sie sind wohl so gütig und sorgen für alles Nöthige, für die Bestattung sorge ich." 639 ü± Wie von einem Traum umfangen, kehrte sie dann heim. War es denn möglich? Gestern Abend, vor einigen Stunden noch, war sie die Königin einer glänzenden Gesellschaft, geliebt, bewundert, glücklich, ohne das kleinste Wölkchen am Himmel; während sie jetzt unter der Last ihres Kummers fast zusammen» brach. Was würde Curt sagen, wenn er es wüßte? Und wie sollte sie dieses brennende Geheimniß bewahren? — Vor ihm, dem sie bis jetzt nicht einen Gedanken verborgen hatte? Was würde seine Mutter sagen, — sie, die so stolz auf ihren reinen, makellosen Namen und ihr edles Geschlecht war? Wie würde dieses kalte, stolze Gesicht erbleichen und erzittern, wenn sie hörte, daß die Gattin ihres Sohnes die Tochter eines Sträf« lings war? „O, wie soll das enden," dachte Martha voll Verzweiflung; „wenn sie erführen, wer ich bin, würden sie mich von sich stoßen und eine Andere würde meinen Platz ein» nehmen." Der goldene Kopf senkte sich tief bekümmert. Sie war ganz allein, von einem grauen, farblosen Himmel und dichtem Nebel umgeben, kein Sonnenstrahl spottete ihres Schmerzes, kein Vogel sang sein munteres Lied. In dieser Stunde bitterer Sorgen stand ihr keine lebende Seele bei, sie zu trösten, sie mußte ihren Kummer allein tragen — und Martha lehnte sich gegen das eiserne Gitter und weinte — weinte, wie sie noch nie zuvor in ihrem Leben geweint hatte. Sie weinte über die tobte Mutter, über ihr eigenes entschwundenes Glück, über ihre zerstörte Liebe und ihre Hoffnungen. Es war fast zehn Uhr, als sie das Haus erreichte, doch schien noch keiner der Gäste sein Zimmer verlaffen zu haben, und unbemerkt erreichte Martha ihr eigenes Gemach. Sechszehntes Capitel. „Martha," rief der junge Graf, sobald er seine Gattin erblickte, „was ist Dir? Du siehst aus, wie eine zerknickte Lilie! Das späte Schlafengehen und Tanzen bekommen Dir nicht- Sieh, wie frisch und rosig Melanie aussieht! — Wie Nanette mir sagte, hast Du schon frühzeitig einen Spaziergang gemacht, das hättest Du nicht thun sollen." „Ich ging hauptsächlich aus, um eine arme Frau unten im grauen Häuschen bei den Weiden zu besuchen," erwiderte Martha, „dieselbe war schon seit mehreren Tagen schwer krank und starb heute früh, während ich bei ihr war." „Gute, kleine Samariterin!" sprach Curt zärtlich. „Aber, liebes Kind, so sehr ich mich freue, daß Du Dich so um die Armen sorgst, darfst Du Dir doch auch nicht zu viel zumuthen. Komm', ruhe Dich ein wenig," setzte er hinzu, indem er ein paar weiche Kissen holte und es ihr recht bequem und behaglich auf dem Sopha machte. „So. Soll ich Dir nun etwas vorlesen? Die Mutter und Melanie werden unsere Gäste schon unterhalten, — oder willst Du lieber allein sein?" „O nein, lies mir etwas vor," bat sie. Da setzte Curt sich neben sie und legte unbewußt die eine Hand auf ihr goldenes Haar, wo noch kürzlich die Hand ihrer sterbenden Mutter gelegen hatte. Sanft zog sie seine Hand herab und preßte sie an ihre Lippen. Armes Kind! Alles, Alle» hätte sie dafür hingegeben, wenn sie ihm ihr Geheimniß hätte vertrauen können, aber ihr Gelübde versiegelte ihre Lippen. Während Curts Stimme sanft an ihr Ohr schlug, wurden Martha die Lider müde; erschöpft von Kummer und Mangel an Schlaf schlossen sich ihre blauen Augen und eine Zeit lang vergaß die Arme all' ihre Sorgen. Als Curt sah, daß sie eingeschlafen war, schloß er das Buch und betrachtete das schöne Gesicht, das er so innig liebte. Ungefähr eine halbe Stunde war verstrichen, als er sah, wie ihre Lippen erbebten und ein tiefer Seufzer sich ihrer Brust entrang, dann sprang sie auf und rief: „Curt, es war nicht meine Schuld, — ich wußte nichts davon! — Schicke mich nicht von Dir!" „Mein Liebling," sprach Curt sanft, „Du träumst! Was ist Dir?" „Ich glaubte, Du wärest mir böse," entgegnete sie verwirrt. „Da siehst Du, wie thöricht Träume sind," lächelte Curt, „ehe das geschieht, müßten Hügel zu Thälern und Meere zu Wäldern werden." „Könnte nichts Deine Liebe zu mir verringern?" fragte Martha ernst. „Nichts, meine kleine Glockenblume," antwortete er, „ich glaube nicht, daß ich Dich mehr lieben könnte, weniger aber sicher nicht. — Jetzt aber muß ich Dich verlaffen; ich muß nach S. fahren; vielleicht kannst Du noch ein wenig schlafen." Er schloß sie in seine Arme, küßte ihr bleiches Gesicht und flüsterte ihr Worte der Liebe in's Ohr, die ihr Herz seltsam, halb sreudig, halb schmerzlich bewegten. „Wenn er es wüßte," dachte die Arme, „wenn er es nur wüßte! — Wenn ich mich nicht zusammennehme, werden sie bald Verdacht schöpfen!" Und ein kalter Schauder durchzuckte sie, als sie sich die Folgen einer solchen Entdeckung vergegenwärtigte. Die Angst hiervor war ihr behilflich. Sie wählte ein elegantes Kleid und einen glänzenden Schmuck, der die Bläffe und Veränderung ihres schönen Gesichts verdeckte, und als ihr Gatte wieder heimkehrte, war er glücklich, seinen Liebling frisch und munter wie immer zu finden. Ja, Martha konnte wieder lächeln, konnte wieder plaudern und lachen, sie konnte singen, als sie darum gebeten wurde — aber ihre Gedanken weilten bei der tobten Mutter im grauen Häuschen. * * Der Monat Februar war da, die kleinen Schneeglöckchen streckten schon ihre Köpfchen hervor, und Curts Mutter und Melanie verweilten noch immer auf dem Schlosse. Der junge Graf wollte sie nicht fortlassen; er fing an, sich um Martha Sorge zu machen und wünschte, daß Jene sie zerstreuten. Er begriff nicht, was mit der Geliebten vorgegangen war. Aller Frohsinn war aus ihrem schönen Gesicht verschwunden, nur noch selten umspielte ein Lächeln ihre Lippen; so oft er sie allein fand, war sie so ernst und traurig, daß es ihm wehe that, ihre Heiterkeit erschien ihm unnatürlich und erzwungen. Eines Abends hatte Curt eine Ballade vorgelesen. „Die Erzählung gefällt mir nicht," bemerkte seine Mutter am Schluß derselben. „Der Fürst hätte sich eine ihm ebenbürtige Gemahlin wählen sollen: solch' ungleiche Heirathen sind nie glücklich." „Bist Du derselben Meinung?" fragte Martha ihren Gatten, ohne von der Stickerei aufzublicken. „Gewiß," erwiderte dieser leichthin, „ich rede ungleichen Heirathen nie das Wort." „Nun, angenommen: Du hättest ein Mädchen geheirathet, das tief unter Dir steht," fuhr Martha fort, „und Du entdecktest das erst, wenn sie schon Deine Frau ist — was würdest Du thun?" Mit bleichen Wangen und bang klopfendem Herzen erwartete sie seine Antwort. „Was ich da thun würde?" versetzte er in scherzendem Tone, „ich würde sie einfach zu ihren Verwandten zurückschicken." Diese leichthin gesprochenen Worte vernichteten den letzten Hoffnungsstrahl in Marthas Brust; mit jedem Tage ward das schöne junge Gesicht bleicher und schwermüthiger, daß ihr Gemahl bald ernstlich besorgt wurde und einen berühmten Arzt von W. consultirte, aber auch dieser hatte keine Erklärung für das Leiden der Gräfin. „Sie meinen, die Gräfin habe keinen Kummer, keine Sorge, die auf ihr lasten könnten?" fragte er den Grafen. „Ich glaube, sie weiß gar nicht, was Kummer oder Sorge heißt," entgegnete der Graf, über des Arztes Idee lächelnd, „was ihr auch fehlen mag, Kummer ist es jedenfalls nicht." Trotz all' seiner Geschicklichkeit konnte der Arzt keine Lösung für das Räthsel, keinen Grund für die Schwäche und das allmälige Hinschwinden seiner schönen Patientin finden. Er verordnete Luftveränderung und nach einiger Zeit begab der junge Graf sich mit seiner Gattin auf Reisen, die dieser, wie er hoffte, ihre frühere Kraft und Gesundheit wiedergeben sollten. (Fortsetzung folgt.) KeinenrnNGseO« VeVnrrsehtes U in e in d ihr eonc Häv mit von alt Dre Haa zart Leb« scher angi Verl ihre: woh! zurr sond etii »ich Wil Fra besti auch etwi Ich und Petr tune kleid blau 6 Ni e Redactton: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Datiere Linse« mit Eiern. Feingehackte Zwiebeln schwitze man in Butter weich, mische etwas Mehl darunter, . schwitze dies gelblich, füge Fleischbrühe oder Wasser, das nöthige _ , n m,, , Salz hinzu, koche hiervon eine dickseimige Sauce, vermische Aufbewahrung der Zwiebeln. Der beste Aus. « mitabett itt Wasser weichgekochten und in einem Durch, bewahrungsort ist ein luftiger Speicher, in dem die Zwiebeln, abgetropften Linsen und lasse dieselben siedend heiß in Zöpfe zusammengebunden, aufgehängt werden. Große Vor. ^^den- Alsdann nehme man eine Eiertiegel-Form und Oe räthe können auch auf flachs Haufen geschüttet werden, doch tebe sorm etwas Butter, alsdann schlägt man in die M. muß dies mit Vorsicht geschehen, um Druckstellen, welche spater * butter Eier und läßt selbe etwas braun werden- Drehe in Fäulniß übergehen, zu vermeiden- Sobald die Temperatur b(e gier nicht um. Wenn diese fertig sind, garmrt man unter 2 bis 3 Grad Kälte sinkt muß der Zwiebelvorrath ge- Linsen damit. schützt werden. Oeftereö Durchsehen derselben ist nöthig, um | ----------— etwa in Fäulniß übergangene Zwiebeln zu entfernen. I Schirmbehälter zum Aufhängen in Seit Klei- derschrauS. Die übliche Art, Schirme in dem Kleiderschrank aufzubewahren, indem man sie in die Ecken desselben stellt, ! Gelungene Abbitte. Eine nach Form und Inhalt ist recht unpraktisch, weil sowohl Kleider wie Schirme leicht ... ( «e Abbitte im Inseratenteil des Rottweiler beschädigt werden. Der nachfolgend beschriebene Schirmhalter Amtsblattes verdient weitere Verbreitung. Sie lautet: „Die- findet seinen Platz an der inneren Thurfläche. Auf einer I t- etL Abbitte. Ich Unterzeichneter habe den M.D. schlechter Grundform von starkem ecrüfarbigen Lemen, welche 85 Centi- $ . gesagt, das ist wahr, und daß ich diesen Ausdruck zu« meter hoch, oben 38 und unten 19 Centimeter brest ist, wird ^ckn hmen muß, thut mir leid. Johannes Mater." ein Stoffreifen, der 70 Centimeter in der Höhe, oben 53 und * * unten49 Centimeter in der Breite mißt, in drei gleichmäßigen I ( , gwier- Zimmel das ist doch stark! geordnet. Ringsum wird dieser Schirmbehälter Mit ! Geschäftlich. Banner. "«imme^ a i » L« Ä - s*ra”18 M mel" T a h , wand wird mit einer leichten Stickerei in Flach- und Stielstich Concurrenz. „Sie, Kutscher, was macht denn > verziert; am oberen Ende des Behälters werden drei, am | @6llr h^ß er plötzlich ausschlägt?" „3ö, wtssen S, gm unteren zwei Oefen aus Wolllitzs angenäht, welche dazu dienen, §err mein Schimmer! ist halt a richtiger Droschkengaul! Dem das Futteral straff an der Thür zu befestigen. Dieser Schirm- kommt der Zorn, wenn ihm d' Dampfbahn begegnet! behälter kann auch als Schirmhülle auf der Reife dtenen; er • , • wird nach Aufnahme der Schirme zusammengelegt und durch Milderungsgrund. Staatsanwalt Müller: „Ange« zwei Riemchen geschlossen. * kl-rgter, haben Sie noch irgend einen Milderungsgrund zu Ihm ♦ I ßtnflften amusübren?" — Angeklagter: „Da ich auch Müller Goldene Schmucksachen zu putzen. Das Reinigen I ... b|tt6 ich ganz ergebenst, unsere Namensvetterschaft in ÄÄ ,u.,le6en; Kochsalz besteht. Nachdem man die angelaufenen Schmucksachen für den Volksaufstand,^re Scene macht re: 8 «SÄä.%« «ß'Ln P-blwm M. W- 8* Sägespäne gelegt und zuletzt mit Seidenwatts abgerieben. geben." , . Wie wäscht man wtifjen ? 3j |W®„1 bem durchgegossenem Kleienwasser, dem etwas pulvenfirter Alaun z I ich @tQnQ(ement ausgestellt worden: „Haare und Augen- und venetianische Seife beigesetzt worden find. In mit etwäs schwarz- Augen: braun; Stirn: gewöhnlich; Kinn: Zucker vermischtem Branntwein gespült, wird er zwischen zwei Besondere Kennzeichen: Sieht seinem Vater sehr ähnlich/ Tüchern geplättet. * * # * Weiustecken aus Wollstoff herauszubringen, lege dferÄefallen zu eine? vorübergehenden" ihm bck^ man diesen auf die Bleche, träufle auf die F ecke ^b' ich das' Abgeworfenwerden nicht sehr täuschend nach- wo sie dann bald, besonders bei Sonnenschein, verschwinden. I ^r»utein?" Oelflecken entfernt man oft daraus fehr gut, wenn man kohlen- gemacht, Fräuletn , . n'cht zu heißen Plätteisen die Magnesia erwärmt. Wäscht man ausho te, was thaten Sie da? Der Reise „JC9 P hiernach den Stoff in warmem Wasser, dem ein wenig Borax graphirte ihn. * , " ”* * Mn- nach den. -nd-.'n. »st-° ' * . * „He, bist Du noch nicht fertig mit dem Stiebelputzen, Du Universal-FleckMaster, welches Fett, Theer,Harz, Mer LehrMge- Säureflecken rc. schnell entfernt, kann Jedermann bur<$ ^on tot nmnt beriete sammenmifchen von 100 Gramm Weingeist, 30 Gramm stärksten der Erste ? LehrMge. „D ptz ' Salmiakgeist und 4 Gramm Benzin selbst bereiten. > fertig ist.