- - -----«—Os —6"'-EL, ST-2-——1 ■—i^e) ■lES-'Z—•*• ivS—r-!'-- c^j> Nntevhaltttngsblatt zuin Gietzsnev Anzeiger (Genernl-Anzeiger) v. . >.., _______________________________ Dienstag, den 16. Mai. Das große Loos. Origmal-Novcllc von Leo Werner. ---- (Nachdruck verboten.) Der Commerzienrath Malten galt in der Residenz als einer der angesehensten und reichsten Männer der bürgerlichen Aristokratie, aber wenn alle diejenigen Leute, welche Malten wegen seines Reichthums, seines geschäftlichen Glücks und seiner bevorzugten Stellung beneideten, genau gewußt hätten, wie trügerisch das Glück des Commerzienraths in Wirklichkeit war, so hätten wohl wenige der Neider in seiner Haut stecken mögen. Wie nicht alle Leute wußten, verdankte Malten sein Vermögen nicht nur den großen Erfolgen seiner Maschinenfabrik, sondern er hatte es vor allen Dingen auch durch glückliche Speculationen und waghalsiges Börsenspiel erworben. Das Glück, auf welches Malten so lange gebaut, hatte ihn aber im letzten halben Jahre bei seinen Speculationen gänzlich verlasien, Unsummen hatte er verloren, ja, sein ganzer Credit wäre vernichtet gewesen, wenn ein namhafter Vertreter der Geschäftswelt eine Ahnung davon gehabt hätte, wie groß die Verluste des Com- merzienraths Malten während der letzten sechs Monate gewesen waren. Derartige Erfahrungen konnten natürlich den einst vom Glücke so sehr verwöhnten Commerzienrath im Herzen nicht froh und zuversichtlich stimmen. Zwar der Welt gegenüber und auch meistens in seiner Umgebung beherrschte er sich vollständig, und zeigte wie immer sein stolzes Antlitz mit dem überlegenen Lächeln, aber im Herzen des Commerzienraths sah es wüst und öde aus. Wenn Malten allein in seinem Privatcontor war oder ohne Begleitung sich in feinem schönen Garten befand, und den ungeheuer» Vermögensverlust der letzten Monate überschaute, da rieselte es ihm eiskalt durch die Adern und seine Hände ballten sich krampfhaft. Doch Malten war ein viel zu kluger Mensch und gewiegter Geschäftmann, um sich trotz des furchtbaren Schlages, der sein Vermögen betroffen, ganz der Verzweifelung hinzugeben. Er wußte, daß es nicht außerhalb des Bereiches der Wahrscheinlichkeit war, daß ihm doch noch manche neue Speculation gelingen könne, und er glaubte noch an sein künftiges Glück, denn er war charakterfest genug, um den Kopf nicht zu verlieren und durch Rathlosigkeit seinen vollständigen Ruin herbeizuführen. Mancherlei Möglichkeiten boten sich ihm dar, in kurzer Zeit fein Vermögen oder seinen Credit zu vermehren. Maltens einziger, sehr tüchtiger Sohn Ludwig, der ein ausgezeichneter Maschinen-Jngenieur vom Fach des Vaters war, gedachte sich demnächst öffentlich mit der einzigen Tochter des begüterten Bergwerksbesttzers Matthias Hülseman zu verloben. Diese Verlobung war eigentlich eine schon längst abgemachte und auch in den Freundeskreisen der Famllien Malten und Hülsemann bekannte Angelegenheit, und man hatte den Tag der officiellen Bekanntmachung der Verlobung nur deßhalb um ein halbes Jahr hinausgeschoben, weil Frau Hülsemann, die innig geliebte Mutter der Braut, plötzlich an einem Herzschlage verstorben war, und man erst die Zeit des größten Schmerzes und der tiefsten Trauer im Hülfemann'fchen Haufe verfließen lassen wollte, ehe man das freudige Ereigniß aller Welt verkündigte. Ohne eine bedeutende Mitgift würde natürlicher Weife Herr Hülsemann seine einzige Tochter auch nicht als junge Frau in das Malten'schei Haus einziehen lassen, das war klar. Dann boten sich aber dem Malten'schen Geschäfte durch die neue bevorstehende Familienverbindung auch noch weitere Vortheile, denn die Malten'sche Maschinenfabrik war eine bedeutende Abnehmerin der Kohlen des Hülfemann'fchen Bergwerkes. Der Commerzienrath Malten hatte ferner mit gewohntem Scharfblick ein für Dampfkesselanlagen werthvolles Patent von einem englischen Ingenieur erworben, und konnte damit vielleicht Hunderttausende verdienen. Auch hoffte Malten noch immer darauf, daß die Actien eines Gußstahlwerkes, in denen er hauptsächlich große Summen engaairt hatte, doch allmälich wieder steigen würden, und schließlich dachte er auch sein sonst sprichwörtliches Glück mehr als er sonst gewohnt war in der Landeslotterie zu versuchen. Bei dem ihm befreundeten Banquier und Hauptcollecteur Buchhold hatte Malten gestern drei Vollloose bestellt, und heute Vormittag, als der Commerzienrath vor seinem Gange in die Maschinenfabrik noch bei dem Frühstück und hinter den Zeitungen saß, meldete der Diener die Ankunft des Herrn Buchhold selbst. Ueberrascht erhob sich Malten vom Sopha, um den seltsamen Gast zu begrüßen. „Guten Morgen, lieber Herr Commerzienrath", rief der eintretende Banquier lebhaft. „Wollte mich nur einmal nach Ihrem Befinden erkundigen, wir sahen uns, wenn ich nicht irre, seit zwei Monaten nicht. Bringe Ihnen auch gleich selbst die bestellten drei Loose. Es sind lauter Glücksnummern, ich kann sie Ihnen wirklich empfehlen." „Besten Dank für Ihre Freundlichkeit," erwiderte Malten in jovialem Tone. „Wir werden ja bald sehen, was an den drei Glücksnummern ist. „Nun, alle drei können freilich nicht das große Loos gewinnen, aber vielleicht gewinnt es eine von den drei Nummern. Bei Ihrem sprichwörtlichem Glück ist kein Ding unmöglich," schloß der Banquier. „Wissen Sie so genau, daß ich immer Glück habe?" frug Malten jetzt forschend. Buchhold blinzelnde jetzt einen kurzen Moment mit seinen klugen, grauen Augen auf die lauernde Miene des Commer- zienraths, als wollte er in dessen Seele lesen, dann antwortete er aber kurz und scheinbar ohne jede Berechnung: „Erst heute morgen habe ich es wieder erfahren, was Sie für ein Glück haben, Herr Commerzienrath." „Heute Morgen?" gab Malten erstaunt zurück. „Was soll ich denn heute Morgen oder gestern Abend für ein Glück gehabt haben, Herr Buchhold? Sie sprechen in Räthseln." «Also Sie wissen nichts von dem großen Glück, welches Sie oder vielmehr Ihr Herr Sohn, nein, zweifellos beide haben," frug Buchhold lauernd. «Ich verstehe Sie nicht. Reden Sie endlich deutlich," entgegnete beinahe ärgerlich Malten. „Nun, Sie wissen nicht, daß Matthias Hülsemann, mit dessen Tochter sich Ihr Herr Sohn zu verloben gedachte, seit letzter Nacht so gut wie bankrott ist. Ist das nicht ein großes Glück für Sie und Ihren Sohn?" „Mensch, das nennen Sie Glück?" brauste Malten auf. „Das betrachten Sie als Glück für mich, weil Hülsemann sein Vermögen verloren hat. Sind Sie bei Sinnen- Sie reden ja wie ein Rasender. Ist es überhaupt wahr, was Sie da verkünden." „Einige Augenblicke Geduld, Herr Commerzienrath, ich rede die Wahrheit und Sie scheinen mich mißzuverstehen. Matthias Hülsemann steht thatsächlich vor dem Bankrotte, denn in letzter Nacht ist in seinem Bergwerke ein Schacht eingestürzt, der ganze Bergbach fließt in das Bergwerk, die Wasserwerke sind zerstört und die ganze Felix-Grube ist für lange Zeit außer Betrieb gesetzt, ja vielleicht vernichtet." Starr, mit weit aufgerissenen Augen blickte der Commerzienrath den Unglückspropheten an und erwiderte kein Wort. Da fuhr Buchhold in seiner unverfrorenen Weise fort: „Und da ist es doch als ein großes Glück zu bezeichnen, Herr Commerzienrath, daß Ihr Herr Sohn noch nicht mit Fräulein Hülsemann osfieiell verlobt oder gar schon verheirathet ist." Der Commerzienrath brach in ein wildes Lachen aus und rief dann empört: „Und das nennen Sie Glück, Herr Buchhold? Sie sollten sich schämen, mir in so taktloser Weise das schreckliche Unglück rnitzutMen." „Sie wollen mich eben nicht verstehen, Herr Cornrnerzien» rath," entgegnete Buchhold kaltblütig. „Das Unglück Hülse- mann's ist gewiß sehr bedauerlich, aber noch bedauerlicher wäre es, wenn das Unglück drei Monate später eingetreten, wenn Ihr Herr Sohn bereits mit Fräulein Hülsemann verheirathet wäre, bann gab es keine reiche Partie mehr für ihn. Reden wir offen mit einander, Herr Commerzienrath I Ich weiß, daß Sie in letzter Zeit einige sehr große Verluste erlitten haben, ich bin jetzt nicht Ihr Schuldner, sondern Ihr Gläubiger, und schlimme Folgen könnten daraus für die berühmte Malten'sche Maschinenfabrik entstehen, wenn Ihr Herr Sohn bereits mit Käthe Hülsemann verheirathet wäre. Aus der Heirath wird es nun doch nichts. Ihr Herr Sohn wird sich mit Bedauern zurückziehen und rechtzeitig eine gute Partie machen." „Ja, das sagen Sie, aber mit solchen Grundsätzen wird mein Sohn schwerlich einverstanden sein, Geld und Reichthurn spielen bei ihm nicht die Rolle wie bei anderen Leuten. Zudem ist er bereits im Stillen mit Käthe Hülsemann verlobt, und wird es für schändlich finden, wegen des Unglücks des Vaters sich von dem armen Mädchen loszusagen." „Kennt Ihr Herr Sohn die großen Vermögensverluste, welche Sie im letzten Jahre erlitten, Herr Commerzienrath?" frug Buchhold halblaut und zudringlich. Malten erbleichte einen Moment, dann rollten feine Augen zornig, und es schien, als wollte er dem Banqnier eine scharfe Zurechtweisung wegen dieser dreisten Einmischung in seine Privatverhältnisse erteilen, aber der gequälte Mann, welcher jetzt nicht mehr der Gläubiger, sondern der Schuldner Buch- holds war und es mit ihm nicht zum Bruche kommen lassen 226 — wollte, beherrschte sich dann und erwiderte ruhig: „Mein Sohn kennt die Größe meiner Verluste allerdings nicht." „Nun, so wird er vielleicht, wenn er erfährt, daß fein Vater mehr als eine Million verlor, einsehen, daß er für die Ehre und Zukunft des Malten'schen Geschäftes durch eine geeignete Heirath eintreten muß." „Herr Buchhold, Sie gehen zu weit," brauste jetzt Malten auf. „So schlimm steht es mit mir nicht, daß mich mein Sohn nur noch durch eine reiche Heirath retten könnte." „Regen wir uns nicht auf, mein lieber Commerzienrath," erwiderte Buchhold. „Wir sind alt und erfahren genug, um die Angelegenheit in Ruhe zu besprechen. Können Sie mir die 400000 Mark, die Sie mir schulden, heute, morgen ober meinetwegen auch erst in acht Tagen b^ahlen, so brauche ich mich um bie Art der Verheiratung Ihres Herrn Sohnes allerdings gar nicht zu bekümmern. Sind Sie aber nicht im Stande, mir diese Summe in dieser Zeit zurückzuerstatten, so sollten Sie es mir Dank wissen, wenn ich bestrebt bin, Ihnen in freundschaftlicher Weise einen Weg zu zeigen, der Sie und voraussichtlich auch Ihren Herrn Sohn von allen Calamitäten befreit." Malten schwieg lange Zeit mit gesenktem Haupte, dann sagte er kleinlaut und mit leiser Stimme: „Bitte, sprechen Sie, Herr Buchhold, ich möchte Ihren Vorschlag hören." Die kleine magere Gestalt des Banquiers schien jetzt zu wachsen, seine grauen Augen leuchteten seltsam und sich weit nach Malten vorbeugend, zischelte er wie eine Schlange: „Ich habe auch eine Tochter, Herr Commerzienrath, und ich gebe meiner Tochter eine Mitgift von einer halben Million, wenn sie sich nach meinen Wünschen verheirathet. Ihr Herr Sohn, der brav und tüchtig ist, wäre mir ein angenehmer Schwiegersohn, und wie ich hoffen darf, bei seinem stattlichen Aeußeren, auch ein gern gesehener Freier bei meiner Tochter. Sie sehen, ich führe nichts Schlimmes gegen Sie im Schilde. Auf diese Weise sind schon Tausende von Verheirathungen und selbst in den vornehmsten Häusern zu Stande gekommen. Darf ich darauf rechnen, daß Sie Ihren Einfluß als kluger Vater bei Ihrem Herrn Sohn zur Geltung bringen ?" „Ich werde mein Bestes thun und hoffe, daß mein Sohn auf meinen Rath hören wird," sagte aufathmend der Commerzienrath. „Eine Bedingung muß ich allerdings stellen, mein lieber Buchhold: Haben Sie einige Monate Geduld! Ich kann bei dem besten Willen die Angelegenheit nicht über's Knie brechen, denn mein Sohn hängt vielleicht mehr an dem Mädchen seines Herzens, als wir denken, und er besitzt außerdem einen sehr festen, selbstständigen Charakter, ich werde ihn also nicht nur ganz allmählich durch Vernunftsgründe beeinflussen können." „Das leuchtet mir ein, mein lieber Commerzienrath," entgegnete Buchhold ganz vertraulich, „doch können wir bei keiner solchen allgemeinen unter Umständen ganz werthlosen Vereinbarung in dieser ebenso ernsten als wichtigen Angelegenheit stehen bleiben. Mein Einsatz ist ebenso groß wie der Ihrige und wir müssen zu einem klaren Vertrage kommen- Daß Ihr Herr Sohn sich in vier oder sechs Wochen mit meiner Tochter verlobt, dafür können Sie keine Bürgschaft geben, das sehe ich ein, aber wir können uns ein anderes Versprechen geben, welches mir eine Bürgschaft dafür ist, daß die Angelegenheit nicht nutzlos in bie Länge gezogen wirb. Wenn Ihr Herr Sohn sich binnen heute unb sechs Monaten mit meiner Tochter Erna verlobt, so ist Ihre Schulb von 400 000 Mark bei mir getilgt unb ich gebe noch extra bem jungen Paare 100000 Mark Mitgift. Findet indessen die Verlobung bis zu dieser Zeit, also bis zum 7. October, nicht statt, so haben Sie an genanntem Tage Ihre Schuld an mich zu tilgen. Hier ist meine Hand, ich halte mein Versprechen!" «Und ich werde nach Kräften das Meinige thun, um bie Abmachung zu verwirklichen," antwortete Malten unb legte seine Rechte in diejenige Buchholds. „Also Alles ist abgemacht!" rief dieser lachend „und ich kann mich empfehlen." — 227 — „£>, das hat doch keine Eile, mein lieber Buchhold," bemerkte Malten freundlich. „O, doch," entgegnete der Banquier lebhaft, ich muß zur Börse und da ist keine Zeit zu versäumen. Ein anderes Mal bleibe ich länger und hoffentlich führt uns künftig ein freudiger Anlaß recht häufig zusammen. Guten Morgen! Auf Wieder« sehen I" „Malten geleitete zuvorkommend den kleinen Banquier hinaus, und als er wieder in das Zimmer getreten war, seufzte er tief auf und sank wie erschöpft auf einen Seffel. „Das waren zwei böse Ueberraschungen und zwei De- müthigungen auf einmal," flüsterte Malten dann leise, „das Unglück Hülsemanns und die Creditkündigung Buchholds, das indirecte Etngeständniß meiner Insolvenz und die Annahme des Vorschlages Buchholds. O, was kann der Mensch nicht in einer einzigen Stunde erleben! Wo ist mein Glück, mein Stolz, meine Standhaftigkeit geblieben! O, ich könnte ihn Haffen, diesen kleinen, schlauen, geriebenen Mann, der mir sein kleines, häßliches, unbedeutendes Mädchen, an der mein Sohn schwerlich Gefallen finden wird, als Schwiegertochter aufhalsen will. Und doch, wenn ich mir Alles ruhig überlege, kann ich Buchhold gar nicht so sehr Haffen. Er wirkt mit der Macht, die ihm gegeben ist, für seine Tochter, er, der Empor« kömmling, will sein Kind an einen angesehenen Mann ver- heirathen, will in feine Kreise gelangen, das kann man Buchhold nicht so sehr verargen. Aber fatal, sehr fatal wird die Angelegenheit für mich doch, wenn mein Sohn sich weigert, Buchholds Tochter zu heirathen, dann kennt Buchhold sicher keine Rücksichten mehr und wird mich zu ruiniren trachten." Malten lief, sehr erregt von dem letzten Gedanken, unruhig in seinem Zimmer auf und ab, dann aber stieg in seinem Herzen doch manche Hoffnung auf, wie er auf diese oder jene Art in den sechs Monaten Rath und Hülfe werde schaffen können, um Buchholds Forderung zu decken, wenn die Heirath nicht zu Stande kommen würde. Das Glück konnte ihm ja wieder günstig sein, er konnte mit dem Patent ein gutes Ge- schäft machen, die entwertheten Actien konnten wieder im Course stergen, und selbst in der Lotterie konnte Malten Glück haben, denn zum bloßen Zeitvertreib hatte er die drei Vollloose doch nicht genommen. Der Commerzienrath erinnerte sich jetzt daran, daß es nunmehr höchste Zeit sei, um sich nach der Fabrik zu begeben und dort die gewohnten Geschäfts zu erledigen. Er schellte alsbald dem Diener, nahm Hut und Stock und schritt eilig nach derFabri welche nur ungefähr fünfhundert Schritte von der Villa Mattens entfernt lag. In der Fabrik angekommen, besichtigte der Commerzien« rath nut scharfem Kennerblick zunächst die Maschinenhäuser, um sich zu überzeugen, daß dort Alles in Ordnung war. Dies galt eigentlich als selbstverständlich, denn Mattens hochbefähig, ter und ganz ungewöhnlich fleißiger und gewiffenhafter Sohn war ,a der erste Ingenieur in des Vaters berühmter Maschinen« ? u!Lb mit großer Befriedigung und berechtigtem Stolze W. GommerjknratÖ, wie sein Sohn auch heute in vor- trefflichster Weise die Triebmaschinen überwachte und in leistungs- fähigem Zustande erhielt. Mattens Augen suchten den Sohn. Dort stand Ludwig Ma ten am Eingänge eines Maschinenhauses und war eifrig bemüht, zwei Monteure über die Aufstellung einer neuen Dampfmaschine zu instruiren- Mit Wohlgefallen ruhten die Augen des Commerzienraths auf der stattlichen Erscheinung des Sohnes, der hoch von Ge- statt und ein Bild blühender Manneskraft war. Sehr herzlich begrüßte der Vater den Sohn und dieser stattete seinen ge« wohnten Bericht über die technischen Angelegenheiten der rfavttk ab. „„ R^te.n sich alsdann nach den Comptoirräumen, um sich dort die Geschäftsbriefe und einige Geschäftsbücher vorlegen zu lassen. Als diese Arbeit erledigt war, zog sich der Commerz,enrath in sein Privatcomptoir zurück, um dort allein einige Arbeiten zu erledigen. „Ludwig weiß noch nichts von dem Unglück, welcher ! I Hiilsemann betroffen hat," wiederholte sich dort in seinen Gedanken der Commerzienrath und dies war ihm jetzt sehr angenehm, denn dadurch wurden neue Aufregungen noch eine Zeit ihm fentLgehalten und er konnte inzwischen auf Mittel sinnen, um den Sohn über das Unglück, welches den ^-u?^on dessen auserwählter Braut betroffen, zu beruhigen. Freilich, solch ein Mittel, rote er es eigentlich gewünscht hatte, vermochte der sonst so findige Commerzienrath heute nicht zu finden, denn das Versprechen, welches er dem schlauen Buchhold heute gegeben, lastete nun doch wieder wie ein Alp auf seiner Brust und machte ihn dem Sohne gegenüber unsicher und zag« haft. Aber die eiserne Rothwendigkeit zwang Malten, doch wenigstens einen Versuch zu machen, um den Sohn in Buch- holds Sinne, der ja auch eine sichere Rettung von einer der Malten Ichen Fabrik drohenden Katastrophe bot, zu beeinflussen und er faßte seinen Entschluß. ' Noch heute Nachmittag wollte sich Malten übrigens nach dem Hülsemann'schen Bergwerke begeben, um die Größe des durch den Schachteinsturz herbeigeführten Schadens zu prüfen, denn vielleicht hat der verschlagene Bankier Buchhold aus nabe- liegenden Gründen das Unglück Hülsemanns übertrieben und dann war ja leicht ein ganz anderer Ausweg zu finden. Der Comptoirdiener trat jetzt ein und meldete, daß ein alter Arbeiter, der Maschinenschlosser Engelhard, um eine Unterredung mit dem Herrn Commerzienrath bitte. Es sei eine eigenthümliche Angelegenheit, in welcher nur der Herr Com« merzienrath selbst helfen könne. Matten befahl dem Diener, den Arbeiter eintreten zu laffen, und bald stand ein älterer, respectabel aussehender Mann in blauer Arbeiterblouse vor dem Fabrikherrn. „Was wünschen Sie von mir, Engelhard?" frug Matten in herablaffendern Tone. „Wenn ich Ihnen rathen oder helfen kann, so soll es geschehen, aber fassen Sie sich kurz, denn iS habe heute wenig Zeit." „Herr Commerzienrath, ich wollte Ihnen nur melden, daß sich in dem Gesangvereine Concordia, welchen wir Arbeiter unter gütiger Beihilfe unserer Herren Prinzipale gegründet haben em ganz grober Mißbrauch mit den Ueberschüssen der Mttgliederbeiträge eingeschlichen hat." „Was muß ich hören?" frug Malten erstaunt. „Hat Jemand Unterschleife verübt?" „Rein, solche Dinge fanden Gott sei Dank nicht statt," fuhr der alte Mann fort, „aber einige der jüngeren Mitglieder sind auf die tolle Idee gekommen, die circa zweihundert Mark jährlichen Ueberschuß zum Ankäufe eines Lotterielooses zu benutzen und die Mehrheit der Mitglieder hat dem Vorschläge zugestimmt. Heißt das nicht in unsinniger Weise unsere Vereinskasse schädigen? Einen größeren Gewinn werden wir doch nicht machen und sollte dennoch ein Gewinn gemacht werden, so geht er in hundertdreiundvierzig Theile und da wird auf den Einzelnen nicht viel kommen. Außerdem ist zu be- fürchten, wenn ein größerer Gewinn auf das Vereinsloos fallen sollte, so werden wohl viele Arbeiter das gewonnene Geld zu allerhand Tollheiten mißbrauchen, so daß hinterher der Schaden größer sein wird, als der Nutzen. Der wahrscheinlichste Fall aber wird derjenige sein, daß das Vereinsloos nichts gewinnt, I denn es sind doch erschrecklich viele Nieten in jeder Lotterie und dann ist doch eine hübsche Summe vergeudet." Betroffen und mit wachsendem Interesse hatte der Commerzienrath auf diese Worte des schlichten Arbeiters gehört und in seltsamem Tone frug er: „Aber was soll ich dabei thun, um die Leute von dem Vorhaben, ein Lotterieloos zu kaufen, abzuhatten?" „Nun, Herr Commerzienrath, Ihre Meinung und Ihr Rath gilt noch etwas bei vielen Arbeitern, und wenn Sie die Güte haben wollten, den Leuten das Thörichte ihrer Absicht klar zu machen, so käme der Entschluß vielleicht in's Schwanken. Außerdem hätten Sie auch ein Machtmittel, um den thörichten Entschluß rückgängig zu machen. Sie spenden großmüthig Beleuchtung und Heizung für den Saal an den Vereinsabenden der Concordia und Sie könnten drohen, diese Wohtthat dem 228 Vereine künftig entziehen zu wollen, wenn er solche tbörichte Beschlüffe faßt." Der Commerzienrath erwiderte darauf freundlich: ,Jch verstehe ja Ihre gute Absicht, lieber alter Engelhard, aber ich fühle mich doch nicht befugt, in der Weise eines Vormundes mich in die privaten Angelegenheiten meiner Arbeiter zu mischen, ich würde da nur böses Blut erzeugen- Wollen die Leute ihr Glück in der Lotterie versuchen, so mögen sie es thun. Verlieren sie das Geld, so wird sich wohl nächstes Jahr keine Mehrheit in dem Gesangvereine für den Ankauf eines neuen Looses finden." Der Commerzienrath wandte dem alten Engelhard jetzt den Rücken. Brummend verließ derselbe das Zimmer und draußen schimpfte er weidlich über die Thorheit seiner Genoffen, welche für das ersparte Geld der Vereinskaffe ein Lotterieloos kaufen wollten. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Hellfarbige Sonnenschirme zu waschen. Aecht- farbige Schirme aus Baumwolle, Satin und dergleichen, jedoch nicht von Seide, werden aufgespannt, mit kaltem Wasser wiederholt übergossen und mit weißer Kernseife eingerieben. Nachdem man die Seife etwa eine Viertelstunde hat einwirken lassen, bearbeitet man den ganzen Schirm, namentlich an den fleckigen und streifigen Stellen, die man vorher angemerkt hat, mittelst einer kleinen weichen Bürste, übergießt dann den Schirm auf's Neue mit kaltem Wasser so lange, bis die Seife und jeder seifige Geruch verschwunden sind. Nun stellt man den Schirm in's Freie, wo er nach 6 bis 8 Stunden trocken sein wird. — Farbige seidene Schirme wäscht man mit einer Lösung von Harzseife und gutem Spiritus. Man nimmt 60 Gramm Seife auf ein Achtel-Liter Spiritus und reibt, nachdem die Seife sich vollständig aufgelöst hat und mit Spiritus durch öfteres Ausschütteln vermischt ist, die Mischung mit einem weichen Bürstchen auf die aufgesvannte Seide, läßt sie einige Minuten ein» wirken, damit der Schmutz sich löse, gießt dann mit lauem Waffer ab, spült mit kaltem Wasser, dem man etwas Salmiakgeist zugesetzt hat, nach und trocknet im Freien. Etwaige am Schirm befindliche Spitzen werben beim Waschen nicht ab- getrennt, sondern am Schirme eingeseift, mit der Hand leicht gedrückt, abgespült und noch feucht geplättet. ♦ * Versengte Wäsche. Hat man mittelst des Plätteisens die Wäsche versengt, so kann man, ohne der Wäsche im Geringsten zu schaden, diesen Uebelstaud wie folgt beseitigen. Man bereitet aus 100 Gramm Chlorkalk, den jeder Droguist vor- räthig hält, und 800 Gramm heißem Waffer eine Chlorkalk- lissung. Nachdem diese sich geklärt hat, taucht man in dieselbe einen Wattebausch oder ein leinenes Läppchen und bestreicht damit sanft die versengten Theile der Wäsche. Hat man gestärkte Wäsche, z. B. Oberhemden, Kragen, Manschetten rc., mittelst des Plätteisens versengt, so muß vor der Behandlung der Wäsche mit Chlorkalklösung die Stärke mittelst heißem Wasser beseitigt werden. Sobald die versengte Stelle verschwindet und die Wäsche wieder weiß wird, wäscht man mit kaltem Wasser gründlich die Chlorkalklösung aus. * e Alle Nüsse schmackhaft zu machen. Um Nüsse zu jeder Jahreszeit frisch und schmackhaft zu machen, wird folgendes Verfahren angegeben: Die Nüsse erhalten diese Eigenschaft, wenn man sie in einem Gefäß mit heißem, stark gesalzenem Wasser übergießt und darin erkalten läßt. Die Kerne lassen sich dann später wie bei ganz frischen an und schmecken auch ebenso. bute billige Kartoffelklötze. Zuvor werben gekochte Kartoffeln geschält, bann entweder auf dem Reibeisen Redaction: A gerieben oder mit der Reibkeule fein gerührt, nach Geschmack Salz hinzugethan, ein Schöpflöffel kochendes Wasser darüber gegossen und Kartoffelmehl gut darunter gerührt. Die Klöße werden in kochendes Wasser gelegt und müssen so lange darin bleiben, bis sie fertig find, das heißt fie müssen obenauf schwimmen. Für 20 mittelgroße Klöße rechne ich 3/4 Pfund Kartoffelmehl. Die Klöße stellen sich billig, sind trotz der einfachen Zubereitung hübsch locker und schmecken sehr gut. Vermischtes. Ein vertrauenswürdiger Zimmerherr. Familienvater: „Unser Zimmerherr ifi komisch; er borgt sich alles Erdenkliche aus und gibt nie etwas zurück/' — Familienvaters Freund: „Dem solltest Du eine von Deinen sechs Töchtern anvertrauen I" * ♦ ♦ MilitärischeKameradschaft. Unteroffizier: „Kameraden müssen gegen einander gefällig sein. Was würben Sie thun, Quabbe, wenn Ihr Kamerad Müller kurz vor dem Dienste noch nicht gegessen und seine Knöpfe noch nicht geputzt hätte?" — Quabbe: „Ich würde sein Mittagsmahl verzehren, damit er putzen kann." • ♦ ♦ Ein Jrrthum. Ein junger Komponist donnerte einen ihm begegnenden boshaften Kritikus mit den Worten an: „Also Sie sind der . . . ., welcher mein Stück so schlecht gemacht hat!" — „Bitte sehr," antwortete dieser lächelnd, „das haben sie ja selbst gethan!" ♦ ♦ ♦ Ein ahnungsvoller Engel. Dienerin: „Gnädige Frau, passen Sie nur recht auf das Kleid auf." — Madame: „Warum denn?" — Dienerin: „Na, dann krieg' ich es wenigstens im ordentlichen Zustand zu Weihnachten geschenkt." * * ♦ Verplappert. Vater der Braut: „Ich will ja gern Ja und Amen sagen; sind Sie denn aber mit meiner Tochter im Reinen?" — Bewerber (stotternd): „Ja . . . bis auf zehn Mark, die sie mir vergangenen Sonntag gegeben hat!" ♦ ♦ ♦ Tüchtig. Herr: „Also ein Maler ist der neue Herr Schwiegersohn; tüchtig?" — Dame: „Na und ob, Sie sollten nur 'mal die Farbenrechnungen sehen, die wir alle Tage kriegen!" ♦ * ♦ Fragliche Dankbarkeit. Vetter (zu einem Herrn, der ihm ein größeres Geldstück gegeben): „Besten Dank, gnädiger Herr; aber ich werd' mich Ihnen dankbar dafür erweisen." — Herr: „Und wie?" — Bettler: „Na, ich werd' Sie allen meinen Collegen empfehlen." * ♦ * Guter Anfang. Student A.: „Was thust Du denn hier 'mit dem vielen Flaschenbier? . . . Gehst Du nicht mit auf die Kneipe?" — Student B.: „Fällt mir nicht ein . . . einmal muß das doch anders werden! Heut' will ich 'mal solid sein und daheim bleiben!" ♦ ♦ ♦ Die Einfalt vom Lande. Hausfrau (bei einem Souper zum Dienstmädchen): „Lisi, wie oft hab' ich Ihnen schon gesagt, daß Sie beim Serviren immer von links reichen müssen!" — Dienstmädchen: „I Gott, Madameken, bat is ja doch man blos Aberglooben!" Ein zärtlicher Gatte. Mann: „Zu Deinem heutigen Geburtstage habe ich Dir ein paar Flaschen guten, alten Wein gekauft I" — Frau: „Aber Du weißt doch, ich trinke gar keinen Wein!" — Mann: „Nun, dann trinke ich ihn auf Deine Gesundheit." . Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Nr. 51 Ante „Son als er ein« „die Leute mern sich , Diese Neig zuweilen fl man sucht i welch' ein 1 einzelnen S so würbe es könnte auch Arbeiter ab kein einziger Gewinn mii ■ werben. Ick riskirt als ' gleicht sich e winnaussichk Nach s welcher feit Gartens. Dl Geist zu sani zwischen ihm gewachsen zu glück, welche^ auf bem We< oder gar bii dergleichen H breiten. „Ich wei er wirb viell lleberlegung z sonst ein sehr Währent hingab, eilte unb dem Vat« Lippen: „Hü Hülsemann'sch« Hastig b Hülsemann sei das entsetzliche