Nntephaltrrirgsblatt 311m Gietzenev Anzeige^ (Geneval-Anzeigev) 18$ 3. -3—H' ^s- '’*n2sRi<‘s5? 'WBÄSlii • «tr.". - -, 2V'- '_A—<- 7-x,- - -< Samstag, den 15. April. t—— ■ - ..........-....................... Tante Hannas Geheimniß. Original-Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung). Ein freudiges Aufleuchten glitt über das Gesicht der Kranken. Sie lächelte sie an und strich ihr sanft über die Stirn. „Mein Liebling," sagte sie zärtlich, „ich weiß jetzt, daß Du es bist, — habe nur Geduld, es ist mir oft so dunkel hier in der Stirn," — sie deutete geheimnißvoll darauf — „und dann möchte ich etwas festhalten und kann es doch nicht, das macht mir große Pein. Jetzt weiß ich aber, daß Du Armgard bist, es ist hier gerade hell." „Und nun kennen Sie auch mich, Tante Hanna!" sprach der Arzt, sie fest anblickend. „Halten Sie Ihre Gedanken recht beieinander, dann wird's schon gehen und Sie werden auch Ihren alten Doctor Peters wieder kennen." «Ja, ja," erwiderte sie nach einer Pause, „ich kenne Doctor Peters, — aber meine Armgard doch noch besser. Ist dies mein Zimmer?" „Nein, Tantchen, Sie waren ja lange krank," sagte Armgard, den Doctor fragend anblickend. „Natürlich.sparen Sie krank, kleine Tante," nahm jener rafch das Wort,' „haben es ganz vergessen, daß der Blitz in Ihr Haus fuhr, dasselbe in Brand steckte und Sie sich bei dem Fall aus dem Bett den Kopf verletzten. Da haben wir Sie natürlich in ein fremdes Haus bringen müssen, und das hielt schwer, weil sich Hunderte um die gute Tante Hanna rissen." Sie hatte aufmerksam zugehört und eine immer ängstlichere Miene angenommen. Zuletzt sahen ihre Augen ganz starr wieder vor sich hin, so daß der Doctor sich erschreckt zu ihr niederbeugte, da er fürchtete, sie in den alten Zustand versinken zu sehen. „Der Blitz," murmelte sie plötzlich, „ich sah ihn ganz deutlich — halt — er trug — er nahm etwas ab, ich sah sein Gesicht — nun wird's wieder dunkel, ich kannte ihn — ach, mein Kopf schmerzt so schrecklich — ich seh' ihn jetzt nicht mehr, nur noch den Blitzstrahl." Die Greisin stöhnte tief und schloß die Augen. Armgard blickte den Doctor an, der ganz bleich und erregt aussah. „Sie hat noch Fieber," flüsterte sie dann traurig „Nein, nein, nur still, lassen wir sie jetzt ruhen, sie wird einschlafen." Wirklich hörten sie es bald an ihren regelmäßigen Athem- zügen, daß sie sanft schlummerte. Sie gingen Beide geräuschlos zurück, während die Wärterin wieder ihren gewohnten Platz bei der Kranken einnahm. Schweigend schritt der Doctor neben Armgard, um sie hinauszubegleiten. „Glauben Sie wirklich an eine volle Genesung der Armen, lieber Doctor?" fragte sie, ihm zum Abschied die Hand reichend. „Ganz bestimmt, mein Fräulein!" erwiderte er, ihre Hand fest in der seinen haltend. „Sie haben sich doch selber davon überzeugt, wie die Erinnerung in ihr erwachte. Haben Sie aber auch darauf geachtet, wie die Erinnerung an jene Gewitternacht in ihr Bewußtsein zurückkehrte?" „O gewiß, es war ja, als ob sie an eine Erscheinung erinnert worden wäre." „Allerdings, aber an eine ihr bekannte Erscheinung, welche irgend eine Verkleidung an sich gehabt. — Ich hoffe, daß sich dieses Räthsel bald lösen wird, da die Arme jetzt nur noch mit der Verdunkelung ihrer Denkkraft zu kämpfen hat, das Licht bereits mit sichtlicher Angst festzuhalten sucht." q „Das ist wahr, Herr Doctor!" erwiderte Armgard lebhaft. „Dieses Ringen und Kämpfen war erschütternd anzusehen. Sie erinnerte sich eines Gesichts und bevor sie die Er- innemng daran ganz erfaßt, wurde es wieder dunkel in ihr. Sollte es aber nicht dennoch nur eine Fieber-Vision fein? — Wie könnte ein Mensch in jener Nacht sich in ihrem Zimmer befunden haben? Vielleicht war's ein lebhafter Traum, welcher sich in ihrem Gehirn festgesetzt und jetzt erst wieder lebendig in ihr wird." „Möglich, mein Fräulein," sagte der Doctor, sie zerstreut anblickend, „es sind eben jetzt nur Muthmaßungen, welche uns neue Räthsel des Geistes aufgeben. — Apropos," setzte 4 er rasch hinzu, „ist es wahr, daß Ihr Aufgebot bereits erfolgt ist, Fräulein Holten?" Sie wechselte die Farbe, blickte zu Boden und antwortete erst nach einer Weile: „Weshalb sollte es nicht wahr sein, Herr Doctor? Ist meine Verlobung oder mein Aufgebot etwa ein Verbrechen vor Ihren Augen?" „Bitte um Verzeihung, mein Fräulein, so war s doch nicht gemeint," sprach der Doctor ernst, „mich wundert nur die Ueberstürzung, welche sonst ihrem Character so fremd ist." „Nun, lieber Doctor, ich habe mich doch lange genug auf meine Verheirathung besonnen, — daß man mich in diesem Punkte schwerlich einer Ueberstürzung zeihen kann." Sie drückte ihm die Hand, machte einen vergeblichen Versuch zu lächeln und entfernte sich eiligst. Doctor Peters blickte ihr mit finster zusammengezogenen Brauen nach und stieß ein halblautes Wort hervor, das just nicht schmeichelhaft klang. In diesem Augenblick schritt der 174 - Polizeieommiflar Frenzel rasch auf ihn zu, streckte Hm die Hand I zum Gruß entgegen und fragte beinahe athemlos: „War Frau« (em Holten bei Tante Hanna?" „Ja, versuchte ein Experiment, das mich außerordentlich „Hab's mir gedacht. — Wissen Sie, ob sie gleich nach Hause fährt, Herr Doctor?" , „Weiß nicht, ist immerhin möglich, was haben Sie denn, Herr Commiffar?" . „Wir sind dem Thäter auf der Spur, em unvorsichtiges Wort kann ihn warnen. Wenn Fräulein Holten ihrem Verlobten über diesen Krankenbesuch schreibt, dann wäre Tante Hannas fortschreitende Genesung kein Geheimniß mehr, was wir doch im Jnteresie unserer Nachforschungen bislang treu bewahrt haben. — Man muß ihr klaren Wein emschenken und ihr die Zurückhaltung, selbst ihrem Verlobten gegenüber, zur strengsten Psiicht machen." , „Ich verstehe, Herr Commiffar," sprach der Doctor nachdenklich, „und Ihr Verdacht scheint auch guten Grund zu haben, wenigstens was Tante Hannas Verletzung anbetnfft. Sie sprach bereits von einem bekannten Gesicht, das sie m Mer Gewitternacht gesehen, und das etwas abgenommen, also irgend eine Maskirung beseitigt habe. Soll ich Fräulem Holten darüber aufklären?" _ Ach, Sie wollen mir wirklich den Gefallen thun, Herr Doctor, Md jetzt gleich zu ihr gehen? — Ich mochte Sie kaum mit welchem sich ihre Gedanken in den letzten Lagen mehr als mit Julius Steindorf beschäftigt hatten. Der Name Leonhardt Marbach stand auf dem Papier, unbewußt hatte ihre Hand denselben niedergeschrieben, weil sie das Bild des todtkranken Mannes nicht aus der Seele los werden konnte. Fortwährend sah sie sein flehendes Auge auf sich gerichtet, hörte seine Bitte „Heirathen Sie Ihren Verlobten nicht, bevor er Ihren Wimsch, den Kinnbart glatt wegrasiren zu laffen, erfüllt hat- Wenn Sie »wischen Mund und Kinn einen rothen Strich erblicken, dann sagen Sie es dem Criminal-Commiffar Frenzel und sie sind vor dem Schrecklichsten bewahrt." . r Diese wahnsinnigen Worte hatte er noch zweimal mit schwindender Kraft, zuletzt mit kaum verständlicher Stimme an sie gerichtet, und sie hatte es ihm gelobt, um ihn zu beruhigen, und aus der aufregenden Nähe des Fieberkranken zu kommen. Wie kam es nur, daß sie seitdem stets an den Unglücklichen hatte denken müffen, daß seine Fieberphantasie, denn für etwas Anderes konnte sie jene Bitte nicht halten, fortwährend in ihr widerhallte und alle anderen Gedanken zu verdrängen br°^$ßar es vielleicht die Ueberzeugung, welche sich ihr an seinem Lager hatte aufdrängen muffen, daß er ^ liebte und seine Träume und Phantasten sich stets mit 'hr beschäftigten? Sie hätte am Ende kein Weib sein müffen, um bei solcher Ec- kenntmß ganz gleichgültig zu bleiben. . „ „Gott steh' mir bei, daß ich nicht auch wahnsinnig werde, flüsterte sie, den Bogen mit Marbachs Namen in den Schreibtisch werfend und diesen verschließend. „Aber gleichviel, setzte sie mit entschloffener Mene hinzu, „möge er es seltsam von mir finden, ich werde ihn dennoch darum ersuchen, Men Bart- schmuck am Kinn zu entfernen, weil derselbe mir häßlich erscheint. So will ich die Bitte des Unglücklichen erfüllen und mein gegebenes Wort hallen." ,, Die Frau des Hausverwalters erschien, um ihr zu melden, daß der Wagen schon eine ganze Weile auf das Fräulein warte. Sie hatte diesen bequemen Posten einem alten verHei- ratheten Dienerpaar, das bereits ihren Eltern ^b Jahre ireu gedient, nicht nur als eine Belohnung, sondern als pflichtschuldig liebe I-gte sch Fräulein sind doch noch rechl schwach meinte die alte Frau bekümmert, „sollten lieber ein Gläschen Wein trinken. ’ Ja, es ist wahr, ich fühle mich zuweilen sterbensmüde, als ob ich wieder kiank würde. Eine Luftveränderung^ mrd mir gut thun, ich denke, später eine Zeitlang im Süden zu blei6e,^a,5Dber°MiTcmüt einverstanden," tönte die Stimme des Genannten von der offenen Thür her. "Ich traf keüie leben Seele, um mich anzumelden, meine Gnädigste, und mußte Sie deshalb nolens volens überfallen." , 9 Die alte Frau Lorenz verließ das Zimmer und Doctor ^b^^Jch"mußbSie nämlich noch einmal sprechen, liebes Fräu' lein," fuhr er rasch fort, „und befürchtete schon, zu spät zu kommen. Sieh', da liegt ein Brief an Ihren^ Verlobten p bereit zur Abfahrt," setzte er, auf den Schreibtisch deutend, ungenirt hinzu. „Haben Sie in demselben etwas von Tante Hanna geschrieben?" „Nein," erwiderte Armgard befremdet. „Na, das freut mich, weil ich die Bitte vergaß, kemem Menschen, wer immer es auch sei, von der voraussichtliche Genesung der alten Dame nur das Geringste mitzutheuen. Armgard schüttelte verwundert den Kopf. „Das begreife ich nicht, Herr DoctorI - Sie thun j«, als ob es sich hier ebenfalls um ein Verbrechen handele. „So ist es auch, meine Gnädige," versetzte der Doctor sehr ernst, „um meiner Bitte Nachdruck zu geben, muß ich mW wohl dazu bequemen, Ihnen ein Geheimniß anzuvertrau , dessen strenge Bewahrung ich Ihnen zur Pflicht mache- Er erzählte jetzt von dem bis zur Gewißheit sAige Verdacht eines Verbrechens, das in der Gewltternacht g fl darum bitten." . „Ja, so etwas wittert man doch gleich heraus, mein Bester! — Sie sehen, ich bin schon mit Hut und Stock bewaffnet. — Kommen Sie nur, haben Sie sonst noch etwas auf dem Herzen?" ., Sie schritten eiligst dahin und der Commiffar bat ihn I noch, sich so wegelängs bei ihr zu erkundigen, ob sie sich hier oder auswärts trauen laffen wolle. „Jnteressirt Sie das so besonders?" sragte der Doctor, stehen bleibend und ihn fest anblickend. „Mich interefsirt Alles, Herr Doctor I" erwiderte der Beamte lächelnd. „Also auch die Trauung eines solchen. be- gehrenswerthen Goldfisches, welcher dem schönen, flatterhaften I Julius so mühelos in's Netz gelaufen ist." Ja es ist haarsträubend," brummte der Doctor, hastig weiterstrebend, „aber ich sagte es gleich, daß fein Töchterchen ihm sehr gelegen verunglückt sei. Die Todte hat die Kette geschmiedet für die stolze, thörichte Armgard Holten. Sie glauben also nicht an die Macht der alten Liebe? I Larifari, — der wäre ein Mädchen von solchem Kaliber sicherlich nicht erlegen- Die Geschichte kommt mir ordentlich unheimlich vor; dieser Mensch muß ein Hexenmeister sein oder ihr einen Liebestrank bereitet haben." . Und das behauptet eine ärztliche Autorität! sagte der I Commiffar belustigt. „Bah, mein bester Herr Doctor, wir I Menschen haben alle eine schwache Seite und die Weiber durch die Bank zwei. - Fräulein Holten wird keine Ausnahme von dieser Regel machen, mag sie sonst auch ihre speciellen Tugen- iden besitzen. Daß der Tod des ihrem Schutze anvertrauten | Kindes einen außerordentlichen Eindruck auf ihr Gemüth her vorgebracht, mag feine Richtigkeit haben, im Ganzen genommen aber wird dis alte Liebe doch den Löwenantheil an diekr ra chen Veilobung beanspruchen. — So, weiter will ich Sie lieber nicht begleiten, das Fräulein möchte wunders glauben, was wir für Geheimniffe hätten, Herr Doctor!" Er grüßte höflich und schlug eine andere Straße em, während Doctor Peters sehr nachdenklich, da chn das Benehmen des Commiffars stutzig machte, dem Markte zuschritt, wo sich Armgard Haltens stattliches Haus befand. Ihr Wagen hielt bereits vor der Thür. Sie selber saß zur Heimfahrt fertig vor ihrem Schreibtisch, den Kopf in die Hand gestützt, auf einen Bries niederstarrend, deffen Adresse ihre Handschrift trug und an den Verlobten Suchtet war- Noch hielt ihre Rechte die Feder, mit welcher sie letzt mechanisch auf einen weißen Bogen kritzelte- Sie erröthete, als ihr Auge sich fester auf das Geschriebene heftete und einen Namen las, mehr als Leonhardt ihre Hand odtkranken wtwährend eine Bitte: >n Wunsch, at- Wenn > erblicken, >l und Sie ;eimal mit Stimme an i beruhigen, zu kommen, en Unglück- ;e, denn für fortwährend verdrängen sich ihr an - ,e liebte und leschästigten? ri solcher Er- nnig werde," den Schreib- chviel," setzte feltsam von , jenen Bart- r häßlich er- erfüllen und hr zu melden, das Fräulein I alten vergeige Jahre treu pflichtschuM »rmgard, sich [teinte die alte Lein trinken." sterbensmüde, inderung wird im Süden zu e Stimme der ,f keine lebende mb mußte Sie >r und Doctor t, liebes Fräu- on, zu spät zu t Verlobten ja btisch deutend, ,as von Tante vergaß, keinem voraussichtlichen nitzutheilen." - Sie thun ja, n handele." tzte der Doctor it, muß ich nE anzuvertrauen, jt mache " cheit gesteigerten itternacht gegen das Leben und Eigenihum der Greisin begangen worden und daß durch mehrere Fundstücke, sowie durch Verkettung unheimlicher Umstände sich der überzeugende Beweis ergeben, daß auch dieses Verbrechen durch dieselbe Person verübt sein müsse, welche die tödtlichen Schüsse im Hohlwege und das Attentat oben in den Bergen auf dem Gewissen habe. Daß dies Alles aber als strenges Geheimniß bewahrt werden müsse, besonders auch die erhoffte Wiederherstellung der alten Tante Hanna, welche unstreitig den Verbrecher in jener Nacht gesehen habe. „Ach, darauf deuteten am Ende ihre sonderbaren Reden hin," fiel Armgard, welche mit starrem Entsetzen zugehört hatte, überrascht ein. „Wissen Sie, Herr Doctor, sie sprach doch von einem Jemand, den sie gesehen, der etwas abgenommen —" „Natürlich irgend eine Maskirung, da er sich unbeobachtet wähnte," ergänzte der Doctor. „Ja, ja, aber — sagte sie nicht auch, daß sie ihn erkannt habe?" „Allerdings, doch haben wir das wohl auf Rechnung der Gedankenlücken zu setzen- Ich sehr keine Möglichkeit für diese Behauptung. Lassen wir das jetzt und versprechen Sie mir, damit der Verbrecher nicht gewarnt werde, Tante Hannas Genesung als Geheimniß zu bewahren." „Das verspreche ich Ihnen» lieber Doctor, keine Menschenseele, wer immer es auch fei und wie nahe mir dieselbe stehe, soll etwas darüber durch mich erfahren." „Ich danke Ihnen, mein Fräulein! Es muß uns doch Allen daran liegen, den Buben, der so viel Unheil angerichtet, unschädlich zu machen, da sich Niemand vor seiner Tücke sicher fühlen kann. Und wenn Herr Steindorf auch wohl der Mann ist, ein Geheimniß zu bewahren, ja, wenn ihn der Tod feines Kindes vielleicht doppelt antreiben müßte, den Ruchlosen zu ent* decken, ihn durch jene Thatsache nicht rechtzeitig zu warnen und aus dem Gefühl der Sicherheit aufzuschrecken, so halte ich es doch für besser, daß die Sache unter uns bleibt." „Sie haben ganz recht," sagte Armgard, „er braucht es nicht zu erfahren, da Tante Hanna ihm überhaupt nicht sympathisch ist." „Dann will ich mich empfehlen, da Ihr Wagen nun lange genug gewartet hat, liebes Fräulein!" „Oder vielmehr mein Kutscher und die armen Pferde," bemerkte Armgard wehmüthig lächelnd. „Gott mit Ihnen, Herr Doctor! Fahren Sie denn heute nicht in's Forsthaus zu Ihrem Kranken?" „Ich fahre gegen Abend hinaus. Der arme Kerl macht mir große Sorge, ja, er thut mir in der Seele leid, und ich könnte den ruchlosen Banditen hängen sehen, der so kaltblütig mit Menschenleben gespielt." „Haben Sie wirklich gar keine Hoffnung mehr, Herr Doctor?" „Na, so lange das Leben noch pulsirt, muß auch der Arzt hoffen. Könnte ich ihm nur die innere Ruhe geben, aber er quält sich fortwährend mit fixen Ideen, welche sich um einen rothen Strich und — verzeihen Sie, Fräulein Armgard um Ihre Hochzeit drehen. Seltsam genug zermartert sich der alte Reinhardt auch mit dem vertrackten rothen Strich, den er jetzt, Gott sei Dank, vergessen zu haben scheint." „Er ist wieder besser?' „Hm, genesen noch nicht, aber doch mit vollen Segeln auf der Fahrt zur Genesung. Er ist sehr entstellt, doch haben wir, was ich nicht zu hoffen wagte, seine Augen gerettet. Wird immerhin noch wochenlang an den Folgen der Verletzungen leiden müssen. Ich muß ihm stets von Ihnen und Ihrer Verlobung erzählen. Gestern noch fragte er mich, wann Ihre Hochzeit fein werde, er wolle sich die Trauung ansehen." Armgard war' sehr blaß geworden, sie erinnerte sich jenes Pfingstabends und seiner Erzählung bei Tante Hanna. „Grüßen Sie Herrn Reinhardt von mir," sprach sie etwas gepreßt, „versichern Sie ihn meiner aufrichtigsten Theilnahme und theilen Sie ihm mit, daß meine Hochzeit sofort dem Aufgebot folgen, aber nicht hier, sondern der Trauer halber in aller Stille auswärts stattfinden werde. Der Ort fei noch nicht bestimmt." „Und weshalb denn auswärts?" fragte Doctor Peters erstaunt- „Steindorf wünscht es," versetzte sie, seinem Blicke ausweichend, „und mir selber ist es, aufrichtig gestanden, auch am liebsten, da ich es nur zu gut weiß, wie hart ich von der Welt verurtheilt werde." „Sie meinen von der kleinen Welt unseres Städtchens," sagte der Doctor, sie nachdenklich anblickend, „bas wird Ihren Verlobten doch nicht weiter beirren oder geniren können. Ich glaube, mein Fräulein, daß die Welt Ihre Beweggründe sehr falsch beurtheili." „Unb Sie haben recht, lieber Doctor," rief Armgard mit einer ungewohnten Heftigkeit, „o, Sie wissen nicht, wie dankbar ich Ihnen für diesen Glauben bin." Sie drückte seine Hand, ergriff hastig ihren Sonnenschirm und wollte gehen. Der Doctor hielt sie zurück- „Lassen Sie Kutscher und Pferde noch einige Minuten warten, mein theures Fräulein," sagte er bewegt. „Ich war seit vielen Jahren nicht blos der Arzt, sondern auch der Freund Ihrer Eltern, welche mir ein freies Wort nicht übel nahmen. So erlauben Sie mir das auch heute — Ich bin ein alter Mann und darf Ihnen sagen, daß Sie einer Nachtwandlerin gleichen, welche mit geschlossenen Augen an einem Abgrund dahin wandelt. Als Freund und als Arzt warne ich Sie vor dem jähen Sturz, der Sie unrettbar zerschmettern wirb. In Ueberhastung wie eine Fieberkranke schließen Sie den wichtigsten Bund Ihres Lebens, worauf Sie zehn Jahre sich besonnen haben." „Ist dieser Zeitraum noch nicht lang genug dazu gewesen?" unterbrach ihn Armgard schwerathmend. „O, ich denke, es haben sich genug ehremverthe Männer um Sie beworben, denen Sie Ihre kostbare Freiheit nicht opfern wollten Nun gut, ich habe fein Urtheil darüber, möchte aber als Freund Ihre Hand ergreifen und mit mahnendem Zuruf Ihr rechtzeitiges Erwachen bewerkstelligen." „Unb ich danke Ihnen für den Glauben an mich, an meine besonderen Beweggründe," sagte Armgard, ihm mit einem schmerzlichen Blick ihre Hand entziehend. „Nun, den Dank beanspruche ich auch noch," rief der Doctor achselzuckend, „was kann denn bas weiter für Ihr Glück bedeuten, wenn ich auch den festen Glauben hege, daß Sie nur einig um eines Wahnes willen sich verlobt haben- Ja, ja, ich wiederhole es, um eines unseligen Wahnes willen, mein armes Kind, wollen Sie sich selber iür's ganze Leben elend machen. Ist es nicht ein Wahn, daß Sie, wenn auch nur inbirect, den Tob jenes Kindes verschuldet haben? War es etwa eine Leichtfertigkeit, mit bet int Grunde ganz gesunden Kleinen eine Spazierfahrt zu machen? Wollten Sie dieselbe irgend einer Gefahr leichtsinnig damit ausfetzen? Konnten nicht aud) Sie von dem Mordgeschoß getroffen werden? Wo in aller Welt liegt auch nur der geringste Grund vor, sich selbst deshalb als Sühnopfer darzubringen?" „Er hatte das Kind meinem Schutze anvertraut und ich erzwang die Fahrt sozusagen von meiner alten Evers," versetzte Armgard mit versagender Stimme, „mußte ich dem vereinsamten Mann nicht einen Ersatz für den großen Verlust bieten?“ „Ja, Fräulein Armgard, die Sache ist auch soweit in der Ordnung, wenn Sie den vereinsamten Mann tieben. — Ist bas aber nicht ter Fall, — unb ich wenigstens glaube bies sehr fest, — bann konnten Sie mit ihm Ihr Hab unb Gut theilen, was immerhin das kleinste Sühnopfer Ihrerseits gewesen wäre, währenb Sie jetzt Ihr ganzes Glück barangeben, um biesen — Herrn, der seinen Vortheil unb Ihre augenblickliche Schwäche sehr rasch zu benutzen verstanb, zu entschädigen. — Nun. mein Kind," setzte er, sie liebevoll anblickend, mit bewegter Stimme hinzu, „verzeihen Sie dem alten, rücksichtslosen Mann, der es Ihren seligen Eltern schuldig zu sein glaubt, Sie nicht ungewarnt vor dem letzten verhängnißvollen Schritt zu lassen" (Fortsetzung folgt.) 1'9T1' *»3 XVBWt RKSfWIlIltBHSSnwVfKTffvi« wer 176 - GeineinnÄtziger Uni ff Mittel zur Conservirung der Speisekartoffeln. { Da jetzt die Kartoffeln in Folge des Keimens anfangen, schlecht I und seifig zu werden, so sei darauf aufmerksam gemacht, daß | es vor allen Dingen wichtig ist, die Kartoffeln aus feuchten I Kellerräumen in trockene Räume zu bringen und die Keime I von solchen Kartoffeln, die zum Verspeisen verwandt werden sollen, schleunigst zu entfernen. Ferner wird zur (Soinermrinig der Speisekartoffeln folgendes Mittel empfohlen- Man wascht | die Kartoffeln, bringt ste in einen Korb und taucht sie in einen mit siedendem Wasser angefüllten Keffel; hier läßt man die Kartoffeln 5 Sekunden lang und schüttet sie behufs raschen Abtrocknens auf einen luftigen Boden locker aus- Derartig behandelte Kartoffeln halten sich längere Zeit, sie bleiben genieß, bar und schmackhaft, bis man wieder Neue ernten kann- Kar- löffeln, welche früher sich völlig mehlig kochen ließen, werden schlissig, sobald sie zu keimen anfangen. Man kann ledoch tue Schmackhaftigkeit erhalten, wenn man vor dem Kochen von jeder Kartoffel ein Stückchen abschneidet. Der widrige Saft und Geschmack der Kartoffel dringt dann beim Kochen an der abgeschnittenen Stelle heraus, er bildet sich an derselben während des Kochens eine hornartige Haut, und die Kartoffeln I bleiben wohlschmeckend und,mehlig., Spielschürze für Kinder. Eine hübsche Schürzen, art, besonders für die ganz Kleinen, ist diese Spielschurze, welche das ganze Kleidchen bedeckt, aus kräftigem grauen Stoff, gewöhnlich aus Leinen gefertigt und mit rother Litze eingefaßt wird. Aus kleinen rothen, blauen, gelben Tuch- oder Stoff- teilen werden dann Heine Figuren geschnitten, z- B. eine Puppe, einen Ball, eine Peitsche, Wagen u. f- w- und mit Kettenstichen auf die Schürze geheftet, oder solche Figuren wer- den auf die Schürze gezeichnet und mit rothem oder blauen waschächtem Garn benäht. Diese Schürzen machen den Kindern viele Freude und werden gerne von ihnen angezogen. Außer daß ste den eigentlichen Zweck der Schürze durch die practische Form im vollem Maße erfüllen, wirken sie auch auf die er. wachsenden Geisteskräfte, die Phantasie der ganz Kleinen durch die verschiedenen Figuren auch anregend und belehrend und können darauf den Müttern, besonders solchen, welche sich mel- leicht mit ihren Kleinen nicht soviel beschäftigen können, als der geistigen Eintwtckelung des Kindes gut wäre, nicht genug empfohlen werden. , * Grüne Flecken aus Wäsche re., welche durch Ab. färben entstanden sind, zu beseitigen. Zuerst betupft man den Fleck mit Salmiakgeist, alsdann nehme man kochendes Wasser und halte die betreffende Stelle hinein- Sollte der Fleck nicht von einem Male verschwinden, so wiederhole man es so lange, bis derselbe fort ist. Auch kann man etwas Salmiakgeist gleich mit dem Wasser vermischen. * Flecke und Ränder aus pottttrten Tischen zu entsernen. Man nimmt einen wollenen Lappen, taucht denselben in Spiritus und Brennöl und reibt die Stellen so lange damit, bis die Flecken verschwunden sind- Zerbrochene Gypsfiguren zu kitten. Man löst kleine Stücke Celluloid in Aether, gießt die Flüssigkeit nach einer Weile ab (V4 Stunde knapp) und verwendet den teigigen Bodensatz als Kitt. Derselbe trocknet sehr schnell und löst sich nicht, wenn er mit Wasser ta Berührung gebracht wird- Eiergersten-Suppe. *Drei Löffel voll Semmelmehl und ein Löffel Mehl werden gelb gebräunt, mit guter BMHe abgelöscht, Pfeffer, Salz und Muskat dazu gethan, zwei Eier beigerührt, damit es int Kochen gerinnt; hat man säuern Rahm, kann man denselben verwenden. „E trotz alli »N Hände । letzten b gard, ve dem Dri Wollen Ari ihrem C int Mitl „B er liebt „