Nr. 31 1893. --m—a-s—+•---ff-Si-------°-T---•lS—z---*—5^®—m-----g^j AntevhaLtungsblatt 311m Giehensv Anzeraev (Gsneval-Anzeig-p) Dienstag, den 14. März. ijSSnMj HMLW MI •ft'.' Hsjr Ms S^WM! Tante Hannas Geheimniß. Original-Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung). Er hatte sich erhoben, seinen Hut ergriffen und verbeugte sich mit auffälliger Hast und Unruhe. „Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, meine Gnädige — aber mit diesem Herrn hier jetzt zusammenzutreffen, das würde in der That meine Kräfte übersteigen. Nehmen Sie sich einstweilen gütigst meiner Lotta an." Bevor die überraschten Damen zu antworten vermochten, war Steindorf in einem Seitenwege verschwunden. „Das ist also amerikanisch," bemerkte Tante Hanna verwundert, „haben Sie ihm eine solche Empfindelei zugetraut, Armgard?" „Dies Wort ist wohl etwas zu hart, Tantchen! — Ich kann mir seine Empfindungen bei dem Anblick des neuen Besitzers seines alten Stammgutes sehr wohl vorstellen und bedauere ihn aufrichtig. Ebenso vermag ich es in der That nicht recht zu fassen, weshalb die alten Freunde die schöne Besitzung für einen Spottpreis haben verschleudern lassen, anstatt dieselbe anzukaufen und für den —" „Musterhaften Sohn getreulichst aufzuheben," fiel Tante Hanna ironisch ein. „Schon gut, Kind! — Der liebe Herr Julius hatte es ja auch vollauf verdient, absonderlich von dem Holtenffchen Hause. Doch lassen wir das jetzt, empfangen Sie lieber Ihre Gäste, welche dort wirklich erscheinen." In der That näherten sich zwei Herren, von Mamsell Evers geleitet, der Rosenlaube. Tante Hanna erhob sich ebenfalls, um den jungen Herrn Marbach, welcher ihr ja bereits bekannt war, der Herrin des Hauses vorzustellen, worauf jener mit einer Entschuldigung seinen Begleiter, einen deutschen Kaufmann aus Chicago, als seinen besten Freund, der äugen» vorstellt Hm ’n Rotenhof zum Besuch weile, den Damen „Mein Freund Warneck rechnet auf Ihre Nachsicht, mein gnädiges Fräulein!" fuhr Marbach leicht und ungezwungen fort, „daß Sie ihn nicht ob dieses kecken Eindringens für einen amerikanischen Hinterwäldler halten möchten. Er hat drüben eine Missis Prien, welche aus hiesiger Gegend gebürtig war, kennen gelernt. Die Dame soll unter anderen, wie er behauptet, auch Ihren Namen als den ihrer besten Freundin genannt haben —" »Sie kennen doch ihren Mädchennamen, Herr Warneck?" unterbrach ihn Armgard, sich an den Fremden wendend. „Nein, den hat sie mir leider nicht genannt, gnädiges Fräulein!" versetzte der Fremde, ein kräftiger Mann mit einem angenehmen, sehr klugen und energischen Gesicht. „Ich be- daure aufrichtig, sie nicht darum befragt oder denselben in irgend einer anderen Weise erfahren zu haben. Konnte damals freilich nicht ahnen, daß mir diese Kenntniß noch einmal von großem Nutzen hätte sein können." Die beiden Herren hatten mittlerweile auf Armgards Aufforderung Platz genommen und den servirten Kaffee dankend acceptirt. „Der Name Prien ist mir vollständig unbekannt," nahm die junge Hausherrin jetzt die Unterhaltung wieder auf. „Vielleicht hat sie sich drüben verheirathet. — Auch wüßte ich nicht, daß eine meiner Freundinnen nach Amerika gegangen wäre." „Nur Ihre Cousine, welche Steindorf heirathete," warf Tante Hanna ruhig ein. „Ja, das ist aber schon ein halbes Menschenalter her," sagte Armgard lächelnd, „gerade zehn Jahre —" „So lange war Misst« Prien auch schon drüben," bemerkte Warneck. „Jetzt freilich ist sie tobt, sie starb im letzten December." „Seltsames Zusammentreffen," meinte Tante Hanna verwundert, „auch Ihre Cousine ist vor wenigen Monaten gestorben. Lebt denn der Gatte jener Dame noch?" „Er lebt und befindet sich wahrscheinlich und wie ich hoffe hier in Deutschland. Ich suche ihn nämlich bereits seit zehn Wochen, um ein wichtiges Geschäft mit ihm zu ordnen. Mister Prien war mein Correspondent und im letzten Jahr mein Geschäftsführer. Er hat mich ohne Abschied verlassen, was mich dazu bewogen, meinen langjährigen Entschluß, das alte Vaterland noch einmal vor meinem Tode wiederzusehen, jetzt aus- zusühren, um bei dieser Gelegenheit auch Mlster Prien wieder zu begrüßen. Warneck lächelte humoristisch zu diesen Worten, deren Sinn seinen Zuhörern nicht verborgen bleiben konnte. „Haben Sie Ihre Familie daheimgelassen?" fragte Armgard nach einer Pause zerstreut, da ihr Blick in diesem Augenblick auf Lotta fiel, welche ganz ungenirt zwischen ihren Rosen aufräumte und die seltensten und schönsten zu einem mächtig großen Strauße pflückte. Das aber war der jungen Hausherrin schwächste Seite, weil sie selber keine Blumen zu brechen vermochte und ihre Rosen deshalb von Jedermann wie Heilig- thümer behütet und respectirt wurden. Tante Hanna folgte ihrem Blick und wollte sich gerade unwillig erheben, als Mamsell Evers ihr bereits zuvorkam und sich ganz entsetzt zu der kleinen Frevlerin begab. „Ich besitze keine Familie," erwiderte Warneck auf Arm- - 122 - gards Frage, „und das kommt mir augenblicklich sehr zu statten, mein Fräulein, — da Mister Prien so freundlich gewesen ist, mir die Sorge um mein Vermögen abzunehmen, so daß ich nach zwanzigjähriger Arbeit von vorne wieder anfangen muß." „Und dar konnte ein deutscher Landsmann thun?" rief Armgard entsetzt. „Ja, meine Gnädige," bemerkte hier Marbach trocken, „wir Deutschen besttzen doch nicht alle das Vorrecht, ehrlich und ohne Falsch zu sein? Auch ich war eine Zeit lang in Amerika, wo ich meinen Freund Warneck besuchte, habe aber leider gefunden, daß unsere Landsleute es sich ganz besonders angelegen sein lassen, ihre deutschen Brüder zu Übervortheilen." Armgard blickte den neuen Besitzer von Rotenhof zum ersten Mal aufmerksam an und fand, daß derselbe kein besonders schöner Mann war, aber ungemein sympathische Züge und auffallend schöne, treue Augen von stahlgrauer Farbe befaß. Sie erinnerte sich plötzlich seiner Worte vom gestrigen Abend und stellte unwillkürlich in Gedanken Julius Steindorf neben ihn, zwei Gegensätze, wie sie größer nicht gedacht werden konnten. Unter dem Eindruck dieser Vorstellung sagte sie plötzlich ganz unvermittelt: „Ich habe heute bereits amerikanischen Besuch gehabt und jenes Kind dort, das meine Rosen plündert, ist drüben geboren." „Ja, es ist ein Product amerikanischer Erziehung, wie Figura zeigt," setzte Tante Hanna energisch hinzu. „Ach, die Kleine plündert Ihre prächtigen Rosen ohne Erlaubnis, mein Fräulein!" sagte Marbach erstaunt. „Das ist allerdings stark, aber echt amerikanisch. Und der Vater dieses selbständigen Kindes —" „Ließ es uns auf einige Stunden hier zurück. Es ist ein früherer Bekannter, Herr Steindorf aus Cleveland, welcher nach zehnjähriger Abwesenheit, nachdem er dort seine Gattin und drei Kinder verloren, in die Heimath zurückgekehrt ist" „Es scheinen Viele aus hiesiger Gegend drüben ihr Glück zu suchen," meinte Warneck. „Richt mehr und nicht minder als aus allen anderen Gegenden Deutschlands," erwiderte Marbach. „Das Schlimmste dabei bleibt die Thatsache, daß der tüchtige Arbeiter Kapital und Kräfte dem Vaterlands entzieht, während die verlorenen Söhne guter Familien, die Tagediebe und Abenteurer drüben Elemente bilden, welche dem deutschen Namen nicht zur Ehre gereichen und der Schrecken ihrer fleißigen Landsleute sind." „Hoffentlich gehört Herr Steindorf nicht zu diesen Elementen," bemerkte Armgard lächelnd. „Sie reden doch von dem Sohne des einstigen Besitzers von Rotenhof, mein gnädiges Fräulein?" fragte Marbach etwas unruhig. „Es ist mir lieb, den Herrn hier nicht angetroffen zu haben, da er mir nicht sehr wohlgesinnt sein wird." „Nun, Herr Marbach, verdenken kann man'S ihm eben nicht," versetzte Armgard achselzuckend, „oder sollte er vielleicht Freude darüber empfinden, sein väterliches Erbe, das Ihr Herr Onkel einst für einen Spottpreis erstanden, unwiederbringlich in fremden Händen zu sehen?" „Weshalb ist er denn fortgegangen, meine Gnädige?" fragte Warneck. „Gehörte er vielleicht zu den verlorenen Söhnen?" „Das just nicht," nahm Tante Hanna rasch das Wort, „Familienverhältmsse veranlaßten ihn zur Auswanderung. Da er indch auf sein Eibe verzichten mußte, so finde ich seinen jetzigen Groll ebenso ungerecht als unpaffend. Was der Mensch sich einbrockt, muß er auseffen, das ist eine alte Geschichte." „Man hat ihn aber doch ungerecht behandelt, als man sein väterliches Besitzthum verschleudern ließ," bemerkte Armgard etwas erregt- „Die alten Freunde feines Vaters hätten überhaupt schon die Auction verhindern müssen." ^Halten diese Freunde denn Verpflichtungen gegen Vater und Sohn?" fragte Marbach verwundert. „Nicht die geringsten," rief Tante Hanna ganz erbost, „meine junge Freundin hier liebt es zuweilen, sich um andere Menschen unnöthige und ganz ungerechtfertigte Gewissensscrupel zu machen, während ich behaupte, daß Herr Julius Steindorf der letzte wäre, welcher auf derartige Freundschaftsdienste pochen dürfte. Sein Vater hat ihm damals, als er der Heimath den Rücken wandte, ein größeres Kapital gegeben, als er es vor sich und seiner Gattin verantworten konnte. Das Ende vom Liede war ein früher Tod der beiden Alten und der noth- wendige Verkauf von Rotenhof. Ich sehe wahrlich nicht ein, weshalb Ihr Großonkel das Gut, worauf fast kein Käufer geboten, aus freien Stücken nicht sich selber gesteigert haben sollte." „Wahrhaftig nicht," sagte Warneck lachend, „er hätte sonst für's Tollhaus reif sein müssen. Solche Freunde aber, gnädiges Fräulein," wandte er sich zu Armgard, „wovon Sie vorhin sprachen, müßten ebenfalls unter Curatel gestellt worden sein, da dieselben unmöglich wissen konnten, ob sie dem jungen Herrn in Amerika einen Gefallen damit erzeigten und ob er überhaupt jemals zurückkommen würde. Wußten am Ende nicht einmal, wohin er drüben verschlagen worden war." Armgard mußte dies zugeben und bemühte sich dann, das Gesprächsthema zu wechseln, als plötzlich Lottas Stimme so dicht an ihrer Seite ertönte, daß sie erschreckt zusammenfuhr. „Die häßliche Miß hat mir alle Rosen weggenommen, Tante Armgard! — Sie muß auf der Stelle fortgejagt werden," schmetterte die kleine Dame mitten in die Unterhaltung hinein. „Kind, was hast Du mich erschreckt," sagte Armgard un- muthig, „wie bist Du so unbemerkt hierher gerathen?" „Ich habe mich geärgert und bin dann durch jene Lücke gekommen." Sie zeigte auf die Hinterwand der Laube, wo sie selber, wie es schien, diese Lücke in dem Gesträuch gemacht oder doch erweitert hatte. „Die Tante Hanna hat böse über meinen Papa gesprochen," fuhr Lotta schnell fort, „und er ist doch viel schöner, klüger und reicher als diese Gentlemen. Er hätte drüben auch so schöne und reiche Ladys heirathen können, aber er wollte nicht, weißt Du, warum nicht, Tante Armgard?" Sie suchte diese zu sich herab zu ziehen, um ihr etwas in's Ohr zu flüstern. Doch Armgard wehrte sie fast heftig von sich ab und sagte dann ruhig: „Laß es gut fein, Lotta, hier liebt man es nicht, wenn Kinder dergleichen Reden führen. Du bist nicht in Amerika, das merke Dir I Auch schickt es sich durchaus nicht, in fremden Gärten Rosen zu pflücken, — ich besonders kann es Dir nicht erlauben, weil ich selber es nicht thue und die Blumen niemals abpflücke." „O, Dir werde ich gern gehorchen wie meiner lieben seligen Mama," schmeichelte Lotta, den Arm um sie legend, „Du bist ebenso schön und gut wie sie, sagt Papa." In Armgards Gesicht schoß eine dunkle Gluth, während sie die Kleine wieder mit einer unwilligen Bewegung von sich schob und ihr dann ein Stück Kuchen in die Hand drückte- „Geh' und spiele im Garten, aber pflücke keine Blumen ab," gebot sie ihr, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend. Lotta blickte sie forschend an und schüttelte dann mit einem schlauen Lächeln den Kopf, als ob sie sagen wollte: „Mir machst Du nichts weis." Sich kokett verneigend, tänzelte sie dann gehorsam davon. „Es ist unglaublich!" rief Marbach, ihr erstaunt nachblickend. „Ja," bemerkte Tante Hanna, „ich hielt unsere deutschen Kinder schon stellenweise für kleine monströse Opfer der Erziehung und Mode, aber gegen diese amerikanischen sind's doch noch wirkliche Kinder." Warneck lächelte sarkastisch. „Amerika hat in der Emancipation des Menschengeschlechts von den Windeln an allerdings der übrigen Welt den Rang abgelaufen. Doch bleibt es immerhin eine seltsame Erscheinung, daß der deutsche Einwanderer in der Regel es hierin dem echten Aankee noch zuvorthut. Sie sehen es wieder an diesem Product, dessen Eltern doch jedenfalls der gebildeten Klasse angehören." „Die Kleine ist, wenn ich recht gehört, in einer dortigen 128 Gin Vortrag des Afarrers Kneipp „O gewiß, mein Fräulein!" versetzte Warneck sehr ernst. „Ich bitte Sie, mich nicht für einen unpatriottschen oder gar undeutschen Mann zu halten, da die Deutschen draußen in der Welt vor Allem den Segen des großen geeinigten Vaterlandes empfinden. Aber verzeihen Sie — ich will doch lieber drüben setzte sie arm sein als hier, wo mich alle möglichen Feffeln daran hin- ,x ’ dern, mein Schicksal nach eigenem Ermessen zu gestalten. Verstehen Sie mich recht, mein Fräulein, daß ich damit beileibe nicht der Auswanderung unter allen Umständen das Wort reden will. Ich spreche hier nur ganz persönlich; der Arme hat's im alten Vaterlande tausendmal besser als drüben, wo Deutschland fortan zu bleiben. Ihr Freund Marbach würde solchen Kräften mit Vergnügen einen zusagenden Wirkungskreis geben. Es läßt sich jetzt auch im alten Vaterlands frei und stolz leben." „Ist es ein junger Mann?" fragte Tante Hanna. „Hm, in den besten Jahren, Mitte der Dreißiger," versetzte Warneck, „ein stattlicher Kerl mit den besten Gentleman- Manieren, mit einem Wort ein schöner Mann, ganz dazu geschaffen, den Frauen die Köpfe zu verdrehen." „Prien nennt er sich, wie lautet sein Vor- oder Ruf- Name?" fragte Tante Hanna weiter. „William, meine verehrte Missis! — Ein netter Schurke, was? — Wunderschöne Verpackung, Inhalt sehr faul, Etikette wird auch wohl falsch sein, wie der ganze Kerl. — Na, ent- schuldigen Sie, meine Damen, hätte Sie mit solchen Geschäftssachen verschonen müssen, ist im Grunde nicht amerikanisch, sondern echt deutsche Art." Er schüttelte Tante Hanna die Hand und wollte seinem Freunde folgen, der sich, von Armgard begleitet, jetzt entfernte. Da wandte er sich noch einmal um. M reise morgen früh und feffellos, ohne Weib und Kind, in bester Manneskcaft hier rt«, x.1.. vor ihnen steht und der so lange drüben gewesen, daß er Land und Leute dort besser kennt als hier im alten Vaterlande, ich muß wieder dorthin, wo keine Rücksichten auf äußeren Anstand und hohlen Schein mich am Erwerb hindern und die niedrigste Arbeit mich nicht so herabwürdigt, um im feinen Rock nicht stets Gentleman zu sein. — Sehen Sie, mein Fräulein, das war eine lange Rede," schloß er lachend, „die Sie selbst verbrochen haben. Aber das ist die Sache, ein jeder Baum muß zum Gedeihen seinen rechten Platz und das rechte Licht haben. Mein Freund Marbach gehört in deutsche Erde, ich gedeihe nur einzig drüben. Aber was ich haben möchte," setzte er leiser hinzu, „das ist eine deutsche Frau, dar heißt echt vom Stamme weg." Pension erzogen worden," warf Armgard etwas erregt dazwischen. „Ach so, die Mutter ist davon gestorben, das entschuldigt allerdings viel," meinte Warneck, einen fragenden Blick zu Marbach hinüberwerfend, welcher sich auch sofort erhob, um sich mit wiederholten Entschuldigungen wegen dieses etwas form- losen Ueberfalls den Damen zu empfehlen. Armgard dankte freundlich für den nachbarlichen Besuch und bedauerte, denselben nicht erwidern zu.können. (Schluß.) Nun komme ich zu der Heranwachsenden Jugend und da will ich vor allen Dingen zuerst das Weibervolk (allgemeine Heiterkeit) vornehmen. Wenn ich soviel Geld hätte, um alle Kaffeebohnen der Welt anzukaufen, ich würde sie kaufen, denn mit dem Genuß von Kaffee versündigt sich die Heranwachsende Jugend schwer gegen ihre Natur. Ich rechne unter die Heranwachsende Jugend alle Menschen vom 12. bis zum 30. Jahre. Der Mensch wächst bis zum 24. Jahre, oder auch bis zum 26. Jahre, wenn es langsam geht. Alles das, was wir genießen, wird durch den Kaffee roteber. aus dem Leib getrieben. Der Kaffee duldet nicht den Verbleib von Nährstoffen im Körper. Zum Wachsthum braucht der Mensch aber eine Kost, die viel Nährstoffe, viel Blut gibt, denn aus dem Blut werden alle Körpertheile gebildet. Der Kaffee sollte für alle Heranwachsenden Fräuleins oder Mädchen verbannt „Wären Sie verheirathet, Herr Marbach," setzte sie lächelnd hinzu, „dann läge die Sache günstiger für mich, während ich jetzt auf Ihre Gastfreundschaft leider verzichten muß." „Dann suche Dir nur schleunigst eine Gefährtin, Leo," rief Warneck, „aber die Beste der Besten, für einen so wacke- ren Jungen ist keine zu gut. — Und nun empfehle ich mich , , ....... ulB waom mn Ihnen, mein gnädiges Fräulein!" setzte er, Armgard treuherzig ihm keine Hand ein Stück Brod bietet. Ich aber der frei die Hand entgegenstreckend, hinzu. „Ich. reise morgen früh 1 ™ t 61 1161 weiter, um erst einmal auszukundschaften, welche Dame in hiesiger Gegend vor zehn Jahren ausgewandert ist." „Vielleicht kann es eine meiner Pensionsfreundinnen sein," bemerkte Armgard, ihre Hand in die dargebotene schwielige Rechte des Amerikaners legend, „ich habe keine einzige jener Jugend-Beziehungen aufrecht erhalten. Kannten auch Sie den unredlichen Landsmann, Herr Marbach?" „Nein, er war bei meinem Besuch just auf Reisen. Doch werde ich für meinen Freund einen tüchtigen Geheimpolizisten engagiren, der allerdings nur wenige Anknüpfungspunkte erhalten kann, da auch das genaueste Signalement durch schlaue Metamorphose beziehungsweise Masken sich unwirksam zu er« weisen pflegt." „Ach, Sie wollen sich wirklich eine Fessel anlegen?" fragte Armgard lächelnd. „Nein, jetzt noch nicht," versetzte er ernsthaft, „ohne sicheren Herd keine Heirath. Ein miserabler Mann, der sein Weib von vornherein zur Noth und zur Armuth verdammt." „Nun, Herr Warneck," sagte Armgard in schelmischvertraulichem Tone, „wenn es so weit ist, dann wenden Sie sich nur getrost an meine Freundin, die gute Tante Hanna —" „Die alte Missis in der Rosenlaube?" „Dieselbe, sie besitzt ein Goldherz und ist die Vertraute aller jungen Mädchen unserer guten Stadt und Umgegend." „Topp, das soll geschehen," rief Warneck fröhlich, „nun mag Mister Prien sich in Acht nehmen, mit diesem neuen Sporn hetze ich ihn zu Tode." Er schwang sich lustig in den Sattel, welchem Beispiel auch Marbach rasch folgte und bald sprengten die beiden Reiter auf der fonnigen Chaussee dahin. Armgard blickte ihnen eine Weile nach und kehrte dann nachdenklich zu Tante Hanna zurück. (Fortsetzung folgt.) „Nettes Paar, wie?" flüsterte er mit einem bezeichnenden Blick. „Würden gut zusammen passen. Glaube, daß mein Freund Feuer gefangen, könnte keinen besseren Mann bekommen. Sollte doch am Ende nicht Lust zu einem solchen Stiefkind haben?" Tante Hanna lachte zornig auf. „Wollend weder hoffen noch fürchten, Herr Warneck!" erwiderte sie dann leise. „Fräulein Holten hat freilich einen sehr energischen Character, ist aber doch eine ächte Frauen- Natur, sie wird in der wichtigsten Lebensfrage auch wohl die rechte Antwort finden." , „So taxire ich sie," sprach Warneck, der Tante zunickend, „wird wohl wissen, daß der Apfel nicht weit vorn Stamm fallt und daß die Jungen zwitschern, wie die Alten sungsn. Gott befohlen, Missis! — Wenn ich meinen Mister Prien totißen sollte, dann sehen wir uns mit Ihrer Erlaubniß wohl noch roteber, sonst dampfe ich bald wieder zurück, da ich nur drüben mich roteber emporarbeiten kann " .. 'ol0*e dem Freunde, der in lebhafter Unterhaltung mtt Armgard langsam dem Ausgange zugeschritten war. Dis o^n. Ödeten von allem Möglichen, was irgendwie mit der Landwtrthschaft tn Verbindung stand und schienen gegenseitig sehr befriedigt von einander zu sein. enn j®,ie Mister Prien nun fassen ober nicht, ^err Warneck, sagte sie, dem Amerikaner zum Abschied die Hand reichend, „so möchte ich Ihnen doch rathen, hier in — 124 —- fein; dieselben sollten gar keinen Kaffee trinken. Es gibt jä einen herrlichen Ersatz in dem Malzkaffee. Wenn man sich daran gewöhnt, trinkt man den Malzkaffee in 14 Tagen gerade so gerne, als rote den Bohnenkaffee, zudem kostet der Malzkaffee nur den dritten oder den vierten Theil des Betrages, welcher für den Bohnenkaffee ausgegeben werden muß. Das Kaffeetrinken ist die birecte Ursache der Abnahme des Menschenalters. Vor 40 bis 50 Jahren hat man von Kaffee fast noch gar nichts gewußt, man kannte aber damals auch noch nicht die Nervosität. Wenn das Kaffeetrinken noch weiter so fortgeht, so unterliegt es keinem Zweifel, daß das Menschenalter noch mehr sinkt. Was den Thee anbelangt, so ist derselbe durchaus nicht bester als der Kaffee. Die Hausfrau hat es in der Hand, den Bohnenkaffee aus dem Hause zu bannen, ohne daß die Familie es merkt. Sie braucht nur Anfangs einen Theil Bohnenkaffee und einen Theil Malzkaffee zu nehmen und den Bohnenkaffee jeden Tag etwas beschränken. In 14 Tagen hat sich die ganze Familie an den reinen Malzkaffee gewöhnt, welcher ihr gerade so gut schmeckt wie der Bohnenkaffee. Letzthin kam ein Fremder zu mir, welchem ich das Kaffeetrinken verbot. Der Fremde sagte, daß er das nicht könne. Ich bereitete ihm darauf eine Taffe Malzkaffee und setzte sie ihm vor, ohne daß er wußte, was es war. Der Fremde trank den Kaffee und sagte darauf, diesen Kaffee könne er trinken, aber nur keinen Malzkaffee. Sie sehen, es ist alles Vorurtheil und kommt auf die Gewohnheit an. Letzthin kam eine Frau zu mir, die litt entsetzlich an Magenbeschwerden; außerdem hatte dieselbe aus Versehen Carbol getrunken. Dieselbe besuchte darauf einen meiner Vorträge, in welchem ich über die Magenbeschwerden sprach und als Heilmittel den Genuß von weißem Käse empfahl. Die Frau ging nach Hause, aß 1/i Jahr lang weiter nichts als weißen Käse und sie war curiert und vollständig gesund. (!) Die Frau batte sich täglich 3 Stück Brod abgeschnitten, eines für den Morgen, eines für den Mittag und eines für den Abend, und hatte diese mit weißem Käse belegt und sie dann gegessen. Manchmal nahm sie noch einen kleinen Apfel dazu. Nun komme ich zu den Männern. Die muß ich schon etwas stark mitnehmen. Bier und Wein haben fast gar keine Nahrungsstoffe in sich. Wenn Sie aus dem Bier den Nährstoff herausnehmen könnten, und würden ihn auf dm Nagel thun, Sie würden dm Stoff ganz und gar nicht bemerken ; ebenso ist es mit dem Wein. Ich bin im ganzen vergangenen Jahre fünfmal gereist, und habe auf jeder Reise kaum ein halbes Glas Bier getrunken. Der von mir genoffene Wein macht im ganzen vergangenen Jahr keine Flasche aus. Trotzdem ist das Vaterland ruhig und ich bin ruhig. Ich möchte doch namentlich die ärmeren Klaffen der Bevölkerung in ihrem eigensten Jntereste bitten, doch das Wenige, was sie verdienen, nicht in Bier und Wein anzulegen, sondern sich eine gute Kost dafür zu kaufen. Für die 24 oder 26 Pfg., welche man für zwei Glas Bier ausgibt, kann man sich eine recht gute Kraft- suppe, ober eine Getreidesuppe ober beibe Suppen zusammen kochen. Ihr guten lieben Arbeiter, gebraucht doch eine vernünftige Wasserkur unb Euer Loos wirb ein viel erträglicheres fein. Eine gute Kraftsuppe ist genügenb und möchte ich hier ein Necept für eine ganz ausgezeichnete Suppe mittheilen. Kauft einen Liter Roggen und einen Liter Kerne, bas kostet gar nicht viel, thut bas ganze auf eine Platte, legt biefe auf einen Ofen oder auf ben heißen Herd, laßt den Roggen unb bie Kerne trocknen so stark als Ihr könnt — nur laßt es nicht verbrennen —, mengt bann den Roggen und die Kerne untereinander, mahlt das Ganze unb kocht es in Wasser, Fleischbrühe ober Milch unb Ihr bekommt eine äußerst kräftige Suppe, welche gar nicht viel kostet. Warum benn so viel Geld durch die Gurgel jagen? Vor 50 bis 60 Jahren hat man noch sehr wenig von Wirthshäusern gewußt, da hat man namentlich draußen auf dem Lande oft bas ganze Jahr über kein Bier getrunken und das Vaterland ist nicht untergegangen, sondern Alle haben sich sehr glücklich gefühlt, glücklicher als heute. Nun muß ich noch auf eine Unsitte bei den Frauen unb Mädchen zu sprechen kommen, auf bie Unsitte des Schnürens. In ben früheren Jahren, als bas Frauenvolk bas Schnüren noch nicht kannte, da hat man auch nichts von Specialärzten für Unterleibskrankheiten bei den Frauen gewußt. Die schreckliche Unsitte des Schnürens ist birecte Ursache von Unterleibskrankheiten. Früher haben sich wenigstens nur bie Frauen in ber Stabt geschnürt, jetzt herrscht biefe fürchterliche Unsitte aber auch draußen auf dem Lande. Wie oft steht nicht in den Zeitungen, baß Mäbchen infolge bes Schnürens auf dem Tanzboden tobt umgefallen finb. Ich kenne einen Fall, in bem sich ein Mädchen durch ihr unsinniges Schnüren die halbe Leber durchschnitten hat. Wenn die Menschen so gegen die Naturgesetze auftreten, dann dürfen sie sich über die Folgen nicht beklagen. Wenn die Folgen eintreten, bann kommen sie unb jammern unb wollen bie ganze Welt in Bewegung setzen, um sich noch Hilfe zu verschaffen. Vor einiger Zeit kam ein Franzose zu mir, ber an furchtbarem Katarrh litt. Derselbe hatte nicht weniger als 7 wollene Hemben an, dann trug er noch ein gefüttertes Chilet unb hieraus kamen noch ein paar Ueberzieher. Zugleich brachte er zwei große Bettflaschen mit sich, von denen er den ganzen Tag die eine hüben, die andere drüben hatte. Wenn er nur an das Fenster gegangen ist, hat er schon einen Katarrh bekommen. Was meinen Sie, wie ich mit dem Menschen umgegangen bin ? Vor allem mußte er gleich ein paar Hemden ausziehen; ferner habe ich ihn in meine „Werkstatt" geschickt, wo er ganz gehörig mit Wasser verarbeitet worden ist. Anfangs wollte es ihm nicht gefallen, bald sah er aber ein, daß fein Zustand sich besserte und nach einigen Wochen konnte er als geheilt entlassen werden. Abhärtung ist die Hauptsache. Vor allem muß der Hals freigehalten werden! Als seinerzeit die Influenza geherrscht, da hat man sie in Wörrishofen geradezu ausgelacht. Es ist sehr leicht möglich, daß diese Krankheit wieder kommt und dann in stärkerem Grade auftritt, so daß sich die Opfer derselben mehren werben. Die Vorzeigen der eintretenben Influenza finb starkes Kopfweh, überall macht sich Entkräftigung bemerkbar, man hat keinen Appetit mehr unb sieht schlecht aus. Die Influenza ist weiter nichts als Katarrh in höherem Grabe. Wer von ber Influenza befallen wirb, der lege sich ins Bett; wenn er im Bett recht roarm geworden ist und Fieber bekommen hat, dann springe er aus dem Bett und bespritze sich mit kaltem Waffer. Das darf aber nicht länger als eine Minute dauern. Er gehe dann wieder ins Bett unb wiederhole bie Manipulation nach einer Stunde. Dies setze er so lange fort, bis das Fieber aufhört. Wenn er bas 6—8 Stunden gemacht hat, sind die Anwandlungen vorbei und in einem Tage ist die Krankheit vorüber. Einnehmen thut man gar nichts, höchstens eine Auflösung Thee. Was die Cholera anbelangt, so ist dieselbe ganz ungefährlich, wenn man die in meinem Buche niebergelegten Verhaltungsmaßregeln befolgt. In Ham bürg erkrankte eines Tages früh 5 Uhr bas Dienstmädchen eines Bürgers an ber Cholera. Der herbeigerufene Arzt ordnete bie Überführung ber Kranken nach bem Lazareth an. Da sagte sich aber ber Bürger, baß bie Kranke bis um 9 Uhr längst gestorben fein würbe. Er nahm hierauf mein Buch zur Hand unb behandelte die Kranke nach meinem Recepte. Und stehe da, nach einer halben Stunde stellte sich schon Befferung ein und nach zwei Stunden war die Kranke geheilt. Der Hamburger sagte mein Recept zwei ebenfalls von der Cholera befallenen Kranken und auch diese wurden binnen kurzer Zeit gesund. Noch ein Beispiel. Vor drei Tagen kam ein Herr aus Frankreich und erzählte mir Folgendes: Ein Bekannter von ihm hatte meine Bücher gelesen und mit meinem Recepte 600 Cholerakranke curiert. Die Behörde nahm später eine Haussuchung vor und beschlagnahmte das Buch, indem der betreffende Herr die 600 von ihm geheilten Kranken aufgezeichnet hatte. Jetzt darf er nicht mehr curieren. Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.