Niiterchaltnrrgsblatt zuin Gieszsnev Anzsigev (GeMsv^l-Anzeigev) 18t) 3. Nr. 6 _AJ iÜ WGW «MUK- Samstag, den 14. Januar. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. (Fortsetzung). Der Alte -ergriff die Hand seines Enkels. „Aber auch das bedrohlichste Können ist noch kein Müssen, Erich. Bedenke doch, welch' ein Ausweg Dir bleibt I Wirb um die Hand der Frau, deren Herz Dir entgegenfltegt und Du darfst getrost jene unseligen zwölftausend Thaler für immer vergessen. Ist es nicht ein Wink des Schicksals, daß beide Eventualitäten zu« sammen fallen? ' Erich lächelte. „Das glaube ich kaum, Großvater ; mische doch auch nicht noch den Einfluß geheimnißvoller Mächte in die Sache hinein. Ich heirathe unter keiner Bedingung diese Frau Bürklin — unter keiner." „Sage das nicht so bestimmt, Erich, Du überlegst Dir die Sache noch. Die einfache Schicklichkeit zwingt Dich, mor- gen zur Stadt zu reiten und Dich zu erkundigen, wie das Befinden der Dame —" „Ich werde nicht hingehen, Großvater, verlasse Dich daraus. Mag sie mich für einen Bären halten, das ist ihre Sache." Und als der alte Herr schwieg, setzte er hinzu: «Du urtheilst über diese Verhältnisse vom Standpunkt Deiner achtzig Jahre, Großvater- Du hast den Idealen längst entsagt und weißt nur noch das Wirkliche, Greifbare zu schätzen; mir aber mußt Du vergönnen, im Punkte einer etwaigen Heirath, an die ich übrigens nicht glaube, ganz allein für mich zu entscheiden. Ehe ich mich in die Fesseln einer liebeleeren Ehe schmieden ließe, wollte ich wie einst unser Ahne heimathlos und arm in die Fremde hinausgehen auf Nimmerwiederkehr-" Dann legte er das vergilbte Document mit den vielen Namenszügen und Siegeln zurück in die Kassette. „Laß uns jetzt versuchen, noch einige Stunden zu schlafen, Großvater, be sonders Du l Ich will Befehl geben, Dich nicht zu stören, mein Alter. Ruhs Dich aus und denke nicht an mich — ich werde den Schlag schon überwinden." „Gott, wolle es, mein Junge, Gott stehe Dir allerwege bei. Und nicht wahr, zwischen uns bleibt Alles, wie es immer gewesen, auch im Herzen?" „Auch im Herzen, Großvater, sicherlich." Sie trennten sich und Erich ging langsamen Schrittes in sein eigenes Zimmer. Es lastete wie Blei auf seiner Stirn, er fühlte einen dumpfen Druck, aus dessen Bann es vorläufig noch keine Erlösung gab. Welch' ein ungeahntes, trostloses Verhängniß war über ihn hereingebrochen? Da berührte zufällig seine Hand die Brusttasche; es knisterte in den Falten des Stoffes. Das war der geheimniß- volle, an Ruth gerichtete Brief. Erich fühlte, wie ihm alles Blut zum Herzen drang, wie gleichsam das Leben zu ihm zurückkehrte; er zog das Blatt hervor. Sollte er es lesen? Eine innere Stimme sagte: Rein l Es klang ganz deutlich: Rein. Aber noch eine andere Erwägung gab es außer jener ersten. Frau Bürklin kannte den Inhalt des Briefes, derselbe würde also unter Umständen in ihrer Hand zur Waffe werden. War es nicht unerläßlich, in dieser Beziehung zur Klarheit zu gelangen? Er sah im Geiste die schwarzen, spöttisch blickenden Augen und zögerte nicht länger. Wenn, wie er völlig überzeugt war, der Brief eine für ihn unangenehme oder unerwünschte Botschaft enthielt, so schien ja zum Empfang derselben keine Stunde passender, als eben die gegenwärtige. Wo ein schwerer Hagelschlag die Saaten verwüstet hat, da mag ja immer ein Sturm sich erheben, er findet nichts mehr, um es zu zerstören. Das Blatt lag offen in den bebenden Fingerspitzen. Erich sah auf die Unterschrift und es war ihm, als werde sein Herz plötzlich leichter. „Commerzienrath Lissauer." Wie kam denn der magere, ältliche Herr mit dem nervösen Lippenzucken und der goldenen Brille zu einem Schreiben an die schüchterne Ruth? Erich trat näher an die Lampe und las den nicht eben besonders langen Brief des Geldmannes: „Mein sehr geehrtes Fräulein! Das Blatt von Ihrer schönen, weißen Hand liegt auf meinem Herzen, ich habe es tausendmal geküßt, aber auf den Inhalt desselben kann ich mich bei aller Ergebenheit doch nicht einlassen. Mehr noch: ich will es nicht. Sie hatten die Güte, mir mitzutheilen, daß Baron Moldt, Ihr Herr Schwager, von einem seiner Gläubiger energisch bedrängt und zur Verzweiflung getrieben wird — nun wohl, dieser Gläubiger bin ich. Ja, ich selbst, schöne Ruth; ich habe von den Verpflichtungen des Herrn Barons so viele, wie sich erreichen ließen, angekauft und zwar, um in den Besitz des Schlosses zu gelangen. Ich selbst will Moldt be« wohnen und will so lange zu Ihren Füßen um Gnade flehen, mein verehrtes Fräulein, bis Sie einwilligen, die Herrin von Moldt zu werden. Weshalb setzen Sie — hieß es in dem Briefe des Geldmannes weiter — meinen Bewerbungen ein so schroffes Nein entgegen, weshalb meiden Sie meine Nähe? Ist est ■*— 22 ■— weil ich ein Jude bin, ein Paria der hochgeborenen Familie der Moldt zu Molde gegenüber? Wohlan, ich lasse mich taufen, ich bekenne mich zur Lehre des N-zirenerS. Weshalb auch nicht? Es gibt bei mir keine Hamletsfurcht vor „einem Etwa» nach dem Tode", ich bin ein Sohn meiner Zeit und gedenke das Glück zu erfassen, wo sich's mir bietet — in Ihren Armen, anbetungswürdige Ruth Werden Sie mein und ich lege Ihnen ein fürstliches Verwögen zu Füßen, ich verspreche Ihnen ein Leben in Paris, Rom, Wiesbaden, wie Sie es befehlen; Sie werden Ihre Equipage, Ihre besondere Dienerschaft haben und über meine Person als über den ersten Ihrer Sclaven vollständig gebieten. Was den Herrn Baron von Moldt betrifft, so kann ich für ihn nicht das Mindeste thun. Was kümmert es Sie, schöne Rath, wenn er zu Grunde geht? Weshalb nehmen Sie sich seiner ■ so lebhaft an? Ich bin eifersüchtig auf diesen Hans Adam. Ihr gehorsamster Commerzienrath Lissauer" In Erichs Adern kochte das Blut; mit ungestümer Bewegung warf er den Brief weit von sich. Welch" ein empörend dreister, frivoler Ton war das! Der Geldmann schrieb, als wisse er, daß seine Macht weit genug reiche, um die sanfte Ruth tödtlich zu erschrecken, ja, um ihr Gesetze zu geben. Er nahte nicht wie ein Bittender, sondern wie Jemand, der eine Gnade bewilligt. Sein zusammengewuchertes Vermögen war groß genug, um auch einmal dem Appetit nach anderen Genüssen Raum zu gewähren; er wollte ein Rittergut erobern und das schönste Mädchen der Umgegend zu eigen gewinnen. Welch" ein Gedanke — Ruth als das Weib dieses Mannes! „Ich bin eifersüchtig auf diesen Hans Adam!" — Immer noch widerhallte in Erichs Seele das kecke Wort: Eifersüchtig! Eme Fluth von bitteren, trostlosen Vorstellungen knüpfte sich daran- Der einsame Mann dachte an das, was ihm Ruth in dieser Nacht gesagt: „Hans Adam hat Sorgen." War es nicht, als fühle sie mit ihm jeden Schmerz, jede Furcht, von denen er gequält wurde — als leide sie, wo er litt? — Ein schneller Ruck löschte das Licht der Lampe, Erich zog den Fenstervorhang auf und sah hinaus- Die ersten Sonnenstrahlen des jungen Tages umspielten drüben den Schloßthurm von Moldt; ein weißer Nebelschleier zog um die Wiesen, der Thau lag silbern auf Blatt und Blüthe. Erich barg erschüttert das blaffe Gesicht in den Händen. Sollte er Alle», was im Leben sein eigen war, Alles, was er hoffte und ersehnte, zugleich dahingeben und Alles nur für Einen, der es spielend verschleuderte, wie das Kind die Blumen achtlos zerzupft? Ein trauriges, schreckliches Schicksal. ♦ * ♦ Baronin Cäcilie hatte in langer, tiefer Ohnmacht gelegen. Während Pauken und Trompeten unten im Saale die Gäste zum Tanze einluden, bemühte sich Adele um ihre kranke Gebieterin, bis sich die Brust in matten Athemzügen wieder hob und senkte, bis Cäcilie ihre Augen öffnete und leise flüsternd den Namen der schlanken jungen Dame aussprach. „Adele!" „Hier bin ich, gnädige Frau." „Adele, hat der Baron nach mir gefragt? " „Mehrere Male sogar. Er sorgt, grämt und seufzt, der arme Herr." Alles nur, weil ich krank bin, weil ich keine Freude, kein F st mit ihm theilen kann. Er ist durch die Heirath mit mir um jedes G Lck betrogen." „Sie sollten sich nicht aufregen, gnädige Frau. Sie haben Fieber." „Geben Sie mir meine Tropfen, Adele. Und dann — Sie dürfen nicht hier im Krankenzimmer bleiben, während man unten tanzt und jubelt. Schicken Sie mir die Jungfer und gehen Eie selbst zu den Gästen." Die Gesellschafterin schüttelte den Kopf. „Nimmer, gnädige Frau, o mein Gott, nimmer. Wenn das geringste Versehen geschehe — ich könnte nie wieder zur Ruhe gelangen." Die Baronin seufzte heimlich. „Bin ich denn so sehr, so sehr krank, Adele? Sollte ich auf keinen Fall wieder genesen können?" „Gnädige Frau werden unter Beobachtung der nöthigen Vorsicht noch viele Jahre leben. Die Aerzte haben es dem Herrn Baron versichert." Cäciliens durchsichtig weiße, schlanke Hände lagen gefaltet auf der Decke. „Leben", wiederholte sie traurig, „leben, aber nicht genesen. Adele, ist das nicht schrecklich, unnennbar trostlos?" „Gnädige Frau, suchen Sie zu schlafen, sprechen Sie kein Wort weiter- Das Alles schadet Ihnen " „Das heißt: es verkürzt vielleicht mein Dasein. Wer sagt Ihnen denn, daß ich es verlängern möchte?" „Gnädige Frau, soll ich den Arzt rufen lasten?" „Nein, auf keinen Fall. Er verschreibt ein neues Mittel, er sinnt und sinnt, bis irgend etwas, das meine Kräfte für einen Augenblick stärkt, bis ein anderes, noch nicht probirtes Medicament zusammengesetzt ist. Ich will nichts einnehmen, will den Kampf nicht verlängern." Und dann nach einer Pause setzte sie hinzu: „Adele, beantworten Sie mir völlig aufrichtig eine Frage. Wollen Sie das?' „Wenn ich es kann, gewiß, gnädige Frau." „Nehmen Sie diesen Stuhl! — So! — Hören Sie wohl die Musik? Wie das schallt und klingt, wie fröhlich die Gäste tanzen I" „Soll ich hinunter gehen und sagen, daß das Geräusch die gnädige Frau belästigt? Wirklich, es —" „Nein, nein, um Gottes nullen nicht! — Aber ich wollte Ihnen ja eine Frage vor legen, Adele. Denken Sie nicht, daß es eine Sünde sei, Jemand an ein gegebenes Versprechen mit ehernen Kelten zu fesseln, wenn man tief im Herzen fühlt, daß die Bedingungen, unter denen das Band geknüpft wurde, längst schon nicht mehr vorhanden sind? Gleicht nicht eine derartige Forderung aus's Haar der Tyrannei?" Fräulein Malten hielt ihr Gesicht klüglich im Schatten der halbver hüllten Lampe; sie wechselte bei den Worten der Baronin jählings die Farbe, ein Blitz zuckte auf in den dunklen Augen, aber äußerlich blieb sie gelasten. „Ich glaube ja, gnädige Frau." „Ah! — Man müßte den, besten Lebensglück bedroht erscheint, freigeben? — Ist es nicht so?" „Man müßte?" wiederholte die Gesellschafterin. „Man müßte? Im Allgemeinen vielleicht nicht, aber desto gewisser in einem Falle, in dem einzigen wohl, auf den es ankommen kann." Cäcilie preßte die Hände auf die schmerzende Brust, das blasse Gesicht verlor den letzten Schimmer von Farbe. „Sie meinen die Liebe, nicht wahr, Adele? Wer liebt, der kann freudig jedes Opfer bringen und wäre es selbst das Leben." „Ich glaube es. So denke ich mir gewiß den Bund zweier Herzen, die Seligkeit des einen im Gedanken an das andere." „Haben Sie niemals einen Mann geliebt, Adele?" „Ich? — Einen Mann? — Gnädige Frau, ich weiß nicht, was es heißt, einem Herzen theuer zu sein, ich weiß nicht, was zärtliche Worte sind oder sanfte Liebkosungen. Ich bin ein gefundenes Kind, auf die Straße geworfen, sobald ich das Licht des Lebens erblickt hatte. Und dann in einem Waisenhause erzogen- Mich hat nie eine Mutter geküßt, mir ist nie ein Geschenk von lieber Hand gemacht, für mich keine Blume gepflückt worden. Aber um so schöner, herrlicher denke ich mir Alles — für ein geliebtes Wesen in den Tod zu gehen, das müßte eine Seligkeit fein." Cäcilie hatte die Augen geschlossen. „Nur der Abschied," flüsterte sie aus gepreßtem Herzen. „Das bange Scheiden." „Der Sprung in's Dunkel. Aber einmal fordert ihn - 23 - nimmer. Wenn : nie wieder zur ch denn so sehr, rll wieder genesen ung der nöthigen e haben es dem ibe lagen gefaltet rig, „leben, aber unnennbar tröst- sprechen Sie kein in Dasein. Wer ite?" lassen?" ein neues Mittel, neine Kräfte für l nicht probirtes sichts einnehmen, nzu: „Adele, be- ge. Wollen Sie ;u." Hören Sie wohl Göhlich die Gäste H das Geräusch Aber ich wollte n Sie nicht, daß Versprechen mit zerzen fühlt, daß )ft wurde, längst ht eine derartige lih im Schatten den Worten der f in den dunklen glück bedroht er« iafterin- „Man desto gewisser in it es ankommen jende Brust, das i Farbe. ele? Wer liebt, ire es selbst das gewiß den Bund iedanken an das ;, Adele?" Frau, ich weiß : sein, ich weiß ebkosungen. Ich orsen, sobald ich dann in einem tter geküßt, mir für mich keine herrlicher denke n Tod zu gehen, r der Abschied," ange Scheiden." i«t fordert ihn das Schicksal doch, wir entgehen ihm nicht. Da wäre das Opfer schöner, herrlicher als der bloße Zwang der Natur." Dann, nach diesen halbgeflüsterten Worten, erhob sie sich plötzlich und rückte das Kopfkissen der Kranken in eine andere Lage. „Von solchen Dingen sollten wir nicht sprechen, gnädige Frau, das Fieber könnte sich verschlimmern — Sie sehen ohnehin sehr leidend aus, so blaß und ermattet." Die Baronin strich das Haar aus der heißen Stirn. „Es donnert," sagte sie. „Adele, möchten Sie die Fenster öffnen?" Das Mädchen schauderte. „Aber wir müßten dann die Lampe entfernen, gnädige Frau; wir würden den Blitz sehen." „Das ist gut, Adele. Hören Sie den Sturm? Ich liebe ihn-" Die Gesellschafterin gehorchte widerstrebend. Draußen zuckten über das schwarze Himmelsgewölbe die Blitze in farbiger und goldiger Pracht, es rauschte in den Wipfeln und klirrend fchlugen die großen Topfen gegen die Scheiben. „Wie das wohl thut!" flüsterte die Kranke. „Man ist den ewigen Mächten näher; die kleinen Rücksichten des Lebens verschwinden und über die Seele kommt eine stille Zuversicht." Adele hielt beide Augen geschlossen. „Ich fürchte mich," gestand sie schaudernd. „Der Tod hat seine Hand über uns. Wer möchte denn jählings abgerufen werden?" Cäcilie antwortete nicht. Unten im Saal verstummte die Musik, Wagen nach Wagen fuhr vor und endlich wurden die Thüren des Hauses geschlossen. Das Gewitter hatte aus- gelobt, nur der Wrnd wehte noch mit ungewöhnlicher Stärke und warf Wolken von gelben Blättern in die Fenster hinein. Die Gesellschafterin saß regungslos vor dem B.tte ihrer schlafenden Herrin und wer sie gesehen hätte, der würde erkannt haben, daß unruhige, verworrene Gedanken ihre Seele erfüllten. Die dunklen Augen blickten in's Leere, die Hände lagen müßig gefaltet im Schooß. — Am nächsten Morgen fand Hans Adam feine junge Frau auf dem Sopha liegend, fehr matt, aber doch nicht viel kränker als gewöhnlich. „Ich bin schon in der Stadt gewesen," sagte er. „Wir werden jetzt bald von allen Sorgen erlöst sein, Maus. Es steht baares Geld in Aussicht, dann gehst Du für den Winter nach Nizza. Ich habe alle meins Pläne bereits fertig." Und als sie ihn fragend ansah, fügte er hinzu: „Onkel Leopold ist schwer erkrankt. Denke Dir, man schätzt seine Hinterlassenschaft auf eine halbe Million — Gelder, welche Dir und Ruth zufallen müssen." Sie schien nur Eins gehört zu haben. „Und wenn ich nach Nizza ginge, Harisi — wo bliebest Du?" „Ich? — Hier natürlich. Ruth führt die Wirthschaft, und zum Weihnachtsfest besuchen wir Beide Dich im schönen Süden." Sie sah vor sich hin und ein Seufzer trennte ihre Lippen. „Ruth!" wiederholte sie. „Ach, Hans, wenn Du Ruth gehet- rathel hättest!" Er lachte belustigt. „Wie kommst Du auf diesen Gedan« fett, Maus?" „Laß das," wehrte sie ihm. „Was wolltest Du in der Stadt, Hansi?" „Ich erkundigte mich durch eine Depesche nach dem Stande der Dinge in Frankfurt. Der alte Herr hat voraussichtlich nur noch einige Monate zu leben; was meinst Du, Cilli — sollte es da nicht möglich sein, ihn um eine Anleihe zu bitten? Die Krankheit stimmt doch ohne Zweifel ernller, Dein Onkel muß sich sagen, daß das Geld für ihn keinen Werth mehr besitzt, er gibt vielleicht einen Theil desselben schon jetzt Derjenigen, die später doch die ganze Hälfte bekommt. Findest Du das nicht auch?" Sie sah ihn sorgenvoll an. „Kannst Du denn unmöglich noch einige Monate warten, Hansi?" „Unmöglich, Kind. Ohne baares Geld stockt Alles. Diese Halsabschneider prolongiren nur gegen wahre Unsummen." Cäcilie schüttelte den Kopf. „Und wie wird es einstmals werden, Hansi? Von woher hoffst Du Rettung?" Er streichelte ihr bleiches Gesicht. „Kommt Zeit, kommt Rath, Schatz. Ewig kann er ja doch nicht leben, Dein Onkel. Und dann —" „Nun?" „Laß nur, Kind, laß nur. Das sind Dinge, von denen Ihr Frauen zu Eurem Glücke nichts versteht- Es findet stch Alles." Aber er war doch bei diesen Worten sehr blaß geworden, er sah vielleicht minutenlang vor sich den offenen Abgrund, dem er zusteuerte; das Herz schlug ihm hoch in der Kehle. „Was meinst Du, Maus, schreibe ich?" „Soll ich es für Dich thun, Hansi?" „Das wäre das Beste," rief er sichtlich erfreut, „Ihr Frauen habt da ein feineres Gefühl, versteht Euch darauf, uns zu umgarnen- Schreib', Cilli, schreib' — Dir kann es nicht fehlen." Und das beklemmende Gefühl war wie weggeblasen. Hans Adam hatte das alte, sorglose Lächeln wiedergefunden. „Dein Onkel kann ja die Bitte nicht abschlagen," setzte er hinzu. „Wann darf ich den Brief holen, Schatz?" „Kannst Du mir zwei Stunden Zeit bewilligen?' „Natürlich." Er küßte sie und ging dann fort, um in seinem Zimmer die eingelaufenen Briefe zu lesen. Geld! — Geld! — Nichts als nur Geld. Ach, wer es aus dem Boden stampfen, wer jeden Blutstropfen zum Ducaten stempeln könnte! — Und dann wurde der Gedankengang ein anderer. Hans Adam war heute Morgen bei der schönen Königin vorgefahren, ohne eine Audienz zu erlangen, er hatte nur von dem Unfall der letzten Nacht gehört und mußte sich mit der Unterhaltung einer Wirthschafterin begnügen. Aber dennoch, die leichte Verwundung gab ihm das Recht, wiederzukommen. Vielleicht erhaschte et doch noch einen gnädigen Blick- Reizende Anna — wie sie es ihm angethan hatte, die schöne, schillernde Schlange. Er lächelte in sich hinein. Dergleichen ist keine Liebe und noch weit weniger geeignet; dauernd zu fesseln, aber es bildet eine pikante Abwechslung; man pflückt die Blume und wirft sie dann fort. Immer nur mit drohenden Gläubigern kämpfen und an einem Krankenbette leisen Schrittes auftreten, fürsorglich schonend flüstern — sollte das der Inhalt seines ganzen Lebens sein? Dergleichen ist undenkbar. Jugend und die Hoffnung auf Freude, auf Glück sträubten sich so energisch gegen den Gedanken der Entsagung. Ein Geräusch im Nebenzimmer störte den Baron in seinen Grübeleien. Die Thür hinter der Portiere mochte nur angelehnt sein; Hans Adam hörte leichte Schritte und wußte auch schon, wer da ab und zu ging. Es war Adele, die nach dem gestrigen Fest Alles ordnete und gerade jetzt das Silberzeug in den Schrank verschloß. Die kostbaren Geräthe klirrten leise — der Baron fühlte einen Schauder. Wie lange wohl das Tafelsilber mit dem uralten Wappen Derer von Moldt zur Molde noch in diesem Schranke bleiben würde? Aber freilich, weshalb sollte nicht Der, welcher das Eine kaufte, zugleich auch das Andere nehmen? Vielleicht blieb Alles beisammen- Dann horchte der Baron auf. Fräulein Malten zog die Klingel — etwas hastig sogar. „Friedrich" — sagte sie — „ich sehe da unten die Equipage des Commerzienrathes — wenn er kommt, so weise ihn ab. Der Herr Baron sei heute nicht zu sprechen — auf keinen Fall." Der Lakai eilte die Treppen hinab und Hans Adam fühlte, daß ihm das Blut heiß in's Gesicht trat Ob schon die Dienstboten mit einander flüsterten? Ob das stille, wortkarge Mädchen wußte, was der Commerzienrath Liffauer auf Moldt zu suchen hatte? Vielleicht horchte sie an den Thüren. Aber gleichviel, ihre Gesinnung schien gut; sie wollte eine unangenehme Begegnung hintertreiben, ihn selbst, ihren Gebieter, in Schutz nehmen- (Fortsetzung folgt.) - 24 G-mernnntzrges. Zugefrorene Pumpen thaut man, nach der Allgem. Zeitung für deutsche Land- und Forstwirthe, am besten und raschesten in folgender Weise auf: Man löst in einem Gesäß mit heißem Wasser (etwa einen halben Eimer voll) zwei Hände voll Kochsalz und gießt von diesem Wasser in die Pumpe, während eine zweite Person den Pumpenhebel zu bewegen sucht- Es wird nur kurze Zeit dauern und die Pumpe ist wieder im Gange. Hölzerne Pumpen sind in dieser Hinsicht viel geeigneter als eiserne, weil sie nur selten zufrieren. * * Ein Kitt, dsr im Feuer und Wasser aushärt und deshalb für Metall, Porzellan und irdenes Geschirr anwendbar ist, wird folgendermaßen bereitet: Man läßt 2 Pfund süße Milch durch Zusetzung von Weinessig dünn gerinnen. Sobald die Milch abgekühlt ist, nimmt man die Molke davon und quirlt das Weiße von 4 bis 5 Eiern hinein; hierauf mischt man fein pulverisirten ungelöschten Kalk hinzu und arbeitet die Mischung mit einem Spatel recht tüchtig durch. Statt des Eiweiß kann auch frisches Rinderblut benutzt werden. An der Luft und dann in starker Wärme getrocknet, hält der Kitt Feuer und Wasser aus. * # Behandlung von gefrorenem Obst. Obst, wel- ches durch plötzliches Eintreten von Kälte im Keller oder Vor- ruthshaus gefroren ist, lege man in kaltes Wasser. Letzteres zieht die Kälte allmälig heraus und macht das Obst noch einige Zeit haltbar. Man räume aber darnach möglichst bald mit demselben auf, denn die Gefahr des Verfaulens ist immerhin eine große. * * * Eiweiß und gemahlene Kreide gibt einen guten Kitt für Porzellan. Leim und Kreide ist auch gut. ♦ * Der Schaum, welcher auf Fleischbrühe entsteht, wenn dieselbe in's Kochen kommt, wird meistens von den Haussrauen für Schmutz gehalten und abgeschöpft. Dies ist jedoch ganz verkehrt; denn es handelt sich nicht um Schmutz, sondern um Eiweiß, welches erst in der Brühe gelöst war, durch die höhere Temperatur aber nachträglich ausgeschieden wurde. Namentlich wenn das Fleisch mit kaltem Wasser angesetzt wurde, erhält es, sobald es in's Kochen kommt, viel von solchem gelösten Eiweiß, bildet somit viel Schaum. Der Verlust ist hier ein beträchtlicher. Man rühre also den Schaum, sobald er entsteht, unter die Suppe und er verschwindet bald. Zwar erhält man bet diesem Verfahren keine ganz klare, aber eine um so nahrhaftere Fleischbrühe. * * * Kitt für Stubeuöfen. Der Lehm, mit dem gewöhnlich die Oefen verschmiert werden, fällt häufig wieder heraus, der Ofen raucht dann und das Verschmieren der Fugen muß zuweilen im Winter mehrmals wiederholt werden. Sowohl bet eisernen als thönernen Oefen läßt sich dem Uebelstande nach Angabe der Südd. Bauzeitung durch folgenden Zusatz zum Lchm abhelfen: Unter einen nicht zu fetten Lehmklumpen knete man einen Bogen graues, grobes Löschpapier, welches man vorher mik Milch naß gemacht hat, mit den Händen so lange durcheinander, bis die Fasern des Löschpapiers sich mit dem Lehm ganz verbunden haben. So erhält man eine Papier- maschemaffe, unter die man noch 20 Gramm Kochsalz und 20 Gramm gepulvertes Eisenvitriol mischt und wobei man der Consistenz durch Zusatz von Milch nachhilft. Solcher Ofenkitt bekommt keine Sprünge und ist dauerhaft; man kann mit diesem Kitt selbst die Oefen verschmieren, ohne einen Ofensetzer zu holen. Zuletzt mischt man ein Eiweiß mit so viel Schlemmkreide dazu, daß man einen weichen Teig erhält. Mit diesem verstreicht man die Fugen der Kacheln, läßt sie eine Stunde trocknen und polirt dann mit einem weichen Tuche. Ueber das Trousfeau der Erzherzogin Margarethe Sophie, die sich demnächst mit dem Herzog Albrecht von Württemberg vermählen wird, berichtet das „Neue Wiener Tageblatt": Die Brauttoilette ist in schwerem elfenbeinfarbigen Grosgrain gearbeitet, den Saum der Toilette schmückt eine reiche, in echtem Silber gestickte Guirlande von Margueriten, die durch einige frische Myrthensträuße unterbrochen wird. Zu beiden Seiten des Tnblier gehen bis zur Taille zwei graziös ineinander geschlungene, ebensalls in Silber reich gestickte Guirlanden. Die rund ausgeschnittene Taille ist in Schrubben- form und duftig mit indischem Mousseline garnirt; aus demselben Stoffe sind die kleinen Aermel arrangirt. Das ganze Kleid wird reich mit srischen Myrthen uud Orangeblüthen geschmückt. Zu der Brauttoilette gehört noch ein großer Mantm de Cour, aus gleichem Stoff gearbeitet, der mit einem reichen Margueritenbouquet an der Taille befestigt wird; er fällt in seiner ganzen Länge in elegante Falten und zeigt in der Mitte des unteren Randes einen prachtvollen Strauß von großen und kleinen Blüthen. Als Umhülle dazu dient ein Kragen aus Grosgrain mit echtem Marabout verbrämt, um gegen die Kälte zu schützen, denn der Manteau de Cour fällt von dem Ausschnttte der Taille herab und läßt der Vorschrift gemäß Nacken und Arme frei. Außer der Brauttoilette sahen wir einen selten schönen langen Mantel aus Ivoire drap de France, eine ganz apart schöne Form und reich mit weißem Pelz besetzt. Unter den bis jetzt fertigen Toiletten erregt eint aus Creme ondine gefertigte imposante Robe, mit den feinsten Venetianerspitzen geputzt, im Genre Heinrichs IV., mit türkisblauem Velour de Lyon und Faille franyais Bewunderung. Entzückend schön ist auch eine hellblaue Robe in Brochs, Dessin Louis XIV., mit prachtvollen Silbersvitzen reich und geschmackvoll garnirt: diese Robe ist mit Recht ein Meisterwer! zu nennen. Von Wäsche sind hervorzuheben die reizenden Negliges in Battist und Spitzen, dazu paffend wunderhübsch! Battiströcke mit breitem, aus schönen Valenciennestoff gemachten Volants. Eben so hübsch und elegant sind die unzähligen Seidencamifols und die Matinees aus weißem Bolivardflanell, reich mit weißer Seide in den schönsten Mustern gestickt Die Bettgarnituren sind im französischem Stile, große Polster mit fünffachem breitem Durchbruchsaum und in der Mw das schön gestickte Monogramm mit der Krone. Besonders reich gestickte Betten sind mit schöner Flachstickerei versehen, haben einen gefalteten Battistvolant mit echten Valenciennes besetzt als Abschluß. Aufmerksamkeit. Erster Bauer: „Wie, der Fersch! hat Dir scho a paarmal Aufmerksamkeit erwief'n?" — Zwei!« Bauer: „Freilich! Durchlaucht hat mir scho dreimal hintenans geschossen bet den Treibjagden." » * * Der kleine Schwerenöther. Onkel: „Aber weshalb willst Du mir denn keinen Kuß geben?" — Der klein! Neffe: „Aber, Onkel, — wir sind doch beide Jung'sl" ♦ * * Auch gesehen. Gigerl: „Eh, Fräulein zu Haus ?" - Stubenmädchen: „Nein". — Gigerl: „Aber sie kam gerat! vor mir herein, ich hab' sie ja gesehen". — Stubenmädchen „Ja, aber sie hat Sie auch gesehen". ♦ ♦ ♦ Eine Meldung. Polizist: „Donnerwetter! Was reiße« Sie so an der Polizeiklinzel?" — Student: „Wollte ein Erdbeben anmelden — der Boden schwankt so gräßlich!" * » * Malitiös- A.: „Du, das neue Restaurant ist abel nobel I" — B-: „Wie meinst Du das?" — A.: „Nuu, weil für die Gäste acht Kellner da sind!" Redaction: A. Scheyda. — Druck uud Lerlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.