Nnterchaltttngsblatt 511m Giefzensv Anzeigev (GenevaL-Anzeigev) 1893 ä ^T- W^M -Zu ! »>>ÄWr • kZWNL« Donnerstag, den 13. Juli. Verschlungene Pfade. Roman von Max Hochberg. (Schluß.) „Lieber, guter Heinz," schmeichelte Asta, „sag' mirs doch I" Sie legte die Arme um den Hals ihres Mannes, damit er ihr nicht ausrücke. „Ich möchte doch gern wiffen, woher der Brief vorgestern kam, den Du so rasch über Seite brachtest, und weshalb Du mich vorhin in meinem eigenen Zimmer zur Gefangenen machtest, als es klingelte? Du hast etwas vor und verbirgst es vor mir, Du behandelst mich wie eine dumme Liese, und ich bin doch Frau (sie hob sich auf die Zehenspitzen, um mehr Respect einzuflößen) und Mutter Deines Sohnes! Du siehst schon wieder so nichtsnutzig schlau aus und dann belügst und betrügst Du mich allemal. Es ist schändlich, was ich beschwindelt werde!" „Aber ich armer geschlagener Mann, wie ich beschwindelt werde, davon schweigst Du! Stehen wir in Todesängsten an der Zimmerthür, Papa und ich, und da kräht ein gewisser Jemand drinnen. „Jsts ein Junge?" „Ja, ein Junge," lautet die Antwort. „Hat er auch solchen schwarzen Buschkopf, wie mein Mann?" „Ja, lange, schwarze Haare." „Hat er auch solche kleine, schwarze Spitzbubenaugen?" „Ja, ja, gnädige Frau!" „Ach, sagen Sie zu meinem Mann: es ist ein blondes Mädchen!" Ma legte den Kopf an seine Schulter und kicherte in sich hinein: „Für seine Schmerzen muß man auch etwas haben! — Aber, lieber Heinz," sie streichelte ihm liebkosend Ohren und Backen, „lieber, guter Heinz, werd' ichs endlich erfahren?" „Ja, was willst Du denn eigentlich wiffen?" neckte er sie. Sie stampfte zornig mit dem Absatz auf den Smyra- teppich- ° „Du bist ein grundschlechter Mensch!" machte sie ihrem Aerger Luft. „Einziger Heinz, laß mich's doch wiffen!" bettelte sie gleich darauf von frischem weiter. „Was bekomme ich dafür?" schlug er, scheinbar auf ihr Verlangen eingehend, vor. „Einen Kuß!" „Ei—nen?" dehnte er das Wort. „Zwei, drei, vier, ein ganzes Dutzend!" Er nickte zu dem Handel. Sie spitzte den Mund und absolvirke mit unglaublicher Schnelligkeit die festgesetzte Zahl. Dann ließ sie ihn los, ganz in Erwartung. „Ja, nun sag' ichs gleich gar nicht!" foppte er sie und war im Nu davon. x A_ Verdonnert stand sie eine Secunde da, dann schoß sie mit einem schnarrenden Rrrrr wie ein wüthiger Kampfhahn hinter dem Flüchtling drein- Er eilte durchs nächste Zimmer und schlug ihr zum Hohn die Portiere vor der Nase zu. Blindlings stürmte" sie drauf los, um ihm Eins auszuwischen, und lag mit einem Schrei in den Armen eines Mannes, den sie im jähen Ansturm fast über den Haufen gerannt hätte. „Herr Werner!" jubelte sie und klatsche vor Freude in die Hände. „Herr Werner, nein, das ist himmlisch schön! — Ach, Heinz, Du, Du — Du bist ein Galgenstrick!" — — Nein, was Sie verbrannt sind," wandte sie sich wieder an Werner, ihn immer noch bei den Händen haltend. „Von der interessanten Mondscheinfarbe, der leichenhaften Blässe ist auch nichts mehr vorhanden. Wie schade! Sie sind mein Vampyr gar nicht mehr! Heinz, ich gehe nicht nach Spanien, da wird man ja braun wie die Kaffeebohne in der Trommel. — Aber frisch und gesund sehen Sie aus! Es ist Ihnen übrigens auch leidlich," setzte sie mit großer Offenheit hinzu. „Du, Du!" drohte Heinz. „Eigentlich wars doch Deine erste Liebe! Darf ichs denn wagen. Euch fünf Minuten allein zu lassen? Es ist doch wohl beffer," fuhr er ernst fort, „ich bereite Leonie vor, wer bei der Taufe ihr Gevattersmann, lieber Werner!" Damit verschwand er aus dem Zimmer. „Wir müssen sehr vorsichtig mit Leonie umgehen," setzte ihm Asta auseinander. „Sie wiffen ja, sie ließ sich die erste Zeit nach dem tragischen Ende meines Schwagers vor Niemand sehen, selbst dann nicht, als ihre Mutter auf Drängen des Geheimraths zu ihr gezogen war. Sie nahmen es sich damals zu Herzen, Herr Werner, daß Ihr Besuch consequent abgewiesen wurde. Sie suchten den Grund dafür in einer plötzlich entstandenen Abneigung und fühlten sich verletzt. Sie gingen deshalb fort und wollten Vergeffenheit suchen! — Aber Papa und Heinz und Andere wurden auch nicht vor- gelaffen! Es war bei Leonie zur fixen Idee geworden, sie sei dazu bestimmt, Andere unglücklich zu machen. Sie maß sich sowohl am Tode ihres Mannes, wie an dem ihres Vetter- die Schuld zu. Sie wollte ihr Leben in Einsamkeit verbringen, gewissermaßen als Sühne- Frau von Malten war in Ver-- 322 - zweiflung und fürchtete, ihr einziges Kind würde tiefsinnig schnell wieder. Die bat Die Klingel wurde eben scharf gezogen und das war seine Rettung; denn Asta eilte neugierig nach dem Empfangszimmer. „Frau von Malten," meldete Johann. „Erna?" forschte Werner. „Nein, Gott sei Dankl" entgegnete Götz. „Ist in Paris — wird vorausstchtlich dort bleiben. Hat kein Mensch Sehn- Weib I" Werner war Leonoren entgegengeetlt. Sie sah erst auf, als er ihre Hand ergriff. Sein Blick traf minutenlang heiß in den ihren, dann heftete er sich fragend auf ein altmodisches, brillantenbesetztes Medaillon, das ste als einzigen Schmuck trug. „Es ist mir ein theures Kleinod," flüsterte sie, seme einstigen Worte wiederholend, „denn es kündet von einer Zeit, da Liebe nur sich selbst als Preis hatte!" Er führte ihre Hand an die Lippen. „Vermuthe, wir sind hier vorläufig sehr überflüssig, schlage deshalb vor, wir räumen das Feld," sagte Heinz mit ver- schmttztem Ausdruck. Er bot Frau voy Malten galant den Arm. Seine Linke erhaschte Astas Ohrzipfel. „Komm' nur, Mutter meines Sohnes, und sei keine neugierige Eva. Sie machen'» auch nur, wie wir!" Nun saßen die Drei in Astas traulichem Boudoir. Heinz plauderte über gleichgiltige Dinge und Frau von Malten fand währenddessen Zeit, ihrer Erregung Herr zu werden. Asta aber litt Tantalusqualen. Sie rückte vor Ungeduld auf ihrem Sitz hin und her, zog die Ringe am Finger ab und auf, schlug einen Fuß über den andern und ließ ihn vor heller Verzweiflung tanzen. Sie wußte nicht, wie sie die Zeit hinbringen sollte. Bei jedem Geräusch machte ste blitzschnell eine halbe Wendung mit dem Kopf nach der Thür zu. Heinz beobachtete sie aus halbzugekniffenen Augen mit dem Ausdruck himmlischer Schadenfreude. Endlich siegte das Mtt- leid mit ihrer Neugier in ihm. „Eva, Eva," rief er gut* müthig spottend, „Du hättest auch in den verbotenen Apset gebissen, hätte Dich unser Herrgott in's Paradies gestellt! - Na, sieh' nur zu, ob sie drüben noch leben!" Asta war auf mit den Augen zwinkernd. „Sind wir richtig schon bei der Thür, die Leonie und ich," erzählte er, „wirft sie plötzlich einen Blick nach rückwärts in den Spiegel und bleibt zögernd stehen. Denke, was soll das werden, halte auch im Weiterschreiten geeignet! Ein Unkundiger würde argwöhnen, Du hieltest Knall- schoten fett." Er zog öie Uhr. „Donner Mohren, braucht man denn eine halbe Stunde, eine schwarze Fahne für eine graue zu tauschen? Nichts Langweiligeres, als ein Frauenzimmer. Heirathen Sie bei Leibe nicht, Werner!" Er flüchtete bei den letzten Worten rasch hinter den Maler. ,Den schwarzen Schmuck könnte ich wohl lieber ablegen i und dafür" — hebt sie merklich verlegen an — wird über und über roth bis in den Hals hinunter — habe das nie so an ihr wahrgenommen, bis heute! — Fühle mich zu der ! Aeußerung ermuthigt, sei eigentlich schweres Unrecht, bei der Taufe unseres Erstgeborenen ganz in Schwarz zu figurrren. „Vielleicht geht das perlgraue Seidenkleid?" hauchte sie ichüchtern. Wage die Entgegnung: stände ihr sicher besser als schwarz. „Deswegen nicht," stotterte sie. Schien sich vor sich selber entschuldigen zu müssen! — Gratulire, lieber Werner, gratulire!" Er strich sich vergnügt den Schnurrbart. „Dem Mann, für den sich putzt die Maid, dem hat sie sich schon halb geweiht!" improviurte er. Werners Augen leuchteten. Er sprach kein Wort. „Siehst mich gar nicht an, Frau," schalt Heinz darauf mit angenommenem Ernst, „starrst nur auf Deine Jugendliebe! Hast's gut heute! — Meine kommt nicht," seufzte er melancholisch. „Felicitas?" fragte Werner. Ja," lachte Asta. „Ruler kommt allein. — Lasse meine Frau nicht mehr in den Wagen steigen! Wär' unverantwort- lich! Könnte den Stammhalter gefährden!" copirte sie ihn. „Es ist nicht zu glauben, was er ängstlich ist und wie er feine Frau anbetet l" „Nicht mehr als ich," betheuerte Heinz schalkhaft und duckte sich rasch seitwärts. „Werde nächstens den Geheimrath befragen," drohte er. „Seitdem Du Mutter meines Sohnes bist, hast Du Dir diese häßliche, nervöse Handbewegung an- werdeu. — , , Wie ich Ihnen schrieb, ein wahres Glück war «, daß der Geheimrath auf den gescheidten Einfall kam, anzuordnen, alle Behänge und Tapeten im Hause müßten von wegen der Ansteckung herunter. Sie solle so lange zu uns ziehen, bei uns stände die ganze Etage unbenutzt. So wurde sie gewaltsam ihrer Umgebung und ihren Erinnerungen entrissen. Papa und ich, wir gaben sie den ganzen Tag nicht frei, nachdem wir sie erst hier hatten, und Mama half uns redlich; Frau von Malten konnte im Sommer getrost ins Bad reifen. Bei unserer Verheirathung zog ste in ihre alte Wohnung nach der -----------. Großen Straße zurück und ließ uns Leonie hier. Das war sucht nach ihr. Papa hat ihr in der ersten Hitze und Auf- auch das Gescheidteste! Wir haben ja doch Raum genug, regung nach dem traurigen Ereigniß sein Haus angeboten. Heinz und ich. Und mein Junge!" ergänzte ste mit großer Sie kam sofort herüber, fürchtete stch in der Villa — war ihr Wichtigkeit. „Den haben Sie noch nicht einmal bewundert! zu unheimlich! Wir glaubten Alle, sie würde tief unglücklich Kommen Sie!" sein. — Keine Ahnung! Schimpfte wie ein Rohrsperling auf Sie faßte Werner am Aermel und zog ihn im Geschwind- I ihren Mann, habe triftigen Grund gehabt, ihn abzuweisen und schritt durch zwei, drei Räumlichkeiten in das große Schlaf- I nicht sprechen zu wollen. — War ihr da ein Brief in die gemach. Die Amme, eine vierschrötige Gestalt, erhob sich vom Hände gerathen — von der Minna Rettich — können sich Lehnstuhl zur Seite der Korbwiege. denken — dazu die Geldaffaire mit Wiesel — die Geschichte „Er wacht eben auf!" gab ste unbefragt Auskunft. Mit mit der Unterschrift — na, lassen wir das Thema! — Papa glücklichem Stolz blickte Asta auf das kleine Menschenkind, zahlte ihr die Hälfte vom Vermögen, wollte sie hier los sein. Es riß die Augen auf und schloß ste, vom Licht geblendet, — Ist so gut wie tobt für uns! Sie ging nach Paris damit ’ " I — Fernow ist auch dort — Sie verstehen — heirathen will Kneift er nicht die Augen ein, genau wie Heinz?" sie nicht wieder — hat ein Haar drin gefunden." „Es wird einmal gerade solch' | Asta führte Frau von Malten herein. ein"'Nixgewürge," "setzte sie schnell hinzu, weil sie ihren Mann freute sich die junge Mutter- ein Nixgewürge," setzte sie schnell hinzu, weil sie ihren Mann $er Gram um ihre Tochter hatte ste sehr gealtert. kommen hörte. , r I Thränen traten ihr in die Augen, als ste dem Maler die „Wo ist Leonie? Du bringst sie nicht mit?" fragte sie I Hand reichte. „Machen Sie mein armes Kind glücklich!" bat betroffen. r I sie ihn bewegt, nachdem Heinz ihr mitgetheilt, Leonore fei eben „Sollte meine Gegenwart stören?" sagte Werner tonlos, ^abet, ein farbiges Kleid anzulegen. — Der Kleine fing im selben Augenblick heftig an zu schreien- „Sie ging bis heute in Schwarz, bis heute," betonte „Heinz hat ausgeschlafen, nun kehlt er gleich aus Leibes- s^a- „Sie trägt noch ihr Haar in Flechten." kräften, nun ist er wieder hungrig," meinte die Amme. Indern erschien Leonore im Thürrahmen- Ihre Wimpern Ans diesen Wink begab man sich nach dem Salon zurück. roaren tief gesenkt, ihr Gesicht rosig überhaucht, ein glücklicher „Es ist ein eigen Ding um ein Frauenherz," lachte Heinz, g^e[n umspielte ihre Lippen und über ihre Schultern herunter . . ~ ........ »•-«- ----- floß es in Goldglanz. Sie trug ihr Haar wie ehedem- „Deshalb der Zeitaufwand I Nun geht mir ein Licht auf, raunte Götz Asta in’« Ohr. „O Eitelkeit, dein Name ist 323 - seine Worte so geschwind hinaus, daß sie sein herzliches Lachen nicht mehr vernahm, in das auch Frau von Malten einstimmte. Nach einer ganzen Weile kehrte sie mit hochrothem Kopf und vor Freude funkelnden Augen zurück. Sie umarmte und beglückwünschte Frau von Mallen. ,,Sie haben sich glücklich gefunden nach der langen Irrfahrt I" jubelte sie. Dann schmiegte sie sich an Heinz. „Bereite Dich nur auf eine des Ereigniffes würdige Rede vor, denn wenn der Toast auf unfern Jungen ausgebracht ist und Du Dich bedankst, kannst Du gleich die Verlobung mit.proclamiren! — Das heißt, die ersten zehn Minuten werden wir wohl von ihnen nichts zu sehen bekommen," wandte sie sich wieder an Frau von Malten. „Wie mir scheint, haben sie sich — haben sie sich schrecklich viel zu sagen! Ich habe mich geräuspert, ehe ich den Kopf durch die Portiere steckte, habe gekrächzt wie ein alter Rabe, um mich bemerkbar zu ntachen, aber sie haben nichts gehört oder gesehen. — Sie schweben in höheren Regionen, halten sich umschlungen," — sie lachte schlau, — „und im Uebrigen hast Du ganz recht, Heinz, sie machen's auch nur wie wir!" — Kaushaktternen. Aller Orten thun sich jetzt Haushaltungsschulen auf für diejenigen Mädchen, die weder im Hause ihrer Eltern, noch in einem dazu geeigneten freinden Hause den Haushalt lernen können. Das ist eine gute Sache. Sie zeigt, daß man wieder zu der Einsicht gelangt ist, das Haushalten mache sich nicht so von selbst wie etwa das Athemholen, sondern es müsse gelernt werden. Sie bezeugt auch die weitere Einsicht, daß die Arbeit der Frauen im Hause etwas ungemein Wichtiges ist; wie denn schon das Sprüchwort sagt, die Frau könne mit der Schürze mehr davon tragen, als der Mann mit der Karre in's Haus bringen kann. Möchten recht viele Eltern die sich ihnen bietende Gelegenheit benützen, ihre Töchter für den wichtigsten Beruf, den eine Frau treiben kann, ausbilden zu lassen und möchten sie dabei bedenken, daß ein Mädchen ebenso ein Recht auf diese Ausbildung hat, wie der Knabe, den man ein Geschäft oder Gewerbe lernen läßt, daß man für das die Schule verlassende Mädchen also auch ebenso gut wie für die Knaben Opfer an Zeit und Geld bringen muß, nicht aber meinen, ein solches Kind müßte nun gleich anfangen Geld zu verdienen, ehe es den Haushalt und irgend welche andere Arbeit gründlich gelernt hat. Jndeß, so nothwendig und nützlich die Haushaltungsschulen auch sind: fertige Hausfrauen können sie doch nicht ausbilden. Eine Hausfrau muß in ihrem Bereiche ganz selbständig herrschen. Sie hat eine sehr ähnliche Aufgabe wie ein Handwerksmeister oder wie der Inhaber eines kaufmännischen Geschäfts, wie der Capitän eines Schiffes oder der Oberst eines Regiments. Nun glaubt Niemand, daß ein Junge, der etwa ein Jahr oder zwei nach der Schulzeit ein Handwerk betrieben oder im Laden gestanden, als Schiffsjunge oder als Soldat gedient hat, in seiner Arbeit selbständig wäre und einen eigenen Betrieb leiten könnte. Jeder Mann hat in seinem Berufe Andere neben oder über sich, die bei seiner Arbeit betheiligt sind und sie ebenso gut oder besser verstehen als er: der Handwerker und der Kaufmann ihre Concurrenten und ihre Kunden, der Capitän seinen Rheder, der Oberst seinen General. Daher kommt es in einem geordneten Staatswesen wie in unserem Vaterlande überhaupt gar nicht dazu, daß ein „grüner Junge", wie man wohl sagt, einen solchen selbständigen Posten auszufüllen versucht. In einem Geschäfte, wo ich seit langer Zeit kaufe, ist kürzlich der Inhaber gestorben und die Wittwe hat sich entschlossen, das Geschäft mit Hilfe des ältesten Gehilfen, eines jungen Menschen von 24 Jahren, fortzusetzen. Jeder fühlt, daß das ein Wagestück ist. Wäre die Frau gestorben und der Mann hätte ein zwanzigjähriges Mädchen wieder geheirathet, so würden nur wenige Leute dabei an ein Wagestück denken. Diejenigen, die bei ihrer Arbeit als Hausfrau betheiligt sind: der Mann, die Kinder, das Gesinde, verstehen sich nicht darauf und können sich nicht wie Kunden oder Vorgesetzte gegen schlechte Arbeit wehren. Daher überfleht man nur zu oft bei den Frauen, was bei den Männern von jedem geordneten Berufe gilt, er sei schwierig oder noch so einfach: wer ein Ganzes selbständig regieren, wer Meister werden will, muß vorher Lehrling und Gehilfe gewesen sein. Unzählige Mädchen werden Hausfrauen, ohne je als Gehilfinnen unter einer tüchtigen Hausfrau gearbeitet, ja, ohne auch nur Lehrlingsarbeit getrieben zu haben. Wenn sie ihren Haushalt schlecht führen, so leiden alle Glieder des Hauses darunter. Aber diese sind nicht sachverständig. Kinder und Gesinde haben sich zu fügen. Der Mann darf und soll wie ein Vorgesetzter Einspruch thun, wenn er seine Frau verkehrt wirthschaften sieht; aber er thut das wie ein General, der nie Oberst gewesen wäre, und er ist auch nicht gestellt wie ein Kunde, der, wenn er auch vom Schuhmacherhandwerk nichts versteht, doch das Recht hat, falls ihm seine Stiefel nicht behagen, dem betreffenden Schuster seine Kundschaft zu entziehen und sich einen besseren Meister zu suchen. Zu tüchtigen Hausfrauen in überwiegender Zahl werden wir erst wieder kommen, wenn die Leute einsehen gelernt haben, daß auch in der Haushaltsarbeit eine Lehrzeit und eine Gehilfenschaft der Meisterschaft vorangehen müssen. Früher, bis zur allgemeinen Einführung der Eisenbahnen und Dampfmaschinen, machte sich das ganz von selbst. Die Lehrlingszeit in allen den Ständen, wo die Frau ihren Haushalt selbst führt, begann für das kleine Mädchen in der Kinderstube, schon vor der Schulzeit, und dauerte die ganze Schulzeit hindurch. Es war die Zeit des Selbstmachens im Haushalt, wo fast Alles, was zur Nahrung und Kleidung diente und Vieles zur Ausstattung der Wohnung im Hause selbst hergestellt wurde. Beim Kochen, Backen, Einmachen, Räuchern und Pökeln, beim Waschen und Plätten, beim Spinnen, Stricken, Nähen, beim Seifekochen, Lichteziehen und Stärkebereiten u- f. f. waren viele Hände nöthig und auch für die ganz Kleinen gab es überall ein Theilchen Arbeit, das zu verrichten sie stolz waren- Das Kind, das gerade stark und verständig genug war, um ein kleines Plätteifen zu handhaben, plättete erst einmal feine eigenen Taschentücher, freute sich aber schon aus die Zeit, wo es auch ein Hemd oder einen Rock plätten durfte. So ging es in jeder Arbeit von Stufe zu Stufe, immer unter der Aufsicht und Anleitung Derjenigen, welche sie gründlich verstanden und selbst mitthaten: der Mutter, der erfahrenen Magd, der erwachsenen Schwester. War die Schulzeit zu Ende, so hatte fast jedes Mädchen auch schon gelernt, was der Lehrling in seinem Gewerbe lernen muß. Es kannte alle die Stoffe, die im Haushalt verarbeitet und verbraucht wurden, die Werkzeuge, die man dabei anwendete; es konnte, soweit die körperliche Kraft ausreichte, diese Werkzeuge handhaben und hatte sich manches von der Reihenfolge in den verschiedenen Arbeiten, von den Preisen und Bezugsquellen der Dinge gemerkt. Dann kam aber für jedes Mädchen eine mehr oder minder lange Gehilfenzeit, sei es als Dienstmagd im fremden oder als Tochter im eigenen Hause, sei es auch, daß das Mädchen in einem fremden Hause „umlernte", das heißt, wie der Geselle auf der Wanderschaft verschiedene Haussitten, verschiedene Arten des Verfahrens, Arbeiten und Erzeugnisse, die man daheim nicht kannte, unter einer tüchtigen Hausfrau kennen lernte. In ein paar Jahren brachte es die Gehilfin dahin, die einzelnen Arbeiten im Haushalt selbständig auszuführen, ein Mittags- effen allein auf den Tisch zu bringen, ein Zimmer allein rein zu machen, eine Wäsche allein zu besorgen. Sie hat allerlei Erfahrung dabet gesammelt, kannte gute und schlechte Waare, gute und schlechte Arbeit, Vortheile und Nachtheile der verschiedenen Betriebsarten, war geschickt, kräftig, arbeitssam und findig geworden. Jetzt konnte ste jeden Tag Meisterin werden. Die Töchter der bemittelten Stände sind nun heutzutage während der Schulzeit für häusliche Arbeit sehr wenig zu haben, weil sie in und neben der Schule so viel lernen müssen und nach der Schulzeit wird aus anderen Gründen vom Haushaltlernen gewöhnlich auch nicht viel. In allen Ständen aber ist die Zahl der Frauen und Mädchen unendlich gewachsen und — 324 — noch immer im Steigen begriffen, welche Geld verdienen müssen. Da nun überall in der Welt, auch wieder infolge der Eisenbahnen und Dampfmaschinen, das Kaufen an die Stelle des Selbstmachens getreten ist, so hat man in sehr kurzsichtiger Weise das Haushaltlernen mehr und mehr einfach bei Seite geschoben, anstatt es so einzurichten, wie es für die heutigen Verhältnisse paßt. Es gibt doch noch immer eine ganze Menge Arbeiten, die im Hause gemacht werden müssen, die eine Hausfrau also gründlich gelernt haben muß. Auch die Schifffahrt ist jetzt ein ander Ding, seitdem mit Dampf gefahren wird; aber wer Capitän eines Dampfschiffes werden will, kann deswegen über den Schiffsjungen, den Matrosen, den Steuermann nicht von der Schulbank aus mit beiden Füßen wegspringen; er muß immer noch ebenso gründlich seine Lehrzeit und ferne Gehilfenschaft durchmachen, als in den Jahrtausenden, da man mit Ruder und Segel allein zu thun hatte. Jeder Vater, dessen Sohn zur See gehen will, weiß auch, daß ihm das Geld und dem Jungen die nöthige Lehrzeit kostet und wenn er einmal A dazu gesagt hat, sagt er auch B. Aber obgleich die allermeisten Mädchen mit voller Zu- stimmunq ihrer Eltern gern Hausfrau werden wollen, die meisten es auch wirklich werden, so soll hier das B dem A nicht folgen. Schon das Schulmädchen muß, wer weiß wie oft, mit Kinder- warten, Auslaufen und dergleichen Geld verdienen, und wenn es auch wohl im Hause mithilft, so ist vom rechten Lernen da doch wenig die Rede, wo etwa die Mutter in der Fabrik, als Arbeitsfrau oder als Verkäuferin den größten Theil des Tages außer dem Hause ist, um ihrerseits Geld zu verdienen. In diese Lücke treten nun die Haushaltsschulen, wie verschieden sie auch geartet sein mögen. Sie wollen den Mädchen die fehlende Lehrzeit ersetzen, und das können sie auch, wie dre Erfahrung zeigt- Was damit erreicht ist, haben mir oben gesagt. Keineswegs aber können die jetzigen Haushaltsschulen die Gehilfenzeit überflüssig machen- Was das dreizehn- bis fünfzehnjährige Kind in einer solchen Schule gelernt hat: ein paar Dutzend Gerichte kochen, ein Stück Zeug reinwaschen und plätten, Zerrissenes ausbeffern, eine Stube kehren,, das bedeutet für die Führung des Haushalts noch nicht mehr, als das, was der zum Matrosen reife Schiffsjunge kann, für die Führung eines Schiffes. Vielleicht werden künftig öffentliche Einrichtungen getroffen, daß erwachsene Mädchen ihr Lehrlingswiffen erweitern und sich zu wirklichen Hausfrauen ausbilden können, ohne daß es ihnen und ihren Angehörigen andere Opfer kostet, als den jungen Männern die Dienstzeit im Heere. Einstweilen denkt daran noch kein Mensch. Und darum ist vorläufig allen Eltern, denen das Wohl ihrer Töchter am Herzen liegt, dringend zu empfehlen, daß sie ihnen nicht blos eine Lehrzeit für den häuslichen Beruf vergönnen, fei es im Hause oder in der Haushaltungsschule, sondern sie veranlaffen, in guten fremden Häusern zu dienen, wenn auch der Lohn weniger hoch und das Leben weniger frei und ungebunden sein sollte, als bei der Fabrikarbeit oder anderer außerhäuslicher Erwerbsarbeit. D. Arbeiter-Ztg. - M. L. OeMernnRtziges. auber gereinigte und geschwefelte Fäßchen geschüttelt und Waffer sowie der aufgelöste Zucker hinzugesügt. In einem nicht zu kühlen Keller läßt man den Saft gähren, legt ein Stückchen dünnes Leinen auf die Spundöffnung, damit kein Schmutz hineinfällt und schüttet jeden Tag das Uebergegohrene, das man in einer Schüffel aufsängt, wieder in's Fäßchen. Ist dre Gährung vorüber und hört man kein Geräusch mehr im Fäßchen, so schlägt man etwa Ende October oder Anfang« November das Spundloch zu und läßt das Gefäß unberührt stehen, bis man den Wein im März nächsten Jahres abzieht. Der auf diese Weise bereitete Wein ist billig, schmeckt vortrefflrch und ist der Gesundheit sehr zuträglich. ♦ * ♦ Maecaroni-Auflauf. Man koche Pfund Macca- toni in guter, fetter Bouillon oder auch in Waffer mit einem Stück Butter gar und dick ein und gebe davon eine Lage m eine Schale, darüber eine Lage geriebenen Parmesan- oder Schweizerkäse und so abwechselnd. Die letzte Lage muß vor. Käse sein und stelle man nun die Schale auf einen Dreifuß in den Backofen, bis die Maccaroni sich oben bräunen und reiche sie am besten zu mit Eigelb abgezogener Bouillon oder direct als Gemüse mit Schinkenbellage. • • Schonung der Emaille in Kochgeschirren- Das beste und wohl auch einzige Mittel, das Abspringen der Glasur von emaillirtem Kochgeschirr zu verhüten, ist vorsichtige Behandlung der Gegenstände. Läßt man Waffer oder Brühe in denselben bis auf eine winzige Kleinigkeit am Boden ein- kochen, so darf man sich nicht wundern, wenn die Glasur an den trocken liegenden Wänden bei starker Hitze Sprunge be- kommt. Noch schädlicher wirkt das plötzliche Vollgießen nut kaltem Waffer; fast kein Dienstmädchen (aber auch manche Frau nicht) achtet darauf. Man muß warmes Waffer nach- gießen oder das Gesäß erst verkühlen lassen. Daß das Fallen- lassen ober Herunterwerfen auch Sprünge verursachen kann, ist natürlich; wo aber erst Sprünge sind, fällt auch bald ein Blättchen Glasur heraus und so geht es weiter- Vermischtes. Ein Pharisäer. „Na, Sepp, das alte Jahr ist morgen zu Ende; versprecht mir, mit dem neuen ein besseres Leben anzufangen und besonders das ewige Geraufe fern zu lassen! — „Da; will ich thun, Herr Pfarrer I — folgenden Tage): „Na, meine Ermahnungen haben schon genutzt, schämt Ihr Euch gar nicht? Habt gestern wieder Einem drei Zähne eingeschlagen!" — „Aber Herr Pfarrer, da hat das neue Jahr ja noch gar nicht angefangen I" , Ah so! A: „Ich sage Ihnen, ich habe auch einmal mein Lebensglück mit Füßen getreten. Ich könnt' ein Mädch n heirathen, schön, klug, häuslich und mit 500 000 Thalerw — B : „Nun, weshalb haben Sie sie denn nicht geheirathet» — A.: „Es lag nur an einer Kleinigkeit." — B.: „Und an welcher denn?' — A. (seuszend): „Sie mochte mich nicht Heidelbeerwein. Auf ein Theil Heidelbeersast rechnet man zwei Theile Wasser und ein Theil Zocker. Der Zucker wird in heißem Waffer aufgelöst, abgefchäumt und nach dem Erk i ten in das mit Heidelbeersast und Wasser gefüllte Fäßchen gebracht. Das beim Auslösen des Zuckers verwendete Wasser muß hernach in Abzug gebracht werden. Um recht vielen saft aus den Heidelbeeren zu erhalten, läßt man sie zwei bis drer Tage stehen, dann zerquetscht und zerdrückt man sie mit einem hölzernen Löffel und drückt sie in einem leinenen Beutel oberflächlich durch- Nachdem man die Beeren noch einmal in einer Obstpresse oder Kelter ansgepreßt hat, wird der Saft in das haben V* , # Verfänglicher Bescheid. A.: „Wie gesagt, meine Tochter ist erst sechzehn Jahre alt und noch zu jung zum Hei' rath.'N; fragen Sie in einem Jahre wieder an. Werden Sie sich so lange gedulden können?" — B.: „Hm, ich wohl, aaer meine Gläubiger nicht." Neugierig. Bankier: „Meine Tochter erhält 100,000 Mark Mitgift und da« Doppelte nach meinem Tode. — Bewerber: „Und wann dürfte das etwa sein?" Nedaciion: A.Schez>da. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.