nIamrü'e/rU 1893 Untevtzaltungsblatt jum Gietzenev Anzeigev (Gsneval-Anzeigev) Samstag, den 12. August. Herrn durchaus mit einer sofortigen Arbeitseinstellung beant- warten wollten, in der Majorität geblieben. Vier Tage nach der Bekanntgabe der neuen Fabrikordnung hatten die Maschinen des Hartog'schen Etablissements eines Morgens stillgestanden und zum ersten Mal seit vielen Jahren war an einem Werktage kein Rauchwölkchen den himmelhohen Schornsteinen entstiegen. Herr Hugo Neukamp aber hatte Denen, die ihn durch ihr entschlossenes Vorgehen zur Nachgiebigkeit zu zwingen gehofft hatten, eine neue Enttäuschung bereitet, indem er bekannt gegeben, daß Alle, die nicht an einem von ihm bestimmten Tage die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen würden, endgiltig entlassen feien und daß Diejenigen von ihnen, welche in den zur Fabrik gehörigen Arbeitshäusern Wohnungen inne hätten, sich alsdann zur sofortigen Räumung derselben bereit machen müßten. Den Führern der Ausstands- bewegung aber wurde schon jetzt selbst im Fall der Unterwerfung die Wiedereinstellung in die Arbeit verweigert, so daß den Anderen nur um den Preis der Aufopferung ihrer Käme- raden die Rückkehr in die alten Verhältnisse offen blieb. Dazu aber konnten sich die Leute nicht ohne Weiteres verstehen, obwohl auch die Hitzigsten unter ihnen bald zu der Erkenntniß gekommen waren, daß es um ihre Aussichten herzlich schlecht bestellt sei, und daß Hunger und Sorge nur zu bald an ihre Thüren klopfen würden. Man hatte versucht, neue Unterhandlungen mit dem Fabrikherrn anzuknüpfen, aber Neukamp hatte der Deputation einfach den Empfang verweigert und hatte durch einen Buchhalter den Leuten sagen lassen, daß es bei den getroffenen Bestimmungen unbedingt sein Bewenden haben werde. * Nun war der von ihm als letzter Termin für die Wiederaufnahme der Arbeit festgesetzte Tag herangekommen. Am Vorabend desselben hatten die Arbeiter, die von auswärts nur sehr spärlich unterstützt wurden und fast durchweg schon am Hungertuche nagten, nochmals eine Versammlung abgehalten und es war, da sich inzwischen zwei Parteien unter ihnen gebildet hatten, stürmisch genug in derselben hergegangen. Eindringlicher und nachdrücklicher als zuvor hatten die Aelteren zur Nachgiebigkeit gerathen, und es wäre ihnen vielleicht auch gelungen, die Mehrheit auf ihre Seite zu bringen, Venn,nicht die zündende Beredsamkeit eines jungen Menschen, der bis dahin noch kaum hsrvorgetreten war und dem man darum bis zu diesem Augenblick nur wenig Beachtung geschenkt hatte, alle Bemühungen der Friedensstifter gründlich vereitelt hätte. Dem Modelltischler Paul Mehnert, der erst eme Woche vor dem Beginn des Ausstandes in die Fabrik eingestellt war- den wär, würden die Anderen schon aus diesem Grunde kaum das Recht zugestanden haben, in einer Sache von so einschnei- Das goldene Kalb Novelle von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) III. Seit der am Tage nach der denkwürdigen Schlittenpartie erfolgten Verlobung des Fabrikbesitzers Hugo Neukamp mit der Tochter des Obersten von Hasselrode waren nahezu fünf Wochen vergangen, und in dem fönst sehr ruhigen und sriedlichen Städtchen hatten sich inzwischen Vorfälle von ziemlich aufregender Natur ereignet. Den sechshundert Arbeitern der Hartog'schen Fabrik war etwa acht Tage nach jenem freudigen Ereigniß durch Anschlag bekannt gemacht worden, daß der Besitzer des Etablissements sich mit Rücksicht auf die bedrückte Lage seines Industriezweiges veranlaßt sehe, die Löhne des gesammten Personals nicht unbeträchtlich herabzusetzen — und diese Ankündigung hatte unter den davon Betroffenen um so größere Erregung hervorgerusen, als die Lohnsätze gerade in der Hartog'schen Fabrik, namentlich seit der Uebernahme der- selben durch Hugo Neukamp, bereits mit Recht als sehr niedrige gegolten hatten. Da es sich zum großen Theil um ältere Leute und um Familienväter handelte, die mit den Sätzen des neuen Tarifs unmöglich das für die Erhaltung der Ihrigen unumgänglich Nothwendige gewinnen konnten, war man anfänglich der Hoffnung gewesen, daß eine bescheidene Vorstellung .bei'dem jungen Fabrikherrn genügen würde, um ihn wenigstens zur Zurücknahme der allerhärtesten Bestimmungen zu be- wegen. Aber diese Hoffnung war durch die sehr entschiedene und unfreundliche Antwort, mit welcher er die an ihn entsandte Deputation fortgeschickt hatte, rasch und gründlich zerstört worden. Er hatte erklärt, daß sein Entschluß ein wohlerwogener sei und er hatte es in hochfahrendem Tone abgelehnt, sich auf irgend welche Unterhandlungen mit seines Leuten ein« zulassen. , _ Y r, „Wem der neue Tarif nicht gefällt, der mag einfach ferne Kündigung geben," hatte er den Abgesandten gesagt. „Ich werde nicht in Verlegenheit darum sein, mir andere Arbeiter zu beschaffen." Die Mittheilungen, mit denen die Deputirten zu den Arbeitsgenoffen zurückkehren mußten, hatten viel böses Blut unter den ohnedies aufgeregten Leuten gemacht, und obwohl einige Ruhigere und Besonnene mit Rücksicht auf die allgemeine Lage des Arbeitrmarktes zu vorläufiger Unterwerfung gemahnt hatten, waren die Heißsporne, welche die Erklärung des Fabrik denber Wichtigkeit mitzusprechen, wenn nicht das Feuer und die für einen Menschen von geringer Bildung geradezu bewunderungswürdige Geschicklichkeit seiner Rede schon nach den ersten Sätzen, die er gesprochen, ihre Wirkung gethan hätte. Es war keine von den hergebrachten phrasenhaften Hetzreden, die man in derselben Versammlung wohl schon von anderen jüngeren Leuten gehört hatte, sondern es war lediglich ein Appell an das Ehrgefühl und an die kameradschaftliche Gesinnung seiner Genossen. „Ihr dürft die Männer, welche bei dem Fabrikherrn für Euch das Wort geführt haben, nicht verlassen," — das war der Kernpunkt seiner Ausführungen — und Alles, was er vorbrachte, um feine Mahnung möglichst wirksam und eindringlich zu machen, fand ohne Weiteres den Weg in die Herzen der einfachen Männer, zu denen er sprach. Daß er selber von Bitterkeit und Groll nicht nur gegen Hugo Neukamp, sondern vielleicht gegen alle Besitzenden erfüllt war, suchte er freilich kaum zu verbergen. Aber er gab seine Gesinnung nicht in jenen schwülstigen Redensarten kund, die auf verständige und gereiste Zuhörer nur selten einen tieferen Eindruck machen, sondern er begnügte sich damit, in knappen, schlagenden Worten auf einige Vorkommniffe und Thatsachen hinzuweisen, die — in den Augen dieser Versammlung wenigstens — wohl danach angethan schienen, seinen Haß zu rechtfertigen und zu erklären. Als er geendet hatte, ließ schon der Beifall, der ihm von allen Seiten gezollt wurde, zur Genüge erkennen, welches Er» gebniß die vorgeschlagene Abstimmung haben würde, und die Worte eines anderen Redners, der in beweglicher Weise an die hungernden Frauen und Kinder und an die scheinbar unbeugsame Entschloffenheit Hugo Neukamps mahnen wollte, wurden einfach niedergeschrieen- Mit überwältigender Mehrheit erklärte sich die Versammlung dafür, daß die Arbeit am nächsten Morgen noch nicht wieder aufzunehmen, sondern daß eine neu gewählte Deputation an den Fabrikherrn zu schicken sei mit dem Auftrage, ihm die Unterwerfung der Arbeiterschaft unter gewisien Bedingungen anzubieten. Einige der härtesten Bestimmungen des neuen Tarifs sollten zu Gunsten der Arbeiter gemildert, und Alle, die sich zum Wiedereintritt meldeten, sollten ohne Rücksicht auf ihre Thätigkeit bei diesem Ausstande angenommen werden. Wohl schüttelten manche der Aelteren zu diesen Beschlüssen sorgenvoll die grauen Köpfe; aber es blieb ihnen nichts Anderes übrig, als sich der Majorität zu unterwerfen, mit wie bangen Befürchtungen sie auch für sich und ihre Angehörigen in die nächste Zukunft blicken mochten- Um neun Uhr Vormittags meldete sich die aus vier Personen bestehende Deputation, zu deren Mitgliedern diesmal auch Paul Mehnert zählte, in Hugo Neukamps Villa. Der Fabrikbesitzer ließ sie wohl eine halbe Stunde lang im Vorzimmer warten, und er wandte, vor seinem Schreibtische sitzend, kaum den Kopf nach ihnen um, als ihnen endlich der Eintritt in das Arbeitscabinet gestattet worden war. „Ich wüßte zwar nicht, was es zwischen uns noch zu verhandeln geben kann," sagte er kühl. „Aber ich will Euch trotzdem die Möglichkeit nicht abschneiden, mir Euer Anliegen vorzutragen — in der Voraussetzung allerdings, daß Ihr Euch dabei möglichst kurz fassen werdet." Dieser Empfang war so wenig ermuthigend, und es war etwas so hochmüthig Abweisendes in der Haltung ihres Arbeit» gebers, daß dem zum Sprecher der Abordnung ausersehenen alten Vorarbeiter alsbald der Muth entfiel, und daß er nur nach vielem Stottern und Räuspern mit den Vorschlägen herauskam, die in der gestrigen Versammlung formulirt worden waren. Noch ehe er den hauptsächlichsten derselben vorgebracht hatte, schnitt ihm Hugo Neukamp kurz die Weiterrede ab. „Wir wollen uns nicht mit überflüssigem Geschwätz auf» halten, mein Bester I — Ihr mögt Euch bei den guten Rathgebern, von denen dieser unsinnige Ausstand angezettelt worden ist, bedanken, wenn es Euch jetzt schlecht geht — mich triff; keine Verantwortung dafür; denn ich bin dadurch, daß ich Euch eine Frist zur Ueberlegung gewährt habe, in meinem Wohlwollen viel weiter gegangen, als es meine Pflicht gewesen wäre. Daß ich von Dem, was ich einmal bestimmt falle, etwas zurücknehmen würde, konnten nur Diejenigen erwarten, die mich nicht kennen. Es thut mir leid, daß Ihr Euch allem Anschein nach in mir geirrt habt; aber es ist nicht meine Schuld, und die Folgen des Jrrthums werdet Ihr nun eben tragen müssen." Die Abgesandten sahen einander verdutzt an und der Sprecher von vorhin schien völlig verstummt. „Nun?" fragte Hugo Neukamp, indem er ihnen erst jetzt ein Gesicht voll zuwandte, mit einem spöttischen Lächeln. „Habt Ihr mir sonst noch etwas zu sagen?" Paul Mehnert war es, der jetzt, indem er nun einen Schritt vortrat, das Wort ergriff. ; „Jawohl, Herr Neukamp," sagte er, „denn Sie haben meinen Kameraden vorhin ja gar nicht ausreden lassen. Wir würden uns vielleicht auch in die neue Fabrikordnung gefügt jaben, denn wir wissen wohl, wie schwer es besonders für die Aelteren und die Verheiratheten ist, anderweitig Arbeit zu bekommen, und ich brauche Ihnen auch kein Geheimniß laraus zu machen, daß es den Meisten von uns jetzt schon schlecht genug geht. Aber Sie verlangten auch von uns, daß wir unsere Genossen im Stich lassen sollten, und dazu, Herr Neukamp, dazu können wir uns nicht verstehen. Das ist gegen unsere Ehre, und wenn sich auch über alles Andere möglicherweise noch reden ließe — ehe Sie nicht eingewilligt haben, daß Alle ohne Ausnahme wieder eingestellt werden, eher nehmen auch wir Anderen die Arbeit nicht wieder auf." Er hatte nicht gerade unehrerbietig, aber doch in einem so bestimmten und energischen Tone gesprochen, wie ihn bisher noch keiner seiner Untergebenen dem Fabrikherrn gegenüber anzuschlagen gewagt. Hugo Neukamp öffnete die Augen weit und fixirte den Redner mit einem durchdringenden Blick. „Wer sind Sie?" fragte er kurz und scharf. „Ich er» innere mich gar nicht, Sie überhaupt jemals in der Fabrik gesehen zu haben. Als was und seit wann haben Sie denn darin gearbeitet?" c ,, ,, „Ich bin der Modelltischler Paul Mehnert, und ich bin allerdings erst eine Woche vor Beginn des Ausstandes bei Ihnen in Arbeit getreten, Herr Neukamp." Der Fabrikbesitzer sah den Sprechenden noch immer un» verwandt an. Keiner der Anwesenden hatte wahrgenommen, daß er bei dem Klange des Namens ein wenig zusammen» gekommen war, und wenn sich betritt wirklich etwas wie unmännliches Erschrecken geäußert hatte, so besaß er jedenfalls Selbstbeherrschung genug, diese Schwäche sehr schnell wieder von sich abzuschütteln. „Davon weiß ich nichts I" sagte er mit einem unwilligen Stirnrunzeln. „Von wo sind Sie gekommen?" „Aus meinem Geburtsort Eberbach, wo ich mich bet meinem Vater aufhielt, da ich feit mehreren Wochen ohne Arbeit gewesen war. Es nimmt mich übrigens Wunder, daß Sie nichts von meiner Einstellung wissen, da mir doch der Werkmeister, bei dem ich mich meldete, sagte, daß Sie selbst Auftrag gegeben hätten, mich anzunehmen." Ein halblauter, unverständlicher Ausruf, den die drei anderen Deputirten als eine Kundgabe der Entrüstung über den dreisten Ton ihres Kameraden auffaßten, entschlüpfte Neukamps Lippen. Aber er bezwang sich auch diesmal und sagte kalt: „Es mag sein — ich erinnere mich jetzt. Sie waren mir von Jemandem empfohlen worden; aber es wurde mir wohl versehentlich ein etwas änders lautender Name genannt. Es muß übrigens um die Intelligenz Ihrer Kameraden ziemlich traurig bestellt sein, wenn Sie sich von jungen Menschen, die in der Fabrik noch nicht einmal warm geworden waren, 8« ihrem Verderben ins Schlepptau nehmen lassen. — Aber das geht mich weiter nichts an- Das Kurze und Lange von der Sache ist, daß Ihr Alle miteinander, wie ich es Euch aiW- kündigt hatte, als contractbrüchig aus der Arbeit entlassen seid und daß Diejenigen, welche in meinen Häusern wohnen, nach Paragraph sieben des Miethsvertrages ihre Wohnungen — 376 --- bei Vermeidung zwangsweiser Entfernung bis heute Nachmittag um sechs Uhr zu räumen haben. Eine entsprechende Aufforderung ist den Betreffenden während der letzten Stunde bereits zugegangen.“ Mit Ausnahme Mehnerts, der voll finsteren Trotzes dreinschaute, zeigten die Männer, an welche diese Worte gerichtet gewesen waren, die äußerste Bestürzung. „Das kann Ihr Ernst nicht sein, Herr Neukamp," brachte der eine von ihnen mit zitternder Stimme vor. So hart können Sie nicht mit uns verfahren. Am Ende haben wir doch nur einen Verzweiflungskampf geführt um unser Dasein, und wir sind wahrhaftig schon schlimm genug bestraft, wenn wir darin unterliegen und uns Ihrem Willen betreffs der Lohnherabsetzung fügen müssen. Damit aber werden Sie sich gewiß begnügen; denn was Sie da eben androhten, würde ja für einen Theil von uns geradezu den Untergang bedeuten." Neukamp zuckte mit den Achseln und lehnte sich in seinen Stuhl zurück. „Es thut mir leid, wenn es so ist; aber ich kann nichts daran ändern. Im Laufe der nächsten vierundzwanzig Stunden werden die Arbeiter hier eintreffen, die das contractbrüchig gewordene bisherige Fabrikpersona^ ersetzen sollen, und es ist ganz selbstverständlich, daß ich für meine Arbeiter Wohnungen brauche. Diejenigen, welche jetzt noch darin sind, mögen zusehen, wie sie sich einrichten; aber sie mögen sich nur keine Hoffnung darauf machen, daß ich irgend welche weichmüthige Nachsicht gegen sie an den Tag legen..werde. — Und damit, denke ich, wären wir nun wohl fertig miteinander." Er machte eine unzweideutig verabschiedende Handbewegung und drückte zugleich auf die Glocke zu seiner Rechten, die mit Hellem Klange anschlug. Mit einer Schnelligkeit, als ob er dies Signal auf der Schwelle erwartet hätte, erschien der Diener in der geöffneten Thür und winkte, während der Fabrikbesitzer sich wieder anscheinend gelassen mit seinen Papieren zu schaffen machte, den Arbeitern zu, das Zimmer zu verlassen. Zaudernd schickten sie sich dazu an, nur Paul Mehnert blieb noch auf seinem Platze, und nachdem er allem Anschein nach eine Weile mit sich selber gekämpft hatte, sagte er: „Sie sollten das nicht thun, Herr Neukamp — in Ihrem eigenen Interesse sollten Sie es nicht thun! Ich rede da nicht für mich; denn daß Sie mich nicht wieder annehmen werden, kann ich mir nun wohl denken, und am Ende bin ich's ja auch schon gewöhnt, auf solche Art an die Luft gesetzt zu werden. Aber ich rede für die armen Leute, denen Sie das Dach über dem Kopfe fortnehmen und die Sie mit Weib und Kindern auf die Straße werfen wollen. Wenn sie doch bereit sind, sich Ihrem Willen zu fügen und die Arbeit zu den neuen Lohnsätzen aufzunehmen —" Hugo Neukamp hatte ihn erst ungehindert reden lassen, wie wenn er nicht ganz mit sich im Reinen sei, welche Haltung er ihm gegenüber einzunehmen habe; nun aber stand er plötzlich auf und schnitt, indem er in seiner ganzen stattlichen Größe dicht vor ihn hintrat, dem Tischler die Weiterrede ab. „Sie überschätzen meine Geduld und meine Gutmüthigkeit. Glauben Sie etwa, daß ich geneigt bin, mich von einem Menschen Ihres Schlages belehren oder überreden zu lassen? Ohne Zweifel sind Sie ja einer der Anstifter dieser ganzen Ausstandsbewegung gewesen, denn Ihresgleichen hat natürlich nichts auf's Spiel zu setzen, und das Hetzen und Wühlen ist jedenfalls um vieles angenehmer, als das Arbeiten, da es Ihnen ja die Mög- lichkeit gewährt, sich aus der Tasche Ihrer Kameraden gute Tage zu verschaffen. Aber man macht heutzutage nicht mehr viele Umstände mit Individuen von Ihrer Art — merken Sie sich das, mein Bester! Ich werde noch in dieser Stunde die Polizei ganz besonders auf Sie aufmerksam machen und ich rathe Ihnen darum, lieber äus freien Stücken die' Stadt so bald als möglich zu verlassen. Wer weiß, ob Sie sonst nicht noch unliebsame Bekanntschaft mit unseren Gefängnissen machen könnten." Die anderen Mitglieder der Deputation, die bei den ersten Sätzen ihres Kameraden schon wieder ein wenig Hoffnung geschöpft hatten, zogen sich angesichts dieser Gesprächswendung scheu in das Vorzimmer zurück. Paul Mehnert aber blieb kerzengerade vor dem Fabrikherrn stehen und sah ihm mit festem, trotzigem Blick in's Gesicht. „Ich habe nichts begangen, weswegen man mich in's Ge- fängniß setzen könnte," erwiderte er, „und so viel Gerechtigkeit wird ja am Ende noch in der Welt sein, daß man einem ehrlichen Menschen nicht seine Freiheit nimmt, nur weil es einem reichen Herrn unbequem ist, ihn in seiner Nähe zu haben. — Schreiben Sie der Polizei meinetwegen, was Ihnen beliebt — aber nehmen Sie sich in Acht, daß Ihnen nicht schon morgen die Reue kommt über die Hartherzigkeit, mit der Sie die armen Leute da fortgeschickt haben." Herr Neukamp kniff die Augen zusammen und fixirte den Tischler mit einem tückischen Blick. „Ich soll mich in Acht nehmen? — Wie meinen Sie das? — Wollen Sie damit eine Warnung oder eine Drohung aussprechen?" „Die Erklärung für meine Worte werden Sie sich leicht selber geben können, Herr Neukamp I Die Arbeiter Ihrer Fabrik find gewiß ruhige und friedliebende Menschen; aber man soll auch die Ruhigsten nicht zur Verzweiflung treiben, wenn man nicht am Ende schlimme Erfahrungen mit ihnen machen will. Werfen Sie die Weiber und Kinder wirklich auf die Straße und lassen Sie wirklich ftemde Arbeiter von außerhalb kommen, so sehen Sie sich vor. — Ich möchte nicht dafür einstehen, daß auch dann noch Alles in Ruhe und Frieden abgeht." „Friedrich," wandte sich der Fabrikbesitzer mit erhobener Stimme an den noch immer in der Thür stehenden Diener, „Du hast gehört, daß dieser Mensch mir gedroht hat. Präge es Dir wohl ein, denn Du wirst es möglicherweise vor der Obrigkeit bezeugen müssen. Und nun entferne den Burschen au» meinem Hause! — Ich will mich nicht weiter belästigen lassen." Der Diener näherte sich gehorsam Paul Mehnert; aber der Blick, der ihn aus den düsteren Augen des Tischlers traf, hielt ihn doch davon zurück, die Weisung seines Herrn buchstäblich auszuführen. „Man braucht mich nicht hinauszuwerfen, Herr Neukamp, und ob Sie meine Worte als eine Drohung nehmen wollen, ist mir, wie gesagt, ganz einerlei. Wir Beide haben in Zukunft ja doch nichts mehr miteinander zu schaffen." Er ging; aber der Fabrikbesitzer verfolgte ihn mit einem bösen Blick. „Oho, mein Bürschchen, darin könntest Du Dich doch täuschen," sagte er bei sich selbst. „Ich müßte ein Narr sein, wenn ich nicht die gute Gelegenheit wahrnähme, mir ihre Sippschaft vom Leibe zu halten. Es ist ja kein Zweifel, daß er ihr Bruder ist; aber er wußte offenbar nicht, wen er vor sich habe. Wir wollen doch lieber nicht erst abwarten, bis er dahinter gekommen ist." Er setzte sich nieder und schrieb an den Polizeidirector von W.; aber er war noch nicht über die ersten Zeilen hinausgekommen, als an die Thür des Zimmers geklopft wurde und sich auf sein ärgerliches „Herein!" die lange, dürre Gestalt des Assessors Valentini über die schwelle schob. Der eifersüchtige Groll, jmit welchem der um seine bomb1 nirende gesellschaftliche Stellung besorgte junge Herr den Fabrikbesitzer anfänglich betrachtet hatte, schien neuerdings einem sehr, freundschaftlichen Verhältniß gewichen zu sein, da der Assessor' sich die Freiheit nehmen konnte, zu einer so frühen Stunde unangemeldet hier einzudringen. „Entschuldigen Sie, Verehrtester, wenn ich störe," sagte er, die etwas widerwillig dargebotene Rechte Neukamp« kräftig schüttelnd. „Aber mein Weg führte mich gerade in Ihrer Nähe vorüber und da konnte ich mir'» nicht verkneifen, Ihnen einen guten Morgen zu wünschen. — Stecken übrigens tief in allerlei Aufregungen — wie? — Möchte, offen gestanden, augenblicklich nicht in Ihrer Haut fein, wie behaglich sich's sonst auch darin leben mag. Fatale Sache, mit Leuten äus dem Kriegsfuße zu stehen, die so unheimliche Gesichter haben, wie dieser eine, dem ich unten auf der Treppe begegnet bin." (Fortsetzung folgt.) — 376 Vermischtes. Nni GemeinnAtziges. | Das Waschen des Gemüses soll nach der,,Fdgr." I erst geschehen, wenn man es für die Küche Dasel zub reitet Kartoffeln, weiße Rüben, Möhren, Sellerie, Pastr imken rc. verlieren ihren eigenthümtichen feinen Geschmack I schnell durch das Waffer, so verdirbt dieses dre Manzen schnell und nimmt ihnen Frische und Wohlzeschmack Roch schi mmer iU es mit Salatarten. Das Waschen sollte nur unmuiewar vor der Zubereitung geschehen, alles Waffer dann durch Aus- I schütteln und Schwingen in einem Bindfadennetz, Durchschlag obe^ einer Serviette entfernt und der Salat dann sogleich an morhptt ^e frischer aus dem Boden, desto feiner schmeckt der Salat. Nichts verdirbt den Wohlgeschmack mehr MFÄt Ich«« »VL3 Ätt’am ' W'-LLÄ &S K‘Ä L Mlchm Salat mehl al« ei* Rtmt-tt im Buffet. SÄ SÄT» m»e«tnhh6ii8flttaelbut>f. 14 Deka Butter mit zwei wÄ"®oeÄ U»: ,rarnttim Weinstein saut verrührt) langsam dazugeruhrt, owik Ln SZee de? A Eier. Die Waffe kann in einem | ausaesehten Model sofort zum Backen gegeben werden, doch darf der Model nicht bis zum Rande gefüllt Erdendadie Masse etwas steigt. Diefer Gugelhupf hält sich lange frisch bei gleicher Güte. * , «sitt AitißS Tkleckenwaffer. Man nehme 4 Eßlöffel sch , „ „ii oitipm Schwamm oder wollenen Lappen an. "«»SM» zuerst mit Butter erweicht werdem Nain?auer Nockerln. Ein eigroßes Stückchen Butter £ÄÄX, S ÄffiÄÄg ÄÄÄZ Nm-LÄanne gtez ässä s Abrieb hinein, wenn man merkt, daß es etwas fest wird, schnell mit einem Löffel umkehren, daßsteunten und oben eine schöne Quantum ist für eine Portion berechnet- bßt Leuchtkäfer. Die Leuchtkäfer haben nach den Untersuchungen des bekannten amerikanischen Forschers asessSaisssjss «eSÄetia« IW«. IÄt*t,®,S Wb i« der illustrirten naturwissenschaftlichen Monats,christ LMLWMM und selbst noch der Gasflamme, er beträgt hierw u I ©rSÄ^^e«VÄtt !FS hx si « 5 I unnöthige Wärmestrahlen Mthuh,s L der Kosten billigste Licht mit einem etwa ErhundertstnDy s’^’SSE als Resultat gewisser chemisch-physikalischer ^orgaug z *tr¥is6”Ä“R«"aÄ *Ä zu erwarten haben, dre der großen ® w Stetgenmg bet Sewetatut et. i zielt wird. ------------- „ 9" aWW äsi« bringen, den ^i^ko daraus egen un bem Lar- Befriedigung wohlgezählte „WNfUNvzwanzrg linger herunter hauen. # , Qn wie verzweifelten Mitteln Theaterunternehmer greisen, um L vielköpfige Ungeheuer ersten Platze erstehen, ^ben morgen z sch werden bei Unterzeichnetem eine Director und gegen geringes Aufgeld Zähne geriffen. A.«?-, I früherer Zahntechniker. , , I» bett ®eti»aal tritt' ein H» * ** ”’i brecher mit dem Hut auf dem Kopf. 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