»Jfe> r ^^SjisSs? ■hbB* Sv XLV) Nr. 5. e^ SmiC ■ ^=-.«„5^---«..---(T-EEs ,---- Antevhaltnngsblatt $um Gieszsnev Anzeigev (Gsnevcrl-Anzeigev) SBrtBfflHSH'!' dafl - ./ iWH i ,r ^MWZW Swsofe ' •. -nruxr-J WWWBMKKK« #ssqs - Ms«>M Donnerstag, den 12. Januar. Dank für alle Ihre Mühe. nicht. Decken, Hoffmannstropfen und etwas Wein waren in den Hän- bemerkte das Alles kaum, eine lutyjuvyuyc o«“u‘ “'“‘“V''* I ~T ’L"” Herz; ohne dem Gutsbesitzer mehr als eine nur flüchtige Ver- I gebrochen zusammensank. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. (Fortsetzung). Ein spöttisches Lächeln zuckte um die Lippen der schönen Frau. „Wirklich, Herr Wolfram? Aber ich nehme Sie beim Worte. Lesen Sie später den Inhalt dieses Briefes; wollen Sie das?" Sie reichte ihm ein zerknittertes Blatt, das er zögernd nahm. „Ist diese Mittheilung an mich gerichtet, gnädige Frau?" Anna lachte hell auf. „Dann würde sie sich schwerlich in solcher Vexfaffung präsentiren, Herr Wolfram. Nein, das Billet gehört Fräulein Aßmann, ich fand es „in der Tasche ihres Kleides." Erich fühlte plötzlich, daß dunkle Gluth sein Gesicht überflog. „Und Sie lasen den Inhalt, gnädige Frau?" „Natürlich! Das Blatt war unverschlossen und auf erlaub- - tem Wege in meinen Besitz gelangt, ich sah also hinein. Möglicherweise konnte es eine empfindsame Poesie enthalten oder ein Rccept zum Pudding, nicht wahr? Wer trägt denn auch I Documente von Wichtigkeit mit sich in der Tasche herum? Der Gutsherr hatte die im Augenblick verlorene Geistesgegenwart jetzt wieder gefunden; er bot der Dame den Brief, den sie indessen nicht annahm. „Ich meinerseits verzichte auf die Kenntniß fremder Schriftstücke," sagte er durchaus gelassen. Sie sah ihn an, immer so sonderbar spöttisch und trium- phirend, daß es ihn heimlich quälte. „Ihr Verzicht ist in diesem Falle unausführbar, Herr Wolfram." „Aus welchem Grunde, wenn ich fragen darf?" „Sind Sie nicht Fräulein Aßmanns Vormund?" „Das wohl, aber —" . „Es gibt hier kein Aber. Lesen Sie nur diesen Brref, beugung zu schenken, lehnte sie sich in die Kiffen zurück und Uoß wie in großer Ermüdung beide Augen. Die Haushälterin griff schon nach den Tropfen. „Gnädige Frau werden doch nicht unwohl?" fragte sie voll Be- ^^Belästigen Sie mich nicht!" , Die scharfe Erwiderung verschloß der Alten den Mund. Er wurde im Wagen ganz still. Nachdem Erich dem Kutscher das Zeichen zur Abfahrt ge- geben hatte, schloß er die Hausthüre und ging in das Wohnzimmer zurück. Zwischen seinen Fingern brannte immer noch der zerknitterte, an Ruth gerichtete Brief — sollte er ihn wirk- lidi lefen? Wenigstens aber jetzt nicht. Der Großvater wartete; es war daher eine unumgängliche Pflicht, zu ihm.zu gehen und ihn anzuhören. Ob seine Mittheilungen Gutes brachten? Sicherlich nicht. Das empfand Erich schon jetzt. Zweites Kapitel. Der alte Herr ging in seinem Zimmer langsam auf und ab, sehr blaß und ohne die gewohnte lange Pfeife, aus der er sonst den ganzen Tag zu rauchen pflegte. Auf dem Tische vor dem Sopha stand eine kleine stählerne Kassette, einer jener zierlichen Behälter, in denen Werthsachen und Documente auf- bewahrt werden. So oft der Greis an dem Tische vorüber- ging, streiste ein sorgenvoller Blick das Kästchen. Als Erich erschien, bot ihm sein Großvater die Han^ „Du hast getanzt, mein Junge, es ist spät, fühlst Du Dich auch kräftig genug, um eine lange Auseinandersetzung anzuhören und dann einem - Schlage, der Dich treffen wird, muthig die Stirn zu bieten, ganz tapfer und ruhig zu bleiben? Erich erschrak nicht, er hatte Aehnliches erwartet. „Emem Schlage?" wiederholte er. „Was kann das fein, Großvater? Der Alte stand still und stützte die Hand auf den Tisch I mit der Kassette. „Es ist nichts Gutes, Erfreuliches, gab er zurück, , leider nicht, mein armer Junge, aber auch ebenso X’ä arg hää ä Dank für alle Ihre Mühe. - Bitte, derangiren Sie sich | von versetzte er. „Alsowenig- ®r begleitete sie trotz ihres Sträubens zum Wagen, in I stens nicht ba» dem Frau Steffen schon Platz genommen hatte. Wollene Großvater Mache es kur , „ "ber Beide blaß bis in die Decken, Hoffmannstropfen und etwas Wem waren m den Han- Sie ^enfa jefe|ü^"a"De kräftige Mann mit ruhigem Blick den der guten Alten schon bereit, um etwaigen weiteren ^pbn. abe l ngere^^^^ g @rei8 h^ig erregt, Schwächezuständen mit Erfolg zu begegnen. Die schone Wlttwe und Wem,. Mbewuvu^M ganze hinfällige Gestalt wie bemerkte das Alles kaum, eine rach richtige Freude erfüllte ihr daß seine FingerAllerren u»u a 18 — Erich beugte sich liebevoll zu dem Greise hinab. „Es handelt sich jedenfalls um Geld, Großvater," sagte er. „Das Wie der Sache begreife ich allerdings je länger, desto weniger; aber laß uns vor allen Dingen ruhig bleiben. Ich denke ja nicht, daß es eine Existenzfrage sein könnte, was Du mir mittheilen willst." Der Alte schloß einen Augenblick die Augen. „Je nachdem, Erich! Je nachdem! — Es sind — zwötstausend Thaler, die ich —" „Großvater!" „Bitte, gib mir etwas Wasser, mein Junge! — Bist Du sehr erschrocken? — O, mein armes Kind, wie ich leide, wie ich leide!" Der Gutsbesitzer flößte ihm den erbetenen Trunk mit Mühe ein; der alte Herr zitterte so sehr, daß er kaum zu schlucken vermochte. „Sprich doch, Erich, sprich doch. O, mein Liebling, mein einziger Junge, ich habe von dieser großen Summe keinen Pfennig unnöthiger Weise verausgabt, es ist auch nicht einer verschwendet oder zu Privatzwecken verwendet worden, ich schwöre es Dir mit den heiligsten Eiden." Erich hatte seine Fassung wiedergesunden. „Werde ruhig, Großvater," bat er in begütigendem Tone, „laß uns vor allen Dingen keinen Groll in die Sache hineintragen und nicht aneinander zweifeln. Erzähle mir Alles, ohne das Geringste zu verschweigen, ich glaube Dir jedes Wort, jede Einzelheit." „Das lohne Dir Gott, mein Liebling. Sieh', ich will zum ersten Anfang zurückkehren — da begegnet Dir Langbekanntes, Dinge, von denen Du häufig sprechen hörtest. Ich mußte vor länger als einem halben Jahrhundert einen Knecht sewer Unredlichkeit wegen entlassen- Das ging des übrigen Gesindes wegen nicht anders an, aber ich schenkte ihm die Strafe, sah von einer Anzeige bei der Behörde gänzlich ab und gab ihm, als er im Herbst den Hof verlassen mußte, noch einen guten Zehrpfennig mit auf den Weg. Trotzdem aber setzte mir der Elende noch in derselben Nacht das Gehöft in Brand. Die Thüren der Viehställe hatte er vernagelt, die Scheunen alle einzeln an den vier Ecken angezünoet — es verbrannte Alles bis auf den letzten Halm." Der alte Herr legte die Hand über die Augen. Noch im Gedanken an jene furchtbare Nacht mochte ein Grauen alle seine Adern durchrieseln; er seufzte tief. „Es gab damals weder Feuerversicherungen, noch genügende Rettungs-Anstalten," fuhr er fort, „ich war über Nacht zum Bettler geworden, all' mein Hab und Gut lag in verkohlten Trümmern da. Aber selbst das schien noch nicht das Aergste. Tausende von Thalern lasteten auf dem Grundstück als die Darlehen verschiedener Leute, denen ich bisher redlich Zinsen bezahlt hatte - womit sollte ich diese Summen decken ? Wenn mir der damals fast ganz weithlose Grund und Boden ab- gepfändet wurde, blieb nichts übrig, als nur der weiße Stab, mit dem ein Verbannter die Heimath verläßt. So viel wußtest Du schon, mein Junge, es ist Dir häufig erzählt worden und so oft Du fragtest: „Großvater, wer half Dir denn in jener höchsten Roth?" — ebenso oft habe ich Dir geantwortet: „Gute Menschen, Erich. Es gibt deren immer noch, laß Dir den Glauben daran niemals stehlen!" Aber ich sagte Dir nicht, daß er nur Einer war, ein einziger Mann, der sich meiner erbarmte. Heute allerdings mußt Du auch diesen Namen erfahren." Er schüttelie den Kopf. „Es war Baron Moldt, Großvater, ich weiß jetzt Alles. Nur freilich nicht ganz genau, inwiefern —" „Unterbrich mich nicht, mein Junge, sprungweise kann der- gleichen niemals klar gelegt werden, das siehst Du ein. Seit drei Jahrhunderten sind die Dornauer Wolframs und die Moldt zu Molde in gegenseitiger Freundschaft eng verbunden gewesen, ja, es hat sogar zwischen beiden Häusern im Laufe der Zeit mehr als nur eine Hsirath gegeben, und so kam es denn, daß der Vater des jetzigen Barons und ich selbst in der Nachbarschaft nur Castor und Pollux hießen. Wir hatten in den Befreiungskriegen Seite an Seite gekämpft und lebten nun im nachbarlichen Beieinander, bis über mich jene Unglücksnacht hereinbrach. Damals erschien Jürgen Moldt mit seinen Knechten als der Erste auf der Brandstätte; ich sehe ihn noch vor mir, einen schönen, jugendfrischen, herrlich gebauten Mann, gelund an Leib und Seele! Er that, was in menschlichen Kräften stand, aber umsonst, es ließ sich nichts, auch gar nichts retten. Und so nahm er mich denn im Morgengrauen, als Alles zu Asche verbrannt war, mit sich nach Moldt. „Sich' nicht zurück, Hans Adam," sagte er, „das Gewesene ist dahin und wir selbst sind geblieben. Wir müssen uns also neu einrichten, uns mit unserem Schicksal abfinden, so gut es eben geht." Ich glaube, ich habe damals geweint, mein Junge, geweint wie ein Kind, dem man das Lieblingsspielzeug genommen. Ich sollte mich mit meinem Schicksal abfinden — das war leicht gesagt — aber wie? Jürgen Molvt brachte schon aus seinem Wandschrank einen großen eisernen Deckelkasten herbei. „Hilf mir zählen, Hans Adam," sagte er. „Zwölftausend Thaler ersitzen Dir Deinen Schaden und — hier sind sie-" „Das war edel!" rief in ausflammender Begeisterung der jüngere Wolfram. „Großvater, das war eins hochherzige Handlung!" Die Augen des Alten glänzten im Feuer längst vergangener Tage. „Ich sollte es denken, mein Junge," antwortete er mit unsicherer Stimme. „Wahrhaftig, ich sollte es denken. Von so selbstverleugnender Freundschaft weiß unsere Zeit nichts mehr, ihr ist das Verständniß für dergleichen ganz abhanden gekommen. Zwölftausend Thaler! Ein Bruder verräth heute um solcher Summe willen den anderen. Stirb, damit ich lebe 1 — das ist an die Stelle aller weicheren Herzensregungen getreten." „Freilich", setzte er dann hinzu, „Jürgen Moldt war ein schwerreicher Mann, er konnte die zwötstausend Thaler leicht entbehren; ja, als ich ihn fragte, wie wir denn den Contract abschließen wollten, da schüttelte er den Kopf. „Niemand er- fährt ein Sterbenswörtchen, Hans Adam, wir ziehen keine Zeugen hinzu und bringen nichts auf's Papier. Du weißt, ich heirat he nie, das Gut fällt eines Tages an Seitenverwandte, wie sollte ich also Dein Schicksal diesen ganz freniden Leuten in die Hände geben? — Das Geld ist bei Deiner Mannesehre gut aufgehoben, auch ohne Documente und äußerlichen Zwang." Aber davon wollte ich nichts wissen. „Ich kann sterben, Jürgen," antwortete ich ihm, „dann hätten die Moldts ihr Eigenthum verloren." „Darauf lasse ich es ankommen, Hans Adam." „Ich nicht, Jürgen. Wenigstens wollen wir ein Document aufsetzen, von uns Beiden unterzeichnet und gesiegelt, des Inhalts, daß ich Dir die Summe ichulde — dann überlassen wir es der ewigen Weisheit, wie sich die Dinge fernerhin gestalten sollen." Da nickte er und reichte mir herzlich die Hand. „So ist's gut, Hans Adam, ich kann Dir nachfühlen, daß Du das wünschen mußt, aber an einer Bedingung halte ich fest, davon geht kein Titelchen ab. Du selbst sollst den Schuldschein auf- heben, nicht ich." Das habe ich bewilligt, auch, daß das Darlehen ein zins- freies blieb. Wir unterzeichneten Beide des Schriftstück, ich baute Haus und Scheuern wieder auf, tilgte die Hy^otheken- schuld und begann seit jenem Tage Thaler nach Thaler zur Seite zu legen. Jürgen Moldt und ich lebten als engbefreun- dete Nachbarn noch gegen dreißig Jahre, ehe sich mein Jugend- freund in den Netzen einer französischen Comteffe verstrickte und als Fünfziger noch heirathete. Er hatte in früheren Tagen ein unglückliches Herzensverhältniß gehabt und war nie zur Ehe zu bewegen gewesen; jetzt aber ergriff ihn die Leidenschaft auf das Heftigste, er verlor völlig den Kopf, und was eine Reihe sparsamer, besonnen wirthichaftender Altvordern zusammengetragen, das wurde nun leichtfeittg verschleudert Auf Dornau ilühte ein bescheidener Wohlstand, auf Moldt dagegen schwand das Kapital wie Schnee vor der Sonne. Fest folgte auf Fest, der einzige Sohn wurde verhätschelt ; — 1V „Sprich doch nicht in diesem Tone, Erich, es zerreißt nur das Herz. Glaubst Du meinen Worten denn nicht? Denkst Du, es sei Dir eine Fabel erzählt worden?" „Großvater!" „Aber Du bist so stumm, so unnatürlich ruhig, mein Junge. Hat Dich denn der Schlag so ganz vernichtend getroffen?" r , „Wenigstens sehr, sehr schwer, Großvater. Geschehenes ist nicht zu ändern; aber leichter wäre es mir, glaube ich, geworden, die Dinge von jeher zu kennen und zu wissen, welche Bürde auf meinen Schultern lastete. Es ist, wie Du sagst, vernichtend, sich bis jetzt für einen wohlsituirten, ja, reichen Mann gehalten zu haben und nun so jählings das Gegentheil zu erfahren." Der alte Herr wiegte bekümmert das ersgraue Haupt. „Und ich wollte Deiner schonen," sagte er mit bebender Stimme, „ich wollte Deine Jugend von Sorgen, von offenen Fragen freihalten. Jetzt bist Du ein gereifter Mann, Erich, die Jllu- fronen des Lebens liegen hinter Dir; Du mußt es lernen, Deinen Antheil von den Plagen des Daseins muthig zu tragen. Im steten Sonnenglanze wandelte, so weit die Erde Menschen trägt, noch kein Einziger. Und überdies," setzte er dann, als Erich schwieg, seufzend hinzu, „glaubst Du, es sei so leicht, so ohne inneres Weh gewesen, das schlimme Geheimniß Jahr aus, Jahr ein mit sich herum zu tragen? Das Liebste, was man sein Eigen nennt, von einem schweren Schlag bedroht zu wiffen und doch das Verhängniß nicht wenden zu können, denkst Du, das sei gar nichts? In jede frohe Stunde hinein fällt der Schatten, 'in jeden Zukunftsplan mischt sich eine kalte, Mitleids- lose Hand und verwirrt die Fäden; das Wenn und das Aber halten Wache vor jeder Freude--und Du glaubst, ich hätte aus Egoismus geschwiegen?" Voll tiefer Bewegung beugte sich der Gutsbesitzer zu dem alten Manne herab und küßte deffen blaffes Gesicht. „Ich glaube von Dir nur das Allerbeste, Großvater," fagte er in weichem, zärtlichem Tone, „ich danke Dir für Deine selbst- vergeffende Liebe tausend- und abertausendmal, nur mußt Du mir Zeit lassen, das gänzlich Unerwartete, Verwirrende erst ruhig zu erfaffen und mich mit ihm vertraut zu machen. Die Consequenzen der Sache können sehr verzweifelte sein, das erkennst Du jedenfalls auch selbst." (Fortsetzung folgt.) Meine Lampe. An den langen Abenden sammelt sich der trauliche Familienkreis um die Lampe, die mild ihren Schein auf die Arbeiten der Großen und Kleinen wirft, die sich um ihr Helles Licht sammeln. Welch' treue Freundin ist auch mir meine Lampe geworden! Es ist noch früh am Morgen- Noch schläft Alles um mich her; tiefe Stills umgibt mich. Ich kleide mich rasch an; bald brennt meine Lampe und schnell hole ich noch diese oder jene Flickarbeit herbei, die ich gestern nicht vollenden konnte, um sie fertig zu machen, ehe das liebe kleine Volk erwacht und dringend nach der Mutter und deren Hülfe verlangt. Auch des Abends, wenn mein Mann feine Zeitung liest, die Kinder fchlafen, die nöthigste Arbeit gethan ist, da leuchtet mir wieder der traute Schein meiner Lampe. Auch ich darf jetzt ein gutes Buch zur Hand nehmen, entweder in meiner lieben Bibel lesen und meinem Gott danken, oder längst vergessene Kenntnisse wieder auffrischen und neue sammeln. Welch' köstliche Morgen- und Abendstunden beleuchtet nur doch meine Lampe! Ich möchte sie nicht missen. Frau Doctor da drüben sagte mir, sie käme nie zum stillen Lesen eines guten Buches bei der Lampe. Freilich, bei Doctors ist des Abends meist Besuch oder sie gehen aus, und ich hörte neulich, wie Doctors Klärchen zu meiner Gertrud sagte: „Wie gut hast Du es, wenn Deine Mama Dir Abends etwas vorliest und Dich dann zu Bette bringt. Meine Mama hat nie Zeit dazu, sie geht mit Papa fort oder es ist Besuch da und chie alte man ließ ihn für die militärische Karriere ausbtlden und sobald er dazu alt genug geworden war, begann er selbst, das Geld mit vollen Händen wegzuwerfen. Schon damals war von den zwei Millionen Vermögen keine halbe mehr vorhanden, außer dem unbelasteten Grund und Boden natürlich. Jürgen Moldts letzte Lebensjahre waren von Sorgen und Befürchtungen getrübt. Nahe vor feinem Tode sprach ich noch mit ihm. So lange ich lebe, wird mir sein Blick vor der Seele stehen. „Hans Avam", sagte er, „mein letzter Trost, meine einzige Hoffnung bist Du. Wenn Alles auf dem Spiele steht, wenn Moldt unter den Hammer zu kommen droht, dann hilfst Du meinem Sohne, nicht wahr? Aber laß ihn vorher nichts erfahren, hörst Du, sage ihm von unserem Abkommen keine Silbe; denn er ist leichtsinnig, Du weißt es, er verschleudert den Werth." „Da habe ich dem bekümmerten Manne denn in die Hand gelobt, ganz so zu handeln, wie er es wünschte, Erich. Bald danach ist er gestorben und etwas später auch die Baronin. Nun kennst Du meine Geschichte, liebster Junge Dein Vater wußte Alles; er selbst hat einen großen Theil jener Summe durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit zusammengetragen, ebenso auch Du. Es gilt jetzt, stark zu bleiben und den ganzen Besitz auf einmal hinzugeben." Erichs Blicke hafteten am Boden. „Den Weinhändlern, den Pferderennen, den Schmarotzern aller Art," sagte er düsteren Tones. „Das ist traurig, mein Junge, überaus traurig, aber wir müssen es dennoch tragen. Hans Adam darf nicht untergehen." „Als ob Du ihn schützen könntest, Großvater!" „Das ist unmöglich, ich weiß es wohl. Aber weiter als bis zur Rückerstattung jener zwölftausend Thaler reicht meine Verantwortung nicht. Was später kommt, das kann mich zwar tief betrüben, aber es betrifft nicht mehr meine eigene Mitwirkung an der Sache." Erich glitt langsam mit der Hand über die Stirne, hinter der es pochte und hämmerte, als wolle das heiße Blut seine Fesseln sprengen. „Großvater," sagte er, „das Geld gehört ohne alle Frage den Moldts, wir müssen es hingeben, darüber kann kein Zweifel entstehen, aber weshalb jetzt? Du schüttest, was drei Generationen durch eisernen Fleiß erworben haben, gleichsam nutzlos in's Meer." „Weil ich nicht anders kann, mein Junge. Was wir sind und haben, das danken wir den Moldts und zwar nicht allein in Bezug. auf jenes Darlehen, nein, schon aus viel früherer Zeit her. Vor drei Jahrhunderten kam einmal ein fremder, kranker Soldat halb verhungert in's Schloß und bat um Aufnahme, ein entlaufener Leibeigener, dem die Heimstätte fehlte und der nun flehentlich bat, man möchte ihm irgendwo im Winkel ein Plätzchen vergönnen, um ruhig darauf sterben zu können. Dieser Mann ist im Schlosse verpflegt worden und später mit dem Gebieter desselben in den Krieg gezogen. Da hat er durch seine große Treue und Tapferkeit dem Herrn das Leben gerettet und zum Lohn ist ihm, als es Friede geworden war, der Grund und Boden von Dornau sammt dem Freibriefe für ewige Zeiten geschenkt worden. Der Fremdling war unser Ahnherr, Erich, der erste Wolfram in hiesiger Gegend — darfst Du seine Geschichte jemals vergessen?" Ein Lächeln umspielte Erichs Lippen. „Großvater", sagte er, „aus Dir spricht der Geist einer verschollenen, unserer Gegenwart fremd gewordenen Zeit. Aber gleichviel, Du hast Recht, das Opfer muß gebracht werden. Willst Du mir sagen, wann nach Deiner Ansicht der Augenblick dafür gekommen ist?" „Sobald man auf Moldt zur Pfändung schreitet, mein QuHflC«" „Und wenn die Schuldsumme jene zwölstausend Thaler weit — himmelweit übersteigt?" Der alte Herr zuckte die Achseln. „Gott verhüte er," fcuf^tc 6t« Und als Erich langsam aufstand, setzte er hinzu: „Willst Du nicht erst den Schuldschein ansehen, mein Junge?" „Wenn Du es wünschest, Großvater — gewiß." - 20 - Selterhähne entleert. * Vermischtes * gehalten hast. * boshafte Lehrjunge. von Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen Anna liest uns nichts vor, die strickt lieber oder schwatzt mit der Köchin. Wir müssen auch immer allein schlafen gehen!" Frau Doctor hat auch nie Zeit, die Sachen ihrer Kinder in Ordnung zu bringen, obgleich sie den ganzen Tag herumläuft, um fertig zu werden. Sitze ich aber bei meiner Lampe, so mahnt mich ihr ruhiges, gleichmäßiges Licht an ein stetiges, ausdauerndes Arbeiten. Ein unruhiges Ergreifen bald dieser, bald jener Arbeit bringt keine zu Ende; doch, wie schnell ist ein Hemd geflickt, ja, ein ganzer Korb voll Wäsche ausgebeffert, wenn ich still bei meiner Lampe sitze, Stück um Stück vornehme und vollende! Nach kurzer Zeit blicke ich mit Vergnügen auf das gethane Werk. Du wirst lächeln, liebe Leserin, doch meine Lampe sagt mir noch mehr. Nicht nur mahnt sie mich zur Beharrlichkeit, sie will auch täglich mit frischem Oel gefüllt sein, um ihre Dienste zu thun. Nun, merkst Du es nicht? Will nicht auch Dein Geist täglich mit neuer Nahrung an nütz, lichen Kenntnissen, edlen Gedanken, Lehren der Weisheit, besserem Verständmß der alten Wahrheiten versorgt und ge- pflegt werden, wenn er wachsen und reicher werden will an Früchten edelster Art? Wo und wann findest Du wohl eine eindringlichere Mahnung, daß, wie die Lampe ohne Oel erlischt, auch das Leben unseres Geistes erlöschen muß, wenn wir ihm nicht die entsprechende Nahrung reichen? — Doch noch andere Mahnungen raunt mir meine Lampe zu. Ich zünde sie an, denn es ist Abend geworden; dieser Tag hat sein Ende erreicht, er kommt nicht wieder. So ruft sie mir dann zu, daß auch für meine Jugend, mein Leben ein Abend kommen wird, an dem auch meine Kräfte schwächer werden und endlich ganz ihren Dienst versagen werden! Darum mahnt sie mich in ihrer stillen Weise, meine Zeit und Kraft zu benützen und weise zu gebrauchen, so lange sie mir verliehen ist. Was meinst Du, ließe Leserin, sagt Dir dies und ähnliches nicht auch Deine Lampe? Um Flecken von Oel oder reinem Fette aus heiklichen Stoffen trocken zu entfernen, legt man den Stoff über weißes Löschpapier und bestreut ihn dick mit feinem gepulver- tem Meerschaum. Nach 24 Stunden staubt man diesen weg- War das Fett schon eingetrocknet, so erweicht man es durch Wärme, indem man auch über den Meerschaum Löschpapier legt und ein warmes Bügeleisen darüber hält. * » * Milch-Champagner. Ein gesundes und wohlschmecken- des Getränk, welches dem Kumys ähnlich ist, kann man sich nach der Molkereizeitung dadurch Herstellen, daß man 5 Liter Mttch mit 100 Gramm Zucker auf 30 Grad erwärmt, als- dann ein nußgroßes Stück Preßhefe zusetzt und in Champagner- flaschen abfüllt, die nur zu dreiviertel voll werden dürfen. Wollene Decken zu waschen. Man löst XU Pfund weiße Seife in 12—14 Liter weichem Wasser auf, fügt für farbige Decken drei Löffel Salmiakgeist, für weiße ebensoviel Borax hinzu und spült und drückt die Decke darin, bis sie rein ist, dann wäscht man sie in klarem heißem Wasser nach und trocknet sie im Schatten in gelindem Lustzug. Man schließt nun die Korke mit Bindfaden an den Flaschenhals und läßt dieselben bet 10—12 Grad Celsius unter öfterem Umschütteln 2—3 Tage stehen. Da das fertige Getränk äußerst stark schäumt, wird die Flasche zum Genüsse durch sogenannte Gelehrige Thiere. Ein Amerikaner rühmt einem seiner Landsleute gegenüber den außerordentlichen Scharfsinn feines Hundes. „Wenn ich ein Rebhuhn tobte, rupft es Fox mit seinen Zähnen; wenn es ein Hase ist, zieht er ihm mit einigen Bissen das Fell ab; zu Hause brauche ich dann das Wild nur noch an den Spieß zu stecken-" — antwortet lebhaft der Kamerad, „da habe ich etwas viel Besseres gesehen. Als ich in Indien jagte, da hatte ich einen alten Stephanien, dem ich am Abend auftrug, mich zeitig am Morgen zu wecken, damit ich mich zur Verfolgung der Tiger aufmachen könne. Niemals ließ er mich im Stich; da aber fein Gedächtniß infolge feines großen Alters schon recht schwach war, so machte er jedesmal, ehe er sich schlafen legte, einen Knoten in seinen Unerwartete Wendung. Frau: „Sage'mal, Mann, warum nennst Du mich eigentlich immer Deine Sonne?" — Mann: „Weil Du so viele meiner Lebenslage hübsch warm * * Ragout. Saure, pikante Speise von Fleischresten wird verschiedenartig bereitet, meist jedoch von Kalbsbraten- Man röstet einige Eßlöffel Mehl in zerlassener Butter gelb, dämpft darin Schalotten, Citronenschale, Petersilie, Sardellen ober Häring, sämmtlich zerkleinert, gießt Fleischbrühe ober kochendes Wasser zu und läßt die Masse aufkochen. Hierauf schneidet man übriggebliebenen Kalbsbraten (auch Rinderbraten, Rindfleisch oder Geflügel) in Würfel, schüttet ihn nebst Essig, Citronensast, Lorbeerblättern, ganzen Nelken und Pfefferkörnern in die Sauce, gießt wenig Bratenbrühe, wenn solche vorhanden ist, hinzu und läßt gut durchkochen. * * * Mit Unschlitt, Stearin, Wachs betropften Stoff gibt man zwischen Fließpapier und hält ein warmes Bügeleisen darüber, wobei man das Papier oben und unten so lange wechselt, bis es nicht mehr fett wird, dann putzt man mit Benzin ober Terpentingeist, Bröner« ober Kölnerwasser nach. Rüssel." „Das deischt." (Aus: „Das Buch vom Klabberstorche" Ebwin Bormann.) Spazier' ich da neilich im Wiesendhal Und deüke an nischt Genaues, Da watschelt dorch's Gras mit eenen Mal So was Schwarz-un-weiß-un-graues- Da gingk Sie spazieren ewenfalls Der Storch mit bedächtigen Sinne, Ae Weidenkerbchen hatt' er um Hals, Vier Besuchen strambelden drinne. „Nee", rief ich, „das allerliebste Zeig! Die Guckelchen un die Häärchen! Sagt, Meester Klabberstorch, nur gleich, Wer kriegt denn das Zwillingsbäärchen?" „Ei", sagte der Storch in belehrendem Dhon, „Das deischt; denn ich kann Sie's bedheiern: Das eene is Sie ä Grafensohn, Un das and're bring' ich der Meyern." Gemeinnütziges Verrathen. „Wie ich neulich Abends spät nach Haus' komm', krieg' ich auf der Hausflur eine fürchterliche Ohrfeige!" — „Und was sagtest Du?" — „Guten Abend, Weiberl!" * » Beim Friseur. „Wo belieben Eure Gnaden den Scheitel zu tragen?" — Berliner: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, auf dem Kopfe", * „Die Frau Meisterin macht den Kaffee so schwach, daß er nicht allein aus der Kanne heraus kann," sagte der